Dienstag, August 18, 2026

Das Tschirilumbische - ein linguistischer Streitfall

Die tschirilumbische Sprache [tʃiːriːˈlʊmbɪʃ] ist eine linguistische Singularität. Strukturell handelt es sich dabei um ein Pidgin, das im oberösterreichischen Zentralraum verwendet wird. Es dient aber – anders als eine Verkehrssprache zwischen verschiedensprachigen Personen – der interspeziellen Verständigung, konkret zwischen Canis lupus familiaris und Homo Sapiens. Die Gattungsbezeichnung im Singular ist insofern triftig, als es sich bei der Anzahl der Tschirilumbisch Sprechenden um lediglich je eine Vertreterin der Spezies handelt. Die Definition dieses Kommunikationssystems als Sprache ist demzufolge wissenschaftlich höchst umstritten. Das Tschirilumbische widerspricht beinahe jedem Kriterium eines Kommunikationsverhaltens als Sprache: Es weist lediglich eine Senderin und lediglich eine Empfängerin auf, es wird also nur von einer Person gesprochen und von einer Hündin verstanden. 

 

 Senderin und Empfängerin am Hepigotschudeh 29.10.2021, s.u.

Befürworter*innen der Definition als Sprache halten den Kritiker*innen folgende Eigenschaften desTschirilumbischen entgegen: Es beruht in Lexik, Syntax und Grammatik auf natürlichen Sprachen. So bedient sich die humanide Sprecherin eines Zweigs des Indoeuropäischen, erweitert um Elemente aus dem westafrikanischen Bambarra sowie des westnepalesischen Humla-Dialekts. In den eher selteneren Fällen, in denen die canide Tschirilumbin spricht, handelt es sich im Hauptstrang um ein rudimentäres Malaiisch. So etwa die Lautäußerung „Mooolau moooolaulau“ in Situationen höherer Ärgernisse (vgl. das Lehnwort „Amok“). Umgekehrt verwendet die menschliche Sprecherin das Malaiische „Cepat!“ für das ostmittelbairische „Dua weida“.

Grammatikalisch ist das Tschirilumbisch so wie andere Pidgins unterkomplex. Die Aufforderung, Nahrungsmittel („Knuspi“) zu sich zu nehmen, wird im Imperativ einfach agglutinierend zu „knuspit!“ Analog dazu wird aus dem Wort für die Schlafstatt „Nest“ die Aufforderung, den Tag zu beschließen: „Nestit!“ Kritiker*innen bringen vor, dass es sich nicht um eine Sprache per se handeln könne, wenn sie lediglich im Modus des Imperativs vorgebracht wird. Linguistische Analysen belegen jedoch, dass die Befehlsform nur ein Aspekt ist, das Tschirilumbische wird im weitaus größeren Maße für emotional geprägte Zwiesprache verwendet, am häufigsten vor und nach der Nachtruhe. Der wichtigste Modus ist also ein Kasus: der Vokativ.

Singulär ist zudem, dass das Tschirilumbische als einzige Sprache der Welt ein konkretes Entstehungsdatum aufweist: im Original der "Hepigotschudeh" am 29. Oktober 2021, ein Lehnwort aus dem Englischen („Happy got you day“) - der Tag, an dem Sprecherin und Empfängerin erstmals in Kommunikation miteinander traten.

Bemerkenswert ist die Mutationsgeschwindigkeit. Für gewöhnlich dauert es bis zu 500 Jahre, bis sich aus einem gemeinsamen Sprachstamm verschiedene Sprachzweige herausbilden, vgl. etwa die zweite Lautverschiebung vom Altgermanischen zum Hochdeutschen. Das Tschirilumbische hingegen wandelt sich praktisch mit jeder neuen Anwendung (ebenfalls ein höchst strittiger Definitionspunkt). Exemplarisch der Lautwandel des Namens der Empfängerin. Dokumentarisch gesichert ist der Ausgangsname „Josefine“, aus dem naheliegend sogleich „Fini“ wird. Ab hier der Urknall: Fimbi –> Flimbi –> Flimbiwimbi –> Flippi –> Flipsi –> Finxi –> Firenza –> Finulde –> Finno-Ugristika –> Mambolamba –> Milbe  –> Milse usw. Parallel dazu die jeweilig weiter protuberienden Nominalstämme: Puppi, Weibi, Viech, Hund, Wesen, Mausi, Katzi, Hasi, Gfrast, Lumpi, Tschapsi, Stinkerin usw. Es finden sich Vorformen des Genderns, etwa „der Weiwibär“ oder „die Hundse“. 

Zur Debatte

Gerade dieses freie Flottieren der Signifikanten hat die Vertreter*innen der Dekonstruktion auf den Plan gerufen, was die Verteidigung des Tschirilumbischen als hochkomplexes Kommunikationssystem betrifft: Wie keine andere Sprache ist es vom glissement getragen, von der unaufhaltsamen Verschiebung und Instabilität von Bedeutung unter den sprachlichen Zeichen. Im Sinne einer Radikalisierung der Husserlschen Sinnkritik könne die Referenz eines Zeichens letztlich nie gesichert werden. Das Tschirilumbische, schreibt Jacques Derrida in der „Grammatologie“, habe am klarsten die Fiktion des „Logozentrismus“ erkannt, indem es jeden Bezug zu intendierten Bedeutungen in durch das sprechende Subjekt kontrollierte Äußerungen als Vermittlungen eines gleichzeitig intuierten Sinnes schroff ablehne.

Die analytische Linguistik indes führt das hochgradig unsystematische Quillen der Lautäußerungen („dog fog“) als Argument dagegen an, dass es sich beim Tschirilumbischen um eine Sprache handle, sondern um die idiosynkratische Symptomatik einer manifesten Skurrilität der menschlichen Sprecherin. Prof. Linda Wallner vom Institut für Reaktanz an der Uni Bielefeld schreibt etwa in „SocialText“: „Die Meindl ist schon auch ein bissl sehr deppert.“ In seiner Replik schreibt der Sprechaktforscher Prof. Klaus Buttinger vom Institute for Advanced Humanities an der FH Wels: „Das stimmt, aber Hauptsache, der Hund folgt brav.“ Prof. Cordula Meindl vom Institut für Prokrastinationsforschung an der University of Ottacringe zieht in ihrer rezenten Studie generell die Existenz des Tschirilumbischen in Frage: "Eine rein fiktionale Übersprungshandlung einer notorischen Schwindlerin angesichts der komplexen Gemengelage der Gegenwart. Der arme Hund!" 

Quellen und Material: Siehe Link 


Dienstag, Mai 26, 2026

Der nehmende Blick. Johanna im Glück.

