Dienstag, Februar 25, 2020

Stelzhamer + Antisemit + IG AutorInnen (Clickbait-Überschrift). Mei potschate Hoamat.

Ich habe nicht sehr viel, das Grund zum Antuschen böte, aber Hymnenentschärfung kann ich wirklich gut; noch besser als Couchliegen und Zeitunglesen (Landesmeisterin 2017). Hier zwei Vorschläge für neue oberösterreichische Landeshymnen.

Gleich die schönste – meine Meinung! – ist eine Leihgabe vom großen Hansi Orsolics, dem ich den Text seines "Potschatn Lebns" flauche. Die anrührende Schnopfhagen-Melodie darf bleiben.

Mei potschate Hoamat

Ob i wü, ob i ned wü
maunchmoi denk i an späta
und i siach durch viele Tränen
wo des Spoan uns hifüan wiad
und i siach duach viele Tränen
wo der Schas uns hifüan wiad

Hoamatlaund, i hob di so gern
nimm s'letzt Hemad, denk da nix!
Und scheiß au ob i gfrian wead
jo des is mei potschat's Lebn!
Und scheiß au ob i gfrian wead
zöst vü mea ois mei klaans Lebn!


Recht schön funktioniert aber auch der Melodiendiebstahl der amerikanischen Bundeshymne, aber in der Version von Jimi Hendrix. Dazu dieser Text:


Hoamatgsaung (flott)

Hoamatland, Hoamatland!
i hab di so gern
Wiar a Hindal sei Mam
A Kinderl sein' Herrn.

Hoamatland, Hoamatland!
i han dih so gern
Wiara Drangla sein Schnops
Und a Scheißa sein Scherm

Durch des Toi bin i grennt
und am Grob hob i gflennt
du Hoamat, du Laund
bist mei zweit' Muadaleib!

Waunsd ned foatmuasst, so bleib
wennst ned hergherst, so bleib weg
Hoamatlaund, Hoamatlaund
Erdbeerlaund stott am Straund!

Freitag, Januar 24, 2020

Willkommen in den goldenen 20ern!

Regierungserklärung [zu Englisch: National Womansplaining]

Liebe Österreicherinnen (die weibliche Form meint die männliche ganz herzlich mit)! Liebe Parlamentsabgeordnete!

Ich bin stolz und geehrt, dass Sie mir Ihr Vertrauen schenken und mich auf diesem neuen Weg begleiten! Ich verspreche, stets für das Wohl des Landes zu handeln, und bekenne mich zu Europa und zu einem neuen Stil. Er ist geprägt von Respekt, Anstand und auch Hausverstand. Letzterer ist der Kompass für unsere neue Politik. Wir schlagen ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Republik auf, wir schreiben dieses unglaubliche Erfolgsprojekt weiter.

Es ist mir ein wichtiges Anliegen, die Spaltung in unserer Gesellschaft zu stoppen. Deswegen ist es unerlässlich, die Schuldenquote zu steigern, denn aktuell haut man uns das Geld dermaßen nach, dass ein Kredit billiger kommt als Sparen, jede nicht-lobotomisierte Ökonomin weiß das und ich möchte unheimlich viel Knödel in Sozialarbeit, Bildung und Pflege stecken. Ich und mein Team, vor allem aber ich werde die absolute Mehrheit, mit der Sie mich und mein Team ausgestattet haben, mit bestem Wissen und Gewissen dazu nutzen, um entscheidende Maßnahmenpakete auf den Weg zu bringen, und wir zählen hier auf einen nationalen Schulterschluss mit der Opposition: Le Sozialstaat, c'est moi.

Deswegen kommt es zu Wiedereinführung der Erbschaftssteuer, vor allem für undankbare Gfraster, die mit dem Erbe ihrer Nazieltern in der sozialen Hängematte liegen und depperte Society-Sachen machen. Ausgenommen bleiben zB! bescheidene Künstlerinnen, die von ihren Eltern nicht mehr als ein ganz kleines Einfamilienhaus im infrastrukturschwachen Speckgürtel zb! Schönering erben und dafür auch wirklich aufrichtig danke sagen. Ich meine, so einen Kübel muss man ja auch erhalten können, und die Putzfrau willst du auch nicht zurück in die Ostslowakei schicken, ah, übrigens, Tombola des Grauens, Ihr Beitrag zur gerechten Umverteilung.

Grenzen und Klima schützen – das Beste aus beiden Welten! Ich stehe für einen respektvollen Umgang mit der Schöpfung: Sie werden sich wundern, was hier alles möglich ist. Reform der Landwirtschaft: Mit Freude darf ich die Einführung der Kostenwahrheit im Agrarsektor verkünden, das wird sich positiv auf die Negation des Fleischkonsums und die Gesundheitssituation auswirken. Klimaschutz ist in meinem *räusper* unserem Regierungsprogramm großgeschrieben, denn es ist nicht nur ein Hauptwort, sondern ich will ja schließlich doch wiedereinmal eine Skitour gehen und Sie mögen das Hahenkammrennen anschauen. Deswegen habe ich meine Verkehrsministerin mit einer öffentlichen Generalmobilisierung beauftragt, schaffe sie mir ein Schienennetz, so dicht, dass sogar die Zugvögel eine Bahncard kaufen!

Ich werde mit der Verantwortung, die Sie mir übertragen haben, achtsam umgehen. Aus diesem Grund – jetzt werde ich kurz global, also Englisch: I will tax the shit out of all Energiekonzerne, vor allem mit fossilen Brennstoffen. Und wenn mir wieder so ein Premiumautoprodukt aus dem Verkehrssteinzeitdeutschland arschlings auf meinem Dienstwagen draufpickt und aufblendet, dann lasse ich den Fahrer in die Mühlen meiner reformierten Justiz werfen, auf dass sie ihn zermalmen. AND you will know I am the Lord when I lay my vengeance upon you!

Mein persönliches Ziel ist der Kampf gegen die illegale Migration

des Kapitals! Die Steuerfluchtrouten schließe ich mit meinen eigenen, starken Händen! I want Google and Facebook and Amazon to PANIC! The house is on fire, steuermäßig.

Ich stehe für eine proaktive Außenpolitik, die per Pressing und Forechecking unsere Interessen national wahrt. Also Interventionen in Australien, Brasilien etc. im Sinne eines klimawahrenden Demokratieexports – wir unterstützen die Matriarchalisierung unserer Partnerinnen. In diesem Moment werden gerade in einem globalen Impeachmentverfahren die lästigsten Despoten weltweit in den Ruhestand geschickt, wie mir die Frau Außenministerin kurz zuvor berichtet hat.

Matriarchat konkret

Männer sind in der Republik besonderem Schutz unterstellt, ich stehe voll und ganz hinter ihnen. Von meiner Seite gibt es ein klares Bekenntnis zum Mann in Österreich! Wir treten für ein Miteinander der Kulturen ein. Wir sind verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen im Miteinander der Geschlechter.

Einführung einer Männerquote: Deswegen sind 30 Prozent der Sitze in meinem Parlament mit Herren besetzt, diese bilden die Opposition, die ich um ein respektvolles Miteinander bitte.

Respektvolles Miteinander heißt auch, dass ich gegen Extremismus von beiden Seiten bin, sowohl von dauerklärenden Babyboomer-Mansplainern als auch von Suderanten im Allgemeinen. Wer Hasspostings schreibt oder auch nur unaufgefordert einer Frau etwas erklärt, kriegt das Internet abgedreht. Beim Erklären gilt ab 1. Jänner 2020 für Männer verpflichtend, dass hierzu VOR dem Erklärakt das deutliche Einverständnis der Frau eingeholt werden muss.

Ein Maßnahmenpaket, auf das ich persönlich besonders stolz bin, ist die Aufhebung der binären Geschlechter-Ideologie. Seit Beginn meiner Legislaturperiode steht es jeder Bürgerin frei, sich eine Gender-Identität nach ihrem Geschmack zu wählen. It's a free cuntry, for God's sake! Wer eine Frau sein will und die entsprechenden Vorteile genießen will, wer ins feministische Sozialsystem einwandern will, muss sich integrieren und sich zur weiblichen Identität bekennen, wurscht, ob ihm Gogerl in der Hose baumeln.

Wer ein Mann bleiben will, tue das. Ich bekenne mich zum Schutz von Minderheiten, sie haben in unserer Republik nichts zu befürchten.


In diesem Sinne: Göttin schütze Österreich!

Freitag, Januar 10, 2020

Dark Tourism im November. Attraktionen für starke Seelen.


November 2019
Tag 1: Wels - Belluno

Die Suche nach verlassenen Dörfern ist nicht ganz leicht, weil das Tal des Tagliamento im Spätherbst an sich recht verlassen wirkt. Aus einer Laune heraus biegen wir kurz nach Tolmezzo auf die S52 ab, der Weg über den Pass Rest scheint eine Abkürzung zu sein. Auf unserer Straßenkarte sind allerdings keine Isohypsen eingezeichnet. Die Straße schraubt sich in vielen Dutzend Kehren den entblätterten Wald hoch. In einer davon stehen die beiden ausgesetzten Ledersessel und warten auf niemanden. 
Der höchste Punkt steckt im Nebel, dann geht es sehr lange und in engen Kurven wieder bergab. Nicht ein Gebäude säumt die lange Strecke, bis wir wieder in der Ebene sind.
Obwohl wir Glück haben und die obersten Gemäuerreste von Movada aus dem Tramonti-Stausee ragen, müssen wir feststellen, dass nur dafür der Weg sich nicht gelohnt hätte - wenn nicht die menschenleere Wildnis ihre eigene Wirkung entfaltet hätte.


