Mei potschate Hoamat
Hoamatgsaung (flott)
i hab di so gern
A Kinderl sein' Herrn.
i han dih so gern
Regierungserklärung [zu Englisch: National Womansplaining]
Liebe Österreicherinnen (die weibliche Form meint die männliche ganz herzlich mit)! Liebe Parlamentsabgeordnete!
Ich bin stolz und geehrt, dass Sie mir Ihr Vertrauen schenken und mich auf diesem neuen Weg begleiten! Ich verspreche, stets für das Wohl des Landes zu handeln, und bekenne mich zu Europa und zu einem neuen Stil. Er ist geprägt von Respekt, Anstand und auch Hausverstand. Letzterer ist der Kompass für unsere neue Politik. Wir schlagen ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Republik auf, wir schreiben dieses unglaubliche Erfolgsprojekt weiter.
Es ist mir ein wichtiges Anliegen, die Spaltung in unserer Gesellschaft zu stoppen. Deswegen ist es unerlässlich, die Schuldenquote zu steigern, denn aktuell haut man uns das Geld dermaßen nach, dass ein Kredit billiger kommt als Sparen, jede nicht-lobotomisierte Ökonomin weiß das und ich möchte unheimlich viel Knödel in Sozialarbeit, Bildung und Pflege stecken. Ich und mein Team, vor allem aber ich werde die absolute Mehrheit, mit der Sie mich und mein Team ausgestattet haben, mit bestem Wissen und Gewissen dazu nutzen, um entscheidende Maßnahmenpakete auf den Weg zu bringen, und wir zählen hier auf einen nationalen Schulterschluss mit der Opposition: Le Sozialstaat, c'est moi.
Deswegen kommt es zu Wiedereinführung der Erbschaftssteuer, vor allem für undankbare Gfraster, die mit dem Erbe ihrer Nazieltern in der sozialen Hängematte liegen und depperte Society-Sachen machen. Ausgenommen bleiben zB! bescheidene Künstlerinnen, die von ihren Eltern nicht mehr als ein ganz kleines Einfamilienhaus im infrastrukturschwachen Speckgürtel zb! Schönering erben und dafür auch wirklich aufrichtig danke sagen. Ich meine, so einen Kübel muss man ja auch erhalten können, und die Putzfrau willst du auch nicht zurück in die Ostslowakei schicken, ah, übrigens, Tombola des Grauens, Ihr Beitrag zur gerechten Umverteilung.
Grenzen und Klima schützen – das Beste aus beiden Welten! Ich stehe für einen respektvollen Umgang mit der Schöpfung: Sie werden sich wundern, was hier alles möglich ist. Reform der Landwirtschaft: Mit Freude darf ich die Einführung der Kostenwahrheit im Agrarsektor verkünden, das wird sich positiv auf die Negation des Fleischkonsums und die Gesundheitssituation auswirken. Klimaschutz ist in meinem *räusper* unserem Regierungsprogramm großgeschrieben, denn es ist nicht nur ein Hauptwort, sondern ich will ja schließlich doch wiedereinmal eine Skitour gehen und Sie mögen das Hahenkammrennen anschauen. Deswegen habe ich meine Verkehrsministerin mit einer öffentlichen Generalmobilisierung beauftragt, schaffe sie mir ein Schienennetz, so dicht, dass sogar die Zugvögel eine Bahncard kaufen!
Ich werde mit der Verantwortung, die Sie mir übertragen haben, achtsam umgehen. Aus diesem Grund – jetzt werde ich kurz global, also Englisch: I will tax the shit out of all Energiekonzerne, vor allem mit fossilen Brennstoffen. Und wenn mir wieder so ein Premiumautoprodukt aus dem Verkehrssteinzeitdeutschland arschlings auf meinem Dienstwagen draufpickt und aufblendet, dann lasse ich den Fahrer in die Mühlen meiner reformierten Justiz werfen, auf dass sie ihn zermalmen. AND you will know I am the Lord when I lay my vengeance upon you!
Mein persönliches Ziel ist der Kampf gegen die illegale Migration
des Kapitals! Die Steuerfluchtrouten schließe ich mit meinen eigenen, starken Händen! I want Google and Facebook and Amazon to PANIC! The house is on fire, steuermäßig.
Ich stehe für eine proaktive Außenpolitik, die per Pressing und Forechecking unsere Interessen national wahrt. Also Interventionen in Australien, Brasilien etc. im Sinne eines klimawahrenden Demokratieexports – wir unterstützen die Matriarchalisierung unserer Partnerinnen. In diesem Moment werden gerade in einem globalen Impeachmentverfahren die lästigsten Despoten weltweit in den Ruhestand geschickt, wie mir die Frau Außenministerin kurz zuvor berichtet hat.
Matriarchat konkret
Männer sind in der Republik besonderem Schutz unterstellt, ich stehe voll und ganz hinter ihnen. Von meiner Seite gibt es ein klares Bekenntnis zum Mann in Österreich! Wir treten für ein Miteinander der Kulturen ein. Wir sind verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen im Miteinander der Geschlechter.
Einführung einer Männerquote: Deswegen sind 30 Prozent der Sitze in meinem Parlament mit Herren besetzt, diese bilden die Opposition, die ich um ein respektvolles Miteinander bitte.
