Dienstag, Mai 26, 2026

Der nehmende Blick. Johanna im Glück.

Geschrieben für die Lesebühne "Lower Your Standards" am 22. Mai 

 

Johanna hatte siebzig Jahre allerlei Herren gedient, da sprach sie, „Herr Vorgesetzter, ich möchte jetzt in Pension gehen, gebt mir meinen Lohn.“ Der Herr sagte, „du hast deine Leistung erbracht, mit Kindererziehungszeiten zwar und ziemlichen Lücken im Lebenslauf, leider können wir dir seit Wolfgang Schüssels neoliberalem Durchrechnungszeitraum-Raubs an den werktätigen Frauen nicht mehr deine besten 15 Jahre hernehmen, doch da hast du deine Mindestpension. Du kannst sie aber auch ganz wertsicher in Philharmonikern ausbezahlt bekommen, das ist krisensicher! „Dank dir, Herr, für deine Umsicht!“ Sprach's und nahm das Schächtelchen mit den lustig klimpernden Goldmünzen entgegen.

Wie sie so dahinging und immer ein Bein vor das andere setzte, kam ihr ein Unternehmensberater auf einem norditalienischen Vintage-Rennrad entgegen. „Ach,“ sprach Johanna, „was ist das Radfahren ein schönes Ding! Da sitzt einer wie auf einem Stuhl, spart die Schuh, und kommt fort, er weiß nicht wie.“ Der drahtige Mann hielt an und rief „ei, Weiblein, warum läufst du auch zu Fuß?“ „Ich muss ja wohl,' antwortete sie, „da habe ich meine Pension heimzutragen, es ist zwar Gold, aber ich hab' Angst, dass es mir gefladert wird.“ „Weißt du was,“ sagte der Triathlet, „wir wollen tauschen: Ich gebe dir mein Rad, und du gibst mir deine Münzen.“ „Von Herzen gern,“ sprach Johanna, „aber ich sage Euch, Ihr müsst darum jetzt bangen.“

Johanna stieg auf und fuhr davon, zuerst noch wackelig, bald aber jauchzend. Sie wurde mit jedem Meter übermütiger, das Rad setzte sich in starken Trab, in der Schrems sah sie sich abgeworfen vor einem Innenstadtgeschäft. Gleich lief auch der Krämer heraus auf die Straße und half ihr auf. Sie suchte ihre Glieder zusammen, war aber verdrießlich und sprach zu dem Händler, „das Rennradfahren ist ein schlechter Spaß, man kann sich den Hals brechen! Da lob' ich mir eure Siebdruckespressomaschinen, da kann man den ganzen Tag dolce vita feiern!“ „Nun,“ sprach er mit Blick auf den Edelstahlrahmen, „wenn das euer Begehr ist, so will ich Euch wohl das Rad für eine meiner Maschinen tauschen!“ Johanna willigte mit tausend Freuden ein: der Welser schwang sich aufs Rad und ritt eilig davon.

Johanna hob den schweren Karton auf und bedachte den glücklichen Handel. „Den ganzen Tag den Moment feiern mit edler Crema! Geld sparen, weil ich nie mehr ins Kaffeehaus samt zwiderner Ober gehen muss!“ Indes war es Mittag geworden, es war ein schöner Maitag, und die Sonne strahlte mit 42 Grad auf Johanna und ihren Halbautomaten hernieder, sodass ihre Zunge am Gaumen klebte. „Trink ich eben Kaffee“, sagte sie und öffnete die Schachtel. Obenauf lag die Bedienungsanleitung, „bitte nur mit röstfrischen Wildsammlungsbohnen aus Papua-Westguineeischen Regenwaldschutzzonen verwenden, die vorher von einer Schleichkatze gefressen und wieder ausgekackt, dann von fairtrade Eingeborenen aufgelesen wurden!“ Johanna sprach, „Pardauz, so ein Schas, wo krieg ich denn die jetzt her?“

Glücklicherweise kam gerade ein Ernährungsberater einher und reichte der dürstenden Johanna seine Wasserflasche. „Ei, ei, das ist eine schöne Maschine, aber äußerst teuer in der Erhaltung, Ihr müsst Granderwasser dafür verwenden, und die Stahlrohre mit Pudelurin entkalken!“ „Na geh“, sagte sie, „wer hätte das gedacht!“ Der Antlitzanalytiker sah Johanna in die Augen und wiegte besorgt den Kopf. „Gute Frau, Ihre Organe sind in Missklang, lasst euch bitte helfen!“ Er zog ein Säcklein aus seinem linnernen Knappsack, „da nehmt! Es sind die Schüsslersalze 13 bis 46, euer Leib lechzt danach! Ich nehme euch dafür dieses Ungetüm ab, es fräße euch sonst die Haare vom Kopf.“ „Ich muss in einer Glückshaut geboren sein!“ frohlockte Johanna, und schritt gestärkt fürbaß. Auf dem langen Weg nach Hause kam sie schließlich auf den Rathausplatz, wo das Volk in ein großes, kühles Zelt strömte. Ein strenger Wächter hielt sie auf. „Das ist der VIP-Bereich, du kommst hier ohne Karte nicht rein. Aber du hast Glück, alte Frau, ein Platz ist noch frei. Der Meister ist schon auf dem Weg zur Bühne, entscheide dich schnell.“ „Der Meister?“ „Ja, bist du vom Gerüste gestürzt, Weiblein? Das ist die Eröffnung der Wiener Festwochen, und gleich schenkt Braco den Auserwählten seinen gebenden Blick!“ Johanna senkte den Kopf, sie hatte ja kein Geld mehr. „Was ist das in deiner Hand, sind das Schüssler Salze? Die kannst du auf die Nacktschnecken streuen. Aber du hast bestimmt noch beide Nieren! Nachdem Braco seinen Blick auf dir hat ruhen lassen, ist dein Körper stark genug, um's mit einer zu schaffen, das und noch viel mehr!“ Johanna ergriff den Stift, den er ihr während seiner Rede hingehalten hatte, und unterschrieb schwungvoll.

So stand sie da vor dem schweigenden Wunderheiler. All ihre Bedenken versanken in ihr wie in einem tiefen Brunnen. Sie fiel auf die Knie und dankte dem still starrenden Heiler, dass er ihr auch diese Gnade noch erwiesen und sie auf eine so gute Art, und ohne dass sie sich einen Vorwurf zu machen brauchte, von den schweren Sorgen befreit hatte. „So glücklich wie ich,“ rief sie aus, „gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang sie nun fort, bis sie daheim in ihrer 25m²-Garçonniere mit Klo am Gang war.

Montag, Mai 04, 2026

"Lower your Standards!" Lesebühne am 22. Mai mit Silke Gruber

Lesebühne am Freitag, dem 22. Mai, 20 Uhr im Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße 25, 4040 Linz). 

Eintritt frei! Der Austritt kostet 3 € (= 1 Los für die Tombola des Grauens)

Zu Gast ist Silke Gruber (Hall) - Foto: Katrin Rauch <3

 

 


Senkt alles! Eure Standards, das Niveau, die Pollenbelastung in der Luft, das Tempolimit, die CO2-Belastung, Mental Load und die Tyrannenrate. Einzig bei den Gästinnen erwartet bitte wie immer nur das Beste: Silke Gruber lieben wir sehr, und ihr solltet es uns gleichtun. Sie ist Teil der Tiroler Qualitätsoffensive, die wir euch heuer schenken (zum Preis eines Loses für die Tombola des Grauens). Irre, oder? Wir, euer Fixensembles des Vertrauens, machen es wie immer: auf den letzten Drücker, im Panik-Flow, irgendwie. Obwohl auch wir euch so lieb haben! 

Silke Gruber im Gespräch mit Walter Pobaschnig: „Zwischen Espresso Macchiato und Saurer Wurscht verläuft ein schmaler Grat.“ (aus ihrem Text „Karl Lagerfeld“)

Dienstag, April 28, 2026

Geisterscheiße

Für die "Geistergeschichten"-Lesebühne war ich sechs Wochen lang zu eifrig und zu faul gleichzeitig, um mich auf drei Ideen zu konzentrieren und daraus etwas Ordentliches zu machen. Hier also der Inhalt der Geisterfallen, die ich im Hirn ausgelegt habe (ein Pandämonium der Prokrastination): 

 Phänomenologie der Entgeisterung (jetzt nicht an Hegel denken!)