Diese Südseite der Alpen hat nichts Liebliches an sich, die Berge geben sich eher wie im rabiaten Ausverkauf ihrer selbst; sie ergießen sich in breiten, steilen Geröllhalden ins Tal, darin kleine Flüsse, die im Frühjahr bestimmt an allem reißen, was ihnen zu nahe kommt. Kalkkegel ragen auf, keine Almlieblichkeit hat auf ihnen Platz. 
Im letzten Licht durch das Val Cellina nach Belluno. 


Tag 2: Belluno - Longarone - Udine

Es sind keine anderen Touristen in der Stadt, nur Kongressteilnehmer, die um 7:30 im hellhörigen Hotel von ihren Handyweckern aus dem Schlaf gerissen werden. 
Der Regen wird immer dichter, was auf schlechte Weise zum ersten Tagesziel passt. In nassen Schuhen auf dem Friedhof von Longarone, das Gedenkmuseum ist heute geschlossen, durch die Scheiben sehen wir die zerschmetterten Autos und das Dutzend Uhren, die am 9. Oktober 1963 alle zugleich um 22:39 stehen geblieben sind. In dieser Minute ist die Flutwelle der "Frana" über die Staumauer des Vajont-Sees gebrochen, über vierhundert Meter in die Stadt hinuntergedonnert und hat ein Drittel ihrer damaligen Einwohner getötet (davon waren ein Drittel Kinder). Ein Großteil der fast 2000 Toten wurde weder gefunden noch identifiziert; der Piave hat einige von ihnen bis in die Adria gespült. 


"Tschernobyl der Wasserkraft" klingt reißerisch, stimmt aber. Die "diga", die Mauer, ist fast stehen geblieben, wie ein unversehrtes Denkmal der Ingenieursleistung. Den Schuttkegel kann man zunächst gar nicht als solchen erkennen, weil er einfach zu groß ist. Man kann es sich kaum ausmalen, wie der Hang des Monte Toc über fast zwei Kilometer glatt abgerissen sein muss.


Das Dorf Erto, damals halb verschont, ist heute selbst ein lost place, in dem nur noch ein, zwei alte Frauen leben; zumindest im November.


Es ist ganz und gar nicht unzulässig, sich beim grief tourism abends in einer schönen Stadt in einem leicht überteuerten Hotelzimmer zu erholen (Astoria in Udine). Es schließen ja auch hier die Türen nicht schalldicht, und draußen krakeelen proseccotrunkene Villacherinnen. 
Das Gefühl einer leichten Unangemessenheit ist integraler Bestandteil dieser Art zu reisen. Man darf sich seiner leisen Sensationsgier schämen, die sich - humanistisch aufmagaziniert - hinter der Kant'schen Erhabenheit versteckt. Auf der Staumauer zu stehen und sich den friulanischen Tsunami im Kopf auszumalen ist ok. Selfies sind ein sicheres Kriterium für eine Grenzverletzung. 
Groteske Polterbräuche im nächtlichen Udine. Der Bräutigam ist als Hirsch verkleidet (Geweih, Camouflage-Kleid, Gummistiefel), Passanten und die Braut schießen mit Soft-Guns auf das Opfer. Die Freunde wirken in ihren teuren Mänteln wie eine wohlstandsverwahrloste, sadistische Highschool-Mobbing-Meute.

Abends lesen wir in "Vergessen und verdrängt. Dark Places im Alpen-Adria-Raum", dass die Italiener bis zum Ende des Kalten Krieges eine Atombombe in Ugovizza im Kanaltal stationiert hatten, die sie im Fall eines sowjetischen Angriffs gezündet hätten. Der radioaktive Staub wäre nordwärts gezogen und hätte Kärnten verseucht. Man hat der Neutralität Österreichs und dem Frieden mit Jugoslawien wenig zugetraut.


Tag 3: Udine - Triest

Ab Duino geht ein saftiges Gewitter nieder, das bis zur Ankunft in der Risiera di San Sabba in einen kalten Graupelregen übergeht. Das einzige KZ auf italienischem Boden mit Krematorium (so die etwas seltsame Audioguide-Beschreibung der USP dieses Ortes). Österreicher sollten hier einen ganz seltsamen Neid empfinden, es wäre gut gewesen, nur eines verantworten zu müssen. Österreicher spielen in der Geschichte der einstigen Reismühle auch eine ekelhaft tragende Rolle.
Gedenkstätte, Wetter und das umliegende Industriegebiet harmonieren (wer hat behauptet, Harmonie müsse etwas Gutes sein?).
Es ist, wie bereits gesagt, legitim, sich nach solch einer ersten Tageshälfte eine Torta al limone im Tommaseo zu kaufen, diese Diskrepanzen muss man aushalten lernen, warum also nicht auch noch ein Krabbentramezzino?
Triest, das New York des Balkans an der Butter-Olivenöl-Grenze! Bislang bestes Souvenir: das Gebot, Montenegro, Cynar oder Pelinkovac NUR mit Soda und Zitrone zu mischen. Man esse in den Beizen, wo Filmfestivalkuratoren neben Handwerkern an der Budel stehen.


Tag 4: Triest - Socerb - Hrastovle

Am Karstrand, hoch über dem Golf von Triest; von hier zieht sich das Rižana-Tal in den Südosten, geht Italien ganz flüssig in Slowenien über. Die Sveta Jama und die Burg finden wir leicht, die Höhle darunter bleibt uns unauffindbar. Verlässlich hat sich die Gemeinde eine eigene Heiligenlegende geschrieben (der heilige Servullus soll 21 Monate in der Grotte gehaust haben, ein Zwölfjähriger! Und verlässlich bewirtschaftet ein Scharlatan den Mythos (hier ein Rebirthing-Wunderheiler).


Zwei Höhlen in der Nähe haben die Partisanen zu Massengräbern gemacht. Bis vor wenigen Jahren ein heikles Thema im slowenischen Karst. Bei Gelegenheit Martin Pollacks "Kontaminierte Landschaft" wieder lesen. 
Es lohnt, die Kirche in Hrastovlje anzusehen, man soll nur vorher in der regionalen Küche nicht übermäßig aufgeschlossen sein. Buttinger quält jeder Löffel der Rotweinsuppe, nachher ist er besoffen ohne Freude daran. Vielleicht fahren ihm aber die Totentanz-Fresken danach besonders gut. Mir, die ich noch nüchtern bin, aber auch. Der Händler, der den Tod bestechen möchte, müsste in das Stadtwappen von Wels. Der furzende Jäger ist am schönsten.


An der Mole von Triest bemerken wir, dass wir uns beide unabhängig voneinander vorgestellt haben, wie das riesige Kreuzfahrtsschiff in das Rathaus rauscht. Vielleicht holt dark tourism nun das Schlechte in uns heraus. 

Wieso gibt es in Österreich und Deutschland eigentlich keine verlassenen Dörfer? Sind die Menschen dort zu ordentlich? Warum lassen die Italiener Gebäude lieber verrotten, statt sie abzureißen? Gibt es dazu schon Dissertationen? Würde ich sie schreiben wollen? Warum trägt die Figur auf der Fontana dei quattro continenti ein Handtuch über dem Kopf? Fragen am Ende eines sehr pittoresken Tages. 


Tag 5: Triest - Kočejve - Ljubljana



Slowenien besteht zu 78 Prozent aus Hinterland, aber im Vergleich zum Friaul aus funktionalem. Von den Gottscheberern sind dafür tatsächlich nicht einmal Ruinen geblieben, so gründlich hat man ihre Spuren vernichtet. Der Wald zwischen Gorenje und Stari Log gehört jetzt den Bären, vor denen Schilder an den Raststellen warnen. Eine schöne Strecke, auch im November. Buttinger jedoch lebt erst wieder im Krka-Tal auf, ohne Flüsse und Fische lockt ihn keine Landschaft aus der Reserve.



Tag 6: Ljubljana - Loiblpass - Wels


Sobald wir über die Grenze kommen (wo die Pässe noch streng kontrolliert werden), beginnt es im dichten Nebel auch noch heftig zu regnen, hart an der Grenze zum Schnee. An der Nordseite des Passes müssen wir ohnehin nicht aussteigen, die ganzen relevanten Teile der Gedenkstätte befinden sich auf der slowenischen Seite. Eine Schande.

Mittwoch, Januar 08, 2020

inertia creeps

Diese Veröffentlichungsverweigerung ist inakzeptabel! Bitte unterschreibt meine Petition an mich selbst, dass ich endlich wieder irgend einen Schas ins Blog knalle. Crowdfunden könntet ihr mich meinetwegen auch. Macht man das eigentlich noch? Es wird alles immer anders, während meine Trägheit wächst. 
Gruß, Meindl

Freitag, November 22, 2019

Das Wunder von St. Jakob

Eine Sage über das Volk von Tirol

Eine klimaneutrale Reise (weil in Gedanken) in die schönsten Teile des Landes.


Wohl ist die Welt so groß und weit / Und voller Sonnenschein
Das allerschönste Stück davon / Ist doch Tirol, das Kernland dieser seiner Kronländer amputierten ideologischen Missgeburt Österreich!
Dort wo aus schmaler Felsenkluft / Der Eisack springt heraus
Von Sigmunds Kron der Etsch entlang / Bis zur Salurner Klaus
Hei di hei da hei da, Damen und Herren,
Ju vi val le ral le ra, so ist es!
Hei da hei da, Martin, bisch a Mensch oda a Tirola!
Ju vi val le ral le ra.