Respektvolles Miteinander heißt auch, dass ich gegen Extremismus von beiden Seiten bin, sowohl von dauerklärenden Babyboomer-Mansplainern als auch von Suderanten im Allgemeinen. Wer Hasspostings schreibt oder auch nur unaufgefordert einer Frau etwas erklärt, kriegt das Internet abgedreht. Beim Erklären gilt ab 1. Jänner 2020 für Männer verpflichtend, dass hierzu VOR dem Erklärakt das deutliche Einverständnis der Frau eingeholt werden muss.
Ein Maßnahmenpaket, auf das ich persönlich besonders stolz bin, ist die Aufhebung der binären Geschlechter-Ideologie. Seit Beginn meiner Legislaturperiode steht es jeder Bürgerin frei, sich eine Gender-Identität nach ihrem Geschmack zu wählen. It's a free cuntry, for God's sake! Wer eine Frau sein will und die entsprechenden Vorteile genießen will, wer ins feministische Sozialsystem einwandern will, muss sich integrieren und sich zur weiblichen Identität bekennen, wurscht, ob ihm Gogerl in der Hose baumeln.
Wer ein Mann bleiben will, tue das. Ich bekenne mich zum Schutz von Minderheiten, sie haben in unserer Republik nichts zu befürchten.
In diesem Sinne: Göttin schütze Österreich!
Eine Sage über das Volk von Tirol
Eine klimaneutrale Reise (weil in Gedanken) in die schönsten Teile des Landes.
Wohl
ist die Welt so groß und weit / Und voller Sonnenschein
Das
allerschönste Stück davon / Ist doch Tirol, das Kernland dieser
seiner Kronländer amputierten ideologischen Missgeburt Österreich!
Dort wo aus schmaler Felsenkluft / Der Eisack springt heraus
Von
Sigmunds Kron der Etsch entlang / Bis zur Salurner Klaus
Hei di
hei da hei da, Damen und Herren,
Ju vi val le ral le ra, so ist
es!
Hei da hei da, Martin, bisch a Mensch oda a Tirola!
Ju vi
val le ral le ra.
Kuscheln Sie sich zusammen, es ist November, da legt sich Mutter Natur zum Winterschlaf nieder und wir wollen sie nicht stören, darum pscht! Lassen Sie sich eine alte Sage aus dem herrlichen Land Tirol erzählen, von finsteren Mächten und gleißendem Gold.
Es trug sich zu, dass in den frühen Morgenstunden eines Novembertages der Wilderer Schorsch von seiner Liebsten sich verabschiedete, eine geile Alte, aber hey, Sexismus entsteht beim Empfänger! Kreuzteufel, jetzt hat sich eine moderne Textsorte in unsere Sage intertextualisiert, jedenfalls war sein Dirndale a schians Madl, die will man sich gern im Bett vorstellen.
Der Schorsch nimmt an diesem Sonntag früh Morgens sein Stutzerl und strebt dem Gamsgebirg zu. Weil der Weg vom Dorrrrrnauer Erbhof durch finstere Räubersgegenden voller Marokkaner führt, die der Schorsch in seinem urtümlichen Empfinden als fremd äh... empfindet, lässt er den Lauf seines geladenen Geschützes dräuend aus dem Autofenster schauen. So kann er unbehelligt zu seinen Kameraden stoßen, die schon auf ihn warten. Heute soll es gegen den Feind gehen, die Braunbären, wie sie bei ihnen heißen. Sie, die Krieger der roten Falken, wissen von alter Väter Sage, dass die Braunen Hüter eines sagenhaften Schatzes sind. Vor aberdutzenden Monden sollen die Alt-Braunen das Gold uralter Recken aus den Tiefen des Toplitzsees gehoben und im Osttiroler Stammhaus versteckt haben. Diese Barren wollen die Falken heute den Braunen abjagen. Der Schorsch sieht in die Runde, man lacht in Vorfreude auf die Jagd, macht lustige Witze über das schöne Geschlecht, die Prinzessinnen der Großen Stadt und ihre vielen Namen. Er sieht einem nach dem anderen in die durchwegs blauen Augen, lässt sich vom Zirbenem nachschenken und die Gesinnungsgenossen hochleben. Tief in seinem Inneren aber quält ihn die Frage, ob er noch zu dieser linkslinken Jagdgesellschaft gehört, ob er nicht im falschen Körper gefangen ist, er sehnt sich in Wahrheit viel mehr danach, Teil eines Volkskörpers zu sein, nach echter, männlicher Gemeinschaft, nicht so schwulem Diskussionsscheiß für Bettler. Er verscheucht die verbotenen Gefühle und pascht in die Hände. „Auf geht’s Mander, s'isch Zeit!“ Die Waidmänner lassen ihre Porsches stehen und besteigen den Privathubschrauber, denn es ist weit da hinunter über den Alpenhauptkamm. Schorsch wird während des Fluges über die herrlichen, ewigen Berge immer nachdenklicher. Ja, er will das Gold, aber will er, was seine Freunde wollen? Dass die ganzen Hunnenscharen über den Brenner sich wälzen, und dass die Weiber aus der Stadt über sie, diese stolzen Steinböcke des Heiligen Landes herrschen?
