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Mittwoch, Juni 10, 2020

Sudernde Sudeten

Da sich das Ende des Zweiten Weltkriegs im Westen Europas zum 75. mal jährt und in den OÖN der "Stunde null" gedacht wird, budeln sich auch die organisierten Sudetenvertreter wieder auf. Ich denke, das ist ein passender Anlass dafür, ein Kapitel aus "In der Heimat der Fußkranken" hier hereinzukopieren.

Sudernde Sudeten

Viele ältere Mühlviertler sind auf ihre Nachbarn im Norden gar nicht gut zu sprechen. »Die Tschechen tun ja grad so, als ob ihnen Gott dieses Land geschenkt hätte!«, ereiferte sich jüngst ein älterer Arnreiter, der als Sudetendeutscher nach 1945 vertrieben worden war. Als hätte Gott den Sudeten oder irgendjemand anderem Wald und Wiesen geschenkt. Als hätte Hitler nicht Krumau und Kaplitz 1939 gewaltsam an „Oberdonau“ angegliedert.
Die Sudeten – eigentlich der Name jenes Gebirgszuges, der Deutschland, Tschechien und Polen verbindet – haben aus ihrer Sicht Grund, mit den Tschechen über Kreuz zu sein. Die ersten von ihnen hatten ab dem 12. Jahrhundert die Grenzregionen Böhmen und Mährens kolonialisiert. Pest und Kriege entvölkerten das Land und lockten weitere Siedler an. Unter den Habsburgern gab bei der Volkszählung von 1910 ein Drittel der böhmischen Bevölkerung Deutsch als Umgangssprache an (2,2 von insgesamt 6,6 Millionen Menschen).
Am 1. Oktober 1938 wurden die Sudetengebiete mit ihren insgesamt 2,9 Millionen deutschsprachigen und 700.000 tschechischsprachigen Bewohnern „heim ins Reich“ geholt. Heute beraten Historikerinnen darüber, ob nicht genau hier ein guter Zeitpunkt für den Rest Europas gewesen wäre, Hitler militärisch auf die Finger zu klopfen, zumal die mit dem Sudetenland annektierten Grenzbefestigungen später von der Wehrmacht als uneinnehmbar erachtet wurden und die tschechoslowakische Armee zu diesem Zeitpunkt eine der bestausgerüsteten Mitteleuropas war.