Kuscheln Sie sich zusammen, es ist November, da legt sich Mutter Natur zum Winterschlaf nieder und wir wollen sie nicht stören, darum pscht! Lassen Sie sich eine alte Sage aus dem herrlichen Land Tirol erzählen, von finsteren Mächten und gleißendem Gold.

Es trug sich zu, dass in den frühen Morgenstunden eines Novembertages der Wilderer Schorsch von seiner Liebsten sich verabschiedete, eine geile Alte, aber hey, Sexismus entsteht beim Empfänger! Kreuzteufel, jetzt hat sich eine moderne Textsorte in unsere Sage intertextualisiert, jedenfalls war sein Dirndale a schians Madl, die will man sich gern im Bett vorstellen.

Der Schorsch nimmt an diesem Sonntag früh Morgens sein Stutzerl und strebt dem Gamsgebirg zu. Weil der Weg vom Dorrrrrnauer Erbhof durch finstere Räubersgegenden voller Marokkaner führt, die der Schorsch in seinem urtümlichen Empfinden als fremd äh... empfindet, lässt er den Lauf seines geladenen Geschützes dräuend aus dem Autofenster schauen. So kann er unbehelligt zu seinen Kameraden stoßen, die schon auf ihn warten. Heute soll es gegen den Feind gehen, die Braunbären, wie sie bei ihnen heißen. Sie, die Krieger der roten Falken, wissen von alter Väter Sage, dass die Braunen Hüter eines sagenhaften Schatzes sind. Vor aberdutzenden Monden sollen die Alt-Braunen das Gold uralter Recken aus den Tiefen des Toplitzsees gehoben und im Osttiroler Stammhaus versteckt haben. Diese Barren wollen die Falken heute den Braunen abjagen. Der Schorsch sieht in die Runde, man lacht in Vorfreude auf die Jagd, macht lustige Witze über das schöne Geschlecht, die Prinzessinnen der Großen Stadt und ihre vielen Namen. Er sieht einem nach dem anderen in die durchwegs blauen Augen, lässt sich vom Zirbenem nachschenken und die Gesinnungsgenossen hochleben. Tief in seinem Inneren aber quält ihn die Frage, ob er noch zu dieser linkslinken Jagdgesellschaft gehört, ob er nicht im falschen Körper gefangen ist, er sehnt sich in Wahrheit viel mehr danach, Teil eines Volkskörpers zu sein, nach echter, männlicher Gemeinschaft, nicht so schwulem Diskussionsscheiß für Bettler. Er verscheucht die verbotenen Gefühle und pascht in die Hände. „Auf geht’s Mander, s'isch Zeit!“ Die Waidmänner lassen ihre Porsches stehen und besteigen den Privathubschrauber, denn es ist weit da hinunter über den Alpenhauptkamm. Schorsch wird während des Fluges über die herrlichen, ewigen Berge immer nachdenklicher. Ja, er will das Gold, aber will er, was seine Freunde wollen? Dass die ganzen Hunnenscharen über den Brenner sich wälzen, und dass die Weiber aus der Stadt über sie, diese stolzen Steinböcke des Heiligen Landes herrschen?

Der Hubschrauber setzt an zur Landung, die Falkenkämpfer formieren sich, in einer Reihe schreiten sie in den Hohen Tann, der sich rund um die Burg der Braunen erhebt. Schorsch wartet, bis Reih und Glied stehen. Schon will er sein Jagdhorn zum Angriff blasen, da geht mit einem Mal ein strahlendes Licht in der Dunkelheit an, ein weißer Hirsch betritt die Lichtung. Auf ihm reitet, stolz und erhaben, Andreas Hofer. Die Jagdgesellschaft beugt geschlossen ihre agnostischen Knie. Der stumme Geist des Freiheitskämpfers steigt vom Hirschen, hebt grüßend die Hand zu den Falken, dann schreitet er auf die Burg der Bären zu. Schwer hallt seine knöcherne Faust am Eichenholz. Ihm wird aufgetan. Staunend stehen die Braunen Schützenverbände da, sehen verwundert zwischen dem knienden Feind und dem Geist hin und her. Und dann begreifen alle, Falken und Bären, das Wunder, erkennen, was möglich ist. Hofer nimmt die Linke Schorschs und die Rechte des braunen Führers Bertl und führt sie ineinander. Die Kraft der Einigkeit durchströmt Rot und Braun.

Von Stund an hielten sie gemeinsam zusammen gegen die Hunnen, und gemeinsam zwangen sie die Frauen und Dirndln und Prinzessinnen und Stadschulis zurück in Zucht und Ordnung.

Und aus rauen Kehlen singen sie seither zum Andenken an das Wunder von St. Jakob:

Kennst du die Perle, die Perle Tirols?
Die Burg St. Jakob, das kennst du wohl!
Umrahmt von Bergen, so friedlich und still.
Ja das Nazigold am grünen Inn,
Ja das ist Heimat am grünen Inn,
Ho - la - di - le ...
Ho - la - di - le ...
... bei uns in Tirol!

Freitag, Oktober 11, 2019

Der Pilznarr. Gerechtigkeit für Schönering


Als mich der Sprecher der Akademie an diesem viel zu warmen Oktoberdonnerstag anrief, um mir den Nobelpreis für Literatur 2021 zuzusprechen, ließ ich den Hammer fallen. Nun sind sie völlig verrückt geworden, dachte ich, damit ist der Preis endgültig ruiniert. Ich brachte nur ein wortloses Gurgeln heraus, das man in Stockholm für ein Zeichen der Rührung hielt.

Ich stieg benommen vom Dach meines Baumhauses, das in seinem siebten Jahr wieder angefangen hatte zu nässen; ein schwerer Landregen hatte meine größte Leistung in der Dichtkunst zunichte gemacht. Alles ließ ich nun liegen und stehen, die Planen, die Dachpappe, die Dichtmasse. Vor dem Gartentor hatte sich bereits eine Pressetraube gebildet, die Fotografen hielten eifrig auf meinen Hund, der schon wieder in den Vorgarten schiss, obwohl ich doch in der Früh mit ihm äußerln gewesen war. Ich hielt inne, dachte über das kostbare Wort „äußerln“ nach, ist nicht alles Sprechen ein Versuch, das Innere zu äußerln, da schrien mich die Journalisten gierig an, sie forderten Reaktionen und Reaktionen von mir, keiner von ihnen rief mir entgegen, dass er schon ein Buch von mir gelesen habe. Gut, beide sind vergriffen, aber dafür hatte das Dach drei Jahre lang dicht gehalten.

Ich bin nicht hier für des Hundes Scheißdreck!“ rief ich. Im Zustand äußerster Entfremdung lief ich ins Haus und wählte mit zitternden Fingern die Nummer des einzigen Menschen, der wusste, wie es mir jetzt ging. Doch Peter Handke hob nicht ab, typisch für diesen Bewohner des Elfenbeinturms in der Niemandsbucht! Er genoss das Exil, das ich ihm damals empfohlen hatte, zwecks Reparatur seines Images. „Zieh auch nach Schönering!“, sagte ich ihm nach seinem Auftritt als Gast bei den OLW, „zieh in mein Dorf, keine Sau interessiert sich dort für seine Dichter! Einmal im Jahr, Peter, lese ich im Pfarrheim für die Senioren, alle fünf Jahre zum Frauentag für die SPÖ-Damen, das war's! Eine heilige Ruhe!“ Tatsächlich konnte sich Handke der Öffentlichkeit hier, am Ostrand des Eferdinger Beckens, in unsere Oase der Poesielosigkeit retten. Ja, es war eine Rettung, seit zwei Jahren lebte er wunschlos glücklich in einem Vierkanter und sucht den lieben langen Tag Vogelfedern und Tintenröhrlinge im Kürnbergerwald. Wollte dem scheinbar verwirrten Großliteraten ein freundlicher Jogger den Weg zurück durch die Borkenkäferschneisen zeigen, sagte Handke „Ich komme Edramsberg her, von Schönering, von Wilhering“, und alles war gut.

Verlassen wie ein Kind im Grenzland lief ich durchs Haus, und leider, leider verfiel ich auf die Idee, ins Internet zu schauen. Keine Stunde war mein Nobelpreis bekannt, schon wurde meine gesamte Vita an die Öffentlichkeit gezerrt wie eine Picknickdecke, an der ein Rudel Paviane reißt. Mein Deutschlehrer erzählte lachend von meinem Faible für Guns N' Roses samt Fransenlederjacke; meine Schwester gab bei Barbara Stöckl preis, dass ich mir als Kind über Nacht ein Plastikdraculagebiss um 5 Schilling in den Mund gesteckt habe, um meinen Überbiss zu korrigieren. Auf ORF 3 machten sich Daniela Strigl und Klaus Nüchtern über die Rechtschreibfehler in der „Sau“ lustig, Nüchtern erzählte, dass ich zur Not auch Stiegl trinke. Und in der Mittags-ZiB plauderte Christian Wehrschütz über meine Freundschaft mit Kim Jong Un, Fotos von einem Begräbnis wurden eingeblendet. Ich geriet in Zorn, die Verwandtschaft kann man sich halt nicht aussuchen!