Treffen sich ein Geist und ein Lama in einer Bar und jammern darüber, dass die Leute immer dümmer werden und nimmer rechtschreiben können, weswegen all die sekundären Analphabeten die Berufe des Gespenstes und des Kamelartigen durcheinanderbringen: Das Lama spukt durch die Pampa und der Todesgeist spuckt im Schloss. „Wobei es mich ja auch extrem nervt,“ klagt die übersinnliche Erscheinung, „dass die Menschen sich gar keine Mühe machen, mich von der Gesamttätigkeit mentaler Vorgänge zu unterscheiden, aber ein Gespenst ist kein Geist!“ „I'm feeling you!“ sagt das Tier, „deppert san de Leit, die glauben, dass ein Lama ein Alpaka ist! Und dann erst der Dalai Lama!“ „Boah ja,“ ächzt die Gruselfigur, „dieser oberste Geistesführer, was der für einen Stiefel zusammenspricht!“ (Anm. der Autorin: Ist ein Stiefel ein Schaß? Beides kann stinken! Ist ein Schaß ein Geist, beides hat den Körper verlassen?) 
Geist und Lama regen sich sehr auf und trinken so viel, dass sich ihre Geist-Materie-Dualität in eine offene Dialektik verwandelt. Sie werden so ein inniges Liebespaar, dass sie einander ganz durchdringen und zusammen in ein schottisches Schloss ziehen, wo sie die Dreharbeiten von „James Bond – Skyfall“ in arge Turbulenzen bringen, weil Daniel Craig permanent aus dem Nichts bespuckt wird und das Set täglich zweimal von Geisterscheiße in Rossapfelstärke gereinigt werden muss. 

Spiritpreisbremse
In einem Kammerl im Institut für Geographie und Wirtschaftskunde beugen sich zauselige Wissenschaftler (sind nur Männer, die Kolleginnen fanden die Séance doof) über ein Ouija-Bord, um dem Wirtschaftsminister eine große Frage zu beantworten. Der Zeremonienmeister erhebt seine Stimme: „Großer Weltengeist, wann wird die Straße von Hormus wieder befahrbar?“ „Frog nan aa nu wengam Benzinpreis“, befiehlt Hatmannstorfer. Die Geister lassen sich nicht lange bitten, ein ganzes Pandämonium manifestiert sich! Zuerst Erwin Schrödinger, der hilflos versucht, sein Katzenkisten-Gedankenspiel zu erklären. Polternd fährt der Dschinn des iranischen Revolutionsführers drein, der eine Fatwah gegen Otto Waalkes in den Raum brüllt, für seinen 1980er-Spottreim „Ach was soll's, sagt Frau Khomeini, mein Ayatollah steht ja eh nie!“ „Nanana, Niveau meine Herren“, spricht der Geist Hugo Portischs, der den Anwesenden erklärt, dass die Geschichte der Zweiten Republik eine komplexe geopolitische Gemengelage darstelle und man jetzt bitte aber  SOFORT raus aus den fossilen Brennstoffen solle. Da wird die Tür aufgerissen, die Geister fliehen, die Institutsleiterin schimpft „Ja sakra, ihr sollt forschen, nicht beschwören! Alle raus hier, auch der Hatmannsdorfer Wolfi! Wenn ich euch noch einmal bei okkulten Praktiken erwische!!!“ 
„Wie woa des jetzan“, sagt der Minister später nach dem vierten Bier in der Institutskantine, „mit dera hoibhinign Kotz, i hob's scho wieda ned checkt.“ 


Beim Konzil von Triest 2027 legt die Glaubenskongregation unter Leitung ihres Geistigen Oberhauptes Papst Leo fest, dass der Heilige Geist auch in Form eines Brathuhnes verehrt werden darf. Der Film „Das Fest des Huhnes“ wird vom vatikanischen Index gestrichen und darf ab 2028 auch an katholischen Privatgymnasien in der letzten Woche vor den Ferien gezeigt werden. 

Als der arme Bruce Willis stirbt, freut sich die Gemeinschaft der Geister zuerst sehr, ein echter Star! Und er hat seine schweren Jahre hinter sich, in denen er dement war (der Geist schon vorgeprescht ins Jenseits). Dann aber holt ihn die Vergangenheit ein. Wenn er nachts allein ist, überkommt ihn ein Grauen, es fröstelt ihn... da huscht eine Gestalt durch den Raum! AAAh! Willis dreht sich um, da steht sie vor ihm!!! „Gib mir ein Autogramm, Schweinebacke!“ Schreck! Die Geister der anderen Toten glauben ihm nicht, es ist schlimm. Dauernd wird er von Menschen heimgesucht, bis er all seinen Mut zusammennimmt und mit ihnen zu reden beginnt. Pssst, sagt ihm eine der Erscheinungen, wir sind jetzt bereit, unser Geheimnis mit dir zu teilen: Du kannst lebende Menschen sehen! Und du bist selbst noch gar nicht tot! 

Ein Riesenskandal: Das insbesondere auf Datingplattformen massenhaft auftauchende Phänomen des Ghostings hat eine schreckliche Ursache! Glaubten hunderttausende Frauen noch, es handle sich dabei um eine äußerst unreife Verhaltensweise der männlichen TinderBumbleGrinder-Kontakte, sich nämlich kommunikativ in Luft aufzulösen, stellt sich das Verschwinden der Ghoster als sehr dunkle Seite des Matriarchats heraus: Über eine Spionagesoftware verschafft sich die Zentrale Intelligenzabteilung Zugang zu den Chats und gibt der Exekutive den Auftrag, sich toxisch verhaltende Individuen aus dem Bestand zu nehmen. Die jungen Männer wurden zwar weder in Luft noch in Säure aufgelöst, wurden aber zwangsweise in Charakterschulen geschickt. Bei allem Verständnis: So geht’s auch nicht, lieber Radikalfeminismus!

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus, und überall gründet es Geisterkommunen. Doch die Sache erweist sich bald als total lebensfremd, es wird unheimlich in der WG, denn es scheiden sich die Geister. Das kleine Gespenst wird wegen Verbots der Kinderarbeit beschäftigungslos. Die Inklusion der Geisterspezies ist extrem heikel, die Dschinns und die Dibbuks zoffen, der Golem hat gleich gar keinen Geist und haut die Einrichtung in Splitter. Und wer putzt die Geisterscheiße weg, ha? Das kommunistische Gespenst hat einfach nichts von der Psychologie begriffen. Bald ergreifen die Kobolde die Macht, und der Rädelsführer Pumuckl leitet die spiritistische Konterrevolution ein. 

Ansgar Krautwaschl, Vorstand der vatikanischen Exorzistenvereinigung der Diözese Linz-Land wird im Jahr des Herrn 2078 in einen der letzten katholischen Haushalte nach Dörnbach gerufen, die dort pubertierende Tochter sei seit einer Woche von einem Dämon besessen. Der Geisterbeschwörer beginnt sein Brimborium, die junge Frau rollt mit den Augen und badamm! ist der Geist der vor sieben Tagen bei einer Wanderung auf den Großen Priel verunglückten Schriftstellerin Demonika Mindle wieder aus ihrer jugendlichen Bleibe draußen. Der Pfarrer will sie in eine Schweineherde einfahren lassen, die sich in der Donau ersäuft, aber der Geist sagt, ich bin ja nicht deppert! Sie fährt in den Körper des Exorzisten, doch der taugt ihr nicht, igitt, wie unpraktisch und überempfindlich ist so ein Membrum maskulinum! Sie fährt in diverse Körper wie mit einem ganzen Körperfuhrpark, bis sie im Tierheim Linz eine schwarzweiße Bordercolliemischung entdeckt, in und mit der sie noch einige schöne Jahre lang im Toten Gebirge herumgeistert. 


Aus der Geisteswirtschaft:
Am Institut für Geistes- und Humanwissenschaften (NIG, 6. Stock) soll der olle Wettkampf zwischen Geist und Materie endgültig ausgetragen werden. Doch die Sache wird ein Schaß. Beim Schattenboxen macht der Körper eine lächerliche Figur, die Schachpartie wirkt wie ein langweiliger Telepathieversuch. Die Übung wird abgeblasen und weiter können verwöhnte und verpeilte Primarstöchter sinnlose Diplomarbeiten über die Dekonstruktion des cartesianischen Leibseeledualismus schreiben. 

Ein Traum: Sich selbst in Geist und Materie trennen können. In der ersten Tageshälfte darf ein Teil lesen und träumen, der andere muss wie ein Golem im Büro sitzen und den Chef grüßen. Nach dem Mittagessen wird getauscht (immer wieder Streit, wer mit dem Essendürfen dran ist). 