Nach dem Ende der NS-Herrschaft kamen die von der tschechoslowakischen Exilregierung in London ausgearbeiteten 143 „Dekrete des Präsidenten der Republik“ zum Tragen, nach denen 2,9 Millionen Menschen als „staatlich unzuverlässig“, ergo Staatsfeinde eingestuft wurden. In Österreich, Deutschland und Ungarn werden sie gerne „Beneš-Dekrete“ genannt, vielleicht weil die Reduzierung auf eine Person noch dämonischer wirkt. Die Dekrete betrafen auch die 2000 bis 3000 überlebenden Juden (von ursprünglich 40.000), die sich bei der Volkszählung als ›deutsch‹ deklariert hatten. Ihr zuvor „arisiertes“ Vermögen wurde nach dem Krieg als deutscher Besitz konfisziert. Trotz eines späteren Erlasses zugunsten der solcherart erneut Beraubten sahen diese ihren Besitz nie wieder – die kommunistische Partei verfolgte bekanntlich die Strategie der Verstaatlichung privaten Eigentums.
Die Tschechen waren jedenfalls durchaus gründlich bei der revanchistischen und von den Alliierten geduldeten „Ausbürgerung“, obwohl die Dekrete an sich eine derart systematische Vertreibung nicht rechtfertigten. Nach einigen öffentlichen Ansprachen von Präsident Edvard Beneš kam es im Mai 1945 zu „wilden Vertreibungen“, sprich: brutalen Massakern. Die Zahlen der Todesopfer schwanken zwischen 18.816 und 270.000.
Es verschwanden nicht nur die Menschen, sondern auch deren Häuser. Ganze Dörfer wurden bis auf den letzten Stein abgetragen. Vor einigen Jahren besuchte ich das malerische Ktiš nahe Prachatice. Dort liegen auf dem Friedhof der 1310 erbauten Kirche noch die Ahnen der Sudeten. Ansonsten ist außerhalb des Dorfes kein Stein ihrer Höfe mehr zu sehen; alte Fotos wirken angesichts der heutigen Leere wie eine Fata Morgana.
In das entvölkerte Sudetenland zogen nach dem Krieg Tschechinnen aus dem Landesinneren und dem Ausland. Viele der Vertriebenen flüchteten nach Oberösterreich. Etliche meiner Freunde haben sudetendeutsche Großeltern. Laut Erzählungen waren die Großeltern naturgemäß traumatisiert durch das erlittene Unrecht, gleichzeitig aber froh, nun auf der „richtigen“ Seite des Eisernen Vorhangs zu leben. Ihren Enkeln haben sie keine Ressentiments vererbt. Ganz im Gegenteil zu den organisierten Sudeten.
Die Vertriebenenorganisationen der Sudetendeutschen Landsmannschaften sind ein Erbe, das aus der NS-Zeit über uns gekommen ist. Nicht umsonst wird bei ihnen vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) eine Nähe zum Rechtsextremismus erkannt; politisch sind sie wie alle anderen organisierten vertriebenen „Volksdeutschen“ fest in der Hand des Dritten Lagers – auch in Oberösterreich. „Sie leben in der Vorstellung, sie seien die vergessenen Opfer, dabei wurde besonders auch in Oberösterreich jahrzehntelang ausschließlich über sie geredet, wenn es um die Opfer des Krieges ging, und nicht über 'Zigeuner' oder Juden“, sagt Josef Goldberger vom oberösterreichischen Landesarchiv. „Die Vorgeschichte der Vertreibungen und Übergriffe – die NS-Verbrechen in den jeweiligen Ländern und die Beteiligung von Volksdeutschen daran – wird weitestgehend ausgeblendet“, heißt es auch in der Stellungnahme des DÖW aus dem Jahr 2004.
Vor einigen Jahren plante der Nationalratsabgeordnete Norbert Kapeller, Wehr- und Vertriebenensprecher der ÖVP, ein Museum der deutsch-tschechischen Völkerverständigung in seinem Bauernhof in Leopoldschlag. Das Land Oberösterreich hatte dies zunächst fördern wollen. Im Jahr 2010 zog es aber auf dringliches Anraten verschiedenster Institutionen die Zusage aus politischen Gründen“ zurück, wie Kapeller sagt. Expertinnen weisen darauf hin, dass er als Vertriebenensprecher im Lauf der Jahre mehrmals durch diplomatische Grobheiten die österreichisch-tschechische Verständigung gefährdet habe. Im März 2011 trat Kapeller von all seinen politischen Ämtern zurück, nachdem sein Auto in der Kurzparkzone vor dem Linzer Bahnhof abgestellt worden war – mit dem Behindertenausweis seines vor zehn Jahren verstorbenen Schwiegervaters hinter der Windschutzscheibe.
Eine Episode zum Abschluss. Ein Freund aus Wels ist Kind von vertriebenen Banatlern, die seit Ende des 17. Jahrhunderts von den Habsburgern in den nach den Türkenkriegen verwüsteten, entvölkerten Gebieten angesiedelt worden waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie brutal aus ihrer Heimat vertrieben. Viele fanden Aufnahme rund um Wels, insbesondere in Gunskirchen oder Marchtrenk. Ihnen verdankt die Gegend kulinarische Errungenschaften wie Tomaten, Paprika und Knoblauch. In den Gärten der Exilantinnen soll es keinen Flecken gegeben haben, der nicht der Ernährung diente. Mit den alten Menschen stirbt allmählich das ganz spezielle Banater Deutsch aus. Mein Freund erzählt, dass es – nach Jahrzehnten unauffälligen Zusammenlebens – sofort nach dem Aufstieg Jörg Haiders auf dem Welser Wochenmarkt zu sehr hässlichen Szenen kam. Etliche heimatbesoffene Männer hörten Banatler sprechen und pöbelten die vermeintlichen Ausländer an, sie mögen sich aus Österreich schleichen.

Freitag, September 14, 2018

Endlich Bürgermeister!


