Donnerstag, Januar 29, 2026

Die neun Leben des Dr. Josef Ratzenböck

Drehbuch für einen Smash Hit im Land der MOÖglichkeiten

Deadlines inspirieren mich, vielleicht geht sich ja noch was für den Oscar aus. Beim Prokrastinieren für diesen Lesebühnen-Text bin ich auf die Idee verfallen, alte Familiendias zu sichten – derzeit posten ja alle Fotos aus dem Jahr 2016, wo noch alles gut gewesen sein soll. Ihr Narren! 1986 hätten wir richtig abbiegen können! Die Sowjets wegen Tschernobyl aus dem Buch der Geschichte streichen, die USA wegen Endes des Kalten Krieges auf ihr Staatsgebiet einhegen, die Erfindung des Internets in klügere Hände legen, das Matriarchat den Völkern mit liebevoller Mütterlichkeit oktroyieren.

Ein Dia, ein buenas dias, siehe oben, zeigt eine humoristisch wertvoll gewordene Szene, die ich auf Facebook dergestalt beschrieb: „Vor 40 Jahren sollte ich dem LH Ratzenböck einen Blumenstrauß überreichen, weil er uns ein Dach auf die Volksschule Schönering gesetzt hatte. Ich geriet aber in Panik und paschte ab. Der Bürgermeister fing mich und leitete mich sanft zum Landesvater, der gütig das Gebinde aus meinen schweißnassen Händen wand. Was sind eure besten Ratzenböck-Nachrufe? Die schönste LH-Schnurre gewinnt!“

Darauf schrieb Frau Karin H., geschätzte OLW-Stammgästin: „Der Cousin meiner Mutter ist der Überzeugung, dass der Ratzenböck schon vor 20 Jahren gestorben ist, aber erst jetzt begraben wurde.“ Ich wollte daraufhin eine arge Geschichte über Balsamierungspraktiken schreiben (den Mao zum Beispiel haben sie mit Formaldehyd ja historisch belegt aufgepumpt wie einen Weinschlauch), dass das auch in OÖ in der Pathologie der Barmherzigen Schwestern versucht wurde, um den Kulturstandort neben dem luftgeselchten Pfarrer von St. Thomas am Blasenstein mit einer weiteren sehenswürdigen Mumie aufzuwerten.

Aber das Thema waren am 23. Jänner ja Katzen, und die haben neun Leben. Bester Stoff für einen actiongeladenen Episodenfilm, in dem der Ratzenböck immer wiedergeboren wird: Er stellt seine Bonusleben der guten Sache zur Verfügung. Im zweiten Leben kauft er aus einem bulgarischen Schrottzoo einen Tiger frei und macht ihn scharf, sodass er den bei Woronesch fischenden Putin anfällt und endlich aus dem Bestand der Menschheit entnimmt. Der Tiger frisst dann leider auch den Ratzenböck, sodass er schon im dritten Leben angelangt ist. Es zeigt sich, dass er mit jeder Reinkarnation ein bisschen weniger lebendig ist, womit gleich auch das Zombie- bzw. Vampir-Genre mit abgefrühstückt werden kann.

Nun schickt die NATO den Alt-LH nach Amerika, wo er den Trump und den JD Vance auch gleich mit Glykolwein final unter den Tisch säuft, unter Aufopferung seines eigenen Lebens, aber erfolgreich.

So geht es dahin, peace keeping durch robuste Einzelkämpfer-Attacken – im Nahen Osten, Iran, Sudan, Kongo, Weißrussland, Nordkorea & China: Überall werden die führenden Kriegstreiber waidgerecht vergrämt (aus dem Leben). Das müsst ihr euch jetzt selbst ausmalen, gern mit den Requisiten der 1980er als Waffen, enthauptet mit Modern Talking LPs, verätzt mit saurem Most, überdosierte Schilddrüsentabletten, stranguliert mit selbstgestrickten Zopfstirnbändern, erschlagen mit Acrylmalerei, vom Opel Kadett überfahren, vom umfallenden Wurlitzer getroffen.

Am Ende seines letzten Lebens ist von der Vitalität des LHs nicht mehr viel übrig, er lenkt seine letzten Schritte zurück an den Ausgangspunkt der Geschichte. Dort klopft er an die Tür eines Einfamilienhauses mit baubehördlich vorgeschriebenem Atomschutzbunker (jetzt voller Hofer-Wein und alter Ribiselmarmelade). „Meindl Mink“, knarzt es aus seinem zerfaserndem Kehlkopf, „i hob mein Beitrog gleist, jetzt sad's es Jungan drau.“ Er sinkt zu Boden, endlich ewige Ruhe, und die neue Herrscherin im Land der Moöglichkeiten lässt dem verdienstvollen Landesvater ein großes Requiem im Linzer Dom ausrichten. Danke, LH Ratzenböck! 

Freitag, Dezember 12, 2025

Wunschliste ans Christkindi für 2026: Ich bitte um eine gute Sterbstunde

Liebes Weihnachtswesen, hier ist wieder deine Minki! Sorry, dass ich mich immer nur zu deinem Geburtstag bei dir melde, es ist allerweil so ein Wirbel, aber ich glaube das ganze Jahr über fest an dich. Da sind wir ja Kolleginnen, denn was wäre das Kind Gottes, und was wäre eine Bundespräsidentin, wenn niemand glaubt, dass es uns gibt?! Du darfst dir auch gern was von mir wünschen, sag' einfach Bescheid, wenn ich was tun kann für dich, zum Beispiel einen Pflegeplatz für den Papa.

Auch heuer formuliere ich meine Wünsche eingedenk der Frohbotschaft des Erzengels Michael: „You can't always get what you want. But if you try sometime you'll find you get what you need!“ In der berühmten Vulgata-Übersetzung von Joki Kirschner: „Geschenke sind nicht wichtig, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man sie hat, wenn man sie braucht.“ In diesem Sinne! Folgendes wünsche ich mir heuer sehnlich:

  • Eine Zeitreisemaschine, eh keine arge, sie kann aussehen wie eine Saunakabine im endlich trockenen Keller (Vergelt's Gott dafür!), und sie muss nur sechs Monate in die Vergangenheit zurückgehen, und auch nur im Winter – ich möchte einfach nur jederzeit oben im Hochsommer in meiner geliebten Wildnis des Toten Gebirges sein, und beim Hinüberschauen auf den Dachstein nasse Augerl kriegen. Ein Sommertag in meiner selbstgebauten Vergangenheit und ich wär' leistungswillig wie ein feuchter neoliberaler Traum.

  • Ich bitte innig um die Wiederschenkung meines Grundvertrauens in meine humane Mitschöpfung. Man muss ja nicht so einen Stiefel zusammenwählen. Bitte lass' die Leute wieder mehr Bücher lesen, müssen eh nicht nur die unseren hier sein. Gerne hätte ich weniger Satire in der Politik, es ist derzeit sauschwer, selbst eine zu schreiben.

  • Dann brauche ich neue Turnschuhe, ich bin zu blöd dafür, oder zu unentschlossen, vielleicht wär's gscheiter, wenn es eine leicht kommunistische Konsumwarenverknappung gäbe, also nur noch sagen wir zehn verschiedene Sorten, dann tu ich mir leichter.