Der Hubschrauber setzt an zur Landung, die Falkenkämpfer formieren sich, in einer Reihe schreiten sie in den Hohen Tann, der sich rund um die Burg der Braunen erhebt. Schorsch wartet, bis Reih und Glied stehen. Schon will er sein Jagdhorn zum Angriff blasen, da geht mit einem Mal ein strahlendes Licht in der Dunkelheit an, ein weißer Hirsch betritt die Lichtung. Auf ihm reitet, stolz und erhaben, Andreas Hofer. Die Jagdgesellschaft beugt geschlossen ihre agnostischen Knie. Der stumme Geist des Freiheitskämpfers steigt vom Hirschen, hebt grüßend die Hand zu den Falken, dann schreitet er auf die Burg der Bären zu. Schwer hallt seine knöcherne Faust am Eichenholz. Ihm wird aufgetan. Staunend stehen die Braunen Schützenverbände da, sehen verwundert zwischen dem knienden Feind und dem Geist hin und her. Und dann begreifen alle, Falken und Bären, das Wunder, erkennen, was möglich ist. Hofer nimmt die Linke Schorschs und die Rechte des braunen Führers Bertl und führt sie ineinander. Die Kraft der Einigkeit durchströmt Rot und Braun.
Von Stund an hielten sie gemeinsam zusammen gegen die Hunnen, und gemeinsam zwangen sie die Frauen und Dirndln und Prinzessinnen und Stadschulis zurück in Zucht und Ordnung.
Und aus rauen Kehlen singen sie seither zum Andenken an das Wunder von St. Jakob:
Kennst
du die Perle, die Perle Tirols?
Die Burg St. Jakob, das kennst du
wohl!
Umrahmt von Bergen, so friedlich und still.
Ja das
Nazigold am grünen Inn,
Ja das ist Heimat am grünen Inn,
Ho -
la - di - le ...
Ho - la - di - le ...
... bei uns in Tirol!
Als mich der Sprecher der Akademie an diesem viel zu warmen Oktoberdonnerstag anrief, um mir den Nobelpreis für Literatur 2021 zuzusprechen, ließ ich den Hammer fallen. Nun sind sie völlig verrückt geworden, dachte ich, damit ist der Preis endgültig ruiniert. Ich brachte nur ein wortloses Gurgeln heraus, das man in Stockholm für ein Zeichen der Rührung hielt.
Ich stieg benommen vom Dach meines Baumhauses, das in seinem siebten Jahr wieder angefangen hatte zu nässen; ein schwerer Landregen hatte meine größte Leistung in der Dichtkunst zunichte gemacht. Alles ließ ich nun liegen und stehen, die Planen, die Dachpappe, die Dichtmasse. Vor dem Gartentor hatte sich bereits eine Pressetraube gebildet, die Fotografen hielten eifrig auf meinen Hund, der schon wieder in den Vorgarten schiss, obwohl ich doch in der Früh mit ihm äußerln gewesen war. Ich hielt inne, dachte über das kostbare Wort „äußerln“ nach, ist nicht alles Sprechen ein Versuch, das Innere zu äußerln, da schrien mich die Journalisten gierig an, sie forderten Reaktionen und Reaktionen von mir, keiner von ihnen rief mir entgegen, dass er schon ein Buch von mir gelesen habe. Gut, beide sind vergriffen, aber dafür hatte das Dach drei Jahre lang dicht gehalten.
„Ich bin nicht hier für des Hundes Scheißdreck!“ rief ich. Im Zustand äußerster Entfremdung lief ich ins Haus und wählte mit zitternden Fingern die Nummer des einzigen Menschen, der wusste, wie es mir jetzt ging. Doch Peter Handke hob nicht ab, typisch für diesen Bewohner des Elfenbeinturms in der Niemandsbucht! Er genoss das Exil, das ich ihm damals empfohlen hatte, zwecks Reparatur seines Images. „Zieh auch nach Schönering!“, sagte ich ihm nach seinem Auftritt als Gast bei den OLW, „zieh in mein Dorf, keine Sau interessiert sich dort für seine Dichter! Einmal im Jahr, Peter, lese ich im Pfarrheim für die Senioren, alle fünf Jahre zum Frauentag für die SPÖ-Damen, das war's! Eine heilige Ruhe!“ Tatsächlich konnte sich Handke der Öffentlichkeit hier, am Ostrand des Eferdinger Beckens, in unsere Oase der Poesielosigkeit retten. Ja, es war eine Rettung, seit zwei Jahren lebte er wunschlos glücklich in einem Vierkanter und sucht den lieben langen Tag Vogelfedern und Tintenröhrlinge im Kürnbergerwald. Wollte dem scheinbar verwirrten Großliteraten ein freundlicher Jogger den Weg zurück durch die Borkenkäferschneisen zeigen, sagte Handke „Ich komme Edramsberg her, von Schönering, von Wilhering“, und alles war gut.
