Lebenskrimskrams
im April 2025
2.4.
Ein
Corgi stürzt sich mit dem „rassetypischen“ Selbstbewusstsein auf
Fini, der es sogleich den Kamm aufstellt, aber sie traut sich nicht
zu knurren. „Bodo, geh her do!“ schreit die
Erziehungsberechtigte. Es ist mir peinlich, dass ich nicht anders
kann, als in diesem Moment daran zu denken, in welcher Doline unser
lieber Bodo Hell liegen mag.
***
Beim
experiment literatur liest Anna die Geschichte vor, in der
eine Künstlerin ihre Residency nicht aufgeben will (da denke ich natürlich an
den Grundlsee). Der Hund darin heißt Bobo, der Gatte der Vermieterin
Bodo.
Fini
liegt zu Füßen Robert Schindels, obwohl er sich davor in Bezug auf
Hunde als „indolent“ bezeichnet hat. Anna hingegen ist ganz
geknickt, weil ihr der Bub unlängst mitgeteilt hat, er wolle keinen
Hund. „Das ist der erste Akt der Rebellion!“

Schindel
schlägt vor, ich solle ihn als „Robert Menasse“ ankündigen, ich
dürfe überhaupt sagen, was ich wolle, auch da sei er indolent – außer,
dass er schiach sei. Einmal habe man ihn bei einer Lesung tatsächlich
gefragt, ob seine Nase ein „Rassemerkmal“ sei. Er ist bei der
Selbstveralterung noch radikaler als ich („ich bin im 47.
Lebensjahr“), weil er kurz vor seinem 80er sagt, er sei schon 90.
Während
der Lesung zeigt es sich, dass Wels eine neue Närrin hat. Auf meine
Frage, warum Anna und Robert so gerne und beherzt Schreibwerkstätten abhielten, doch wohl nicht des Geldes wegen, kräht sie aus dem Publikum heraus „in
unserem Alter braucht man eh kein Geld mehr!“ Roberts Lesung
begleitet sie dann mit emphatischen Bewunderungsbekundungen
(positiver ageism, was an sich nachvollziehbar ist, wir lieben den Schindel alle).
Nach
der Lesung kommt sie an unseren Suppentisch und fragt mich barsch, ob
ich vom Magistrat sei. „Nein, freischaffend.“ „Aha! Welche
Ausbildung braucht man dafür?“ „Na, keine.“ „Das ist gut,
ich bin ausgebildete Kürschnerin, aber jetzt möchte ich Kritiker
werden!“ Sie sei jetzt 71 und habe wieder ein Leben, das sie ganz
offensichtlich der Behelligung der Öffentlichkeit widmet. Später
erfahre ich, dass sie im Programmkino während des Films eine Art Audiokommentar für
Blöde eingesprochen habe. Im Schl8hf textet sie alle mit wenig
brauchbarem Lob und Tadel zu. Noch nie in meinem Leben habe ich die
gute Sonja mit den Augen rollen sehen. Einem Antifa-Freund sagt sie
„Ha! Jetzt waaß i, von wo i di kenn, vom Brunch midm
Bürgermeister!“ „Des glaub i ned.“
3.4.
Ein
geglückter Tag. Es ist erwiesen, dass mich Erdarbeiten äh „erden“.
***
Die
Stunde vor der Deadline ist der Urknall für ADHSler.
4.4.
Kirschblüte!!!
***
Der
übliche Trallawatsch vor der Lesebühne. Eigentlich hätte ich das
Frackhemd bügeln müssen, aber vorher habe ich einen zu schönen
Hund getroffen und zu lange gestreichelt. Es wird eh niemandem
auffallen.
Max
Höfler ist fast schon zu lustig für uns! Ich bin Fan von der ersten
Sekunde an. Er hat sich anlässlich der Verleihung des
Peter-Rosegger-Preises im Internet einen hautengen alten Skirennanzug
um 15 € besorgt, „weil Gewinner in Österreich eben so aussehen.“
Er trägt seinen rant
gegen Pinguine vor, nach dem ich ihm vorwerfe, seinen schnellen
Hartberger Charakter auf andere zu projizieren, dabei stehe ich auf,
um ihm im ungebügelten Frack meine Outfit-Mimikry vor Augen zu
halten. „Dubist es, die projiziert!“, schreit er vergnügt. Es passiert an
diesem Abend nur Schönes rund um ihn, am besten gefällt mir fast,
wie er unser scheußliches „All for Love“ mit Bildern des
ungeliebt gewordenen Amerika-Riesenbildbandes „Alle 50 Staaten“
illustriert. Foto Decker, eh klar:

5.4.
Vom
Glück des Bastelns windschiefen Zeugs (ein schiefes „Regal“ im
schiefen Gewächshaus).
6.4.
Eh
nicht allzu tiefe Krise beim Bouldern bei der Nebenerkenntnis, dass
der in der Halle laufende Grunge-Soundtrack älter ist als alle rund um mich sich hier
ertüchtigenden Trendsportler*innen. Alle sind sie auch besser als
ich. Hier kann ich vor allem trainieren, mich wehrlos ins Altern zu
fügen.
7.4.
Wieder
in einer Stunde fünf Seiten Projekt hingeschnalzt: „(Don't)
Panic“, gewidmet der Frage, warum wir nicht alle immer ausflippen. Der
Ausschreibungstext hatte mich etwas irritiert, bis ich draufkam, dass
den ja ich selbst in der letzten Stunde vor der Deadline hingeschnalzt
hatte. Wie viele Stunden mehr müsste ich an einem Text arbeiten, um
ihn signifikant zu verbessern?
[Nachtrag
Juni: Dieses Mal wurde der Antrag nicht angenommen, was nicht nur
angesichts der Mühewaltung sehr ok ist.]
Zum Thema "Integrationsgrad":

9.4.
Man
soll beim Aufschreiben von Erlebnissen nichts erzwingen, wenn sich nichts tut.
***
Waschküche.
T.: „Nimmst da eh wos mid?“ „Na danke, i geh moang a
Skitour.“ T. zu G.: „Jetzt lossd's noch.“
Beim Kulturplanen stellt sich heraus, dass die
Kürschnerin ihr Ziel, stadtbekannt zu werden, binnen Wochenfrist erreicht hat. Sie meint es ernst mit Wels.
Sie nimmt überall ihr eigenes Bier mit, um Geld zu sparen, weswegen
sie auch keinen Eintritt bezahlt (sie wartet immer so lange, bis
niemand mehr an der Kassa sitzt). Wo sie aufschlägt, ist ihr egal.
Vor wenigen Tagen wurde sie von einem Heavy-Metal-Konzert
hinausgeschmissen. Draußen rief sie dann die Polizei, wegen
Altersdiskriminierung, und weil es so kalt sei. Die Beamten
begleiteten sie wieder hinein und trugen den Zuständigen tadelnd auf, lieb
zur Dame zu sein. Später fuhr sie dann stark betrunken mit dem
eigenen Auto heim.
10.4.
Im
Triebental mit L. Oben mobben uns gemeine Böen. Bei der Abfahrt
checkt Fini endlich, dass sie nicht in unsere Geräte beißen darf.
Eine gute Abschlusstour in dem Sinn, dass man danach sechs Monate
lang keine Lust mehr hat. Aber immhin gute Gesellschaft und man ist weg von der Straße.
Hier sieht's so aus, als wolle mich die unsichtbare Hand des Marktes nachdenklich machen. Oder besser: Ich beiße in die Hand, die mich füttert.

11.4.
Klo-
und Fensterputzen als Indiz meiner Flucht vor dem Roman. „Die
Raumforderung“ ist ja irgendwie schon fertig erzählt, außerdem
hat mir noch niemand eine Deadline gegeben. Ich schreibe dort und da
etwas dran, nur damit beim nächsten Öffnen des Dokuments ein paar
Zeichen mehr dastehen. Flucht in windschiefe Bastelei.
12.
April
Restlose
Integration bedeutet, am Samstag mit einem grauen Kombi Hasengitter
im Lagerhaus kaufen.
Es
gibt kein Eck im Garten, in dem nichts zu tun wäre.