Geschrieben für die Lesebühne "Lower Your Standards" am 22. Mai 

 

Johanna hatte siebzig Jahre allerlei Herren gedient, da sprach sie, „Herr Vorgesetzter, ich möchte jetzt in Pension gehen, gebt mir meinen Lohn.“ Der Herr sagte, „du hast deine Leistung erbracht, mit Kindererziehungszeiten zwar und ziemlichen Lücken im Lebenslauf, leider können wir dir seit Wolfgang Schüssels neoliberalem Durchrechnungszeitraum-Raubs an den werktätigen Frauen nicht mehr deine besten 15 Jahre hernehmen, doch da hast du deine Mindestpension. Du kannst sie aber auch ganz wertsicher in Philharmonikern ausbezahlt bekommen, das ist krisensicher! „Dank dir, Herr, für deine Umsicht!“ Sprach's und nahm das Schächtelchen mit den lustig klimpernden Goldmünzen entgegen.

Wie sie so dahinging und immer ein Bein vor das andere setzte, kam ihr ein Unternehmensberater auf einem norditalienischen Vintage-Rennrad entgegen. „Ach,“ sprach Johanna, „was ist das Radfahren ein schönes Ding! Da sitzt einer wie auf einem Stuhl, spart die Schuh, und kommt fort, er weiß nicht wie.“ Der drahtige Mann hielt an und rief „ei, Weiblein, warum läufst du auch zu Fuß?“ „Ich muss ja wohl,' antwortete sie, „da habe ich meine Pension heimzutragen, es ist zwar Gold, aber ich hab' Angst, dass es mir gefladert wird.“ „Weißt du was,“ sagte der Triathlet, „wir wollen tauschen: Ich gebe dir mein Rad, und du gibst mir deine Münzen.“ „Von Herzen gern,“ sprach Johanna, „aber ich sage Euch, Ihr müsst darum jetzt bangen.“

Johanna stieg auf und fuhr davon, zuerst noch wackelig, bald aber jauchzend. Sie wurde mit jedem Meter übermütiger, das Rad setzte sich in starken Trab, in der Schrems sah sie sich abgeworfen vor einem Innenstadtgeschäft. Gleich lief auch der Krämer heraus auf die Straße und half ihr auf. Sie suchte ihre Glieder zusammen, war aber verdrießlich und sprach zu dem Händler, „das Rennradfahren ist ein schlechter Spaß, man kann sich den Hals brechen! Da lob' ich mir eure Siebdruckespressomaschinen, da kann man den ganzen Tag dolce vita feiern!“ „Nun,“ sprach er mit Blick auf den Edelstahlrahmen, „wenn das euer Begehr ist, so will ich Euch wohl das Rad für eine meiner Maschinen tauschen!“ Johanna willigte mit tausend Freuden ein: der Welser schwang sich aufs Rad und ritt eilig davon.

Johanna hob den schweren Karton auf und bedachte den glücklichen Handel. „Den ganzen Tag den Moment feiern mit edler Crema! Geld sparen, weil ich nie mehr ins Kaffeehaus samt zwiderner Ober gehen muss!“ Indes war es Mittag geworden, es war ein schöner Maitag, und die Sonne strahlte mit 42 Grad auf Johanna und ihren Halbautomaten hernieder, sodass ihre Zunge am Gaumen klebte. „Trink ich eben Kaffee“, sagte sie und öffnete die Schachtel. Obenauf lag die Bedienungsanleitung, „bitte nur mit röstfrischen Wildsammlungsbohnen aus Papua-Westguineeischen Regenwaldschutzzonen verwenden, die vorher von einer Schleichkatze gefressen und wieder ausgekackt, dann von fairtrade Eingeborenen aufgelesen wurden!“ Johanna sprach, „Pardauz, so ein Schas, wo krieg ich denn die jetzt her?“

Glücklicherweise kam gerade ein Ernährungsberater einher und reichte der dürstenden Johanna seine Wasserflasche. „Ei, ei, das ist eine schöne Maschine, aber äußerst teuer in der Erhaltung, Ihr müsst Granderwasser dafür verwenden, und die Stahlrohre mit Pudelurin entkalken!“ „Na geh“, sagte sie, „wer hätte das gedacht!“ Der Antlitzanalytiker sah Johanna in die Augen und wiegte besorgt den Kopf. „Gute Frau, Ihre Organe sind in Missklang, lasst euch bitte helfen!“ Er zog ein Säcklein aus seinem linnernen Knappsack, „da nehmt! Es sind die Schüsslersalze 13 bis 46, euer Leib lechzt danach! Ich nehme euch dafür dieses Ungetüm ab, es fräße euch sonst die Haare vom Kopf.“ „Ich muss in einer Glückshaut geboren sein!“ frohlockte Johanna, und schritt gestärkt fürbaß. Auf dem langen Weg nach Hause kam sie schließlich auf den Rathausplatz, wo das Volk in ein großes, kühles Zelt strömte. Ein strenger Wächter hielt sie auf. „Das ist der VIP-Bereich, du kommst hier ohne Karte nicht rein. Aber du hast Glück, alte Frau, ein Platz ist noch frei. Der Meister ist schon auf dem Weg zur Bühne, entscheide dich schnell.“ „Der Meister?“ „Ja, bist du vom Gerüste gestürzt, Weiblein? Das ist die Eröffnung der Wiener Festwochen, und gleich schenkt Braco den Auserwählten seinen gebenden Blick!“ Johanna senkte den Kopf, sie hatte ja kein Geld mehr. „Was ist das in deiner Hand, sind das Schüssler Salze? Die kannst du auf die Nacktschnecken streuen. Aber du hast bestimmt noch beide Nieren! Nachdem Braco seinen Blick auf dir hat ruhen lassen, ist dein Körper stark genug, um's mit einer zu schaffen, das und noch viel mehr!“ Johanna ergriff den Stift, den er ihr während seiner Rede hingehalten hatte, und unterschrieb schwungvoll.

So stand sie da vor dem schweigenden Wunderheiler. All ihre Bedenken versanken in ihr wie in einem tiefen Brunnen. Sie fiel auf die Knie und dankte dem still starrenden Heiler, dass er ihr auch diese Gnade noch erwiesen und sie auf eine so gute Art, und ohne dass sie sich einen Vorwurf zu machen brauchte, von den schweren Sorgen befreit hatte. „So glücklich wie ich,“ rief sie aus, „gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang sie nun fort, bis sie daheim in ihrer 25m²-Garçonniere mit Klo am Gang war.

Montag, Mai 04, 2026

"Lower your Standards!" Lesebühne am 22. Mai mit Silke Gruber

Lesebühne am Freitag, dem 22. Mai, 20 Uhr im Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße 25, 4040 Linz). 