Verlassen wie ein Kind im Grenzland lief ich durchs Haus, und leider, leider verfiel ich auf die Idee, ins Internet zu schauen. Keine Stunde war mein Nobelpreis bekannt, schon wurde meine gesamte Vita an die Öffentlichkeit gezerrt wie eine Picknickdecke, an der ein Rudel Paviane reißt. Mein Deutschlehrer erzählte lachend von meinem Faible für Guns N' Roses samt Fransenlederjacke; meine Schwester gab bei Barbara Stöckl preis, dass ich mir als Kind über Nacht ein Plastikdraculagebiss um 5 Schilling in den Mund gesteckt habe, um meinen Überbiss zu korrigieren. Auf ORF 3 machten sich Daniela Strigl und Klaus Nüchtern über die Rechtschreibfehler in der „Sau“ lustig, Nüchtern erzählte, dass ich zur Not auch Stiegl trinke. Und in der Mittags-ZiB plauderte Christian Wehrschütz über meine Freundschaft mit Kim Jong Un, Fotos von einem Begräbnis wurden eingeblendet. Ich geriet in Zorn, die Verwandtschaft kann man sich halt nicht aussuchen!
Da läutete es Sturm an der Tür, ich riss sie auf und sah LH Stelzer auf der Dacke, neben ihm strahlte Bürgermeister Mario Mühlböck. Sie klopften mir links und rechts auf die Schulter, der Ortskaiser überreichte mir ein Bild vom Stift Wilhering, der Landesvater eine Pfeffermühle aus Leondinger Fichtenholz. Da senkte sich mein Blutdruck, und ich richtete das Wort an die beiden. „Ich fühle mich losgebunden vom Pfahl des eigenen Ich!“ Wir umarmten einander. So sah ich nicht, wie die Pressetraube heranwanzte. Jemand tippte mir auf die Schulter. Armin Wolf! „Frau Meindl, Peter Handke sagt über Sie, dass zwar ihre Literatur großartig sei, aber Ihre Dichtkunst nicht, denn es regne schon wieder in Ihr Baumhaus!“ Ich war wie vom Blitz getroffen. „Verschwinden Sie!“, schrie ich, „und stellen Sie mir nicht solche Fragen! Ich stamme von Handwerkern ab, von Wegmachern, von Schneidern her! Von keinem Menschen hör' ich, dass er sagt, der Rasen ist aber schön geschnitten, und wie der Zuckerhut in Ihrem Hochbeet gedeiht, alle fragen nur wie Sie!“
Ich schlug, das muss ich zugeben, dem frechen Wolf mit der Pfeffermühle ein bisschen auf den Kopf, dann zog ich Stelzer und Mühlböck in mein Haus und sperrte die Weltpresse aus. Um unsere Stimmung zu reparieren, bot ich den Gästen selbstgebackene Hanfkekse an. Bald lagen wir kichernd auf der Soff, der Hund eingerollt und furzend zu unseren Füßen, und am Ende wurde es doch noch ein gemütlicher Nachmittag. Dem Handke, diesem geschwätzigen Arschloch, habe ich seither nie mehr beim Winterreifenwechseln geholfen.
Eine erfolglose Literatenpiratin ist es leid, kein eigenes Schiff zu befehligen, sie lässt sich die Heuer für ihre Jahre Schufterei auf der MS Roman auszahlen (54,74 €) und springt von Bord. Der Wortfluss trägt sie mit sich fort und spült sie ans andere Ufer. Eine Weile verdingt sie sich dort als Texterin lesbischer Pornos mit Anspruch.
[kurz im Publikum umsehen - „nein, es sind zu ordentliche Leute hier, ich lese jetzt keine Ausschnitte daraus“],
doch das befriedigt sie selbst nicht lang genug.
Sie will mehr. Herrin auf allen sieben Weltliteraturmeeren sein! Der Schrecken des Buchhandels, die Geißel der Krimiautoren, die Faust des Todes im Nacken unwilliger Verleger und erfolgreicher Konkurrenten! Eines Nachts schleicht sie sich nächtens auf die MS Kafka und kapert sie still wie ein Virus. Sie will damit ein Werk schaffen, das beißt und sticht, denn wenn ein Text seine Leser nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen sie dann überhaupt? Ihre Schöpfung soll die Axt sein für das gefrorene Meer in den anderen! Aber das Schiff ist alt und alle anderen ganz jungen Literaten wollen es auch entern. Und jemand muss die Piratin M. verleumdet haben, denn ohne noch in See gestochen zu sein oder etwas fertig geschrieben zu haben, wird die MS Kafka von strengen Kritikern beschlagnahmt. M, die sich im Zimmer des Heizers versteckt hat, gelingt die Flucht. Über knarrende Wanten hangelt sie sich von Takelage zu Takelage, bis sie bei einem Schiff neuerer Bauart landet – der MS Wolf Haas, weil pass' auf, da passiert immer was, aber nicht dass du glaubst, die Literatin wird jetzt glücklich auf der Haas, weil immer die Leser duzen und immer dieser Stil, da wirst du doch zum Säufer. Es ist nicht so, dass sie es nicht aus dem Hafen heraus geschafft hätte, die M war ja eine, die schon auch was geschafft hat, aber dann ist sie auf einmal ganz dings geworden. Das muss ich euch kurz erklären, wie das mit dem dings gemeint war: Weil neue Entdeckung. Die M hat am Horizont eine Insel gesehen, wie Inseln in Piratenbüchern eben aussehen, und da ist sie wieder kurzerhand von Bord gehüpft wie ein Spatz auf die Brösel.
Nach einer fünfzehnminütigen Odysee, so singt uns die Muse die Taten der wanderlustigen Dichterin, gelangte die Heldin an das fremde Gestade, sie singt vor Zorn, bis ein freundlich Wind ihr den Leib getrocknet. Ei, wie der Sonnengott ihr da die Haut gesenget! Und fern das Wasser, welch gewalt'ge Not.