Ch. sagt, er wage sich nicht mehr so weit ins Tote Gebirge hinein,
dafür habe er zu viel Respekt, das sei ja eine Mondlandschaft, wenn
er da drüberfliege. Ich weise ihn der Wahrheit wegen darauf hin,
dass Gleitschirmfliegen recht eigentlich die beängstigendere
Freizeitbeschäftigung sei.
13.4.
Zwei
tüchtige Stunden in der Kletterhalle ermöglichen einen Resttag im Liegen.
Im Übrigen gibt es in Wels Griffe in Sokratesform. Wenn ich mich
recht erinnere eine lustige Pointe des Denkers, der Ideen (=Formen)
für wichtiger als die physische Welt hielt.

14.4.
ALLES
ist besser, wenn man wieder kurze Hosen tragen kann dabei (nur der
Look nicht).
***
Überraschende
Schreibattacke, wahrscheinlich hat es der Körper in der Kletterhalle
begriffen, dass er sich die Geistesruhe erarbeiten muss. Ich brauche
also eine Idee + dass mich die Realität nicht behelligt, durch
Termine etwa + einen Tag mit brauchbarem Selbstwertgefühl, um
überhaupt etwas stehen lassen zu können. Derzeit stirbt Arthur am
Cho Oyu oder Everest, Johanna revanchiert sich postum.
***
Insgesamt
kein schlechter Tag. Mit Pintars zum Donaustrand. Das geschenkte
stählerne Hochbeet von uns braven Pferden + Azesbergerdamen-Support
flugs an die richtige Stelle getragen, wo es fast zu schick für den
verwucherten Restgarten aussieht.
***
Ich
löse mich nur schwer, aber heute wird Carolas Film über Bodo Hell
gezeigt. Es gibt eigentlich nichts von ihm, das es nicht wert wäre,
gelesen, gehört und zitiert zu werden. „Dem ganz normalen
Alltagswahnsinn zur Sprache zu verhelfen.“ „Dinge, die ich als
Autor gar nicht alle verstehe.“ Als Carola ihn fragt, warum er seit
1979 jeden Sommer auf die Grafenbergalm geht: „Weil ich noch lange
nicht alles gesehen habe.“
15.4.
Ein
besonders hübscher dunkelbrauner Welpe mit dem in österreichischen
Ohren nicht gut gewählten Namen „Rafiki“ tollt über den Strand,
die Besitzer müssen ihn andauernd rufen.
Der
Garten explodiert, der Trockenheit zum Trotz. Die Apfelbäume haben
mir meinen groben Schnitt verziehen und blühen eifrig. Wenn man ein
Hochbeet zu befüllen hat, verwandelt der suchende Blick den gesamten
Garten in Grünschnitt.
Flussregenpfeifer
an der Donau, ein Buntspecht auf dem doch noch nicht ganz toten
Marillenbaum.
16.4.
In einer
erschöpften Gartenarbeitespause reden J. und ich ein wenig über unsere
lebensbejahenden Partner*innen, die so sanieren und bauen wollen, als
hätten sie noch viel länger als die erwartbaren 30 Jahre zu leben
(und gottverdammich, das sollen sie!). Wir Freunde des Provisoriums hoffen darauf,
dass der Krempel grad noch so lange zusammenhält wie der eigene
Leib. Wenigstens ist uns die Arbeit lustig.
***
Badende
Hunde <3
***
Buttinger
sieht sich in der Nacht zur Erholung von der Büroarbeit Dokus über
die schädlichen Einflüsse TikToks oder den Cum-Ex-Skandal an, „weil
