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Sonntag, Juni 01, 2025

Omaficker in Lehenrotte, ausgestopfte Pfarrer im Mühlviertel und Naturkritiker im Hallstättersee

Lebenskrimskrams im Mai 2025

1.5.

Für einen Moment glaube ich, jetzt wirklich alle in den Apps markierten Wege im Sengsengebirge zu kennen, wobei „kennen“ schon nicht stimmt, ich verkoffere mich immer noch. Außerdem gilt's höchstens für die Südseite, und da nicht. Es ist die beste unlösbare Aufgabe meines Leben, die ich mir ohne Not gesucht habe. 

2.5.

„Neue Erkenntnisse zu mumifiziertem Pfarrer“ als Headline auf orf.at – ist das ein gutes Zeichen für die Weltlage? Man hat ihn arschlings mit Zweigen, Stoff und Sagscharten angefüllt. Hochwürden ausgestopft wie ein Teddybär! Welcher arme Mensch musste damals diese Arbeit verrichten? Erich von Däniken habe im Übrigen vermutet, dass da Außerirdische Hand angelegt hätten.“

***

Die sehr liebe und sehr junge Friseurin nenne ich „Marion“, dabei heißt sie Mariam. Was so wenige Buchstaben ausmachen. Sie ist aus Armenien gebürtig und schnippselt mit großer Fürsorge an mir herum, dabei versieht sie meine Wangenknochen, meinen Teint und die Haar“farbe“ mit Komplimenten – und sieht selbst 34xmal hübscher aus als ich.

***

Es ist Urfix und dementsprechend viel los in Alturfahr West. Das Strandgut wird gut frequentiert, was aber nicht an meiner Lesung liegt, sondern daran, dass viele junge Menschen darum bitten, hier ludeln gehen zu dürfen. Mich kränkt das Ausbleiben des Publikums nicht, wir ratschen gemütlich vor uns hin. Unmittelbar vor dem geplanten Lesungsbeginn kommen doch noch fünf fremde Menschen daher, die ganz freundlich um die vereinbarte Leistung ersuchen. Am Ende stel sich aber heraus, dass zwei der neu hinzugekommenen Frauen praktisch kein Wort verstanden haben, schon gar nicht meine dahingeplauschten Zwischenmoderationen im Dialekt. Meli sagt am Ende, sie finde die Lesebühne lustiger, „bist ma eh ned bes?!“

Weiterhin kommen dauernd junge Burschen vorbei. Zwei bleiben bei Fini stehen. „Was ist das für eine Rasse?“ „Sie ist...“ „Cool, und wie heißt er?“

3.5.

Gemeinsames Schuften im Garten gegen die botanische Entropie – aber weil uns die neue Mauer so eint, geht alles halbwegs harmonisch vonstatten. Abends bei Nachbars. Das Geburtstagskind prahlt vor Neuangekommenen mit unserer schlechten Nachbarschaft. Wir trinken dafür zu Fleiß den Wein, den wir selbst mitgebracht haben.

4.5. Hallstatt („Tonspuren“) 

 

Zu meiner Überraschung gibt es einen täglichen Direktzug von Wien nach Hallstatt, in dem ich den Hirschl nicht sofort finde, weil sehr viele andere Passagier*innen auch lange, dunkle Haare tragen (und von mir als Asiat*innen gelesen werden). Fini aber spürt den Herrn Erfolgsautor sofort auf. Julia steigt in Wels zu und spürt Fini sofort auf.

Ab Gmunden muss ich sehr an mich halten, um nicht dauernd die Berge zu benennen („Für Blinde und Sehbehinderte wird diese Zugfahrt im Zweikanalton übertragen“).

An der Anlegestelle wartet der Bürgermeister auf uns, ich „beschwere“ mich über das Fehlen einer kleinen Blasmusik. Er fragt mich, ob er leicht der Gemeindeärztin verschergen solle, dass es eine fiktionale Version von ihr gibt!? „Owa i woaß eh ned, ob's zan Lesn kimmt.“ Dann führt er uns an die Hotspots, wo er selbst eigentlich sich nicht mehr anschauen lassen will, wegen Überlastung. Später lädt er uns auf einen Kuchen ins Kaffee, dort erzählt er vom Spalierbaum, der händisch bestäubt werden muss. Am Ende streichelt er Fini. „Jetzt mog i mei Kotz scho so, wia muass des mid am Hund erscht sei?“

Hirschl und Julia waren praktisch noch nie in Hallstatt. Es ist überraschend interessant, das Dorf mit ihren Augen zu sehen. Elias ist ganz begeistert von der „Hallstätter Luft“, wenn die Flasche nur 5 € gekostet hätte, würde sie schon in seiner Wohnung stehen.

Er sagt, er könne es sich jetzt endlich eingestehen, „dass ich die Natur nicht mag.“ Immer wieder habe er versucht, in einem Café im Gastgarten zu schreiben, „aber entweder ist es zu heiß oder zu kalt, oder der Wind geht. Dann kommt eine Fliege.“ Später geht er in den 10° Grad kalten See baden, draußen ist es keinen Deut wärmer, der Hund zittert im Wind. 

 

Einmal habe er der Jelinek einen handgeschriebenen Brief geschickt, weil er dachte, das sei nun ja schon eine ältere Dame, und er habe sich geschämt, als sie ihm per Mail antwortete (worin sie ihn unter anderem darauf aufmerksam machte, dass „Hirschl“ einfach die deutsche Übersetzung von „Jelinek“ sei).

Francesca Herr wird später unter Hirschls Hallstatt-Posting kommentieren, sie sei Anfang 2000 mit ihrem damaligen Freund auf die Schnapsidee verfallen, in Hallstatt Silvester zu feiern. Untergekommen waren die beiden bei zwei 90-Jährigen, die von den Jungen mit Mama und Papa angesprochen werden wollten. 

5.5.

Öffentliche Anreise mit Zug und Bus nach Hause. Mit dem Rad wäre ich schneller von Wels hierhergekommen. Neuland Eiselsbergerstraße in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ein später Februartag im Mai, die Landschaft ein kalter Dschungel.

6.5.