Was soll ich sagen? Schaut doch selbst, wie gut meine Verkündigung, fürderhin auch noch Bürgermeisterin der Stadt Wels zu sein, vom Volk angenommen wurde!















Dank an die Bildstellen: Ronald "Minki" Brutter, Coala "Cleopatra" Meindl und Sebastian "Putin" Fasthuber.

Donnerstag, April 26, 2018

Gender ist ein windschiefes Konstrukt


Lieber Leser, du feine Madame,

weißt du eigentlich, was für ein Gender ich verwalte? Na?! Bin ich (s.o.) die Linke oder der Rechte? Ich frage, weil es da zuletzt große Unsicherheiten gegeben hat. Lass' mich narrativ mit zwei ganz backfrischen Erlebnissen illustrieren: 

1. Zwei Schöneringer Reha-Patienten hinken am Nussbaum vorbei, auf dem ich gerade mein Baumhaus frühlingsfein mache (ich putze). "He schau, cool, der hod si sei Büro do ohm eigricht!" Ich räuspere mich. "Hö, des is jo goa ka Er, des is a Sie!" 

2. Der liebe Kollege Monet tritt bei der Versammlung der Radlobby Oö auf, die ich vor zwei Jahren (stundenlang!) moderiert habe. "Jo, 2016 woa eh scho ana vo eichana Lesebühne bei uns, der Dominik." Monet: "Einen Dominik haben wir nicht, aber eine Dominika." "Eijo, genau, so hod de g'haaßn." 

Antworten zum Geschlechtsrätselspaß bitte in den Kommentarteil, die spaßigste gewinnt (irgendwas).

Dienstag, April 10, 2018

Vorauseilender Gehorsam, oberösterreichische Kulturpolitik und persönlicher Unmut. Warum ich nicht mehr für den Kulturbericht schreibe

Soeben ist nach zwölf Jahren mein letzter Beitrag für den Oberösterreichischen Kulturbericht erschienen. Man hat mir - um den Herrn Landeshauptmann nicht zu behelligen - ungefragt diesen Satz zensiert: "Die öffentliche Hand kann leider keine kulturellen Frauenberatungsstellen mehr fördern, auch kann sie junge Musiker bei der Produktion eines Tonträgers nicht mehr unterstützen." (Mehr dazu auf dem Blog der Kupf).
So mag ich nicht arbeiten, auch wenn ich das Geld gut gebrauchen könnte. Ich halte die Kulturpolitik von LH Stelzer für empörend und finde, dass ihm mein ohnehin streichelweicher Tadel zuzumuten sein muss. Zumal ich als Kulturjournalistin und -schaffende täglich mit den Folgen seines Zusammenkürzens konfrontiert bin.
Wenigstens ist mein letzter Artikel einer über Kreisky.

 
Skurriler Nachtrag - eine Miniatur-Fleißaufgabe: 
Der riesengroße Button fürs #kulturlandretten, den ich hier Anna Weidenholzer überreiche, wurde im Kulturbericht geschwärzt.
 


Mittwoch, April 26, 2017

Auch bei den Titeln hapert's

Eigenlob miachtelt, aber ich kann nicht anders! Zumal mich die Vielfalt meiner Talente überrascht - immer noch, nach 38 Jahren Selbstbeschau.
Hier ein Fund aus meiner Jugend. Sehet: Auch Skulpturen kann ich nicht!



Und am allerschlechtesten kann ich Photoshop!


Montag, April 25, 2016

Rassisches Versagen

Liebes Internet-Tagebuch, voll der Schas!

Du weißt ja, als Künstlerin bin ich sehr auf die fütternde Hand angewiesen. Darum habe ich gleich heute vorauseilend einen Rassetest bei der FPÖ Urfahr gemacht. 
Was soll ich sagen: durchgefallen! Meine Deutschkenntnisse haben halbwegs gereicht, aber bei der Gesichtskontrolle habe ich komplett versagt. Der FPÖ-Ethnologe kam zu diesem Ergebnis:
"Bergtschusch".



Eine Frechheit! Jetzt muss ich hoffen, dass es der Tschickbruder wird, den stört das mit der fehlenden Nordigkeit bei den Genen weniger.