Da läutete es Sturm an der Tür, ich riss sie auf und sah LH Stelzer auf der Dacke, neben ihm strahlte Bürgermeister Mario Mühlböck. Sie klopften mir links und rechts auf die Schulter, der Ortskaiser überreichte mir ein Bild vom Stift Wilhering, der Landesvater eine Pfeffermühle aus Leondinger Fichtenholz. Da senkte sich mein Blutdruck, und ich richtete das Wort an die beiden. „Ich fühle mich losgebunden vom Pfahl des eigenen Ich!“ Wir umarmten einander. So sah ich nicht, wie die Pressetraube heranwanzte. Jemand tippte mir auf die Schulter. Armin Wolf! „Frau Meindl, Peter Handke sagt über Sie, dass zwar ihre Literatur großartig sei, aber Ihre Dichtkunst nicht, denn es regne schon wieder in Ihr Baumhaus!“ Ich war wie vom Blitz getroffen. „Verschwinden Sie!“, schrie ich, „und stellen Sie mir nicht solche Fragen! Ich stamme von Handwerkern ab, von Wegmachern, von Schneidern her! Von keinem Menschen hör' ich, dass er sagt, der Rasen ist aber schön geschnitten, und wie der Zuckerhut in Ihrem Hochbeet gedeiht, alle fragen nur wie Sie!“

Ich schlug, das muss ich zugeben, dem frechen Wolf mit der Pfeffermühle ein bisschen auf den Kopf, dann zog ich Stelzer und Mühlböck in mein Haus und sperrte die Weltpresse aus. Um unsere Stimmung zu reparieren, bot ich den Gästen selbstgebackene Hanfkekse an. Bald lagen wir kichernd auf der Soff, der Hund eingerollt und furzend zu unseren Füßen, und am Ende wurde es doch noch ein gemütlicher Nachmittag. Dem Handke, diesem geschwätzigen Arschloch, habe ich seither nie mehr beim Winterreifenwechseln geholfen.

Donnerstag, Oktober 10, 2019

"Dominika Meindl – Despotie und Poesie"

Auszüge aus ihrer nicht autorisierten Autobiographie

Von Monika Meindl, ehem. Chefredakteurin der OÖN

In einer Pause beschloss ich, einen Schluck Kaffee zu trinken. Kaffe ist ein schmackhaftes Heißgetränk, das in Äthiopien erfunden und in Wien zur Marktreife gebracht wurde. Ich war aber in Linz. Ein kalter Novembertag an den Gestaden der Donau, die hier durch die Stahlstadt mit ihren 452.565 Einwohnern fließt. Die Donau ist der größte Strom Europas und sichert den Wirtschaftsstandort Oberösterreich nachhaltig. Als ich Dominika Meindl hier das erste Mal sah, wirkte sie in Gedanken verhangen. Ihre vom Klettern gestählten Finger hielten in der Rechten einen Krug Schlägler Bier, das beliebteste Bier nicht nur der Region Oberes Mühlviertel, ein Leitbetrieb zum Vorzeigen, wie sie unter der Regentschaft Meindls zuhauf entstanden. In der Rechten den von ihr so geliebten Gerstensaft, in der sehr starken Linken – die meisten herkömmlichen Menschen haben ja einen deutlich schwächeren Arm, meistens den Linken – in der fast genauso starken Linken von Meindl, die damals noch die jüngste Lesebühnengründerin der Zweiten Republik war, da lag der Nacken ihres Vertrauten Prof. Buttinger. Es ist typisch für die Kultur des Anpatzens in diesem Land, dass Meindl nachgesagt wird, sie verlange von ihrem Beraterstab stete sexuelle Bereitschaft! Das Kartenhaus der Lüge wird auch in Bezug auf angebliche homosexuelle Präferenzen der jungen Präsidentin einstürzen, die immer klar gesagt hat, dass sie bei der Befriedigung ihrer erstaunlichen geschlechtlichen Bedürfnisse keine Rasse und kein Geschlecht dem anderen vorziehe, hauptsache, es ist ein jedes Mal auch ein bisserl das Herz dabei.
[...]
Im Volksstamm der Burjaten, die sich im Zuge der Völkerwanderung in den Wäldern des Bezirks Urfahr Umgebung niedergelassen hatten, war es üblich, die Kinder mit ihrem Hausnamen zu rufen, “Dominika” ist also der Nachname, die korrekte Anrede (bis zur Erlangung von Magistertitel und Präsidentschaftsamt) war also stets “Meindl”. Meindls Eltern hatten es sehr schwer als Kinder der letzten Köhler von Gramastetten, doch als Angehörige der Aufbaugeneration konnten sie durch täglich 12 Stunden Arbeit einen bescheidenen Wohlstand schaffen. Es ist wiedereinmal ein verbaler Anschlag der neidigen Gegner, zu behaupten, das faszinierende Tyrannentalent sei ein verwöhntes Ärztekind, nein, sie ist auch eine sehr klassenbewusste Kämpferin für die Anliegen der Kleinbauern und Kleingewerbstreibenden, denn Leistung muss sich wieder lohnen.
Meindls Vater, ein bescheidener Waldbauernbub, Medizinalrat Primar Dr. Josef Meindl, erzählt, dass seine Drittgeborene schon mit 1,5 Jahren auf eigenen Beinen stand. Was vielleicht nicht früh ist, angesichts der barocken Ausmaße der Gliedmaßen aber schon wieder eine Top-Leistung. Es ist jedoch ein Gerücht, dass Mutter Anneliese ihre Tochter zur Kinderärztin getragen habe, da sie vermutete, ein Herzfehler sei schuld daran, dass sich Meindl erst mit einem Jahr zu bewegen begann, und dass die gemeine Ärztin gesagt habe, “nein, die ist nur faul”. Das ist diese Niedertracht des Anpatzens, an dem sich Meindl nie beteiligt hat.
Die junge Präsidentin wusste sich überall gleich Freunde zu machen, sei es durch ihre charismatische Ausstrahlung, sei es durch ihre Bildung – ein Abschluss in Philosophie mit ausgezeichnetem Erfolg, was Meindl aber immer wieder vergisst, weil ihr Noten nicht so wichtig sind. Sei es durch ihre leicht groben, leicht lustigen Scherze, mit denen sie sich auch dem weniger gebildeten Volk verständlich zu machen weiß. Meindl besticht durch ihre Vielseitigkeit – sie kann drei bis vier Bier (bevorzugt Schlägl, hidden champion der Braukunst) trinken, aber auch druckreif über “Singularität und Alterität unter besonderer Berücksichtigung der Dekonstruktion Jacques Derrida” referieren. Wenn sie von ihren wissenschaftlichen Expeditionen und kühnen Abenteuerfahrten in das von ihr so innig geliebte Tote Gebirge erzählt, kommt die gefühlvolle Seite der sonst so tough wirkenden Despotin durch. Gestern war sie zum Beispiel auf dem Großen Kraxenberg, wofür sie den Aufstieg über die südliche Wassertalflanke wählte, ein alpinistischer Husarenritt der Schwierigkeitsstufe II, frei geklettert, wovon die bergtaugliche Präsidentin nicht viel Aufhebens macht. Wann immer sie auf dem Plateau des größten Karstgebiets Mitteleuropas angekommt, ist sie so gerührt, dass ihr manchmal das Wasser in die Augen steigt, die grün wie das absterbende Laub der Latschen im Herbst sind. “Wenn die Gamserln so lieb im Gebirg stehen”, sagt sie immer, “und die Sonne über die geliebten Gipfel streicht, da sehe ich wohl ist die Welt so groß und weit Und voller Sonnenschein. Das allerschönste Stück davon Ist doch die Heimat mein Dort wo aus schmaler Felsenkluft Die Steyr springt heraus Vom großen Priel dem Grat entlang Bis zu der Staumau in Klaus. Hei di hei da hei da Ju vi val le ral le ra Hei da hei daJu vi val le ral le ra!” [spätestens hier haltlos weinen]

Freitag, August 02, 2019

Das Phantom der operanten Konditionierung

Eine halbe Stunde brauche ich, um jenen Grad der Konzentration zu erreichen, in dem ich es aushalte, das Dokument "Roman" zu öffnen und angesichts der 249.420 potenziell fehlerhaften Zeichen an einer random Stelle mit dem Weiterschreiben (= 18. Umschreiben) zu beginnen. In Minute 32 habe ich die erste fahle Passage gefunden und einen Plan entwickelt, wie daraus etwas zu machen sei, für das ich mich nicht völlig geniere, da fällt mir ein, wie gut es ist, dass wir zuhause kein Festnetztelefon mehr haben, das mich genau jetzt durch ein Klingeln, das nicht mir gilt, aber nur von mir in diesem Moment gestoppt werden kann, da irgendein Mitmensch ein Anliegen haben könnte, das dank einer medizinischen Intervention meines ex-erziehungsberechtigten Mitbewohners, der gerade ohnehin nicht anwesend ist, sonst würde es nicht mehr klingeln, einer alle erleichternden Linderung zugeführt werden könnte, aber wahrscheinlich wäre wieder nur ein aggressiver Telefonkeiler der schon siebenmal folgenlos von mir mit dem Tod bedrohten Firma San Lorenzo dran, der mich mit einem 1000 Kilogramm schweren italienischen Akzent, den billige Drehbuchautoren mafiös anlegen würden, fragen würde, warum „hiere in Leitenwege, Austria“ niemand mehr die Anrufe der Olivenölmafia entgegennehme, „e!?“ und ob wir nicht doch wieder eine Kiste voll überteuerter Antipasti bestellen wollen, andernfalls seien wir „sere bese Mensche!“; oder es ist eine entfernte Verwandtschaft, die mich ohne Namensnennung fragt "Goi, du kennst mi ned!", die aber dem obgenannten und als abwesend gemeldeten Vorfahren ansatzlos ein persönliches Leiden übermitteln lässt, das recht intime Einblicke in die mir bis dato unbekannte Verwandtschaft im 17. Grad bietet.
Aber es gibt kein Festnetztelefon mehr, das mich jetzt in diesem kostbaren Moment der Möglichkeit, den Scheißroman endlich fertig zuschreiben, berauben könnte, nur noch diesen Erinnerungsphantomschmerz daran und das Blog, in das ich diese Feststellung gleich hineinschreiben muss, um das Klischee der Autorin mit Schreibblockade ironisch zu erfüllen, wie finden Sie übrigens den Titel, hat er eh irgendwas mit dem Inhalt zu tun? Ein paar Sätze muss ich auch noch herschreiben, damit der Eintrag die 2500-Zeichen erreicht, dank derer ich das hier der LiterarMechana als „Kunst“ melden darf. Vielleicht fällt mir noch ein besserer ein. Nun aber habe ich das Bedürfnis nach Mittagessen, und später zahlt sich auch nichts mehr aus, morgen unternehme ich einen neuen Anlauf, außer es ist schön gemeldet, dann gehe ich auf einen Berg. Guten Tag!