Es gibt ein Tier namens „Gleichfarbkuskus“ (in der ZEIT dann gleich doppelt in der Rubrik „Du siehst aus, wie ich mich fühle“ verwendet, zu Coalas Ärger, „grad bei so einer wichtigen Sache!“)

***

 

Für eine Besprechung muss ich mit der Fähre nach Ottensheim. Ab jetzt möchte ich in den warmen Monaten den ganzen Parteienverkehr hier erledigen, mit Kaiser-Mühlecker telefonieren, mit M. den Workshop besprechen. Paulo Danubio begrüßt mich vor den Pendlern und Radlpiefkes mit „Zeawas, Frau Präsidentin!“ Zahlen muss ich nichts, „jo, zoag ma's hoid, die Stroafal.“ Zum Abschied sagt er „A scheens Wochnend!“ Ich bedanke mich, es sei halt Dienstag. „Wird scho wieda amoi ans kumma.“

***

In der Boulderbar sagt der Typ, der aussieht wie der Mark Wahlberg von Pasching, dass das bei mir so leicht aussehe. Tatsächlich scheint mich der Kampf gegen den Dschungel im Garten wieder etwas ertüchtigt zu haben. Trotzdem stelle ich mich selbstverständlich nur in Boulder, bei denen ich den Arsch vom Boden kriege.

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Die neue Humor-Kategorie bei Grisse- und Stermann gefällt mir sehr gut: 1-Stern-Bewertungen auf Google. Die Votivkirche sei „zu religiös“.

7.5.

Stimmung und Aktivitätsdrang sind augenscheinlich direkt an den Stand der Sonne und die Temperatur gebunden. Heute leichte Manie, ein Zwischenhoch. Ich trage 37 Kilo Granit vom Donaustrand nach Hause. 

 

Wahrscheinlich ist das auch schon die Vorbereitung fürs experiment literatur. Ich will nicht mit faulen Händen dem Kaiser-Mühlecker begegnen. Entweder ist er ein wenig kokett, oder er weiß wirklich nicht, wie absurd fleißig er ist. Während ich mich schon vom Einfamilienhaus eingespannt fühle wie ein alter Ochs ins Joch, macht er Landwirtschaft und Literatur jeweils de iure im Nebenerwerb, de facto in Vollzeit.

Die waschaecht-Präsidentin schaut in den bummvollen Raum und sagt lächelnd, „jetzt miass ma schaun, dass ma mid de Zoin wieda owakemman!“

Kaiser-Mühlecker liest er extra für mich die Beschreibung des Toten Gebirges und für den Buttinger die Angelszene. Auf die Frage, welche Rolle die Landschaftsbeschreibung in seinem Werk habe, sagt er, in „Schwarzer Flieder“ sei ihm eine sehr schöne gelungen, seither probiere er es immer wieder einmal. 

Man müsse an den Figuren „alles herunterklopfen, was gefällt, was sie sich zulegen, was die anderen denken.“ Wenn sie so dastünden, wisse man erst, wer sie sind.

Er berichtet von einer Schreibwerkstatt in Edenkoben, bei der sich niemand dafür interessiert habe, wie er denn das Schreiben angehe, sondern nur, wie sie Jo Lendle bezirzen könnten.

Beim Biertrinken sagt er, eigentlich habe er mit dem Motorrad kommen wollen. Sofort verschwinden er und der Buttinger in einem tiefen Fachgespräch.

8.5.

Aktuell wieder das verstärkte Gefühl, dass ich mir meine Zeit zu billig abkaufen lasse. Vielleicht versehe ich meine Zusagen mit einer Schönwetterklausel. Wenn ich nicht wandern gehen kann, wird’s teurer. Obwohl da – mein einziger heutiger Termin – der Frauenarzt eher nicht mittun wird.

***

Am Nachmittag gehe ich mit dem Einhell-Arsenal auf den Garten los, bis es raucht – der Buttinger ruft nämlich an, „mia ham an neichn Bobst.“ Minuten später sehe ich einem US-Amerikaner zu, der mit Blick auf den Petersplatz mit den Tränen kämpft. Im ORF wird eine „Vatikanista“ befragt (lauter neue Berufe, ich kannte nur die „Barista“). Später nutze ich die Gelegenheit, eine dumme Geschichte darüber zu schreiben, dass der neue Leo meinen Garten irrtümlich für einen Teil der Landesgartenschau hält und mich besuchen will, damit er ein paar Stunden Ruhe hat. Es muss ja wirklich das schlimmste Leben sein. Nie mehr allein, nie mehr in der Nase bohren, keine Granitsteine stehlen, vom Wandern ganz zu schweigen, das Tote Gebirge ist gestorben für einen Papst. 

9.5.

CliniClowns-Gala im Posthof. Weil wir gleich vor dem Start eine Verspätung aufzwicken, schlage ich den BlöZingers vor, der Einfachheit gleich miteinander aufzutreten, haha. Es sind alle sehr lieb, aber der Zeitplan ist schneller Makulatur als ein Papierbrand. 

 

Backstagejausnen mit dem lieben Winkler, Plauschen mit dem lange nicht mehr gesehenen Ex-Nachbarn. Seine Gattin und er haben noch einen Nachzügler bekommen, „glei nei Monat, nochdem ma aufs Laund zong san, woaßt eh, es hod dauat, bis es Kawöfeanseng valegt hom.“

10.5.

In Burma gibt es von Chinesen betriebene Lager für Scam-Zwangsarbeiter, samt extra eingerichteten Luxuswohnungen und Büros für die noch bessere Täuschung.

***

So lange und sorgfältig alle verholzten Körperstellen durchgedehnt, dass zumindest der Körper getäuscht ist und glaubt, entspannt zu sein.

Dann nach WIEN 

 

zum Hochfest der österreichischen Slamily: 100 Jahre Markus und Mieze. Die wenigsten unter uns sind wesentlich jünger, es wundert uns wohl alle, dass wir Slam-Urgesteine sind. Sehr jung natürlich der Hirschl, der mir mit gut gelaunter Fassungslosigkeit berichtet, wie die Überraschung gelingen konnte: „Die beiden sind seit JAHREN systematisch belogen und betrogen worden!“ Peter Clar musste extra nach Ottakring rasen und hoffen, dass keiner der beiden schon die Post geholt habe, denn der Verlag hat die Vorschau eine Woche zu früh versendet (irre eigentlich, das HERBSTprogramm im Mai, aber so machen es jetzt alle). Clar musste die unwilligen Nachbarn bitten, ihn reinzulassen, dann ins Postfach langen und den Brief herausstierlen. Zwei Jahre Heimlichtuerei beinahe umsonst! Mieze und Markus werden später erzählen, dass sie sich schon sehr gekränkt hatten, dass in den vergangenen Wochen alle ihnen gegenüber auf einmal komisch geworden seien; in Wahrheit aus Angst, sich zu verplaudern.

