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Samstag, Februar 28, 2026

Schniedel im Licht. Messies bei Musil. Gelbe und zinnoberrote Häute

Lebenskrimskrams im Februar 2026


1.2.

Es ist ein sehr liebes Zeichen von Vertrautheit, im schweindirosa Frotteehoserl zu einem nachbarschaftlichen Umtrunk aufzutricksen (ausnahmsweise nicht ich).

***

In der Nacht spaziere ich mit einer Gans, einem Hasen und einer Katze durch Linz, alle in weinrotem Samt. #weißweintraum

2.2. Warscheneck

Auf markierten Wegen bin ich immer zu schnell unterwegs. Alles ist mit einer festgetretenen Schneeschicht bedeckt, mit den Grödeln ist es ein gutes Fortkommen. Meinetwegen müsste es nicht mehr schneien, ich habe keine Ansprüche an die Tourenski-Saison, aber für das natürliche Wohlergehen wär's freilich unverzichtbar. Im Lärchenwald der Zellerschneise krakeelen die Fichtenkreuzschnäbel. Oben Schönheit, aber bissige Kälte. Alle 50 Höhenmeter, die ich wieder absteige, wird es wärmer und alle 50 Meter wachsender Vogelgesang.

***

Am Abend frage ich Buttinger zeitgerecht zu Mariä Lichtmess, ob er mir eh noch bleibt – andernfalls müsste ich den Hund auf dem Glanglmarkt verkaufen.


3.2.

Die einzige Form, in der ich mir vorstellen könnte, „Melania“ im Kino anzuschauen, wäre gegen Geld und mit Live-Synchronisation von maschek.


4.2.

Coala kommt vom Zahnarzt und erinnert mich daran, dass er sich selbst jeden Morgen die Zähne im Bett liegend putzen muss, weil er sonst sein Leben nicht packt. DAS ist unser Zahnarzt. <3

5.2.

„Owa liab is“, sagt die Fressnapf-Verkäuferin, als ich 213,79 € für den Hundebedarf bezahle.

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Die Trump-Kandidatin in Texas heißt Leigh Wambsganss und hat gegen den demokratischen Gegner eingeschaut.

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Ein langer Spaziergang über das Kraftwerk. Die arme W. hat sich mit dem neuen Schatzi den Verkehr in Künstler*innenkreisen eingefangen (quasi was Venerisches), dabei hat sie selbst schon beruflich unter dem Psycho-Beraterinnenstuss zu leiden. Jetzt sagen alle in ihrer Freizeit „Meine Position ist...“

6.2.

Buttinger hat zu Mittag mit einem Freund dinierte und ist dabei ins Doomen geraten war angesichts der KI und dem ganzen Scheiß. Er habe gesagt: „Bei mir geht si vielleicht nu a natürlicha Tod aus, owa du und d'Meindl, ihr miasst's in Untagrund zum Kämpfn.“

Warum eigentlich nicht die KI an unserer statt auf den Mars schießen?

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Themenwechsel. Der spaßorientierte Skilauf wurde von einem Herrn Gutsmuths aus dem Thüringer Schnepfental erfunden.

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Jetzt, wo ich die guten Leute gefunden habe, freut's mich nicht mehr fortgehen.

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Wien.

Riesenskandal – die Musil-Gedenkwohnung ist nicht die echte Musilwohnung, sondern einen Stock zu tief. Ein japanischer Fan hatte das Büro genau ausgemessen, da kam der Schwindel auf. Die Musil-Gesellschaft wollte daraufhin ein Foto aus der originalen Wohnung heraus machen, aber das habe sich als unmöglich herausgestellt, weil man da nicht aus dem Fenstern herausschauen kann, das sei eine Messiewohnung. Erst unlängst mussten 11 Tonnen Papier auf Anweisung des Gesundheitsamtes in eine Mulde gekippt werden. „Das war früher eine Bergführerin, jetzt kann sie aber nimmer gut gehen.“ Sie habe früher oft wegen irgendwas angeläutet, und bald seien alle im Büro Anwesenden erstarrt, damit sie nicht merkte, dass jemand da war.

David Hoffmann erzählt, dass er neulich auf der Simmeringer Hauptstraße auf der gegenüberliegenden Seite einen Mann erblickt habe, der lediglich Socken und eine Sturmhaube trug. Zuerst wirkte er rechtschaffen verschreckt, bald richtete er sich auf und ging parallel mit ihnen einher, als habe er eine Wette verloren.

Die Präsidentin hatte lange einen Nachbarn, der am Fenster wichste und dabei seinen Penis mit der Taschenlampe ausleuchtete. „Ois da Fritz zu mia zong is, hod a s nimma so vü gmochd.“ 

Dann erzählt sie von einer Autorin, die sich einmal Aug in Aug mit einem Alligator befand, und zu ihrer narzisstischen Kränkung habe er gleich Anstalten gemacht, sie zu fressen, „obwohl ich sooo viel gelesen habe!!!!“ „Da hat sie erkannt, dass sie auch Nahrung ist“. Eine Abwandlung der Klage „Und so a Hirn muass amoi dafäuln.“

Es soll eine Vertrauensperson installiert werden. Ilse: „Da jopa soi ma seine Soang ins rechte Ohr song, d'Melamar ins linke.“



7.2. Schl8hofball „Wösovision“ - Songcontest

„I bin de Niallllande“, sagt eine stark Betrunkene. Es sind viele, aber dann doch nicht so viele wie erwartet als Udo Jürgens gekomme, ich ja auch, aber immerhin im Smoking – im Gegensatz zu den Faulis im Bademantel. Fasthuber besteht darauf, der einzig autorisierte Jürgens-Impersonator zu sein, sein Bademantel sieht tatsächlich „well loved“ aus und stammt aus dem Webshop des Jürgens-Merch. Mindestens drei Paare treten als Merci und Cherie auf, am besten Hasi & Heidi. Sitzen können sie in den riesigen Verkleidungsschachteln nicht, tanzen mögen sie ohnehin nicht. Er erzählt, wie er seine Buben einmal zu Halloween in die Nachbarschaft begleitet habe. Ein altes Ehepaar: „Ah! Von dem hamma aa scho wos ghert, owa jetzt hamma nix dahaam!“ Es wird dann doch in der Speis gestöbert – die armen Kinder kriegen After Eight (wie eine ansteckende Krankheit).

Isabella hebt mir ein Glückskekssprücherl vom Boden unseres Backstagekammerls auf: „No one will contest your happiness.“

Lange mit Boris über unsere Trendsportarten Bouldern und Skaten gesprochen; beiden ist uns das Szenige daran sehr unangenehm, und dass wir udaungs darin zu Veteran*innen geworden sind.

Roman nimmt es mir ein wenig übel, dass ich im Vorjahr zwar seine Tequila-Geschichte mochte, das Getränk selbst aber nicht. Schon habe ich ein neues Stamperl in der Hand, und siehe da, ich habe Anlass, mich zu entschuldigen bei George Clooney, Julia Roberts Mann und Roman. Apropos Roman: Beim Training habe ihn Sabrina Filzmoser gefragt, warum ich so viel vom Everest wisse. „Die wiad recherchiert hom“, habe er ihr gesagt.

8.2.

Ein Tag wie auf der Ladestation. Immerhin Hirschls „Schleifen“ angelesen, eine lohnende Leistung – allerdings nur zwischen Ausnüchtern und neuem Bier. Ich muss ihm bei Gelegenheit von Danis Befugnis erzählen, per Sprechakt sämtliche Bewohner*innen des Bezirks Linz-Land für tot zu erklären.

9.2.

Ö1 rechtfertigt das Vorkommen der Zecken und Milben in der Insektenrubrik damit, dass ja Fasching sei. 

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In Japan wollen so viele Menschen jedes Jahr spurlos verschwinden („Die Verdunsteten“), dass es dafür eigene Flucht-Anbieter gibt. 