ich das einmal verstehen will!“So verschieden können Liebesleut' sein.
17.4.
Wenn
man im Obi eine Schaufel kauf, schaut man schnell einmal so aus, als
plane man einen Mord. Derzeit könnte ich die Leiche wirklich sehr
leicht im neuen Hochbeet versenken, aber mir fällt niemand ein, den
ich wirklich entleiben würde. Wollen schon, aber zum Tun reicht mir
die Skrupellosigkeit. Und fände ich die Leichen Trumps, Musks oder
Putins, würde ich ja wollen, dass die Welt davon erfährt.
***
Vergangene
Nacht wieder der Alptraum, ich hätte aufgegeben und mich in eine
Anstellung gefügt. Zwar lag das Büro vage am Grundlsee, aber ich
musste mir braun-beige Kleidung kaufen und ein Halstuch. Was meine
Aufgabe war, würde ich herausfinden, ab jetzt eilte nichts mehr,
weil ich ja mein restliches Leben hier absitzen muss. Durchs Fenster
sah ich einen Berg, ich dachte, wenn es an einem der kommenden Wochenenden schön ist,
kann ich da ja rauf. Ich tröstete mich mit Ausblick auf das Geld,
als Preis meines Lebens. Das kommt vom Weißweintrinken!!!!
18.4.
Aufgeweckt
durch ein ungewöhnliches Geräusch: Regen. Die Bergfex-App hat ihre
Prognose unter Eindruck der Gegenwart von „0%“ auf „9l“
korrigiert.
***
100
Jahre F. & A. – es ist eine große Freude, ein Abend wie
damals im Rothen Krebsen! Ich rede dem anwesenden Volk als
Festrednerin ein, dass A. bei einer Nilkreuzfahrt zur Welt
gekommen sei, die Mutter habe zuerst eine Magenverstimmung befürchtet
und sich dann recht gefreut. Da erst sehe ich, dass die Eltern alle
da sind (und zum Glück lachen).
Kurz
vor dem sehr anrührenden Karaoke-Schluss erzählt mir der Al,
dass einst KP Liessmann ein sehr empörtes Email an den
Czernin-Verlag geschickt habe, als er sah, dass der
Prolet Austrofred auch hier verlegt werde. Definiere „Snob“.
19.4.
Nach
der Erschöpfung durch das Fortgehen Erschöpfung durch Einbetonieren
der Vorplatz-Platten. Ich gebe mein Bestes. Alles für die Würschte,
die ersten lösen sich noch am selben Tag. Wie zum Trost sitzen dann
der Hirschl und Chris im Black Horse. Weil ja: Gastgarten <3
***
Traum,
dass Mama einen ziemlich großen Bus durch eine italienische Stadt
chauffieren muss und die Aufgabe achselzuckend schafft, während ich
es nicht einmal hinkriege, meine Schuhe zu finden.
***
Prosa
in der Kronenzeitung: „Sie entdeckten eine tote Person, die
offenbar einer Lawine zum Verhängnis geworden war.“ Dazu passt
(28.4.): „Mann von Klettersteig gerettet.“
20.4.
Ostersonntag
Frizzante
zum Frühstück, ein Gruß an Harald Juhnke.
Einziger
Termin: Coala mit einem leider extrem schlecht ausgeführten
Mentaltrick ergötzen. Sie und Buttinger durchschauen mich sofort. Dann verbrennen wir alte Patientenakten, was ich hier nicht hinschreiben sollte, aber irgendwie reizt mich der Test, ob das IRGENDWER liest und mich bei der Ärztekammer verschergt (sind eh verjährt, und wir lesen sie nicht, bin ja kein Tech-Bro).