Wir alle warten gespannt auf das Jubelpaar, das glaubt, gegen gutes Geld bei einer Gendersache zu performen. „I hob extra wos gschriebn!!!!“ sagt Markus dann unter Tränen (eh der Rührung). Wie ihnen mitgespielt wird, checken die beiden wirklich erst in der Minute, in der sie sich in der ersten Reihe sitzend noch einmal umdrehen und sehen, dass sie jede einzelne Person kennen. 

So gefeiert werden nur Menschen, die nicht nur für sich selbst tolle Kunst machen, sondern im Lauf von Jahrzehnten sehr viel für andere getan haben.

Auf dem Weg zur Bar hält mich eine fesche Frau auf, „wir kennen uns ja!“ Ich nehme mich zusammen und täusche nicht vor, dass ich das auch so sehe. „Verena Stauffer!“ Ich entschuldige mich, ja!, stimmt! Dafür weiß ich, wann wir einander kennengelernt und zuletzt gesehen haben, im Literaturhaus vor etlichen Jahren. „Nein,“ widerspricht sie freundlich, das sei doch grade beim Frischmuth-Symposium gewesen. „Ha! Du weißt auch nicht, wer ich wirklich bin!“ lache ich, denn sie hat mich wegen der kurzen Haare mit Heidi Lexe verwechselt. 

Dann trinken wir alle relativ viel Bier. Heftiges Konspirieren mit Willi Landl und Nadja Bucher. Wenn ich mit ihr rede, bilde ich mir immer ein, selbst auch so lustig zu sein, aber es liegt fix an ihr. Sogar eine schwere OP hat in ihrer Schilderung noch Unterhaltungswert. Es ist wirklich alles ernst und alles lustig zugleich. 

Mit Mühe reiße ich mich los. Erst in Linz schlafe ich ein, es gelingt nur mit Mühe, rechtzeitig in Wels aus dem Zug zu torkeln. Wie schön wäre es, ein Fest zu geben, bei dem alle so lange schnattern und trinken können, bis sie sich einfach an Ort und Stelle hinlegen können. Ein Symposium, liegend, in spätrömischer Dekadenz. Oder besser, ein Bed-In mit Bier, auf einer gewaltigen Massencouch. 



12.5. Scheiblingtragl, Turmtal

Seit August zum ersten Mal wieder hinten im Stodertal, eine große Freude. Beim Wühlen im Geröll weiß ich natürlich wieder, warum es hier so einsam ist. Wahrscheinlich war's gut, dass ich durch Geiz beim Parkgeld meine Wanderzeit künstlich verknappt habe. Keine Ahnung, wo ich umgekehrt wäre, oder ob ich wieder gegen jede Vernunft in den Talschluss eingestiegen wäre. Nein, eher nicht – diese kurze, etwas zu wilde Zeit ist vorbei.

Zuhause dürsten schon die Pflanzen, man ist angehängt mit ihnen wie mit dem Hund.

Halbdämmerschlaf beim Forged-in-Fire-Special, bei dem US-Veteranen durch einen Messer-Parcour tappen und dabei mit „Thank you for serving!“ angebrüllt werden.

13.5.

Ein sehr langer Tag mit zu viel Reden. Der Hund schluchzt, als sie mich im Finstern erkennt, Buttinger ist mir mit ihr entgegengegangen. Zuhause heilsames „Golden Girls“-Schauen. 

14.5.

Von einer Reise nach Nepal geträumt, mit Supermarkt, europäischen Flüssen, aber absurdem Wohnbau. Keine Berge!

***

Der ärgste Anti-Zeitraffer ist der Blick auf die „Fortschritte“ der Roman-Zeichen. Er wächst wie ein Stalagmit. 

***

Weil ich mit M. so angeregt Kollegen ausrichte, steige ich nach dem Verabschieden ausgerechnet in den Zug, der nicht in Wels stehenbleibt. Gnadenlos fährt er auch durch Attnang-Puchheim. Es wird also Salzburg, und die Freude, nach der Sitzung einmal früher nach Hause zu kommen, wird nicht durch den Trost aufgewogen, dank Klimaticket zumindest keinen finanziellen Schaden zu erleiden bzw. endlich einmal Zeit fürs Falter-Lesen zu haben.

Was vorher geschah: Der FPÖ-Kultursprecher spricht so unangenehm unangreifbar, dass ich schon wieder unter Ambivalenz leide. Später plaudern wir mit dem Grünen Sevi über neue Bücher, der Dim kommt ja aus einer Rieder Buchhandlungsfamile, weswegen er auch weiß, dass ich morgen dort lese (bei der Konkurrenz). Er lobt die Tricks Wolf Haas' in „Wackelkontakt“.

Beim müden Heimwanken, wieder kurz vor Finis Schluchzen, sehe ich spätnachts einen ganz jungen Mann vor dem Barbershop mit dem schiachen Totenkopf-mit-Vollbart-Logo sitzen. Auf seinem Schoß eine wunderschöne sattgraue Katze. Seine Augen leuchten, als ich ihn frage, ob dieses prachtvolle Tier ihm gehöre. 

15.5.

Das Schlimme am Home-Office: Immer wieder kommt man am Bett vorbei und denkt sich, „so viele Stunden, bis wir wieder vereint sind!“ (Geschrieben um 13:09 Uhr, erfüllt um 23:38)

***

RIED

Es ist keine Großkunst-Aufgabe, das 20er-Haus zu füllen, trotzdem freut mich das seltene Wort "Nachbestuhlung". Mit viel Disziplin lasse ich mein Honorar nicht gleich wieder in der Buchhandlung. Der (so wie alle hier) extrem freundliche Gatte der Inhaberin schenkt Wein aus. Als ich ihn in ein literarisches Gespräch verwickeln will, sagt er uneitel, er lese keine Belletristik, höchstens Sachbücher über Energie und Technik. Er arbeite so gern, das erfülle ihn ganz, sodass sein kleiner Wald schon vollständig zu Brettern verarbeitet sei. 

