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Dienstag, März 31, 2026

Despotenkot und Frühlingslob. Marianengräben des Alltags: Alles so ambivalent hier

Lebenskrimskrams im März 2026

 

1.3.

Nie versiegende Freude über Terminlosigkeit. (Termine – Termiten im Holz des Lebensbaums).

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Das Stifterhaus zeigt auf Instagram einen Fund im Literaturarchiv: Handke hat Hans Eichhorn einen getrockneten Steinpilz geschickt, „in dem sich bei der Aufarbeitung des Nachlasses noch ein Wurm befand“, der im Archiv „Benutzer:innen, per Anmeldung, während der Öffnungszeiten zur Verfügung“ stehe.

2.3.

Der Tag rauscht vorbei wie ein Schwarm Spatzen. Immer mehr Amseln im Garten, das wird vielleicht ein gutes Vogeljahr.

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Im Hemd mit dem Hund raus, Frisbee in den Sonnenuntergang geschmissen, der heute sogar den Zentralraum hübsch aussehen lässt.

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„Andrea lässt sich scheiden“: Der Mehrwert der Melancholie erschließt sich mir nicht, dabei wäre ich wild entschlossen gewesen, den Film gut zu finden. 

3.3.

Traum von einem Kulturausflug, an dessen Ende sehr viel aufzuräumen ist. Der LH kommt und hebt mich zum Abschied in die Höhe. Hilfe! Ich darf auf keinen Fall noch tiefer in dieses Kulturland-OÖ-Gewebe eingeflochten werden.

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Die Zahl der Sitzungen in meinem Leben nimmt ein unangenehmes Ausmaß an (eigentlich wird’s mir ab der ersten pro Monat unangenehm). „Was machen die armen Leute, die keine eigene Sitzung haben?“, sage ich zum Buttinger, mit dem ich am Morgen eine Stunde früher raus muss wegen einer Sitzung.

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maschek: Auf einmal taucht am Ende der Sendung Herbert Haupt auf und redet den tollsten Scheiß über Tiere, zu den Schafen sagt er etwa, „so jetzt werdet's beschlagen, ihr Afferl!“

4.3.

Traum von einer Gerichtsverhandlung als Ausflugsziel. Es wird in allen Reihen warm gejausnet, während die eher unseriös wirkende Richterin entgleisende Gardinenpredigten hält. 

5.3. Hahnbaum

Beim Gehen dauerndes Schwanken zwischen Unlust (schwere Beine) und Glück, weil es so schön ist schon im März. Ich muss mir Mühe geben, nicht bei jedem Schritt Schneerosen zu zertreten. Zu Mittag ruhen Fini und ich auf einem Bett aus Erika. Saharastaub am Nachmittag, milder Sonnenbrand. 

6.3.

Im Irrglauben, dass sich die fehlenden Lesebühnentexte bis zum Abend nicht mehr ausgehen werden, lege ich eine extra Trödelsession ein, um den Panikmodus zu aktivieren, auf dass ich dann binnen einer Stunde die Texte aus mir herauspresse. Ein Manifest des „Wird schon reichen, ist ja eigentlich nicht bezahlt.“ Es ist völlig egal, ob ich 300 oder 3 Tage Zeit habe (bei drei Stunden wird’s knapp, aber gegen Geld würde ich's versuchen).

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Es ist schon fast wieder zu heiß. Leichte Freitags- und Frühlingsmanie.

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Michi K. lädt mich zwecks Frauentagsansprache ins FRO-Studio, wo ich 20' lang Sachen sage wie: Eine Frau müsse auch nach einem anstrengenden Tag im Büro sich trotzdem die Zeit nehmen, um dem Mann zuzuhören, wenn er von seiner Hausarbeit und den Kindern berichtet. Anteil nehmen, nachfragen. Hat nicht eines unserer Kinder irgendwann Geburtstag, was, übermorgen? Ich rede daher wie eine regionale Billigkopie von Olaf Schubert.

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Die Herren haben sich vom „Omi“-Thema zu Beiträgen über das Altern und Pensionsversicherungsproblematiken inspirieren lassen, ich zum Omatriarchat. Tamara Stocker entzückt das Publikum wenig überraschend, auch wenn es (und wir) im Gegensatz zu ihr dem Wechsel näher sind als dem von ihr beklagten Danaergeschenk der Fruchtbarkeit.

Wir gehen heim mit Monets üblem Ohrwurm „Iss dein Brei!" Mehr zur "Omatriarchat"-Lesebühne ("Auf ins Goldene Omatriarchat") gleich nebenan bzw. hier die Nachlese im OLW-Blog. 

7.3.

Elaine (59): „I seriously have to go back to my childhood. I have no clue how all this works!“

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Soziales Versagen am gesamten Wochenende.

8.3.

In der Hoffnung, dass dem Feminismus auch mit solidarischer Faulheit gedient ist, trinke ich Bier im Wintergarten, während der Buttinger in der Küche werkt. Er hat am Nachmittag zwei Stunden lang irgendwas im Garten geschnitten, ich sehe zwar Wolken von Grünschnitt, jedoch keine Ergebnisse, natürlich lobe ich ihn trotzdem, denn so ist es nicht nur im Garten, sondern im Leben.

9.3.

Heute soll ich mich für einen neuen Romantitel entscheiden, weil weder „Die Raumforderung“ noch „Der Mensch gehört nicht in die Wildnis“ beim Verlag reüssiert haben. Leider zu recht. Derzeit zumindest bei mir ganz vorne im Rennen: „Mehr Himmel, als gut für uns ist“.

Update: beim Verlag auch!

Finale: Franz W. gibt mir seinen Segen. Er habe selbst gerade beim Wisser den EWHO-Songtitel „I am the Wallraff“ erbeten, wenn der jetzt wiederum etwas von mir fladere, sei die kulturelle Kreislaufwirtschaft in Gang gebracht (meinerseits ist es eine lineare Kreiskywirtschaft).

Abends dann, zur Belohnung und Behaglichkeitsherstellung langes Kramen und Bilderaufhängen.

10.3.

Internationaler Wahnsinn, in der tatsächlichen Gegenwart allgemeines Ringen um unerschütterte Zivilität. Immerhin blüht die Forsythie. Jedes Jahr ein leichtes Versagensgefühl, weil ich keine Schneeglöckchen habe, alle anderen schon. Im Mai dasselbe dann in Grün (Margeriten).

Mit dem Hund in die Au und zur KUPF, wo mir mitgeteilt wird, dass ich nur wegen Fini in den Vorstand gewählt worden bin. Völlig akzeptabel und nachvollziehbar für mich. 

11.3.

Ein kleiner Flash auf dem Weg durch Linz, vor exakt 20 Jahren ging das los. Da kommen mir L. und T. entgegen, in fast französischer Urlaubsaufgekratztheit, weil sie gerade so gute Croissants gegessen haben. Im Grunde ist alles besser geworden in diesen Jahren (im Privaten fix). 

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experiment literatur. Einzinger wie immer einzigartig. Wieder ist er ganz beglückt über seinen Schaffensdrang, die Zweifelscheißer Peter Clar und ich bewundern ihn dafür aufrichtig. „Seid's ihr zwei zu faul zum Romanschreiben, oder was?“, frage ich nach dem Wert der Lyrik. Einzinger gibt zu, selbst fast keine Lyrik zu lesen, wofür er sich sehr schämt. Jemand habe ihm einmal gesagt, dass er „Von Dschallalabad nach Bad Schallerbach“ fünfmal gelesen habe, das habe ihn fast befremdet. 

