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Donnerstag, Februar 02, 2023

Sechs Fäuste für die Freiheit. Biene Maja bekommt einen Busen

Symbolbild "Biene" (ich hab kein besseres gefunden)

Küniglberg, 2026. Aufgrund krisenhafter Entwicklungen und genereller Verblödung stellt die FPÖ den Kanzler, und es ist natürlich Kickl. Die „Entpolitisierung“ des Lügenfunks ORF war gleich nach der Wiedereinführung der berittenen Polizei sowie der Gender-Vereinheitlichung (alles ist mit dem generischen Maskulin zu bezeichnen) die dritte Amtshandlung, er heißt nun „Österreichischer Rechts Funk“. Der Bonaparte für Arme betritt nun den ORF-Sitzungsraum, in dem das neue Serien-Entwicklungsteam – Herr Harald, Herr Budimir, Herr Alexander auf den kleinen Kanzler wartet.

Kickl: Na, meine Herren, welche schönen Ideen haben Sie für mich vorbereitet?

Harald: Die Moderatorinnen zeigen ein bissi mehr Haut und sagen eher wieder nur Wetter, Tiere und Kultur an.

Kickl: Ja, gut, aber tun Sie mir die Tierberichterstattung nicht unterschätzen!

Alexander: Die ganzen amerikanischen Vorabendsendungen canceln wir...

Kickl: Obacht, Sprache!

Alexander: ...kündigen wir.

Kickl: Kanzler Kultur statt Cancel Culture, verstehen Sie? Er lacht ergiebig über den Kalauer, die Herren geben ihr Bestes.

Budimir: Dem Wegscheider gemma die Prime Time, pardon: Hauptsendezeit, und es schaut generell gut aus, dass wir ServusTV freundlich übernehmen.

Kickl: Bitte nach diesem Vorbild wirklich auf sehr viel Positives und Schönes aus der heimischen Landschaft achten, ich hab keine Freud mit diesen ganzen Kalaharis und Araberwüsten.

Harald: Was wir uns besonders angeschaut haben, ist der ganze Bildungssektor.

Kickl: Genau, bei der Jugend schon früh ansetzen mit unseren Inhalten!

Alexander: Wir haben ein wenig nachgelesen. Wer uns als klassischer Autor sehr taugt, ist der Waldemar Bonsels.

Kickl: Kenn' ich natürlich, nicht nur wegen der Biene Maja! Sehr gut! Der hat auch für Erwachsene viel geschrieben. Das hätte man in den linksversifften Zeiten gar nicht sagen können, ohne Nazikeule, aber das ist heute noch lesenswert!

Harald: Wobei ich trotzdem dazu rate, dass wir über die Feldposthefte und den Reichsschrifttumskammer nicht direkt was machen.

Kickl: Ah! Da hat noch wer die bolschewistische Schere im Kopf!

Budimir: Herr Bundeskanzler, die Kinder können ja mit der Politik noch gar nichts anfangen, da geht man über das Narrative rein, über die lieben Geschichten.

Alexander: Genau, und deswegen präsentieren wir Ihnen heute unseren Pitch...

Harald: Vorschlag!

Budimir: Idee!

Alexander: … für eine zeitgemäße und kindgerechte Neufassung der Biene Maja! Erstens ist sie jetzt noch schlanker, zweitens hat sie einen Busen.

Harald: Der faule Willi darf schon bleiben, aber wir wollen diese Figur als warnendes Beispiel etablieren, dass man es bei der Faulheit leicht übertreiben kann und die Grenze zum asozialen Subjekt schnell erreicht ist.

Kickl: Feinsinnig!

Budimir: Die verschiedenen Sorten Insekten lassen sich recht schön auf das Menschenreich umlegen. Da gibt es Mann und Frau, und verschiedene Völker. Wahrscheinlich gibt es in Echt tüchtigere Bienenstöcke und solche, die eher schmarotzen.

Kickl: Da ist die Biologie gefordert!

Alexander: Ganz besonders klar können wir das bei den ganz anderen Ethnien zeigen, dass etwa die Wespen eher so Erd- und Höhlenwesen sind, mit einer gewissen naturgegeben Niedertracht.

Harald: Am ärgsten die Hornissen! Die Biene Maja lässt sich mit ihnen ein, und muss dann erkennen, dass diese Raubtiere an der völligen Umvolkung der friedliebenden, fleißigen Bienen arbeiten!