Die AMS-Einsatztruppe Ghost Busters vertreibt junge Menschen aus dem Institut für Human- und Geisteswissenschaften, um die Arbeitslosenrate unter Akademikern zu senken. 

Dienstag, März 10, 2026

Auf ins Goldene OMAtriarchat

Man wächst ja mit seinen Aufgaben, darum werden wichtige Leistungsträger*innen auch blad mit dem Alter. Aber die Ämter müssen auch mit ihren Trägerinnen mitwachsen! In diesem Sinne möchte ich hiermit das Goldene Omatriarchat ausrufen, mit mir, der Präsidentin der Ominikanischen Republik. 

 

Was sind Gründe und Vorteile der Großmuttherrschaft?

Ein Trend geht durch das Internet (das sich mehr und mehr durchzusetzen scheint): #grannystyle. Stricken und Sticken, beige Sachen tragen, Kleiderschürzen bei MiuMiu, Weltkriegsgefahr und die Rückkehr leicht ausrottbarer Krankheiten wie Masern. So weit, so bekloppt. Und doch! Wir alle bräuchten grad eine total unterstützende Omi, die keine Ahnung hat, was man da beruflich macht, „aber du machst das schon, mei liabs Mesch, groß bisd woan, guad mochsd du des, tüchtig!“, und die einem Kuchen mit 18 Eigelb bäckt und kleine Geldscheine zusteckt.

Im mittleren Alter aber sind Omis rarer als seltene Erden. Alles muss man sich im Sinne von Selfcare selbst machen! Wie wir lernen, uns selbst die eigene Großmutter zu sein: 

  • Sich die Tränen im linken Auge mit der rechten Hand zärtlich abwischen

  • Hans-Moser-Filme anschauen, Peter-Alexander-Shows und Harald Juhnke. Sisi-Motto-Partys (eine Freundin von mir ist als Spanisches Hofzeremoniell gegangen)

  • Nachts zappen bis in die Puppen, denn Zappen ist das TikTok unserer Generation (und man wird nicht islamistisch radikalisiert, nur bissl blöd)

  • Trotzdem um 22 Uhr ins Bett gehen, ohne Genierer

  • Gabelbissen essen, Zwieback in Weißwein tränken, Graupen und Erbstwurst

  • Sich die Haare eindrehen lassen bei einer Friseurin, die man Paula nennt

  • Bei zu viel Stress mit der Pinzette Barthaare ausrupfen (das Ritzen des Alters)

  • Wenn man es nicht so gut erwischt hat wie ich: den Mann überleben (aktiv oder passiv) und nach seinem Begräbnis bei jedem Seniorenausflug Henne im Korb sein

  • Sachen sagen wie „Mia ham jo nix ghobt hintam Kriag!“ Immerhin stammt man ja wirklich aus dem vorhergehenden Jahrtausend. Wenn man in mein Geburtsjahr einen Zirkel steckt und drumherum einen Kreis von 33 Jahren zieht, umfasst er das Ende des Zweiten Weltkriegs einerseits und andererseits: Sieg der Vierschanzentournee von Christian Morgenstern und der Tod Amy Winehouse. Oder Kate & Prinz William-Hochzeit, wer sich leichter so was vorstellen kann. Harry Potter & die Heiligtümer des Todes – I sing a Liad füa di

  • Überhaupt, der Muttermund: Ab einem bestimmten Alter öffnet man den Mund und es purzeln die Sätze der Mutter zwischen den Zähnen heraus. Dagegen ist nichts zu machen, man kann ein komplett anderes Leben führen, trotzdem sagt man: „Stundenlang bin ich in der Küche gestanden, und du frisst ois in dein bledn Schädl eini. Ma siacht am Noan gleich!“ Man sagt's vielleicht nur zu sich selbst, was ziemlich bescheuert ist. Oder zum Hund, dem man selbst den Stecken drölfzig mal in die kalte Donau geschmissen hat: „So, jetzt kummst außa, du hosd jo scho gaunz blaue Lippen!“


Was bringt das Omatriarchat konkret?

  • Männer der Jahrgänge 2013 und Älter müssen sich weltweit per sofort für ihre Regierungsagenden neu bewerben. Bei mir, der persongewordenen internationalen Personalobjektivierungsstelle, weil ich mich schon am besten in die Materie eingearbeitet habe. Die dadurch frei werdenden Ämter werden fair unter den bestqualifizierten Bewerberinnen verteilt.

  • Da mit einer rein weiblichen Weltregierung selbstverständlich jedwede Kriegshandlung zum Erliegen kommt (was so eine Bombe Mist macht! Was ein Flugzeugträger kostet, bittigoaschee!), ist endlich die Zeit gekommen, sich um die echten Probleme kümmern: Artensterben, Bodenversiegelung, Einführung eines Existenszmaximums von 1 Million €, darüber wird alles enteignet und in Sozial-, Bildungs- und Literaturförderung eingespeist.

  • Männer dürfen mit Stichtag 31. März nur noch Autos lenken, die bei 99 km/h abriegeln und automatisch Sicherheitsabstände einhalten. (Braucht man nur bei Audi, BMW, Mercedes machen, was anderes mögen die Herren ja nicht fahren).

  • Männern ist ein sehr, sehr glückliches und erfüllendes Privatleben zu ermöglichen, denn sie sind Stolz und Schönheit unserer Spezies! Viele gute Worte, Streicheln, frisches Wasser, vollwertiges Futter, ausgedehnte Spaziergänge und bis zu 20 Stunden Schlaf. Einmal in der Woche bürsten.

  • Das Pronomen jedes Wesens, das als FLINTA-Person gelesen werden möchte, ist „omi“.

  • Es ist zwecks spiritueller Unterhaltung ein ganz Neues Testament zu schreiben, in denen die vier Apostolinnen Blanche, Rose, Dorothy und Sophia die lustigsten Schnurren über die neue Welt erzählen.

  • Es ist eine neue Hymne zu verfassen, sie geht ungefähr so:

Is this my whole life? Was this just fantasy?

Caught in a LinzLand, no escape from reality

Open your eyes, put on the Lesebrill and see

I am a woman, I need your sympathy

Because my knees are bad, knorpel gone 

Little high, little beer

Anything the Mink says it does really matter to me, to all


Oma, just ate your cake

Put Schlagobers on the Plate, pulled my fork in, guad hods ma gschmeckt

Oma! Life has just begun!

Bad guys are gone and war is thrown away

Oma! Oh! All the mean guys you made cry

the won't be back again this time tomorrow 

Carry on, carry on cause Granny really matters


Donnerstag, Januar 29, 2026

Die neun Leben des Dr. Josef Ratzenböck

Drehbuch für einen Smash Hit im Land der MOÖglichkeiten

Deadlines inspirieren mich, vielleicht geht sich ja noch was für den Oscar aus. Beim Prokrastinieren für diesen Lesebühnen-Text bin ich auf die Idee verfallen, alte Familiendias zu sichten – derzeit posten ja alle Fotos aus dem Jahr 2016, wo noch alles gut gewesen sein soll. Ihr Narren! 1986 hätten wir richtig abbiegen können! Die Sowjets wegen Tschernobyl aus dem Buch der Geschichte streichen, die USA wegen Endes des Kalten Krieges auf ihr Staatsgebiet einhegen, die Erfindung des Internets in klügere Hände legen, das Matriarchat den Völkern mit liebevoller Mütterlichkeit oktroyieren.

Ein Dia, ein buenas dias, siehe oben, zeigt eine humoristisch wertvoll gewordene Szene, die ich auf Facebook dergestalt beschrieb: „Vor 40 Jahren sollte ich dem LH Ratzenböck einen Blumenstrauß überreichen, weil er uns ein Dach auf die Volksschule Schönering gesetzt hatte. Ich geriet aber in Panik und paschte ab. Der Bürgermeister fing mich und leitete mich sanft zum Landesvater, der gütig das Gebinde aus meinen schweißnassen Händen wand. Was sind eure besten Ratzenböck-Nachrufe? Die schönste LH-Schnurre gewinnt!“

Darauf schrieb Frau Karin H., geschätzte OLW-Stammgästin: „Der Cousin meiner Mutter ist der Überzeugung, dass der Ratzenböck schon vor 20 Jahren gestorben ist, aber erst jetzt begraben wurde.“ Ich wollte daraufhin eine arge Geschichte über Balsamierungspraktiken schreiben (den Mao zum Beispiel haben sie mit Formaldehyd ja historisch belegt aufgepumpt wie einen Weinschlauch), dass das auch in OÖ in der Pathologie der Barmherzigen Schwestern versucht wurde, um den Kulturstandort neben dem luftgeselchten Pfarrer von St. Thomas am Blasenstein mit einer weiteren sehenswürdigen Mumie aufzuwerten.