Später schicke ich die Fotos des Abends, Peter Clar richtet mir aus, dass seine Frau gemeint habe, er sehe darauf aus wie ein gediegener älterer Herr. „Wir sind gediegene ältere Herren!“ schreibe ich ihm in freudiger Überzeugung. 

12.3.

orf.at: „Eiermarkt angespannt“

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Potyka schickt ein Mail mit dem Betreff „Cover“, mein Herzschlag wird spürbar. Ich öffne es, sehe den Betreff und schon geht wieder alles seinen Gang, denn der Entwurf ist schön geworden.

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Beim Aufhängen dreier Sonderangebots-Nistkästen (viel zu spät) geht ganz dramatisch die Sonne unter. Dann während einer dramatischen Fukushima-Jahrestags-Doku gemütliches Möbelumstellen, immer diese seltsame Gleichzeitigkeit des Verschiedenen. 

13.3.

Sengsen. Vertrödelt und verkalkuliert, zu spät weg, noch zu viel Schnee, zu faul zum Stapfen. Immerhin am Aussichtsplatz auf dem Weg zum Anderle-Biwak gejausnet und gerastet. Grantig abgestiegen und aus einer Laune heraus einem neuen schmalen Weg gefolgt, der sich als beglückend erweist.

Es ist schon wieder zu warm. In zwei Monaten kann man hier wohl schon wieder nicht mehr gehen, ohne drei Liter Wasser zu schleppen.

Fini rennt einer angespeistes Gams nach, die noch nicht weiß, dass sie nur die Laufrichtung ändern müsste.

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Im Zug nach der GAV-Lesung ("Zur Lage", unser Versuch, die Welt doch irgendwie zu retten, würden nur die Trottel kommen und zuhören.) Ein paar Reihen weiter nennen Burschen einander Schwuchtel und Hurensohn, sie sind sehr enttäuscht, dass es heute zu keiner Schlägerei gekommen sei (weil so wenig Hartberg-Fans im Stadion gewesen seien). „Owa beim Voiksfest wird scho gschlägat, fix!“ 

14.3.

„Ein sicheres Haus“ - ich möchte das nicht lesen, das ist was für Männer, die noch keine Ahnung haben, wie gschissn Ihresgleichen oder gar sie selbst sein können. Man müsste den Toxischen unter ihnen die Beziehungslizenz entziehen, wie Hundehaltern nach einem Beißvorfall. Unwillkürlich summe ich „Gut, dass du kein Callgirl bist!“

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In der Kletterhalle hängen sich die Burschen für die Klimmzüge 30-Kilo-Scheiben zwischen die Beine, sie nennen einander in jedem Satz Digga. Auch die Schwabo-Buben reden diesen seltsamen Influencer-Sozio-Ethnolekt, einer kann ihn noch nicht gut, er ist wohl aus dem höheren Mühlviertel.

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Die ganze KI ist ein einziger, riesiger Scam. „Hallo, ich bin wie ein Mensch, gib' mir was, aber leider können wir uns nicht treffen, trotzdem liebe ich dich und ich weiß genau, was du brauchst, rede weiter!“

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Irre, das „Quiet Quality“ auch schon wieder 20 Jahre alt ist, da war die Prokrastination noch die neue Sau im Diskursdorf.

15.3.

Wels, Waschaecht-Generalversammlung: Die einzigen CEOs, die ankündigen, sich kurz zu halten und sich dann KURZ HALTEN!!!1!! Und man soll während der kurzen Berichte schon tüchtig jausnen. Ohne Genierer packe ich später die Reste in extra mitgebrachte Tupperdosen.

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Coala und ich tauschen die Früchte unseres Ausmistens bzw. unterschlagener Tombolaspenden, es herrscht steter Glumpertfluss zwischen uns Meindlfrauen. Bald sind wir vier Frauen und reden über Sex und Mord (in Literatur und Beruf). Alles andere ist Mumpitz. 

 

16.3.

Coala erzählt, dass der Bürohund Pommi eine Therapie bekommen habe, um zur Ruhe zu kommen. Die Halter sollen mit Düften und Klängen arbeiten – und zwar immer dieselben. Schon jetzt hassen sie den Nussknacker, der sie nun bis ans Lebensende des Hündchens begleiten wird.

17.3. Linz – Graz

An einem Frühlingsmorgen mit Muße und Hund Freundlichkeiten ernten. Dann mit dem InterRegio direkt, aber extrem langsam von Österreichs Stadt Nr. 3 in Stadt Nr. 2 tschuggeln. Wie bei der Wasserscheide am Pyhrnpass sind die Züge nur zwischen Linz und Neuhofen gefüllt, sodann herrscht Stille und Leere, ab Leoben steigen dann wieder die Massen zu. Dazwischen verkehrt diese Linie nur aus Gefälligkeit für sieben Reisende.

Zwei Lehrerinnen legen saure Zuckerpfirsiche auf den Tisch, übermächtig ist mein Impuls, einfach zuzugreifen. Sie reden über Kinder, die jede Aufgabe verweigern, etwa kein Wort in das Schularbeitenheft schreiben. Deren Zahl scheint überraschend hoch.

Auf dem Weg ins Hotel höchste Bereitschaft, alles mit einem absurd exotischen Blick zu sehen. Ah, die südlichen Fensterläden! Alle Frauen halten Märzenbecher in der Hand!

Im Fitnessraum des Hotels komme ich mir vor wie ein Mensch, der sein Leben fest im Griff hat.

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Während der Literarischen Soiree dreht sich mein Imposter-Syndrom in sein wahres Gegenteil, ich BIN eine Hochstaplerin, und ich muss mich jetzt wirklich bemühen, zwischen den zwei Bachmann-Vorsitzenden endlich irgendwas zu sagen. Ich starte mit etwas Landschaftlich-Derbem und sage, das bitte wieder rausschneiden, sonst könne man's nicht auf Ö1 senden. Wir sind uns aber bei den Büchern überraschend einig, besonders beim Enthusiasmus für Gardi. Nur beim „Sicheren Haus“ gehen Männer und Frauen ein wenig auseinander, für uns Letztere ist das keine Bedienungsanleitung, die nicht in falsche Hände soll.

Kastberger versucht als gebürtiger Gmundner, mir die Nebel-Credibility abzugraben, aber da kenne ich nichts. Linz – Mekka der Vampire. 

Beim Essen allerhand lustiger Gossip aus dem Betrieb, den ich mir nicht zu verraten traue. (Andererseits, wer liest mein Zeug hier?!) Nur so viel: Insa Wilcke ist ausnehmend freundlich und beschämt uns ein wenig mit ihrer sehr korrekten Compliance beim Rezensieren etc. „Wie macht ihr das?“ „Wir lügen viel.“ Wir wetteifern ihr gegenüber im Vernadern Österreichs und hoffen, dass sie sich das Land trotzdem nicht madig machen lässt.

Und diese Indiskretion geht auch: Kastberger hat eine sehr gute Pilar-Geschichte. Er habe mit detektivischem Eifer beobachtet, wer wann mit wem in Jurys sitze, um ihnen dann gezielt und vereinzelt aufzulauern und sie für ihr Missachtungswerk an seiner Person zu beschimpfen, warum er schon wieder diesen Preis und dieses Stipendium nicht bekommen habe.