Budimir: Da bauen wir von Sendung zu Sendung die Spannung auf, eh nur ganz kindtauglich, und dann könnte am Ende der Mensch hegend eingreifen und die Hornissen aus dem Bestand entnehmen.

Kickl: Meine Herren! Sofort umsetzen!!!!!

Da aber reißen sich die drei Autoren die Masken vom Gesicht. Es sind – und wir freuen uns alle von Herzen! – die von den Toten auferstandenen Jahresgespenster in meinem Lesebühnen-Oeuvre 2023: Harald Juhnke, Bud Spencer und Peter Alexander. Sie sind gekommen, um uns zu erlösen. Dementsprechend holt jetzt Spencer zu einer klassischen Stereowatsche aus, die Kickl mit der Wucht der Gerechtigkeit trifft. Harald Juhnke stellt den hereineilenden Personenschützern mit der Lässigkeit des Drunken-Kung-Fu-Mönch-Stils ein Bein nach dem anderen. Peter Alexander verwandelt den Kampfplatz durch perfekt getimten Fünfzigerjahre-Slapstick in ein turbulentes Komödienspektakel. Nach vollendetem Gefecht haken sich die drei Herren fröhlich unter und machen sich auf, das Land aus den Fängen der Freiheitsfaschisten zu befreien.

Donnerstag, November 10, 2022

Auch André Heller kann noch was lernen!

Man soll sich an Eichen mit großer Fallhöhe reiben. Irgendwas am Weltenkünstler Heller macht mich unrund (vgl. Paolo Coelho). Es wird der Neid sein. Ich möchte mein unangenehmes Ressentiment durch die Kraft der Literatur in positive Energie verwandeln. 

Aschenbecher "Alle Kunst, die der neidigen Autorin möglich ist" Salzteig und Goldlack,Wien 2005

André Heller, Mogul der Zaubermagie, betritt den geheimsten Sitzungsraum im UN-Hauptgebäude. Als das fantasielos zusammengewürfelte Interieur sein Auge beleidigt, versucht er, sich nichts ankennen zu lassen, „denn wer bin ich denn um der Güte des Himmels willen, über andere zu urteilen!“, wie er immer sagt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verbeugt sich vor dem Gärtner des Südens. „Haha, schon dass kommen konnten, Herr Heller, mir wurde Sie hier in Wien von sehr viele empfohle! Große Visionar!“, sagt der taubengraue Südkoreaner. Heller zieht einen türkisen Seidenschal aus der Tasche und drapiert ihn um den Hals des Botschafters aller Nationen. „Na schaun'S, das ist genau Ihre Farbe. Wir müssen alle bunter werden!“ KiMoon verbeugt sich noch einmal, „nehmen bitte Platz!“ „Nein, BanKi, ich tu' unheimlich gern lustwandeln beim Denken, wie der Aristoteles*, das Bewegen des Körpers bringt auch meinen Kopf in Bewegung, damit er im Gang durch die Geisteswelt bei sich selbst wieder ankommen kann!“ Ki Moon nickt höflich, Heller hakt sich bei ihm ein und beginnt durch den Raum zu spazieren, als wäre es sein Dichtergarten, sein Giardino am Gardasee oder der unlängst eröffnete „Anima“-Garten in Marrakesch. „Pflanzen, hier fehlt atmendes Grün!“

Herr Heller, wir haben große Projekt fur Sie.“

Das größte Projekt ist es, bei sich selbst wieder Kind zu werden!“

Ja.“

Das ist die Wallfahrt zum Allerheiligsten der Phantasie! Im Übrigen schreibe ich Phantasie immer noch mit PH, das lasse ich mir nicht nehmen, auch wenn man das im gesprochenen Miteinander nicht hört, aber man merkt es doch: Phantasie! Da muss ich an mein Lieblingsprojekt denken, die Clownparade beim Jahrmarkt der modernen Kunst, mit Feuerspektakel...“

Ja. Herr Heller, Vereinte Nationen brauchen Kraft der Phantasie für reconstruction von failed state.“

Wenn ihr wollt, ist es kein Traum! Wir sind alle miteinander in einem riesigen Lernprozess verbunden, und darin müssen wir lernen, das Miteinander zu bauen! So wie damals bei den Kristallwelten!“