Montag, Juli 07, 2014

It's a Dog's Life Being Darth Vader

Immer wieder werden Fragen an mich gerichtet, wovon ich denn lebe. "Ich halte mich durch die Zufuhr von Nahrung und Atemluft vital", möchte ich antworten, aber das zieht das Gespräch nur in die Länge, geht es doch darum, dass man mir eifriges Werken nicht immer ansieht. 
Also antworte ich: "Zum Beispiel durch Auftritte als Darth Vader. Bei Kindergeburtstagen."


Die solcherart von mir Servicierten waren zunächst noch vor spitzer Angstlust kreischend davongestoben, bald aber raunten sie sich beruhigend zu "Das ist eh nur eine Frau!" Sie untermalen diese Gendersauerei noch durch eindeutige Handgriffe.


Es folgen weitere Bemängelungen:
"Ich sehe deinen Hals!" "Der dunkle Lord hat natürlich einen Hals."
"Darth Vader hat kein Auto!" "Stimmt, aber er leicht es sich von seiner Mutter aus."
"Du hast ein Leiberl an!" "Vader ist nicht nackt unter der Rüstung."
"Und Socken!" "Ja sicher, soll er sich seine Schuhe vollschwitzen?"

Alles in allem war die Jugend aber doch liebreizend und stellte sich artig mit den zu öffnenden Geschenken an. Da habe ich wirklich schon so viel Blöderes für Geld gemacht!

Dienstag, August 14, 2012

Minkileaks: Zu schiach, um da zu sein

Liebes Volk,
weil's leider zuletzt viel Kritik an meiner Person gegeben hat (Tenor: "Dich trifft man ja gar nicht mehr beim Fortgehen!"), sehe ich mich veranlasst, meine PR-Abteilung mit folgender Mitteilung an die Öffentlichkeit, also an euch, herantreten zu lassen:
Der viele Sport hat mich leider total schiach gemacht.


Bevor ich mich wieder unter die Leut' trauen kann, muss ich erst ausgleichend was für den linken Arm und den rechten Fuß machen. Vom Kopf ganz zu schweigen.

Bis dahin alles Liebe, grüßt mir eure Muttis lieb,
Mink

Sonntag, Juli 15, 2012

Mediale Belästigungen


Selten ist es mir ein Anliegen, meine ironisch-distanzierte Schonhaltung gegenüber den Zumutungen der Realität aufzugeben. Nun misslingt es mir aber schon seit Monaten, angesichts der obabgebildeten Reklame Contenance zu bewahren. Ohrenzeugen könnten bezeugen, dass ich ein jedes Mal ins allerlästerlichste Zetern verfalle, sobald ich des Plakats ansichtig werde. Schlimme Worte quellen da aus mir heraus!
Inhaltlich geht es ungefähr in die Richtung "Ich lass' mich sicher nicht von einem mit Zeitungen tapezierten Kerl budern" oder "Sexistischer Blödscheiß", aber ich möchte da nichts Konkretes verraten, da es in meiner Medienschelte wirklich sehr undamenhaft zugeht.
Das haben die Tips im Übrigen doch gar nicht not. Schöneres als die anrührenden Biographien ungewollter Tierheimtiere oder Lustigeres als Waterloos Wohntipps kriege ich doch sonst die ganze Woche nicht zu lesen. Ich fordere die Marketingabteilung dringend zu tätiger Reue auf.

Donnerstag, Mai 24, 2012

Max Goldt und die verlorene Mühe

Günstige Winde wehten mich gestern zu Max Goldt in den Posthof, noch günstigere nach der Lesung an seinen Tisch. So tranken wir Aug' in Aug', und ich bemühte mich etliche Stunden lang, zierliche Sätze zu formen und den von mir stark gemochten Goldt nicht durch penetrante Bewunderung zu enervieren.
Zuhause erst bemerkte ich, dass Dreiviertel meiner Fingernägel dreckig waren. Hätte ich mich verbal gar nicht so bemühen müssen.