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GAV-OÖ-Wahl. Im Irrglauben, dass meine Nichtbeteiligung als Enthaltung gezählt werde, erreiche ich das peinlich sowjetische Ergebnis von 100% (Wahlbeteiligung: 12). Ab jetzt regiere ich durch wie Trump: PEN annektieren, goldener Ballsaal in Schönering, Strafzölle auf die Publikation aller Nichtmitglieder.

10.2.

Coala wird zum Geburtstag von H. angerufen. „Beruflich bin ich nicht so ambitioniert, dafür privat voll! Dreistellig soll's am Ende vom Leben schon werden!Es geht in Wellen bergab. Also ab und zu geht’s schon noch bergauf. Aber insgesamt bergab.“

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Das Gartenjahr hat noch gar nicht begonnen, und schon das Gefühl, hinten nach zu sein. Beim Versuch, die Maulwurfshügel abzutragen, werde ich sofort von der Nachbarin erwischt und zum Kaffeetrinken abgezogen, damit da keine Konkurrenz entsteht.

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„Ich scheiße in dein Leben!“ So geht Poetikvorlesung! Mann muss Barbi Markovič sehr lieben. 

11.2.

Beim Versuch, ein Arbeitsstipendium beim Bund einzureichen, lande ich wegen Doofheit zuerst beim Antrag für Bibliotheken und Verlage, was ich so lange nicht merke, dass ich schon ganz passiv-aggressiv überall in die Formulare schreibe, eine PERSON zu sein, „deswegen habe ich keine Statuten außer das Bekenntnis zur Verfassung der Republik“.

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Obwohl Barbara Zeman mitgeteilt hat, dass sie & The Zew nicht mehr als eine warme Begrüßung und eine warme Suppe brauchen, befällt mich am Tag von experiment literatur wieder dasselbe Gefühl einer leichten Versagenserwartung, also wird das in Zukunft wurscht sein können – es wird sehr schön, und es ist kaum einmal anders gewesen. Die Künstlerinnen sind nach dem ersten Löffel Suppe ganz ding, das Publikum ist nach den ersten Minuten ganz ding. „Das wird heute eher ein introvertierter Abend!“, kündigt sie an, und alle sind bissl verliebt. Eine, deren Texte man von ihr selbst vorgelesen bekommen sollte.

H. erzählt neben der lachenden Gattin, wie sie einmal im Zustand milder Betrunkenheit eine mörder Business-Idee überkam – es müsse ein Konzept ausgeklügelt werden, wie man Blinden ein filmähnliches Erlebnis ermöglichen könne – der Geistesblitz: ein Blindenfilm! Mit Dialog! Regieanweisung! Musik! Geräusche! Sie sind ganz begeistert. Hasi (natürlich nüchtern) hört ihnen eine Weile zu, immer fassungsloser, als er merkt, dass sie es ernst meinen, bis er schließlich fragt: „Ihr meint ein Hörspiel?“ Schweigen. Eine Idee stirbt. „Äh. Ja.“

12.2.

Leider ist mein "Oeuvre" noch zu schmal, als dass renommierte Verlage nach einer Poetikvorlesung gierten. Aber als ich den Titel poste: „Wie kann ich hier arbeiten, wenn im Kirschbaum die Kohlmeisen budern!?“ Untertitel: "Hokus Pokus, weg ist der Fokus! Mein Leben auf der Flucht vor dem Roman. Von Dominka Meindl, Präsidentin der Prokrastination Österreich", schickt Barbi Markovič ein Herzi.

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Kracht, „1979“: Oida, oida. Zwar wird der Kailash sehr schön umrundet, als gäbe es kein Frieren auf der Welt, aber dann freut sich der Erzähler, dass er im chinesischen Straflager so schön dünn wird. Das Buch geht volley zurück an Bookbot.

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Am Nachmittag hemdsärmelig Äpfelbäume schneiden. Die Hündin weint vor Frust, weil ich ihr all die Äste und Stöcke nicht werfe. 

Große Behaglichkeit nach einem kleinen Wettersturz.

Die Vögel kehren zurück: Milan, Falken, Käuzchen. Ein ganz hoch fliegender Krähenschwarm.

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B. meldet sich wegen des Romans, ich möge mir doch wieder einen anderen Titel ausdenken. Leider hat sie recht. 

13.2.

Ö1-Radiokolleg: „Gruselige Vorfreude auf die morgige Ausgabe: die Krätzmilbe!“ Jetzt weiß ich auch leider, dass es „Steißränder“ gibt.

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Die Krähen haben sich herabgelassen und fliegen Manöver zwischen den Nussbäumen.

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Allmählich wird es mir vorstellbar, länger nichts zu trinken. Am Donners- und Freitag ist das Hirn offen und arbeitsfreudig wie ein ausgeschlafener Collie. Vielleicht liegt's auch daran, dass ich es in meinem Leben mittlerweile sehr gut bei klarem Verstand aushalte (bzw. immer länger).

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So dachte ich am Vormittag, ab 16 Uhr tritt die tägliche Vorfreude / der tägliche Wunsch nach einem Bier verlässlich auf. Und wir trinken dann auch brav.

René (ca. 1‰) unversehens: „Wie geht’s eich eigentlich mit dem Altern?“

14.2.

Buttinger schenkt mir zum Valentinstag einen Gutschein fürs Autowaschen, dazu Anzuchterde und Kaminanzünder.

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Wien

„Wir haben so tüchtige Männer!, klagen Anna und ich. Ihrer hat an einem Tag einmal schnell eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach geschraubt, „und selbst hat man am Abend zwei Seiten... (ich fürchte schon, sie sagt „geschrieben“) … gestrichen.“

15.2.

Und auch im Liegen verfliegt die Zeit! Fast zu faul, um mich zum Essen ausführen zu lassen.

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Seit Bookbot ist jedes Buch vom Rauswurf bedroht, das ist auch nicht schön. Andererseits besitze ich immer noch so unendlich viel Schas! Etwa einen Schottland-Reiseführer ohne jedes Farbfoto, ein Mängelexemplar. Oder: „Mutterfreuden und – Leidensweg“.

16.2.

I.: „Astrologie ist nie ganz exakt! Wenn eine behauptet, das ist so, hat sie unrecht!“

***

Sonnenschein nach Schneetreiben, ein Winterapriltag. Im Linzer Auwald fragt eine junge Frau, ob sie Fini fotografieren dürfe. Gut, dass ich erwachsen bin und nicht eifersüchtig auf den Hund.

***

Esslinger und Koch im Kepler Salon. Wir reden dem Publikum ein, dass Verena nur auftreten darf, weil sie sich auch die Haare kurz schneiden hat lassen. Wir sitzen da wie drei weise graue Eulen. Sehr liebe, sehr gescheite Gästinnen. Es herrsche keine Gute-Laune-Pflicht, sage ich. Esslinger: „Faule Leute sind mir lieber, die richten weniger Schaden an.“ Sie sei deswegen Künstlerin geworden, „da ruiniert man noch am wenigsten.“

17.2.

Nicht viel mehr gemacht, als Phantomereignisse vom Juni 2025 abgetippt, als der Sommer sich noch vor mir erstreckte wie ein zutrauliches Katzerl. Und einen Meinungsbeitrag zum Latein-Aufreger (eher fürs Streichen aus dem Lehrplan, aber ambivalent, an mir wird’s nicht liegen, das zu entscheiden).

18.2.

Schnee galore! Ehrgeizige Skitourenpläne, sogar die Plankamira war im Spiel, aber als wir in der Früh schon am Pyhrnpass jämmerlich hängen bleiben, tut's das Glöcklkar auch. Und zwar in die Haut hinein, ich büße im kniehohen Schnee für meinen Anspruch auf die Führung. Scheiß Emanzipation! Spuren im Erlengekröse, jeder Schritt geht auf Grund. Der Herr Ornithologierat geht wie immer gleichmütig hinter mir her, er hätte bestimmt keine schlechtere Spur gewählt. Aber immerhin eine Skitour. Das wird keine große Saison mehr. Nicht nur deswegen wird mir das Wandern immer lieber. Auch das dumpfe WUMM noch unterhalb der Waldgrenze erinnert mich daran, dass es ohne Schnee unkomplizierter ist. Fini schwimmt im Fluff wie ein verwirrter Otter. 