So verfällt die Freibeuterin des Wortes wegen des mangelnden Trinkwassers in einen Schaffensrausch. Immer am Rande des Hitzetodes fließt ihr ein Roman nach dem anderen aus den Fingern, alles schreibt sie exakt auf, was ihrem siedenden Hirn einfällt, es ist der Fluch der Akribik. Der Reihe nach stopft sie die Manuskripte in dickbauchige Flaschenpostflaschen und wirft sie absichtslos in die See. Sie tragen Titel wie „Handbuch der Kriegerin gegen das Neonlicht“, „Die Homöopathin“, „Jakob auf dem Holzweg“ oder „Veronika beschließt zu erben“, dumme Gedanken eines vertrockneten Hirnes. Was die Seeräuberin der Lyrik nicht ahnt: Alle Werke werden vom Mainstream erfasst und direkt in die Hände des Publikums gespült. Die Neonlicht-Streitschrift wird zur Bibel der EU-Glühbirnenverordnungskritiker, und das Buch über das Erben inspiriert hundertausende junge Menschen, darunter den Volkskanzler der Herzen, sich rechtzeitig Eigentum zu erwerben, um vor Altersarmut geschützt zu sein. Die Kaperfahrerin der sieben Weltliteraturmeere schreibt rastlos Sätze wie "Der Mensch will immer, dass alles anders wird, und gleichzeitig will er, dass alles beim alten bleibt", lauter esoterischen Stickpolsterweisheitsscheiß wie „Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die du immer wolltest.“ Bald bekommt Paolo Coelho Wind davon, dass da jemand seine Buchhandelsfregatten kapert, er schickt eine Forschungsarmada aus; man studiert die gegenwärtigen Strömungen und kommt auf den richtigen Schluss. Doch als die Strafexpedition die Heiminsel der dem Wahn verfallenen Nachdichterin endlich findet, ist von der keine Spur mehr im Sand zu lesen. „Verdammt, wir sind zu spät!“ sagt der Befehlshaber des Geschwaders, der auf der langen Forschungsreise sehr viel dekonstruktivistische Schriften studiert hat, und erst vorgestern las er Barthes' „Der Tod des Autors“, und gestern bei Foucault, dass der Mensch bald verschwinden werde „wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“. Er lässt die Segel setzen und Kurs halten zurück an bekannte Ufer.
Was niemand weiß: Die Autorin ist noch gar nicht tot! Auch sie hat ihre Poststrukturalisten gelesen und sich unbemerkt der Armada eingeschrieben wie ein postmoderner Hypertext. Sie labt sich als kurzsichtige Passagierin im Schiffsrumpf an den Früchten anderer Hände Arbeit, und als man endlich im Hafen der Zivilisation ankert, schleicht sie unbehelligt von Bord.
Siehe da! Hötaus! Man liegt vor Linz! In der Abwesenheit der Schiff- und Wortbrüchigen hat sich die Stadt am Strom zur „Linzeraturhauptstadt“ ernannt. Cool!, denkt die Piratin, die ihr Gewerbe nicht lassen kann, und auch das Gewebe nicht, das Zutexten ehrlicher Bürger, sodass sie – kaum hat ihr Fuß festen Boden unter sich – flugs den nächstbesten Nachen kapert.
[Jetzt ist die einzige Minute, in der es stimmiger wäre, läsen wir heute auf dem Salonschiff Fräulein Florentine, ich ersuche um geistige Mitreise dorthin!]
Es ist die MS Libido, und die Piratin erobert gleich die Crew und sie kapert Ihre Aufmerksamkeit und sie stiehlt Ihnen Ihr Gold im Austausch gegen billigen Tand und wertloses Wortgeklingel.
Und nach einer Buddel voll Inländer Rum sangen alle gemeinsam:
Wir lagen vor Magdalena und hatten die Voest vor Bord
In den Kessel da faulte das Zipfer
und täglich erklang der Linzer Wort!
Ahoi, Literaten, ahoi! Ahoi!
[Der Erzähler arbeitet als Landvermesser für die neue Seidenstraßeneisenbahn, die am Lauf der Donau entlang an der Traun abbiegt und von dort ins Gebirge und die Adira führen soll. Es droht Gefahr von den Eingeborenen-Stämmen der Awaren, Slawen und Bajuwaren, die in diesem Gebiet leben und von einer Bahn nichts wissen wollen. Der junge Held ist ein Greenhorn, er freundet sich mit Deng Xiao an, dem Leiter des Security-Teams und erfahrener Westmann. Die beiden sind an einem Sonntag früh morgens auf eine Gams und steigen jetzt wieder aus dem Höllengebirge ab:]
Wir hatten uns dem Lager angenähert, als grässliches Geschrei die Gebirgsruhe durchschnitt. Den Augen bot sich Entsetzliches – rings auf den Bäumen saßen die Arbeiter und brüllten um Hilfe. Vor mir stand der Braunbär und wühlte im Unterleib des Kochs Long, der am untersten Ast einer Buche hing. Ich hob – ohne nachzudenken – einen Stein vom Boden. Der Petz hielt, am Kopfe getroffen, sogleich in seinem Wüten inne und drehte sich zu mir um, der ich ihn mit einem Schuss ins rechte Auge empfing. Der Bär sackte auf die Vorderläufe, dann tappte er stracks auf mich zu. Ich zog mein Klappmesser, sprang zwischen die Tatzen und stach zu. Viermal in das Herz hinein. Der Bär gab nach und sank in seinen Tod. Ich ging zum Stamm, an den sich Long klammerte. „Lasst los, Mann, ich helfe euch herunter!“ Der Anblick war wüst, die Eingeweide hingen ihm aus dem Bauch. Er war tot. Die Arbeiter wollten erst von den Bäumen steigen, nachdem ich ihnen die Leblosigkeit des Tieres bewiesen hatte.