Ansonsten ist der Aufsatz noch pfenninggut, den ich vor drei Jahren über Goldt im Posthof schrieb: "Max Goldt und das Sensationsbrathuhn"

Freitag, Januar 27, 2012

Dünne Nasen, dicke Füße: Postmoderne Styling-Obdachlosigkeit

Nachdem der Falter soeben das Hipster-Movement gekillt hat, fühle ich mich zu einem persönlich motivierten Nachruf gedrängt. Was war das für ein liebenswürdiger Trend: ein ironischer Schnurrbart, geschlechtstransparent-enges Beinkleid, Debord unterm Arm und Bio-Cranberries im Einkaufskorb von Fixie oder Steyr. Ja, ich hätte Teil dieser Jugendbewegung sein wollen! Ich habe sogar über Dekonstruktion diplomiert und deswegen jetzt einen Hype-konformen prekären Hobby-Job.
Aber es ist wiedereinmal der Leib, der alles versaut. Mein Nasenrücken ist zu dünn für die Glasziegelbrillen, dafür meine Walking-Devices zu dick für die Hoserl. Mein Bartwuchs kommt nicht und nicht in die Gänge. Und meine ironischen Tote-Bags ("Möstl-Bäck" und "Wels ist meine Heimat") brauche ich für's Brot.
Was soll jetzt aus mir werden? Zurück zum Grunge? Gleich fastforward zum Pensionistenflanelllook? Mal Tracht versuchen? Vorschläge bitte im Kommentarteil deponieren.

Und dann hierherschauen und in Liebe fallen: www.hipsterhitler.com

Dienstag, November 09, 2010

Über die Dialektik von Glanz und Elend

Ich sei ja in der Zeitung heute, schrub mir ein lieber Mensch des Morgens, das finde er super. "Das Jugendgewaltprügelbild schon wieder?", frug ich bange zurück. "Nein, wegen so'ner Schreibsache." Geschmeichelt tat ich eine Wanderung in das Innere der Stadt hinein, um mir die Zeitung anzusehen. Viele Menschen blickten mich dabei intensiv an. Der Schmeichelgrad stieg bis zur inneren Selbstvergötzung an. "Schau an, die erkennen mich wieder! Ich trag' ja auch denselben Schal wie auf dem Foto."
Leider trug ich nicht nur diesen Schal, sondern auch eine Joppe. Und auf der waren Motten drauf. Nicht viele, aber genug, um die Blicke der Menschen anzuziehen.
Als ich dies gewärtigte, erglühte mein Gesicht vor Scham wie ein bulgarischer Reaktor. Aber als ich mir damals beim Mopedfahren das Knie zerdreht hatte, war es noch schlimmer. Das hilft mir heute.

Montag, Februar 22, 2010

Ich bin kein echter Mann!

Liebe Narren und Narrative,

heuer wagte ich mich in eine sehr, sehr ungewöhnliche Rolle während des Faschings - ich ging als Frau. Ich kann nicht behaupten, dass mir die Verstellung leicht gefallen ist.

Three and a half Ladies

Dennoch erfüllte es mich mit Unmut, als mich ein Wiener Schnösel in der Kloschlange mit "Des Männerklo is aber da drüben" annäselte. Da ich nicht aus der Rolle kippen wollte, riss ich ihm nicht eigenhändig die Polypen aus der Nase. So musste mein Blick ihn zwingen, zu erstarren und eine Entschuldigung zu murmeln.

Dabei hatte ich zuhause noch extra Rouge aufgetragen!

Mittwoch, September 30, 2009

Hier gibt's keine nackten Tanten mit Mundgeruch!

Medamsemissjöhs,

da kann ich subtile Prosa über umbrische Liebeslyrik oder Hexameter über mongolische Blumenarrangements schreiben - und Google wirbt hier weiter unbeirrt gegen Mundgeruch und für die Restitution unwilliger Geschlechtsverkehrspartner.
Ein Blick in das Feedjit-Protokoll gibt dem Suchmaschinen-Mogoogle recht: Bei mir landet, wer sich für "Trachtenhexe", "Ehedomina", "Negerwitze", "Ugly People" und "dicke Tanten nackt" interessiert.
Was er hier vorfindet, muss für diesen digitalen Pöbel zwar enttäuschend sein. Dennoch muss ich leichte Verwüstungen in meiner inneren Seelenlandschaft feststellen.