19.2.

Dem Sternsinger-Centerfold des Pfarrblatts lese ich erleichtert ab, dass Blackfacing wirklich überwunden ist. Nur eine Begleitperson hat sich das Gesicht gelb angemalt. Just als ich darüber nachdenke, ob das nicht auch rassistisch sei, titelt orf.on mit dem Trend des „Chinamaxxings“: Es sei Symptom der wachsenden soft power, die eigene Sinifizierung im Internet zu dokumentieren. 

***

Koreanisierung: Werde ich jetzt ein Mensch, der sein eigenes Kimchi macht? Wahrscheinlich misslingt es furchtbar. [Wir nehmen vorweg: Ja.]

***

Wieder zwei sehr schwere Kisten mit Mutters Büchern gefüllt und zur Post geschleppt. Was ist überhaupt wert, aufgehoben zu werden? Wer soll das dann erben? Jetzt nur keine Sinnkrise einreißen lassen, das Haus ist voll und mein eigenes Buch auf dem Weg.

20.2. Fr

Zweimal beglückendes, politisch korrektes Weißsein: Sehr viel schöner kann ein Wintertag nicht ausschauen (nur zwei Monate früher kommen). Und es schaut ein weißer Rand unter meinen Emails hervor!!!! Das hatte ich schon lange nicht mehr. Der verharrende Mail-Rest wird zach, aber so ist das beim Bergaufsteigen und Administrieren.

21.2.

Goisern. Die Pracht schmilzt zu grauem Sorbet. Von fern betrachte ich den Buttinger bei der Arbeit. Auf den ersten Blick glaube ich, dass die Eisschwimmeuropameister*innen eh alle Neopren tragen, alle in einheitlich blassem Zinnoberrot. Ich gehe mit dem Hund weiter bis zur Freibadgrenze und sehe erst jetzt, dass es der einheitliche Farbton der Haut ist.

Keinem entringt sich der kleinste Schmerzenslaut, wenn sie alle ins 4° Grad kalte Wasser steigen. Ich stehe auf dem Steg, von Kopf bis Fuß in Regenhaut gehüllt, fröstelnd. In weniger als vier Monaten könnte ich zum ersten Mal in den Grundlsee, aber ich weiß jetzt schon: nur theoretisch [Wir nehmen vorweg: Ja.]. Ich bleibe ein Weh und werde es nicht mehr ändern.

***

Black Horse. Trump hungert Cuba aus, während er ein Lazarettschiff nach Grönland schickt, wo es ein kostenloses Gesundheitssystem gibt. Man kann das nicht mehr verstehen wollen. Genau als wir von Cuba sprechen, fällt solidarisch der Strom aus.

22.2.

Heute nichts. Rufzeichen. Immerhin gelesen, gebouldert, gefernschaut (Tina Fey <3), das ist eigentlich eh so viel mehr als Nichts.

Tomer Gardi, „Liefern“: Wie fürsorglich er mit seinen Figuren umgeht.

23.2.

Überall rauscht und fließt es, tosend stürzt das Schmelzwasser über die Kraftwerksschleusen.

24.2.

An den Namen der Hundekommandos lässt sich ablesen, woran man ist. Finis „gschamster Diener“ heißt bei der Alex-Hündin „Yoga!“ Ich scheine auf vorgetäuschte Unterwerfung zu stehen.

***

Am Bahnsteig steht ein Mann, der vor Wut spuckt. Obwohl ich Abstand nehme, steigt er in denselben Wagen. Ich stehe wieder auf und sage der mir entgegenkommenden Zugbegleiterin, da sei einer, der nicht in diesen Zug gehöre. Nein, antwortet sie freundlich, der sei in Ordnung, ein armer Mensch mit starkem Tourette und Klimaticket. Ich schäme mich. Am neuen Sitzplatz bleiben vier unangenehm männliche Typen stehen und halten den beiden Passagieren neben mir ihre Dienstmarken unter die schlecht rasierten Nasen. Auf meiner Augenhöhe die Pistolen der Schengen-Kontrolleure. Die Kontrollierten haben auch wirklich mangelhafte Dokumente und verheddern sich beim Antworten. Da es augenscheinlich Autochthone sind, lässt das Schleierfahndungsquartett von ihnen irgendwann ab. 

Rund ums Belvedere der weiche Kontrast – Männer holen Kinder namens Frida vom Kindergarten ab, man weiß nicht, ob es sehr späte Väter oder Großväter sind. Alle haben Lastenräder.

Literaturrunde mit Scholten. Wir schildern reihum das rasante Wachsen des Kultur-Prekariats, er nickt zustimmend, wir wissen, dass es eh wurscht sein wird. (Also ich zumindest.)  

Mit Coala ins Aera. Hier zeigt es sich, dass ich nun ein Mensch geworden bin, der seine Portionen nicht mehr aufessen kann. Aber Coala ist ein Mensch, der immer saubere Tuppergschirrln mithat. Ohne Scham schiebe ich meine größten Knödel hinein, fürs Mittagessen morgen.

Weil Zeit ist, gehen wir ein Stück zu Fuß, zuerst durch den 1. Bezirk (in dem ich bis in alle Ewigkeit fremdeln werde), dann über den Ring, die MaHü entlang, so lange, bis Coala darauf hinweist, dass bald keine Züge mehr fahren. Es gibt halt viel festzustellen, etwa dass uns derzeit gar nichts unmittelbar bedränge, aber die Sorge unsere Grundeinstellung sei. „I hob mi gfrogt, wos mei Beitrog zu dem Gaunzn is, und gaunz kuaz docht, najo, mehr ois a boa scheene Keramikvegl werd' i ned hintalossn.“ Ich pflichte ihr heftig bei und widerspreche gleichzeitig. Dann sage ich, es sei ja wurscht, nach unserem Tod werden wir wahrscheinlich eh tot sein.

In 17.385 Schritten durch den Tag, 2000 mehr als ins Glöcklkar bei der Skitour.

25.2.

Die gemeine Osthummel heißt auch „bombus impatiens“. Trump wird später davon faseln, dass es beim Überfall auf Venezuala einen „secret discombombulator“ gegeben habe.

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Inception für Arme: Ich tippe ab, dass ich im August 2025 abgetippt habe, wie ich im Februar 2025 den August 2024 abgetippt habe. [Das wiederum tippe ich Anfang September 2026 ab.]

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Apropos Micromanaging, s. 10.2.: Wenn ich als kleine Einzelkämpferin meine Arbeit so „effizient“ erledigen würde wie das mittlere und leitende Management allenthalben, hätte ich 2017 das Haus verkaufen müssen und würde 2027 verhungern. 

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Apropos „effizient“: Weil es immer wärmer und grüner wird, unterbreche ich mein häusliches Arbeiten an irgendwas, um im Garten irgendwas zu machen. #altersadhs

26.2.

Nie also würde ich in einer Welt voller Dominika Meindls leben wollen. Nichts käme zu einem Ende. Was auch immer alle berühren, wird zu einem Projekt. Alle würden mit schlechtem Gewissen ihre Tage vertändeln mit Fragen, wie sie ihre Bibliothek ordnen sollen. Welche Sträucher geschnitten werden sollen (was dann eh nicht passiert). Ob es eh allen gut geht. Ob eh grad niemand sauer ist auf einen. Ob der Hund eh zumindest sein Minimum von 15 Jahren erlebt. Aber niemand hätte Zeit für Bodenversiegelung, Sexismus und Audifahren.