Deng Xiao beugte sich über den Leichnam. „Ó! Ein Braunbär! Muss von Karantanien her kommen.“ Die Arbeiter, die gerade noch um ihr Leben gefürchtet hatten, wollten sich nun gierig daran machen, dem Bären die Krallen und den Penis abzuschneiden, um sie als Heilmittel weiterzuverkaufen. „Der Bär ist mein!“ rief ich, aber sie wichen nur kurz zurück. „Noch ein Schritt weiter und ich schlage jeden ohnmächtig, der --“
In diesem Augenblick tönte eine laute Stimme. „Meine Herren, seid ihr toll? Was für einen guten Grund könnte es geben, dass Landsleute einander den Hals brechen?“ Da trat ein buckliges Männlein hinter einem Baum hervor. Er war so hellhäutig, dass man ihn für einen Europäer halten musste. Der Kleine wandte sich an mich. „Habt Ihr Kraft in den Knochen, junger Herr!“ Er kniete sich zum Bären. „Ihr seid uns zuvorgekommen.“ Er richtete sich wieder auf. „Ihr seid Landvermesser?“ Ich nickte, ein Schatten fiel über sein Gesicht. „Der Boden gehört dem Stamm der Awaren vom Salzberg.“ „Was geht euch das an?“, brüllte der besoffene Vorarbeiter Shǔ. „Ich gehöre zu den Awaren“, antwortete der Bucklige ruhig. „Ah!“ krähte Shǔ in spöttischer Bewunderung, „Huángsè-fùqīn, der Schulmeister der Langnasen!“
Der Kleine rief ein europäisches Wort in den Wald, das ich damals noch nicht verstand, worauf zwei außerordentlich interessante Gestalten auf die Lichtung traten. Es waren offensichtlich Vater und Sohn, die da würdevoll auf uns zukamen. Sie trugen ihr reiches blondes Haar wie einen helmartigen Schopf, ihre Augen strahlten blau. Sie waren in die grünen Jagdröcke der Gegend gekleidet. An den Beinen trugen sie wollene Socken, darüber fein gearbeitete und schön bestickte kurze Hosen aus Gamsleder. Der Jüngere machte einen tiefen Eindruck auf mich. „Das sind meine Freunde“, sagte Huángsè und wies auf den Älteren. „Das ist Ingenieur Tschurner, Bürgermeister der Salzberg-Awaren. Und hier steht sein Sohn Winifred, der trotz seiner Jugend schon kühne Taten verrichtet hat.“
Winifred betastete die Wundmale. „Wer hat diesen Bären mit dem Klappmesser angegriffen?“ Er sprach reines Mandarin. „Ich“, war meine Antwort. „Das junge Gelbgesicht hat großen Mut bewiesen!“ Der Bürgermeister wandte sich an Shǔ. „Mein gelber Bruder mag mir einige Fragen beantworten. Hat er im Osten ein Haus, und ein Stück Land dabei?“
Shǔ unterdrückte seinen Hohn halbherzig. „Ja.“
„Wenn nun der Nachbar einen Weg durch diesen Besitz meines gelben Bruders bauen wollte, würde dies mein Bruder dulden?“
„Nein.“
„Die Länder jenseits des Himalayas und des Indischen Ozeans gehören den Chinesen. Was würden sie dazu sagen, wenn die Europäer kämen und dort Eisenbahnen bauen wollten?“
„Sie würden sie fortjagen.“
„Mein Bruder hat die Wahrheit gesprochen. Die Gelben kommen in dieses Land, schießen unsere Gämsen, rauben unsere Bodenschätze und Arbeitsplätze. Was werden wir dazu sagen?“
Shǔ schwieg.
„Haben wir etwa weniger Recht als ihr?“ fuhr Ingenieur Tschurner fort. „Ihr nennt euch Kommunisten und sagt, dass alle gleich sind!“
„Es ist notwendig für das Wachstum und den Standort“, sagte Shǔ kleinlaut.
Da wurde der Häuptling unwirsch. „Es ist nicht notwendig, dass ferner noch Reden gehalten werden. Ich will, dass ihr heute noch fortgeht.“ Er nickte seinen Begleitern zu, die drei wandten sich zum Gehen. Da griff Shǔ mit einer Geschwindigkeit, die ihm niemand zugetraut hätte, nach der Pistole. Ich stürzte auf ihn zu, doch schon löste sich ein Schuss. Huángsè sprang beherzt vor seinen Schützling Winifred, dem die Kugel gegolten hatte. Sie trat dicht neben dem Herz des Alten ein, er stürzte wie ein gefällter Baum. Ein allgemeiner Schrei des Entsetzens erscholl. Die Weißen knieten nieder, der Jüngere hob den Kopf des Getroffenen auf seinen Schoß. Blut quoll hervor. „Winifred, mei Bua!“ flüsterte er in der europäischen Mundart. Da wandte er sich zu mir, sprach mit dem letzten Atemzug auf Mandarin: „Bleiben Sie ihm treu! Führen Sie mein Werk fort... die Weißen brauchen Ihre Hilfe!“ Ich sagte es ihm ergriffen zu. Er hauchte sein Leben aus.