Kristallwelten konnen Sie bauen. Waren Sie schon einemal in Kongo?“

Lustig, dass Sie mich fragen, ich hab erst gestern eine ganz liebe Postkarte von meinen Artisten aus Brazzaville bekommen, die wirklich das Herz meiner Show von Afrika!Afrika! Gebildet haben. Begnadete Körper! Die sind immer noch so dankbar, dass ich sie in Europa hergezeigt hab'...“

Also bauen Sie Kongo wieder auf fur uns.“

Da kommt mir gleich ein Varieté an Ideen! Im Vorjahr hab ich ja für die Vereinigten Arabischen Emirate eine ganze Insel designen dürfen. Mit Garten.“

Schon.“

Wissen Sie, Herr KiMoon, erst im Garten kommt der Mensch zu sich. Wir müssen alle Gärten schaffen! Und erst darin können wir unsere Phantasie entfesseln!“

Kongo ist großes Problem.“

Gerade in Äquatorialafrika blüht doch alles so herrlich! Wir verwandeln ganz Zentralafrika in einen einzigen Garten, in dem die Menschen sich dann begegnen können! Wer einen Garten baut, kann kein Gewehr halten!“

Ja, gut. Dann noch Tschetschenien, Afghanistan, Syrien.“

Die Kultur der Gastfreundschaft! Die Weisheit der Völker! Herr Ki Moon, da veranstalten wir einen Festabend – Im Herzen des Lichts, dazu baut jedes Volk ein Wunderkabinett! Und in diesen Ländern wird dann der Alltag per Dekret verboten. Es kommen die Kinder an die Macht!“

Viele Dank, Herr Heller, große Hoffnung haben wir, Budget auch.“

Über das Geld reden wir dann erst am Schluss, das hemmt meine Phantasie!“

KiMoon verbeugt sich, Heller drückt ihn an sein Herz und tanzt aus dem Büro.

Als er wenig später am Praterstern umsteigen muss, winkt er den Sandlern und Tranklern zu, schmeißt den bettelnden Romakindern etliche Münzen in die Becher. „Ihr seid die wahren Lebenskünstler!“ sagt er respektvoll, bevor er in den Hundshaufen tritt, den der Bullterrier des besoffenen Punks grade gelegt hat. „Na geh, Schas!“, ruft Heller, da muss er aber eh schon wieder schmunzeln, „da hab ich jetzt was lernen dürfen!“ Er zieht sein seidengebundenes Notizbuch heraus und notiert mit der Füllfeder, in herrlicher Kalligraphie: „Mit beiden Beinen am Boden bleiben, aber auch einmal den Blick nach unten richten!“ Daneben schreibt er noch: „Welt retten nicht vergessen!“

Freitag, Juni 16, 2017

Das Anfütterungsverbot

Ein Gasthof am Lande. Ein älterer Herr schaufelt der ihm gegenübersitzenden jungen Frau Knödel aus der gewaltigen Bratlrein. 

Kevin: Opa, moch' des ned!
Opa: Wos moch i denn?
Kevin: Du fuadast mei Freindin!
Opa: Jo waun's ia schmeckt!
Kevin: Opa, echt jetzt. Du mochst des imma.
Opa: Wos denn!
Kevin: Du fuadast olle meine Freindinnen au!
Opa: Geh.
Kevin: I suach ma extra Dünne und du fuadast das auffi!
Kevins Vater: De letzte hod se bis heid ned erhoit.
Kevin: De is jetzt fett, Opa! Hea auf!

Bei rituellen Handlungen wird am Lande fettreiche Ernährung verzehrt (Symbolbild).

Mittwoch, Februar 06, 2013

Can I get a witness? Wie wir die Zeugen Jehovas von der Straße holen könnten

Kaum etwas langweilt mich mehr als humoristische Schilderungen von Begegnungen mit Zeugen Jehovas. Kein Poetry Slammer mag auf Dialoge mit den skurrilen Glaubenshandelsvertretern verzichten. Kein Stadthallenkabarettist, der die ernsten Bibelforscher nicht schon als Human Pop-Ups bezeichnet hat. Keine Bloggerin, die sich ihre eigenen klammen Finger nicht am Funzelfeuer der spießigen Faltenrock- und Wachturmträger zu wärmen versucht hat. 
Jetzt bin auch ich keine Freundin der nichttrinitarischen Chiliasten. Eher im Gegenteil, ich möchte mich so weit aus dem Fenster lehnen, die Theokratie generell als "doof" zu bezeichnen.
Andererseits sind sie aber wirklich spaßig. Wer, wenn nicht sie, nimmt denn das Leben sonst noch ernst? Alle anderen sind doch schon vom Ironie-Virus durchseucht. Da steht also in meiner Hood Jahr und Tag ein Zeuge mit Hütchen, der exakt so aussieht wie Jaromír Borek (ihr wisst schon, der mit dem Mundl zu Silvester den Nachbarn sturmreif böllert).
Boreks Widergänger ist entzückend. Er hält den eilenden Passantinnen verschwörerisch seine "Erwachet" hin, als verkaufe er Schwarzmarktzigaretten und sagt dazu "Nau?!" oder "Nix dabei für Sie?" Als ich einmal Einkaufstauschen an ihm vorbeitrug, schnalzte er mit der Zunge und raunte "Tüchtig!" 