18.3. Graz

Beim Frühstück fragt Wilcke, ob bei uns auch die Stimmung so schlecht sei, das Gefühl so stark, dass alles den Bach runter gehe? Andreas Jungwirth: „Ja, aber mit dem Unterschied, dass es bei euch in Deutschland ja stimmt.“ Wir einigen uns bei der Frage, wie man das alles gerade aushalte, auf das Vertrauen ins Funktionieren des Alltags. 

Beim Heimfahren im Zug gutes Plaudern mit Jungwirth, weil er auch ein guter Typ ist. Ein paar Tage später schickt er mir „Alle meine Namen“, das mir sehr gefällt.

Weiter durch die Infrastrukturbrache. In Roßleithen steigt eine Mutter mit ihrem etwa zehnjährigen Sohn ein. „Woat, Mama, i red glei mid dir.“ Sie scheinen oft miteinander unterwegs zu sein, sie sind auffallend freundlich und verbunden miteinander.

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Starker Vogelsang in Wilhering. Fini darf zum ersten Mal in die Donau, sie ist ganz klar. Emsiges Herumräumen im Haus, zwecks innerer Ordnung.

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Primo Levis Beschreibung seines Freundes Sandro, einen leidenschaftlichen Bergsteiger, den am Ende die Faschisten erschießen – groß.

19.3.

Thomas Anders heißt jetzt anders.

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Das Haus so herrichten, dass man beim Heimkehren reinschlüpft wie in ordentlich hingestellte Schlapfen. (Eine Neurose, die sich mit dem Alter vertieft.)

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Am Donaustrand ein Sonnenuntergang wie ein die Jahre gekommener Ehemann, der sich extrem bemüht um seine Frau, die sich für ein Abenteuer rüstet.

 

20.3. Tirol – Winnebachseehütte – Riml-Spitz

Drei Stunden fröhliches Schnattern mit den beiden männlichen Hausfrauen und Müttern im Zug, aber der Wortfluss gerät abrupt ins Stocken, sobald wir ins Auto unseres Osttiroler Bergführers geschlichtet sind. Mittlerweile gehen wir davon aus, dass er uns auch mag (im dritten Jahr gemeinsamer Touren).

Er erzählt dann doch etwas, dass er mit irgendwelchen Wienern am Großvenediger gewesen sei und unter ihrer Divenhaftigkeit gelitten habe. Das Essen nicht gut genug, die Tour zu anstrengend, die Hütte zu unbequem. 

Seine Umsicht bei der Tour macht mich im Nachhinein etwas betroffen in Bezug auf meine eigene Unbedarftheit am Anfang meiner Ski-Zeit – was ich da alleine angestellt habe in den Stodertälern... das ist nicht schneidig, sondern bissl deppert.

Immer wieder dieser seltsame Kontrast zwischen der Weite der Welt da draußen und der Enge drinnen. C. und ich teilen uns ein Zimmer, das keinen Quadratzentimeter kleiner sein dürfte, sonst überkäme mich die Platzangst. Aber wir sind sehr geschickt im Platzmachen, die meiste Zeit liegen wir eh und lesen emsig. Das Hüttenleben werde ich nicht mehr lieben lernen, das damit einhergehende Nichtstunmüssen hingegen schon. Der ganze Bewegungsdrang kanalisiert ins Tagesprogramm vor der Tür.

21.3. Winnebacher Weißkogel

Bevor wir in einen strahlenden Tag losstapfen, bricht es aus der Osttiroler Kruste richtig heraus: Er genieße es sehr, mit uns unterwegs zu sein! Wir OÖ. Schnatterer schweigen ergriffen.

Es liegt so viel Schnee, dass ich den Glauben zurückgewinne, doch Skifahren zu können. Die Temperaturen fühlen sich an wie Grüße aus den Wechseljahren.

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Starkes Hineinkippen in Hustvedts „What I Loved“. Es wird schon an sich gut sein, wie immer macht aber die Möglichkeit, überhaupt ins deep reading hineinzukippen, den Unterschied. C. sputet sich, um mir Melandris „Kalte Füße“ mitgeben zu können (dabei ist der alte Rucksack eh schon so voll, dass die Nähte platzen).

22.3. Kühlehnkarschneid

Seit Tagen sind wir im Funkloch, was natürlich sehr gut ist, aber auch irritierend. Oben in der Scharte ist Empfang, wir heben die Köpfe zur Landschaft und senken sie über die Bildschirme, im Wechsel, wie ganz langsames Nicken.

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Ich werfe die Nerven weg und kaufe mir ein Duschmarkerl. Das Wasser von der ersten bis zur dritten Minute eisig. Ich frage, ob das eh so gehöre und bekomme ein sehr schlichtes „Ja“ zur Antwort, als hätten nur verwöhnte Diven anderes erwartet. Mein Beitrag zum Energiesparen. Notiz an mich selbst: ab jetzt tapfer münkeln. 

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Freude an der brüderlich-väterlichen Integrität der drei Männer, das ist nicht einfach ein erholsamer Kontrast zur ganzen toxischen Männlichkeit da draußen, sondern im Grunde eh genau der Alltag, an den man glauben kann.

23.3. Breiter Grieskogel – Ötztal – Wels 

Eine große Tour. Wir sind nun alleine unterwegs und freuen uns doppelt über das Gelingen. 

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Über kurz oder lang wird allen Hütten hier das Wasser ausgehen. Sämtliche Karten veralten rasant mit dem Rückzug der Gletscher. Ich wiederhole: nicht mehr duschen ab jetzt. 

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Im Ötztal unten wie immer der Clash mit Landschaften und Temperaturen.

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Mit der letzten Kraft heim. Mir stehen die Haare zu Berge, bis zur divenhaft heißen Dusche.

24.3.

Immer sollte man nie weg gewesen sein, wenn es nach den Bedürfnissen der anderen geht. Es sollte mich immer weniger Energie kosten, sie abzuweisen.

Den Tomatenpflanzen bin ich nicht abgegangen, aber Fini liebt mich heute besonders.

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D. schaut vorbei. „Hast du gegessen?“ „Ist das ein exotischer Gruß, oder hast du wirklich was für mich?“

25.3.

Immer noch im Bann von „What I Loved“ und etwas nostalgisch nach einer Zeit, in der man noch in New York leben wollte, und dort etwas Großes werden.

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Josef Hader nähert sich dem Stadttheater mit der geübten Unauffälligkeit des Stars, der er ist, mit einem Shoppingsackerl voll Apothekenware. Alle sind bemüht, sich nichts ankennen zu lassen, aber die Luft knistert vor Zuneigung. Bei mir besonders, weil ihm Fini so gut gefällt, dass er auf den meisten der Fotos zu ihr und nicht in die Kamera schaut. Die Foto-Olympiade für die "Freunde des Schlachthofs" ist notwendig, weil alle vier Jahre mein Haar so viel Farbe lässt, dass man mich auf den alten Fotos nicht mehr erkennt. 

„Hader on Ice“ ist noch einmal so viel besser als am Anfang, was bestimmt auch daran liegt, dass ich das Programm nicht im unbequemen Zirkusgestühl mit Maske im Gesicht anschauen musste. 

27.3.