Winifred und sein Vater hoben stumm den Leichnam auf. „Ich will euer Freund sein! Ich gehe mit euch!“ drängte es über meine Lippen.
Da spuckte mir Tschurner ins Gesicht. „Räudiger Hund! Länderdieb!“
Die Weißen hoben ihren toten Lehrer auf ihren Traktor, banden ihn fest und fuhren von dannen. Sie hatten keinen einzigen Blick mehr für uns.
Ach! Heutzutage ist ja nichts mehr sicher – bis auf das Gefühl der Unsicherheit. Der Eindruck entsteht zumindest, wenn ich es ein bisschen übertrieben habe beim Medienkonsum. Auf allen Kanälen, auf allen Seiten schauen ältere, hellhäutige Herren grämlich Bedrohungen entgegen und kündigen Sicherheitsverschärfungen an. Schon klar, der depperte Terrorismus. Wer möchte den schon verteidigen!? Gerne möchte ich den Glossengott Max Goldt zitieren: „Kann man sich denn heute nicht mehr ohne Bomben ärgern?“ Nur: Angst habe ich davor für meinen Teil nicht. Das einzige, was bei mir explodiert, sind meine Wirtshausausgaben (laufend), ein fallender Joghurtbecher (neulich) und ich selbst nach einer Lappalie (höchstens einmal im Monat). Apropos. Wir Frauen kennen dieses Bedürfnis nach Sicherheit, auch an den stärkeren Tagen. Dieses Angegriffensein von ALLEM. Wenn die ansonsten so geliebten Menschen zu fest schauen, zu nah an uns vorbeigehen, zu sehr da sind oder zu weg. Diese Tage, an denen wir weinen wollen, wenn wir uns morgens von unseren armen Haustieren verabschieden. Wenn etwas von Nirvana oder Rage against the Machine überraschend im Radio läuft und man denkt, mei, sowas Schönes wird heutzutage gar nicht mehr gemacht. Man weiß im Moment des Geschehens, wie dumm man ist, und kann doch nicht aus. Oh, ihr Hormone!
Das Schöne an diesen gefühlsstarken Operettentagen: Sie gehen flugs wieder vorbei. Ist es für uns Damen nicht herrlich, wie uns diese regelmäßigen Stimmungseintrübungen zeigen, dass eine Laune keine objektive Wahrheit ist? Unsere aktuelle Befindlichkeit kein Schicksal? Vielen Männern scheint diese sympathische biologische Einladung, sich selbst nicht gar so wichtig zu nehmen, zu fehlen. Darum sind sie solche willigen Opfer von Grant, Unsicherheit und Angst. Sie halten ihre Gefühle für gerechtfertigt. Wie töricht!
Wir Frauen müssen da wirklich sehr handfest einschreiten, sonst wird die Welt nicht heil. Sagen wir den saudummen IS-Terroristen etwa, sie sollen nicht so hysterisch sein. Vasektomieren wir männliche Verfassungsrichter, die Abtreibungen nach einer Vergewaltigung verbieten. Befehlen wir dem Trump, dass er nicht so stutenbissig herumkreischen soll. Fragen wir Erdogan, Kickl und Strache, ob sich leicht grad ihre Regel haben, weil sie heute gar so unerträglich sind.
Behandeln wir diese Herrenrasse genauso, als wären sie die Frauen, die sie in uns immer gesehen haben! Überforderte Wesen, die in den Schutz des Heimes gehören! Dann der Umsturz und das goldene Matriarchat.
So wird alles gut.
Warum es keine Schande ist, aus Schönering zu stammen
Ein Auszug aus der im Oktober 2019 erscheinenden Autobiographie „Von der Poetin zur Despotin. Verantwortung übernehmen!“ Bundespräsidentin Dominika Meindl, redaktionelle Mitarbeit Armin Wolf.
Privat ist Donald Trump ganz anders als öffentlich, wo er sich so unmöglich gibt, dass ich selbst schon lange aufgehört habe, mich über seine neuesten Grillen aufzuregen, obwohl wir uns schon so lange kennen. Nämlich über unsere Väter, sie haben zusammen beim Pfarrtheater gespielt. „Die gemischte Sauna“, Trump sen. war der besoffene Pfarrer, ein großer Lacherfolg. Der junge Trump war in der B-Klasse, mit der es eigentlich keine Freundschaft geben durfte, aber weil sich die Väter eben kannten, waren es wir beide, die dem LH damals die Blumen überreichen sollten, als die Volksschule ein neues Dach bekommen hat. Der Donald hat – schon ganz Profi – das Gedicht souverän abgeliefert, fast schon ein wenig zu überzeugend, während ich sofort abhauen wollte, sobald ich alle Augen auf mir, den rutschenden Trachtensocken, dem zu engen Kleid und dem für ein kleines Kind viel zu schweren Blumenstrauß auf mir spürte. Mein Vater konnte mich gerade noch am Knoten der Dirndlschürze abfangen und in die richtige Richtung zurückdrehen. Der Ratzenböck lachte, die Direktorin sah ihn an und lachte aus Höflichkeit mit, die Lehrerin schaute betreten zu Boden. Aber der Donald legte mir seine Hand auf die Schulter, er schob mich mit, hin zum lachenden LH. Die Blumenübergabe klappte. Das werde ich dem Trump nie vergessen, auch wenn er beim Klassentreffen letzten Samstag die ganze Angelegenheit sehr zu meinen Ungunsten erzählt hat. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass er uns nicht ernst nimmt, seit er die USA hat und ich nur Österreich.