Freitag, Juni 26, 2009

Michael Jackson: Der Leidensweg



Ein Fundstück aus dem Giftschränkchen der Geschichte: Im Juni 2006 besuchte die jüngst verwichene Popikone Michael Jackson den Schöneringer Leidensweg und wurde von aufgebrachten Einheimischen sogleich attackiert.

Freitag, April 24, 2009

Message to the World: Ich bin nicht umoperiert!

Unerwarteter Geldsegen im analogen Postfach: Die SVA will mir einen kleinen Geldbetrag geben - ich weiß zwar nicht wofür, hoserl' aber für meine Begriffe schnell zur Post. Auf dem Abholzettel werde ich als "Herr Dominik Meindl" adressiert. Ein endemischer Tippfehler, das "a" wird gerne übersehen. Ich zeige auf die falsche Anrede und hebe die Brust ein wenig, als ich bei der Postdame vorstellig werde: "Des bin i!" Es wäre zwar unerheblich, aber ich will heute ganz gern als Frau wahrgenommen werden, zumal ich mich vor 19 Jahren mühsam durchgerungen habe, doch nicht Indianerhäuptling zu werden.

Die Frau legt den Kopf ein wenig schief. "Ham's an Ausweis?" Na klar, hab' ich. Ich werfe ihr den Führerschein auf die Budel. Ein Fehler, wie mir sogleich bewusst wird.
"Name amtlich berichtigt auf Dominika" steht da nämlich schon seit Jahren unter "Behördliche Berichtigungen" - als Folge eines Tippfehlers. Der Postfrauenkopf gerät in bedenkliche Schieflage - ihr Gesicht spricht eine deutliche Sprache: "A bissal merkt ma's scho nu", scheint sie eindeutig zu sagen.

Ich raffe die paar Scheine an mich und schreite in bemühter Würde hinaus. Nur um draußen sogleich Opfer eines ehemaligen Arbeitskollegen und stadtbekannten Logorrhoetikers zu werden. "Ah, guat schaun'S aus, früha woan'S jo a so schmoi!"

Und da soll ein Mensch nicht zuschlagen oder Dosenbier trinken?!

Aus der Serie: Abwaschbare Geschlechtsidentitäten, 2004, als ich noch ein junger, schlanker Bursch war.

Freitag, November 28, 2008

Die Sau im Linzer Dorf

Liebe Kinder,

so geht's zu in der Welt! Kaum verweist mich das Poetry-Slam-Publikum einmal nicht auf den vorletzten Platz, werde ich größenwahnsinnig und vergieße dicke Tränen, weil mir erst im Finale (übrigens irrsinnig schmählich) der Sieg geraubt wurde. Natürlich von diesem schrecklichen René Monet! Bei aller Liebe: Musste der gestern unbedingt mitlesen? Der kann doch von mir aus weiterhin überall anders gewinnen und mir zumindest den Solaris-Slam lassen.

"Die Sau"


So sitze ich heute mit ungemein grauslichen Katzenzungen aus Tschechien (Zweiter Preis) da und überlege, was ich mit dem Stricksocken voller Kulis, Rotgeld und Taschentüchern (Erster Preis) alles bewegen hätte können.
Ärgerlich auch, dass der Monet die weitaus besseren Bilder macht. Meine Rache: ein schiaches aus meiner Kamera (s.u.).


Donnerstag, November 22, 2007

Telefonschmach

Hier ein leider authentischer Dialog. Passiert, als der Mann an meiner Büroseite (Jg. 1956) krank zu Bette lag und ich (Jg. 1978) telefonisch fürsorgte:

Frau: "Hallo?"
M: "Oh, hallo, da ist die Dominika. Wie geht's dem E? Ist er zu sprechen?"
Frau "Jaaa... [geht weg] E! Ich glaube, da ist deine Mutter!"


Hilfe! Ich will gar nicht nachdenken, was das für mich alles bedeuten könnte!
Außerdem halten mich die Kollegen für dement, weil sie siebenmal an mir vorübergehen und ich dann beim achtenmal "Gumorrgen" krähe.
Und seit drei Wochen ist mein rechter Fuß um eine halbe Nummer größer als der linke.