  • Abschließend wünsche ich mir, dass die Wissenschaft endlich ihre Prioritäten geregelt kriegt, was soll diese oasch Rüstungsforschung, setzt euch auf eure Hosenböden und arbeitet emsigst an lebensverlängernden Maßnahmen, keinesfalls aber an der longevity durchgeknallter Nabobs wie Musk, Bezos und Zuckerberg, da vielleicht sogar bitte in die Gegenrichtung, mein Wunsch betrifft die Lebenserwartung von Hunden, die bitte exakt an jene ihrer Halterinnen angekoppelt werden möge, so schwer kann das ja nicht sein.

Das war's schon für mich! Weihnachten ist ein Fest der Liebe, da soll man nicht nur an sich selbst denken, sondern einmal an andere. Auf nationaler Ebene:

  • Unserem Bundeskanzler Stocker wünsche ich ein bissi mehr Eier, nicht im männlichen Sinne, das sind ja maximal zwei weiche, sondern Millionen taffe Fraueneier, damit er endlich in die Puschen kommt. Ich wünsch dem Buddha von Wiener Neustadt einen Neustart! Und dem Vizekanzler, dem Babler Andi, wünsch ich alles Gute, er hätt ja unlängst fast meinen Hund geküsst, drum samma Hawara, ich wünsch ihm Milliarden für ein ordentliches Kulturbudget.

  • Dem österreichischen Wahlvolk wünsche ich 2026 viele Momente der reflektierenden Einkehr, es sind nämlich keine Wahlen weit und breit, da müsst ihr euch nicht deppert aufganserln lassen.

  • Harald Mahrer wünsche ich einen guten Übergang in seinen nächsten Karriereabschnitt. Möge ihm Potpourri an neuen Aufgabenfeldern blühen, eine AMS-Abteilung nur für ihn. Er kann sich eine Stelle aussuchen oder gleich alle übernehmen, also: Liftwart in Kirchschlag, Behindertenbetreuer in Hartheim, Tierheimputzmann, Image-Restaurator der SOS-Kinderdörfer, Bardienst im Strandgut, der Bundespräsidentin den Keller ausweißigen, Koordinator des Science-Hubs für Zeitreisebüros und Dog Longevity – halt einfach einmal eine echte, ehrliche Arbeit, die Gutes bewirkt!

  • Den Verantwortlichen der Rodung des Bergschlössl- und der Ziegeleistraßenparks zugunsten des Westrings wünsche ich, dass sie postmortem in einem ewigen Kreislauf an Autobahnzubringerkreisverkehren sich verheddern und erst wieder herausfinden, wenn die Hölle sich mit Eis bedeckt.

  • Allen Herren, die im Gendern eine Verhunzung der Deutschen Sprache sehen, wünsche ich per sofort den Paygap ihrer eigenen Gattinnen an den Hals. Plus eine verpflichtende Nachschulung im Fach angewandte Diachrone Linguistik im Ausmaß von vier Semestern.

  • Allen Herren, die mir mit ihren blöden Premiumfahrzeugen den Vorrang nehmen, obwohl hinter mir kein anderes Auto ist und die mich dann ausbremsen, weil sie drei Meter weiter abbiegen, diesen Linksabbiegenazis wünsche ich einen erweiterten Sachkundenachweis, weil sie ein Listenauto fahren und insgesamt dass sie sich 2026 viele Papierschnitte und Fieberblasen holen.

Damit sind wir schon auf der globalen Ebene:

  • Allen Despoten, Tyrannen, Faschisten, Demokratiefeinden wünsche ich herzlich eine gute Sterbstunde. Davor viele Papierschnitte und Fieberblasen. Ich wünsche Trump, dass er viel in Hundekot steigt und erst draufkommt, wenn er schon quer über den sauteuren Seidenteppich im Ballroom gelatscht ist, und ich wünsche ihm 2026 die Rache der Journalistik, #epsteinfiles. Ich wünsche Putin, dass ihm kein Hund mehr zugeht, kein liebes Tier lässt sich jemals wieder von ihm streicheln, nie mehr wieder ein warmer Blick aus treuen Augen, und ich wünsche ihm einen nächtlichen Schlaganfall, seine Adlaten fragen sich in der Früh, nanu, wo bleibt der Chef denn, sonst ist er um 5 schon in der Höh, aber ich trau mich nicht nachschauen, sonst ist er ement grantig und schickt uns an die Front! 72 Tage später folgt Putin seinem großen Vorbild Stalin, Tod wegen unterlassener Hilfeleistung.

  • Ich wünsche allen Patriarchen dieser Welt ein Jahr als Frau, den Taliban zuhause, Trump in Somalia; alle haben Cellulite und Endometriose, dazu eine super-übergriffige Chefin und einen Mann, der viel fremdgeht und bei jeder Gelegenheit erklärt, dass Gendern die deutsche Sprache verhunze.

  • Der Hamas, den aggressiven Siedlern, den „Konfliktparteien im Sudan“ etc. wünsche ich, dass es sie beim Niesen in tausend Fetzerl zerreißt und sie keine Hände mehr haben, um sich aufzuheben.

  • Hier noch der Vorjahreswitz, der ist noch pfenninggut: Viktor Orban wünsche ich, dass er weiter so rasant verbladet, dass ihn sein sinnloser Populismus weiter so aufdunsen lässt wie ein totes Pferd am Ufer des Balatonsees (Bladatonsee, haha).

Jetzt aber Schluss und Liebe! Ich wünsche euch allen drei Kilo Gewichtstsunami, viel Liebe, auch körperlicher Art, und brave Christkindl! Ausschließlich hier bin ich Befürworterin der Kinderarbeit.

Ab 1. Jänner 2026 gilt dann die neue digitale Autobahnvignette, in Trafiken gibt’s noch die zum Picken, wer's nicht anders haben mag, sie ist feuerrot, und weiterhin gilt das Matriarchat, auch das lodert feuerrot und insgesamt ist es golden.

Montag, November 24, 2025

Die neue oberösterreichische Hausordnung

Das kleine 1x1 des Zusammenlebens

Vergangene Woche hat die oö. Landesregierung eine „Hausordnung“ präsentiert. Jetzt bin ich nicht die hellste Kerze auf der Torte der Arithmetik – aber ist 1x1 nicht trotzdem nur eins, und ist das nicht die niedrigste einstellige Zahl? Also irgendwie der klitzekleinste gemeinsame Nenner, sprich: sehr wenig? Egal. Wichtiger ist, dass sich das nur Männer ausgedacht haben, also gilt das für die auch. Für alle anderen gelten WEITERHIN die unsere gemeinsamen Regeln und Werte, die ich mit Liebe und Sorgfalt hier aufnotiert habe. 

1. Jeder Mensch hat Würde und verdient Respekt, auch wenn er oder sie beschließt, darauf keinen Wert zu legen und bei Kulturveranstaltungen z.B. „La Montanara“ zu singen, ohne es zu können und mit Schnupfen, oder wenn die Person schiache Ballkleider aus den 80ern anziehen mag. Oder selbstironische Witze macht, was trotzdem streng verbietet, der Person gegenüber auch frech zu werden.