Freitag, Juni 14, 2019

Freischaffende Beuter der sieben Weltliteraturmeere. Belletristische Produktpiraterie

Eine erfolglose Literatenpiratin ist es leid, kein eigenes Schiff zu befehligen, sie lässt sich die Heuer für ihre Jahre Schufterei auf der MS Roman auszahlen (54,74 €) und springt von Bord. Der Wortfluss trägt sie mit sich fort und spült sie ans andere Ufer. Eine Weile verdingt sie sich dort als Texterin lesbischer Pornos mit Anspruch.

[kurz im Publikum umsehen - „nein, es sind zu ordentliche Leute hier, ich lese jetzt keine Ausschnitte daraus“],

doch das befriedigt sie selbst nicht lang genug.

Sie will mehr. Herrin auf allen sieben Weltliteraturmeeren sein! Der Schrecken des Buchhandels, die Geißel der Krimiautoren, die Faust des Todes im Nacken unwilliger Verleger und erfolgreicher Konkurrenten! Eines Nachts schleicht sie sich nächtens auf die MS Kafka und kapert sie still wie ein Virus. Sie will damit ein Werk schaffen, das beißt und sticht, denn wenn ein Text seine Leser nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen sie dann überhaupt? Ihre Schöpfung soll die Axt sein für das gefrorene Meer in den anderen! Aber das Schiff ist alt und alle anderen ganz jungen Literaten wollen es auch entern. Und jemand muss die Piratin M. verleumdet haben, denn ohne noch in See gestochen zu sein oder etwas fertig geschrieben zu haben, wird die MS Kafka von strengen Kritikern beschlagnahmt. M, die sich im Zimmer des Heizers versteckt hat, gelingt die Flucht. Über knarrende Wanten hangelt sie sich von Takelage zu Takelage, bis sie bei einem Schiff neuerer Bauart landet – der MS Wolf Haas, weil pass' auf, da passiert immer was, aber nicht dass du glaubst, die Literatin wird jetzt glücklich auf der Haas, weil immer die Leser duzen und immer dieser Stil, da wirst du doch zum Säufer. Es ist nicht so, dass sie es nicht aus dem Hafen heraus geschafft hätte, die M war ja eine, die schon auch was geschafft hat, aber dann ist sie auf einmal ganz dings geworden. Das muss ich euch kurz erklären, wie das mit dem dings gemeint war: Weil neue Entdeckung. Die M hat am Horizont eine Insel gesehen, wie Inseln in Piratenbüchern eben aussehen, und da ist sie wieder kurzerhand von Bord gehüpft wie ein Spatz auf die Brösel.

Nach einer fünfzehnminütigen Odysee, so singt uns die Muse die Taten der wanderlustigen Dichterin, gelangte die Heldin an das fremde Gestade, sie singt vor Zorn, bis ein freundlich Wind ihr den Leib getrocknet. Ei, wie der Sonnengott ihr da die Haut gesenget! Und fern das Wasser, welch gewalt'ge Not.

So verfällt die Freibeuterin des Wortes wegen des mangelnden Trinkwassers in einen Schaffensrausch. Immer am Rande des Hitzetodes fließt ihr ein Roman nach dem anderen aus den Fingern, alles schreibt sie exakt auf, was ihrem siedenden Hirn einfällt, es ist der Fluch der Akribik. Der Reihe nach stopft sie die Manuskripte in dickbauchige Flaschenpostflaschen und wirft sie absichtslos in die See. Sie tragen Titel wie „Handbuch der Kriegerin gegen das Neonlicht“, „Die Homöopathin“, „Jakob auf dem Holzweg“ oder „Veronika beschließt zu erben“, dumme Gedanken eines vertrockneten Hirnes. Was die Seeräuberin der Lyrik nicht ahnt: Alle Werke werden vom Mainstream erfasst und direkt in die Hände des Publikums gespült. Die Neonlicht-Streitschrift wird zur Bibel der EU-Glühbirnenverordnungskritiker, und das Buch über das Erben inspiriert hundertausende junge Menschen, darunter den Volkskanzler der Herzen, sich rechtzeitig Eigentum zu erwerben, um vor Altersarmut geschützt zu sein. Die Kaperfahrerin der sieben Weltliteraturmeere schreibt rastlos Sätze wie "Der Mensch will immer, dass alles anders wird, und gleichzeitig will er, dass alles beim alten bleibt", lauter esoterischen Stickpolsterweisheitsscheiß wie „Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die du immer wolltest.“ Bald bekommt Paolo Coelho Wind davon, dass da jemand seine Buchhandelsfregatten kapert, er schickt eine Forschungsarmada aus; man studiert die gegenwärtigen Strömungen und kommt auf den richtigen Schluss. Doch als die Strafexpedition die Heiminsel der dem Wahn verfallenen Nachdichterin endlich findet, ist von der keine Spur mehr im Sand zu lesen. „Verdammt, wir sind zu spät!“ sagt der Befehlshaber des Geschwaders, der auf der langen Forschungsreise sehr viel dekonstruktivistische Schriften studiert hat, und erst vorgestern las er Barthes' „Der Tod des Autors“, und gestern bei Foucault, dass der Mensch bald verschwinden werde „wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand. Er lässt die Segel setzen und Kurs halten zurück an bekannte Ufer.

Was niemand weiß: Die Autorin ist noch gar nicht tot! Auch sie hat ihre Poststrukturalisten gelesen und sich unbemerkt der Armada eingeschrieben wie ein postmoderner Hypertext. Sie labt sich als kurzsichtige Passagierin im Schiffsrumpf an den Früchten anderer Hände Arbeit, und als man endlich im Hafen der Zivilisation ankert, schleicht sie unbehelligt von Bord.

Siehe da! Hötaus! Man liegt vor Linz! In der Abwesenheit der Schiff- und Wortbrüchigen hat sich die Stadt am Strom zur „Linzeraturhauptstadt“ ernannt. Cool!, denkt die Piratin, die ihr Gewerbe nicht lassen kann, und auch das Gewebe nicht, das Zutexten ehrlicher Bürger, sodass sie – kaum hat ihr Fuß festen Boden unter sich – flugs den nächstbesten Nachen kapert.

[Jetzt ist die einzige Minute, in der es stimmiger wäre, läsen wir heute auf dem Salonschiff Fräulein Florentine, ich ersuche um geistige Mitreise dorthin!]

Es ist die MS Libido, und die Piratin erobert gleich die Crew und sie kapert Ihre Aufmerksamkeit und sie stiehlt Ihnen Ihr Gold im Austausch gegen billigen Tand und wertloses Wortgeklingel.

Und nach einer Buddel voll Inländer Rum sangen alle gemeinsam:

Wir lagen vor Magdalena und hatten die Voest vor Bord

In den Kessel da faulte das Zipfer

und täglich erklang der Linzer Wort!

Ahoi, Literaten, ahoi! Ahoi!