Zur Weltlage fällt mir immer weniger ein. Die Spalttiefe zwischen Alltag und Welt gerät allmählich in die Kategorie „Marianengraben“.

Ein Bundesheerhubschrauber direkt über meinem Luftraum, müssen die mich nicht wegen einer Überflugsgenehmigung fragen?! Ich google die Kubikmeter meines Himmelsbesitzes nach oben hin und ob eh kein Krieg ausgebrochen ist.

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Der Tag zerrinnt zwischen den Fingern ohne nennenswerte Resultate, aber das ist keine Beschwerde. Auch das oben beschriebene Auseinanderklaffen nicht, aus schierer Egozentrik. Zufriedene Apathie, besonders am Abend.

28.3. Zwettl

A.s Apotheker hat es zu „Willkommen Österreich“ geschafft, wegen seiner sagenhaften Unfreundlichkeit. Da seien schon reihenweise alte Damen mit verheulten Augen herausgekommen. Der hätte vielleicht auch den Hader angeblafft, was er so viel kaufe?! Auch der Kollege in Schönering ist eher unangenehm – gehört das zur Job-Description, um Hypochondrie im Zaum zu halten?

A. schaut versonnen auf das liebe, zahlreiche und grauhaarige Publikum. „Frogst du di aa so oft, wo unsa Publikum in 20 Joa sei wiad?“ Wir sollten uns allmählich etwas einfallen lassen – leichter, als Jüngere zum Lesen und vor allem braven Zuhören zu bringen, wird’s wohl, gezielte Longevity-Maßnahmen für unsere lieben Boomer zu ersinnen. Außerdem weiß ich nicht, was die Jungen lustig finden, in Zwettl funktioniert der Gut-Aiderbichl-Text recht gut.

Wir tragen unsere Gage gleich hinüber in den Feinkost-Automaten. Die Bobo-Preise (8,61 € für einen schmalen Keil Schafskäse) beunruhigen mich – ist das die Kostenwahrheit, wenn wir ehrlich mit Mensch und Tier wären? Ächz.

29.3. So

Am Tag der Sommerzeitumstellung den Kachelofen einheizen (Ende Oktober wird’s dann wohl zum Schwitzen). In diesem Frühling fühlt sich jedes neue Tief wie ein persönlicher Affront an, ein Schlechtwetteraffront!

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Primo Levi ist wie ein Ausflug in die eigene Lesevergangenheit der späten 1990er, auch wenn mich das soziale Leben der Elemente (= Chemie) immer noch nicht zu faszinieren weiß. Wer mit wem, das ist mir doch egal!

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Fini streckt sich und ächzt dabei, als arbeite sie sehr hart daran, auch noch die allerletzten Prozent bis zur Erlangung des vollkommenen Wohlgefühls zu schaffen.

30.3.

Mini-Jetlag + Mini-Kater

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Putin ist so paranoid, dass seine Exkremente nicht einfach so in den Kanal dürfen. Irgend ein armer Knecht muss den Despotenkot sammeln und – ja, was? Im geheimen Mausoleum vorbestatten, weil schon alles von Putin Kommende göttlicher Natur ist? Im Kack-Reaktor verglüht werden? Man denkt an Kapuścińskys Schilderungen des Ras oder Schahs, wo es eigene Zuständige für Hundehinterlassenschaften gab.

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Mein „Oeuvre“ braucht einen zweiten Regal-Halbmeter – nach sehr großzügiger Auslegung des Werk-Begriffs. Zufrieden bin ich immerhin mit den albernen Titeln, die ich den seriösen Institutionen bislang unterjubeln konnte: „Der Tagatha-Panther“, „In Schwanenform Ryan Reynolds gebumst“, „Innere Mongolei“, „Semtext oder wie wir versucht haben, etwas für die Rampe zu schreiben und dabei irrtümlich Linz in die Luft gejagt haben.“

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Bei Gelegenheit weiter über die Kluft zwischen E und U in der erlebten Praxis nachdenken: Die vielen Klagen der Kolleg*innenschaft über die scheußliche Lage der Welt und die Verdummung der Leut' haben schon ihre Gründe und Anlässe, lesen möchte ich sie aber lieber nicht. Mir ist wohl aktive statt passive Aggression gerade lieber. Nein: positive Aggression. Jammern und Satire richten beide gleich wenig gegen Rechtsruck und Tech-Faschisten aus, aber man kann es in der Apokalypse wenigstens noch ein wenig lustig haben. Es wächst auch meine Unlust, mich durch Kunst und Kultur traumatisieren zu lassen, dass also immer ein Hund sterben muss, um Dringlichkeit zu vermitteln.

Am Nachmittag gehe ich dann in den Garten und verübe mit der kleinen Kettensäge ein kleines Massaker am Flieder.

Buttinger lacht, als ich ihm eröffne, heute in Schönering bleiben zu wollen. „Eh klar, wenn man dir einen Tag anbietet, nimmst du ihn!“ Wir alle sollten so handeln, immerhin ist die Zahl der Tage, die uns das Leben anbietet, begrenzt! Andererseits behalte ich das lieber für mich, ich bin wirtschaftlich extrem angewiesen auf Leute, die am Abend gern ausgehen und sich was vorlesen lassen. Eine neue Folge aus der unendlichen Reihe „Gut, dass nicht alle so sind wie ich“.

Nachts läuft eine arte-Doku über Terrence Malick – so kann ich die Kunst und das Ernste nehmen, wegen des Naturschönen. Der Wind, das Gras, die Blicke, das ist schon groß.

31.3.

Intensiver Traum, als habe sich erst in dieser Nacht der eingelagerte Weißwein aus irgendwelchen Depots gelöst: Ich lasse das Auto irgendwo stehen in einer Parkgebührenzone, ich muss nachts aber mit dem Rad und später barfuß von Linz nach Schönering, auf halbem Weg drehe ich um und muss Menschen bitten, mir beim Wiederfinden des Autos zu helfen. Nirgends ist es zu finden, kein Licht blinkt, da kann ich noch so oft auf den Schlüssel drücken. Jemand sagt mir, dass graue Kombis gerne gestohlen werden (spätestens da hätte ich erkennen müssen, dass ich träume!). Da steht der Vater vor mir und sagt, wenn das so sei, müsse ich mir halt endlich einmal ein eigenes Auto kaufen, von meinem Geld. Möge das wache Leben weiter besser bleiben als mein geträumtes.

Samstag, Februar 28, 2026

Schniedel im Licht. Messies bei Musil. Gelbe und zinnoberrote Häute

Lebenskrimskrams im Februar 2026


1.2.

Es ist ein sehr liebes Zeichen von Vertrautheit, im schweindirosa Frotteehoserl zu einem nachbarschaftlichen Umtrunk aufzutricksen (ausnahmsweise nicht ich).

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In der Nacht spaziere ich mit einer Gans, einem Hasen und einer Katze durch Linz, alle in weinrotem Samt. #weißweintraum

2.2. Warscheneck

Auf markierten Wegen bin ich immer zu schnell unterwegs. Alles ist mit einer festgetretenen Schneeschicht bedeckt, mit den Grödeln ist es ein gutes Fortkommen. Meinetwegen müsste es nicht mehr schneien, ich habe keine Ansprüche an die Tourenski-Saison, aber für das natürliche Wohlergehen wär's freilich unverzichtbar. Im Lärchenwald der Zellerschneise krakeelen die Fichtenkreuzschnäbel. Oben Schönheit, aber bissige Kälte. Alle 50 Höhenmeter, die ich wieder absteige, wird es wärmer und alle 50 Meter wachsender Vogelgesang.