 

Bei einem älteren Herrn sucht Fini besonders oft Zuflucht. Er sei früher regelmäßig mit zwei Freunden auf musikalische Reisen gegangen; jeder nahm ein Buch mit, das er dann den anderen lieh. Aber einmal hatten sie sich nicht abgesprochen, sodass jeder einzelne „Schlafes Bruder“ im Gepäck hatte. „Das war blöd, aber da wusste ich, dass wir wirklich eine Band sind.“

Zwei Frauen sagen nachher, dass es ihnen sehr gefallen habe, das sei ihre erste „Autorenlesung“ gewesen, und dass sie sich „jetzt über andere auch drübertrauen.“ Ich bin geschmeichelt und hoffe, dass sie dann beim nächsten Mal ein bisschen enttäuscht sind. Aber das darf nie jemand lesen. 

16.5.

Noch nicht betrunken, aber keine Termine, bis 21.5.!!! <3

Fini hat die Stimmung mitbekommen, sie wechselt um 8:20 Uhr vom Nest auf die Couch, von dort um 9:10 ins Gewölbe unterm Kachelofen. Sie lebt mein Leben. Als ich ein entsprechendes Facebook-Posting herzeige, kommentiert Meli: „Irgendjemand muss ja dein Leben leben.“ Der Hund ist meine emotionale Powerbank.

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In der Literatur bewirtschaften wir die Verschiedenheit der Leute.

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Der entlegenste Ort der Welt heißt Point Nemo, die nächste von Menschen bewohnte Stelle ist die Besatzung der ISS im Moment, in dem die Raumstation über diesen Punkt orbitiert. (Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich möchte mir die Verrücktheit dieser Sache nicht durch die Realität ruinieren.)

[Nachtrag 10. Februar 2026: Es ist der ozeanische Point of Inaccessability, „it represents the solution to the longest swim problem.“ Jedes Land, jede Küste ist mehr als 2680 Kilometer entfernt.]

19.5.

Ein älterer Herr grüßt freundlich vom Rad, beim Heimfahren von der Donau sehe ich ihn auf einem Sperrholzhaufen sitzen, er muss dort die ganze Zeit eine Katze gestreichelt haben.

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Ein ereignisarmes Wochenende, vielleicht das letzte bis in den Juli hinein (und da müsste dann auch das Wetter schlecht sein. [Was es dann auch wahr, und wie. Feb. 2026] Ich habe so viel gelesen, dass es mir schon fast ein wenig zu blöd geworden ist. Endlich einmal wieder die Länge der Zeit gespürt – gerade deswegen ist sie mir auch zerronnen.

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Der Jasmin blüht! Ziemlich genau zwei Wochen später als 2024. 

 

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Meine publikumsträchtigsten Schreibakte sind je ein Insta-Kommentar bei Hossa („Mit Hass gekocht“), einer bei Böhmermann (vergessen, was) und einer bei Kaltenbrunner („Jetzt bitte die Boulderer verarschen!“). 

20.5. Schmiedalm, Stubwieswipfel, Hölltal: 

 

21.5. Türnitz

Die Größe Niederösterreichs erschließt sich, wenn man mit einem VOR-Bus bis an seine Endhaltestelle fährt. Viele Meter staubiger Schaufenster, etwa der 24h-DVD-Verleih in Wilhelmsburg. Sankt Fitness. Das Porzellanmuseum wird mit einer zerbrochenen Tasse beworben. „Heute kein Liftbetrieb“ in Lilienfeld. 

 

Überall blühen die Wiesen, es ist ein sehr schöner Tag hier im Bus. Immer wieder steigen Schüler ein und bald wieder aus. Die kleinen Buben reden Bubenscheiß: „Ich war in deiner Oma schon drin!“ Sie erschrecken, als ich Oma sie gehässig auslache. Der Omaficker steigt in Lehenrotte aus, neben dem Schild „Craniosacrale Impulsregulation“. Man soll sich Ortsnamenspott verkneifen – man findet das ulkig, lebt aber selbst neben Dickerldorf und Afiesl. 

 

Es ist fast eine Schande, den Tag in geschlossenen Räumen zu verbringen. Draußen flirren die Grillen, es rauscht die junge Traisen, fast ist man hier im alten Österreich in einem Talschluss.

Vor dem Termin war mir ein wenig mulmig, weil die Moderation gar so gut bezahlt war. Aber Schnecken, sie ist auch sehr liebvoll organisiert. Ab jetzt fangirle ich Türnitz - und Katharina Cibulka. Sie erzählt nachher beim viel zu guten Büffet, dass sie unter den allerletzten Menschen gewesen sei, die Bodo Hell gesehen haben. Carola Maier habe sie dazu gebracht, für ihren Film mit auf die Alm zu gehen. Cibulka gab nach, mit dem festen Vorsatz, sich von diesem ihr noch nicht bekannten Mann sicher nicht die Welt erklären zu lassen, und schon gar nicht die Berge. „Aber dann war der so ein Herzbär!“ Sofort haben sie gemeinsam Holz gemacht, sie selbst war ja auch einmal Halterin.

***

In milder Euphorie zurück in den Norden. Ein Drittel der sehr langen Busfahrt führt durch das Gewerbegebiet von St. Pölten ("Spratzen"). Am Bahnhof steht Peter Filzmayer, bissl lost und grau, aber das kann auch daran liegen, dass man nicht gewohnt ist, ihn nicht sprechen zu sehen.

22.5.

Beim Bachmann-Wettlesen helfe ich natürlich heftig zu Max Höfler, aber auch ein wenig zu Verena Stauffer wegen der schönen Verwechslungsgeschichte vom 9. Mai.

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Wie soll ich arbeiten, wenn im Kirschbaum die Kohlmeisen budern? Die Amseln und der Gartenrotschwanz schimpfen, wenn wir am Vormittag ihr Revier betreten, man ist nicht mehr Herrin im eigenen Haus. Enteignet durch Vögel.