2. Bitte schnäuzt euch! Das Geräusch ist einfach nicht auszuhalten!!!!

3. Wir sprechen hier Deutsch! (Bzw. „Deutsch“) Schnäuzen also bitte mit Ä schreiben, denn es leitet sich von der Schnauze ab. Wir in OÖ gendern, das ist gelebter Brauch, es heißt nicht umsonst Muttersprache. Männer sind zwecks besserer Verständlichkeit mitgemeint.

4. Hunde sind respektvoll zu behandeln und dürfen gerne vor deren Halter*innen begrüßt werden. Wir lieben die Hunde so wia a Kindal sei Muata.

5. Das arschlingse Buserieren im Straßenverkehr ist verboten, insbesondere für SUVs bzw. Audi-, BMW-Fahrer etc. Listenautolenker müssen generell eine erweiterte Alltagstauchlichkeitsprüfung zusätzlich zum Sachkundenachweis ablegen, wenn ihr Kraftfahrzeug die Schulterhöhe von 1m übersteigt.

6. Das Laufen auf den Gängen ist verboten, im Gebäude sind Hausschuhe zu tragen.

7. Männer sind nach Kräften den anderen Geschlechtern gleichzustellen, das Matriarchat ist für alle da!

8. OÖ hat Platz für alle Religionen, wenn sie still im Ausmaß eines privaten Hobbys betrieben werden und nicht nerven, also ca. wie Modelleisenbahnbau, Goldhaubenstickerei oder Hinterglasmalerei.

9. Beim Tarock werden nur Spatz und Uhu angesagt, alles andere ist gottloser Unfug. Kommt die Trui gemeinsam zum Liegen, sticht der Pagat, eh klar.

10. Fleischereifacherzeugnisse dürfen nicht mehr irreführend als Bradl oder Wiaschtl bezeichnet werden, sondern als „Der Sau aus dem toten Nacken gefletschtes Fleisch“ bzw. „in seine eigenen Eingeweide gestopfte Kadaverreste“.

11. Respektspersonen wie etwa die Bundespräsidentin sind in OÖ Schulen mit einem schmeichelhaften Bild in den Klassenzimmern zu repräsentieren und höflich zu grüßen, gerne auch Nackenmassagen anbieten und ihren Hund sowie ihren Regierungsstil loben, das ist nicht cheesy, gutes Bier kredenzen – hier ist Regionalsnobismus angezeigt, da unsere heimischen Brauereiprodukte wahrhaft die besseren sind; Zipfer aber höchstens frisch gezapft.

12. Es gibt in OÖ immer noch diese Probleme mit dem Stadtbild, also Menschen, die extrem gschissn aus der Wäsche schauen, etwa nur um ein Beispiel zu nennen Herrn G. aus Wels, Schillerstraße 1/3, der mich zu Fleiß immer so grämlich anschaut, dass seine Mundwinkel über den Unterkiefer herunterhängen, keine Ahnung, was der gegen mich hat!

13. Bitte passt's besser beim Mülltrennen auf, das ist doch echt nicht schwer, jetzt darf man sowieso fast alles in den Gelben Sack schmeißen, Gmundner Keramik im Großgebinde zum Bauschutt, Lederhosen zur Carla, VOEST-Stahl zum Altmetall, die Handflächen zueinander, noch einmal, schneller, ja, so wird ein Applaus draus! (Letzteres schriftlich bissi doof, aber man kann ja auch einmal privat alleine klatschen).


Mittwoch, Oktober 29, 2025

Bird Watchlist 2026

 

On the wrong side of the 40ies wetteifern mehrere Torheiten um die Freizeit des Menschen bzw. Mannes. Gravelbikefahren, Vintagerennradrestauration, Craftbierbrauen, Baristakaffeesnobismus, Tenkara-Fliegenfischen. Sie eint der Drang, unfassbar viel Geld auszugeben und unfassbar viel darüber erzählen zu wollen. Noch am sympathischsten ist das Birdwatching, also das Vogel-Spechteln. „Schau, ein Wintergoldhähnchen im Prachtkleid!“ „Oh, die Birkhenne kirrt den Hahn in ihre Huderpfanne!“ Diese gefiederten Freunde möchte ich 2026 watchen:

1. Dodo, Greif, Roch oder Phönix (das wär' ein Hallo am Birder-Stammtisch!)

2. Den zahmen Spatzen, der täglich zur gleichen Zeit auf die Hand meines Wahl-Großvaters flog und sich füttern ließ

3. Die Rückkehr der Feldlerchenpopulation vor dem Beginn der industriellen Landwirtschaft

4. Den Sturzflug des PatriArchaeopterix

5. Die Gans Martin aus Nils Holgersson, skandinavischer Sympathieträger

6. Jürgen Vogel, ist vielleicht ein guter Typ

7. Dschungelzwergfischer (auf "Iratebirds" als weltschönster Vogel gerankt)

8. Haubenmeise (ein Vogel wie ich, mit Mittagsschlaffrisur)

9. Der Steinadler auf dem Gipfel des Bruderkogels am Grundlsee

4. Papageno und Papagena bzw. sämtliche Vogelfänger des Salzkammergutes, denen ich in einem amtlichen Normverdeutlichungsgespräch darlege, dass man die armen Vogerl bitte nicht mit einer Leimrute fesselt und sie dann den ganzen Winter in sein Stinkestübchen sperrt, während man selbst in Thailand überwintert, nur zur Gaudi, wenn die Vögel frei über die Wälder des Toten Gebirges fliegen könnten, wenn sie schon bei uns bleiben, weil das ist eine Standorttreue, die ihnen wir garstigen Menschen einmal nachmachen sollten, scheiß auf dein deppertes Brauchtum, aber echt.

Dienstag, Oktober 07, 2025

Der Pilznarr. Gerechtigkeit für Schönering

Als mich der Sprecher der Akademie an diesem Oktoberdonnerstag anrief, um mir den Nobelpreis für Literatur zuzusprechen, ließ ich den Hammer fallen. Nun sind sie völlig verrückt geworden, dachte ich, damit ist der Preis endgültig ruiniert. Ich brachte nur ein wortloses Gurgeln heraus, das man in Stockholm für ein Zeichen der Rührung hielt.

Ich stieg benommen vom Dach meines Baumhauses, das in seinem siebten Jahr wieder angefangen hatte, mein Bett zu nässen; ein schwerer Landregen hatte die größte Leistung meiner Dichtkunst zunichte gemacht. Alles ließ ich nun liegen und stehen, die Planen, die Dachpappe, die Dichtmasse. Vor dem Gartentor hatte sich bereits eine gewaltige Pressetraube gebildet, die Fotografen hielten eifrig auf meinen Hund, der schon wieder in den Vorgarten schiss, obwohl ich doch in der Früh mit ihm äußerln gewesen war. Ich hielt inne, dachte über das kostbare Wort „äußerln“ nach, ist nicht alles Sprechen ein Versuch, das Innere zu äußerln, da schrien mich die Journalisten gierig an, sie forderten Reaktionen und Reaktionen von mir, keiner von ihnen rief mir entgegen, dass er schon ein Buch von mir gelesen habe. Gut, beide sind vergriffen, aber dafür hatte das Dach drei Jahre lang dicht gehalten.