Aber das Thema waren am 23. Jänner ja Katzen, und die haben neun Leben. Bester Stoff für einen actiongeladenen Episodenfilm, in dem der Ratzenböck immer wiedergeboren wird: Er stellt seine Bonusleben der guten Sache zur Verfügung. Im zweiten Leben kauft er aus einem bulgarischen Schrottzoo einen Tiger frei und macht ihn scharf, sodass er den bei Woronesch fischenden Putin anfällt und endlich aus dem Bestand der Menschheit entnimmt. Der Tiger frisst dann leider auch den Ratzenböck, sodass er schon im dritten Leben angelangt ist. Es zeigt sich, dass er mit jeder Reinkarnation ein bisschen weniger lebendig ist, womit gleich auch das Zombie- bzw. Vampir-Genre mit abgefrühstückt werden kann.

Nun schickt die NATO den Alt-LH nach Amerika, wo er den Trump und den JD Vance auch gleich mit Glykolwein final unter den Tisch säuft, unter Aufopferung seines eigenen Lebens, aber erfolgreich.

So geht es dahin, peace keeping durch robuste Einzelkämpfer-Attacken – im Nahen Osten, Iran, Sudan, Kongo, Weißrussland, Nordkorea & China: Überall werden die führenden Kriegstreiber waidgerecht vergrämt (aus dem Leben). Das müsst ihr euch jetzt selbst ausmalen, gern mit den Requisiten der 1980er als Waffen, enthauptet mit Modern Talking LPs, verätzt mit saurem Most, überdosierte Schilddrüsentabletten, stranguliert mit selbstgestrickten Zopfstirnbändern, erschlagen mit Acrylmalerei, vom Opel Kadett überfahren, vom umfallenden Wurlitzer getroffen.

Am Ende seines letzten Lebens ist von der Vitalität des LHs nicht mehr viel übrig, er lenkt seine letzten Schritte zurück an den Ausgangspunkt der Geschichte. Dort klopft er an die Tür eines Einfamilienhauses mit baubehördlich vorgeschriebenem Atomschutzbunker (jetzt voller Hofer-Wein und alter Ribiselmarmelade). „Meindl Mink“, knarzt es aus seinem zerfaserndem Kehlkopf, „i hob mein Beitrog gleist, jetzt sad's es Jungan drau.“ Er sinkt zu Boden, endlich ewige Ruhe, und die neue Herrscherin im Land der Moöglichkeiten lässt dem verdienstvollen Landesvater ein großes Requiem im Linzer Dom ausrichten. Danke, LH Ratzenböck! 

Freitag, Dezember 12, 2025

Wunschliste ans Christkindi für 2026: Ich bitte um eine gute Sterbstunde

Liebes Weihnachtswesen, hier ist wieder deine Minki! Sorry, dass ich mich immer nur zu deinem Geburtstag bei dir melde, es ist allerweil so ein Wirbel, aber ich glaube das ganze Jahr über fest an dich. Da sind wir ja Kolleginnen, denn was wäre das Kind Gottes, und was wäre eine Bundespräsidentin, wenn niemand glaubt, dass es uns gibt?! Du darfst dir auch gern was von mir wünschen, sag' einfach Bescheid, wenn ich was tun kann für dich, zum Beispiel einen Pflegeplatz für den Papa.

Auch heuer formuliere ich meine Wünsche eingedenk der Frohbotschaft des Erzengels Michael: „You can't always get what you want. But if you try sometime you'll find you get what you need!“ In der berühmten Vulgata-Übersetzung von Joki Kirschner: „Geschenke sind nicht wichtig, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man sie hat, wenn man sie braucht.“ In diesem Sinne! Folgendes wünsche ich mir heuer sehnlich:

  • Eine Zeitreisemaschine, eh keine arge, sie kann aussehen wie eine Saunakabine im endlich trockenen Keller (Vergelt's Gott dafür!), und sie muss nur sechs Monate in die Vergangenheit zurückgehen, und auch nur im Winter – ich möchte einfach nur jederzeit oben im Hochsommer in meiner geliebten Wildnis des Toten Gebirges sein, und beim Hinüberschauen auf den Dachstein nasse Augerl kriegen. Ein Sommertag in meiner selbstgebauten Vergangenheit und ich wär' leistungswillig wie ein feuchter neoliberaler Traum.

  • Ich bitte innig um die Wiederschenkung meines Grundvertrauens in meine humane Mitschöpfung. Man muss ja nicht so einen Stiefel zusammenwählen. Bitte lass' die Leute wieder mehr Bücher lesen, müssen eh nicht nur die unseren hier sein. Gerne hätte ich weniger Satire in der Politik, es ist derzeit sauschwer, selbst eine zu schreiben.

  • Dann brauche ich neue Turnschuhe, ich bin zu blöd dafür, oder zu unentschlossen, vielleicht wär's gscheiter, wenn es eine leicht kommunistische Konsumwarenverknappung gäbe, also nur noch sagen wir zehn verschiedene Sorten, dann tu ich mir leichter.

  • Abschließend wünsche ich mir, dass die Wissenschaft endlich ihre Prioritäten geregelt kriegt, was soll diese oasch Rüstungsforschung, setzt euch auf eure Hosenböden und arbeitet emsigst an lebensverlängernden Maßnahmen, keinesfalls aber an der longevity durchgeknallter Nabobs wie Musk, Bezos und Zuckerberg, da vielleicht sogar bitte in die Gegenrichtung, mein Wunsch betrifft die Lebenserwartung von Hunden, die bitte exakt an jene ihrer Halterinnen angekoppelt werden möge, so schwer kann das ja nicht sein.

Das war's schon für mich! Weihnachten ist ein Fest der Liebe, da soll man nicht nur an sich selbst denken, sondern einmal an andere. Auf nationaler Ebene:

  • Unserem Bundeskanzler Stocker wünsche ich ein bissi mehr Eier, nicht im männlichen Sinne, das sind ja maximal zwei weiche, sondern Millionen taffe Fraueneier, damit er endlich in die Puschen kommt. Ich wünsch dem Buddha von Wiener Neustadt einen Neustart! Und dem Vizekanzler, dem Babler Andi, wünsch ich alles Gute, er hätt ja unlängst fast meinen Hund geküsst, drum samma Hawara, ich wünsch ihm Milliarden für ein ordentliches Kulturbudget.

  • Dem österreichischen Wahlvolk wünsche ich 2026 viele Momente der reflektierenden Einkehr, es sind nämlich keine Wahlen weit und breit, da müsst ihr euch nicht deppert aufganserln lassen.

  • Harald Mahrer wünsche ich einen guten Übergang in seinen nächsten Karriereabschnitt. Möge ihm Potpourri an neuen Aufgabenfeldern blühen, eine AMS-Abteilung nur für ihn. Er kann sich eine Stelle aussuchen oder gleich alle übernehmen, also: Liftwart in Kirchschlag, Behindertenbetreuer in Hartheim, Tierheimputzmann, Image-Restaurator der SOS-Kinderdörfer, Bardienst im Strandgut, der Bundespräsidentin den Keller ausweißigen, Koordinator des Science-Hubs für Zeitreisebüros und Dog Longevity – halt einfach einmal eine echte, ehrliche Arbeit, die Gutes bewirkt!

  • Den Verantwortlichen der Rodung des Bergschlössl- und der Ziegeleistraßenparks zugunsten des Westrings wünsche ich, dass sie postmortem in einem ewigen Kreislauf an Autobahnzubringerkreisverkehren sich verheddern und erst wieder herausfinden, wenn die Hölle sich mit Eis bedeckt.

  • Allen Herren, die im Gendern eine Verhunzung der Deutschen Sprache sehen, wünsche ich per sofort den Paygap ihrer eigenen Gattinnen an den Hals. Plus eine verpflichtende Nachschulung im Fach angewandte Diachrone Linguistik im Ausmaß von vier Semestern.

  • Allen Herren, die mir mit ihren blöden Premiumfahrzeugen den Vorrang nehmen, obwohl hinter mir kein anderes Auto ist und die mich dann ausbremsen, weil sie drei Meter weiter abbiegen, diesen Linksabbiegenazis wünsche ich einen erweiterten Sachkundenachweis, weil sie ein Listenauto fahren und insgesamt dass sie sich 2026 viele Papierschnitte und Fieberblasen holen.