21.4.
Ostermontag
H. durchschaut den Trick nicht, ich freue mich, bis mir etwas später einfällt, dass H. auch die Person ist, die
ihre Enkel immerzu beim Rummy-Cub gewinnen lässt. Sehr schlechte
Agility-Vorführungen vor einer sehr guten Gesellschaft. Selig sind
die leicht zu Unterhaltenden.

22.4.
Erdarbeiten,
bis es knirscht in den Lendenwirbeln.
Die
Freude des E-Werk-Arbeiters, als er Fini auf dem Beifahrersitz mitsamt der Komposterde abwiegt.
23.4.
Lesung
im Stiftsgymnasium. Alle sind sehr lieb und sehr höflich – ich bin
immer zu pessimistisch, wenn ich mit jungen Menschen zu tun bekomme!
Um sie ganz für mich einzunehmen, stelle ich meine Mathe-Dummheit
aus, der Hund kriege Arithmetik besser hin (es ist vielleicht nicht einmal gelogen, denn sie sieht niedlicher aus und käme damit wohl durch).
Ich
frage Chr., ob sie noch arbeiten müsse. „Ich unterrichte
wie ein Tier!“
In
der Boulderhalle nimmt der Hund dann lieber am Kindergeburtstag teil, als
bei mir zu bleiben, obwohl die Kinder viel kreischen vor Freude über den Hund.
Vogelbeobachtungen
im Himmel über dem Egon-Hoffmann-Haus als Teil der Kunstsichtung.
25.4.

„Heid
hosd zaubert“, sagt der Buttinger, nachdem ich ihm am Abend auf die Couch gestürzt bin und vom Tag berichtet habe: Die
Heizung fällt aus, an einem sehr unangenehmen Kälterückfallstag. Die Info für die
Landesgartenschau-Eröffnung bekomme ich nach mehrfacher Urgenz zwei Stunden vor meiner Abfahrt, es sind nur ein paar grobe Stichworte. Es wird immer nässer und
kälter, kaum Menschen auf dem Gelände, geschweige denn
Besucher*innen. Die waren alle am noch recht freundlichen Vortag da, dem Soft-Opening für den LH, weil der heute keine Zeit hat. Ich muss sehr lange Umbauphasen quatschend
überbrücken, vor recht schütter besetzten Stuhlreihen. Alles muss
ich in letzter Sekunde erfragen, dann stimmt's wieder nicht, ein
Jakob heißt auf einmal Matthias, „der hod gheirat!“ sagt die
Band lachend. Da stehtauf einmal der Bürgermeister auf der Bühne, ich habe
keine Ahnung, wie er heißt. Dann der Landschaftsarchitekt und die
Geschäftsführerin, schnell irgendwas fragen. Die Stadtkapelle
spielt dreimal so lang wie ausgemacht, 50 Menschen auf der Bühne,
und sobald ich sie wieder betrete, sitzt NIEMAND mehr im Publikum.
Die drei sympathischen Akrobaten, die schon vor einer Stunde auftreten sollten, sind schon ganz erschöpft vom Warmhalten. Die
vorletzte Band bittet alle im Gelände verbleibenden Menschen zu sich
auf die Bühne, was recht gemütlich ist. Weil das „Latin Duo“ sowieso nicht zum Soundcheck
erschienen ist, wird es gecancelt, es könne gleich im Hotel bleiben
(dabei wollten ausgerechnet das drei Menschen sehen, die um 20:15
doch noch an der Kassa stehen). Es ist so kalt, dass mir nicht einmal
das Bier schmeckt. Das ist ein großer Unterschied zur
Lokalbevölkerung. Sogar die ganz Jungen können eine Bierflasche mit
der anderen öffnen, es ist wie mit den Fingern schnippsen für sie.
Der Tanzgruppenleiter hat eine ordentliche Fahne am frühen
Nachmittag, alle schaffen dann aber die kompliziertesten
Schrittfolgen, die mir nüchtern nicht in die Birne gingen (Tanzen = Arithmetik). Eine der ganz wenigen Besucherinnen sagt „ich habe
ja übermorgen meine Filztage“, da habe sie vorher noch vorbeischauen
können.
Immerhin
darf ich zwei Stunden früher als befürchtet heim. Ich vertraue dem
Navi blind, es lotst mich durch das unbekannte westliche OÖ.
Grieskirchen ist ein einziges, riesiges Maschinenbaugewerbegebiet.
Zuhause
schmeckt mir das Bier dann doch wieder. Ein Tag wie ein
Weißweintraum.
26.4.
Samstag
Literaturfrühstück
im Jägermayrhof, die Sonne scheint auch wieder. Alle sind sehr lieb
und sehr gut aufgelegt. Nach der Lesung erzählt mir eine sehr lustige Ex-Partnerin eines namhaften heimischen Literaten Schnurren aus dem
Literaturbetrieb vor meiner Zeit. Weil ein Südtiroler Lyriker einmal unmittelbar vor einer Lesung aus dem Fenster gestiegen und abgehauen sei, habe man seine Linzer Lesung ebenerdig im Traxlmayer abgehalten. Bei
der Ehrung von Heimrad Bäcker habe ein anderer Literat so unmäßig
lange gelesen, dass der Jubilar schon ganz wiaflat geworden sei, und
die Erzählerin beherzt zur Tür schreiten musste, sie fest zuknallte und so
den Egozentriker aus seinem Leserausch reißen konnte. Am unerhaltsamsten aber die Erzählung über Walter Pilar (DIE Gegenfigur zu Bodo Hell,
stellen wir fest). Bei einer Gruppenlesung waren in der
Alten Welt als Honorar 1xSpeis und Trank ausgemacht. Etliche Wochen
später verlangte er vom Kellner, zechfrei zu bleiben,
weil er ja an jenem Abend nichts konsumiert habe.
27.4.