Ich habe es bis jetzt nicht publik gemacht, dass der Trump und ich miteinander in der Firmvorbereitung und in der Skigymnastik und bei der Jungschar waren. Zum einen glaubt er ja, seine Wurzeln bei uns im Zentralraum nicht erwähnen zu müssen, zum anderen führt er sich ja wirklich auf wie ein Kleinkind im Zuckerschock, sobald man eine Kamera auf ihn hält. Zudem sehe ich wesentlich jünger aus.
Wie ist es dazu gekommen, dass der Donald Schönering und uns allen so ganz den Rücken zugewandt hat? Er hat im Stiftsgymnasium Wilhering ja nur die Unterstufe geschafft, weil er sich mit dem Lateinischen so schwer getan hat, während es mir zugeflogen ist, als hätte ich es in einem früheren Leben schon einmal gesprochen. Aber gut, für die Weltherrschaft musst du heute keinen gallischen Krieg mehr übersetzen können. Ich habe mir immer vorgenommen, anderen ihre mangelnde humanistische Bildung nicht vorzuhalten, immerhin haben meine Eltern geschuftet, um mir meinen Werdegang zu ermöglichen, und es ist mir eine Freude, ihnen ihre Bemühungen durch das Erreichen des höchsten Amtes im Staate entlohnen zu können. Ich habe über die Berufe meiner Eltern – meine Mutter hat in der Streichholzfabrik Ansfelden gearbeitet, bis sie privatisiert und zugedreht worden ist (die Firma, nicht Muttern), der Vater hat in der Voest bis zur Frühpension die Viererschicht gemacht – in der Öffentlichkeit nie viel gesprochen, denn es ist mir zu en vogue geworden, mit einer proletarischen Herkunft beim Wahlvolk hausieren zu gehen, wenn man sich nach der Brandrede die getrüffelten Lärchenzungen und den Jahrgangsbarolo hineinstellt, bis die Zeche endlich fünfstellig ist.
Da ist der Trump wenigstens nicht scheinheilig. Er hat schon in der Unterstufe damit angetuscht, dass sein Vater mit dem Ziegelwerk so viel verdient, dass sie jedes Jahr wegfliegen, meistens in ein Disneyland, je nach Jahreszeit das von Paris oder Florida. Und dass die Mama es nicht not habe, arbeiten zu gehen, und dass er mit 15 nicht einfach ein notdürftig vom Papa zusammengeflicktes Puch Maxi bekommt, sondern eine Aprilia RS 125. Die erste hat er gleich nach drei Wochen in der Donau versenkt, als er mit viel zu viel Schwung auf die Ottensheimer Fähre hinuntergerast ist, aber drei Wochen später hat ihm die Oma einfach eine neue Aprilia gekauft, während wir auf unseren elenden Maxis und Derbis und Typhoons vor jedem beschissenen Hügel absteigen mussten, weil unsere Sauger zu wenig Schmalz hatten. Das Elend der Jugend, die ganze brennende Scham, das hat der Donald wohl dank des vielen Geldes zuhause einfach übersprungen.
Trotzdem mag ich auch heute nichts gegen ihn privat sagen. Das ist meine Definition von Freundschaft, dass ein jeder seinen Job macht, so wie er es für das Beste hält, und dem anderen nur dann dreinredet, wenn ihn der darum gebeten hat.
Trumps Eltern haben letzte Woche übrigens ihren Vorplatz komplett zuschottern lassen und lauter so schiache Steinkörbe drumherum aufstellen lassen, schaut unheimlich scheiße aus, jetzt erwäge ich, das wegen des Bienensterbens bundesweit zu verbieten. Ein kleiner Machtkampf unter weißen Männern, ok, aber die Bienen wollen auch leben.
Die Heimat ist dem Menschen wie der Katze die viel zu enge Schachtel, in die sie sich so hineinzwängt, wie sich der Lachs zum Laichen nach Hause kämpft, um dort auch gleich zu sterben (die Wiener denken an Freud, herrlich!, Liebes- und Todestrieb!, sie sind angeheimelt vom Bild der laichenden Fischleichen). In der Schachtel geht es der Katze wie der Anthropologin auf dem Mars (der Autistin im Schlachthof); sie erholen sich in der begrenzten Enge von den Erfordernissen der Weite, die allem Lebendigen – wenn es nur einmal wirklich diese Weite ernst nähmen – ganz ungeheuerlich erschiene. So sitzt die Mieze im Karton, so zuckt der Fisch neben seinen Nachfahren, so baut sich die Frau mit Asperger eine Kuschelmaschine.