Eintritt frei! Der Austritt kostet 3 € (= 1 Los für die Tombola des Grauens)

Zu Gast ist Silke Gruber (Hall) - Foto: Katrin Rauch <3

 

 


Senkt alles! Eure Standards, das Niveau, die Pollenbelastung in der Luft, das Tempolimit, die CO2-Belastung, Mental Load und die Tyrannenrate. Einzig bei den Gästinnen erwartet bitte wie immer nur das Beste: Silke Gruber lieben wir sehr, und ihr solltet es uns gleichtun. Sie ist Teil der Tiroler Qualitätsoffensive, die wir euch heuer schenken (zum Preis eines Loses für die Tombola des Grauens). Irre, oder? Wir, euer Fixensembles des Vertrauens, machen es wie immer: auf den letzten Drücker, im Panik-Flow, irgendwie. Obwohl auch wir euch so lieb haben! 

Silke Gruber im Gespräch mit Walter Pobaschnig: „Zwischen Espresso Macchiato und Saurer Wurscht verläuft ein schmaler Grat.“ (aus ihrem Text „Karl Lagerfeld“)

Dienstag, April 28, 2026

Geisterscheiße

Für die "Geistergeschichten"-Lesebühne war ich sechs Wochen lang zu eifrig und zu faul gleichzeitig, um mich auf drei Ideen zu konzentrieren und daraus etwas Ordentliches zu machen. Hier also der Inhalt der Geisterfallen, die ich im Hirn ausgelegt habe (ein Pandämonium der Prokrastination): 

 Phänomenologie der Entgeisterung (jetzt nicht an Hegel denken!)


Treffen sich ein Geist und ein Lama in einer Bar und jammern darüber, dass die Leute immer dümmer werden und nimmer rechtschreiben können, weswegen all die sekundären Analphabeten die Berufe des Gespenstes und des Kamelartigen durcheinanderbringen: Das Lama spukt durch die Pampa und der Todesgeist spuckt im Schloss. „Wobei es mich ja auch extrem nervt,“ klagt die übersinnliche Erscheinung, „dass die Menschen sich gar keine Mühe machen, mich von der Gesamttätigkeit mentaler Vorgänge zu unterscheiden, aber ein Gespenst ist kein Geist!“ „I'm feeling you!“ sagt das Tier, „deppert san de Leit, die glauben, dass ein Lama ein Alpaka ist! Und dann erst der Dalai Lama!“ „Boah ja,“ ächzt die Gruselfigur, „dieser oberste Geistesführer, was der für einen Stiefel zusammenspricht!“ (Anm. der Autorin: Ist ein Stiefel ein Schaß? Beides kann stinken! Ist ein Schaß ein Geist, beides hat den Körper verlassen?) 
Geist und Lama regen sich sehr auf und trinken so viel, dass sich ihre Geist-Materie-Dualität in eine offene Dialektik verwandelt. Sie werden so ein inniges Liebespaar, dass sie einander ganz durchdringen und zusammen in ein schottisches Schloss ziehen, wo sie die Dreharbeiten von „James Bond – Skyfall“ in arge Turbulenzen bringen, weil Daniel Craig permanent aus dem Nichts bespuckt wird und das Set täglich zweimal von Geisterscheiße in Rossapfelstärke gereinigt werden muss. 

Spiritpreisbremse
In einem Kammerl im Institut für Geographie und Wirtschaftskunde beugen sich zauselige Wissenschaftler (sind nur Männer, die Kolleginnen fanden die Séance doof) über ein Ouija-Bord, um dem Wirtschaftsminister eine große Frage zu beantworten. Der Zeremonienmeister erhebt seine Stimme: „Großer Weltengeist, wann wird die Straße von Hormus wieder befahrbar?“ „Frog nan aa nu wengam Benzinpreis“, befiehlt Hatmannstorfer. Die Geister lassen sich nicht lange bitten, ein ganzes Pandämonium manifestiert sich! Zuerst Erwin Schrödinger, der hilflos versucht, sein Katzenkisten-Gedankenspiel zu erklären. Polternd fährt der Dschinn des iranischen Revolutionsführers drein, der eine Fatwah gegen Otto Waalkes in den Raum brüllt, für seinen 1980er-Spottreim „Ach was soll's, sagt Frau Khomeini, mein Ayatollah steht ja eh nie!“ „Nanana, Niveau meine Herren“, spricht der Geist Hugo Portischs, der den Anwesenden erklärt, dass die Geschichte der Zweiten Republik eine komplexe geopolitische Gemengelage darstelle und man jetzt bitte aber  SOFORT raus aus den fossilen Brennstoffen solle. Da wird die Tür aufgerissen, die Geister fliehen, die Institutsleiterin schimpft „Ja sakra, ihr sollt forschen, nicht beschwören! Alle raus hier, auch der Hatmannsdorfer Wolfi! Wenn ich euch noch einmal bei okkulten Praktiken erwische!!!“ 
„Wie woa des jetzan“, sagt der Minister später nach dem vierten Bier in der Institutskantine, „mit dera hoibhinign Kotz, i hob's scho wieda ned checkt.“ 


Beim Konzil von Triest 2027 legt die Glaubenskongregation unter Leitung ihres Geistigen Oberhauptes Papst Leo fest, dass der Heilige Geist auch in Form eines Brathuhnes verehrt werden darf. Der Film „Das Fest des Huhnes“ wird vom vatikanischen Index gestrichen und darf ab 2028 auch an katholischen Privatgymnasien in der letzten Woche vor den Ferien gezeigt werden. 

Als der arme Bruce Willis stirbt, freut sich die Gemeinschaft der Geister zuerst sehr, ein echter Star! Und er hat seine schweren Jahre hinter sich, in denen er dement war (der Geist schon vorgeprescht ins Jenseits). Dann aber holt ihn die Vergangenheit ein. Wenn er nachts allein ist, überkommt ihn ein Grauen, es fröstelt ihn... da huscht eine Gestalt durch den Raum! AAAh! Willis dreht sich um, da steht sie vor ihm!!! „Gib mir ein Autogramm, Schweinebacke!“ Schreck! Die Geister der anderen Toten glauben ihm nicht, es ist schlimm. Dauernd wird er von Menschen heimgesucht, bis er all seinen Mut zusammennimmt und mit ihnen zu reden beginnt. Pssst, sagt ihm eine der Erscheinungen, wir sind jetzt bereit, unser Geheimnis mit dir zu teilen: Du kannst lebende Menschen sehen! Und du bist selbst noch gar nicht tot! 