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Am Abend frage ich Buttinger zeitgerecht zu Mariä Lichtmess, ob er mir eh noch bleibt – andernfalls müsste ich den Hund auf dem Glanglmarkt verkaufen.


3.2.

Die einzige Form, in der ich mir vorstellen könnte, „Melania“ im Kino anzuschauen, wäre gegen Geld und mit Live-Synchronisation von maschek.


4.2.

Coala kommt vom Zahnarzt und erinnert mich daran, dass er sich selbst jeden Morgen die Zähne im Bett liegend putzen muss, weil er sonst sein Leben nicht packt. DAS ist unser Zahnarzt. <3

5.2.

„Owa liab is“, sagt die Fressnapf-Verkäuferin, als ich 213,79 € für den Hundebedarf bezahle.

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Die Trump-Kandidatin in Texas heißt Leigh Wambsganss und hat gegen den demokratischen Gegner eingeschaut.

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Ein langer Spaziergang über das Kraftwerk. Die arme W. hat sich mit dem neuen Schatzi den Verkehr in Künstler*innenkreisen eingefangen (quasi was Venerisches), dabei hat sie selbst schon beruflich unter dem Psycho-Beraterinnenstuss zu leiden. Jetzt sagen alle in ihrer Freizeit „Meine Position ist...“

6.2.

Buttinger hat zu Mittag mit einem Freund dinierte und ist dabei ins Doomen geraten war angesichts der KI und dem ganzen Scheiß. Er habe gesagt: „Bei mir geht si vielleicht nu a natürlicha Tod aus, owa du und d'Meindl, ihr miasst's in Untagrund zum Kämpfn.“

Warum eigentlich nicht die KI an unserer statt auf den Mars schießen?

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Themenwechsel. Der spaßorientierte Skilauf wurde von einem Herrn Gutsmuths aus dem Thüringer Schnepfental erfunden.

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Jetzt, wo ich die guten Leute gefunden habe, freut's mich nicht mehr fortgehen.

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Wien.

Riesenskandal – die Musil-Gedenkwohnung ist nicht die echte Musilwohnung, sondern einen Stock zu tief. Ein japanischer Fan hatte das Büro genau ausgemessen, da kam der Schwindel auf. Die Musil-Gesellschaft wollte daraufhin ein Foto aus der originalen Wohnung heraus machen, aber das habe sich als unmöglich herausgestellt, weil man da nicht aus dem Fenstern herausschauen kann, das sei eine Messiewohnung. Erst unlängst mussten 11 Tonnen Papier auf Anweisung des Gesundheitsamtes in eine Mulde gekippt werden. „Das war früher eine Bergführerin, jetzt kann sie aber nimmer gut gehen.“ Sie habe früher oft wegen irgendwas angeläutet, und bald seien alle im Büro Anwesenden erstarrt, damit sie nicht merkte, dass jemand da war.

David Hoffmann erzählt, dass er neulich auf der Simmeringer Hauptstraße auf der gegenüberliegenden Seite einen Mann erblickt habe, der lediglich Socken und eine Sturmhaube trug. Zuerst wirkte er rechtschaffen verschreckt, bald richtete er sich auf und ging parallel mit ihnen einher, als habe er eine Wette verloren.

Die Präsidentin hatte lange einen Nachbarn, der am Fenster wichste und dabei seinen Penis mit der Taschenlampe ausleuchtete. „Ois da Fritz zu mia zong is, hod a s nimma so vü gmochd.“ 

Dann erzählt sie von einer Autorin, die sich einmal Aug in Aug mit einem Alligator befand, und zu ihrer narzisstischen Kränkung habe er gleich Anstalten gemacht, sie zu fressen, „obwohl ich sooo viel gelesen habe!!!!“ „Da hat sie erkannt, dass sie auch Nahrung ist“. Eine Abwandlung der Klage „Und so a Hirn muass amoi dafäuln.“

Es soll eine Vertrauensperson installiert werden. Ilse: „Da jopa soi ma seine Soang ins rechte Ohr song, d'Melamar ins linke.“



7.2. Schl8hofball „Wösovision“ - Songcontest

„I bin de Niallllande“, sagt eine stark Betrunkene. Es sind viele, aber dann doch nicht so viele wie erwartet als Udo Jürgens gekomme, ich ja auch, aber immerhin im Smoking – im Gegensatz zu den Faulis im Bademantel. Fasthuber besteht darauf, der einzig autorisierte Jürgens-Impersonator zu sein, sein Bademantel sieht tatsächlich „well loved“ aus und stammt aus dem Webshop des Jürgens-Merch. Mindestens drei Paare treten als Merci und Cherie auf, am besten Hasi & Heidi. Sitzen können sie in den riesigen Verkleidungsschachteln nicht, tanzen mögen sie ohnehin nicht. Er erzählt, wie er seine Buben einmal zu Halloween in die Nachbarschaft begleitet habe. Ein altes Ehepaar: „Ah! Von dem hamma aa scho wos ghert, owa jetzt hamma nix dahaam!“ Es wird dann doch in der Speis gestöbert – die armen Kinder kriegen After Eight (wie eine ansteckende Krankheit).

Isabella hebt mir ein Glückskekssprücherl vom Boden unseres Backstagekammerls auf: „No one will contest your happiness.“

Lange mit Boris über unsere Trendsportarten Bouldern und Skaten gesprochen; beiden ist uns das Szenige daran sehr unangenehm, und dass wir udaungs darin zu Veteran*innen geworden sind.

Roman nimmt es mir ein wenig übel, dass ich im Vorjahr zwar seine Tequila-Geschichte mochte, das Getränk selbst aber nicht. Schon habe ich ein neues Stamperl in der Hand, und siehe da, ich habe Anlass, mich zu entschuldigen bei George Clooney, Julia Roberts Mann und Roman. Apropos Roman: Beim Training habe ihn Sabrina Filzmoser gefragt, warum ich so viel vom Everest wisse. „Die wiad recherchiert hom“, habe er ihr gesagt.

8.2.

Ein Tag wie auf der Ladestation. Immerhin Hirschls „Schleifen“ angelesen, eine lohnende Leistung – allerdings nur zwischen Ausnüchtern und neuem Bier. Ich muss ihm bei Gelegenheit von Danis Befugnis erzählen, per Sprechakt sämtliche Bewohner*innen des Bezirks Linz-Land für tot zu erklären.

9.2.

Ö1 rechtfertigt das Vorkommen der Zecken und Milben in der Insektenrubrik damit, dass ja Fasching sei. 

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In Japan wollen so viele Menschen jedes Jahr spurlos verschwinden („Die Verdunsteten“), dass es dafür eigene Flucht-Anbieter gibt. 

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GAV-OÖ-Wahl. Im Irrglauben, dass meine Nichtbeteiligung als Enthaltung gezählt werde, erreiche ich das peinlich sowjetische Ergebnis von 100% (Wahlbeteiligung: 12). Ab jetzt regiere ich durch wie Trump: PEN annektieren, goldener Ballsaal in Schönering, Strafzölle auf die Publikation aller Nichtmitglieder.

10.2.