Ich beende das Notieren und räume stundenlang Bücher von A nach B und C und D ff. Ein Tag, der sich ein wenig wie Lockdown anfühlt. Mit niemandem gesprochen.

27.2. Fr

Nach Mitte Vierzig so über den Tod nachdenken wie damals Mitte Zwanzig über die Liebe: Hoffentlich finde ich den Richtigen!

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Am Morgen war ich wohl zu deep, nach dem Frühstück und anschließendem Bandeln im Haushalt sowie ausgiebigem Hundsstreicheln hänge ich wieder ganz fest an meinem kleinen Geißleben.

Es ist aber auch scheiß nebelig hier, während es überall außerhalb des Zentralraums 20° Grad hat (danke für nichts, Webcams). Wir Einwohner*innen von Linz-Land sollten von der EU einen Härteausgleich bekommen wie Bergbauern.

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Bookbot liefert neue Bücher, es ist kein Land zu gewinnen. Wie viel ich schon umverteilt habe, wie viel es noch gibt! Die Brandlast ist enorm.

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Beim Abtippen der Notizen vom September 2025 fällt mir ein, dass ich eh erst 47 bin (das tippe ich am ersten Tag als 48-Jährige).

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Am Nachmittag mit der ersten Fuhr Grünschnitt zum Altstoffsammelzentrum, wo sich schon wieder Berge davon türmen. Wie ein Bademeister steht ein Mitarbeiter da und schaut dem Wuseln zu, er sagt auf meinen Gruß: „Jetzt wird’s aufaungat.“ 

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Trink-Abend mit den Freundinnen, wir sind sehr gelöst und bestellen Ingwer-Drinks. G. googelt die Etymologie des „Cocktails“ und erfährt, dass man Pferden früher auf Schauen Ingwer in den Arsch gesteckt habe, damit sie feuriger („gingery“) aufträten.

Wir reden über Witwenpensionen und das generelle Ende. C.s Tante sei so sauer gewesen, ihr eigenes Begräbnis zu verpassen, dass sie ihre Angehörigen zu einer Probezehrung lud, für die sie sich vom Arzt fitspritzen ließ, um tanzen zu können.

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In der Nacht träumt mir von einem Schlachthof-Treffen mit dem LH, bei Schokokuchen und freundlicher Konversation, bis ich sage, dass es ein Skandal sei, die Stadt Wels zahle überhaupt keine Förderungen! Stelzer gibt vor, aufs Klo zu müssen und macht sich aus dem Staub.

28.2.

Mit einem Arsch auf zwei Hochzeiten, davon tatsächlich eine in Vorchdorf. Die Hunde einträchtig wie zwei Brautleute. Sekt im Frühlingslicht.

Über der A1 kreisen zwei Milane nahe beisammen, obwohl ihnen der gesamte Himmel zur Verfügung stünde, wie Brautleute.

In Schönering berichtet mir die Nachbarin gerührt, wie sie unlängst eine Kohlmeise beim wählerischen Begutachten meines Vogelhauses beobachtet habe. Der HErr Ornithologierat wird mir später am Abend erläutern, dass die Meisenmännchen der Dame stets mehrere Nester anbieten müssen. Was bei Kohlmeisen in unseren Gärten ja noch anginge, bei Schwanzmeisen, die selbst bauten, aber „keine Art sei. Ich finde, da darf man den Damen schon einmal kritische Fragen stellen.“

***

Vor dem KUPF-40er-Festakt nötige ich den LH, mir ein Gratulationsvideo für die Brautleute aufzunehmen. Beim ersten Versuch drücke ich nicht ordentlich auf „Aufnehmen“, sodass nur mein „geh, mir san deppert!“ zu hören ist. 

Nazzal und Stieber kündigen einander an, jeweils mehrere Stunden sprechen zu wollen, und ich lade sie ein, nach den Ansprachen in drei Runden noch einmal auf das vom anderen Geredete zu replizieren, DAS sei einmal ein Kunsthappening, die totale Zermürbung.

Anna erzählt, früher seien die Kupf-Vorstände entweder mit offenem Hosentürl oder lackierten Fingernägeln zu Verhandlungen gegangen. Ich soll dann beim Tortenanschneiden die ziemlich großen Messer reichen, ich stelle mich damit an den Bühnenrand und kündige an, eine Jonglage-Nummer zu zeigen. „Glückliche“ Gesichter in der ersten Reihe.

Die Grußworte fallen angenehm kurz aus, allesamt freundlich. Ich sage, wir von der Freien Szene müssen uns weiterhin fest in die Politik einmischen, und umgekehrt dürfe sich die Politik bei uns einmischen, „mit Förderungen! Scheißt uns zu mit eurem Geld!“ Danach freundlicher Smalltalk, ich bin noch im Frack und entsprechend extrovertiert. Ich erzähle dem LH vom Gurkenfächermoment im neuen Roman, und dass mich sein Arbeitsleben daure.

Dann muss ich zurück zu Hochzeit 1. Ich trage den Hund die Stiegen hinunter durchs Gewühl, verquatsche mich aber (siehe #heiklemeisen) – Fini ist verschwunden. Ich steige wieder alle Stiegen hinauf, ganz oben sagen mir die Kolleginnen, der Hund sei gerade zurück in ihr Versteck gezischt, aus Panik vor all dem Lärm. Als ich mich im Dunklen zu Fini unters Bett beuge, reißt es mich – die ganz in Schwarz gekleidete R. hat sich zu ihr gelegt, aus dem gleichen Bedürfnis heraus. Ich streichle beide und rede ihnen gut zu, dann trage ich Fini an der Partymeute vorbei ins Auto.

***

Irgendwann habe ich Hund, SchwieMu, Buttinger jun. und sen. im Auto. Dreihundert Meter vor dem Schwiegerelternhaus gerate ich in ein Planquadrat. Nach einigen über den Tag verteilten Proseccoglaserln bin ich doppelt kooperativ – aber ich hab' 0 ‰. Der Polizist lässt sich den Führerschein reichen und beginnt dann seine Ansprache. „Frau Magister, die beiden Herren und der Hund auf der Rückbank sind nicht angeschnallt.“ Ich schimpfe sofort zum Festern hinein. „Von wo kommen Sie denn gerade?“ „Vorchdorf.“ „Mhm. Und was haben Sie dort gemacht?“ Gerade frage ich mich noch, womit ich die Neugier verdient habe, als ich selbst erkenne, dass ich ja noch im Frack samt Schärpe und Orden stecke. „Oh“, sage ich, „das war beruflich, eine Feier mit dem LH.“ Der Beamte erlässt mir daraufhin meine 100 € Strafe.

Zuhause tun der Buttinger und ich schnell viel dafür, die Promillezahl zu erhöhen. Wir schnattern so weit in die Nacht hinein, als hätten wir einander Anfang des Jahres kennengelernt.

Mittwoch, Oktober 01, 2025

Widerliches Wissen, Freiheit in Deutschlandsberg und seltsame Haustierrassen. Das Leben in der Gruppe 47

Lebenskrimskrams im September 2025

1.9. 

 

Ein Vorteil des Alterns ist die aus Erfahrung gekelterte Vernunft, dass am Ende des Sommers erst eigentlich die schönste Wanderzeit beginnt und ich noch nicht traurig sein muss, dafür ist dann im November Zeit genug. (Zwischen Mitte August und 1. September die übliche Anpassungsstörung, so wie das Kindergartenkind in der Volksschule) Die Badesaison wird heuer aber als die schlechteste in meine Annalen eingehen.

Diesen Tag habe ich mir selbst gerettet, indem ich statt eines Meetings über das Sigistal auf den Grubstein gestiegen bin.

Wie lieb mich der Hund jetzt immer lobt, wenn ich an einer Stelle länger brauche.

„You do have a pleasant life“, lobt mich Elaine, als wir uns abends an der Stiege treffen.

2.9.