Ein Riesenskandal: Das insbesondere auf Datingplattformen massenhaft auftauchende Phänomen des Ghostings hat eine schreckliche Ursache! Glaubten hunderttausende Frauen noch, es handle sich dabei um eine äußerst unreife Verhaltensweise der männlichen TinderBumbleGrinder-Kontakte, sich nämlich kommunikativ in Luft aufzulösen, stellt sich das Verschwinden der Ghoster als sehr dunkle Seite des Matriarchats heraus: Über eine Spionagesoftware verschafft sich die Zentrale Intelligenzabteilung Zugang zu den Chats und gibt der Exekutive den Auftrag, sich toxisch verhaltende Individuen aus dem Bestand zu nehmen. Die jungen Männer wurden zwar weder in Luft noch in Säure aufgelöst, wurden aber zwangsweise in Charakterschulen geschickt. Bei allem Verständnis: So geht’s auch nicht, lieber Radikalfeminismus!

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus, und überall gründet es Geisterkommunen. Doch die Sache erweist sich bald als total lebensfremd, es wird unheimlich in der WG, denn es scheiden sich die Geister. Das kleine Gespenst wird wegen Verbots der Kinderarbeit beschäftigungslos. Die Inklusion der Geisterspezies ist extrem heikel, die Dschinns und die Dibbuks zoffen, der Golem hat gleich gar keinen Geist und haut die Einrichtung in Splitter. Und wer putzt die Geisterscheiße weg, ha? Das kommunistische Gespenst hat einfach nichts von der Psychologie begriffen. Bald ergreifen die Kobolde die Macht, und der Rädelsführer Pumuckl leitet die spiritistische Konterrevolution ein. 

Ansgar Krautwaschl, Vorstand der vatikanischen Exorzistenvereinigung der Diözese Linz-Land wird im Jahr des Herrn 2078 in einen der letzten katholischen Haushalte nach Dörnbach gerufen, die dort pubertierende Tochter sei seit einer Woche von einem Dämon besessen. Der Geisterbeschwörer beginnt sein Brimborium, die junge Frau rollt mit den Augen und badamm! ist der Geist der vor sieben Tagen bei einer Wanderung auf den Großen Priel verunglückten Schriftstellerin Demonika Mindle wieder aus ihrer jugendlichen Bleibe draußen. Der Pfarrer will sie in eine Schweineherde einfahren lassen, die sich in der Donau ersäuft, aber der Geist sagt, ich bin ja nicht deppert! Sie fährt in den Körper des Exorzisten, doch der taugt ihr nicht, igitt, wie unpraktisch und überempfindlich ist so ein Membrum maskulinum! Sie fährt in diverse Körper wie mit einem ganzen Körperfuhrpark, bis sie im Tierheim Linz eine schwarzweiße Bordercolliemischung entdeckt, in und mit der sie noch einige schöne Jahre lang im Toten Gebirge herumgeistert. 


Aus der Geisteswirtschaft:
Am Institut für Geistes- und Humanwissenschaften (NIG, 6. Stock) soll der olle Wettkampf zwischen Geist und Materie endgültig ausgetragen werden. Doch die Sache wird ein Schaß. Beim Schattenboxen macht der Körper eine lächerliche Figur, die Schachpartie wirkt wie ein langweiliger Telepathieversuch. Die Übung wird abgeblasen und weiter können verwöhnte und verpeilte Primarstöchter sinnlose Diplomarbeiten über die Dekonstruktion des cartesianischen Leibseeledualismus schreiben. 

Ein Traum: Sich selbst in Geist und Materie trennen können. In der ersten Tageshälfte darf ein Teil lesen und träumen, der andere muss wie ein Golem im Büro sitzen und den Chef grüßen. Nach dem Mittagessen wird getauscht (immer wieder Streit, wer mit dem Essendürfen dran ist). 

Die AMS-Einsatztruppe Ghost Busters vertreibt junge Menschen aus dem Institut für Human- und Geisteswissenschaften, um die Arbeitslosenrate unter Akademikern zu senken. 

Dienstag, März 10, 2026

Auf ins Goldene OMAtriarchat

Man wächst ja mit seinen Aufgaben, darum werden wichtige Leistungsträger*innen auch blad mit dem Alter. Aber die Ämter müssen auch mit ihren Trägerinnen mitwachsen! In diesem Sinne möchte ich hiermit das Goldene Omatriarchat ausrufen, mit mir, der Präsidentin der Ominikanischen Republik. 

 

Was sind Gründe und Vorteile der Großmuttherrschaft?

Ein Trend geht durch das Internet (das sich mehr und mehr durchzusetzen scheint): #grannystyle. Stricken und Sticken, beige Sachen tragen, Kleiderschürzen bei MiuMiu, Weltkriegsgefahr und die Rückkehr leicht ausrottbarer Krankheiten wie Masern. So weit, so bekloppt. Und doch! Wir alle bräuchten grad eine total unterstützende Omi, die keine Ahnung hat, was man da beruflich macht, „aber du machst das schon, mei liabs Mesch, groß bisd woan, guad mochsd du des, tüchtig!“, und die einem Kuchen mit 18 Eigelb bäckt und kleine Geldscheine zusteckt.

Im mittleren Alter aber sind Omis rarer als seltene Erden. Alles muss man sich im Sinne von Selfcare selbst machen! Wie wir lernen, uns selbst die eigene Großmutter zu sein: 

  • Sich die Tränen im linken Auge mit der rechten Hand zärtlich abwischen

  • Hans-Moser-Filme anschauen, Peter-Alexander-Shows und Harald Juhnke. Sisi-Motto-Partys (eine Freundin von mir ist als Spanisches Hofzeremoniell gegangen)

  • Nachts zappen bis in die Puppen, denn Zappen ist das TikTok unserer Generation (und man wird nicht islamistisch radikalisiert, nur bissl blöd)

  • Trotzdem um 22 Uhr ins Bett gehen, ohne Genierer

  • Gabelbissen essen, Zwieback in Weißwein tränken, Graupen und Erbstwurst

  • Sich die Haare eindrehen lassen bei einer Friseurin, die man Paula nennt

  • Bei zu viel Stress mit der Pinzette Barthaare ausrupfen (das Ritzen des Alters)

  • Wenn man es nicht so gut erwischt hat wie ich: den Mann überleben (aktiv oder passiv) und nach seinem Begräbnis bei jedem Seniorenausflug Henne im Korb sein