Dienstag, Mai 21, 2019

Fremd im eigenen Hirnland

Ein lieber Kollege spricht mich auf meinen Text im neuen Landstrich an, er arbeite grade zum gleichen Thema - da fällt mir ein, dass ich keine Ahnung mehr habe, was ich eingereicht habe. Drei Monate und keine Erinnerung. Thema war "fremd". Ich bin wirklich eine andere. Oder die Demenz greift an.
Das ist jedenfalls der Text: 

Fremdkörper

Vom rechten Weg abkommen

Akzeptable Affekte gegen das Fremde:
Über die schlecht vernarbte, geschwollene Wunde streichen und so über das metallische Kratzen der Fingerkuppe über den Splitter erschrecken, dass die linke Hand vom rechten Unterarm zurückzuckt. Oder. Aus dem Traum gerissen werden, weil einem jemand ins Gesicht gefasst hat, den Angreifer packen und wieder heillos erschrecken, weil es die eigene, eingeschlafene Hand ist, die auf der Wange lag. Auch. Die Kanonenkugel von Playmobil in der Kindernase. Und überhaupt. Viren im Leib, Viren im System. Der Hexenschuss beim Anziehen der Socken.
Unter Umständen verständliche Xenophobie:
Mit einer vor Wochen verstorbenen Maus im Mund aufwachen, den Leichnam als die eigene Zunge erfahren, dann aufstehen und sich den Magen umdrehen, der autoimmune Gram gegen den Kopf, die Scham nach vier Bieren. Oder. Die Küchenkastenkante, die schon seit Jahren an derselben Stelle auf dieselbe Stelle des Hinterkopfes trifft, und dann die Hand, deren Knöchel im Zorn auf das Holz schlagen; der Schmerz, der sich dadurch nicht teilt, sondern verdoppelt.
Sachgerecht sublimiertes Fremdeln gegenüber dem Anderen:
In vierzehn Semestern mühsam die offene Dialektik von Eigenem und Fremden verstehen lernen; Paratexte, die sich in einen Wirtstext einnisten, wie der Wikipediaeintrag im autobiographischen Versuch über den Fremdkörper, einfach so, denn ein Fremdkörper (lateinisch corpus alienum) ist ein fester, einem Organismus fremder Körper, der von außen her in die Gewebe oder Hohlorgane des menschlichen oder eines tierischen Körpers gelangt ist. Die Art der Fremdkörper ist sehr vielfältig und reicht von Staub und Haaren über Murmeln und Geldstücke bis zu vergessenen Scheren und Tüchern (Gossypibom) im Gewebe nach einer Operation. Oder. Im Urlaub mit einem Mal doppelt so viel wahrnehmen, nur weil alles um einen herum so exotisch ist. Englische Witze bevorzugen, weil man sie schlechter versteht.
Der rechte Weg:
Ein Dutzend Rösser zur Wahrung der Sicherheit. Oder. Botschaften im holpernden Endreim, Pummerin statt Muezzin. Oder. Hegel rechts auslegen, dem Recht das Folgen lehren. Werte ehren. Den rechten Arm heben, um den Linken zu winken. Den Fremden das Ersaufen schaffen.

Samstag, Mai 18, 2019

Im Westen – die neue Seidenstraße

[Der Erzähler arbeitet als Landvermesser für die neue Seidenstraßeneisenbahn, die am Lauf der Donau entlang an der Traun abbiegt und von dort ins Gebirge und die Adira führen soll. Es droht Gefahr von den Eingeborenen-Stämmen der Awaren, Slawen und Bajuwaren, die in diesem Gebiet leben und von einer Bahn nichts wissen wollen. Der junge Held ist ein Greenhorn, er freundet sich mit Deng Xiao an, dem Leiter des Security-Teams und erfahrener Westmann. Die beiden sind an einem Sonntag früh morgens auf eine Gams und steigen jetzt wieder aus dem Höllengebirge ab:]

Wir hatten uns dem Lager angenähert, als grässliches Geschrei die Gebirgsruhe durchschnitt. Den Augen bot sich Entsetzliches – rings auf den Bäumen saßen die Arbeiter und brüllten um Hilfe. Vor mir stand der Braunbär und wühlte im Unterleib des Kochs Long, der am untersten Ast einer Buche hing. Ich hob – ohne nachzudenken – einen Stein vom Boden. Der Petz hielt, am Kopfe getroffen, sogleich in seinem Wüten inne und drehte sich zu mir um, der ich ihn mit einem Schuss ins rechte Auge empfing. Der Bär sackte auf die Vorderläufe, dann tappte er stracks auf mich zu. Ich zog mein Klappmesser, sprang zwischen die Tatzen und stach zu. Viermal in das Herz hinein. Der Bär gab nach und sank in seinen Tod. Ich ging zum Stamm, an den sich Long klammerte. „Lasst los, Mann, ich helfe euch herunter!“ Der Anblick war wüst, die Eingeweide hingen ihm aus dem Bauch. Er war tot. Die Arbeiter wollten erst von den Bäumen steigen, nachdem ich ihnen die Leblosigkeit des Tieres bewiesen hatte.

Deng Xiao beugte sich über den Leichnam. „Ó! Ein Braunbär! Muss von Karantanien her kommen.“ Die Arbeiter, die gerade noch um ihr Leben gefürchtet hatten, wollten sich nun gierig daran machen, dem Bären die Krallen und den Penis abzuschneiden, um sie als Heilmittel weiterzuverkaufen. „Der Bär ist mein!“ rief ich, aber sie wichen nur kurz zurück. „Noch ein Schritt weiter und ich schlage jeden ohnmächtig, der --“

In diesem Augenblick tönte eine laute Stimme. „Meine Herren, seid ihr toll? Was für einen guten Grund könnte es geben, dass Landsleute einander den Hals brechen?“ Da trat ein buckliges Männlein hinter einem Baum hervor. Er war so hellhäutig, dass man ihn für einen Europäer halten musste. Der Kleine wandte sich an mich. „Habt Ihr Kraft in den Knochen, junger Herr!“ Er kniete sich zum Bären. „Ihr seid uns zuvorgekommen.“ Er richtete sich wieder auf. „Ihr seid Landvermesser?“ Ich nickte, ein Schatten fiel über sein Gesicht. „Der Boden gehört dem Stamm der Awaren vom Salzberg.“ „Was geht euch das an?“, brüllte der besoffene Vorarbeiter Shǔ. „Ich gehöre zu den Awaren“, antwortete der Bucklige ruhig. „Ah!“ krähte Shǔ in spöttischer Bewunderung, „Huángsè-fùqīn, der Schulmeister der Langnasen!“

Der Kleine rief ein europäisches Wort in den Wald, das ich damals noch nicht verstand, worauf zwei außerordentlich interessante Gestalten auf die Lichtung traten. Es waren offensichtlich Vater und Sohn, die da würdevoll auf uns zukamen. Sie trugen ihr reiches blondes Haar wie einen helmartigen Schopf, ihre Augen strahlten blau. Sie waren in die grünen Jagdröcke der Gegend gekleidet. An den Beinen trugen sie wollene Socken, darüber fein gearbeitete und schön bestickte kurze Hosen aus Gamsleder. Der Jüngere machte einen tiefen Eindruck auf mich. „Das sind meine Freunde“, sagte Huángsè und wies auf den Älteren. „Das ist Ingenieur Tschurner, Bürgermeister der Salzberg-Awaren. Und hier steht sein Sohn Winifred, der trotz seiner Jugend schon kühne Taten verrichtet hat.“

Winifred betastete die Wundmale. „Wer hat diesen Bären mit dem Klappmesser angegriffen?“ Er sprach reines Mandarin. „Ich“, war meine Antwort. „Das junge Gelbgesicht hat großen Mut bewiesen!“ Der Bürgermeister wandte sich an Shǔ. „Mein gelber Bruder mag mir einige Fragen beantworten. Hat er im Osten ein Haus, und ein Stück Land dabei?“

Shǔ unterdrückte seinen Hohn halbherzig. „Ja.“

Wenn nun der Nachbar einen Weg durch diesen Besitz meines gelben Bruders bauen wollte, würde dies mein Bruder dulden?“

Nein.“

Die Länder jenseits des Himalayas und des Indischen Ozeans gehören den Chinesen. Was würden sie dazu sagen, wenn die Europäer kämen und dort Eisenbahnen bauen wollten?“

Sie würden sie fortjagen.“

Mein Bruder hat die Wahrheit gesprochen. Die Gelben kommen in dieses Land, schießen unsere Gämsen, rauben unsere Bodenschätze und Arbeitsplätze. Was werden wir dazu sagen?“

Shǔ schwieg.

Haben wir etwa weniger Recht als ihr?“ fuhr Ingenieur Tschurner fort. „Ihr nennt euch Kommunisten und sagt, dass alle gleich sind!“

Es ist notwendig für das Wachstum und den Standort“, sagte Shǔ kleinlaut.

Da wurde der Häuptling unwirsch. „Es ist nicht notwendig, dass ferner noch Reden gehalten werden. Ich will, dass ihr heute noch fortgeht.“ Er nickte seinen Begleitern zu, die drei wandten sich zum Gehen. Da griff Shǔ mit einer Geschwindigkeit, die ihm niemand zugetraut hätte, nach der Pistole. Ich stürzte auf ihn zu, doch schon löste sich ein Schuss. Huángsè sprang beherzt vor seinen Schützling Winifred, dem die Kugel gegolten hatte. Sie trat dicht neben dem Herz des Alten ein, er stürzte wie ein gefällter Baum. Ein allgemeiner Schrei des Entsetzens erscholl. Die Weißen knieten nieder, der Jüngere hob den Kopf des Getroffenen auf seinen Schoß. Blut quoll hervor. „Winifred, mei Bua!“ flüsterte er in der europäischen Mundart. Da wandte er sich zu mir, sprach mit dem letzten Atemzug auf Mandarin: „Bleiben Sie ihm treu! Führen Sie mein Werk fort... die Weißen brauchen Ihre Hilfe!“ Ich sagte es ihm ergriffen zu. Er hauchte sein Leben aus.

Winifred und sein Vater hoben stumm den Leichnam auf. „Ich will euer Freund sein! Ich gehe mit euch!“ drängte es über meine Lippen.

Da spuckte mir Tschurner ins Gesicht. „Räudiger Hund! Länderdieb!“

Die Weißen hoben ihren toten Lehrer auf ihren Traktor, banden ihn fest und fuhren von dannen. Sie hatten keinen einzigen Blick mehr für uns.