Hadern mit der Wiederkehr der Termine (igitt!). Alle wollen alles persönlich besprechen. Immerhin pausiert in diesen Zeiten die Neurose, ob mich die Leute eh mögen.

Und wenigstens ist es draußen schiach, und der Installateur hat gar nicht gebohrt (es ist eh so auch teuer genug). Während er werkt, schimpft er „auf de Leit“. „Waun auf d'Nochd fünfe zaumsitzn, is's ma scho zvü!“ Dann geht es mit mir durch und ich teile ihm mit, dass ich soeben den KUNSTFÖRDERPREIS der Stadt Linz gewonnen habe. „Ma, do bin i a Banause, i hob nua mehr s'Fischn im Schel, ois aundare intrisiert mi nimma.“

3.9.

Katrin ohne H, die extra wegen der Ars und eines Ö-Slam-Filmchens zu mir nach OÖ kommen möchte, wird auch ganz wunderlich, als wir uns am Telefon ausmalen, wie schön es wäre, so richtig, richtig viel Geld zu verteilen. „Und die Leute kriegen Honoraaaaaare!!“ „Irre“, sage ich. 

***

In Schnarrenberg steht angeblich eine Skulptur namens „Steinerne Vagina“, in der ein dicker amerikanischer Tourist steckengeblieben sein soll. Vielleicht wollte er ein intensives Rebirthing inszenieren. Während ich das lese, gibt die Lidl-Baustelle in Wels beeindruckende Industrial-Noise-Schnarr-Klänge von sich. Wenn man das zusammenschneidet mit der Errichtung der Steinvulva und einer Betonmauer, hat man einen zeitbasierten Arthouse-Hit.

4.9.

Beim Romanschreiben bin ich halbwegs im Plan (ich war sehr moderat, weniger als 2000 Zeichen pro Tag bis Weihnachten), aber es fühlt sich an wie eine prekär dahinpritschelnde Ölquelle lang nach dem Peak Oil. Immerhin ist mir bewusst geworden, dass ich zwecks Recherche ja alle meine 8000er-Bücher wieder lesen darf, nein: muss.

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Linz ist wie jedes Jahr während des Ars Electronica Festival nicht wiederzuerkennen - im Guten. Dass Menschen aus der Ferne und aus der Zukunft zu uns kommen wollen, rührt mich alljährlich.

Heuer bin ich als „President of Austria“ involviert, ich soll die Tech-Bros rauswerfen. Es ist alles recht improvisiert, was mir recht ist. Aber ob's der Kunst und der Gesellschaft dient? (Das Foto hat der gute Andreas Kolb gemacht, größter AEC-Enthusiast der Stadt:)

 

Vorher werde ich für das Projekt „Digital Shadows“ aus dem Schwarm der Teilnehmenden gefischt. Meine Knie werden vermessen, dann sitze ich mir selbst gegenüber, quasi als perfect match, was aber nur befremdlich ist. Mit sich selbst als Avatar direkt ins Uncanny Valley! 

***

Max Goldt immer toll, auch wenn er sich dieses Mal ein wenig zu viel und mit zu wenig Mehrwert am Zeitgeist abarbeiten will. Er hat nicht unrecht, aber gibt’s nicht viel ergiebigere Kolumnenthemen? Grasen das nicht der Liessman und der Hallervorden ab wie gierige Ziegen?

Gelernt: „Pasquillant“, eine Unterart der Satire, die sich an einer prominenten Person abarbeitet. Bei mir also André Heller, die Landeshauptleute und Luis de Funès.

5.9.

Köglberger, den ich in einer ganz anderen Sache anrufen muss, dementiert, dass ich das Kunstförderstip nur bekommen habe, weil ich so nett sei („Auch, aber nicht nur“).

***

Mein Drang nach öffentlicher Meinungskundgabe als Privatperson schwindet wie die Gletscher. Vielleicht liegt's an der gesellschaftlichen Klimaerhitzung. Ich kriege ja schon für meine selbstironischen Alltagspostings so viele törichte Ratschläge und Belehrungen. Als Präsidentin geht’s dann wieder, da profitiere ich von der österreichischen Hofknicks-Mentalität.

***

Ich muss mehr mit den richtigen Menschen abhängen. Katrin ohne H etwa, die ganz begeistert angesichts der Skiberge im eigenen Garten ist, und später über Finis Schnaufen in meinem Ö-Slam-Regelerklärvideo. 

 

***

Dass sich dann an diesem Tag alles ausgeht und ich um 18:30 Uhr im Zug sitze, ist ein gnädiges Kleinwunder. Ich sitze da, regennass, nach Luft ringend – und im Frack. Die Leute im Abteil nehmen mich gar nicht wahr. Daheim wartet Buttinger mit Bier und Brot.

6.9.

W8-Klausur am Stoßbach. Im Waldhaus hängt ein Gewehr an der Wand, daneben auf dem Regel steht der „Ulysses“. 

Auch dieser Tag verdient das Label "Mit den richtigen Leuten abhängen". 

 

7.9.

Sämtliche Nachbarinnen sagen S., wie tüchtig sie sei, weil sie an einem Sonntag den Kirschlorbeer schneidet. Ich natürlich auch, so will's der Brauch hier. Würde ich die Beteiligten nicht kennen, ich dächte mir meinen pseudo-urbanen Teil über dieses Speckgürtelverhalten.

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In der Boulderhalle verbringe ich jetzt mehr Zeit mit den Gewichten als an den Wänden (beides insgesamt auch immer kürzer). Bald reicht mir der Haushalt als Fitnessgerät.

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W. zeigt uns, wie man auf das Flachdach kommt. Vor lauter Aufregung übersehen wir die Mondfinsternis, die in Wels aber ohnehin nicht spektakulär ist. 

8.9.

Nun bin ich also Mitglied in der Gruppe 47 [Beim Abtippen im Februar freue ich mich richtig über diese Erkenntnis, ich habe mir selbst erfolgreich eingeredet, schon im 48. zu sein].

Mit mir feiern heute zehntausende Eltern in der Osthälfte Österreichs den Schulanfang. 

 

Man schenkt mir viel Ess- und Trinkbares, aber auch: 10 Legami-Stifte, 1 Grundlseebild, 1 Schafspelz für frierende Wölfe, 1 Gutschein fürs Restlsaufen, 1 Einhornseifenblasengerät. Fini kriegt 1 Flohhalsband, dessen Gestank sie völlig aus der Bahn wirft. 

 

Nächstes Jahr gehe ich am Geburtstag trotzdem wandern, alle wundern sich im Internet, dass ich das nicht getan habe.

9.9.

Im Traum mit einer Gruppe auf einem höheren Berg, Martin Pollack war auch dabei, in einer väterlich-beruhigenden Rolle. Heute fände ein Abend zu seinen Ehren statt, den ich spritze, weil ich geistig am Everest bin und deswegen für meine Verhältnisse wild dahinschreibe. Aber sogar der literarische Besteigungsversuch fühlt sich an wie Hybris.

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Wachsende Blödheit, eine Schwäche für alles – heute beim Sammeln an der Donau einen zweiten, weniger ansehnlichen Stein mitgenommen, weil es mir so vorkam, als gehörten die beiden Kiesel zusammen, als seien sie schon den gesamten Weg vom Tessin hierher... ach, es ist zu dumm.

Sonst aber alles ok. Das Ausmisten wird immer mühsamer, auch wenn ich objektiv weiß, dass das Haus noch bummvoll ist. Aktuell miste ich den Stoß der Publikationen des „Österreichischen Buchklubs der Jugend" aus (der im April 2026 übrigens vor dem Aus steht, Schande über die Verantwortlichen!). „Heimat und die weite Welt“, ein Reader's Digest für die heranwachsende Nachkriegsgeneration. Auch darin viele Tierschicksale.

11.9.