  • Sachen sagen wie „Mia ham jo nix ghobt hintam Kriag!“ Immerhin stammt man ja wirklich aus dem vorhergehenden Jahrtausend. Wenn man in mein Geburtsjahr einen Zirkel steckt und drumherum einen Kreis von 33 Jahren zieht, umfasst er das Ende des Zweiten Weltkriegs einerseits und andererseits: Sieg der Vierschanzentournee von Christian Morgenstern und der Tod Amy Winehouse. Oder Kate & Prinz William-Hochzeit, wer sich leichter so was vorstellen kann. Harry Potter & die Heiligtümer des Todes – I sing a Liad füa di

  • Überhaupt, der Muttermund: Ab einem bestimmten Alter öffnet man den Mund und es purzeln die Sätze der Mutter zwischen den Zähnen heraus. Dagegen ist nichts zu machen, man kann ein komplett anderes Leben führen, trotzdem sagt man: „Stundenlang bin ich in der Küche gestanden, und du frisst ois in dein bledn Schädl eini. Ma siacht am Noan gleich!“ Man sagt's vielleicht nur zu sich selbst, was ziemlich bescheuert ist. Oder zum Hund, dem man selbst den Stecken drölfzig mal in die kalte Donau geschmissen hat: „So, jetzt kummst außa, du hosd jo scho gaunz blaue Lippen!“


Was bringt das Omatriarchat konkret?

  • Männer der Jahrgänge 2013 und Älter müssen sich weltweit per sofort für ihre Regierungsagenden neu bewerben. Bei mir, der persongewordenen internationalen Personalobjektivierungsstelle, weil ich mich schon am besten in die Materie eingearbeitet habe. Die dadurch frei werdenden Ämter werden fair unter den bestqualifizierten Bewerberinnen verteilt.

  • Da mit einer rein weiblichen Weltregierung selbstverständlich jedwede Kriegshandlung zum Erliegen kommt (was so eine Bombe Mist macht! Was ein Flugzeugträger kostet, bittigoaschee!), ist endlich die Zeit gekommen, sich um die echten Probleme kümmern: Artensterben, Bodenversiegelung, Einführung eines Existenszmaximums von 1 Million €, darüber wird alles enteignet und in Sozial-, Bildungs- und Literaturförderung eingespeist.

  • Männer dürfen mit Stichtag 31. März nur noch Autos lenken, die bei 99 km/h abriegeln und automatisch Sicherheitsabstände einhalten. (Braucht man nur bei Audi, BMW, Mercedes machen, was anderes mögen die Herren ja nicht fahren).

  • Männern ist ein sehr, sehr glückliches und erfüllendes Privatleben zu ermöglichen, denn sie sind Stolz und Schönheit unserer Spezies! Viele gute Worte, Streicheln, frisches Wasser, vollwertiges Futter, ausgedehnte Spaziergänge und bis zu 20 Stunden Schlaf. Einmal in der Woche bürsten.

  • Das Pronomen jedes Wesens, das als FLINTA-Person gelesen werden möchte, ist „omi“.

  • Es ist zwecks spiritueller Unterhaltung ein ganz Neues Testament zu schreiben, in denen die vier Apostolinnen Blanche, Rose, Dorothy und Sophia die lustigsten Schnurren über die neue Welt erzählen.

  • Es ist eine neue Hymne zu verfassen, sie geht ungefähr so:

Is this my whole life? Was this just fantasy?

Caught in a LinzLand, no escape from reality

Open your eyes, put on the Lesebrill and see

I am a woman, I need your sympathy

Because my knees are bad, knorpel gone 

Little high, little beer

Anything the Mink says it does really matter to me, to all


Oma, just ate your cake

Put Schlagobers on the Plate, pulled my fork in, guad hods ma gschmeckt

Oma! Life has just begun!

Bad guys are gone and war is thrown away

Oma! Oh! All the mean guys you made cry

the won't be back again this time tomorrow 

Carry on, carry on cause Granny really matters


Samstag, Februar 28, 2026

Schniedel im Licht. Messies bei Musil. Gelbe und zinnoberrote Häute

Lebenskrimskrams im Februar 2026


1.2.

Es ist ein sehr liebes Zeichen von Vertrautheit, im schweindirosa Frotteehoserl zu einem nachbarschaftlichen Umtrunk aufzutricksen (ausnahmsweise nicht ich).

***

In der Nacht spaziere ich mit einer Gans, einem Hasen und einer Katze durch Linz, alle in weinrotem Samt. #weißweintraum

2.2. Warscheneck

Auf markierten Wegen bin ich immer zu schnell unterwegs. Alles ist mit einer festgetretenen Schneeschicht bedeckt, mit den Grödeln ist es ein gutes Fortkommen. Meinetwegen müsste es nicht mehr schneien, ich habe keine Ansprüche an die Tourenski-Saison, aber für das natürliche Wohlergehen wär's freilich unverzichtbar. Im Lärchenwald der Zellerschneise krakeelen die Fichtenkreuzschnäbel. Oben Schönheit, aber bissige Kälte. Alle 50 Höhenmeter, die ich wieder absteige, wird es wärmer und alle 50 Meter wachsender Vogelgesang.

***

Am Abend frage ich Buttinger zeitgerecht zu Mariä Lichtmess, ob er mir eh noch bleibt – andernfalls müsste ich den Hund auf dem Glanglmarkt verkaufen.


3.2.

Die einzige Form, in der ich mir vorstellen könnte, „Melania“ im Kino anzuschauen, wäre gegen Geld und mit Live-Synchronisation von maschek.


4.2.

Coala kommt vom Zahnarzt und erinnert mich daran, dass er sich selbst jeden Morgen die Zähne im Bett liegend putzen muss, weil er sonst sein Leben nicht packt. DAS ist unser Zahnarzt. <3

5.2.

Owa liab is“, sagt die Fressnapf-Verkäuferin, als ich 213,79 € für den Hundebedarf bezahle.

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Die Trump-Kandidatin in Texas heißt Leigh Wambsganss und hat gegen den demokratischen Gegner eingeschaut.

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Ein langer Spaziergang über das Kraftwerk. Die arme W. hat sich mit dem neuen Schatzi den Verkehr in Künstler*innenkreisen eingefangen (quasi was Venerisches), dabei hat sie selbst schon beruflich unter dem Psycho-Beraterinnenstuss zu leiden. Jetzt sagen alle in ihrer Freizeit „Meine Position ist...“

6.2.

Buttinger hat zu Mittag mit einem Freund dinierte und ist dabei ins Doomen geraten war angesichts der KI und dem ganzen Scheiß. Er habe gesagt: „Bei mir geht si vielleicht nu a natürlicha Tod aus, owa du und d'Meindl, ihr miasst's in Untagrund zum Kämpfn.“

Warum eigentlich nicht die KI an unserer statt auf den Mars schießen?

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Themenwechsel. Der spaßorientierte Skilauf wurde von einem Herrn Gutsmuths aus dem Thüringer Schnepfental erfunden.