Ich bin nicht hier für des Hundes Scheißdreck!“ rief ich. Im Zustand äußerster Entfremdung lief ich ins Haus, sperrte die Tür zu und wählte mit zitternden Fingern die Nummer des einzigen Menschen, der wusste, wie es mir jetzt ging. Doch Peter Handke hob nicht ab, typisch für diesen Bewohner des Elfenbeinturms in der Niemandsbucht! Er genoss das Exil, das ich ihm damals empfohlen hatte, zwecks Reparatur seines Images. „Zieh auch nach Schönering!“, sagte ich ihm nach seinem Auftritt als Gast bei der Lesebühne, „zieh in mein Dorf, keine Sau interessiert sich dort für seine Dichter! Einmal im Jahr, Peter, lese ich im Pfarrheim für die Senioren, alle fünf Jahre zum Frauentag für die SPÖ-Damen, das war's! Eine heilige Ruhe!“ Tatsächlich konnte sich Handke der Öffentlichkeit hier, am Ostrand des Eferdinger Beckens, in unsere Oase der Poesielosigkeit retten. Ja, es war eine Rettung, seit zwei Jahren lebt er wunschlos glücklich in einem Vierkanter und sucht den lieben langen Tag Vogelfedern und Tintenröhrlinge im Kürnbergerwald. Will dem scheinbar verwirrten Großliteraten ein freundlicher Jogger den Weg zurück durch die Borkenkäferschneisen zeigen, sagt Handke „Ich komme Edramsberg her, von Schönering, von Wilhering“, und alles ist gut. 

 

Verlassen wie ein Kind im Grenzland lief ich durchs Haus, und leider, leider verfiel ich auf die Idee, ins Internet zu schauen. Keine Stunde war mein Nobelpreis alt, schon wurde meine gesamte Vita an die Öffentlichkeit gezerrt wie eine Picknickdecke, an der ein Rudel Paviane reißt. Mein Deutschlehrer erzählte lachend von meinem Faible für Guns N' Roses samt Fransenlederjacke, und dass meine Aufsätze damals eher lieb als gut gewesen seien; meine Schwester gab bei Barbara Stöckl preis, dass ich mir als Kind über Nacht ein Plastikdraculagebiss um 5 Schilling in den Mund gesteckt habe, um meinen Überbiss zu korrigieren. Auf ORF 3 machten sich Daniela Strigl und Klaus Nüchtern über die Rechtschreibfehler in der „Sau“ lustig, Nüchtern erzählte, dass ich zur Not auch Stiegl trinke. Und in der Mittags-ZiB plauderte Christian Wehrschütz über meine Freundschaft mit Kim Jong Un, Fotos von einem Begräbnis wurden eingeblendet. Ich geriet in Zorn, die Verwandtschaft kann man sich halt nicht aussuchen!

Da läutete es Sturm an der Tür, ich riss sie auf und sah Landeshauptmann Stelzer auf der Dacke, neben ihm strahlte Bürgermeister Mario Mühlböck. Sie klopften mir links und rechts auf die Schulter, der „Ortskaiser“ überreichte mir ein Bild vom Stift Wilhering, der „Landesvater“ eine Pfeffermühle aus Leondinger Fichtenholz. Da senkte sich mein Blutdruck, und ich richtete das Wort an die beiden. „Ich fühle mich losgebunden vom Pfahl des eigenen Ich!“ Wir umarmten einander.

So sah ich nicht, wie die Pressetraube heranwanzte. Jemand tippte mir auf die Schulter. Armin Wolf! „Frau Meindl, Peter Handke sagt über Sie, dass zwar ihre Literatur großartig sei, aber Ihre Dichtkunst nicht, denn es regne schon wieder in Ihr Baumhaus!“ Ich war wie vom Blitz getroffen. „Verschwinden Sie!“, schrie ich, „und stellen Sie mir nicht solche Fragen! Ich stamme von Handwerkern ab, von Wegmachern, von Schneidern her! Von keinem Menschen hör' ich, dass er sagt, der Rasen ist aber schön geschnitten, und wie der Zuckerhut in Ihrem Hochbeet gedeiht, alle fragen nur wie Sie!“

Ich schlug, das muss ich zugeben, dem frechen Wolf mit der Pfeffermühle ein bisschen auf den Kopf, dann zog ich Stelzer und Mühlböck in mein Haus und sperrte die Weltpresse aus. Um unsere Stimmung zu reparieren, bot ich den Gästen selbstgebackene Hanfkekse an. Bald lagen wir kichernd auf der Soff, der Hund eingerollt und furzend zu unseren Füßen, und am Ende wurde es doch noch ein gemütlicher Nachmittag. Dem Handke, diesem geschwätzigen Arschloch, habe ich seither nie mehr beim Winterreifenwechseln geholfen.

Dienstag, September 23, 2025

Jenseits von Aussee. Pfiat eng God schee, liabe Almen, pfiat di God schee, Redford Bert!

Um ein kathartisches Tränenerlebnis zu ermöglichen, empfiehlt es sich, dazu Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 abzuspielen, das Adagio

Der Schauplatz <3

Er hatte eine Alm am Fuße des Toten Gebirges. Ein paar hundert Meter vom Dreibrüdersee entfernt. Die Sommer sind kurz hier im Karst. Es war an einem prachtvollen Julitag, da ich vom Bruderkogel abstieg, reich an Beute, denn meine Augen hatten auf dem kaum bestiegenen Gipfel einen Adler gesammelt, der mich wiederum anblickte, bevor er sich über das Widderkar in die Lüfte sinken ließ, als sei es das Meer, das ihn trug. Und auf Meeresboden stand ich, Millionen Jahre alt, in diesem jungen Sommer. (Also der Meeresboden war so alt, ich nur seelisch.)

Ich kam also an der Gössler Alm vorbei, gelöst und gebadet, als ich einen Reflex im Augenwinkel sah. So einen Farbton hatten meine jagenden Augen hier noch nie gesehen, ich hieß den Hund über das hohe Gras fliegen, um das Wild zu stellen. Zu meinem höchsten Erstaunen erklang eine menschliche Stimme, im Grundton wohl tief, aber ich vernahm ein hohes Frohlocken: „Jo Puppi, jo wer bist denn du?!“ Im Näherkommen sah ich ihn zum ersten Mal.

Robert Redford.

Jo, wo bist denn du?“ „I bin do, Robert!“ „Ned du, du Lustige, da Hund, wos isn des fira Rass, des is owa a gaunz a gschickte!“ Niemand würde mir glauben, dass ich hier stand, und dem berühmtesten Schauspieler der Welt erklärte, dass ich den Hund aus dem Heim gerettet hatte, „ma!“, dass sie meine treue Begleiterin sei, „geh liab!“, und wir soeben einen Steinadler erspäht hatten für meine Birding-Liste, „wos d' ned sogst!“ Er hieß mich Platz auf der lärchenen Bank nehmen, dann langte er in den Grander hinter der kleinen, schiefen Hütte und öffnete uns zwei Flaschen Freistädter Ratsherrn. Es lag nicht an meiner einfühlsamen Zurückhaltung, dass ich ihn um kein Selfie bat, sondern daran, dass ich gerade mein Handy im Geröll verloren hatte.