Als ich das wenige Tage später dem Haslinger klage, spricht er ganz illoyal: „Aber Dominika! Du musst halt dein Territorium schon früher besetzen, im März! Jetzt brauchst du dich nicht zu wundern!“ Solche "schönen" Freunde hat man.

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Beim Schulworkshop rede ich den sehr lieben jungen Damen ein, sich ruhig in Gewaltfantasien zu ergehen, da sie ja eine viel ungünstigere Zukunftsprognose haben als wir damals in den komischen 90ern. 

 

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Verwirrt schwimmt der Hund direkt über der neuen, offensichtlich nicht schwimmenden Hochleistungsfrisbee, die ich nach jedem dritten Wurf irgendwo in der ungezügelten Botanik suchen muss. Ächzend ziehe ich Schuhe und Hose aus und steige in die pitschkalte Donau. Gleich beim nächsten Wurf landet das Teil im unbarmherzig undurchdringlichen Brombeergestrüpp. Fini sieht mich erschüttert an, als ich die Suche aufgebe. Vielleicht kommt sie jetzt in die Pubertät (ja, auch dieses Leben muss sie leben!). 

Hier ist ein Picknick missglückt in den Donauauen:  

 

Zuhause heize ich mir allen Ernstes den Kachelofen ein und entnazifiziere die Erbbibliothek – alles, was Mitglied der Reichsschrifttumskammer war, fliegt raus.

23.5.

Ich leide an meiner Persiflage von „Wasted Love“. Wie muss es erst echten Musiker*innen gehen, die jahrelang denselben Song üben und singen müssen?! Mittlerweile fast ein kleiner Alptraum. Ist die starke Neigung zu Ohrwürmern neurologisch bedenklich? Denke ich zu wenig, dass mein Hirn so unterbeschäftigt ist wie ein gelangweilter Bordercollie? [Feb. 2026: Schon vom Bloßen Abtippen Ohrwurm!!!]

Sehr schön's war's wieder bei der Lesebühne, schon alleine, weil der Decker fotografiert hat. Da könnte man alles nachlesen.  

 

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Die Tipps machen in ihrer Ankündigung der Lesebühne aus unserer Kapelle die „Blutbuchengruppe“ (oder hab ich das selbst so geschrieben?). 

Für die volle Lesebühnen-Dröhnung hier noch meine elf schlechtesten Gartentipps. 

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Mit keiner anderen künstlerischen Leistung prahle ich so ungeniert wie mit der Verkupplung von W. & D. 

 

24.5. 

Eine Ausnahme von der Regel "Es sind nie dieselben, die bekommen und die geben". Nachdem ich dem Alex in die Pension hinein recht schön getan habe, steht dann das in den OÖN:  

 

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„Zitronen“ von Valerie Fritsch: Es ist gut, dass es mir gefällt, denn ich muss es lesen. 

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Voixfest. Ein sehr alter Freund des Buttingers („da aanzige, der Heroin üwalebt hod“) erzählt, als ich ihm den Namen des Hundes nenne, von der strengen Fini im Café Urbann. Einmal habe er ein Kindereis bestellen wollen. „Bisd du a Kind?!“ „Owa a Advokatn-Eis derfn ja aa ned nua Advokatn bstöhn!“ „Wos du jetzt bstöhn kaunst, is a Lokalverbot.“

Nach dem ersten Rum sofort heim, ein Triumph der Vernunft. Das Nicaragua-Kommitee liegt eh schon wieder unter Bierbank. 

25.05.2025 – ein hervorragendes Datum!

Weitere Fortschritte beim Bibliotheksausmisten. Es ist aber immer noch viel Nazizeug drin gewesen! Mehr als ich auf einmal in den Ausmiste-Tombolaraum tragen kann. Ab und zu frage ich mich, ob man das nicht zu Geld machen könnte. Andererseits kostet ein Tombola-Los 3€, es wird wohl auf das Selbe hinauslaufen. [Nachtrag Februar 2026: Man kann das Zeug an Bookbot schicken, aber dort kauft's auch niemand, was ich gut finde.] Wie viele Privatbibliotheken haben sich hier eigentlich absedimentiert? Meine eigene, die Eltern, die vom Schneider-Opa und vom Halfinger-Franzi. Spenden der katholischen Frauenbewegung Gramastetten... Das einzige Buch aus dem Besitz Theresia Meindls ist „Das Schatzkästlein der Jungfräulichkeit“. Und ich übergebe dem Altpapier die Schrift „Nibelungenreisen über die Ochsenstraße 1942“!

26.5.

Nach WOCHEN erstmals wieder weißer Raum unter dem letzten Email.

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Im Mai ist der Bücherstapel für den Grundlsee schon einen halben Meter hoch. Schon jetzt tröste ich mich bei Schlechtwetter, „naja, der Juli kommt ja noch.“ [Weit gefehlt, Feb. 2026, siehe oben].

27.5.

Am Wochenende soll ich zum ersten Mal eine wirkliche Schreibwerkstatt leiten. In Wahrheit müssen mir die Leute sagen, wie sie das Schreiben schaffen.Mehr arbeiten als an diesen Tagen mag ich dann heuer nicht mehr, aber ich brauche auch einen neuen Zahn.

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Glückliches Herumräumen in Haus und Garten, würde man mich bloß dafür bezahlen! Immerhin bezahlt mich der Jasmin.

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Eine der ersten beobachteten Alzheimer-Patientinnen sei „seelig abgeleibt im Herrn“, berichtet die ZEIT.

29.5. Salzburg

Zwei ältere Damen im Zug, irgendwo bei Attnang-Puchheim: „Du bist a Gscheite!“ „Haha, danke!“ „Weil sunst warsd jo ned mei Freindin.“ „Haha.“ „Weil Dumme mog i ned.“

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Der Dom dröhnt abends so heftig, das würden die Anrainer in Linz sofort stillklagen. In diesem sanierten Barock hätte ich nichts werden können. Wenn es morgen regnet, gehen wir ins Haus der Natur. 

30.5. Salzburg

In der Nacht tiefe Verwirrung, wo ich denn gerade sei.

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Alle Salzburger*innen, mit denen man hier ins Gespräch kommt, sind eigentlich aus Oberösterreich und hassen Salzburg.