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Jetzt, wo ich die guten Leute gefunden habe, freut's mich nicht mehr fortgehen.

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Wien.

Riesenskandal – die Musil-Gedenkwohnung ist nicht die echte Musilwohnung, sondern einen Stock zu tief. Ein japanischer Fan hatte das Büro genau ausgemessen, da kam der Schwindel auf. Die Musil-Gesellschaft wollte daraufhin ein Foto aus der originalen Wohnung heraus machen, aber das habe sich als unmöglich herausgestellt, weil man da nicht aus dem Fenstern herausschauen kann, das sei eine Messiewohnung. Erst unlängst mussten 11 Tonnen Papier auf Anweisung des Gesundheitsamtes in eine Mulde gekippt werden. „Das war früher eine Bergführerin, jetzt kann sie aber nimmer gut gehen.“ Sie habe früher oft wegen irgendwas angeläutet, und bald seien alle im Büro Anwesenden erstarrt, damit sie nicht merkte, dass jemand da war.

David Hoffmann erzählt, dass er neulich auf der Simmeringer Hauptstraße auf der gegenüberliegenden Seite einen Mann erblickt habe, der lediglich Socken und eine Sturmhaube trug. Zuerst wirkte er rechtschaffen verschreckt, bald richtete er sich auf und ging parallel mit ihnen einher, als habe er eine Wette verloren.

Die Präsidentin hatte lange einen Nachbarn, der am Fenster wichste und dabei seinen Penis mit der Taschenlampe ausleuchtete. „Ois da Fritz zu mia zong is, hod a s nimma so vü gmochd.“ 

Dann erzählt sie von einer Autorin, die sich einmal Aug in Aug mit einem Alligator befand, und zu ihrer narzisstischen Kränkung habe er gleich Anstalten gemacht, sie zu fressen, „obwohl ich sooo viel gelesen habe!!!!“ „Da hat sie erkannt, dass sie auch Nahrung ist“. Eine Abwandlung der Klage „Und so a Hirn muass amoi dafäuln.“

Es soll eine Vertrauensperson installiert werden. Ilse: „Da jopa soi ma seine Soang ins rechte Ohr song, d'Melamar ins linke.“



7.2. Schl8hofball „Wösovision“ - Songcontest

I bin de Niallllande“, sagt eine stark Betrunkene. Es sind viele, aber dann doch nicht so viele wie erwartet als Udo Jürgens gekomme, ich ja auch, aber immerhin im Smoking – im Gegensatz zu den Faulis im Bademantel. Fasthuber besteht darauf, der einzig autorisierte Jürgens-Impersonator zu sein, sein Bademantel sieht tatsächlich „well loved“ aus und stammt aus dem Webshop des Jürgens-Merch. Mindestens drei Paare treten als Merci und Cherie auf, am besten Hasi & Heidi. Sitzen können sie in den riesigen Verkleidungsschachteln nicht, tanzen mögen sie ohnehin nicht. Er erzählt, wie er seine Buben einmal zu Halloween in die Nachbarschaft begleitet habe. Ein altes Ehepaar: „Ah! Von dem hamma aa scho wos ghert, owa jetzt hamma nix dahaam!“ Es wird dann doch in der Speis gestöbert – die armen Kinder kriegen After Eight (wie eine ansteckende Krankheit).

Isabella hebt mir ein Glückskekssprücherl vom Boden unseres Backstagekammerls auf: „No one will contest your happiness.“

Lange mit Boris über unsere Trendsportarten Bouldern und Skaten gesprochen; beiden ist uns das Szenige daran sehr unangenehm, und dass wir udaungs darin zu Veteran*innen geworden sind.

Roman nimmt es mir ein wenig übel, dass ich im Vorjahr zwar seine Tequila-Geschichte mochte, das Getränk selbst aber nicht. Schon habe ich ein neues Stamperl in der Hand, und siehe da, ich habe Anlass, mich zu entschuldigen bei George Clooney, Julia Roberts Mann und Roman. Apropos Roman: Beim Training habe ihn Sabrina Filzmoser gefragt, warum ich so viel vom Everest wisse. „Die wiad recherchiert hom“, habe er ihr gesagt.

8.2.

Ein Tag wie auf der Ladestation. Immerhin Hirschls „Schleifen“ angelesen, eine lohnende Leistung – allerdings nur zwischen Ausnüchtern und neuem Bier. Ich muss ihm bei Gelegenheit von Danis Befugnis erzählen, per Sprechakt sämtliche Bewohner*innen des Bezirks Linz-Land für tot zu erklären.

9.2.

Ö1 rechtfertigt das Vorkommen der Zecken und Milben in der Insektenrubrik damit, dass ja Fasching sei. 

***

In Japan wollen so viele Menschen jedes Jahr spurlos verschwinden („Die Verdunsteten“), dass es dafür eigene Flucht-Anbieter gibt. 

***

GAV-OÖ-Wahl. Im Irrglauben, dass meine Nichtbeteiligung als Enthaltung gezählt werde, erreiche ich das peinlich sowjetische Ergebnis von 100% (Wahlbeteiligung: 12). Ab jetzt regiere ich durch wie Trump: PEN annektieren, goldener Ballsaal in Schönering, Strafzölle auf die Publikation aller Nichtmitglieder.

10.2.

Coala wird zum Geburtstag von H. angerufen. „Beruflich bin ich nicht so ambitioniert, dafür privat voll! Dreistellig soll's am Ende vom Leben schon werden!Es geht in Wellen bergab. Also ab und zu geht’s schon noch bergauf. Aber insgesamt bergab.“

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Das Gartenjahr hat noch gar nicht begonnen, und schon das Gefühl, hinten nach zu sein. Beim Versuch, die Maulwurfshügel abzutragen, werde ich sofort von der Nachbarin erwischt und zum Kaffeetrinken abgezogen, damit da keine Konkurrenz entsteht.

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Ich scheiße in dein Leben!“ So geht Poetikvorlesung! Mann muss Barbi Markovič sehr lieben

11.2.

Beim Versuch, ein Arbeitsstipendium beim Bund einzureichen, lande ich wegen Doofheit zuerst beim Antrag für Bibliotheken und Verlage, was ich so lange nicht merke, dass ich schon ganz passiv-aggressiv überall in die Formulare schreibe, eine PERSON zu sein, „deswegen habe ich keine Statuten außer das Bekenntnis zur Verfassung der Republik“.