Naja, was soll ich sagen, wie es weiterging. Ich stieg Stunden später im Licht der Sterne ab, mit schlechtem Gewissen, und natürlich hat mich der Buttinger unten in Gössl sehr geschimpft, dass ich so spät daherkräule, wieso ich nicht abgehoben habe, um ein Haar hätte er schon die Bergrettung geholt! Als ich ihm vom Handyverlust berichtete und vom Schmusen mit Robert Redford, der sich hier einen einsamen Almsommer lang vom Leben eines internationalen Superstars erhole, sagte er, ok, Meindl, besorg dir ein neues Handy, und wie schmust der Redford Bertl, ist er so nett, wie er ausschaut? Ja, sagte ich, und er mag Hunde. Da war der Buttinger ein bissl eifersüchtig, aber der Hund und ich, wir schmiegten uns innig an ihn und ich sagte, du bleibst mein Redford von Wels! Mein Herz ist groß genug für euch beide! 

 

So kam es, dass ich auch am nächsten auf die Gössler Alm aufstieg. Es war sehr schön. Am vierten Tag ging ich aber ins Widderkar, denn es ist kein Urlaub, wenn ich nicht im Widderkar war. Tags darauf war der Bertl bedrückt. Er ahnte, dass ich eine wilde, unzähmbare Strawanzerin hier im Toten Gebirge sei. „Schau“, sagte ich zu ihm, „ich habe hier noch lange nicht alles gesehen, und der Urlaub dauert nur noch zehn Tage.“ Ich trocknete seine Tränen mit dem Ärmel meines nicht mehr ganz frischen Merinoleiberls. Am nächsten Tag nahm ich ihn mit auf den Jägersteig ins Widderkar hinüber, wir sahen den Adler wieder. Der Hund sprang fröhlich der Gams nach. Der Eisenhut blühte. Der Wind wuschelte Roberts güldenes und mein ofarbenes Haar. Wir machten Rast in der Wiese, wieder tranken wir Freistädter. Dann sah er mir in die Augen:

Du hast es mir verdorben.“

Was?“

Das Alleinsein.“

Du hast gewusst, dass ich mit dem Buttinger fix zusammen bin.“

Ja“, sagte er.

Da stieß der Adler seinen scharfen Schrei aus, wie um uns vom Abschiedsschmerz abzulenken. Der Hund legte sich zu uns auf die Decke und knibberte an den Pfoten.

Bertl, wieso kannst du eigentlich so gut Deutsch, mit Dialekt sogar?“

Weil mei Muada a Dosige woa. Und mei Voda vo Gramastettn.“

Da gab es mir einen Stich ins zerwanderte Herz. Es brauchte nicht lange, um herauszufinden, dass er mein Großonkel war. Irgendwann würde ich darüber einen verwickelten Familienroman schreiben (sehr praktisch in Originalbesetzung zu verfilmen), aber heute waren wir melancholisch wegen dieses Inzests. „Naja, egal“, sagte ich, „des hod uns do no nia gschodt.“

Robert sah hinüber zum Bruderkogel, jetzt sprach er im Tonfall Meryl Streeps:

Ich weiß ein Lied vom Toten Gebirge, von den Gämsen und vom Abendrot, das die Felsen erglühen lässt, von den Almen und den Gräsern, die sich im Wind neigen. Weiß das Tote Gebirge auch ein Lied von mir? Zittert die Luft über den Gipfeln jemals in einer Farbe, die ich an mir hatte, spielen die jungen Murmeltiere ein Spiel, in dem mein Name vorkommt, wirft der Vollmond einen Schatten auf die Gössler Alm, der dem meinen gleicht? Hält der Adler vom Bruderkogel nach mir Ausschau?“

Wir strichen einander wieder die Tränen von den Backen.

Im nächsten Sommer führte mich mein erster Weg auf die Gössler Alm. Die Hütte war vom Winter zerwirkt und verschlossen. Der Hund sah mich an und winselte. Mit schwerem Schritt zog ich hinüber ins Widderkar.

Von fern sah ich den Lagerplatz des vorigen Sommers. Darauf lagen (jetzt wird’s schön, aber unwahrscheinlich) im Licht des Sonnenuntergangs eine Löwin und ein Löwe, die eine längere Zeit auf unserem Almboden blieben. Es gehört und ziemte sich, dass die Löwen diesen Ort aufsuchten und ein Denkmal für uns waren.

Ich war guter Dinge und stieg ab, ohne die unwahrscheinlichen Gäste zu stören. Das wird dem Buttinger gut gefallen.

Dienstag, August 05, 2025

Do I am?

Das hier ist keine Homepage, das oberste Posting stammt quasi aus dem Mesozoikum. Neues erscheint nur im Verborgenen, irgendwo weiter unten. Aber lasst euch nicht stören, das hier ist nichts weiter als eine Text-Verschenkungs-Plattform. 



Dienstag, Juli 01, 2025

Hochflüchtiger Troll, hochfliegende Geier, hochtrabender Unsinn

Lebenskrimskrams im Juni 2026


1.6.

Leichte Reparaturarbeiten an Garten und Körper.

***

Wankelmütige Jedi-Ritter: Maybe the Force with you

2.6.

Jemand übergibt mir ein ziemlich dickes Manuskript, „das ist bei deinem Leseforum bestimmt gut aufgehoben“, Es sind die Vertreibungs-Memoiren einer 90-Jährigen Sudetendeutschen. 

3.6.

Weil ich dumm bin, habe ich beim Willemer-Preis den ganzen Roman eingereicht, samt Korrekturanmerkungen. Die freundlichen Damen von der Linz-Kultur weisen mich darauf hin, dass es bloß 18.000 Zeichen sein sollten. Hastig und schlampig schneide ich Passagen heraus und kränke mich dabei, wie leicht die Wörter aus dem Text fliegen. [Nachtrag Februar 2026: In ihrer „Poetikvorlesung“ schwärmt Barbi vom Streichen, am liebsten werfe sie alles raus, sie sei die Marie Kondo des Schreibens!] Ich merke selbst, dass ich mich stellenweise geplagt hatte, auf Romanlänge zu kommen. Aber so bin ich – wenn ich den Preis nicht bekomme [so ist es auch, 2026], kann ich mich vor mir selbst auf die Schlampigkeit rausreden.

***

Der Nachbarbub steht vor dem verschlossenen Haus, und es wurmt mich enorm, dass mir dieses Mal kein Einbruch für den guten Zweck gelingt. 

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Ein Buntspechtpaar schmust im Kirschbaum.

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Hellwach“ im Programmkino, der Film über Bodo Hell. Ich bin extrem kurz bei seinem Auftritt beim experiment literatur zu sehen. Die Kürze kränkt mich keineswegs, aber es hätte an diesem Abend den sehr viel schöneren Dialog zwischen Julia Jost und ihm zu zeigen gegeben. Es ist immer schön, Bodo beim Leben zuzusehen. „Ein Schriftsteller ist einer, der nichts zu sagen hat, also schreibt er es auf. Der ist als Kind einmal nicht zu Wort gekommen.“

4.6. Kleiner Rinner

Vor fünf Jahren war ich um diese Zeit noch auf der Tauplitz auf Ski unterwegs, heute eröffne ich offiziell meine Sommersaison. Wahrscheinlich bin ich die erste, die heuer über das „Kaltwasser“ heraufsteigt. Ich für meinen Teil bin überhaupt zum ersten Mal hier, es ist recht wild. Oben schaue ich sehnsüchtig ins Paradies hinüber, in dem ich ja schon sitze. Noch etwas mehr als fünf Wochen bis zum Grundlsee.