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In der Ankündigung in der Krone steht „Domenika Meindl und ihr Kabarett über Haushaltsgeräte! Einblicke in die kleine Welt heiterer Alltagsmelancholie“. Es sind aber alle sehr lieb, ich bin zwar nach dem vielen Reden am Tag müde, doch so geht’s. Der Kaiser R. ist gekommen, wir bekommen alle nasse Augen beim Reden über den Vater.

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Zur Erholung vom Tag und der barocken Pracht hole ich mir noch ein Dosenbier von der Tanke. Es ist sehr schön am Salzach-Strand. Der Turm des Fernheizkraftwerks ragt wie ein betonierter Stinkefinger ins Stadtbild.

 

31.5. Salzburg – Black Horse

Es erfüllt mich mit großem Respekt, wie gern alle schreiben. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir zu Mittag den Hut draufgeworfen. Sie wollen auch wirklich von mir kritisiert werden, was ich wiederum nicht will. Kurz überlege ich, ob ich Autorität einbüße, aber welche Autorität überhaupt?

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Buttinger holt mich am Bahnhof, füllt mich mit Kozel ab. Es wird jetzt Sommer und wir zählen die Tage. Hier übrigens das letzte Bild mit der Wirtskatze Pinsel.  

Samstag, März 01, 2025

Saukopf-Büffets trotz Scharia, Blackfacing trotz Klimawandel. Ich werde zum Hasskraftwerk

Lebenskrimskrams im Februar 2025

1.2. BOZEN

Der Mann im Ötzi-Museum meint, ich könne den Hund gern mitnehmen, müsse ihn aber für die Dauer meines Besuchs auf Händen tragen. Ich lehne dankend ab, sie soll ja auch beim Anblick des getrockneten Fleisches keinen Guster bekommen. Die mütterliche Linie Ötzis sei ausgestorben, aber die väterliche lebt ganz augenscheinlich in mir weiter. Ich beschließe, keine große Sache daraus zu machen, sonst darf ich das Museum gar nicht mehr verlassen. Ganz ohne Ironie sieht die lebensgroße Rekonstruktion dem Vater noch ähnlicher als die Bilder, ich bin zu meiner Überraschung ehrlich gerührt.

Erst später gneiße ich, welches Glück ich hatte, bloß mit einem halben Dutzend anderer hier zu sein, es ist die einzige Woche im Jahr, in dem der Overtourism sich hier legt. Darum also auch das Zimmer im Laurin.

Am Nachmittag interviewt mich die sehr sympathische Jutta Wieser für Radio RAI. Sie kommt mit meinem Dialekt sehr gut zurecht, statt „larger than life“ versteht sie sogar fast übereifrig „letschats life“.

Was ich sonst darüber geschrieben habe: "Du steckst nicht im Overtourism, du BIST der Overtourism. Bittersüßes Südtirol"

3.2.

Leichte geistige Erschöpfung nach diesem Wochenende, es ist schon eine Weile her, dass ich praktisch gar nicht zum Lesen gekommen bin.

Dazu viel Admin-Schas und etliche Telefonate, die Emails hätten sein können, dazu viel diffuse Wut auf das Elektorat von ÖVP, FPÖ und Neos. 

4.2.

Sengsen. Wandern fühlt sich derzeit an wie eine Kompensation, die ich durchsetzen muss gegen die Welt. Es ist immer noch viel zu warm, weswegen ich mich beinahe mit dem Tageslicht verspekuliert hätte; wie ein kleiner Jetlag. Es ist schon nicht mehr Winter. 

5.2.

Metro mit den Schwestis, wir kaufen beinahe 100 Kilo Rechnungshefte, aufblasbare Schwimmkassetten und zehn Liter Diskontkorn. 

6.2.

Blitztreffen mit Birgit, sie sagt zum Abschied tatsächlich „g'sund bleiben!“ Noch lachen wir.


7.2. Wien

Ein Mann geht durchs Prückl, um Lesezeichen „gegen misshandelte Kinder“ zu verkaufen. Jana, Otto und ich schütteln den Kopf, er wird böse. „I frog mi, wia es auf d'Wöd kumma sad's!!!“

***

GAV-Vorstandsitzung

Vielleicht darf ich das nicht ausplaudern, aber der Herr wird ja großen WErt auf Verbreitung seiner Ansicht legen: Er tritt aus, um ein „Zeichen gegen die Genderverseuchung zu setzen“, er pflege auch privat keinen Umgang mehr mit Menschen, die solch eine die Verständlichkeit der Sprache gefährdende „Neo-Sprich-Idolatrie“ betreiben. Zum Glück finde das nicht nur ich ironisch. 

 Magdalena bekommt von der Arbeiterkammer eine Urkunde, mit der ihr „im Namen der Volkswirtschaft“ für 20 Jahre Arbeit an derselben Dienststelle gedankt wird.

Wir trinken dann sehr viel Dosenbier, denn das sind meine Menschen - ich verstecke hier meine Zuneigung wie einen geo cache. <3

8.2.

Beim heurigen Schl8hofball „HitBALLrade“ verkleide ich mich als die Disco-Version von Blanche Debareaux. Wieder sind auch alle anderen extrem schön und betreiben großen Aufwand, und wieder möchte ich alle nach Themen ordnen wie ein Faschings-Border-Collie. 


Backstage wird wie immer mit Zunge geküsst 

Roman lädt uns auf ein Stamperl des weltbesten Tequilas ein, wir dürfen ihn nicht gleich in unsere schon sehr dummen Schädel schütten. Sehr mitreißend erzählt er, wie George Clooney und Julia Roberts Gatte miteinander ein Tequila-Gut und irgendwelche fancy Fässer kauften, aus humanistischer Bewegung. Der Schnaps schmeckt dann zumindest nicht grauslich, mehr darf man von Tequila nicht erwarten. Sofort danach gehen wir heim, da ich den äußerst schmalen Limbus zwischen betrunken und dem Tode geweiht erreicht habe. Nur in diesem Zustand kann man in diesen Leggins durch die Welser Nacht taumeln.

9.2.

Wir verbringen den Tag trotzdem, als hätten wir einen Kater, also ächzend und lesend. Dabei kommt mir ein Philosoph mit dem Namen Lagasnerie vor, wie ein auf Schichtnudelauflauf spezialisiertes Restaurant mit Tippfehler. Das hier ist kein Symbolbild: 

10.2.

Wenn ich so träume, wache ich lieber: Auf einem Landgut werden „Welpenburger“ angeboten, zu meinem Entsetzen predige ich „Wer Tiere ist, muss auch Streicheltiere essen“ und wähle eines der um meine Füße wuselnden schwarzen Pudelbabies aus.

11.2.

Ein Wärmepumpentechniker kommt und werkt herum, ich werde schon durch das Nachdackeln müde, er aber erzählt, dass er nach der Arbeit gerne seinen 15-Hektar-Wald an der böhmischen Grenze bewirtschafte. 


***

Wenn man den Broligarchen Peter Thiel so richtig amerikanisch ausspricht, klingt er wie „paedophile“.

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Ich muss dem Pflegschaftsgericht ein Hausgutachten schicken. Der Vater hat dem Notar tausende Euro für die Mitteilung bezahlt, wann Schönering das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Ich arbeite eindeutig im falschen Text-Genre. Zudem weiß ich jetzt, dass auch Massivbetonhäuser Lebenserwartungen haben, die jenen eines Menschen ähneln.

12.2.

Zum ersten Mal seit Erscheinen des Romans treffe ich Axel Scheutz. Nach unserer Veranstaltung hält er mir sein Exemplar hin, darin eine Menge verschiedenfarbener Post-Its. „Die gelben sind dort, wo ich vorkomme!“ Mir wird bewusst, dass der fiktional wirklich nicht sehr gut wegkommt, umso legitimer war es, dass er bei der Diskussion zweimal sagte „Kaufen Sie das Buch, Frau Meindl formuliert gut, aber sie lässt kein Klischee aus!“ Wir trinken und schnattern noch lange in der Roten Bar. 


Tarek Leitner ist von makelloser Freundlichkeit und Erscheinung, sogar seine Stirnfalten wirken wohlüberlegt. Er sagt, als Zuagroaster sei er natürlich viel stärker verliebt in die Gegend als seine einheimische Gattin, er sei kurz davor, Tracht zu tragen – während die wahre Tracht des Salzkammergütlers ja von Engelbert Strauss sei.

Über meinen Vorschlag, ein Entlastungs-Hallstatt zwischen Attnang und Puchheim zu bauen, wird wieder blöd gelacht, noch mehr über meinen Wunsch, Schönering zu klonen.

13.2.

Fan-Club-Kollegin Maria Z. ruft an, um zu erfahren, wie es gestern war. Dann erzählt sie von einer einstigen Kulturreise mit dem Gatten durch Indien und Nepal. Da das sehr anstrengend war, gönnten sie sich am Ende ein paar Tage auf den Malediven. Dort gebe es keinen Individualtourismus. Ein hoher Prozentsatz der Inseln wird den Fremden geopfert, während sie zum Rest keinen Zutritt haben. Hier herrscht die Scharia, dort wird zum Saukopf-Büffet geladen, man speist besoffen und im Bikini. Es ist ein wenig wie das scheinidyllische Gegenstück zur Cancer Lane am Golf von Mexiko: sacrificed areas.

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Dogfishing auf Tinder

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Alle Texte für die Lesebühne zwischen 10 und 15:30 geschrieben, was soll noch schiefgehen im Februar? 

14.2. 

Es war Lesebühne und es war sehr schön: Punk is not Dad, mit dem besten Stephan Roiss, den wir haben. (Foto: Thomas Thanner) 

 

15.2.

Erinnernswert: die erste eigene Kettensäge gekauft, es muss ja nicht alles wehtun am Erwachsensein (außer, ich schneid' mich damit).

16.2.

So lang so wenig Schnee gab's noch nie. Das nächste einzigartige Phänomen, an das man sich wird gewöhnen müssen. Meine Tourenski habe ich kurz vor Weihnachten zum Service gebracht und nie abgeholt.

Im Jänner frage ich mich jedes Jahr, was das (Klein)Bürgertum und ich so toll an einem Garten finden. Jetzt beginne ich zu ahnen, dass es eh wieder recht wird damit.

17.2.

Die Generation X ist eingekeilt zwischen Boomern, die nicht aufhören wollen zu mansplainen, und den Y- und Z-lern, die nicht zuhören können.

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Die Self-Care-Industrie ist die dümmste Maßnahme gegen den Pflegenotstand.

18.2.

Satte zehn Stunden geschlafen, der Hund mehr als 12. Daran soll es heute nicht scheitern. Ich war aber auch sehr mit Träumen beschäftigt, in einem war es zum Zusammenbruch des ÖPNV in Wien gekommen. Ich soll auf Urlaub fahren und muss von Wien nach Linz, aber es wird sich nicht ausgehen, da in den U-Bahnen jetzt Güter transportiert werden, die Menschen können ja von selbst gehen. Es geht nur einmal täglich einen Bus diffus nach Westen.

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Heute tippe ich den Lebenskrimskrams vom August 2024, was an einem kalt-sonnigen Februartag ein schönes Timing ist. [Und das wiederum tippe ich an einem frisch-sonnigen Augustvormittag, was auch wieder stimmig ist, weil: ] Bei diesem Rhythmus erfreue ich mich dann am 18.8.2025 an der Erinnerung an polare Kaltluft und ein ganz neues Licht nach dem mühsamen Hochwinter. [Es ist so, als packte man sich selbst seelische Jausenpakete für das nächste Semester.]

 

 19.2.

Ein unbehelligter Tag (bloß nicht die Nachrichten einschalten!), ein selbstauferlegter Lockdown – und die Vögel kehren langsam heim, diese fliegenden Leischn.

Das Urvertrauen in alle halbwegs sane wirkenden Personen wächst, gleichzeitiger Kollaps des Zutrauens zu allen außerhalb des Dunbar-Kreises.

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In „Jagen, Sammeln, sesshaft Werden“ macht Foster einen argen, aber schönen Schwenk am Ende seiner Erforschung von Mensch und Natur in Richtung Übersinnlichkeit. Die sei ja kein Wunder, denn in der Sekunde vor dem Urknall war ALLES auf engstem Raum EINS. Endlich kann auch das Genre des Nature Writing über die spukhafte Fernwirkung der Quantenverschränkung sprechen,ohne auf dem Scheiterhaufen zu landen (oder für doof gehalten zu werden).

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Zuerst schaufle ich stundenlang Sand in den Wärmepumpenschacht, dann backe ich einen „Kuchen“, der sich wie Sand zwischen den Zähnen anfühlt. 


20.2.

Nie hätte ich Schauspielerin werden können, zu groß wäre die Scham gewesen, irgend etwas darzustellen, das auch nur einen Schritt in Richtung Sex geht, auch nicht nach der Befreiung durch die Body Positivity. Genauso unmöglich jeder Hauch von Pathos – siehe Pedro Pascal in „Wonderwoman 2“, wie er im Wunsch-Satelliten-Strahl auszuckt vor Erfüllung. Aber immer noch eher sowas als Sex.


21.2.

Gratis in die Kletterhalle, weil „heit woasd eh gaunz schwoch beinaund.“ 

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Essen gehen eh super, aber wir sitzen so zwischen lärmenden Familien verkeilt, dass Après-Ski-Stimmung aufkommt und der Buttinger mich über die Pizza eher grämlich als romantisch anschaut.

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Am Beispiel des Buches „Altstadtgassen und Adelshöfe“, versehen mit dem Ex-Libris der Mutter erneut die Feststellung, dass das Ausmisten eine Gratwanderung bleibt zwischen „Immer noch so viel Zeug, das mich nicht interessiert!“ und großer Sentimentalität.

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Das Centerfold des Schöneringer Pfarrblatts zieren die überraschend vielen diversen Sternsingergruppen. Zum einen erstaunt, wie viele Ortsteile es gibt („Schönering Inseln“, „Mühlbach Nord + Fall (2. Tag)“). Zum anderen, dass sich immerhin drei Menschen das Blackfacing nicht nehmen lassen. Nur Männer, nur Erwachsene. Das ist schon alleine aus Bequemlichkeitsgründen bizarr (ich spreche aus alter, leidvoller Erfahrung). Etwas später zeige ich dem Buttinger das Foto, er muss nur einen schnellen Blick drauf werfen: „Ich zähle vier!“ Wir schauen gemeinsam. Der vierte entpuppt sich als der Nachbar, der bloß im Jännerschatten ganz blau angelaufen ist.

22.2.

Heute bekommen die Vögel endlich wieder Namen. Auf dem Gipfel des Haglers steigt plötzlich ein Schwarm Dohlen auf, wie um dem Herrn Ornithologierat und mir eine Freude zu machen. Ein eleganter, luftiger Zauber. 

Beide haben wir jetzt schon unsere Jahresvorhaben erfüllt: Hasi hat den „Ulysses“ ausgelesen, ich kann jetzt die Frisbee auch mit links schmeißen.

Er berichtet, dass beim Begräbnis eines gemeinsamen Bekannten eine Dame zu „I am sailing“ ein Tanzgebet aufgeführt habe, es sei sehr schwer gewesen, nicht zu lachen. Ich sollte derlei wahrscheinlich jetzt schon notariell regeln. Aber eher im Sinne, dass ich das auch will, es sollen die Hinterbliebenen sich über den Auslöser ihrer Tränen nie sicher sein können.

24.2.

Sitzungen von 16 bis 19 Uhr. Wie halten andere Menschen das nur aus?! Und ich weiß, das ist noch gar nichts! Wieso flippen sie nicht viel öfter aus? Ist das eine Sache des Trainings? Es war ja nicht einmal schlimm, nur ein wenig fad. 

25.2.

Was für Leute es gibt! C. lädt uns zu seinem Nachbarn, der die Software für Indoor-Windkanalflüge programmiert und damit zu einem Wohlstand gekommen ist, den er für Outdoor-Fallschirmflüge verwendet, aber auch für das Brauen ausgefallener Biere. Unsere Augen leuchten, eine neue Freundschaft will entstehen.

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Beim Hundsäußerln sollte ich nachdenklicher wirkende Outfits tragen, ich kriege erstaunlich viel erstaunlich Banales erklärt. Seit wann wird man Hundeexperte und Hundebesitzer gleichzeitig? Woher überhaupt dieser Drang zu seltsam übertriebener Professionalisierung im Privatleben?

26.2.

Beim Lesen der aktuellen Ausschreibung für den LinzIMPuls komme ich peinlich spät drauf, dass ich den ja geschrieben habe (in eigentlich sehr schmeichelhafter Vorwegnahme des Ars-Electronica-Themas „Do/n't Panic“. Entweder bin ich sehr fleißig und/oder dement. [Nachtrag: Ich hab' sogar noch schnellschnell mit Walter Stadler ein Projekt zusammenklabüsert, wieder am Tag der Deadline, aber ohne Erfolg. So geht Transparenz!]

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Sehr langsam, eher erosiv geht’s beim Ausmisten. Ich schneide Tierbilder aus den Bildbänden über Palazzi und mache es mir im Bürgertum unbequem. 

Auch ein sehr guter Spaß mit dem Erbgut: passiv-aggressive Rollaugen ins Altertum malen.  

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Ungeduld mit der Landschaft. Dafür bei Niederwasser am Donaustrand eine Rostgans gespottet. Hasi beruhigt per Whatsapp-Konsilium, der Vogel sei ein Gefangenschaftsflüchtling, der sich mittlerweile zum Neozoon gemausert habe.

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Nach fünf Minuten Schaufeln ruft die Nachbarin „Tüchtig!“ über den Zaun, dabei müsste sie das tun, sobald das Licht im Büro angeht.

27.2.

Eine an sich gute Kunstperformance. Ich checke nur immer noch nicht, warum wir Frauen uns nackig ausziehen müssen, um Freiheit zu beweisen. Fini isst die Requisitenwurst.

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Was für ein unfassbar großartiger Film „Three Billboards outside Missouri“ ist!

28.2.

Alles geht immer am Freitag Vormittag.

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Schade, dass ich mit meinem Hass kein Wärmekraftwerk betreiben kann, Trump und Putin würden mich energieautark machen. Schon der Fund einer Perücke im Gestrüpp des Wasserwaldes löst Assoziationen und energische Gewaltfantasien aus: 

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Zum Glück gibt's die Sublimation und die Kunst. Wenn du wüsstest, wie schön „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ ist.