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Obwohl Barbara Zeman mitgeteilt hat, dass sie & The Zew nicht mehr als eine warme Begrüßung und eine warme Suppe brauchen, befällt mich am Tag von experiment literatur wieder dasselbe Gefühl einer leichten Versagenserwartung, also wird das in Zukunft wurscht sein können – es wird sehr schön, und es ist kaum einmal anders gewesen. Die Künstlerinnen sind nach dem ersten Löffel Suppe ganz ding, das Publikum ist nach den ersten Minuten ganz ding. „Das wird heute eher ein introvertierter Abend!“, kündigt sie an, und alle sind bissl verliebt. Eine, deren Texte man von ihr selbst vorgelesen bekommen sollte.

H. erzählt neben der lachenden Gattin, wie sie einmal im Zustand milder Betrunkenheit eine mörder Business-Idee überkam – es müsse ein Konzept ausgeklügelt werden, wie man Blinden ein filmähnliches Erlebnis ermöglichen könne – der Geistesblitz: ein Blindenfilm! Mit Dialog! Regieanweisung! Musik! Geräusche! Sie sind ganz begeistert. Hasi (natürlich nüchtern) hört ihnen eine Weile zu, immer fassungsloser, als er merkt, dass sie es ernst meinen, bis er schließlich fragt: „Ihr meint ein Hörspiel?“ Schweigen. Eine Idee stirbt. „Äh. Ja.“

12.2.

Leider ist mein "Oeuvre" noch zu schmal, als dass renommierte Verlage nach einer Poetikvorlesung gierten. Aber als ich den Titel poste: „Wie kann ich hier arbeiten, wenn im Kirschbaum die Kohlmeisen budern!?“ Untertitel: "Hokus Pokus, weg ist der Fokus! Mein Leben auf der Flucht vor dem Roman. Von Dominka Meindl, Präsidentin der Prokrastination Österreich", schickt Barbi Markovič ein Herzi.

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Kracht, „1979“: Oida, oida. Zwar wird der Kailash sehr schön umrundet, als gäbe es kein Frieren auf der Welt, aber dann freut sich der Erzähler, dass er im chinesischen Straflager so schön dünn wird. Das Buch geht volley zurück an Bookbot.

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Am Nachmittag hemdsärmelig Äpfelbäume schneiden. Die Hündin weint vor Frust, weil ich ihr all die Äste und Stöcke nicht werfe. 

Große Behaglichkeit nach einem kleinen Wettersturz.

Die Vögel kehren zurück: Milan, Falken, Käuzchen. Ein ganz hoch fliegender Krähenschwarm.

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B. meldet sich wegen des Romans, ich möge mir doch wieder einen anderen Titel ausdenken. Leider hat sie recht. 

13.2.

Ö1-Radiokolleg: „Gruselige Vorfreude auf die morgige Ausgabe: die Krätzmilbe!“ Jetzt weiß ich auch leider, dass es „Steißränder“ gibt.

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Die Krähen haben sich herabgelassen und fliegen Manöver zwischen den Nussbäumen.

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Allmählich wird es mir vorstellbar, länger nichts zu trinken. Am Donners- und Freitag ist das Hirn offen und arbeitsfreudig wie ein ausgeschlafener Collie. Vielleicht liegt's auch daran, dass ich es in meinem Leben mittlerweile sehr gut bei klarem Verstand aushalte (bzw. immer länger).

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So dachte ich am Vormittag, ab 16 Uhr tritt die tägliche Vorfreude / der tägliche Wunsch nach einem Bier verlässlich auf. Und wir trinken dann auch brav.

René (ca. 1‰) unversehens: „Wie geht’s eich eigentlich mit dem Altern?“

14.2.

Buttinger schenkt mir zum Valentinstag einen Gutschein fürs Autowaschen, dazu Anzuchterde und Kaminanzünder.

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Wien

„Wir haben so tüchtige Männer!, klagen Anna und ich. Ihrer hat an einem Tag einmal schnell eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach geschraubt, „und selbst hat man am Abend zwei Seiten... (ich fürchte schon, sie sagt „geschrieben“) … gestrichen.“

15.2.

Und auch im Liegen verfliegt die Zeit! Fast zu faul, um mich zum Essen ausführen zu lassen.

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Seit Bookbot ist jedes Buch vom Rauswurf bedroht, das ist auch nicht schön. Andererseits besitze ich immer noch so unendlich viel Schas! Etwa einen Schottland-Reiseführer ohne jedes Farbfoto, ein Mängelexemplar. Oder: „Mutterfreuden und – Leidensweg“.

16.2.

I.: „Astrologie ist nie ganz exakt! Wenn eine behauptet, das ist so, hat sie unrecht!“

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Sonnenschein nach Schneetreiben, ein Winterapriltag. Im Linzer Auwald fragt eine junge Frau, ob sie Fini fotografieren dürfe. Gut, dass ich erwachsen bin und nicht eifersüchtig auf den Hund.

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Esslinger und Koch im Kepler Salon. Wir reden dem Publikum ein, dass Verena nur auftreten darf, weil sie sich auch die Haare kurz schneiden hat lassen. Wir sitzen da wie drei weise graue Eulen. Sehr liebe, sehr gescheite Gästinnen. Es herrsche keine Gute-Laune-Pflicht, sage ich. Esslinger: „Faule Leute sind mir lieber, die richten weniger Schaden an.“ Sie sei deswegen Künstlerin geworden, „da ruiniert man noch am wenigsten.“

17.2.

Nicht viel mehr gemacht, als Phantomereignisse vom Juni 2025 abgetippt, als der Sommer sich noch vor mir erstreckte wie ein zutrauliches Katzerl. Und einen Meinungsbeitrag zum Latein-Aufreger (eher fürs Streichen aus dem Lehrplan, aber ambivalent, an mir wird’s nicht liegen, das zu entscheiden).

18.2.

Schnee galore! Ehrgeizige Skitourenpläne, sogar die Plankamira war im Spiel, aber als wir in der Früh schon am Pyhrnpass jämmerlich hängen bleiben, tut's das Glöcklkar auch. Und zwar in die Haut hinein, ich büße im kniehohen Schnee für meinen Anspruch auf die Führung. Scheiß Emanzipation! Spuren im Erlengekröse, jeder Schritt geht auf Grund. Der Herr Ornithologierat geht wie immer gleichmütig hinter mir her, er hätte bestimmt keine schlechtere Spur gewählt. Aber immerhin eine Skitour. Das wird keine große Saison mehr. Nicht nur deswegen wird mir das Wandern immer lieber. Auch das dumpfe WUMM noch unterhalb der Waldgrenze erinnert mich daran, dass es ohne Schnee unkomplizierter ist. Fini schwimmt im Fluff wie ein verwirrter Otter. 

19.2.