Damit sind wir schon auf der globalen Ebene:

  • Allen Despoten, Tyrannen, Faschisten, Demokratiefeinden wünsche ich herzlich eine gute Sterbstunde. Davor viele Papierschnitte und Fieberblasen. Ich wünsche Trump, dass er viel in Hundekot steigt und erst draufkommt, wenn er schon quer über den sauteuren Seidenteppich im Ballroom gelatscht ist, und ich wünsche ihm 2026 die Rache der Journalistik, #epsteinfiles. Ich wünsche Putin, dass ihm kein Hund mehr zugeht, kein liebes Tier lässt sich jemals wieder von ihm streicheln, nie mehr wieder ein warmer Blick aus treuen Augen, und ich wünsche ihm einen nächtlichen Schlaganfall, seine Adlaten fragen sich in der Früh, nanu, wo bleibt der Chef denn, sonst ist er um 5 schon in der Höh, aber ich trau mich nicht nachschauen, sonst ist er ement grantig und schickt uns an die Front! 72 Tage später folgt Putin seinem großen Vorbild Stalin, Tod wegen unterlassener Hilfeleistung.

  • Ich wünsche allen Patriarchen dieser Welt ein Jahr als Frau, den Taliban zuhause, Trump in Somalia; alle haben Cellulite und Endometriose, dazu eine super-übergriffige Chefin und einen Mann, der viel fremdgeht und bei jeder Gelegenheit erklärt, dass Gendern die deutsche Sprache verhunze.

  • Der Hamas, den aggressiven Siedlern, den „Konfliktparteien im Sudan“ etc. wünsche ich, dass es sie beim Niesen in tausend Fetzerl zerreißt und sie keine Hände mehr haben, um sich aufzuheben.

  • Hier noch der Vorjahreswitz, der ist noch pfenninggut: Viktor Orban wünsche ich, dass er weiter so rasant verbladet, dass ihn sein sinnloser Populismus weiter so aufdunsen lässt wie ein totes Pferd am Ufer des Balatonsees (Bladatonsee, haha).

Jetzt aber Schluss und Liebe! Ich wünsche euch allen drei Kilo Gewichtstsunami, viel Liebe, auch körperlicher Art, und brave Christkindl! Ausschließlich hier bin ich Befürworterin der Kinderarbeit.

Ab 1. Jänner 2026 gilt dann die neue digitale Autobahnvignette, in Trafiken gibt’s noch die zum Picken, wer's nicht anders haben mag, sie ist feuerrot, und weiterhin gilt das Matriarchat, auch das lodert feuerrot und insgesamt ist es golden.

Montag, Dezember 01, 2025

Wieder nicht enttäuscht. Trippen nach herrlicher Gewalt, die gute Sterbstunde und schüchterne Nudisten.

Lebenskrimskrams im November 2025

1.11. Angerkogel

Das neue Kreisky-Album bei der Pyhrnpassüberquerung gehört und wieder nicht enttäuscht. Das letzte Licht über der Hinteregger Alm gesehen und wieder nicht enttäuscht. Der vielleicht letzte und überraschend tiefe Mittagsschlaf kurz vor dem Nazogl wieder nicht enttäuscht, auch wenn diese Aktion jetzt eher schon ein wenig in Survival-Training übergeht. Wenn der Südföhn nicht bliese, wär's T-Shirt-Wetter. Angenehm, aber leicht beunruhigend.

Es sind fast nur Paare unterwegs, und immer geht der Mann voran. Ganz, wie ihr es wollt, liebe Damen.

2.11.

In der Oxytocinruhe den Nachbarn beim Streiten zugehört. Ganz, wie ihr es wollt, ihr Leute da oben.

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Kurz Arbeit. Mail an Prosser, welches Thema er sich denn wünsche. Er schreibt zurück, „Bin in den Bergen, ich überleg' mir was bis morgen!“ Ich antworte: „Gekauft!“

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Schrittbilanz gestern: ca. 26.3454. Heute: 13 <3

3.11.

Die ganzen Kästen voller Gewand, das mir nicht mehr passt, weil es nie gepasst hat, das mich zu einer anderen Person hätte machen sollen, das ich zu oft oder nie angezogen habe, das mir andere geschenkt haben und das ich zu teuer gekauft habe, oder zu billig. Aber alles kann ich jeweils nur schwer hergeben.

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Kitschigen Schluss für den Roman geschrieben, den komischen habe ich gestrichen und bin recht zufrieden damit. 


5.11.

Der Dermatologe sagt mir für 111 €, dass ich eine gute Haut bin.

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Bei der Fahrt nach Linz die angenehme Ahnung, dass meine vermeintliche Ambitionslosigkeit, der fehlende Biss bei der „Karriere“ (Uni, Stifterhaus, OÖN) kein Versagen, sondern die unbewusste Entscheidung für mich selbst gewesen sein könnte. Im Nachhinein gibt es sehr viel weniger zu bereuen, als mir mein dummes, sorgenfixiertes gegenwärtiges Ich andauernd vermittelt. 

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Innige Minuten mit dem eingeschmuggelten Hund auf der winzigen Couch im Landesbüro.

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Ein Vollmond, so wertvoll wie eine kleine Sonne.

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Stifterhaus. Das Vorlesen von „Mit 50“ rührt mich selbst, überraschend. Es ist doch mehr Liebe eingeflossen als gedacht.

Die 16-jährige Oana-Sofia macht mir wertvolle Komplimente (ein junger Mensch!!!), sie kenne das Szenario von Familienfeiern.

Buttinger plaudert mit Wall, ich begrüße sie mit „Na, ihr zwei Linken?“, als wären sie eine rare Spezies (sie sind eine rare Spezies).

Gregor Hofer rät mir, alle meine Emails auszudrucken, für den Vorlass. Da wird sich die Nachwelt freuen über all die Admin-Scheiße. Es habe, erzählt er auch, im Jahr 1976 einen „Riesenskandal“ gegeben, weil Reinhard Aumaier den Titel seines „Scheißgedichts“ nicht ändern wollte, zu Gertrud Fusseneggers Empörung. Sehr schön!

5.11.

Im Traum halte ich einen edlen Bildband in Händen, der Mieze Medusa zum 50. Geburtstag zugedacht wurde. „Das ist ja wohl nicht zu übertreffen!“, sage ich, und die Gewürdigte sieht mich über das Coffeetable-Ding resigniert an.

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Meine halbharte Warnung vor der KI lief gestern auf LT1, aber niemand hat's gesehen, ich auch nicht. Beim Nachsehen die Feststellung, dass früher die Kameras 10 Kilo draufgeschummelt haben, heute zaubern sie dir jedes Farbpigment aus dem Haar.

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Hundert Meter über mir hätte heute immerhin acht Stunden lang die Sonne geschienen. Egal. Dafür dann:

6.11. Bärenriedlau

Zum ersten Mal am tageswärmsten Ort des Landes. Das mit dem Nebel ist natürlich nicht egal, weiß ich in der Sonne. Fürs Wandern müsste es kein Grad wärmer sein. Heute bin ich mit meiner Lebensführung wieder sehr versöhnt. Beim Abstieg ein absurd schönes Licht in den glühenden Lärchen. 

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Kleine Hitzeaufwallungen, die angesichts meines sklerotischen Heizsystems im Haus eh willkommen sein werden, aber bedenklich stimmen in Zeiten der Klimaerwärmung – und des Verrinnens der eigenen Existenz. Es wird so sein, dass ich mich diffus auf Wechsel und Pension freue, gleichzeitig aber genau weiß, dass es nicht so klasse wird, weil man ja jetzt schon ein wenig alt ist und dann nur noch die finale Phase kommt. Naja, „egal“.

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Schallplattenanhören als „Erledigung“ - ein Symptom der Dingneurose. Ich soll die Sachen meiner Eltern weggeben und schaffe es nicht einmal bei meinem Glumpert (und umgekehrt). Zwar kann ich vier Südtirol-Bücher weggeben, nicht aber Dieter Deckers scherzhafte Tombola-Gabe „Lolita – liebe Kinder, ich sing' euch was!“ Ächz.

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Ein Erbe des Vaters ist es, nachts das Buch nicht rechtzeitig wegzulegen und mitten in der Nacht damit aufzuwachen.

7.11.

Das letzte Blatt am Nussbaum winkt mir im Nebel zu.

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Völlig variable Größe der Sorgen je nach Tageszeit.