Sicherheit, auch an den stärkeren Tagen

Ach! Heutzutage ist ja nichts mehr sicher – bis auf das Gefühl der Unsicherheit. Der Eindruck entsteht zumindest, wenn ich es ein bisschen übertrieben habe beim Medienkonsum. Auf allen Kanälen, auf allen Seiten schauen ältere, hellhäutige Herren grämlich Bedrohungen entgegen und kündigen Sicherheitsverschärfungen an. Schon klar, der depperte Terrorismus. Wer möchte den schon verteidigen!? Gerne möchte ich den Glossengott Max Goldt zitieren: „Kann man sich denn heute nicht mehr ohne Bomben ärgern?“ Nur: Angst habe ich davor für meinen Teil nicht. Das einzige, was bei mir explodiert, sind meine Wirtshausausgaben (laufend), ein fallender Joghurtbecher (neulich) und ich selbst nach einer Lappalie (höchstens einmal im Monat). Apropos. Wir Frauen kennen dieses Bedürfnis nach Sicherheit, auch an den stärkeren Tagen. Dieses Angegriffensein von ALLEM. Wenn die ansonsten so geliebten Menschen zu fest schauen, zu nah an uns vorbeigehen, zu sehr da sind oder zu weg. Diese Tage, an denen wir weinen wollen, wenn wir uns morgens von unseren armen Haustieren verabschieden. Wenn etwas von Nirvana oder Rage against the Machine überraschend im Radio läuft und man denkt, mei, sowas Schönes wird heutzutage gar nicht mehr gemacht. Man weiß im Moment des Geschehens, wie dumm man ist, und kann doch nicht aus. Oh, ihr Hormone!

Das Schöne an diesen gefühlsstarken Operettentagen: Sie gehen flugs wieder vorbei. Ist es für uns Damen nicht herrlich, wie uns diese regelmäßigen Stimmungseintrübungen zeigen, dass eine Laune keine objektive Wahrheit ist? Unsere aktuelle Befindlichkeit kein Schicksal? Vielen Männern scheint diese sympathische biologische Einladung, sich selbst nicht gar so wichtig zu nehmen, zu fehlen. Darum sind sie solche willigen Opfer von Grant, Unsicherheit und Angst. Sie halten ihre Gefühle für gerechtfertigt. Wie töricht!

Wir Frauen müssen da wirklich sehr handfest einschreiten, sonst wird die Welt nicht heil. Sagen wir den saudummen IS-Terroristen etwa, sie sollen nicht so hysterisch sein. Vasektomieren wir männliche Verfassungsrichter, die Abtreibungen nach einer Vergewaltigung verbieten. Befehlen wir dem Trump, dass er nicht so stutenbissig herumkreischen soll. Fragen wir Erdogan, Kickl und Strache, ob sich leicht grad ihre Regel haben, weil sie heute gar so unerträglich sind.

Behandeln wir diese Herrenrasse genauso, als wären sie die Frauen, die sie in uns immer gesehen haben! Überforderte Wesen, die in den Schutz des Heimes gehören! Dann der Umsturz und das goldene Matriarchat.

So wird alles gut.

Freitag, Mai 17, 2019

Gabbionen vor Trumps Elternhaus

Warum es keine Schande ist, aus Schönering zu stammen

Ein Auszug aus der im Oktober 2019 erscheinenden Autobiographie „Von der Poetin zur Despotin. Verantwortung übernehmen!“ Bundespräsidentin Dominika Meindl, redaktionelle Mitarbeit Armin Wolf.

Privat ist Donald Trump ganz anders als öffentlich, wo er sich so unmöglich gibt, dass ich selbst schon lange aufgehört habe, mich über seine neuesten Grillen aufzuregen, obwohl wir uns schon so lange kennen. Nämlich über unsere Väter, sie haben zusammen beim Pfarrtheater gespielt. „Die gemischte Sauna“, Trump sen. war der besoffene Pfarrer, ein großer Lacherfolg. Der junge Trump war in der B-Klasse, mit der es eigentlich keine Freundschaft geben durfte, aber weil sich die Väter eben kannten, waren es wir beide, die dem LH damals die Blumen überreichen sollten, als die Volksschule ein neues Dach bekommen hat. Der Donald hat – schon ganz Profi – das Gedicht souverän abgeliefert, fast schon ein wenig zu überzeugend, während ich sofort abhauen wollte, sobald ich alle Augen auf mir, den rutschenden Trachtensocken, dem zu engen Kleid und dem für ein kleines Kind viel zu schweren Blumenstrauß auf mir spürte. Mein Vater konnte mich gerade noch am Knoten der Dirndlschürze abfangen und in die richtige Richtung zurückdrehen. Der Ratzenböck lachte, die Direktorin sah ihn an und lachte aus Höflichkeit mit, die Lehrerin schaute betreten zu Boden. Aber der Donald legte mir seine Hand auf die Schulter, er schob mich mit, hin zum lachenden LH. Die Blumenübergabe klappte. Das werde ich dem Trump nie vergessen, auch wenn er beim Klassentreffen letzten Samstag die ganze Angelegenheit sehr zu meinen Ungunsten erzählt hat. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass er uns nicht ernst nimmt, seit er die USA hat und ich nur Österreich.

Ich habe es bis jetzt nicht publik gemacht, dass der Trump und ich miteinander in der Firmvorbereitung und in der Skigymnastik und bei der Jungschar waren. Zum einen glaubt er ja, seine Wurzeln bei uns im Zentralraum nicht erwähnen zu müssen, zum anderen führt er sich ja wirklich auf wie ein Kleinkind im Zuckerschock, sobald man eine Kamera auf ihn hält. Zudem sehe ich wesentlich jünger aus.

Wie ist es dazu gekommen, dass der Donald Schönering und uns allen so ganz den Rücken zugewandt hat? Er hat im Stiftsgymnasium Wilhering ja nur die Unterstufe geschafft, weil er sich mit dem Lateinischen so schwer getan hat, während es mir zugeflogen ist, als hätte ich es in einem früheren Leben schon einmal gesprochen. Aber gut, für die Weltherrschaft musst du heute keinen gallischen Krieg mehr übersetzen können. Ich habe mir immer vorgenommen, anderen ihre mangelnde humanistische Bildung nicht vorzuhalten, immerhin haben meine Eltern geschuftet, um mir meinen Werdegang zu ermöglichen, und es ist mir eine Freude, ihnen ihre Bemühungen durch das Erreichen des höchsten Amtes im Staate entlohnen zu können. Ich habe über die Berufe meiner Eltern – meine Mutter hat in der Streichholzfabrik Ansfelden gearbeitet, bis sie privatisiert und zugedreht worden ist (die Firma, nicht Muttern), der Vater hat in der Voest bis zur Frühpension die Viererschicht gemacht – in der Öffentlichkeit nie viel gesprochen, denn es ist mir zu en vogue geworden, mit einer proletarischen Herkunft beim Wahlvolk hausieren zu gehen, wenn man sich nach der Brandrede die getrüffelten Lärchenzungen und den Jahrgangsbarolo hineinstellt, bis die Zeche endlich fünfstellig ist.

Da ist der Trump wenigstens nicht scheinheilig. Er hat schon in der Unterstufe damit angetuscht, dass sein Vater mit dem Ziegelwerk so viel verdient, dass sie jedes Jahr wegfliegen, meistens in ein Disneyland, je nach Jahreszeit das von Paris oder Florida. Und dass die Mama es nicht not habe, arbeiten zu gehen, und dass er mit 15 nicht einfach ein notdürftig vom Papa zusammengeflicktes Puch Maxi bekommt, sondern eine Aprilia RS 125. Die erste hat er gleich nach drei Wochen in der Donau versenkt, als er mit viel zu viel Schwung auf die Ottensheimer Fähre hinuntergerast ist, aber drei Wochen später hat ihm die Oma einfach eine neue Aprilia gekauft, während wir auf unseren elenden Maxis und Derbis und Typhoons vor jedem beschissenen Hügel absteigen mussten, weil unsere Sauger zu wenig Schmalz hatten. Das Elend der Jugend, die ganze brennende Scham, das hat der Donald wohl dank des vielen Geldes zuhause einfach übersprungen.

Trotzdem mag ich auch heute nichts gegen ihn privat sagen. Das ist meine Definition von Freundschaft, dass ein jeder seinen Job macht, so wie er es für das Beste hält, und dem anderen nur dann dreinredet, wenn ihn der darum gebeten hat.

Trumps Eltern haben letzte Woche übrigens ihren Vorplatz komplett zuschottern lassen und lauter so schiache Steinkörbe drumherum aufstellen lassen, schaut unheimlich scheiße aus, jetzt erwäge ich, das wegen des Bienensterbens bundesweit zu verbieten. Ein kleiner Machtkampf unter weißen Männern, ok, aber die Bienen wollen auch leben.