Ich schreibe den Roman wie eine old school Everest-Besteigung, im Belagerungsstil. Wieder geht es an einen Ort, an dem ich nie war und wohl auch nie hinkomme. Zu Fleiß, ich wäre dann ja Teil des Overtourisms. Ziel ist, dass man sich nach dem Lesen ein bisschen schämt, wenn man noch nach Hallstatt oder ins Basecamp reist. Das ist aber auch ein wenig gelogen, ich war ja nach Erscheinen des Buches selbst wieder in Hallstatt. Immerhin kann ich meine Neigung zum Abenteuerbuch für das eigene Schreiben nutzen.

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Es gibt das Amt des „Grasherrn“.

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Im Black Horse Mieze und Markus angetroffen. Nur mit sehr viel Mühe das zu vielte Bier nicht getrunken, weil's noch schön gewesen wäre.  

12.9.

Neusiedl

So lange schon war ich nicht mehr im Burgenland. Es ist mir ganz recht, die ollen Erinnerungen zu überschreiben. Der See scheint aber immer noch eine gigantische Froschlacke zu sein. 

Die Burgenländer an sich sind schon liebenswert. Mir ist es fast peinlich, aus einem Bundesland ohne so etwas wie „Volksgruppen“ zu kommen. Brettl spricht über rassistische Inszenierung der Roma und Sinti, Invancsics über ihren rassistischen kroatischen Onkel.

Der liebe und sehr lustige Perschy erzählt sehr lieb und lustig über allerlei Namen. Er kennt eine, die sich in den 70ern vom damals faden „Katharina“ in das angesagte „Karin“ umbenennen ließ, in den 80ern eine, die sich von „Karin“ auf „Katharina“ umentschied. Es war aber nicht dieselbe Person.

Sein Onkel hatte einen Ged, der sich für ihn – abgeleitet vom polnischen Nationalheiligen – den Namen „Hyazinth“ wünschte. Da der Säugling einen eher schwächlichen Eindruck machte und die Eltern befürchteten, dass er nicht sehr alt werde, gaben sie dem kuriosen Wunsch nach, um dem Onkel eine Freude zu machen. Diese währte dann recht lange. „Zintl“ wurde Leiter der Wasserwerke, und als der zuständige Bezirksvorsteher anlässlich seiner Pensionierung den Namen verlesen sollte, stockte er: „Perschy... HEINRICH!“

13.9.

Wieder weiß ich in der Nacht sehr lange nicht, wo ich bin.

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Zur Tabor-Ruine. Höhenmeter machen fühlt sich im Burgenland an wie Mokka trinken in Tirol. In der Ferne glänzt die Froschlacke silbern im Schilfpelz. Ich beschließe, hinzugehen, so weit kann das ja nicht sein. 12.000 Schritte später stehe ich vor einem Gitter, das zumindest einen kleinen Blick auf den See gewährt. Kein Zentimeter Ufer ist gratis zu betreten. Leicht adriatische Ferienanmutung, dort kommt man auch nirgends einfach so an den Strand. Immerhin ist der Vogelreichtum des Háncsag zu erahnen. 

 

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Sanja Abramović nimmt mich sehr für sich ein, am liebsten möchte ich nur noch von ihr bei Lesungen begleitet werden. Sie habe sich beim Vorbereiten im Blog festgelesen, wobei sie beim Lesen über meine Prokrastination selbst prokrastinierte. Wie lieb ist das denn, alles erreicht!

„Welchen chinesischen Ort würdest du in Oberösterreich kopieren wollen?“ „Chengdu, das ist eh die Partnerstadt von Linz, die passt flächenmäßig exakt auf OÖ drauf.“

Sehr, sehr einnehmend auch Ana Marwan, ich verliebe mich in ihr „Sei Erich“, das absurderweise kein Bestseller ist, sondern in einer vergriffenen Mini-Auflage erschienen ist. Erich heißt in der Realität Ivo und hat honigfarbene Pfoten. Es geht in den Gedichten u.a. um das Ende einer bedingungslosen Liebe, weil der besungene Hund sich in einem verwesenden Feldhasen gewälzt hat. Später plaudere ich mit ihrem Mann, nach drei Sätzen frage ich ihn, warum er genauso klinge wie ich – weil er aus Ottensheim stammt, fast mein Jahrgang ist und alle meine Ottensheimer kennt. Wie er denn heiße? „Marwan.“ „Ja, aber dein Mädchenname.“ „Eh! Ana heißt Flay.“ Ich entwickle immer stärker einen Jugo-Akzent-Fimmel, für den ich mich nicht sehr schäme (ein bisschen schon, es ist vielleicht positiver Rassismus).

Clemens Berger hat sich in den ziemlich genau 10 Jahren, in denen ich ihn nicht gesehen habe, keinen Deut verändert, als habe er in einer Kryokammer überwintert.

Sofort möchte man von Ljuba Arnautović adoptiert werden. Sie hat soeben einen Enkelsohn bekommen, dessen Vater Italiener ist. Das Kind heißt „Rio Boschi“. Wie soll aus dem nichts werden!

14.9. 

 

Wieder nur durch härteste Disziplin nicht ertrunken, was in Anbetracht all der offenen Weißweinflaschen wirklich eine Leistung war (für die ich eh kein Lob erwarte, ich danke es mir heute Morgen ja selbst).

Mit den extrem überfüllten ÖBB heimfahren ist ein arger Kontrast, aber egal, es kann ja nicht immer so schön weitergehen.

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Zum Vollständigen Niedergang schauen wir „John Wick 4“ - ein Gemetzel, über das man schon nur noch lachen kann (wenn ich nicht die Hälfte verschlafen würde). Als sehr schönen Kontrast zum Morden streichelt mich der Buttinger, wahrscheinlich freut er sich, mich wieder da zu haben (same here). Die Dialoge im Film sind in ihrer Pathetik nur noch doof.

15.9.

Im Irrglauben eines Formtiefs 12 Stunden übers Kolmkar zum Grieskar. Wahrscheinlich wäre es über die schwach verzeichnete Abkürzung hinüber zum Rabenstein kürzer gewesen, aber heute hat mich der Mut verlassen. Das Auf- und Ab in den Latschengassen verlangt mir eine Zuversicht ab, die ich nicht immer schaffe, auch wenn genug Kraft in den Beinen ist. Es kostet geistige Spannkraft, sich auf die Markierungen der Vorgänger und die eigene Orientierungsfähigkeit zu verlassen. 

 

Fini lobt mich heute wieder oft. Nur beim Urban-Band ins Tal hinunter mag sie nicht in meine Arme hüpfen, lieber überspringt sie es mit einem gewaltigen Satz in den prekären Schotter. Dieses Tier zeigt mir, wie man sich in den Bergen bewegen kann.

Das gellende Pfeifen der Murmeltiere, die herabschauende Gams, die Brunft der Hirsche in der Dämmerung. Es ist mulmig und schön zugleich in der Finsternis.

Ein großer und sehr langer Tag.

16.9.

Würde es die Immobilienkrise nicht lindern, wenn man all die musealen Dichterwohnungen an arme, sehr ordentliche Literat*innen vermietete?

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Eine Krähe hoppst so nahe an das Auto heran, dass es suizidal wirkt, dann erst gneiße ich, dass der schlaue Kollege eine Nuss exakt so platziert hat, dass ich sie ihr mit dem Reifen knacken kann.

17.9.

Bei der kommenden Lesebühne lege ich es darauf an, einmal öffentlich hemmungslos zu heulen, also „Da Summa is ummi“ mehrstimmig, ein Nachruf auf Robert Redford am Dreibrüdersee etc. Die Ideen sind eh schon lange da, schreiben tu' ich alles natürlich schnell am letzten Vormittag. (Dabei trotzdem das Gefühl, nicht genug gearbeitet zu haben).

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Verstärkter Bartwuchs. Will der Körper ein Mann werden oder einfach nur keine Frau mehr sein?

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Nach meinen Beobachtungen öffnet die Nachbarin täglich zur selben Stunde ihre Haustür, um performativ zu saugen.