Auf
verlassenen Almen im Sengsengebirge. Ab jetzt dürfen diese Steige
vollends verwandeln. Wer stellt so etwas auf Suunto? Wer geht dem
nach? Ich, die Wanderdeppin. Trotzdem ein guter Start in die
Unterholz-Saison.
Ist das schön, oder ist das schön? Siehe:

28.4.
Eine
unleserliche Handschrift ist eine Geheimschrift nur für sich selbst
(wenn man das Gekrakel noch entziffern kann).
***
Die
Massage-Pistole, die ich mir kaufe, wird vom Warentest so gelobt,
dass man von ihr eigentlich auch die Lockerung des Nahost-Konflikts
erwarten darf.
29.4.
Bis
morgen sollte ich die Einkommenssteuer erledigt UND einen
Text für die 50er-Nummer der "Rampe" geschrieben haben. Ich wette
gegen mich.
Nachtrag
eine Stunde später: Der Text ist fertig. Auch wenn er scheiße wird,
freue ich mich. Das kann man frühestens nach einem Monat feststellen, es
ist beim Schreiben wie mit dem Liköransetzen.
***
Die lang ersehnten Arbeiter sind hier und zeigen mir, was echte Arbeit ist. Worüber ich
wochenlang gegrübelt habe, schaufeln sie in einer halben Stunde weg.
Radu und sein Bruder Michal stammen aus Timisoara. Sie trinken keinen
Alkohol (passt gut zur Szene in der „Raumforderung“). Sie werken
acht Stunden, ich muss ihnen das Essen nachtragen und Radu anhalten,
um ihm eine Wunde zu verbinden.

***
J. entschuldigt sich dafür, dass eine KI auf Insta einen seltsam
begeisterten Text über meine Lesung in Wilhering zusammenklabüsert
hat, bei der ich behauptet hatte, keine Sorge zu haben, dass KI meine
Arbeit ersetze.
***
Vor
einer Woche sind die Schwalben zurückgekommen. Der Nachbar hat acht
Nester in der Werkstatt, „i waaß aa ned, wos eana do so gfoid.“
Die schönsten Flugmanöver. Dann die ersten Grillen.
30.4.
Während
ich Mini-Beträge in die Einkommensliste addiere und mir der Rücken
vom Sitzen wehtut, tschinäullen unten die Muresan-Brüder, als wäre
es ihre eigene Baustelle.
Th. legt der verängstigten Fini kleine Käsestücke auf die Bierbank,
die sie so heimlich nimmt, als solle sie es selbst nicht merken. H. ist ganz von Vorfreude auf den Gesang des Pirols erfüllt, der 1. Mai
ist der Jubeltag der Arbeiter und der Birder. Frau M. und T. können terzeln, also singen wir „In die Berg bin i gern“
dreistimmig, und als L. dazukommt, auch noch den "Wildschütz". Wir sollten
den Arbeiter- und Pirolsgesangsverein „waschaecht“ gründen, mit
dem Ziel, das heimatliche Liedgut den Patrioten aus den dummen Kehlkköpfen zu winden.
Beim
Heimgehen mäandert der Buttinger wie ein renaturierter Flusslauf.