Und so ging unser heutiger Dialog: 
"Nau! Kein Bedarf?"
"Nein, ich bin schon gerettet."
"Ja, von was? Weil sie jetzt in die Arbeit gehen?"
"Ganz im Gegenteil, weil ich jetzt nicht in die Arbeit muss!"

Wer weiß! Vielleicht wird der Hütchenzeuge jetzt auch unterbezahlte Schreibmaschine! Ich wiederum hatte dann im Heimgehen die Idee, eine erlösende Gegenbewegung ins Leben zu rufen: die Rettung vor der allzu blöden Arbeit. Meine Jünger stehen dann auf der Straße und bieten das Magazin "Schlaf gut!" an. 
Denkt da mal drüber nach!

Donnerstag, Juni 30, 2011

Homosexuell durch falsches Wasser? Doofe Dialoge, Teil 12

Erneut ein autobiographischer Lebensschnipsel: Das männliche Mitglied der Stammfamilie schäumt neben der Schwimmwanne.
Ich: "Papa, nicht mit Duschgel! Da sind Phosphate drin, und die kommen uns Grundwasser!"
Schwester C., ehrlich bestürzt: "Ja, und dann werden die Fische schwul!"

Jetzt frage ich mich: Ist das eine naturwissenschaftliche Entgleisung oder eine Gender-Sauerei den Fischen gegenüber?

Dienstag, Juni 21, 2011

Dialoge des Grauens, Teil 11

Leider wiedereinmal autobiographisch:

"Au, schau wie verspannt ich bin! Da hat sich schon ein Knödel im Genick gebildet."

"Lass mal fühlen. Nein, das ist keine Verspannung. Das ist Krebs."

"Oh. Dann schlaf' ein letztes Mal mit mir, bevor ich sterbe."

"Ma, du bist so arg!"

Dienstag, März 22, 2005

Mikado im Gatsch

Liebe Kinder!

Anlässlich des heutigen Weltwassertages erzähle ich euch eine Geschichte über einen Mann, mit dem ich einst zusammenwohnte. Also eigentlich ist die Geschichte ein Dialog, der sich entspann, als ich versuchte, diesen Mann über den ohnehin nicht besonders komplexen Handlungsverlauf einer Fernsehschnulze aufzuklären. Ich bürge für die Richtigkeit der folgenden Worte mit meinem guten Namen, denn ich habe mir alles realitätsgetreu aufgeschrieben (damals litt ich auch noch nicht unter den Folgen meiner übermäßigen Marillenverehrung).

I: „Oiso, dem sei Frau is gstoam, und jetzt kriagt a aundere ihr Herz und
valiabt si daun in eam.“ [Eine meines Erachtens nach wie vor schlüssige und
vollständige Zusammenfassung dieses Films]
A: „Wöchane is gstoam?“
I: “Dem sei Frau.” [man sieht den Witwer]
A: „Wöchane?“
I: „De siagt ma nimma, weil’s scho tot is.“
A: „De Schwoaze?“
I: „Naa!“
A: „Owa de hob i grod gseng!“
I: „Naaaa! Dem sei Frau! De wos’d gseng host, kriagt ihr Herz!“
A: „Von wem?“

An dieser Stelle brach ich die Erklärung zum Schutz meiner geistigen Integrität ab. Fünf Minuten später – und beim Barte des Propheten: folgende Aussage war ernst gemeint:
A: „He, den Füm kenn I! Des is der, wo er si in de valiabt, de des Herz von seina Frau kriagt hot!

Das war irgendwie wie Sprinten im Gatsch oder Mikadospielen mit Parkinson. Denkt da mal drüber nach!