Coala wird zum Geburtstag von H. angerufen. „Beruflich bin ich nicht so ambitioniert, dafür privat voll! Dreistellig soll's am Ende vom Leben schon werden!Es geht in Wellen bergab. Also ab und zu geht’s schon noch bergauf. Aber insgesamt bergab.“

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Das Gartenjahr hat noch gar nicht begonnen, und schon das Gefühl, hinten nach zu sein. Beim Versuch, die Maulwurfshügel abzutragen, werde ich sofort von der Nachbarin erwischt und zum Kaffeetrinken abgezogen, damit da keine Konkurrenz entsteht.

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„Ich scheiße in dein Leben!“ So geht Poetikvorlesung! Mann muss Barbi Markovič sehr lieben. 

11.2.

Beim Versuch, ein Arbeitsstipendium beim Bund einzureichen, lande ich wegen Doofheit zuerst beim Antrag für Bibliotheken und Verlage, was ich so lange nicht merke, dass ich schon ganz passiv-aggressiv überall in die Formulare schreibe, eine PERSON zu sein, „deswegen habe ich keine Statuten außer das Bekenntnis zur Verfassung der Republik“.

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Obwohl Barbara Zeman mitgeteilt hat, dass sie & The Zew nicht mehr als eine warme Begrüßung und eine warme Suppe brauchen, befällt mich am Tag von experiment literatur wieder dasselbe Gefühl einer leichten Versagenserwartung, also wird das in Zukunft wurscht sein können – es wird sehr schön, und es ist kaum einmal anders gewesen. Die Künstlerinnen sind nach dem ersten Löffel Suppe ganz ding, das Publikum ist nach den ersten Minuten ganz ding. „Das wird heute eher ein introvertierter Abend!“, kündigt sie an, und alle sind bissl verliebt. Eine, deren Texte man von ihr selbst vorgelesen bekommen sollte.

H. erzählt neben der lachenden Gattin, wie sie einmal im Zustand milder Betrunkenheit eine mörder Business-Idee überkam – es müsse ein Konzept ausgeklügelt werden, wie man Blinden ein filmähnliches Erlebnis ermöglichen könne – der Geistesblitz: ein Blindenfilm! Mit Dialog! Regieanweisung! Musik! Geräusche! Sie sind ganz begeistert. Hasi (natürlich nüchtern) hört ihnen eine Weile zu, immer fassungsloser, als er merkt, dass sie es ernst meinen, bis er schließlich fragt: „Ihr meint ein Hörspiel?“ Schweigen. Eine Idee stirbt. „Äh. Ja.“

12.2.

Leider ist mein "Oeuvre" noch zu schmal, als dass renommierte Verlage nach einer Poetikvorlesung gierten. Aber als ich den Titel poste: „Wie kann ich hier arbeiten, wenn im Kirschbaum die Kohlmeisen budern!?“ Untertitel: "Hokus Pokus, weg ist der Fokus! Mein Leben auf der Flucht vor dem Roman. Von Dominka Meindl, Präsidentin der Prokrastination Österreich", schickt Barbi Markovič ein Herzi.

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Kracht, „1979“: Oida, oida. Zwar wird der Kailash sehr schön umrundet, als gäbe es kein Frieren auf der Welt, aber dann freut sich der Erzähler, dass er im chinesischen Straflager so schön dünn wird. Das Buch geht volley zurück an Bookbot.

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Am Nachmittag hemdsärmelig Äpfelbäume schneiden. Die Hündin weint vor Frust, weil ich ihr all die Äste und Stöcke nicht werfe. 

Große Behaglichkeit nach einem kleinen Wettersturz.

Die Vögel kehren zurück: Milan, Falken, Käuzchen. Ein ganz hoch fliegender Krähenschwarm.

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B. meldet sich wegen des Romans, ich möge mir doch wieder einen anderen Titel ausdenken. Leider hat sie recht. 

13.2.

Ö1-Radiokolleg: „Gruselige Vorfreude auf die morgige Ausgabe: die Krätzmilbe!“ Jetzt weiß ich auch leider, dass es „Steißränder“ gibt.

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Die Krähen haben sich herabgelassen und fliegen Manöver zwischen den Nussbäumen.

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Allmählich wird es mir vorstellbar, länger nichts zu trinken. Am Donners- und Freitag ist das Hirn offen und arbeitsfreudig wie ein ausgeschlafener Collie. Vielleicht liegt's auch daran, dass ich es in meinem Leben mittlerweile sehr gut bei klarem Verstand aushalte (bzw. immer länger).

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So dachte ich am Vormittag, ab 16 Uhr tritt die tägliche Vorfreude / der tägliche Wunsch nach einem Bier verlässlich auf. Und wir trinken dann auch brav.

René (ca. 1‰) unversehens: „Wie geht’s eich eigentlich mit dem Altern?“

14.2.

Buttinger schenkt mir zum Valentinstag einen Gutschein fürs Autowaschen, dazu Anzuchterde und Kaminanzünder.

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Wien

„Wir haben so tüchtige Männer!, klagen Anna und ich. Ihrer hat an einem Tag einmal schnell eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach geschraubt, „und selbst hat man am Abend zwei Seiten... (ich fürchte schon, sie sagt „geschrieben“) … gestrichen.“

15.2.

Und auch im Liegen verfliegt die Zeit! Fast zu faul, um mich zum Essen ausführen zu lassen.

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Seit Bookbot ist jedes Buch vom Rauswurf bedroht, das ist auch nicht schön. Andererseits besitze ich immer noch so unendlich viel Schas! Etwa einen Schottland-Reiseführer ohne jedes Farbfoto, ein Mängelexemplar. Oder: „Mutterfreuden und – Leidensweg“.

16.2.

I.: „Astrologie ist nie ganz exakt! Wenn eine behauptet, das ist so, hat sie unrecht!“

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Sonnenschein nach Schneetreiben, ein Winterapriltag. Im Linzer Auwald fragt eine junge Frau, ob sie Fini fotografieren dürfe. Gut, dass ich erwachsen bin und nicht eifersüchtig auf den Hund.

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Esslinger und Koch im Kepler Salon. Wir reden dem Publikum ein, dass Verena nur auftreten darf, weil sie sich auch die Haare kurz schneiden hat lassen. Wir sitzen da wie drei weise graue Eulen. Sehr liebe, sehr gescheite Gästinnen. Es herrsche keine Gute-Laune-Pflicht, sage ich. Esslinger: „Faule Leute sind mir lieber, die richten weniger Schaden an.“ Sie sei deswegen Künstlerin geworden, „da ruiniert man noch am wenigsten.“

17.2.

Nicht viel mehr gemacht, als Phantomereignisse vom Juni 2025 abgetippt, als der Sommer sich noch vor mir erstreckte wie ein zutrauliches Katzerl. Und einen Meinungsbeitrag zum Latein-Aufreger (eher fürs Streichen aus dem Lehrplan, aber ambivalent, an mir wird’s nicht liegen, das zu entscheiden).

18.2.

Schnee galore! Ehrgeizige Skitourenpläne, sogar die Plankamira war im Spiel, aber als wir in der Früh schon am Pyhrnpass jämmerlich hängen bleiben, tut's das Glöcklkar auch. Und zwar in die Haut hinein, ich büße im kniehohen Schnee für meinen Anspruch auf die Führung. Scheiß Emanzipation! Spuren im Erlengekröse, jeder Schritt geht auf Grund. Der Herr Ornithologierat geht wie immer gleichmütig hinter mir her, er hätte bestimmt keine schlechtere Spur gewählt. Aber immerhin eine Skitour. Das wird keine große Saison mehr. Nicht nur deswegen wird mir das Wandern immer lieber. Auch das dumpfe WUMM noch unterhalb der Waldgrenze erinnert mich daran, dass es ohne Schnee unkomplizierter ist. Fini schwimmt im Fluff wie ein verwirrter Otter. 