Die liebevollen Verschönerungen auf den Mistkübeln am Ostufer des Offensees: „Te quiero!“

5.6.

Es sei für ihn das Schrecklichste, dass er täglich im 6:30 Uhr aufstehen müsse, sagt der Zahnarzt, „do muass i ois im Liegn mochn, s'Zähndputzn und s'Frühstück, erst zum Duschn steh i auf!“ Ohne seine Frau, die gern um 5 Uhr aufstehe, könne er nicht weiter. „I gib' ihr eh ois zruck, owa in da Fruah brauch' i's!“

6.6.

Derzeit keine größeren Probleme. Das ist derzeit auch mein größtes Problem, aber nur in neurotischer Sorge, dass ich ohne große Probleme keine große Kunst schreiben kann.

***

Nur ein paar Sätze Gospodinov und ich bin schon ganz eingenommen, auch wenn es wehtut: „Der Tod und der Gärtner.“

***

Langes Schnattern mit den Damen, Biertrinken mit den Herren. Es könnte alles ganz leicht sein.


7.6. Steyr

Jana Volkmann unterhält sich mit dem Star der Veranstaltung, Martina Hefter, die mir nicht nur deswegen sofort sympathisch ist. Jana ist natürlich enttäuscht, dass Fini nicht mit ist, bekommt aber einen Teil des Honorars in Walnüssen ausbezahlt, für ihre Eichkatzen in Ottakring. Eva Lugbauer erschrickt ein wenig, als ich „Kritik“ ankündige – ich täusche Fassungslosigkeit vor, dass sie „Nirvana“ im Buch als die schreckliche Bubenmusik bezeichnet.

Wie schön, Sabine Scholl kennen zu lernen. Ich möchte sofort von ihr adoptiert werden. Irgendwann veranstalte ich den Welser*innen, die es in die Literatur verschlagen hat, einen Abend, bei dem sie über ihre HAK-Traumata sprechen können, Scholl hat ja mit dem Buttinger und Günther Kaindlstorfer gemeinsam etwas zu verarbeiten. Beim Essen hängen alle an ihren Lippen. Auf Einladung Südkoreas sei sie einmal nach Nordkorea gereist, wo 100 westliche auf 100 östliche Dichter*innen treffen sollten. Unter den ersteren war etwa der Nobel-Laureat Wole Soyinka. Leider hatten die nordkoreanischen Dichter allesamt keine Zeit, da der Geburtstag Kim Jong Ills anstand und sie ihm dringend Gedichte zu schreiben hatten. Scholl sagt, es sei eine höchst bizarre Reise gewesen; kein Extra-Schritt war erlaubt, zu essen gab es Unmengen an Fleisch, während draußen eine Hungersnot herrschte. Einmal sei sie ein wenig zu spät aus dem Hotelzimmer getreten – das ganze Hotel war finster, um Strom zu sparen. „Es war streng verboten, etwas mitzunehmen, aber alle haben etwas eingesteckt, Steine, Blätter, Zweige, irgendwas.“


8.6. Meggenhofen

Weil wir faule Leut sind und es engagiert regnet, hoffen wir noch ein wenig, dass das Jazzkonzert abgesagt wird. Wie wir an diesem grauen Pfingstsamstag im grauen Kombi sitzen, richtet der Buttinger streng das Wort an mein graues Haupt: „Do spüt des Upper Austrian Jazz Orchestra, des is nämlich schon a KUNSTGENUSS!“ „Ja, Vater.“ Dann sitzen wir müde und untermotiviert in der feuchten Kälte, mit Decken über den Knien. Aber oho! Das ist wirklich ein Kunstgenuss, sogar launig-ironisch moderiert, eine erquickende Dröhnung, eine Leistungsschau des Musikstandortes Oberösterreich.

Am Nachmittag sinken wir in einen so tiefen Mittagsschlaf, dass wir kaum noch daraus zurückfinden.

9.6.

Mein Facebook regt sich ordentlich über die „Klemm-Penismuseum-Debatte“ auf. Ich bin unendlich dankbar, dass ich nichts dazu sagen muss. Es finden sich sofort so viel Klügere, am klügsten die Sargnagel, die Leykam darauf hinweist, dass sie "transfeindliche Wichser" sehr wohl im Programm halten, sind halt Männer. Klemm hat ein paar sehr rührige Feind*innen. Und die von mir geschätzte Eva Reisinger sowie Fallwickl stehen ziemlich dumm da. Ich müsste viel lesen und alle fragen, bevor ich meinen Senf anbieten möchte, wie eine Staatsanwältin.

10.6.

Der Amok in Graz beendet die Klemm-Krise – ich wünschte, wir würden weiter über literarische Kinkerlitzchen zetern können.

Mein Leben geht ohne großes Zutun immer mehr in Richtung Eskapismus, oder es fühlt sich halt alles Nicht-Kämpferische jetzt so an, konkret heute das Heckenschneiden. Immerhin loben mich alle Nachbarinnen wieder dafür.

Immerhin alle Deadlines geschafft.

Ein seltsam verhangener Abend, wie ein trockener, warmer Nebel. Später erfahren wir, dass das der Rauch von Kanadas Waldbränden ist.

11.6. Wildenkogel über das Nestlerkar

Den Eskapismus ins Aktive wenden und wieder einen Weg abhaken wollen, auf dem sich fünf neue finden. Viele Stunden gehe ich durch lichten Wald und schaue wieder sehnsüchtig in den Süden. 

12.6. Neukirchen am Großvenediger

Anfahrt über den Salzachstausee, in dem eine halbe gebratene Sau liegt, vom Hund ignoriert, weil wir einen Stecken in der Hand halten.

Irgendwie war ich davon ausgegangen, dass wir ganz tief bis zu einem Talschluss dem Gebirge auf die Pelle rücken, dabei ist nur die Bahnlinie kaputt.

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Nach der Eröffnung trinken alle Bier beim Pferdestall. Der Wirt heißt Engelbert und hat wehendes Brusthaar. Ab 23 Uhr freut es ihn nicht mehr, was auch sein gutes Recht ist. 

13.6.

Wir bekommen eine Liftkarte, mit der wir gratis in die Berge gondeln dürfen. Geier kreisen über uns viel zu vielen Touris, von denen etliche auf den letzten Metern zum Wildenkogel (schon wieder!) hinauf so schwer keuchen , dass die Geier sich wohl Hoffnungen auf deren Kadaver machen.

Später wird mir ein redseliger Einheimischer sagen, „Geier?! Do? Na, des glaub i net.“

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Peter Hodina erzählt uns eine sehr gute Tapirgeschichte: Als weitum bekannter Fetischist erging an ihn die Nachricht, dass ein Theater in Göttingen seinen Fundus versteigere, darunter ein präparierter Tapir. Ob er nicht interessiert sei. War er. Allerdings erwies sich das Präparat als komplett marod, auch von Insekten befallen. „Andererseits kommt dergleichen nie auf den Markt“, weswegen Hodina sich an die hiesige Uni wandte, um auf den Zoo des Theaters hinzuweisen. Dort müssen unangenehme Menschen sitzen, denn bald sah sich Peter mit dem Vorwurf der Hehlerei konfrontiert, samt medialer Berichterstattung. Das nämlich kränkte ihn besonders, dass er nur als „ein Österreicher“ bezeichnet wurde, nicht zumindest als „österreichischer Autor“ oder gar als „Salzburger Tapirfetischist“.