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Auf meine Anfrage, ob Kreisky nicht im Schl8hof spielen wollen, hängt Franz das PS an, dass sie jetzt extra wegen mir „Selbe Stadt, anderer Planet“ wieder auf die Setlist genommen haben. Das freut mich mindestens so wie die guten Menschen nach der Waschküche mir ungefragt die liebvoll eingepackten Restln auf den Tisch stellen.

18.9.

Heute wäre sehr viel zu schreiben und zu arbeiten und zu tun und zu besuchen, aber man ahnt schon: stattdessen Rasenmähen, Wäschewaschen, Laubrechen, Tändeln.

19.9.

Stress wegen gestern. Aber der Fasthuber schreibt aus Wien, dass er heute drei Interviews mit Leuten geführt habe, von denen zwei mich grüßen lassen (Kreisky, Waldeck – nur Mabo kennt mich noch nicht).

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Fünfviertelstunden Fahrt nach Schärding, um vor sieben Menschen zu lesen, dann fünfviertel Stunden wieder heim, um vor 50 Leuten zu lesen. Insgesamt also gar nicht schlecht.

Während der Fahrt möchte ich mir all die schönen Ortsnamen aufschreiben, was ich hier unvollständig nachhole: Ort neben der Straß, Parz an der Ölstampf, Guselhub.

In Schärding erzähle ich ein wenig von den globalen Verwerfungen, die ein erstarkendes China mit sich bringt, gibt’s Fragen? Ja, meine Kinder waren noch so viel in der Natur, das kennen die Jungen heutzutage gar nimmer! (Kurzfassung der Ausführung).

Lesebühne mit dem fantastischen jopa jotakin: 

 

Der Decker hat Geburtstag, schenkt uns aber was, nämlich seine Fotos und etwas für die Verlosung: „Lolita singt Kinderlieder“, ich nehme es mit nach Hause, weil ich dumm bin. Die Tombola des Grauens – das Temu von Linz! (Im Ö1-Mittagsjournal bezeichnet eine Handelsexpertin die Exportwut Chinas übrigens inhaltlich als „Gewölle“). Es ist ein absurder Anblick, wenn ich das Publikum bitte, alle Gewinne in die Höhe zu halten. Fast zu viele sind gekommen, aber die Kategorie gibt’s in der Literatur eigentlich nicht.

Wir haben alle sehr große Gefühle, ich zumindest. Immerhin ging es ja auch um Melancholie, der zwei Drittel des Ensembles viel abgewinnen können. Buttinger hingegen weint bereitwillig, wenn es sein muss, kann aber unsere gepflegte Trübsal nicht nachvollziehen. Bei mir ist's eigentlich umgekehrt.

Sehr arge Ohrwürmer in der Nacht.

20.9.

Eine Hochzeit auf dem Lande. Nach dem Gehetze gestern ist es eh nicht unangenehm, sich ein wenig zu langweilen. (Nie vergeht die Zeit langsamer als bei großen Familienfesten).

Buttinger arbeitet daran, der weirde Onkel der Sippe zu werden. Wir sitzen in einer ehemaligen Kalkmühle und kommentieren die Trauung wie Waldorf & Stettler.

Bei „Time of my Life“ zwei Damen in die Höhe gestemmt. Es wird aber nicht leichter. „Tante Minki, jetzt hob i dei Hebebühne ned gseng!“ klagt Ch.

Rund um die finale Feierlocation leben seltene und seltsame Haustierrassen.

 

Rainer erzählt, dass sie in Berlin vor einiger Zeit um kein Geld ein paar Schienen Dias gekauft haben und mit fremden Bildern einen Projektionsabend veranstaltet haben. „Bissl hat mir eine Rauferei unter Freunden gefehlt“, sagt er am Ende, leicht beschwipst.

21.9.

In der Früh tut der Hund so, als habe sie getrunken, gerauft und getanzt, ich muss sie fast aus der Wohnung tragen. Auf der Straße lahmt sie richtig, also drehe ich um und bringe das arme Tier zurück in de Wohnung, in der die Buttingerbrüder noch büseln, weil sie getrunken und getanzt haben. 

 

Dann ins Almtal und ins Nesseltal, dort – weil ohne Hund – durch die Hundsheb. Kurz vor dem Ausstieg im Kar kommen mir Wanderer entgegen, die sagen, sie haben im Hotel übernachtet. „Hä?“ sagt mein Gesicht, und sie erklären, dass man einen schönen Lagerplatz an der Ostseite des Rosskopfs so nenne. Ich steige in die andere Richtung, hinauf zum Kleinen Woising. Es ist ziemlich sicher, dass ich das nicht mehr wiederhole, es ist aber auch deutlich, dass ich nicht die erste bin, die den sehr steilen Hang hinaufsteigt. Oben dann endlich leichteres Gelände, aber viel zu viel davon!

Auf dem Gipfel des Großen Woisings rufe ich den Buttinger an, ob sich der Hund halbwegs erholt habe. Der lacht, das Tier rase gerade in der üblichen Wildheit der Frisbee nach. Er hingegen hinke, denn er habe sich wohl beim Rock N' Roll-Tanzen einen Muskel eingerissen.

Ohne die trickreiche Tachiniererin artet mir die Tour ziemlich aus, sodass am nächsten Tag auch ich leicht hinke. Ganz allein haben die Ohrwürmer auch mehr Macht über mich. Und immer wieder schaue ich unwillkürlich, wo denn der Hund gerade sei. 

 

Sehr späte Ankunft am Einstieg zum Grieskar, tiefe Dunkelheit am Beginn der Forstwege.

22.9.

Wegen tiefer körperlicher Müdigkeit wähle ich den Mittelweg „Admin-Scheiße“, was sich bis zum

23.9.

ziehen wird. Wieder im Irrglauben, dass ich danach ja ganz befreit in Wies zum Schreiben komme.

Immerhin ein guter Lauf bei den im Juni ausgeschickten Texten – bis auf den Willemerpreis ist alles was geworden. Bezahlt wird allerdings kaum etwas davon (Die Rampe, sfd, Kunstförderstip, OÖ-Anthologie). Der eine Text für die Rampe, an dem ich lange gearbeitet habe, ist nicht genommen worden, den „Mit 50“, in einer Stunde hingetippt, wollen sie sogar vorgelesen bekommen. Genauso hatte ich mir das in Wahrheit erhofft.

Heilige Mutter des Wortes, bitte für uns Armen in der Stunde unserer Deadline.

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Mieze Medusa stellt sich als Stadtschreiberin ein, was alljährlich ein etwas anderes, „breiteres“ Publikum ins Boutiquehotel lockt. Markus Köhle sitzt darin, in Hörweite der rechten Kutzenberger-Adorantinnen, die verärgert aufschnattern, als wir den Bürgermeister leicht dissen. 

24.9. WIES

Je weiter ich in den Süden fahre, desto schlechter wird das Wetter. In weniger als Stunden Fahrt ist man schon an der Grenze zu Slowenien (ein großer Vorteil von Wels – man ist schnell wo anders).

Eine Kette an Durchfahrtsdörfern. 

 

Meine Unterkunft wird von einem riesigen Maremmenschutzhund bewacht, den ich nur unter Aufsicht des Halters kennenlernen darf, damit der weiße Bär meine Harmlosigkeit in seiner Schutzsoftware abspeichern kann. Übers Tor hätte ich nicht klettern dürfen, so aber wird es zur großen Liebe auf den ersten Blick. 

Der gute Pollanz vertut sich mit dem Literaturstammtisch in Deutschlandsberg um eine Stunde (sehr sympathisch, das klingt eigentlich mehr nach mir), ich biete ihm an, das Wirtshaus mit der Entschuldigung zu betreten, ich sei mit der Deutschen Bahn gekommen. Und wirklich lachen die guten Menschen. Später plaudern wir über die ganzen Gegenden. Den Südsteirern ist das Salzkammergut wurscht, wir können es haben. 

25.9.

Luna liegt am Morgen vor der Tür, es ist also wirklich Gegenseitigkeit in der Zuneigung. Oder sie erkennt meine fehlende innere Wehrhaftigkeit.

Im Dorfkern prangt vor der Fleischhauerei eine riesige blaue Freiheitsstatue, auf deren Tafel „Die Jugend ist unsere Zukunft! LH Waltraud Klasnic“ steht: 

 

Früher, so Pollanz, habe es hier zwei große Diskos gegeben, im Metropol soll einmal Herbert Grönemeyer aufgetreten sein, sagt der Pollanz, und die Lüge sei so lange hartnäckig wiederholt worden, bis er schließlich wirklich gekommen sei. Und dann auch noch Roy Black und natürlich Udo Huber.

Als er noch Lehrer gewesen sei, so Pollanz, habe sich einmal eine Mutter beschwert, „dass er immer so schlecht über den Hitler rede.“ Er wisse bis heute nicht, was er darauf hätte sagen können.

Werner Herzog habe einen Film über Zwillingsbrüder drehen wollen, die IMMER synchron sprechen.

Zwischen Stainz und Preding kursiert im Sommer der „Flascherlzug“, benannt nach den Urin-Behältnissen der Opfer des Wunderdoktors Höllerhansl, der ihnen weisgemacht hatte, aus dem Lulu Krankheiten erkennen zu können.

Zu Mittag befördern mich Pollanzens ins Fresskoma. Nach einem ausgearteten Mittagschlaf noch schnell ins Auto, zur Soboth hinauf. Es ist alles leicht mystisch hier im Grenzland. 

 

Der ebenfalls sehr freundliche Unterkunftsgeber Posch sagt, es sei hier in der Gegend alles ganz Kleine fast zu lange gefördert worden, weil der LH Krainer meinte, eine bewohnte Grenze sei eine sichere Grenze. Für unkundige Augen ist nicht erkennbar, anhand welcher Linien man sie in die Hügel geschnitten hat. 

26.9.

Weitere Babysteps in Richtung spätes Erwachsenenalter: um 7 Uhr ausgeschlafen sein (Luna hat wieder gewartet). Erleichterung über das Erreichen der Zahl an Aufträgen, die das Jahr finanzieren. In der freien Zeit nach Deutschlandsberg. Beim ÖAMTC jopa jotakin lesen (maximaler Verfremdungseffekt). Für 16 € leuchtet jetzt alles, was soll, und nicht mehr, was nicht soll. Am Tresen eine Frau, die sich selbst als „Vöcklabrucker“ bezeichnet.

Lesung, super Musik, wieder die Neurose, dass doch das viel besser sei als mein bissl aus einem Buch Vorlesen. Ich werde für ein slowenisches Radio interviewt, das wird mir auch nie mehr wieder passieren.

[Während ich das am 9.4. tippe, kommt vom Pollanz die Nachricht, dass das Buch „Schwalbenkönig und Blutgrätsche“ erschienen ist, mit dem Text, den ich bei ihm noch schnell fertig heruntergeklopft habe.]

27.9.

Als ich bald in der Früh zum Auto gehe, bin ich fast erleichtert, dass Luna noch schläft, sonst wäre mir der Abschied noch mehr ans Herz gegangen.

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Auf Ö1 erzählt Milena Michiko Flašar von den verschwundenen Menschen in Japan, den „Hakagun“, was „von Gott versteckt“ bedeutet. Erst irgendwann fällt mir ein, dass sie ja vor zwei Jahren in Wels mit Bodo Hell hätte lesen sollen.

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Blitzbesuch bei der geliebten B., und auch eine Alterserscheinung: „Hilfe, bei mir ist nicht zusammengeräumt!“

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Absurd, mitten Auto mitten nach Wien hineinfahren zu können, es am Stadtpark einfach stehen zu lassen, noch dazu gratis. Fast noch absurder, spätnachts damit unbehelligt querdurch heimzufahren. Bei Tag würde ich es vielleicht noch ganz gut ohne Navi schaffen, in der Nacht ein seltsames Gefühl, sich der Technologie auszuliefern.

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Die GAV-Generalversammlung wartet mit einem historischen Entscheid auf – das PEN-Mitgliedsverbot ist abgewählt worden. Die Veteranen sind erschüttert. Bissl hätte ich erwartet, dass Josef Haslinger uns „Jungen“ nachher ein Bier zahlt, aber er verschwindet sofort nach seinem Coup.

Nach der Mittagspause frage ich alle, in welchen Abständen Regionalwahlen abzuhalten seien, worauf ich erkennen muss, seit 2021 unabsichtlich zu herrschen wie der Kim Jong Un von Linz Land.

Nach dem Abendessen gibt Christa Nebenführ mir und der sehr netten Susanne Toth Bussis, als wir ihr beide verraten, dass wir uns am Anfang ein wenig vor ihr gefürchtet haben und jetzt ihre Meinungsstärke aufrichtig schätzen. 

Wohlgestimmt nach Hause – was gut ist, denn das Autofahren hängt mir schon zum Hals heraus.

Ganz spät noch erschöpftes und glückliches Biaschtln light mit dem Buttinger. „Loss' aussa, Meindl“, sagt er nach meinem Plädoyer gegen Vokuhila-Kinderschänderfrisuren. 

28.9.

Schwere Defizite beim Klettern, was aber auch sehr egal ist. Gut ist ja, dass ich mich noch aufgerafft habe in die Vertikale. Nach zwei Wochen in der Horizontalen kann es leicht passieren, dass man es gleich gut sein lässt (mir kommt vor, ich hätte das gerade erst schon einmal geschrieben). Noch möchte ich nicht Zeugin meines Verfalls sein (also nicht so augenfällig).

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Der dem Buttinger als teures Souvenir mitgebrachte Schilcher schmeckt, als sei er gesund, ich muss ihn allein austrinken (was ich auch tue, weil er ja gar nicht billig war). 

29.9.

Wieder im Auto. Ö1, „Vom Leben der Natur“: Fliegen erschaffen sich komplett neu aus den Stammzellen ihrer Larven, die zu einem Brei zerfallen sind. Imposant, aber auch widerlich.

In der ZEIT: Aale können beim Warten auf die Geschlechtsreife angeblich 150 Jahre alt werden (in einem schwedischen Brunnenschacht). Die Sargasso-See hat keine Küste, seine Grenzen werden durch Strömungen gebildet. Das alles habe ich eigentlich schon vor Jahren im „Evangelium der Aale“ gelesen, aber mir nichts davon gemerkt, außer dass Freud erfolglos nach den Geschlechtsteilen der Aale gesucht hat.

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Vor lauter Freude, beim Roman den Zeitplan eingehalten zu haben, gehe ich gleich in den Garten und stutze alles. Wenn es das nächste Mal beim Schreiben hakt (UND DAS WIRD PASSIEREN), einfach mir selbst einreden, dass die Gartenarbeit jetzt absolute Priorität habe, dann treibt es mich eh automatisch wieder ins Büro, weil ich mir selbst gegenüber pubertiere. Siehe auch: Beim Rasenmähen an den Roman denken und umgekehrt.

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Der Hund der Hundetrainerin springt mich mit schlickigen Pfoten an, ich mache aufrichtig kein Aufhebens, weil mich diese Disziplinlosigkeit entlastet. 

30.9. 

 

Dank produktiv kanalisierter Prokrastination stehen auf meiner To-Do-Liste nur noch Arzttermine, und unter den Emails schauen leere Zeilen hervor. Morgen bleibt also keine Ausrede beim Schreiben (außer Meteoriteneinschlag). Der Himmel schaut heute eh schon vielversprechend in dieser Sache aus. 

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Willkommen Österreich informiert uns über die Existenz eines Herrn Heinz Scheißerle. Coala schreibt tags darauf, dass einer ihrer Flugbegleiter den Namen „Orschi“ führt.