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Kleine Freuden: Scarpa hat meine zertretenen Wanderschuhe verschmissen, also kriege ich um den Preis des Neubesohlens gleich neue – so wenig braucht's, um mich an so einem meteorologisch minderwertigen Tag zu erfreuen. Sonne wäre mir lieber gewesen.

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Marlies Auer fragt mich, ob ich das 40er-Fest der Kupf moderieren wolle. „Aber nur, wenn der LH aus der Torte hüpft.“

8.11. 

Ein Typ schreit vom grauen Himmel herab aus dem obersten Stockwerk des Marriott Hotels. „He! Du! Ja, du bist der Auserwählte! Tobias!“ „Ich heiße aber nicht Tobias.“ Hinter mir lacht ein Tobias, der auf leisen Sohlen gegangen ist.

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Mit den richtigen Menschen gerate ich jetzt immer gleich in deep talk, was ja gar kein Fehler ist. Immer sofort auch Gespräche über Menopause. „Ich will keine Hormone nehmen, ich will da durch und ein Mann werden, dem andere wurscht sind!“

Beim Heimfahren im Zug dann das Gegenteil zur tiefen Sinnsuche (von uns Endvierzigerinnen, aber auch der beiden allzu losten, woken 25-Jährigen beim Herfahren). Rund um mich Teenies, die alle 15 Sekunden ruckartig IRGENDWAS auf Tiktok schauen, es ist alles reine, doofe Oberfläche. Alle drei Minuten rufen sie einen Freund an, dem sie dann immer denselben Satz sagen, als sei er grenzdebil, oder ein minderbegabter Hund, „geh Parkdeck, Deniz, geh Parkdeck!“ Sie können aber nicht herausfinden, ob das der Zug nach Wels ist und müssen mich fragen. Es fühlt sich übertrieben distinguiert an, neben ihnen die ZEIT zu lesen. Irgendwie haben sie ja recht, die Jungen, es steht nur Deprimierendes drin.

Zuhause beim Buttinger penne ich dann bei „Bladerunner 2049“ ein, den kann ich also beim nächsten Mal gleich wieder anschauen.

Ich brauche unbedingt einen Filter, der sofort sämtliche Bücher und Filme ausblendet, in denen Hunde zu Schaden kommen (was sie immer tun, eigentlich). Als ich das ins Facebook schreibe, schenken mir Jana Volkmann und Katharina Seidl den Hinweis auf „doesthedogdie-com“. Merci, merci!

9.11. 

Wie gut ist Ringsgwandls „Hühnerarsch, gib' acht!“, ein herrliches Klangstück!

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Wäre ich ein redseliger, einsamer, lästiger Mensch, ich ginge auf all die Gutmenschenmessen und kaute den armen, wehrlosen Aussteller*innen ein Ohr ab. Als ich das denke, sehe ich B. bei exakt dieser Tätigkeit. Wahrscheinlich erzählt sie den Upcyclern, das sie das damals in Berlin auch schon gemacht haben etc.

 

10.11.

Die Krähen ernten den Nussbaum ab, als hätte ich sie damit beauftragt. 

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Folgende Namen haben Coala und ich einander an diesem Wochenende gefunden: Folko Balfanz, Borbala Foris und Bastian Krautwald. Man stelle sich vor, die drei unternähmen etwas miteinander! 

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Keine Deadlines, keine Arbeitstermine diese Woche, ich bin gespannt, was ich erfinde, um das Notwendige nicht zusammenzubringen. Die Mikrowelle ist schon einmal abgestaubt. Und jetzt kommt auch noch die Sonne heraus – ein mittlerweile sehr rares Naturschauspiel. Aber auch dafür, mich einfach mit einem Buch dem Phänomen auszusetzen, bin ich zu fahrig. 

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Smalltalk mit Menschen, während sich unsere Hunde an der Leine anhassen.

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Sturm kommt auf“ kann ich wirklich nur an einem Tag wie heute schauen, mit unbehelligter Arbeit, Buttinger und Sonne, dann Kachelofen. Der Film radikalisiert mich extrem gegen Faschismus, ich möchte persönlich einem Neonazi die Nase brechen. Tod den Schmerzbefreiten! [Hader wird am 25. März erzählen, dass grad der Schauspieler, der den Obernazi gespielt habe, der Allernetteste gewesen sei.] Der Hund überlebt.

11.11.

Im Traum wird mir mit gewaltigem Aufwand gezeigt, was für eine aufregend tolle Schule Wilhering jetzt geworden sei, mit Stadionrockklassen in der Stiftskirche und dergleichen.

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Heute Ausmisten in der gerade richtigen Dosis: das alte Telefonkastl. Beim Blättern in des Vaters Kalendern der Jahre 2015, 2018 und 2019 hätte ich nur beim Schauen fast ein Burnout erlitten vor lauter Tarock, Konzerten unter Platanen und PGR-Sitzungen. In zwei Jahren kann ich dann alles restlos dem Altpapier übergeben, dann gibt es in ganz Wilhering keinen Festnetzanschluss mehr.

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Den Buttinger mit Dosenananas „verwöhnt“, die nicht einmal mir noch geschmeckt haben. „Gaunz frisch san de owa nimma“, sagt er, „Iwo“ ich. Heimlich linse ich aufs MHD: 2020. Aber niemand hat gespieben. (Ich sollte das eigentlich nicht veröffentlichen)

12.11.

Seltsamer Traum von einem großen Bierzelt irgendwo im Toten Gebirge, in dem man wie auf einem Campingplatz in kleinen Stallboxen sein Zelt aufstellen kann. Die Farce eines Basecamps.

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Der Digital-Uni-„Transform Fut“-Bildausschnitt in den OÖN unterhält uns peinlich gut. Soll man dem Weibold Absicht zutrauen?

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Die Spezies der Kurzkopfgleitbeutler klingt wie eine Satire auf den blödesten Bundeskanzler, den wir jemals hatten. 

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Die X-Blatt-Präsentation ist ein bisschen eine geschlossene Veranstaltung, was aber nicht schlimm ist. Dem Einzinger würde ich wirklich einmal gerne beim Denken und Schreiben zusehen, wie einem gläsernen Ideenwurlitzer. Erich Wimmer schenkt mir – als erahnte er die Meindl-Love-Language des Pebblings – einfach so ein Überraschungsei. 

13.11. Hochsengs

Ich nenne es jetzt nicht mehr Wandern, sondern „Zeitausgleich“. Es entschädigt mich nicht nur für die Arbeit an Wochenende und Abend, sondern für das Vegetieren in der Nebelsuppe. Bis Klaus war's noch ekelhaft, dann gaben sich lüpfende Wolken Anlass zur Hoffnung, bei der Teufelskirche schon beträchtliche Vorfreude. Dani ist am wolkenlosen Bodensee, ich sitze bei 19° in der Sonne. „Eure Himmel sehen komisch aus“, schreibt Cordi aus dem grauen Wien.

Der Vulvenbaum auf der Fotzenalm. <3

Der Jäger, den ich auf der neuen Lackerbodenhütte beim Abstieg treffe, sagt, er sei schon seit sechs Jahren Nationalparkförster und kenne auch noch nicht alle Wege hier. 

14.11.

Fast alles Vorgenommene geschafft, einschließlich der Dirty-Dancing-Choreographie-Übersetzung für Tanzblinde wie mich („Birgit wild drehen“). Weil ich trotzdem den Eindruck habe, unter meinen Möglichkeiten geblieben zu sein, weiß ich nun fix, dass ich diesbezüglich nicht ernst zu nehmen bin. 

Unruhiges Herumwetzen – Heizung kontrollieren, Brunnen, Kellerfußboden, irgendwas. Im Grunde besteht mein waches Leben nur noch daraus, Wasser von A nach B bringen zu wollen (überall ist zu viel oder zu wenig davon). Alleine der Selbst- und Pflanzenhydrierungsstress! (Auch hier scheine ich nicht ernst zu nehmen sein.)

15.11. Neunkirchen

K. posiert auf der BuchWien neben meinem Buch, im Hintergrund sieht man Stermann mit dem Verleger schnattern. Ich bitte K., die Lektorin lieb zu grüßen, mit der Nachricht „280.000 Z“. „Ist das eh kein Code für Kriminelles?“, antwortet sie, und gleich darauf übermittelt sie mir die Botschaft, dass die Zeichenanzahl für den Roman eh schon reichte, wenn es nach ihr ginge.

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E. ist so etwas wie mein Pendant im Westen, sie erkennt mich nicht nur nach 20 Jahren sofort wieder, sondern ist gleich so lieb zu mir, dass ich davon ausgehen darf, dass B. von mir genauso liebevoll spricht wie sie mir von E. erzählt. Ihre Zuneigung bestrahlt und bindet uns seit Jahrzehnten.