Wo soll das alles hinführen?

Donnerstag, August 09, 2007

Für euch nach oben hin eröffnet: die Richterskala der Peinlichkeit

Zu zeigen, dass die Peinlichkeitsskala nach oben hin offen ist, hat sich ja schon des öfteren als einer der wesentlichen Daseinsgründe meiner persönlichen Existenz erwiesen.
Ich darf an dieser Stelle von einem gestern selbst erlebten Vorfall künden, der dies aufs allerschönste illustriert.
Picture it: Jahrmarktgelände, 17:12, 8.8.07
Ich sitze im Ford "Implosion der Sinne" Mondeo vom Meindlopa. Hinter mir ein Fahrzeug mit Braunauer (!) Kennzeichen, das derart strunzdeppert hinter mir abgestellt wurde, dass ich nicht aus der Parklücke zu gelangen vermag. Als latente Spießerin rufe ich hilflos nach der Polizei - immerhin gilt es doch, rechtzeitig auf einem Kindergeburtstag aufzutricksen (by the way: Rock on, Prinz Vali!).
Die Gschmierten kommen.
"I hob's a Viertlstund laung probiert, i kum ned außa!"
"Hmmm. Derf i's amoi prowian? Bevor ma do an Oschleppdienst auruafn..."
Sprach's und setzt sich ans Volant. Nach viermal reversieren ist das Auto befreit. Die letzten zweimal hat er ganz offensichtlich mir zuliebe reversiert.
Mein Gesicht glühte dennoch vor Scham wie ein bulgarischer Reaktor.

Montag, Mai 21, 2007

Schmach in der Bonzenkarosse


Ein Bild von der Top-Schmach meines bisherigen Lebens

Freitag, 19.04, Neunkirchen: Die Frisur hält. Ich cruise im feisten Vati-Mercedes durch "Rock-City"-Natschbach. Auf Radio Niederösterreich sucht David Hasselhoff die große Freiheit und ich bereite mich genießerisch auf das große Hallo von Frau und Kind bei dieser meiner rockstarhaften Ankunft vor. Schon dutzende Male war ich am Haus meiner Leihfamilie vorbeigefahren, dieses Mal aber fühlte ich mich sicher.

Ok, ich hatte das Haus schon wieder verfehlt. Aber das stört keinen großen Geist, sagte ich mir, und David Hasselhoff sang heute nur für mich. Ich fuhr von der Straße, um zu wenden.
Und da passiert es: Der depperte Bürgerkäfig bleibt im Krautacker hängen und dreht langsam, aber nachhaltig durch. Die Stuttgarter Panzerkonstrukteure glauben offenbar, dass die ganze Welt asfaltiert gehört. Beschämt drehe ich das Radio ab und greife mit jetzt schon leicht bibberndem Kinn nach dem Handy, um Mutti Nagl über meine Situation in Kenntnis zu setzen. Da entgleitet dieses meinen bibbernden Findern und flutscht unter den Beifahrersitz. Da meine Finger zu feist sind, ist das Ding dort nicht mehr wegzubewegen.
Tränen der Schmach ergießen sich in einen inneren Tränensee. Dieser tritt über die Ufer, als ich an "Immer nie am Meer" denken muss. Werde ich auch verhungern müssen? Oder gar in meine Handtasche gacken?

Ich will nun gar nicht mehr darüber sprechen, wie ich mich aus diesem Fiasko der nachhaltig gescheiterten Selbstinszenierung befreien konnte, und schon gar nicht von den Verwüstungen, die dieses in meiner Kinderseele hinterlassen hat. Eines noch möchte ich sagen: Behalt dir deinen Scheißmercedes, Papa! Nie wieder werde ich meine Freunde davon abhalten, dir den Stern vom Kühler zu rupfen!

Zur Strafe habe ich den Mercedes gegen einen Bugatti, einen Floh und eine kleidsame Blätterboa eingetauscht:



Das Pensi-Mobil habe ich übrigens den minderbemittelten Kindern des Bezirks Neunkirchen als Spielzeug gestiftet: