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Dienstag, April 28, 2026

Geisterscheiße

Für die "Geistergeschichten"-Lesebühne war ich sechs Wochen lang zu eifrig und zu faul gleichzeitig, um mich auf drei Ideen zu konzentrieren und daraus etwas Ordentliches zu machen. Hier also der Inhalt der Geisterfallen, die ich im Hirn ausgelegt habe (ein Pandämonium der Prokrastination): 

 Phänomenologie der Entgeisterung (jetzt nicht an Hegel denken!)


Treffen sich ein Geist und ein Lama in einer Bar und jammern darüber, dass die Leute immer dümmer werden und nimmer rechtschreiben können, weswegen all die sekundären Analphabeten die Berufe des Gespenstes und des Kamelartigen durcheinanderbringen: Das Lama spukt durch die Pampa und der Todesgeist spuckt im Schloss. „Wobei es mich ja auch extrem nervt,“ klagt die übersinnliche Erscheinung, „dass die Menschen sich gar keine Mühe machen, mich von der Gesamttätigkeit mentaler Vorgänge zu unterscheiden, aber ein Gespenst ist kein Geist!“ „I'm feeling you!“ sagt das Tier, „deppert san de Leit, die glauben, dass ein Lama ein Alpaka ist! Und dann erst der Dalai Lama!“ „Boah ja,“ ächzt die Gruselfigur, „dieser oberste Geistesführer, was der für einen Stiefel zusammenspricht!“ (Anm. der Autorin: Ist ein Stiefel ein Schaß? Beides kann stinken! Ist ein Schaß ein Geist, beides hat den Körper verlassen?) 
Geist und Lama regen sich sehr auf und trinken so viel, dass sich ihre Geist-Materie-Dualität in eine offene Dialektik verwandelt. Sie werden so ein inniges Liebespaar, dass sie einander ganz durchdringen und zusammen in ein schottisches Schloss ziehen, wo sie die Dreharbeiten von „James Bond – Skyfall“ in arge Turbulenzen bringen, weil Daniel Craig permanent aus dem Nichts bespuckt wird und das Set täglich zweimal von Geisterscheiße in Rossapfelstärke gereinigt werden muss. 

Spiritpreisbremse
In einem Kammerl im Institut für Geographie und Wirtschaftskunde beugen sich zauselige Wissenschaftler (sind nur Männer, die Kolleginnen fanden die Séance doof) über ein Ouija-Bord, um dem Wirtschaftsminister eine große Frage zu beantworten. Der Zeremonienmeister erhebt seine Stimme: „Großer Weltengeist, wann wird die Straße von Hormus wieder befahrbar?“ „Frog nan aa nu wengam Benzinpreis“, befiehlt Hatmannstorfer. Die Geister lassen sich nicht lange bitten, ein ganzes Pandämonium manifestiert sich! Zuerst Erwin Schrödinger, der hilflos versucht, sein Katzenkisten-Gedankenspiel zu erklären. Polternd fährt der Dschinn des iranischen Revolutionsführers drein, der eine Fatwah gegen Otto Waalkes in den Raum brüllt, für seinen 1980er-Spottreim „Ach was soll's, sagt Frau Khomeini, mein Ayatollah steht ja eh nie!“ „Nanana, Niveau meine Herren“, spricht der Geist Hugo Portischs, der den Anwesenden erklärt, dass die Geschichte der Zweiten Republik eine komplexe geopolitische Gemengelage darstelle und man jetzt bitte aber  SOFORT raus aus den fossilen Brennstoffen solle. Da wird die Tür aufgerissen, die Geister fliehen, die Institutsleiterin schimpft „Ja sakra, ihr sollt forschen, nicht beschwören! Alle raus hier, auch der Hatmannsdorfer Wolfi! Wenn ich euch noch einmal bei okkulten Praktiken erwische!!!“ 
„Wie woa des jetzan“, sagt der Minister später nach dem vierten Bier in der Institutskantine, „mit dera hoibhinign Kotz, i hob's scho wieda ned checkt.“ 


Beim Konzil von Triest 2027 legt die Glaubenskongregation unter Leitung ihres Geistigen Oberhauptes Papst Leo fest, dass der Heilige Geist auch in Form eines Brathuhnes verehrt werden darf. Der Film „Das Fest des Huhnes“ wird vom vatikanischen Index gestrichen und darf ab 2028 auch an katholischen Privatgymnasien in der letzten Woche vor den Ferien gezeigt werden. 

Als der arme Bruce Willis stirbt, freut sich die Gemeinschaft der Geister zuerst sehr, ein echter Star! Und er hat seine schweren Jahre hinter sich, in denen er dement war (der Geist schon vorgeprescht ins Jenseits). Dann aber holt ihn die Vergangenheit ein. Wenn er nachts allein ist, überkommt ihn ein Grauen, es fröstelt ihn... da huscht eine Gestalt durch den Raum! AAAh! Willis dreht sich um, da steht sie vor ihm!!! „Gib mir ein Autogramm, Schweinebacke!“ Schreck! Die Geister der anderen Toten glauben ihm nicht, es ist schlimm. Dauernd wird er von Menschen heimgesucht, bis er all seinen Mut zusammennimmt und mit ihnen zu reden beginnt. Pssst, sagt ihm eine der Erscheinungen, wir sind jetzt bereit, unser Geheimnis mit dir zu teilen: Du kannst lebende Menschen sehen! Und du bist selbst noch gar nicht tot! 

Ein Riesenskandal: Das insbesondere auf Datingplattformen massenhaft auftauchende Phänomen des Ghostings hat eine schreckliche Ursache! Glaubten hunderttausende Frauen noch, es handle sich dabei um eine äußerst unreife Verhaltensweise der männlichen TinderBumbleGrinder-Kontakte, sich nämlich kommunikativ in Luft aufzulösen, stellt sich das Verschwinden der Ghoster als sehr dunkle Seite des Matriarchats heraus: Über eine Spionagesoftware verschafft sich die Zentrale Intelligenzabteilung Zugang zu den Chats und gibt der Exekutive den Auftrag, sich toxisch verhaltende Individuen aus dem Bestand zu nehmen. Die jungen Männer wurden zwar weder in Luft noch in Säure aufgelöst, wurden aber zwangsweise in Charakterschulen geschickt. Bei allem Verständnis: So geht’s auch nicht, lieber Radikalfeminismus!

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus, und überall gründet es Geisterkommunen. Doch die Sache erweist sich bald als total lebensfremd, es wird unheimlich in der WG, denn es scheiden sich die Geister. Das kleine Gespenst wird wegen Verbots der Kinderarbeit beschäftigungslos. Die Inklusion der Geisterspezies ist extrem heikel, die Dschinns und die Dibbuks zoffen, der Golem hat gleich gar keinen Geist und haut die Einrichtung in Splitter. Und wer putzt die Geisterscheiße weg, ha? Das kommunistische Gespenst hat einfach nichts von der Psychologie begriffen. Bald ergreifen die Kobolde die Macht, und der Rädelsführer Pumuckl leitet die spiritistische Konterrevolution ein. 

Ansgar Krautwaschl, Vorstand der vatikanischen Exorzistenvereinigung der Diözese Linz-Land wird im Jahr des Herrn 2078 in einen der letzten katholischen Haushalte nach Dörnbach gerufen, die dort pubertierende Tochter sei seit einer Woche von einem Dämon besessen. Der Geisterbeschwörer beginnt sein Brimborium, die junge Frau rollt mit den Augen und badamm! ist der Geist der vor sieben Tagen bei einer Wanderung auf den Großen Priel verunglückten Schriftstellerin Demonika Mindle wieder aus ihrer jugendlichen Bleibe draußen. Der Pfarrer will sie in eine Schweineherde einfahren lassen, die sich in der Donau ersäuft, aber der Geist sagt, ich bin ja nicht deppert! Sie fährt in den Körper des Exorzisten, doch der taugt ihr nicht, igitt, wie unpraktisch und überempfindlich ist so ein Membrum maskulinum! Sie fährt in diverse Körper wie mit einem ganzen Körperfuhrpark, bis sie im Tierheim Linz eine schwarzweiße Bordercolliemischung entdeckt, in und mit der sie noch einige schöne Jahre lang im Toten Gebirge herumgeistert. 


Aus der Geisteswirtschaft:
Am Institut für Geistes- und Humanwissenschaften (NIG, 6. Stock) soll der olle Wettkampf zwischen Geist und Materie endgültig ausgetragen werden. Doch die Sache wird ein Schaß. Beim Schattenboxen macht der Körper eine lächerliche Figur, die Schachpartie wirkt wie ein langweiliger Telepathieversuch. Die Übung wird abgeblasen und weiter können verwöhnte und verpeilte Primarstöchter sinnlose Diplomarbeiten über die Dekonstruktion des cartesianischen Leibseeledualismus schreiben. 

Ein Traum: Sich selbst in Geist und Materie trennen können. In der ersten Tageshälfte darf ein Teil lesen und träumen, der andere muss wie ein Golem im Büro sitzen und den Chef grüßen. Nach dem Mittagessen wird getauscht (immer wieder Streit, wer mit dem Essendürfen dran ist). 

Die AMS-Einsatztruppe Ghost Busters vertreibt junge Menschen aus dem Institut für Human- und Geisteswissenschaften, um die Arbeitslosenrate unter Akademikern zu senken. 

Dienstag, März 10, 2026

Auf ins Goldene OMAtriarchat

Man wächst ja mit seinen Aufgaben, darum werden wichtige Leistungsträger*innen auch blad mit dem Alter. Aber die Ämter müssen auch mit ihren Trägerinnen mitwachsen! In diesem Sinne möchte ich hiermit das Goldene Omatriarchat ausrufen, mit mir, der Präsidentin der Ominikanischen Republik. 

 

Was sind Gründe und Vorteile der Großmuttherrschaft?

Ein Trend geht durch das Internet (das sich mehr und mehr durchzusetzen scheint): #grannystyle. Stricken und Sticken, beige Sachen tragen, Kleiderschürzen bei MiuMiu, Weltkriegsgefahr und die Rückkehr leicht ausrottbarer Krankheiten wie Masern. So weit, so bekloppt. Und doch! Wir alle bräuchten grad eine total unterstützende Omi, die keine Ahnung hat, was man da beruflich macht, „aber du machst das schon, mei liabs Mesch, groß bisd woan, guad mochsd du des, tüchtig!“, und die einem Kuchen mit 18 Eigelb bäckt und kleine Geldscheine zusteckt.

Im mittleren Alter aber sind Omis rarer als seltene Erden. Alles muss man sich im Sinne von Selfcare selbst machen! Wie wir lernen, uns selbst die eigene Großmutter zu sein: 

  • Sich die Tränen im linken Auge mit der rechten Hand zärtlich abwischen

  • Hans-Moser-Filme anschauen, Peter-Alexander-Shows und Harald Juhnke. Sisi-Motto-Partys (eine Freundin von mir ist als Spanisches Hofzeremoniell gegangen)

  • Nachts zappen bis in die Puppen, denn Zappen ist das TikTok unserer Generation (und man wird nicht islamistisch radikalisiert, nur bissl blöd)

  • Trotzdem um 22 Uhr ins Bett gehen, ohne Genierer

  • Gabelbissen essen, Zwieback in Weißwein tränken, Graupen und Erbstwurst

  • Sich die Haare eindrehen lassen bei einer Friseurin, die man Paula nennt

  • Bei zu viel Stress mit der Pinzette Barthaare ausrupfen (das Ritzen des Alters)

  • Wenn man es nicht so gut erwischt hat wie ich: den Mann überleben (aktiv oder passiv) und nach seinem Begräbnis bei jedem Seniorenausflug Henne im Korb sein

  • Sachen sagen wie „Mia ham jo nix ghobt hintam Kriag!“ Immerhin stammt man ja wirklich aus dem vorhergehenden Jahrtausend. Wenn man in mein Geburtsjahr einen Zirkel steckt und drumherum einen Kreis von 33 Jahren zieht, umfasst er das Ende des Zweiten Weltkriegs einerseits und andererseits: Sieg der Vierschanzentournee von Christian Morgenstern und der Tod Amy Winehouse. Oder Kate & Prinz William-Hochzeit, wer sich leichter so was vorstellen kann. Harry Potter & die Heiligtümer des Todes – I sing a Liad füa di

  • Überhaupt, der Muttermund: Ab einem bestimmten Alter öffnet man den Mund und es purzeln die Sätze der Mutter zwischen den Zähnen heraus. Dagegen ist nichts zu machen, man kann ein komplett anderes Leben führen, trotzdem sagt man: „Stundenlang bin ich in der Küche gestanden, und du frisst ois in dein bledn Schädl eini. Ma siacht am Noan gleich!“ Man sagt's vielleicht nur zu sich selbst, was ziemlich bescheuert ist. Oder zum Hund, dem man selbst den Stecken drölfzig mal in die kalte Donau geschmissen hat: „So, jetzt kummst außa, du hosd jo scho gaunz blaue Lippen!“


Was bringt das Omatriarchat konkret?

  • Männer der Jahrgänge 2013 und Älter müssen sich weltweit per sofort für ihre Regierungsagenden neu bewerben. Bei mir, der persongewordenen internationalen Personalobjektivierungsstelle, weil ich mich schon am besten in die Materie eingearbeitet habe. Die dadurch frei werdenden Ämter werden fair unter den bestqualifizierten Bewerberinnen verteilt.

  • Da mit einer rein weiblichen Weltregierung selbstverständlich jedwede Kriegshandlung zum Erliegen kommt (was so eine Bombe Mist macht! Was ein Flugzeugträger kostet, bittigoaschee!), ist endlich die Zeit gekommen, sich um die echten Probleme kümmern: Artensterben, Bodenversiegelung, Einführung eines Existenszmaximums von 1 Million €, darüber wird alles enteignet und in Sozial-, Bildungs- und Literaturförderung eingespeist.

  • Männer dürfen mit Stichtag 31. März nur noch Autos lenken, die bei 99 km/h abriegeln und automatisch Sicherheitsabstände einhalten. (Braucht man nur bei Audi, BMW, Mercedes machen, was anderes mögen die Herren ja nicht fahren).

  • Männern ist ein sehr, sehr glückliches und erfüllendes Privatleben zu ermöglichen, denn sie sind Stolz und Schönheit unserer Spezies! Viele gute Worte, Streicheln, frisches Wasser, vollwertiges Futter, ausgedehnte Spaziergänge und bis zu 20 Stunden Schlaf. Einmal in der Woche bürsten.

  • Das Pronomen jedes Wesens, das als FLINTA-Person gelesen werden möchte, ist „omi“.

  • Es ist zwecks spiritueller Unterhaltung ein ganz Neues Testament zu schreiben, in denen die vier Apostolinnen Blanche, Rose, Dorothy und Sophia die lustigsten Schnurren über die neue Welt erzählen.

  • Es ist eine neue Hymne zu verfassen, sie geht ungefähr so:

Is this my whole life? Was this just fantasy?

Caught in a LinzLand, no escape from reality

Open your eyes, put on the Lesebrill and see

I am a woman, I need your sympathy

Because my knees are bad, knorpel gone 

Little high, little beer

Anything the Mink says it does really matter to me, to all


Oma, just ate your cake

Put Schlagobers on the Plate, pulled my fork in, guad hods ma gschmeckt

Oma! Life has just begun!

Bad guys are gone and war is thrown away

Oma! Oh! All the mean guys you made cry

the won't be back again this time tomorrow 

Carry on, carry on cause Granny really matters


Donnerstag, Januar 29, 2026

Die neun Leben des Dr. Josef Ratzenböck

Drehbuch für einen Smash Hit im Land der MOÖglichkeiten

Deadlines inspirieren mich, vielleicht geht sich ja noch was für den Oscar aus. Beim Prokrastinieren für diesen Lesebühnen-Text bin ich auf die Idee verfallen, alte Familiendias zu sichten – derzeit posten ja alle Fotos aus dem Jahr 2016, wo noch alles gut gewesen sein soll. Ihr Narren! 1986 hätten wir richtig abbiegen können! Die Sowjets wegen Tschernobyl aus dem Buch der Geschichte streichen, die USA wegen Endes des Kalten Krieges auf ihr Staatsgebiet einhegen, die Erfindung des Internets in klügere Hände legen, das Matriarchat den Völkern mit liebevoller Mütterlichkeit oktroyieren.

Ein Dia, ein buenas dias, siehe oben, zeigt eine humoristisch wertvoll gewordene Szene, die ich auf Facebook dergestalt beschrieb: „Vor 40 Jahren sollte ich dem LH Ratzenböck einen Blumenstrauß überreichen, weil er uns ein Dach auf die Volksschule Schönering gesetzt hatte. Ich geriet aber in Panik und paschte ab. Der Bürgermeister fing mich und leitete mich sanft zum Landesvater, der gütig das Gebinde aus meinen schweißnassen Händen wand. Was sind eure besten Ratzenböck-Nachrufe? Die schönste LH-Schnurre gewinnt!“

Darauf schrieb Frau Karin H., geschätzte OLW-Stammgästin: „Der Cousin meiner Mutter ist der Überzeugung, dass der Ratzenböck schon vor 20 Jahren gestorben ist, aber erst jetzt begraben wurde.“ Ich wollte daraufhin eine arge Geschichte über Balsamierungspraktiken schreiben (den Mao zum Beispiel haben sie mit Formaldehyd ja historisch belegt aufgepumpt wie einen Weinschlauch), dass das auch in OÖ in der Pathologie der Barmherzigen Schwestern versucht wurde, um den Kulturstandort neben dem luftgeselchten Pfarrer von St. Thomas am Blasenstein mit einer weiteren sehenswürdigen Mumie aufzuwerten.

Aber das Thema waren am 23. Jänner ja Katzen, und die haben neun Leben. Bester Stoff für einen actiongeladenen Episodenfilm, in dem der Ratzenböck immer wiedergeboren wird: Er stellt seine Bonusleben der guten Sache zur Verfügung. Im zweiten Leben kauft er aus einem bulgarischen Schrottzoo einen Tiger frei und macht ihn scharf, sodass er den bei Woronesch fischenden Putin anfällt und endlich aus dem Bestand der Menschheit entnimmt. Der Tiger frisst dann leider auch den Ratzenböck, sodass er schon im dritten Leben angelangt ist. Es zeigt sich, dass er mit jeder Reinkarnation ein bisschen weniger lebendig ist, womit gleich auch das Zombie- bzw. Vampir-Genre mit abgefrühstückt werden kann.

Nun schickt die NATO den Alt-LH nach Amerika, wo er den Trump und den JD Vance auch gleich mit Glykolwein final unter den Tisch säuft, unter Aufopferung seines eigenen Lebens, aber erfolgreich.

So geht es dahin, peace keeping durch robuste Einzelkämpfer-Attacken – im Nahen Osten, Iran, Sudan, Kongo, Weißrussland, Nordkorea & China: Überall werden die führenden Kriegstreiber waidgerecht vergrämt (aus dem Leben). Das müsst ihr euch jetzt selbst ausmalen, gern mit den Requisiten der 1980er als Waffen, enthauptet mit Modern Talking LPs, verätzt mit saurem Most, überdosierte Schilddrüsentabletten, stranguliert mit selbstgestrickten Zopfstirnbändern, erschlagen mit Acrylmalerei, vom Opel Kadett überfahren, vom umfallenden Wurlitzer getroffen.

Am Ende seines letzten Lebens ist von der Vitalität des LHs nicht mehr viel übrig, er lenkt seine letzten Schritte zurück an den Ausgangspunkt der Geschichte. Dort klopft er an die Tür eines Einfamilienhauses mit baubehördlich vorgeschriebenem Atomschutzbunker (jetzt voller Hofer-Wein und alter Ribiselmarmelade). „Meindl Mink“, knarzt es aus seinem zerfaserndem Kehlkopf, „i hob mein Beitrog gleist, jetzt sad's es Jungan drau.“ Er sinkt zu Boden, endlich ewige Ruhe, und die neue Herrscherin im Land der Moöglichkeiten lässt dem verdienstvollen Landesvater ein großes Requiem im Linzer Dom ausrichten. Danke, LH Ratzenböck! 

Freitag, Dezember 12, 2025

Wunschliste ans Christkindi für 2026: Ich bitte um eine gute Sterbstunde

Liebes Weihnachtswesen, hier ist wieder deine Minki! Sorry, dass ich mich immer nur zu deinem Geburtstag bei dir melde, es ist allerweil so ein Wirbel, aber ich glaube das ganze Jahr über fest an dich. Da sind wir ja Kolleginnen, denn was wäre das Kind Gottes, und was wäre eine Bundespräsidentin, wenn niemand glaubt, dass es uns gibt?! Du darfst dir auch gern was von mir wünschen, sag' einfach Bescheid, wenn ich was tun kann für dich, zum Beispiel einen Pflegeplatz für den Papa.

Auch heuer formuliere ich meine Wünsche eingedenk der Frohbotschaft des Erzengels Michael: „You can't always get what you want. But if you try sometime you'll find you get what you need!“ In der berühmten Vulgata-Übersetzung von Joki Kirschner: „Geschenke sind nicht wichtig, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man sie hat, wenn man sie braucht.“ In diesem Sinne! Folgendes wünsche ich mir heuer sehnlich:

  • Eine Zeitreisemaschine, eh keine arge, sie kann aussehen wie eine Saunakabine im endlich trockenen Keller (Vergelt's Gott dafür!), und sie muss nur sechs Monate in die Vergangenheit zurückgehen, und auch nur im Winter – ich möchte einfach nur jederzeit oben im Hochsommer in meiner geliebten Wildnis des Toten Gebirges sein, und beim Hinüberschauen auf den Dachstein nasse Augerl kriegen. Ein Sommertag in meiner selbstgebauten Vergangenheit und ich wär' leistungswillig wie ein feuchter neoliberaler Traum.

  • Ich bitte innig um die Wiederschenkung meines Grundvertrauens in meine humane Mitschöpfung. Man muss ja nicht so einen Stiefel zusammenwählen. Bitte lass' die Leute wieder mehr Bücher lesen, müssen eh nicht nur die unseren hier sein. Gerne hätte ich weniger Satire in der Politik, es ist derzeit sauschwer, selbst eine zu schreiben.

  • Dann brauche ich neue Turnschuhe, ich bin zu blöd dafür, oder zu unentschlossen, vielleicht wär's gscheiter, wenn es eine leicht kommunistische Konsumwarenverknappung gäbe, also nur noch sagen wir zehn verschiedene Sorten, dann tu ich mir leichter.

  • Abschließend wünsche ich mir, dass die Wissenschaft endlich ihre Prioritäten geregelt kriegt, was soll diese oasch Rüstungsforschung, setzt euch auf eure Hosenböden und arbeitet emsigst an lebensverlängernden Maßnahmen, keinesfalls aber an der longevity durchgeknallter Nabobs wie Musk, Bezos und Zuckerberg, da vielleicht sogar bitte in die Gegenrichtung, mein Wunsch betrifft die Lebenserwartung von Hunden, die bitte exakt an jene ihrer Halterinnen angekoppelt werden möge, so schwer kann das ja nicht sein.

Das war's schon für mich! Weihnachten ist ein Fest der Liebe, da soll man nicht nur an sich selbst denken, sondern einmal an andere. Auf nationaler Ebene:

  • Unserem Bundeskanzler Stocker wünsche ich ein bissi mehr Eier, nicht im männlichen Sinne, das sind ja maximal zwei weiche, sondern Millionen taffe Fraueneier, damit er endlich in die Puschen kommt. Ich wünsch dem Buddha von Wiener Neustadt einen Neustart! Und dem Vizekanzler, dem Babler Andi, wünsch ich alles Gute, er hätt ja unlängst fast meinen Hund geküsst, drum samma Hawara, ich wünsch ihm Milliarden für ein ordentliches Kulturbudget.

  • Dem österreichischen Wahlvolk wünsche ich 2026 viele Momente der reflektierenden Einkehr, es sind nämlich keine Wahlen weit und breit, da müsst ihr euch nicht deppert aufganserln lassen.

  • Harald Mahrer wünsche ich einen guten Übergang in seinen nächsten Karriereabschnitt. Möge ihm Potpourri an neuen Aufgabenfeldern blühen, eine AMS-Abteilung nur für ihn. Er kann sich eine Stelle aussuchen oder gleich alle übernehmen, also: Liftwart in Kirchschlag, Behindertenbetreuer in Hartheim, Tierheimputzmann, Image-Restaurator der SOS-Kinderdörfer, Bardienst im Strandgut, der Bundespräsidentin den Keller ausweißigen, Koordinator des Science-Hubs für Zeitreisebüros und Dog Longevity – halt einfach einmal eine echte, ehrliche Arbeit, die Gutes bewirkt!

  • Den Verantwortlichen der Rodung des Bergschlössl- und der Ziegeleistraßenparks zugunsten des Westrings wünsche ich, dass sie postmortem in einem ewigen Kreislauf an Autobahnzubringerkreisverkehren sich verheddern und erst wieder herausfinden, wenn die Hölle sich mit Eis bedeckt.

  • Allen Herren, die im Gendern eine Verhunzung der Deutschen Sprache sehen, wünsche ich per sofort den Paygap ihrer eigenen Gattinnen an den Hals. Plus eine verpflichtende Nachschulung im Fach angewandte Diachrone Linguistik im Ausmaß von vier Semestern.

  • Allen Herren, die mir mit ihren blöden Premiumfahrzeugen den Vorrang nehmen, obwohl hinter mir kein anderes Auto ist und die mich dann ausbremsen, weil sie drei Meter weiter abbiegen, diesen Linksabbiegenazis wünsche ich einen erweiterten Sachkundenachweis, weil sie ein Listenauto fahren und insgesamt dass sie sich 2026 viele Papierschnitte und Fieberblasen holen.

Damit sind wir schon auf der globalen Ebene:

  • Allen Despoten, Tyrannen, Faschisten, Demokratiefeinden wünsche ich herzlich eine gute Sterbstunde. Davor viele Papierschnitte und Fieberblasen. Ich wünsche Trump, dass er viel in Hundekot steigt und erst draufkommt, wenn er schon quer über den sauteuren Seidenteppich im Ballroom gelatscht ist, und ich wünsche ihm 2026 die Rache der Journalistik, #epsteinfiles. Ich wünsche Putin, dass ihm kein Hund mehr zugeht, kein liebes Tier lässt sich jemals wieder von ihm streicheln, nie mehr wieder ein warmer Blick aus treuen Augen, und ich wünsche ihm einen nächtlichen Schlaganfall, seine Adlaten fragen sich in der Früh, nanu, wo bleibt der Chef denn, sonst ist er um 5 schon in der Höh, aber ich trau mich nicht nachschauen, sonst ist er ement grantig und schickt uns an die Front! 72 Tage später folgt Putin seinem großen Vorbild Stalin, Tod wegen unterlassener Hilfeleistung.

  • Ich wünsche allen Patriarchen dieser Welt ein Jahr als Frau, den Taliban zuhause, Trump in Somalia; alle haben Cellulite und Endometriose, dazu eine super-übergriffige Chefin und einen Mann, der viel fremdgeht und bei jeder Gelegenheit erklärt, dass Gendern die deutsche Sprache verhunze.

  • Der Hamas, den aggressiven Siedlern, den „Konfliktparteien im Sudan“ etc. wünsche ich, dass es sie beim Niesen in tausend Fetzerl zerreißt und sie keine Hände mehr haben, um sich aufzuheben.

  • Hier noch der Vorjahreswitz, der ist noch pfenninggut: Viktor Orban wünsche ich, dass er weiter so rasant verbladet, dass ihn sein sinnloser Populismus weiter so aufdunsen lässt wie ein totes Pferd am Ufer des Balatonsees (Bladatonsee, haha).

Jetzt aber Schluss und Liebe! Ich wünsche euch allen drei Kilo Gewichtstsunami, viel Liebe, auch körperlicher Art, und brave Christkindl! Ausschließlich hier bin ich Befürworterin der Kinderarbeit.

Ab 1. Jänner 2026 gilt dann die neue digitale Autobahnvignette, in Trafiken gibt’s noch die zum Picken, wer's nicht anders haben mag, sie ist feuerrot, und weiterhin gilt das Matriarchat, auch das lodert feuerrot und insgesamt ist es golden.

Montag, November 24, 2025

Die neue oberösterreichische Hausordnung

Das kleine 1x1 des Zusammenlebens

Vergangene Woche hat die oö. Landesregierung eine „Hausordnung“ präsentiert. Jetzt bin ich nicht die hellste Kerze auf der Torte der Arithmetik – aber ist 1x1 nicht trotzdem nur eins, und ist das nicht die niedrigste einstellige Zahl? Also irgendwie der klitzekleinste gemeinsame Nenner, sprich: sehr wenig? Egal. Wichtiger ist, dass sich das nur Männer ausgedacht haben, also gilt das für die auch. Für alle anderen gelten WEITERHIN die unsere gemeinsamen Regeln und Werte, die ich mit Liebe und Sorgfalt hier aufnotiert habe. 

1. Jeder Mensch hat Würde und verdient Respekt, auch wenn er oder sie beschließt, darauf keinen Wert zu legen und bei Kulturveranstaltungen z.B. „La Montanara“ zu singen, ohne es zu können und mit Schnupfen, oder wenn die Person schiache Ballkleider aus den 80ern anziehen mag. Oder selbstironische Witze macht, was trotzdem streng verbietet, der Person gegenüber auch frech zu werden.

2. Bitte schnäuzt euch! Das Geräusch ist einfach nicht auszuhalten!!!!

3. Wir sprechen hier Deutsch! (Bzw. „Deutsch“) Schnäuzen also bitte mit Ä schreiben, denn es leitet sich von der Schnauze ab. Wir in OÖ gendern, das ist gelebter Brauch, es heißt nicht umsonst Muttersprache. Männer sind zwecks besserer Verständlichkeit mitgemeint.

4. Hunde sind respektvoll zu behandeln und dürfen gerne vor deren Halter*innen begrüßt werden. Wir lieben die Hunde so wia a Kindal sei Muata.

5. Das arschlingse Buserieren im Straßenverkehr ist verboten, insbesondere für SUVs bzw. Audi-, BMW-Fahrer etc. Listenautolenker müssen generell eine erweiterte Alltagstauchlichkeitsprüfung zusätzlich zum Sachkundenachweis ablegen, wenn ihr Kraftfahrzeug die Schulterhöhe von 1m übersteigt.

6. Das Laufen auf den Gängen ist verboten, im Gebäude sind Hausschuhe zu tragen.

7. Männer sind nach Kräften den anderen Geschlechtern gleichzustellen, das Matriarchat ist für alle da!

8. OÖ hat Platz für alle Religionen, wenn sie still im Ausmaß eines privaten Hobbys betrieben werden und nicht nerven, also ca. wie Modelleisenbahnbau, Goldhaubenstickerei oder Hinterglasmalerei.

9. Beim Tarock werden nur Spatz und Uhu angesagt, alles andere ist gottloser Unfug. Kommt die Trui gemeinsam zum Liegen, sticht der Pagat, eh klar.

10. Fleischereifacherzeugnisse dürfen nicht mehr irreführend als Bradl oder Wiaschtl bezeichnet werden, sondern als „Der Sau aus dem toten Nacken gefletschtes Fleisch“ bzw. „in seine eigenen Eingeweide gestopfte Kadaverreste“.

11. Respektspersonen wie etwa die Bundespräsidentin sind in OÖ Schulen mit einem schmeichelhaften Bild in den Klassenzimmern zu repräsentieren und höflich zu grüßen, gerne auch Nackenmassagen anbieten und ihren Hund sowie ihren Regierungsstil loben, das ist nicht cheesy, gutes Bier kredenzen – hier ist Regionalsnobismus angezeigt, da unsere heimischen Brauereiprodukte wahrhaft die besseren sind; Zipfer aber höchstens frisch gezapft.

12. Es gibt in OÖ immer noch diese Probleme mit dem Stadtbild, also Menschen, die extrem gschissn aus der Wäsche schauen, etwa nur um ein Beispiel zu nennen Herrn G. aus Wels, Schillerstraße 1/3, der mich zu Fleiß immer so grämlich anschaut, dass seine Mundwinkel über den Unterkiefer herunterhängen, keine Ahnung, was der gegen mich hat!

13. Bitte passt's besser beim Mülltrennen auf, das ist doch echt nicht schwer, jetzt darf man sowieso fast alles in den Gelben Sack schmeißen, Gmundner Keramik im Großgebinde zum Bauschutt, Lederhosen zur Carla, VOEST-Stahl zum Altmetall, die Handflächen zueinander, noch einmal, schneller, ja, so wird ein Applaus draus! (Letzteres schriftlich bissi doof, aber man kann ja auch einmal privat alleine klatschen).


Mittwoch, Oktober 29, 2025

Bird Watchlist 2026

 

On the wrong side of the 40ies wetteifern mehrere Torheiten um die Freizeit des Menschen bzw. Mannes. Gravelbikefahren, Vintagerennradrestauration, Craftbierbrauen, Baristakaffeesnobismus, Tenkara-Fliegenfischen. Sie eint der Drang, unfassbar viel Geld auszugeben und unfassbar viel darüber erzählen zu wollen. Noch am sympathischsten ist das Birdwatching, also das Vogel-Spechteln. „Schau, ein Wintergoldhähnchen im Prachtkleid!“ „Oh, die Birkhenne kirrt den Hahn in ihre Huderpfanne!“ Diese gefiederten Freunde möchte ich 2026 watchen:

1. Dodo, Greif, Roch oder Phönix (das wär' ein Hallo am Birder-Stammtisch!)

2. Den zahmen Spatzen, der täglich zur gleichen Zeit auf die Hand meines Wahl-Großvaters flog und sich füttern ließ

3. Die Rückkehr der Feldlerchenpopulation vor dem Beginn der industriellen Landwirtschaft

4. Den Sturzflug des PatriArchaeopterix

5. Die Gans Martin aus Nils Holgersson, skandinavischer Sympathieträger

6. Jürgen Vogel, ist vielleicht ein guter Typ

7. Dschungelzwergfischer (auf "Iratebirds" als weltschönster Vogel gerankt)

8. Haubenmeise (ein Vogel wie ich, mit Mittagsschlaffrisur)

9. Der Steinadler auf dem Gipfel des Bruderkogels am Grundlsee

4. Papageno und Papagena bzw. sämtliche Vogelfänger des Salzkammergutes, denen ich in einem amtlichen Normverdeutlichungsgespräch darlege, dass man die armen Vogerl bitte nicht mit einer Leimrute fesselt und sie dann den ganzen Winter in sein Stinkestübchen sperrt, während man selbst in Thailand überwintert, nur zur Gaudi, wenn die Vögel frei über die Wälder des Toten Gebirges fliegen könnten, wenn sie schon bei uns bleiben, weil das ist eine Standorttreue, die ihnen wir garstigen Menschen einmal nachmachen sollten, scheiß auf dein deppertes Brauchtum, aber echt.

Dienstag, September 23, 2025

Jenseits von Aussee. Pfiat eng God schee, liabe Almen, pfiat di God schee, Redford Bert!

Um ein kathartisches Tränenerlebnis zu ermöglichen, empfiehlt es sich, dazu Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 abzuspielen, das Adagio. 

Der Schauplatz <3

Er hatte eine Alm am Fuße des Toten Gebirges. Ein paar hundert Meter vom Dreibrüdersee entfernt. Die Sommer sind kurz hier im Karst. Es war an einem prachtvollen Julitag, da ich vom Bruderkogel abstieg, reich an Beute, denn meine Augen hatten auf dem kaum bestiegenen Gipfel einen Adler gesammelt, der mich wiederum anblickte, bevor er sich über das Widderkar in die Lüfte sinken ließ, als sei es das Meer, das ihn trug. Und auf Meeresboden stand ich, Millionen Jahre alt, in diesem jungen Sommer. (Also der Meeresboden war so alt, ich nur seelisch.)

Ich kam also an der Gössler Alm vorbei, gelöst und gebadet, als ich einen Reflex im Augenwinkel sah. So einen Farbton hatten meine jagenden Augen hier noch nie gesehen, ich hieß den Hund über das hohe Gras fliegen, um das Wild zu stellen. Zu meinem höchsten Erstaunen erklang eine menschliche Stimme, im Grundton wohl tief, aber ich vernahm ein hohes Frohlocken: „Jo Puppi, jo wer bist denn du?!“ Im Näherkommen sah ich ihn zum ersten Mal.

Robert Redford.

„Jo, wo bist denn du?“ „I bin do, Robert!“ „Ned du, du Lustige, da Hund, wos isn des fira Rass, des is owa a gaunz a gschickte!“ Niemand würde mir glauben, dass ich hier stand, und dem berühmtesten Schauspieler der Welt erklärte, dass ich den Hund aus dem Heim gerettet hatte, „ma!“, dass sie meine treue Begleiterin sei, „geh liab!“, und wir soeben einen Steinadler erspäht hatten für meine Birding-Liste, „wos d' ned sogst!“ Er hieß mich Platz auf der lärchenen Bank nehmen, dann langte er in den Grander hinter der kleinen, schiefen Hütte und öffnete uns zwei Flaschen Freistädter Ratsherrn. Es lag nicht an meiner einfühlsamen Zurückhaltung, dass ich ihn um kein Selfie bat, sondern daran, dass ich gerade mein Handy im Geröll verloren hatte.

Naja, was soll ich sagen, wie es weiterging. Ich stieg Stunden später im Licht der Sterne ab, mit schlechtem Gewissen, und natürlich hat mich der Buttinger unten in Gössl sehr geschimpft, dass ich so spät daherkräule, wieso ich nicht abgehoben habe, um ein Haar hätte er schon die Bergrettung geholt! Als ich ihm vom Handyverlust berichtete und vom Schmusen mit Robert Redford, der sich hier einen einsamen Almsommer lang vom Leben eines internationalen Superstars erhole, sagte er, ok, Meindl, besorg dir ein neues Handy, und wie schmust der Redford Bertl, ist er so nett, wie er ausschaut? Ja, sagte ich, und er mag Hunde. Da war der Buttinger ein bissl eifersüchtig, aber der Hund und ich, wir schmiegten uns innig an ihn und ich sagte, du bleibst mein Redford von Wels! Mein Herz ist groß genug für euch beide! 

 

So kam es, dass ich auch am nächsten auf die Gössler Alm aufstieg. Es war sehr schön. Am vierten Tag ging ich aber ins Widderkar, denn es ist kein Urlaub, wenn ich nicht im Widderkar war. Tags darauf war der Bertl bedrückt. Er ahnte, dass ich eine wilde, unzähmbare Strawanzerin hier im Toten Gebirge sei. „Schau“, sagte ich zu ihm, „ich habe hier noch lange nicht alles gesehen, und der Urlaub dauert nur noch zehn Tage.“ Ich trocknete seine Tränen mit dem Ärmel meines nicht mehr ganz frischen Merinoleiberls. Am nächsten Tag nahm ich ihn mit auf den Jägersteig ins Widderkar hinüber, wir sahen den Adler wieder. Der Hund sprang fröhlich der Gams nach. Der Eisenhut blühte. Der Wind wuschelte Roberts güldenes und mein ofarbenes Haar. Wir machten Rast in der Wiese, wieder tranken wir Freistädter. Dann sah er mir in die Augen:

„Du hast es mir verdorben.“

„Was?“

„Das Alleinsein.“

„Du hast gewusst, dass ich mit dem Buttinger fix zusammen bin.“

„Ja“, sagte er.

Da stieß der Adler seinen scharfen Schrei aus, wie um uns vom Abschiedsschmerz abzulenken. Der Hund legte sich zu uns auf die Decke und knibberte an den Pfoten.

„Bertl, wieso kannst du eigentlich so gut Deutsch, mit Dialekt sogar?“

„Weil mei Muada a Dosige woa. Und mei Voda vo Gramastettn.“

Da gab es mir einen Stich ins zerwanderte Herz. Es brauchte nicht lange, um herauszufinden, dass er mein Großonkel war. Irgendwann würde ich darüber einen verwickelten Familienroman schreiben (sehr praktisch in Originalbesetzung zu verfilmen), aber heute waren wir melancholisch wegen dieses Inzests. „Naja, egal“, sagte ich, „des hod uns do no nia gschodt.“

Robert sah hinüber zum Bruderkogel, jetzt sprach er im Tonfall Meryl Streeps:

„Ich weiß ein Lied vom Toten Gebirge, von den Gämsen und vom Abendrot, das die Felsen erglühen lässt, von den Almen und den Gräsern, die sich im Wind neigen. Weiß das Tote Gebirge auch ein Lied von mir? Zittert die Luft über den Gipfeln jemals in einer Farbe, die ich an mir hatte, spielen die jungen Murmeltiere ein Spiel, in dem mein Name vorkommt, wirft der Vollmond einen Schatten auf die Gössler Alm, der dem meinen gleicht? Hält der Adler vom Bruderkogel nach mir Ausschau?“

Wir strichen einander wieder die Tränen von den Backen.

Im nächsten Sommer führte mich mein erster Weg auf die Gössler Alm. Die Hütte war vom Winter zerwirkt und verschlossen. Der Hund sah mich an und winselte. Mit schwerem Schritt zog ich hinüber ins Widderkar.

Von fern sah ich den Lagerplatz des vorigen Sommers. Darauf lagen (jetzt wird’s schön, aber unwahrscheinlich) im Licht des Sonnenuntergangs eine Löwin und ein Löwe, die eine längere Zeit auf unserem Almboden blieben. Es gehört und ziemte sich, dass die Löwen diesen Ort aufsuchten und ein Denkmal für uns waren.

Ich war guter Dinge und stieg ab, ohne die unwahrscheinlichen Gäste zu stören. Das wird dem Buttinger gut gefallen.

Montag, Mai 26, 2025

Botanische Besachwalterung: Die 11 schlechtesten Garten-Tipps der westlichen Welt

Hier zu sehen der Versuch, eine Wildschweinsuhle im naturnahen Garten anzulegen. 

Als unlängst die Autorin Barbara Frischmuth verstarb, sah man die „passionierte Gärtnerin“ in ihrem Altausseer Blütenmeer liebevoll an Blümchen zuppeln, mit reinweißen Fingerkuppen und sterilen Nägeln. Schon alleine deswegen möchte ich in den kommenden 40 Jahren noch nicht sterben, um derlei Peinlichkeit zu vermeiden. Wenn die Gemeinde Wilhering auf die Schnapsidee kommt, mein Grundstück als „Dichtergarten“ zu vermarkten, wird mich die Scham noch Jahrzehnte überleben. Ich muss in meinem „Garten“ aufpassen, nicht von Löwenzahnsamen befruchtet zu werden, vom Kirschlorbeer deprimiert, vom Giersch verhöhnt, vom Efeu umschlungen. Antiautoritäres Gärtnern. Die Pflanzen dürfen selbst entscheiden, wo sie sich hinentwickeln wollen, und deswegen wachsen sie mir über den Kopf. 

Trotzdem hier meine Gartentipps! Es lehrt ja auch das schlechte Beispiel. 

1. Sämtliche Ausgaben bei Bellaflora und Lagerhaus von der Steuer absetzen, als Sonderheilmittel „Ergotherapie“. Bei Kontrollen des Finanzamts angeben, dass man im Dreck wühlen müsse, um Totschläge zu vermeiden. #mentalhealth #meindlhealth

Apropos: 2. Wenn es doch passiert, dass man zufällig Donald Trump oder Vladimir Putin Radieschen naschen sieht, Augen zu und durch, und zwar in der Mitte, die spüren das eh nicht, wenn man es mit einer scharfen Gartenschere macht. Und es ist ja der eigene Grund und Boden, da kann man tun, was man will. Aber kein Schneckenkorn verwenden, das tötet Despoten nicht zuverlässig, wohl jedoch Nützlinge wie Tigerschnegel und Weinbergschnecken.

Tipp 3: Die Leichname von Erzfeinde gehören an sich in die Tierkörperverwertung, weil so ein menschlicher Leib voller toxischer Schadstoffe ist. Ich rate dennoch zur Entsorgung im eigenen Garten, z.B. als Füllmaterial im neuen Hochbeet (Wühlmausgitter drunter nicht vergessen), denn eine lebenslängliche Haftstrafe schadet dem Garten noch mehr, wer gießt dann 25 Jahre lang die Hortensien?

3a. Toten Trump eingraben, geschützte Pflanzenarten draufsetzen, dann können die Behörden wegen Naturschutz nicht mehr ermitteln. 3b. Garten als Friedhof anmelden, um Grundsteuer zu sparen.

4. Sich im eigenen Garten bestatten lassen, entweder im Mausoleum oder im Hügelgrab mit individuell abgestimmten Grabbeigaben, das ergibt ein Hallo bei den Archäolog*innen der Zukunft! „Whoa schau, des muass a mächtige Frau gwesn sei, des is a rot-weiß-rote Schärpn!“

5. Wenn man einen Putsch plant, zur Übung das Erdbeerland annektieren und eine Teilnahme am Songcontest verlangen, diplomatische Vertretungen in aller Welt, EU-Antrag stellen, Fußball-Großevents an Land ziehen. Über die Normalisierung der Verhältnisse Fakten schaffen.

6. Bohnen nur zwei Zentimeter tief in den Boden legen, dazu Kukuruz als Rankhilfe, Kürbis ist ein Starkzehrer.

6a. Wer keinen eigenen Garten hat, bitte das Matriarchat unter meiner Herrschaft unterstützen, um die reichsten 5% zu enteignen und deren Liegenschaften fürs Volk zu parzellieren.

7. Wenn der Garten scheiße aussieht, so tun, als wäre man Andre Heller und wolle der Region einen Zaubergarten der Magie schenken, damit die Menschen in sozial erkalteten Westen das Staunen wieder lernen können. Die erhaltenen 34 Millionen Kulturförderung zum Maschinenring tragen, da geht sich evtl. der Vorgarten aus

8. Freunde mit Rasenmäherroboter regelmäßig ächten bzw. Bilder von zerhäckselten Igeln schicken. Laubbläser NICHT kaufen. Einfach nicht.

9. Vorgarten unter Schotter und Kies ersticken, wenn man nicht mehr so viel Arbeit haben will und keine Angst davor hat, für deppert gehalten zu werden. Mit alten Bergschuhen dekorieren, aus denen lustige Sukkulenten wuchern. Damit hält man auch verlässlich genäschige Lebewesen vom Anwesen fern, mich z.B.

10. Bei der OÖN-Gartenwahl teilnehmen und nach verdienter Niederlage in einem weinerlichen Facebook-Post darüber klagen, dass dieses Scheiß Land seine Kunstschaffenden erst ehrt, wenn sie einmal tot sind!!!!

11. Apropos: Einfach aufgeben und eins mit dem Erdboden werden, sich von Rosenkäferengerlingen fressen lassen, so wird aus dem schlaff gewordenen Leib wieder was Schönes. #upcycling

Mittwoch, Februar 19, 2025

Dad Jokes vom Horrorclown. Neue Dekrete

Ein Text für die Februar-Lesebühne:

Der Fasching bietet Gelegenheit zur Triebabfuhr: Endlich das schwere Joch der Vernunft abwerfen und richtig zum Tier werden! Das System sprengen und sich selbst im Suff das Augenlicht nehmen! Teilzeitnihilismus!

Bin ich die einzige, die derzeit das unangenehm satirische Gefühl hat, dass wir die Eltern sind und die Politiker die ungezogenen Kinder? Die Herrschenden rebellieren gegen uns. Derzeit ist es verflucht schwer, Satiren zu schreiben. Wie soll man die Realität noch überhöhen? Oder besser: unterbieten? Ich meine: Trumps Dekretflut am ersten Tag, in einem Habitus, der zweifeln ließ, ob er überhaupt gut genug schreiben könne, um seine eigene Unterschrift zu schaffen, geschweige denn lesen zu können, was für einen Schmarrn er da unterschreibt. Die Tage seit Trumps Inauguration wirken so, als habe das US-amerikanische Franchise der Original Lindsey Vorte die Scripted Reality in die Weltpolitik geschmuggelt.

Aktuell kämpft Trump für die Wiedereinführung des Plastikstrohhalms. DAS sind weltbewegende Anliegen des leider mächtigsten Mannes der Welt! Putin und Selenski sollen sich die Hand geben und „tschulligung“ nuscheln. Den Gazastreifen will Trump in eine neue Riviera verwandeln, sind ja lauter Top-Strandlagen dort. Was noch? Ein Disneyland Ost in Tschernobyl? Grönland annektieren, mit Heizpilzen erwärmen und mit Maisplantagen überziehen? Wenn er den Panamakanal hat, dann den Donaukanal, den Youtube-Kanal der OLW?!

Meine Analyse: Die Autokraten werden wieder bunter, grauer Büromausstyle à la Scholz-Merkel-Stocker ist out. Regimemäßig geht der Trend zu Fashio-FAschismus, also vintage. Es wird wieder Michael-Jacksonischer, Gaddaffi Duckiger. Als Petra Filzmayer der Despotie weiß ich, warum der Volkskanzlerkelch an uns vorüber gegangen ist: Kickl kickt nicht, er ist keiner, der herbärt, er hat keine main character energy, zu grau, zu viel Nagetier-Vibe, keinen Sex, keine Aura, kein Sigma-Typ. Toxisch, aber nicht männlich. Man setzt mit ihm auf ein zu kleines Pferd.

Zurück zu Trumps Dekreten – ich habe ihm folgende Anliegen mit Schwerpunkt Linz-Land bzw. „Dominika Meindl“ untergejubelt, der Depp hat's blanko unterschrieben!

  • Meine Postings sind fürderhin jubelpersisch zu kommentieren, also „lieb gesagt!“, und nicht „Dachte du bist Feministin, warum lässt du dich vom Hallstätter Bürgermeister würgen“ oder „Du hast sehr tiefe nasolabiale Falten!“

  • Österreich steigt sofort aus der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer aus, sucht euch einen neuen Staat, ihr Standortfetischisten

  • Frau Schmitzberger, ist es ab sofort untersagt, mir immer so neugierig in den Garten zu spernzeln

  • Konjunkturmaßnahme Bauwirtschaft: Errichtung eines Entlastungshallstatts beim Autobahnknotenpunkt Haid

  • Sofortige Einführung einer Qualitätsmedienförderung, sofern diese den Namen „Elon Musk“ nicht erwähnen

  • Ab sofort ist es bei Todesstrafe verboten, dass nahe Angehörige sterben – analog dazu sind sämtliche Biolog*innen dazu angehalten, daran zu forschen, die Lebenserwartung von Hunden zu verfünffachen

  • Kriese darf ab jetzt mit langem i geschrieben werden, und orthographisch ebenfalls dem eigenen Ermessen übergeben werden: Terrasse, Komitee und Karussel. Das ist die Rechtsschreibung, die das Land braucht.

  • Extreme Zölle auf unnötige Importe wie Dubai-Schokolade, K-Pop, Kim-Kardashian-News, Fracking-Öl, demokratiefeindliche Arschpopulisten, Gulaschdiktatoren, Genua-Tiefs, After Eight, Tesla-Trucks, Vogelgrippe

    Es ist ab jetzt generell verboten, oasch zu sein. 

Montag, Juni 10, 2024

Komparatistische Lektüren: Alf und "Die Verwandlung"

Undurchdacht wegen Faulheit, Stress und Alters-ADHS (= das Hirn in der Freilaufzone rennen lassen, weil man zu faul zum Spazieren ist)

Apropos Hirn – meines muss ja leider einmal derfäulen. Drei Jahrzehnte habe ich es vollgestopft mit Humanismus und Bildungsbürgerkram, jetzt entlasse ich es in die Freilaufzone der seichten Populärunterhaltung. 

Neulich bin ich beim Zappen (das TikTok der Generation X) ganz hinten im Sendergekröse (TLC, BibelTV, phönix, disneyTV) bei einer Folge von „Alf“ hängen geblieben. Diese Figur brauche ich hier nicht erklären, das Literaturpublikum ist eh schon mit uns in der Midlife Crisis. Als ich den tolldreisten Gebarungen des Außerirdischen zusah (dessen Pelz im Lauf der 102 Folgen btw. immer speckiger wird), kam mir die Erkenntnis, dass die AutorInnen der Serie eine amerikanisch-lebensbejahende Umkehrung von Kafkas Verwandlung geschaffen hatten: Eine langweilig in den Suburbs von LA (das Prag der 1990er Jahre) dahinlebende Familie mit Vater, Mutter, Sohn und Tochter wird durch das Auftreten einer Mensch-Tier-Chimäre aus dem Gleichgewicht gebracht. Erhebliche Energie muss aufgewendet werden, damit von der mysteriösen Heimsuchung nichts nach außen dringt (Kafka: Amt und Vorkriegsgesellschaft; Alf: die Nachbarn Raquel und Trevor Ochmonek). Die amerikanische Sublimation ist lehrreich: Im Gegensatz zum Borkenkäfer Gregor Samsa, der in fast schon neoliberaler Verblendung daran festhält, in sein Bureau zurückkehren zu können, findet Gordon Shumway sein Glück im Home Office, von wo aus er u.a. mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten telefoniert (seine Freude am Telefonieren ist andererseits extrem old school). Alf muss lediglich seine bestialische Natur im Zaum halten, indem er sich von den Sitten seines Heimatplaneten Melmac lossagt und sich der irdischen Leitkultur des Hauskatzennichtfressens anintegriert, mit Kater Lucky also einen prekären kalten Frieden hält und stattdessen Brians Hausaufgabe anzündet.

Das war mein Beitrag zum Kafka-Jahr 2024, in dem wir des 100. Todestages unseres großen Autors gedenken, möge ihm die Erde leicht sein. Bruckner ein ander Mal.

Samstag, Juni 01, 2024

Schreiben mit dem Hirn eines ungepuderten Amateurs. Balzbalken im Auge

Lebenskrimskrams im Mai 2024

1.5. MAUER 

Der Maibaum steht schon, als wir leicht verkatert zum Kirtag trudeln. Er ist sehr klein, man würde ihn bei einem Besteigungsversuch knicken, man könnte ihn alleine stehlen und in einem Kombi heimbringen. Aber hier in Wiens Bio-Speckgürtel wird man von so derben Bräuchen ohnehin Abstand nehmen. „Von denen sind drei im nächsten Jahr nicht mehr dabei“, sagt G. angesichts der hochbetagten Bandltanzpaare. Ein Megaphon kracht. „Achtung, eine wichtige Durchsage! Die Hüpfburg darf ab 12:30 Uhr auch von Erwachsenen benützt werden!“ Sie hat vier Zwiebeltürme, sie sieht aus wie eine kleine, lila Alhambra, eigentlich eine sehr lustige Verdrehung der in diesen breiten stark memorierten Türkenbelagerungen.

Später jausnen wir die Festreste auf und unterhalten uns über den Apex-Killer von Freundschaften: Knausrigkeit. Nichts degradiert jemanden schneller vom Freund zum Bekannten. Alle haben wir Anekdoten zu bieten, die abmontierten Stromschalter und die auf das Cent verrechnete Obst, das erhöhte Kilometergeld wegen schnellen Fahrens im deutschen Premiumprodukt, vorgetäuschte südamerikanische Leberleiden der Mama, von den Alimenten abgezogene Geschenke... Der Mensch ist schiach, wenn er sich nicht bemüht.

Heimfahrt in Birgits sterbendem Auto. „Bitte nicht auf den Fensterheber drücken, sonst geht die Scheibe nie wieder rauf! Auch die Klimaanlage ist kaputt!“

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Im Traum begleiten Coala und ich Mama auf einen Ausflug nach Sachsen. Sie will Fürstenschätze sehen, aber leider vertrödle ich unendlich viel Zeit, weil ich eine Kletterkarte o.Ä. kaufen will.

2.5.

Die Zahl der Chill-Plätze rund ums Haus steigt, und damit auch die Arbeit daran (heute: Schlafzimmerbalkon). 

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Am Strand treffen wir einen Terrier namens Gwendoline, die auf der Saualpe nicht mehr sie selbst war, weil ein Wolf vorbeigeschnürt sein muss. „Der Terrier ist nicht stur. Er sagt: Wenn du mir gibst, was ich will, kriegst du, was du willst!“

***

Ein Tag recht glücklichen Werkens, ohne schlechtes Gewissen wegen des Büroschwänzens, weil es morgen eh schiach wie der Zins wird. Wieder ein Gefecht gegen die Entropie geschlagen, im Keller, am Balkon, im Wohnzimmer, am Dachboden. Emsiges Verteilen von Materie, von außen betrachtet sinnloses Treiben.

3.5.

Ereignisloses Tippen im Büro, wie nebenbei erledigt sich auch noch die Einkommenssteuer, es ist eine komplexe Regulationsmaschine der Prokrastination, die mich irgendwie durchbringt durch meine chores. Nächstes Jahr bin ich dann endgültig bereit, Steuern zu zahlen.

Im Wasserwald. Eine zuvor bewegt wirkende Dame bleibt bei jedem Satz stehen, und sie hat sehr viel zu sagen, über Photovoltaik und Wärmepumpen, ist denn nirgends Asyl vor diesen Themen zu finden?! Es regnet, sie spricht. Ihr Mann und ich drehen uns ungeduldig zu ihr um, wenn er schön gewesen wäre, hätte ich ihn mit nach Hause genommen. Rätselhaftes Individualbrauchtum.

4.5.

Ein sehr schönes Porträt erscheint in der Presse, auf dem ausgewählten Bild monstert Fini einen Hundepassanten an (ich erinnere mich, es war ein auffallend hässlicher Hund), auf dem Foto sieht man, wie ich mich geniere für meinen Flegel. Die einzige Korrektur, sage ich zu Buttinger, beträfe den Satz „lange Zeit war sie Lokaljournalistin.“ „Wieso, zwei Jahre sind eh lang genug.“ True! 


5.5.

Auf dem Jägersteig hinauf zum Seespitz, ich habe mich von Warnschild der Gemeinde ein wenig in Sorge jagen lassen („Auch erfahrene Bergsteiger mussten hier schon mit dem Hubschrauber gerettet werden!“). Irgendwo in der Hälfte kommt mir eine etwa 70-jährige, eh ganz fitte Frau entgegen, sie ist etwas verärgert, weil der Weg gar so schlecht angelegt sei, vor ein paar Minuten habe sie umdrehen müssen, weil kein Steig mehr zu sehen gewesen sei und sie nicht wild durch die Schrofen stapfen wollte. Ich versuche, mir nicht anmerken zu lassen, dass sie Crocs an den Füßen hat, da sagt sie selbst, sie habe sogar die Schuhe ausziehen müssen, dreimal sei sie beim Abstieg ausgerutscht! Ich sage, ich würd's mir vorsichtig anschauen und dann natürlich ihrem Beispiel folgen, wenn es zu ausgesetzt ist. Ich verabschiede mich und steige zum Gipfel, ohne recht gecheckt zu haben, welche Stelle sie so aus dem Konzept gebracht hat, aber ich trage ja auch feig gute Wanderschuhe. 


Oben auf der Dümlerhütte sagt die wirklich sehr freundliche Kellnerin, es mache ihr nichts aus, dass ich nur so peinlich wenig Trinkgeld geben könne, „ich mach's ja gern!“ Kurz überlege ich, ob sie mich verarscht (verdient!), aber sie lächelt. 

6.5.

Der JASMIN BLÜHT!!!! Wahrscheinlich ist er erstmals in seiner phylogenetischen Entwicklung so bald im Jahr dran. 

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Unfreiwillige Feuerwehr

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Man kann eigentlich nicht schlecht gelaunt von der Fähre kommen. Ottensheim gewinnt natürlich jeden Wettbewerb gegen Wilhering, nur unsere Ufer sind besser. 

Gramastetten. Zwei Stunden lang der große Himmel über Lichtenhag.

Später, bei der Lesung, frage ich ins Publikum, mit wem ich hier aller verwandt sei, es melden sich erstaunlich wenige. Im Glückskeks, das man mir sinnigerweise zur Deko auf den Tisch gelegt hat, steht noch sinniger „Verliere dich nicht in Selbstzweifeln. Du machst deine Sache gut.“ Wir sind alle gerührt. Und man kann eigentlich nicht schlecht gelaunt aus einer Bücherei gehen.

7.5.

Stichwort „Geusenname“: So wie beim N-Wort dürfen sich künftig nur noch Leute über die woke cancel culture oder die Generation Schneeflocke lustig machen, die verbrieft nicht deppert bzw. antifeministische Privilegienhorter sind. Sprachpolizisten, Leitkulturgeier, bürgerliche Feuilletonisten dürfen explizit nicht.

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Kurz, nachdem der Leckorter wieder gegangen ist (übrigens ergebnislos), lese ich in der ZEIT von der Arbeit eines Penetrationstechnikers (er bricht auf Wunsch in der Firmen ein).

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Träfe ich einen Mann im Wald, würde ich ihn fragen, wo er hinwill um diese Zeit so ganz allein und ihn dem Schutz meiner starken Fäuste anempfehlen, damit er sich weder vor Bären noch vor lüsternen Frauen ängstigen muss.

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Neue Gaben der Donau: sehr kleine Ballerinas, abgestellt wie von einer verzweifelten Dame, die ins Wasser gegangen ist. Daneben eine sehr große, luxuriöse Luftmatratze. 

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WIEN, Literaturhaus, „Freiheit des Wortes“

Daniel Wisser liest einen sehr guten Text über das furchtbare Wüten eines Gewitters im historischen OÖ, ein Blitz hat in das Gramastettner Wegmacherhäuschen eingeschlagen.

Eine winzige, alte Frau nachher: „Und de Linzerin? Kummt de aa mid?“

8.5.

Intensives Herumräumen, sonst nicht viel. Die anderen scheinen auch alle nicht zu hackeln.

9.5.

Die tolldreisten Spatzen werfen jetzt immer die Futterlade zu Boden. Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt! (Eine neue Variante der gebissenen Fütterhand)

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Im Wasserwald erzählt mir ein Typ, er sei einmal NATO-Soldat gewesen, deshalb könne er so gut Gleitschirm fliegen – um das Preisgeld bei einem bayrischen Wettbewerb habe er seinem Hund künstliche Hüftgelenke gekauft. Ich hätte ihn sonst eher für einen Hackler gehalten, u.a. Weil er ein halbes Jahr in China vollautomatische Lagersysteme installiert und sich das falsche Hallstatt angeschaut hat („das ist super gebaut!“), aber er sei verwandt mit Rosamunde Pilcher und über 17 Ecken mit Ludwig II. - sein Stammhaus liege gegenüber Neuschwanstein. Er bewirtet Fini und mich auch recht großzügig auf der Picknickdecke.


11.5. BAD ISCHL

Es ist früher Vormittag, als wir mit 3,5 Flaschen Prosecco in sechs Birnen aus dem Zug torkeln. Es zeichnet sich früh ab, dass wir die Kulturhauptstadt höchstens mäandernd konsumieren werden. Stattdessen: Zauner, Gmundner Fischkeramikkauf, Spielplatz, Siriuskogel, Eis, Blaumeisensocken und Bier am Esplanade-Würstelstand. I. quatscht im Kurpark LH-Altspatz Pühringer an, vergisst aber, ein Selfie mit ihm zu machen.

All die verwitterten „Sinneswege“ und „Kulturpfade“ dieser Welt

Beim Heimfahren dann sehr große Aufregung, weil wir mit unserem Gruppenticket nur in Pemperlzügen fahren dürfen, dafür zwängen wir uns alle in ein viel zu kleines Abteil und beraten panisch schnatternd, was wir dem ÖBB-Personal zu unserer Verteidigung vorbringen – lügen oder weinen? Enttäuschung in Attnang-Puchheim, weil wir gar nicht kontrolliert werden.

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Überall sind in dieser Nacht Nordlichter zu sehen, nur in Wels nicht. Grieve of missing out


12.5. Gamsplan & Hohe Nock

Es braucht viel Erwachsenen-Power, um im Stau nicht auszuflippen. Oder kann ich das nicht mehr so gut wie früher? Dabei war's ein tadelloser Tag!

Hoffentlich habe ich nach diesem Wochenende genug Sitzfleisch für den Wiedereintritt ins Arbeitsleben.

13.5.

Leider nein. Muss aber ohnehin zum Zahnarzt, da ist der Tag schon durch einen Termin zerrissen und nichts zahlt sich vorher und nachher noch aus (dabei dauert er 27 Minuten, in denen gar nichts gemacht werden muss). Der Doktor und seine Mitarbeiterin lachen über meine Karl-Nehammer-Imitation so herzhaft, dass ich den günstigen Rechnungsbetrag auf einen Entertainment-Rabatt zurückführe. 

Jetzt bin ich in ein Alter gekommen, in dem man mich vor dem Röntgen nicht mehr nach einer möglichen Schwangerschaft fragt.

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Jetzt bin ich in ein Alter gekommen, für das ich eh noch ganz gut beinander bin.

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Die Grauammer („Tier des Monats“ im oö. Kulturbericht) ist auch deswegen fast ausgestorben, weil ich sie bisher ignoriert habe, so wie Flugzeuge abstürzen, wenn man sie nicht mit Gedankenkraft in der Luft hält.

14.5.

Die zweite Auflage ist da! (Damit ich hier nicht immer nur über Hundescheiße und vertändelte Tage schreibe). Als Bodo Hell anruft, tusche ich gleich ein wenig damit an. Ihn frage der Verlag bei jeder Neuauflage, ob er nicht etwas dazuschreiben könne, es müsse nichts Weltbewegendes sein, nur damit der nächste Bogen vollwerde. Er könne ohne Weiteres morgen Julia Josts Fragen beantworten und umgekehrt, er kenne sie zwar noch nicht, aber das mache nichts. Ganz kurz überlege ich wirklich, ob das nicht ein sehr guter Spaß sei.

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Am Strand bei Fall lässt sich der Klimawandel wohl aussitzen, auch wenn es nachher in allen Ritzen knirscht. 

Sich selbst beobachten wie in einer ORF3-Doku („Die Sommer sind kurz für DM“, „nur einmal am Tag hat DM genug Kraft zum Schreiben“).

15.5.

Man soll sich – sofern man sein Leben so weit im Griff hat – im Leben nur noch mit Leuten wie Bodo und Julia umgeben. Seine love language sind edle Mitbringsel, heute bekommen wir Meisterwurz-Ansatz von seiner Grafenbergalm, und Bodo entschuldigt sich noch bei allen, die keinen bekommen haben. In einem noch besseren Leben als dem derzeitigen gehe ich mit den beiden wandern. 


Julia nimmt gern mein zweites Exemplar von Bodos „Begabte Bäume“, damit sie die 2. und 3. Auflage auf die Mini-Änderungen absuchen kann wie in einem Doppelsuchbild. Von den 37 vorbereiteten Anmerkungen und Fragen brauche fast nichts, weil die beiden Notizen machen, während der jeweils andere liest und einander dann über spezielle Kuhrassen und anderes ausfragen. Eine ideale Arbeitssituation. Zu fleiß sprechen wir nicht über die Queerness im Karawankenzahn (Radisch hatte darauf mindestens fünfmal hinweisen müssen). Die Hauptfigur will halt einfach kein Mädchen sein, das ist doch nicht schwer zu verstehen. 

Hasi erzählt von einer neuen Vogel-Erstsichtung. Den Namen habe ich vergessen, aber der Vogel flicht jedes Jahr ein Nest in die Weiden des Hàncsag-Sumpfes, das aussieht wie ein wolliges Einkaufsnetz. Die burgenländischen Bauern hätten es früher entzweigeschnitten und als Schlapfen verwendet. Ich glaube, er schwindelt mich dauernd an, und ich weiß das sehr zu schätzen. Wie auch der Bericht, dass die Schnabelöffnung der Kuckuckskinder jener der bevorzugten Wirtskinder ähnle (des Weidenrohrsängers?), die das falsche Küken soeben aus dem Nest geworfen hat. Ganz weg ist Hasi wegen des Timings beim Ei-Unterjubeln, da die Vogelmütter ihre Brut maximal 30 Sekunden im Stich lassen, um sich vor Angreifern zu schützen. Mit ihrer gesperberten Brust täuscht die Kuckucksmutter vor, ein Greifvogel zu sein, und sie scheißt dann das Ei regelrecht ins fremde Gelege. Es sei schon schwer, die Annahme eines intelligent designs abzutun.

Bodo wird uns alle überleben, und daran ist nichts Falsches. (Ich tippe das im November und bin sehr, sehr enttäuscht von meiner Prophezeiungsgabe – immerhin literarisch stimmt's aber).

16.5.

A. ruft an, um mir etwas über die Vorgeschichte meiner Moderation beim Literaturfest zu erzählen. Der ging ein Shitstorm voraus, den ich hier in meinem Provinznest gar nicht mitbekommen habe. Eine Autorin cancelt ihren Verlag, weil der sich nach dem 7. Oktober nicht mit den Palästinensern habe solidarisieren wollen, nur mit den Opfern des Massakers. Nach einigem Für und Wider ziehen die Veranstalter die Anfrage zurück (in einem mit höflichem Bedauern formulierten Schreiben). Die Autorin antwortet nicht direkt, sondern maximal eskalierend und imho extrem selbstgerecht auf Insta. Sofort hat sie 5000 Follower mehr und die Veranstalter den Scherben auf, inkl. „Kindsmörder“ und dem Vorwurf der „Genozidleugnung“.

***

Nie, nie im Leben würde ich mich über Texte in der Kupfermuck'n lustig machen, aber das ist doch schön, oder? Das ist gleichzeitig eine dringliche Forderung an euch, immer die Kupfermuck'n zu kaufen. 

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Ein Mann postet ein Bild im FB, auf dem ein halbes Dutzend kleiner Mädchen mit tellergroßen Glücksaugen Kirschen isst – es ist furchtbar unheimlich, sie sehen alle gleich aus, keine Sekunde glaubt man, dass das Bild echt sei. Ein seelenloser Algorithmus hat das Kindchenschema überreizt – ein superspooky Pfad mitten ins Uncanny Valley. Etliche weisen den Mann darauf hin, zugegeben recht herzlos. Er schreibt, er habe nur einen Moment reinen Glücks teilen wollen. Der vermeintliche Kirschensaft auf Mündern und Händen der „Kinder“ sieht aus wie das Blut der KI-Kritiker. Wieso ängstigt das die einen und beglückt's die anderen? Um den Unterschied möchte man doch Klavierspielen können! Das Uncanny Valley ist auch der Spalt zwischen den Menschen (nein: Es mäandert, der Spalt ist in Wahrheit ein verästeltes Canyon-System; KI ist die Erosionskraft).

17.5.

Zaimoglu pudelt sich in der ZEIT ziemlich zurecht über das zeitgenössische Theater auf (es stimmt, man denkt bei den im Fernsehen gezeigten Schnipseln allerweil „ohje, eine Regie-Idee!“), dabei nagelt er dem Bildungsbürgertum eine These an die Haustür, die in österreichischen Hirnen sehr lustige Bilder erzeugt: „Man sollte mit dem Gesicht eines ungepuderten Amateurs spielen.“

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Gestern eingeschlafen, während auf ZDF-History eine Doku über Tschernobyl lief (war Hitler krank? Sonst läuft hier immer die absurdeste Auswalzung sämtlicher Aspekte der „dunklen Jahre“!), eingesprochen von Dana Scullys deutscher Synchronstimme. Bin schon gespannt, was mein schutzlos ausgeliefertes Unterbewusstsein da für mich vorbereitet. Ich muss mit dem Hirn einer ungepuderten Amateurin träumen.

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Wieso haben alle so große Angst, von der KI ersetzt zu werden? Die legt sich ja nicht auf meine Couch und trinkt mir das Bier weg (reale Gefahren im echten Zusammenleben), sie isst nicht meine Erdnüsse und schläft nicht mit dem Buttinger. Die KI weiß nicht, wie man einen Hund korrekt streichelt. Sie kennt meine Geheimwege im Toten Gebirge nicht, und sie schnüffelt mir nicht den Jasmin weg. Bei allem anderen kann sie mich gerne ersetzen, bei grundsätzlich jedem Telefonat, beim Emailschreiben, bei Meetings, Contentherschenken, beim Reifenwechseln und Verwandtenbesuchen, beim Zahnarzt (wobei – nein, das würde mich kränken, wenn der über die KI-Witze mehr lacht als über meine). Meinetwegen auch beim Schreiben. Ich wäre mit dem verbleibenden Amt als Lektorin meiner selbst zufrieden. 

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Max Goldt im Posthof – wieso füllt der jetzt nicht einmal noch den mittleren Posthofsaal?! Die Welt verschlechtert sich. Goldt lässt sich nichts anmerken und liest sehr schön und lieb. Beim Dramolett gegen die Notare gehen D. und ich viel zu gut mit. Er fordert auf, all seine Hörspiel-CDs zu kaufen, die gebe es nicht mehr lang, denn „die Jugend hat gar keinen Schlitz mehr“, wie ihm die Produzenten sagten. Am Signiertisch sage ich ihm, dass ich „Gattin aus Holzabfällen“ am meisten möge, freut er sich, „das ist auch mein liebstes.“

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D. arbeitet gerade daran, alle Menschen in ganz Linz-Land für tot erklären zu können. Hoffentlich geht sie verantwortungsvoll mit dieser Befugnis um! Man stelle sie vor, sie wird aufgrund eines Schicksalsschlags zur Bösewichtin und tätigt den Sprechakt „Ihr seid alle tot! Toooot!!!!“

18.5. 

Beim wie immer extrem schönen Volxfest im Schl8hof kniet sich eine sehr gut riechende Dame zur nicht sehr gut riechenden Fini nieder und schmust so selig mit ihr, dass der Hundehals am nächsten Tag noch immer ein wenig nach dem Damenparfüm duftet. 

Ein Abend, an dem man Wels wieder recht lieb gewinnen muss - auch wenn Freibier und Watschen ein typisch ambivalentes Dienstleistungsangebot sind.

19.5.

Ereignisarmut ist Behaglichkeitsreichtum. Beim nachgeholten Walpurgisfeuer verbrennen wir Glumpert aus dem Keller. Ein extrem anschauliches Wettergeschehen, die Sonne geht dramatisch unter wie ein gepuderter Profischauspieler.

20.5.

Erdarbeiten – anstrengend und vielleicht völlig sinnlos, aber die Macht der Genetik ist stark in mir und fordert Ausübung.

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Begeistertes Staunen über die herrliche Vielfalt an collective nouns im Englischen. Wo bei uns die Tiere nur in Schwarm, Herde oder Rudel zusammenleben dürfen, bekommt hier jede Spezies ihren eigenen Gruppennamen a school of whales, a murder of crows, a business of ferrets, a flamboyance of flamingos!

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Ein ängstlicher Wasserhund namens „Cordula“ traut sich nicht in die Donau.

21.5.

Bestimmt habe ich an anderer Stelle schon geschrieben, dass Yogalehrerinnen jetzt immer öfter in Form von Hundetrainerinnen auftreten und in ihrer erlöst-mitteilsamen Art den Inhaberinnen von Bürokörpern bzw. Durchschnittskötern freundlich vermitteln, dass sie alles falsch machen.

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In der Kletterhalle rede ich mir seit Jahren vernünftigerweise ein, dass ich das alles nur so irgendwie mache, nicht aus verbissenem Selbstoptimierungsdrang. Dann aber beiße ich in einer 6b+ so, dass die Unterarme schmerzend zu ersticken glauben, und bei den Hanteln möchte ich schon bald 10 Kilo pro Arm schaffen.

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Maschek schicken die SPÖ als liebe Narkoleptiker in den Wahlkampf. „I bin da Schieder, der aufm Büdl.“ „Wöcha von de zwaa?“

22.5.

Beim FRO-Gespräch preise ich meine Gewaltfantasien an, um unseren Lesebühnenauftritt beim Festival des politischen Liedes zu bewerben, „kommt alle zum literarischen Watschentanz!“

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Was für ein anstrengendes Leben Esoteriker führen – immer wird hinter ihrem Rücken gegen sie gearbeitet, von dunklen Mächten furchtbar ungeborgen.

Ist es Karma, dass ich dann am Abend im Thalia in der Esoterik-Abteilung lese, unter Titeln wie „Heilung, Aura, Wohlgeruch“?

 

23.5.

Aus der sfd-Ausschreibung zum Thema „groteske“: „zur not tut es auch die abschrift einer beliebigen nachrichtensendung“

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"Talk im Stift". Während wir talken, besiedelt eine nicht-autochthone Mönchsart besiedelt das Stift.

Ilia Staple schlägt vor, zur Abwechslung mal über Astrophysik zu sprechen.

Fini weint am Ende der bis dahin von ihr geduldig ertragenen Veranstaltung so jämmerlich, dass ich glaube, jemand habe ein Baby mitgebracht.

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Mit 100 Insekten unter einem Netz, 1000 warten draußen darauf, meine Nähe zu besiedeln.


24.5.

Leichter Schwindel, als ich zu lange in den hohen Innbach starre. Junischnee

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A. ruft an, um mich zu warnen, bei der Eröffnung des Literaturfests habe es eine Pro-Palästina-Störaktion gegeben. Im Publikum wurden Zetteln verteilt, darauf ein Bild der ausgeladenen Autorin und der Titel „Vermisst“, wie er sonst unter den Porträts der entführten israelischen Geiseln steht. Wie geschmacklos kann man sein, bis man es selbst merkt? Wie kommt man darauf, durch solche empathielose Gesten den Menschen in Gaza irgendwie zu helfen?! 

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Im Lesebühnentagebuch will Elias Hirschl mein Hirn in Streifen schneiden, „ich sehe da keine ethischen Komplikationen!“

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Am Nachmittag finde ich eine Postkarte von Bodo Hell im Postkasten - mehr dazu später...

25.5. SALZBURG

Am Bahnhof dystopisch viele Poltergruppen. Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass in Wels und Linz nur Horden aus dem Umland einfallen. Hier legen sie es aggressiver an, weil sie höhere Ansprüche entwickeln, sie sind forsch angetrunken und tragen viel Tracht.

Eine ziemlich overdresste Rennradgruppe muss durch den Stadtpark schneiden, ihr Guide sagt „Shall I sing a song of the Sound of Music?“ Einer sehr schnell: „No.“ 

Eine Frau steckt in einem riesigen Gorillagesicht, die Augen sind so groß wie ihre Brüste direkt darunter, man kann nicht wegschauen.

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A. erzählt, dass vor einigen Jahren nach einer Diskussion mit Nüchtern und Menasse eine Frau die Hand gehoben habe, um dann als ersten Redebeitrag zu sagen: „Ich habe nichts verstanden!“

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So schön, der Auftritt von „Ein Gespenst“! „Die U-Bahn ist voll und ich bin leer!“ „Enteignet mich!“ „Die Jugend ist nicht faul genug, Leistung darf sich nicht mehr lohnen!“ Hirschl & Chris versuchen, das sehr zurückhaltende Publikum mit dem Hinweis zum Tanzen zu bringen (und sei es nur aus Höflichkeit), dass es in Wels einen Moshpit gegeben habe, „im Sitzen!“ Alle Salzburger bleiben sitzen bzw. gar liegen. Später fragen mich zwei freundliche Damen, ob ich wisse, was das sei, eine habe „Mostpit“ verstanden, weil sie gedanklich in Oberösterreich war. Danach hebt ein recht enthemmtes Seiterl-Trinken an. Ich will so ein Festival in Linz!!!!!

26.5. SBG

Bald auf, trotz leichten Katers, aber er ist unter so schönen Bedingungen entstanden, dass der Körper damit zurecht kommt.

Die Tür des Diözesan-Gästehauses geht auf, extremer Weihrauchgeruch dringt auf die Straße. Hier wird nicht gespart.

Es ist ungewohnt, in einer Stadt zu sein, die weltweit so geliebt wird. Es gibt sehr viele Bettler, hoffentlich zahlt es sich für sie aus hier. Auf der Schlösserbrücke posiert eine Frau im glitzernden Prachtkleid, sie freut sich, dass auch ich sie gerne fotografieren möchte. Das wogende Pelzmeer der drei riesigen Leonberger in der Getreidegasse, es ist verteufelt schwer, nicht hineinzugreifen. N. erzählt später, sie grüße beim Spazierengehen alle mit Hunden, in der Hoffnung, diese streicheln zu dürfen. 

In der Nähe des Bahnhofs erholen sich die an Wels und Linz gewohnten Augen, hier ist es ein wenig grindig.

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Große Freude, dass ich noch geblieben bin, die Lyrik-Matinee ist wunderschön, und ich verfalle sofort Barbara Hundegger: „Sich auf der Flucht so aufführen, dass der Vater sagt, mit euch flüchte ich nie mehr!“ „Der Sekundenschmerz beim Wort Österreich, und trotzdem sich manchmal fürchterlich heimisch fühlen in Wien“. In einem Raum den einzigen anderen finden. 

Schindel über seinen Plan: „Ich fange an, setze fort, und wenn ich fertig bin, höre ich auf.“ „Wir bebücheln den Vorschlaf.“ „Der Ärger über Flaubert“ „Bevor ich einschlafe, besänftige ich die Hoden“ „Die Hunde, die aus meinem Traum wie aus einem Reifen herausgesprungen sind, beginnen ihr Tagwerk“ „Der Loser, der Portier des Toten Gebirges“, scheißende Füchse, „das Knistern des Daseins“, „von oben bis unten Gezwitscher“.

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Beim gemeinsamen Essen am Schluss fragt Hirschl, warum eigentlich immer nur diese „neoliberalen Dudes“ ewig leben wollen, bei denen alles „Midlife Crisis“ schreit, aber nie solche Leute wie diese coole Frau, von er er neulich gehört habe, die sich für Death Positivity einsetzt. Wie wahr; wir alle müssen uns permanent zusammenreißen, angesichts des Todes nicht auszuflippen – diese lebensverlängernden Maßnahmen der Tech-Trottel sind die nervigste Strategie.

Paul Campbell hat Wiener Friseure interviewt, „auch für Hunde!“, darunter jenen von Sebastian Kurz. Der sei sehr schlecht (man sieht's!), aber Richard Lugners bester Freund, weswegen alle seine Opernball-Gäst*innen verpflichtet seien, sich vor dem Auftritt von ihm frisieren zu lassen. Paul fragte ihn Sachen wie ob Kurz Wirbel habe, „kaan aanzign!“ Und wie seine Spitzen aussehen? „Der hod so scheene Hoa!“ Der Name des Friseurs ist Josef Winkler, er schrieb lange eine Kolumne in der Publikation der Friseursinnung. Eines Tages habe er eine Einladung zum literarischen Quartett bekommen und sich wegen seines Egos nicht darüber gewundert. Erst in Düsseldorf sei die Verwechslung aufgekommen, der Friseur Winkler war entsprechend enttäuscht.

27.5.

Unabsichtlich das Hinterstoderer Karakorum entdeckt, das „West-Couloir“ des Sneslitz. Wäre ich in meinen wilden Jahren ganz hinaufgestiegen, ohne Hund? Und wer hat die vorgeschriebene Gehrichtung für den Dolomitensteig festgelegt? Gegen den Uhrzeiger komme ich mir vor wie ein Bön auf dem buddhistischen Pilgerweg um dem Kailasch.

28.5.

Besprechung der „Church of Ignorance“, Walter Stadler: „I find, es vatrogt auf jedn Foi zwaa Beichtstühle.“ Angeblich gibt es mindestens fünf solcher Projekte.

Idee für ein Festival: „Themenverfehlung“

Die Einreichung, in der kollektiv Kaugummi gekaut werden soll, polarisiert massiv, ich erkläre, dass ich daran auf keinen Fall teilnehmen könne, Raphi Edelbauer ist ganz erleichtert, dass sie mit ihrer sozialen Misophonie nicht allein ist.

29.5.

Die literarische Audienz im Kultur Hof kündige ich als „poetischer Parteienverkehr“ an.  


30.5.

„Man hört immer wieder von einmaligen Gelegenheiten: Das ist eine davon.“ Das schreibt das tasmanische Museum, das WuTangs geheime CD abspielt. Nicht einmal die Einmaligkeit ist noch das, was sie einmal war!

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Ein Eisvogel!

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Zu Besuch bei Sabine in der WG Aussicht.

M.: Wie lange bist du schon Vegetarierin?

Ich: So lange du atmest?

Er: „Seit 1998?“

Ich: „Scheiße. Ja.“

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Wieder sehr befriedigende Erdarbeiten, aber dafür keinen einzigen Buchstaben für die Lesebühne geschrieben. Egal, ist eh erst morgen.

31.5.

Das Internet findet die collective nouns auch so großartig und appliziert sie auf das nicht-tierische Sozialleben:

A murder of crows – a midlife crisis of motorcyclists – a procrastination of Meindls

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Lebe jeden Tag, als wärst du das Letzte.

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10:39 Uhr: Der erste Text ist fertig und viel zu lang. Schreibzeit: 51'

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Spätestens ab heute würde ich ohne linkes Auge eine Lesebrille brauchen.

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11:53 Uhr: Text 2

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D. hat mein Buch gekauft, „wieder einmal!“ In der Bahnhofsbuchhandlung drängt sich ein Typ vor, und gerade als sie denkt, dass sie heute wieder einmal dekorativ herumstehe, sieht er meinen Roman und sagt, „des Buach is supa!“ Sie lächelt und sagt nichts, da er sehr intensiv stinkt.

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 Foto: Brudi Andreas Topf

Lesebühne„Die Kunst ist noch nicht tot genug“: Walter steckt die alte Heimorgel, die ich schon wegschmeißen wollte, an die Anlage. Sofort klingt's nach Disko. Am Ende werde ich sie Hirschl schenken, um einen maßgeblichen Künstler maßgeblich zu fördern. Und ich fühle wieder diese Befreiung des Sachenherschenkens!

Wie schön, dass Walter Kohl gekommen ist und sich ausgerechnet in die erste Reihe setzt, wir beide hassen Mitmachtheater, sodass meine Performance so richtig unangenehm ist. Ich sehe dabei aus wie ein Auerhahn bei der Balz (inkl. Balzbalken über dem Auge).

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Eigentlich immer: darauf warten, dass etwas aufhört oder sich davor fürchten.