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Süß, dass B. beim gemeinsamen „Üben“ der Mitternachtseinlage Sachen sagt wie „Kannst du da mit dem linken Fuß beginnen?“, wenn sie erstens selbst den rechten meint, wenn sie zweitens vergisst, dass ich schon nüchtern links und rechts kaum unterscheiden kann, wenn sie drittens glaubt, dass ich ein Hirn besitze, dass in irgendeiner Weise Tanzchoreographien abrufen kann. Es wird dann auch so kommen, dass wir um Mitternacht betrunken vor einem betrunkenen Publikum irgendwas um die signature moves herum zaubern und einander dabei verknallt anschauen. Die Übung kann gar nicht misslingen, wegen all der hermeneutischen Benevolenz um uns herum – alle wollen, dass es gut ist.

Auf dem Damenklo hängen die Buben aus dem „Girl“, mit Festnetztelefonnummer, Adresse und Bildtext: „Eigentlich bin ich keiner, der Mädchen einfach abschleppt. Ich bin schüchtern!“, sagt ein nackter Thomas aus Baden bei Wien im Jahr 1993.

16.11.

Aufgewacht mit dem zu erwartenden Kater. Die Knie zerschunden vom Luftgitarrespielen, der Rücken von der Hexe getroffen beim Springen zu „Jump around“, die Kehle zerschlissen beim Karaoke („I did it my way“ zum Schluss): Die Ehre Oberösterreichs ist verteidigt. Ich habe alles gegeben. Verrücktestes Detail: Lob für meinen irischen Squaredance. Gerade würde ich aber auf die Frage nach meinem Alter „78“ sagen und nicht das Geburtsjahr meinen. 

17.11.

Bei strömendem Regen mit Hexenschuss in den Brunnen steigen. #besitzbesitzt Wenigstens bleibt der Kellerfußboden jetzt trocken.

18.11.

Mieze klagt an, dass der Literaturpreis der Stadt Linz meine Arbeitsmoral senke und deswegen abgeschafft werden sollte. Sie ahnt nicht, dass ich heute schon ihren Roman für den Falter rezensiert habe.

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Die 692,73 € fürs Auto zahle ich dem Mechaniker am Ende des teuersten Jahres meiner Lebensgeschichte schon fast ganz schmerzbefreit.

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Buttinger schaltet entnervt um auf Universum, weil Österreich gegen Bosnien 0:1 zurückliegt. In der Doku dann auch lauter bange Vorgänge, nur eben im Tierreich. Coala und ich machen Meindl-Yoga, der Hund ist glücklich. Später vertrocknet Coala am Kachelofen. So geht Spätherbst.


19.11.

Wir sind peinlich früh bei der Preisverleihung, aber ich bin ja auch ein altes Talent, und wenn's wirklich wichtig ist, die Tochter meiner Mutter, die stundenlang nervös vor einem Ereignis war.

Ich nutze die Zeit und stelle dem Team der LinzKultur das soeben von Olaf Schulz gehörte Attraktivierungskonzept der Bundeswehr vor (Unterhipster, Oberbastard und Haupthurensohn). Markus Reindl möchte ab jetzt den Dienstgrad „Obermotz“ einnehmen.

Während meiner Lesung fällt mir selbst auf, dass viermal „Scheiße“ vorkommt. Das einzig Gute, dass die Mutter das heute nicht mehr erleben kann (=muss). In der ersten Reihe sitzt Ute Klitsch und hört sich ohne Zeichen innerer Bewegtheit meine Fantasie an, wie Kickl beim Klettern umgebracht wird.

Für die Laudatio war ich gebeten worden, meinen Lebenslauf einzuschicken, plus ein paar Worte zum Kunstwollen, und ich habe mich dabei so bemüht, dass mir weite Teile der Lobrede extrem bekannt vorkommen. Da sie aber der Bürgermeister spricht, freue ich mich, als hätte er sich selbst lange Gedanken über mich gemacht. Dazu werden meine eingeschickten Bilder eingeblendet, ich bin trotz aller Vorhersehbarkeit stark gerührt. Zuerst mit Goldhaube, dann die OLW mit Stelzer und als beklopptes germanisches Göttertrio. Es wird gelacht, Prammer dreht sich zur Leinwand um, „ich gehe davon aus, dass Sie wegen der Bilder lachen und nicht wegen meiner Vortragsweise!“ Beim Schlussbild, dem Selfie von mir mit Fini auf dem vorgelagerten Mitterberg, bekomme ich selbst nasse Augen.

Die Preisträgerin Marion Reisinger hält eine sehr schöne Dankesrede in unserem Namen, darin sagt sie auch, dass die Selbstzweifel am Büffet Pause machen. Ebendort komme ich so spät an, dass der Zander schon geplündert ist, schon kommen die Selbstzweifel über mein Timing, aber der Obermotz überlässt mir den letzten Fisch. Ich komme auch nicht zum Tschechern, weil ich der LinzKultur noch mein Konzept des Big-Lebowski-Cocoonings in Schönering erläutern möchte (die armen Unterhipster!).

Die Meindl- und die Reisinger-Schwestern stehen danach noch lange im Foyer, wenn uns jemand hier etwas zum Tschechern heruntergetragen hätte, stünden wir heute noch da und besprächen Vor- und Nachteile einer mehrfachen Schwesternschaft.

Stattdessen gehen wir auseinander. Damit der Fall in den Alltag nicht zu tief geht, trage ich einen Teil meines Preisgeldes ins Bergwerk und kauf' mir IRGENDWAS. 

Dann jage ich den Hund zur Donau, esse irgendwelche Reste, prahle in den sozialen Medien mit meinem Tag, höre Äffchen & Craigs, freue mich lange und gehe früh schlafen.

Versuch über den geglückten Tag.

20.11.

Der erste Schnee im Jahr würde mich mehr freuen, hätten die Winterreifen schon ihren Weg ans Auto gefunden. Man muss den Kindern das noch viel stärker verdeutlichen, dass sie sich an ihren Pipifaxsorgen erfreuen und sich nichts scheißen sollen, bis sie den ganzen Alltagsbums selbst managen müssen.

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Je näher das Lesebühnenthema am echten Leben und den echten Leidenschaften („Bis morgen überleg' ich mir was“), desto zäher die Ideenfindung.

Und dann wird eh wieder alles in einer Viertelstunde heruntergeklopft.

21.11.

Feministische Perspektiven“ im Central. Barbara Hinterleitner macht sich bei mir gleich beliebt, weil sie sich beim Hund gleich beliebt macht mit stinkenden Sprotten. 

Nach der ganzen Hermoderation ist Buttinger merkwürdig ungeduldig am Telefon, dabei könnte er ja in Ruhe mit Johnnys Festgemeinde schnattern, aber nein, ich solle weitertun. Während der Fahrt bin ich leicht genervt, aber als ich – der Bequemlichkeit halber noch im Frack – den Schl8hof betrete, rufen alle zugleich „Frau Präsidentin!“ und der Babler schaut auf. Er hat zu Recht einmal nur Augen für den Hund. Später, endlich mit einem Bier in der Hand: „I bin die Meindl.“ „Des waaß i eh.“ Er muss sich sichtlich zusammennehmen, Fini nicht zu küssen.

Draußen sitzt sein Fahrer im riesigen Dienstaudi, seit vielen Stunden. Ein neuer Eintrag in der langen Liste der Jobs, die ich nicht machen möchte.

22.11.

Der Architektenfreund übergibt mir seine vollständige Pollack-Sammlung, wie ein geliebtes Haustier, um das er sich nicht mehr gut genug kümmern kann. In den Regalen stehen nur noch Bücher, die er noch nicht gelesen hat, den Rest hat er in gute Hände vermittelt oder um gar nicht schlechtes Geld auf Bookbot verklopft. „Do kriagt ma doch a Göd, voa oim, wenn Büda drin san.“ Während ich einen starken Schnupfen entwickle, den ich ihm hoffentlich nicht zum Dank dalasse, erzählt er, dass er einmal in der Altstadt fast vom Alt-LH Ratzenböck totgefahren worden sei.

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Die Lesebühne schaffe ich mit dem Reservetank, „La Montanara“ hört sich mit Schnupfen an, als ob ich weinte, was ja auch passt. Danach verliere ich mit einem Schlag meinen Geschmacksinn, lasse aber nicht nach beim Biertrinken. Unser Stammgast Hopferwimmer, ein Riese mit Patriarchenbart, erklärt nicht ohne Stolz, „i hob nu nie wem a Watschn gem!“ Gemeinsam überlegen wir eine Weile, wem wir unsere Premieren angedeihen lassen würden.