Überhaupt ist das Treffen Koth Afzelius/Hodina & Buttinger/Meindl sehr erfreulich. Die Hündinnen toben miteinander, weil Chili Finis Gebitche einfach nicht ernst nimmt.

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Zum Glück bin ich nicht eifersüchtig auf meine eigenen Texte: Der über den glücklichsten Tag auf Gut Aiderbichl sticht den Roman immer komplett aus.

Florian Gantner und Martin Peichl sind überaus gute Literaturveranstalter. Auch Maria Piok ist eine super Typin. Sie stammt aus einem Dorf nahe Brixen und kann nicht skifahren – wie auch Florian nicht, obwohl sein Vater Skilehrer und Reitstallbesitzer ist (reiten kann er auch nicht).

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Abends teilt uns Marc Carnal zum Vorlesen des Hörstücks „Die Hochzeit“ ein. Fini sticht uns mit ihrem Bellen zum richtigen Zeitpunkt (Stichwort: „Opa Klaus tritt in den Hundekot des Spitzes“) komplett aus. Zum Glück bin ich nicht eifersüchtig auf meinen eigenen Hund. Mich wird der ORF Salzburg nicht nach meinem Namen fragen, sie schon. 

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Martin und Florian kosten ein wirklich widerliches Energy-Bier von „Delirium“, in das man sich vor einem zweiten Schluck gleich flüchten möchte.

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Morgen reist Anna Weidenholzer an, womit der Rekord an gleichzeitig anwesenden Gatt*innen gebrochen wird. 

14. Juni

Der Herrensteig entfaltet eine überraschende Pracht, sobald das Skigebiet aus den Augen ist. So stelle ich mir Schottland vor. Auf solchen Wegen ohne viel Steigung kommt man weit. Es gelingt ein sehr guter Mittagsschlaf auf dem Laubkogel, und zu den Lesungen komme ich nicht sehr viel zu spät. Unten im Tal ist es schon extrem heiß.

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Anna schenkt mir polnische Katzenzungen, ich revanchiere mich mit einer Pferdetragtasche.

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Maria Piok erzählt dann im Pferdestall, dass ein Kulturvermittler einmal Ljuba Arnautovic mit Julya Rabinovich verwechselt habe: „Das bin ich nicht.“ Er sagte dann tatsächlich „Doch!“

Wir essen Pommes und trinken Bier. Eine richtige Sommernacht schon. Im Gebirge blitzt es.

15.6.

Urlaubsschichtwechsel: Die Dichter*innen reisen ab, herein dröhnen die Biker. Vielleicht bringen die im Suff mehr Umsatz, angenehmer im Stadtbild werden aber wir gewesen sein.

Anna und ich zögern den Abschied lange hinaus. Sie erzählt, dass der Bub jetzt viel über den Tod sprechen wolle. Dabei sei ihm die Reihenfolge sehr wichtig. In der Nussecke des Hofers fragte er etwa: „Stirbst du früher oder der Papa?“ Im Kindergarten wurde im Übrigen kritisiert, dass er ab und zu Dialekt spreche.

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Overtourism an den Krimmler Wasserfällen. Wir zahlen 8 € fürs Parken und dann noch 9 € für uns selbst. Buttinger hat da keine Amortisierungszwänge, wir spazieren hin und dann gleich wieder zurück. Es ist auch wirklich kein großer Genuss wegen der viel zu vielen anderen. Das Warenangebot erinnert an das von Hallstatt, nur die Spazierstöcke mit geschnitzten Tierknäufen ist mir neu. Die Attraktion selbst ist wirklich attraktiv, und auch ich füttere die sozialen Medien mit Clips von Gischt und Fontänen.

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Der Kadaver liegt immer noch im Stausee vor Bad Reichenhall.

Landzeit Mondsee: Zwei kleine Eise to go um 9,20 €. 

Happy End im Singapur.


16.6. All- und Montag

Ein stark prokrastinationsanfälliger Tag, die Reise hallt innerlich immer einen Tag nach.

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In der Kletterhalle weiche ich schamvoll der Horde von 7a-Boulderern aus.

17.6.

Ein Tag, den ich ganz dem Schreiben widmen kann – und soll, drei Lesebühnentexte fehlen noch. Nach einem halben springe ich auf und renne hinaus, um den Kotoneaster zu schneiden. Sofort „springt“ die Nachbarin auf, ich ziehe sie magisch aus ihrer Küchenbeobachtungsstation. Als Beitrag zu unserem very small talk sage ich, wie schade es sei, dass ich heuer zu spät dran für den Holler gewesen sei. „Wos hedsd n gmocht midm Holler?“ „Saft.“ „Ah, do bisd zschbod drau!!!“ Es ist halt ihr Terrain, sie würde mir dafür wohl poetologisch nichts dreinreden. Sobald sie weg ist, kommt die andere daher, sie und ihr Vater scheitern mit der Anhängekupplung. Ich „repariere“ sie mit WD-40-Spray. Weitere Arbeitsschritte auf der Flucht vor der echten Arbeit: Nussgeist angesetzt. Bei Schönwetter muss ich mir wirklich jede Schreibminute einzeln abringen.

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Das einzig "Gute" an den schlechten Zeiten ist, dass Menschen jetzt öfter kleine existenzielle Sinnkrisen erleiden und dem Irrglauben unterliegen, dass ich als studierte Philosophin da helfen könne (mehr als die WD-40-Entsprechung kriege ich da aber eh nicht hin. Egal).

18.6.

In der Nacht ganz ohne Alkohol intensiv von einem Aufenthalt in einer Hütte im Pinzgau geträumt, wo im Gegensatz zum Pongau Dürre herrsche. Dort treffe ich den erstaunlich tacken Jürgen Habermas, mit dem ich dann irgendwie was habe (Details erspart mir der Traum, danke). Danach besteht er darauf, mich mehrmals in die Luft zu werfen, um mir zu beweisen, wie vital er mit seinen 90 noch sei. Am Morgen muss ich auf orf.at lesen, dass ihm im echten Leben die Gattin verstorben ist. Was ist das!?

19.6.

Über den Drei-Türme-Grat auf das Warscheneck – man versteht die Katzen, hinauf geht’s besser als hinunter.


20.6.

Die Bacher verwandelt mein Haus in einen harmonischen Co-Working-Space.

sprichcode, Leonding:  Die sehr sympathische Stefanie Altenhofer wird von mir als „Wienerin“ anmoderiert, dabei stammt sie aus Vordernebelwald (ich google nicht, ob es das wirklich gibt). Sehr guter Typ auch der Bühnenkampfdozent Martin Brunnemann. Die Siegerinnen sehen alle fantastisch aus und sprechen wie Buchpreisträgerinnen.

Danach weiter zur Lesebühne, ich bin schon halbwegs tüchtig. Und in der Nacht halbwegs müde. 

21.6.

Wallner-Deckers zur Jause. Decker über seinen Kollegen Reinhard Winkler: „Ah, der is super, der kau, wos i ned kau: Menschn!“ Nach unserer Abfahrt geht er unbemerkt durch den Garten und verwandelt meine Schlamperei hinter meinem Rücken in Kunst.