19.2.

Dem Sternsinger-Centerfold des Pfarrblatts lese ich erleichtert ab, dass Blackfacing wirklich überwunden ist. Nur eine Begleitperson hat sich das Gesicht gelb angemalt. Just als ich darüber nachdenke, ob das nicht auch rassistisch sei, titelt orf.on mit dem Trend des „Chinamaxxings“: Es sei Symptom der wachsenden soft power, die eigene Sinifizierung im Internet zu dokumentieren. 

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Koreanisierung: Werde ich jetzt ein Mensch, der sein eigenes Kimchi macht? Wahrscheinlich misslingt es furchtbar. [Wir nehmen vorweg: Ja.]

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Wieder zwei sehr schwere Kisten mit Mutters Büchern gefüllt und zur Post geschleppt. Was ist überhaupt wert, aufgehoben zu werden? Wer soll das dann erben? Jetzt nur keine Sinnkrise einreißen lassen, das Haus ist voll und mein eigenes Buch auf dem Weg.

20.2. Fr

Zweimal beglückendes, politisch korrektes Weißsein: Sehr viel schöner kann ein Wintertag nicht ausschauen (nur zwei Monate früher kommen). Und es schaut ein weißer Rand unter meinen Emails hervor!!!! Das hatte ich schon lange nicht mehr. Der verharrende Mail-Rest wird zach, aber so ist das beim Bergaufsteigen und Administrieren.

21.2.

Goisern. Die Pracht schmilzt zu grauem Sorbet. Von fern betrachte ich den Buttinger bei der Arbeit. Auf den ersten Blick glaube ich, dass die Eisschwimmeuropameister*innen eh alle Neopren tragen, alle in einheitlich blassem Zinnoberrot. Ich gehe mit dem Hund weiter bis zur Freibadgrenze und sehe erst jetzt, dass es der einheitliche Farbton der Haut ist.

Keinem entringt sich der kleinste Schmerzenslaut, wenn sie alle ins 4° Grad kalte Wasser steigen. Ich stehe auf dem Steg, von Kopf bis Fuß in Regenhaut gehüllt, fröstelnd. In weniger als vier Monaten könnte ich zum ersten Mal in den Grundlsee, aber ich weiß jetzt schon: nur theoretisch [Wir nehmen vorweg: Ja.]. Ich bleibe ein Weh und werde es nicht mehr ändern.

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Black Horse. Trump hungert Cuba aus, während er ein Lazarettschiff nach Grönland schickt, wo es ein kostenloses Gesundheitssystem gibt. Man kann das nicht mehr verstehen wollen. Genau als wir von Cuba sprechen, fällt solidarisch der Strom aus.

22.2.

Heute nichts. Rufzeichen. Immerhin gelesen, gebouldert, gefernschaut (Tina Fey <3), das ist eigentlich eh so viel mehr als Nichts.

Tomer Gardi, „Liefern“: Wie fürsorglich er mit seinen Figuren umgeht.

23.2.

Überall rauscht und fließt es, tosend stürzt das Schmelzwasser über die Kraftwerksschleusen.

24.2.

An den Namen der Hundekommandos lässt sich ablesen, woran man ist. Finis „gschamster Diener“ heißt bei der Alex-Hündin „Yoga!“ Ich scheine auf vorgetäuschte Unterwerfung zu stehen.

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Am Bahnsteig steht ein Mann, der vor Wut spuckt. Obwohl ich Abstand nehme, steigt er in denselben Wagen. Ich stehe wieder auf und sage der mir entgegenkommenden Zugbegleiterin, da sei einer, der nicht in diesen Zug gehöre. Nein, antwortet sie freundlich, der sei in Ordnung, ein armer Mensch mit starkem Tourette und Klimaticket. Ich schäme mich. Am neuen Sitzplatz bleiben vier unangenehm männliche Typen stehen und halten den beiden Passagieren neben mir ihre Dienstmarken unter die schlecht rasierten Nasen. Auf meiner Augenhöhe die Pistolen der Schengen-Kontrolleure. Die Kontrollierten haben auch wirklich mangelhafte Dokumente und verheddern sich beim Antworten. Da es augenscheinlich Autochthone sind, lässt das Schleierfahndungsquartett von ihnen irgendwann ab. 

Rund ums Belvedere der weiche Kontrast – Männer holen Kinder namens Frida vom Kindergarten ab, man weiß nicht, ob es sehr späte Väter oder Großväter sind. Alle haben Lastenräder.

Literaturrunde mit Scholten. Wir schildern reihum das rasante Wachsen des Kultur-Prekariats, er nickt zustimmend, wir wissen, dass es eh wurscht sein wird. (Also ich zumindest.)  

Mit Coala ins Aera. Hier zeigt es sich, dass ich nun ein Mensch geworden bin, der seine Portionen nicht mehr aufessen kann. Aber Coala ist ein Mensch, der immer saubere Tuppergschirrln mithat. Ohne Scham schiebe ich meine größten Knödel hinein, fürs Mittagessen morgen.

Weil Zeit ist, gehen wir ein Stück zu Fuß, zuerst durch den 1. Bezirk (in dem ich bis in alle Ewigkeit fremdeln werde), dann über den Ring, die MaHü entlang, so lange, bis Coala darauf hinweist, dass bald keine Züge mehr fahren. Es gibt halt viel festzustellen, etwa dass uns derzeit gar nichts unmittelbar bedränge, aber die Sorge unsere Grundeinstellung sei. „I hob mi gfrogt, wos mei Beitrog zu dem Gaunzn is, und gaunz kuaz docht, najo, mehr ois a boa scheene Keramikvegl werd' i ned hintalossn.“ Ich pflichte ihr heftig bei und widerspreche gleichzeitig. Dann sage ich, es sei ja wurscht, nach unserem Tod werden wir wahrscheinlich eh tot sein.

In 17.385 Schritten durch den Tag, 2000 mehr als ins Glöcklkar bei der Skitour.

25.2.

Die gemeine Osthummel heißt auch „bombus impatiens“. Trump wird später davon faseln, dass es beim Überfall auf Venezuala einen „secret discombombulator“ gegeben habe.

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Inception für Arme: Ich tippe ab, dass ich im August 2025 abgetippt habe, wie ich im Februar 2025 den August 2024 abgetippt habe. [Das wiederum tippe ich Anfang September 2026 ab.]

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Apropos Micromanaging, s. 10.2.: Wenn ich als kleine Einzelkämpferin meine Arbeit so „effizient“ erledigen würde wie das mittlere und leitende Management allenthalben, hätte ich 2017 das Haus verkaufen müssen und würde 2027 verhungern. 

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Apropos „effizient“: Weil es immer wärmer und grüner wird, unterbreche ich mein häusliches Arbeiten an irgendwas, um im Garten irgendwas zu machen. #altersadhs

26.2.