23.11.

Ich genehmige mir selbst Krankenstand und sage soziale Tätigkeiten im Privatbereich ab, aber weil ich ohnehin hier immer weniger trenne, fühlt es sich wie freihaben an. Eine License to Read ohne Fear of Missing out, ohne dass es fad wird.

Das Blödeste ist, dass ich nicht einmal beim Chinesen anderes schmecke als salzig und scharf, immerhin spüre ich die kalte Funktion des Bieres.

24.11.

Meine Arbeitsumgebung zwingt mich zum Micromanaging, sie fordert es richtig ein, ohne dafür zu bezahlen. Eigentlich hätte ich ja Krankenstand. 

25.11.

Gut aufgelegt, weil keine Termine und leichter Schneefall (obwohl ich immer noch keine Winterreifen am Auto habe, aber das ist egal, weil eben keine Termine und das Auto in der Garage). Ein kleines, billiges Glück. Der Geschmackssinn kehrt auch langsam wieder. 

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Im Grunde habe ich keine speziellen Wünsche und Träume mehr, nichts Abgehobenes, nur noch fortwährend Sehnsucht nach meinem eigenen Leben im Sommer – und in Wahrheit nach diesem einen Tag mit Zelt im Toten Gebirge. Dabei weiß ich ja, dass ich mich am realen Zelttag immer schon auf die Rückkehr ins Tal freue. Was immerhin jedes Jahr weniger wird – daran lohnt es sich zu arbeiten, im Sinne einer Ausdehnung meiner Komfortzone: Das Tote Gebirge in mein Wohnzimmer verwandeln (nein, das ist vermessen gedacht, es muss mir wild bleiben).

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Frauen in der katholischen Kirche – das ist schon ein bisschen so wie die Ausländer, die FPÖ wählen.

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Dem Rat des Architektenfreundes folgend schreite ich die Buchzeilen ab. Im Grunde könnte ALLES zu Bookbot. Ich muss das ausblenden beim eigenen Schreiben. „Selbe Stadt“ kriegt man übrigens um 5,63 €. Es ist ein schmaler Grat zwischen Unsentimentalität und Buch-Messieanismus. Immerhin habe ich wohl schon eine Tonne Bücher aus dem Haus getragen.

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Buttinger findet auf etsy den Bausatz des havarierten Tschernobyl inkl. Raucheffekt, um 96,50 €. Dieses System muss untergehen.

26.11.

Heute beende ich meinen kleinen Privatlockdown und fahre nach Wels, damit ich nicht komisch werde. Überhaupt – was ich nicht alles aus Furcht mache, komisch zu werden.

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Ich kann mich an der Stille im Haus nicht satthören. Ein wenig Angst ab und zu, dass mit einem lauten Knall, Krach oder Spotzen etwas kaputt geht, dessen Reparatur ich mir nicht leisten kann.

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Je mehr ich über Nepal lese, desto mehr möchte ich wieder hin. Es wird Zeit, dass ich mit dem Manuskript fertig werde.

27.11.

Wieder Übersprungs-Smalltalk mit dem Frauenarzt. Er lernt nicht mein bestes Ich kennen. 

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Mir ist eine neue Variante des Rassismus eingefallen, die viel besser an die Realität angepasst ist, denn das mit den Hautfarben ist ja wirklich bekloppt, die kann ja niemand ändern (außer Michael Jackson). Weniger oberflächlich wäre die Diskriminierung von Haltungen, die man nicht einzunehmen gezwungen ist. Ich will z.B. „Signas“ abwerten, Audifahrer, Ramstein-Fans, Rehkitzzermäher, Genderkritiker, Bodypainter, Rasenrobotermäherigelmörder, Teslafahrer und ganz besonders Tesla-Cybertruckfahrer. Für sie alle kann man ein fein abgestuftes Apartheid-System erfinden, wie es sich für echten Rassismus gehört. Auf der untersten Rassismusstufe stehen natürlich Rassisten. Und Menscheneinstufer. Ich könnte daraus eine Beschreibung der 37 Kreise meiner privaten Höllenvision anfertigen.

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Berni Wagner im Schl8hof. Vor Beginn suche ich ihn noch heim. Wenn wir ihn nerven, lässt sich der Gute nichts anmerken. Er sagt, er hätte auch schon gern graues Haar, weil ihm das Jungsein nicht liege. Ich sage, dass ich schon so lange keine Großeltern mehr habe, dass ich mit mir selbst liebevolles Mitleid bekomme, wenn ich im Spiegel sehe, wie grau ich schon geworden bin.

Monster“ habe ich im März schon gesehen, doch es ist eine der Freuden des Alters, dass ich wieder sehr viel zu lachen habe, weil ich in der Zwischenzeit fast alles vergessen habe. „Ob mei Hirn aa üba mi so vü nochdenkt wia i üba mei Hirn?“

28.11.

Der Raureif macht auch Wels hübsch. Dann muss ich zur Mammographie, an die ich versucht hatte, nicht zu denken. Als die Sonne herauskommt und ich direkt vor der Tür einen Parkplatz finde (Spießerfreude), weiß ich schon, dass nichts droht. Ich kehre binnen Minuten mit unauffälligen Brüsten zurück. Coala: „Good adulting!“

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In der Kletterhalle brennen binnen Minuten die Pfoten. Ich habe zwar stark nachgelassen, aber Nazis sollten mir immer noch nicht in die Finger geraten.

Dann moderiere ich mich ein letztes Mal in diesem Jahr um Kopf und Kragen. Der Frauenministerin will ich einreden, bitte auch noch Bürgermeisterin von Wels zu werden, das sei auch schon wurscht. Und ich bespreche den Formenreichtum der Gewalt gegen Frauen als die einzige Artenvielfalt, die dem Klimawandel zum Opfer fallen dürfe.

Die lustige C. K. schenkt den Beteiligten kleine, selbstgemalte Bilder, mir drückt sie es in die Hand und sagt, „D'Foab gheat außen, goi!“

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Dann fahre ich mit dem seelischen Reservetank nach Wels, wo das „Schlimmste“ des Tages passiert, als der Buttinger mir udaungs ein alkoholfreies Bier bringt, mit dem ich ihn gleich wieder wegschicke.

29.11. 

Im Traum streicht mir Robert Palfrader den Keller, das mache er als zweites Standbein, er verlangt dafür von mir nichts anderes als Südtiroler Kaspressknödel und einen Ride zum Bahnhof. Leider ist aber mein Auto total voll und dreckig, ich geniere mich.

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Wien. Die Bahnfahrt wird K. und mir zu kurz, obwohl sie dank einer Bombendrohung (der allerblödeste Trend gerade!) eh verlängert wird. Wir mäandern zwischen small und deep talk.

Die Stadt ist an diesem ersten Adventwochenende übervölkert wie Bangladesh. Wir laufen eine Weile mit dem Strom, bis uns die soziale Energie ausgeht (mir zuerst). Dann essen wir ein letztes Mal im MaschuMaschu – hier habe ich ein Leben mit Falafel gelernt.

Am schönsten der arme, gewaltige Bernhardiner im Weihnachtspullover, mit dem ich ein wenig schmuse. Artgerecht ist das nicht, der Halter hantiert mit seinem Akkordeon, als spielte er im Pataphysischen Orchester.

Weil ich dann noch schnell meine Buchprämienjuryvorbewertung korrigieren muss (alles eine sehr aufwändige Sache), kippt die Stimmung leicht, aber nur so lange, bis mir Coala ein 16er-Blech auf den Schreibtisch stellt, „daun geht’s schnölla“. Siehe Leistungsboykott.

Dann vertrockne ich auf der Couch wie in meiner imaginierten guten Sterbstunde – zum Plaudern der beiden anderen, ohne Zähneputzen, in dicke bunte Decken gehüllt.

30.11. Wien

Nach der Massage im Kang Mei trippe ich ein wenig – welche Meridiane wurden mir da mit herrlicher Gewalt wieder freigelegt? Welche Dämonen wurden aus meinen hölzernen Faszien exorziert? 

Dann geht der Tag gut gelaunt weiter, eins fügt sich ins andere, sodass Coala einmal zu K. den Satz des Wochenendes (nein, des Lebens) spricht: „Aber lass' dich von uns nicht ins gute Leben einetheatern!“

Schwere Erschöpfung in Gelb auf Coalas Couch.