Der Tag gelingt uns ganz gut, er endet mit „5/8“ im Schl8hof. Zum Lesen kommt man halt nicht – der ZEIT-Turm für den Grundlsee wächst rapide, bald hab ich so einen Turm hinterm Kasten stehen, weibshoch. 

22.6.

Im Zug: „Die wilden Kerle san massiv underrated!“ Ich stimme den jungen Erwachsenen innerlich massiv zu.

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Ein einäugiger, walzenförmiger Hund bleibt stehen und lässt sich gnädig streicheln, am anderen Ende der Leine erblicke ich da erst ein wirklich hübsches Kind, das mir den Hund gleich schenken will.

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Insgesamt ein recht angefülltes Wochenende. Das Leben ist schön, macht aber viel Arbeit.

23.6. 

Es gibt eine Medienwissenschaftlerin namens Mercedes Bunz. Unvergessen Coalas Arbeit als Hochzeitsverkünderin in einem Mitarbeitermagazin, in dem Frau Mercedes ihren neuen Namen bekannt gab: Fenz.  

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Der Garten sieht aus wie ein Erdbeerland für Ringelblumen.

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Im Mailfach eine Anfrage aus Albanien, die ich zuerst für sehr personalisierten Scam halte, dabei werde ich wirklich von der österreichischen Botschaft gefragt, ob ich ein Monat in Tirana verbringen wolle. Ich schäme mich für meinen leicht chauvinistischen Reflex und fühle mich geehrt, aber weil ich keinen Hund mitnehmen kann, muss ich absagen. #karrierekiller #dog

24.6.

PMS + fest den Kopf anhauen = es ist schon aus geringerem Anlass ein Krieg erklärt worden! Aber immer wieder überraschend, wie ein Gang zur Donauküste die Stimmung mildert. Das Kraftwerk öffnet eine Schleuse, es spürt meine kleine innere Drangsal und macht Brandungs-Mimikry im Kies. Irgendjemand hat mit Steinen „LOVE“ auf den Strand gelegt. Wenn ich wirklich einmal das Scheißsystem anzünden soll, muss ich auf diese Selbstregulierung verzichten.

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Das Leben besteht derzeit aus Zutexten und Zugetextetwerden.

25.6. Mi

Langsam das Gefühl, dass sich schon alles irgendwie ausgehen wird, zumindest bis zum Grundlsee. Wenn nicht, scheißt der Hund drauf. Es ist aber jetzt schon zu heiß. Wie immer der Eindruck, dass Klima und Klimakterium Hand in Hand gehen in meinem Temperaturempfinden.

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Pellini beim experiment litertatur. Es muss so absurd sein, einen Spiegel-Bestseller geschrieben zu haben. Sie erzählt, dass mehr als 13 Verlage auf ihrer Dacke gestanden seien, ein richtiges Vortanzen sei das gewesen. Ich frage scherzhaft ins Publikum, ob wir schon jemals so jemanden Exotischen wie eine Alemannin zu Gast hatten, ob das unsere erste sei. „Tumiko Asawa!“, ruft Wawo, und ich: „Nein, Alemannin, nicht Ausländerin.“ „Asso.“

Beim Abhängen im Park erzählt K. später, wie sehr sie der Mercedes-Stern in Bad Aussee erschüttert habe. Sie hat jahrelang viele Jahre ihrer Jugend dort verbracht. Ein Schwarm habe in einer Mercedes-Werkstatt gelernt, weswegen er der Bande beibringen konnte, wie man am besten Sterne brockt. „Und dann das!!!“

26.6.

Max Höfler macht bei den #tddl Schönes – alleine das Video! Wie immer der innerliche Riss, ob ich dort nicht hinwollen oder panisch fortbleiben sollte. The horror, the horror.

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Beim Schreiben der X-BLATT-Geschichte „Töten im Gebirge“ gerate ich an den E-Reader für waidgerechtes Schießen. Dort gibt es Tabellen mit den Bewegungsarten der Wildarten: „hochflüchtiger Troll“.

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Die Herren bouldern im Fernsehen, ich sehe wieder mit nassen Händen zu. Mit Schwerkraft hat das schon lange nichts mehr zu tun.

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Hey, guten Morgen, wie geht es dir“: Hefter ist eine gute (SUPER!) Autorin und eine gute Person.

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In der Nacht setzt ein schwerer, willkommener Regen ein. Mir träumt es eine Action-Geschichte mit B. Cumberbatch. Es geht ein wenig ums Klettern und um einen vermeintlich verlassenen Bauernhof, auf dem wir uns versorgen. Plötzlich ist da der Vater, vergnügt sagt er, die Bäuerin sei gekommen und habe ihm gesagt, wo das Bier sei. Endlich träume ich von den Eltern nicht mehr rein neurotisch.

27.6.

Zirrhose-Wolken

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Ich hätte die Lesebrillen der Eltern doch nicht so schnell an die Dritte Welt spenden sollen.

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Besser wär's, auch beim Schreiben den Frack zu tragen, als Rüstung gegen die Selbstzweifel – oder ist das dumm? Die sind ja im Inneren des Körpers. Ich möchte so erfolgreich werden, dass die Leute diese Phantomereignisse noch lieber lesen, als ich sie schreibe.

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Unwort der Woche: „depublizieren“ – Maxim Billers Kolumne in der ZEIT wurde gecancelt (hab' aber vergessen, weswegen; irgendwas mit Israel und Nazis wohl).

28.6. Sa

Lesebühnen-Sommerschluss-Gselligkeit. Immer wieder überrascht die Lieblichkeit der Ansfeldner Aussicht auf Linz und das Mühlviertel. Monet schuftet für uns in seinem Garten, er steht in der Hitze am glühenden Pizzaofen und ernährt auch noch die Nachbarschaft. 

Totales Overeating, aber am

29.6.

vergesse ich die Wanderjause. Erstaunlich, wie weit man mit zwei Pizzen am Vorabend und einem Packerl Mannerwafferl kommt (konkret auf den Pyhrner Kampl). Bis zur Zellerhütte hinauf bin ich Teil der Ameisenstraße, ab der versteckten Abzweigung ins Loigistal hinüber, bis zum Gipfel und bis hinunter zu den Schafferteichen dafür Wildnis und Einsamkeit. Nur beim Mittagsschlaf auf dem Gipfel irritiert mich Musik, ich brauche lange, bis ich gneiße, dass die Gleitschirmflieger hoch über mir Musik hören.

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Grillen bei Freunden in Wels. Die sehr viel sportlichere A. und ich plaudern über unsere Bergtouren. Dann knickt die Arme im Garten so unglücklich in eine ganz seichte Bodenwelle, dass sie sich den Mittelfußknochen bricht (und das nüchtern!). 

30.6. Salzburg

Für originelle Gedanken ist es jetzt zu heiß.

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Es ist gerecht, dass auch in Salzburg das grobe Volk den Bahnhof säumt. Ein herrenloser Schaufensterpuppenkopf liegt im Brunnen.

Literaturhaus: Acht Lesende beschreiben vier Gewaltfantasien. Liegt das am bürgerlichen Salzburg? Dabei sind alle sehr, sehr nett im persönlichen Umgang. 

Meine vorletzte Moderation vor dem Urlaub, und ich liege um 22:15 Uhr im Bett. <