Montag, April 15, 2019

Schönering. Ein Ort gibt nicht auf. Eine Schrift anlässlich des 90. Wiegenfestes von Alt-LH Josef Ratzenböck

Aus: "In der Heimat der Fußkranken"

Wir gehen vorbei an der renovierten Raika-Bank, laufen über die Bundesstraße und nehmen die Abkürzung durch den Friedhof. Auch der ist vor wenigen Jahren erneuert worden, seit das Dorf vom Bauchspeck der Kulturhauptstadt überwachsen wird. Ganz, als ob der vergrößerte Weihgrund den Greisen das Ableben schmackhaft machen soll, weil die Jung- und Akademikerfamilien Platz brauchen. Vor zehn, fünfzehn Jahren ist Schönering in die Kategorie des Vorstädtischen gekippt. Aber ich hatte als Kind noch rechtzeitig bei den benachbarten Bauern das Schlachten ihrer letzten Schweine und Stiere beobachtet, bevor sie ins Ausgedinge gingen oder auf Bauernparty-Eventmanager umstellten. Damals hatte ich nächtelang schlecht geträumt. Aber beim Studieren konnte ich später viele Bürgerskinder und BWL-Studentinnen mit meinen einschlägigen Landerlebnissen beeindrucken.
Franz ist mit seiner Familie vor wenigen Jahren ins Haus neben meinen Eltern gezogen. Er arbeitet in der Stadt und kommt vom Land; das aber richtig – nämlich aus dem Sauwald. Den Zentralraum empfindet er einerseits als ›identitätsarm‹; er spottet bei jeder Gelegenheit über die nahe PlusCity und den unmotivierten Dialekt der Menschen hier. Andererseits ist er so integrationswillig, dass er dauernd im Pfarrblatt abgebildet ist. Fledermauswandern mit den Grünen, Sonnwendfeuer mit den Schwarzen, Punschtrinken für die Feuerwehr, Mostkosten mit den Roten, Knödelsonntag in der Kirche, Filmschauen mit dem Pfarrer. Nur für den Kornblumenball ist er sich zu schade, obwohl er gerade dort noch das alte Schönering mit seiner hohen Nazi-Dichte erleben könnte. 

 Symbolbild "Franz mit kleiner Blasmusik"

Heute traben wir an der Volksschule vorbei, die an drei Seiten vom Friedhof umzingelt ist. Ich erzähle Franz, wie das Schulgebäude ausgebaut worden ist, als ich in die Vierte ging. Zur Wiedereinweihung ist dann sogar der Landeshauptmann gekommen. Aus irgendeinem Grund hat man damals ausgerechnet mich dazu ausersehen, dem Ratzenböck Blumen zu überreichen. Meine Eltern zerrten mich also aus dem kleinen Waldstreifen, in dem ich während des Sommers als Indianerhäuptling ein strenges Regiment über die anderen Nachbarkinder führte. Sie wuschen mir den Dreck aus dem Gesicht, bürsteten mir die Ritter aus dem Haar und steckten mich in ein zu enges Dirndlkleid. Ich ließ alles erschrocken und schreckensstarr über mich ergehen. Als mir die Direktorin dann einen Blumenstrauß in die Hand drückte und mich in Richtung Landesjosef plus Blasmusik schob, wallte schließlich die Angst in mir hoch. Ich schickte mich an, auf meinen kurzen Beinen das Weite zu suchen. Mein Vater fing mich nach drei Metern ab, drehte mich in die richtige Richtung und sorgte so dafür, dass der Ratzenböck doch noch zu seinen Blumen kam. Den Fluchtimpuls habe ich heute gut im Griff, aber ein Dirndl habe ich seitdem nur noch unter Protest angezogen.
Franz gluckst vor Lachen, aber auch vor Bierdurst. Die Kantine des neuen, in pilzartiger Geschwindigkeit aus dem Boden geschossenen Reha-Zentrums lassen wir rechts liegen. So wie das ›Café Regina‹ des Fleischhackers, da wir dort bei unserer letzten Exkursion in den ›Ortskern‹ unter Substanzeinfluss von der Budel gekippt sind und von den diensthabenden Zivildienern erstversorgt werden mussten.
Nur einen Steinwurf – und ich kann nicht weit werfen – entfernt schimmert an einem großen Vierkanthof fahl das Schild ›Gasthof Übleis‹. Vor dem Eingang zögern wir, ich nehme mir zuerst ein Herz und stoße mit einem etwas zu forsch geratenen »Sgood!« die Tür zum Schankraum auf. Haben wir von außen gerade noch lautes Reden sowie Fäuste und Karten auf den Tisch knallen gehört, so herrscht nun große Stille in der kleinen Gaststube. 13 Augenpaare starren, eines davon hinter dicken Brillen, die ich abnehme, da der Dunst mir die Sicht verschlägt. Ich sehe ohne Brille fast genauso schlecht wie ohne Augen, also vergeht eine peinsame Weile, bis ich mich wieder orientieren und bewegen kann. Franz ist derweil reglos hinter mir stehen geblieben.
Langsam nehmen die Gäste ihre Gespräche und Schnaps-Partien wieder auf und sehen nur noch verstohlen zu uns her, während wir uns hinsetzen. Über dem Nebentisch hängt ein riesiges Luftdruckgewehr, darunter sitzen drei Kartenspieler in Ballonseide, auf der jeweils ›Asphaltstockschützen Schönering‹ steht. Im Übrigen kenne ich keinen anderen kleinen Ort, in dem eine derart riesige Asphaltstockhalle steht. Ein imposantes Mahnmal antiquierter Leibesertüchtigung.
Der Kellner kommt. Er trägt ein T-Shirt, auf das ihm ein Kind einen Igel und in krakeliger Volksschulschülerschrift ›Sei nicht immer so stachelig‹ gemalt hat. Auf seinen Armen sind ebenso ungelenke Tätowierungen zu sehen, aber keine Igel, sondern blutende Messer und Herzen. »Wos ham’S n firan Wunsch?« Unter dem Tisch trete ich sacht gegen Franzens Schienbein, um ihn an die Wette zu erinnern. Er räuspert sich. »Wöchane Proseccosorten hobt’s denn?«
Sein Gesicht glüht vor Scham wie ein bulgarischer Reaktor, auch der Kellner wird rot. Wieder wird es still. »Zwoa Hoiwe woin ma«, erlöse ich die beiden und schließlich wird am Nebentisch wieder gekartelt.
So sitzen wir und hören zu, weil wir uns sowieso nicht auf ein eigenes Gespräch konzentrieren können – denn an den anderen Tischen schwebt die aufregende Möglichkeit einer Handgreiflichkeit in der Luft. Ein Landesbeamter verteidigt gegen vier Voestler die Anzahl seiner Arbeitsstunden und provoziert auch durch geringfügige Liberalitäten in der Ausländerpolitik. Wir sind gebannt und sprechen nur beim Bestellen. So werden aus den zwei Halben drei, vier, fünf, sechs. »Wiaso duzt mi der blede Kööna ned, glaubt der, i bin wos Bessas?«, raunzt Franz Stunden später, sobald wir aus dem Wirthaus draußen sind.
Und dann torkeln wir wieder zurück ins Einfamilienhausghetto, vorbei an Gärten voller SchwimmbeckenSchaukelnTrampolineCarportsThujen. Wir übergeben uns zum Abschied auf dem Vorplatz vor dem Volvo-SUV meines Vaters. Denn bevor man über andere spottet, soll man zuerst vor seine eigene Haustür kotzen.

Freitag, April 12, 2019

Hundert Worte zur Heimat

Die Heimat ist dem Menschen wie der Katze die viel zu enge Schachtel, in die sie sich so hineinzwängt, wie sich der Lachs zum Laichen nach Hause kämpft, um dort auch gleich zu sterben (die Wiener denken an Freud, herrlich!, Liebes- und Todestrieb!, sie sind angeheimelt vom Bild der laichenden Fischleichen). In der Schachtel geht es der Katze wie der Anthropologin auf dem Mars (der Autistin im Schlachthof); sie erholen sich in der begrenzten Enge von den Erfordernissen der Weite, die allem Lebendigen – wenn es nur einmal wirklich diese Weite ernst nähmen – ganz ungeheuerlich erschiene. So sitzt die Mieze im Karton, so zuckt der Fisch neben seinen Nachfahren, so baut sich die Frau mit Asperger eine Kuschelmaschine.

Dienstag, April 02, 2019

Persönliche Reizworte, neue Lieferung (April 2019):

Mir kommt vor, dass ihr alle mein Glück wollt, und dass die Herstellung meines Wohlgefühls gemäß dem Kantschen Imperativ ein sehr tüchtiger Schritt in Richtung Weltrettung sein wird. Nehmt euch deswegen meine Handreichung zu guter Sprache, gutem Denken und gutem Handeln zu Herzen. Lest, denkt, vermeidet!
 
Worte, Phrasen und Sachen, die mich instantan wütend machen
 Zuckerdiät – ex aequo mit Brexit
Eigentlich alles mit Hashtag, am schlimmsten sind derzeit aber: #mindfulness #enjoythemoment #neverstopexploring #grateful
Reform der Mindestsicherung“
yummy“ ist jetzt gleichauf mit „lecker“
Game Changer
Ehedrama, Ehe-Aus
Powerfrau (stabil scheiße seit 1983)
Halbfettmilch
Stöckelschuhtraining zum Frauentag (und immer), High Heels (immer)
Identitär
Yoga
Man muss sich xx als glücklichen Menschen vorstellen.“
Audi Q5 und 7
tief in ihrem Inneren
Ausreisezentrum
Trendfarben
Frauen sind von Natur aus...“
Raf Camora
Standort
Rassismuskeule
Elektroswing (wir hatten jetzt sehr viel davon)
Cutie
Frauen, die ihren Mund auf Fotos sinnlich öffnen
Beidl
Strukturbereinigung
After Eight (immer schon)
Volksrock
NLP
Am Ende des Tages (gekommen, um zu bleiben)
Arminia Czernowitz (frischer, brodelnder Hass)
Genderwahn
Sichern Sie sich jetzt xy!“
Mega
Herbert Kickl
Sein bisher persönlichstes Album“
Familienvater
In der Steinzeit gingen die Männer jagen.“
BMW X3, X5, X6 (aufsteigendes Reizpotenzial)
Allergienasenrotzhochziehen
Westring
Rosa und blaues Playmobil (ihr Ärsche!)