Nie also würde ich in einer Welt voller Dominika Meindls leben wollen. Nichts käme zu einem Ende. Was auch immer alle berühren, wird zu einem Projekt. Alle würden mit schlechtem Gewissen ihre Tage vertändeln mit Fragen, wie sie ihre Bibliothek ordnen sollen. Welche Sträucher geschnitten werden sollen (was dann eh nicht passiert). Ob es eh allen gut geht. Ob eh grad niemand sauer ist auf einen. Ob der Hund eh zumindest sein Minimum von 15 Jahren erlebt. Aber niemand hätte Zeit für Bodenversiegelung, Sexismus und Audifahren.

Ich beende das Notieren und räume stundenlang Bücher von A nach B und C und D ff. Ein Tag, der sich ein wenig wie Lockdown anfühlt. Mit niemandem gesprochen.

27.2. Fr

Nach Mitte Vierzig so über den Tod nachdenken wie damals Mitte Zwanzig über die Liebe: Hoffentlich finde ich den Richtigen!

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Am Morgen war ich wohl zu deep, nach dem Frühstück und anschließendem Bandeln im Haushalt sowie ausgiebigem Hundsstreicheln hänge ich wieder ganz fest an meinem kleinen Geißleben.

Es ist aber auch scheiß nebelig hier, während es überall außerhalb des Zentralraums 20° Grad hat (danke für nichts, Webcams). Wir Einwohner*innen von Linz-Land sollten von der EU einen Härteausgleich bekommen wie Bergbauern.

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Bookbot liefert neue Bücher, es ist kein Land zu gewinnen. Wie viel ich schon umverteilt habe, wie viel es noch gibt! Die Brandlast ist enorm.

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Beim Abtippen der Notizen vom September 2025 fällt mir ein, dass ich eh erst 47 bin (das tippe ich am ersten Tag als 48-Jährige).

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Am Nachmittag mit der ersten Fuhr Grünschnitt zum Altstoffsammelzentrum, wo sich schon wieder Berge davon türmen. Wie ein Bademeister steht ein Mitarbeiter da und schaut dem Wuseln zu, er sagt auf meinen Gruß: „Jetzt wird’s aufaungat.“ 

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Trink-Abend mit den Freundinnen, wir sind sehr gelöst und bestellen Ingwer-Drinks. G. googelt die Etymologie des „Cocktails“ und erfährt, dass man Pferden früher auf Schauen Ingwer in den Arsch gesteckt habe, damit sie feuriger („gingery“) aufträten.

Wir reden über Witwenpensionen und das generelle Ende. C.s Tante sei so sauer gewesen, ihr eigenes Begräbnis zu verpassen, dass sie ihre Angehörigen zu einer Probezehrung lud, für die sie sich vom Arzt fitspritzen ließ, um tanzen zu können.

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In der Nacht träumt mir von einem Schlachthof-Treffen mit dem LH, bei Schokokuchen und freundlicher Konversation, bis ich sage, dass es ein Skandal sei, die Stadt Wels zahle überhaupt keine Förderungen! Stelzer gibt vor, aufs Klo zu müssen und macht sich aus dem Staub.

28.2.

Mit einem Arsch auf zwei Hochzeiten, davon tatsächlich eine in Vorchdorf. Die Hunde einträchtig wie zwei Brautleute. Sekt im Frühlingslicht.

Über der A1 kreisen zwei Milane nahe beisammen, obwohl ihnen der gesamte Himmel zur Verfügung stünde, wie Brautleute.

In Schönering berichtet mir die Nachbarin gerührt, wie sie unlängst eine Kohlmeise beim wählerischen Begutachten meines Vogelhauses beobachtet habe. Der HErr Ornithologierat wird mir später am Abend erläutern, dass die Meisenmännchen der Dame stets mehrere Nester anbieten müssen. Was bei Kohlmeisen in unseren Gärten ja noch anginge, bei Schwanzmeisen, die selbst bauten, aber „keine Art sei. Ich finde, da darf man den Damen schon einmal kritische Fragen stellen.“

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Vor dem KUPF-40er-Festakt nötige ich den LH, mir ein Gratulationsvideo für die Brautleute aufzunehmen. Beim ersten Versuch drücke ich nicht ordentlich auf „Aufnehmen“, sodass nur mein „geh, mir san deppert!“ zu hören ist. 

Nazzal und Stieber kündigen einander an, jeweils mehrere Stunden sprechen zu wollen, und ich lade sie ein, nach den Ansprachen in drei Runden noch einmal auf das vom anderen Geredete zu replizieren, DAS sei einmal ein Kunsthappening, die totale Zermürbung.

Anna erzählt, früher seien die Kupf-Vorstände entweder mit offenem Hosentürl oder lackierten Fingernägeln zu Verhandlungen gegangen. Ich soll dann beim Tortenanschneiden die ziemlich großen Messer reichen, ich stelle mich damit an den Bühnenrand und kündige an, eine Jonglage-Nummer zu zeigen. „Glückliche“ Gesichter in der ersten Reihe.

Die Grußworte fallen angenehm kurz aus, allesamt freundlich. Ich sage, wir von der Freien Szene müssen uns weiterhin fest in die Politik einmischen, und umgekehrt dürfe sich die Politik bei uns einmischen, „mit Förderungen! Scheißt uns zu mit eurem Geld!“ Danach freundlicher Smalltalk, ich bin noch im Frack und entsprechend extrovertiert. Ich erzähle dem LH vom Gurkenfächermoment im neuen Roman, und dass mich sein Arbeitsleben daure.

Dann muss ich zurück zu Hochzeit 1. Ich trage den Hund die Stiegen hinunter durchs Gewühl, verquatsche mich aber (siehe #heiklemeisen) – Fini ist verschwunden. Ich steige wieder alle Stiegen hinauf, ganz oben sagen mir die Kolleginnen, der Hund sei gerade zurück in ihr Versteck gezischt, aus Panik vor all dem Lärm. Als ich mich im Dunklen zu Fini unters Bett beuge, reißt es mich – die ganz in Schwarz gekleidete R. hat sich zu ihr gelegt, aus dem gleichen Bedürfnis heraus. Ich streichle beide und rede ihnen gut zu, dann trage ich Fini an der Partymeute vorbei ins Auto.

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Irgendwann habe ich Hund, SchwieMu, Buttinger jun. und sen. im Auto. Dreihundert Meter vor dem Schwiegerelternhaus gerate ich in ein Planquadrat. Nach einigen über den Tag verteilten Proseccoglaserln bin ich doppelt kooperativ – aber ich hab' 0 ‰. Der Polizist lässt sich den Führerschein reichen und beginnt dann seine Ansprache. „Frau Magister, die beiden Herren und der Hund auf der Rückbank sind nicht angeschnallt.“ Ich schimpfe sofort zum Festern hinein. „Von wo kommen Sie denn gerade?“ „Vorchdorf.“ „Mhm. Und was haben Sie dort gemacht?“ Gerade frage ich mich noch, womit ich die Neugier verdient habe, als ich selbst erkenne, dass ich ja noch im Frack samt Schärpe und Orden stecke. „Oh“, sage ich, „das war beruflich, eine Feier mit dem LH.“ Der Beamte erlässt mir daraufhin meine 100 € Strafe.

Zuhause tun der Buttinger und ich schnell viel dafür, die Promillezahl zu erhöhen. Wir schnattern so weit in die Nacht hinein, als hätten wir einander Anfang des Jahres kennengelernt.