Dem Sternsinger-Centerfold des Pfarrblatts lese ich erleichtert ab, dass Blackfacing wirklich überwunden ist. Nur eine Begleitperson hat sich das Gesicht gelb angemalt. Just als ich darüber nachdenke, ob das nicht auch rassistisch sei, titelt orf.on mit dem Trend des „Chinamaxxings“: Es sei Symptom der wachsenden soft power, die eigene Sinifizierung im Internet zu dokumentieren. 

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Koreanisierung: Werde ich jetzt ein Mensch, der sein eigenes Kimchi macht? Wahrscheinlich misslingt es furchtbar. [Wir nehmen vorweg: Ja.]

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Wieder zwei sehr schwere Kisten mit Mutters Büchern gefüllt und zur Post geschleppt. Was ist überhaupt wert, aufgehoben zu werden? Wer soll das dann erben? Jetzt nur keine Sinnkrise einreißen lassen, das Haus ist voll und mein eigenes Buch auf dem Weg.

20.2. Fr

Zweimal beglückendes, politisch korrektes Weißsein: Sehr viel schöner kann ein Wintertag nicht ausschauen (nur zwei Monate früher kommen). Und es schaut ein weißer Rand unter meinen Emails hervor!!!! Das hatte ich schon lange nicht mehr. Der verharrende Mail-Rest wird zach, aber so ist das beim Bergaufsteigen und Administrieren.

21.2.

Goisern. Die Pracht schmilzt zu grauem Sorbet. Von fern betrachte ich den Buttinger bei der Arbeit. Auf den ersten Blick glaube ich, dass die Eisschwimmeuropameister*innen eh alle Neopren tragen, alle in einheitlich blassem Zinnoberrot. Ich gehe mit dem Hund weiter bis zur Freibadgrenze und sehe erst jetzt, dass es der einheitliche Farbton der Haut ist.

Keinem entringt sich der kleinste Schmerzenslaut, wenn sie alle ins 4° Grad kalte Wasser steigen. Ich stehe auf dem Steg, von Kopf bis Fuß in Regenhaut gehüllt, fröstelnd. In weniger als vier Monaten könnte ich zum ersten Mal in den Grundlsee, aber ich weiß jetzt schon: nur theoretisch [Wir nehmen vorweg: Ja.]. Ich bleibe ein Weh und werde es nicht mehr ändern.

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Black Horse. Trump hungert Cuba aus, während er ein Lazarettschiff nach Grönland schickt, wo es ein kostenloses Gesundheitssystem gibt. Man kann das nicht mehr verstehen wollen. Genau als wir von Cuba sprechen, fällt solidarisch der Strom aus.

22.2.

Heute nichts. Rufzeichen. Immerhin gelesen, gebouldert, gefernschaut (Tina Fey <3), das ist eigentlich eh so viel mehr als Nichts.

Tomer Gardi, „Liefern“: Wie fürsorglich er mit seinen Figuren umgeht.

23.2.

Überall rauscht und fließt es, tosend stürzt das Schmelzwasser über die Kraftwerksschleusen.

24.2.

An den Namen der Hundekommandos lässt sich ablesen, woran man ist. Finis „gschamster Diener“ heißt bei der Alex-Hündin „Yoga!“ Ich scheine auf vorgetäuschte Unterwerfung zu stehen.

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Am Bahnsteig steht ein Mann, der vor Wut spuckt. Obwohl ich Abstand nehme, steigt er in denselben Wagen. Ich stehe wieder auf und sage der mir entgegenkommenden Zugbegleiterin, da sei einer, der nicht in diesen Zug gehöre. Nein, antwortet sie freundlich, der sei in Ordnung, ein armer Mensch mit starkem Tourette und Klimaticket. Ich schäme mich. Am neuen Sitzplatz bleiben vier unangenehm männliche Typen stehen und halten den beiden Passagieren neben mir ihre Dienstmarken unter die schlecht rasierten Nasen. Auf meiner Augenhöhe die Pistolen der Schengen-Kontrolleure. Die Kontrollierten haben auch wirklich mangelhafte Dokumente und verheddern sich beim Antworten. Da es augenscheinlich Autochthone sind, lässt das Schleierfahndungsquartett von ihnen irgendwann ab. 

Rund ums Belvedere der weiche Kontrast – Männer holen Kinder namens Frida vom Kindergarten ab, man weiß nicht, ob es sehr späte Väter oder Großväter sind. Alle haben Lastenräder.

Literaturrunde mit Scholten. Wir schildern reihum das rasante Wachsen des Kultur-Prekariats, er nickt zustimmend, wir wissen, dass es eh wurscht sein wird. (Also ich zumindest.)  

Mit Coala ins Aera. Hier zeigt es sich, dass ich nun ein Mensch geworden bin, der seine Portionen nicht mehr aufessen kann. Aber Coala ist ein Mensch, der immer saubere Tuppergschirrln mithat. Ohne Scham schiebe ich meine größten Knödel hinein, fürs Mittagessen morgen.

Weil Zeit ist, gehen wir ein Stück zu Fuß, zuerst durch den 1. Bezirk (in dem ich bis in alle Ewigkeit fremdeln werde), dann über den Ring, die MaHü entlang, so lange, bis Coala darauf hinweist, dass bald keine Züge mehr fahren. Es gibt halt viel festzustellen, etwa dass uns derzeit gar nichts unmittelbar bedränge, aber die Sorge unsere Grundeinstellung sei. „I hob mi gfrogt, wos mei Beitrog zu dem Gaunzn is, und gaunz kuaz docht, najo, mehr ois a boa scheene Keramikvegl werd' i ned hintalossn.“ Ich pflichte ihr heftig bei und widerspreche gleichzeitig. Dann sage ich, es sei ja wurscht, nach unserem Tod werden wir wahrscheinlich eh tot sein.

In 17.385 Schritten durch den Tag, 2000 mehr als ins Glöcklkar bei der Skitour.

25.2.

Die gemeine Osthummel heißt auch „bombus impatiens“. Trump wird später davon faseln, dass es beim Überfall auf Venezuala einen „secret discombombulator“ gegeben habe.

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Inception für Arme: Ich tippe ab, dass ich im August 2025 abgetippt habe, wie ich im Februar 2025 den August 2024 abgetippt habe. [Das wiederum tippe ich Anfang September 2026 ab.]

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Apropos Micromanaging, s. 10.2.: Wenn ich als kleine Einzelkämpferin meine Arbeit so „effizient“ erledigen würde wie das mittlere und leitende Management allenthalben, hätte ich 2017 das Haus verkaufen müssen und würde 2027 verhungern. 

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Apropos „effizient“: Weil es immer wärmer und grüner wird, unterbreche ich mein häusliches Arbeiten an irgendwas, um im Garten irgendwas zu machen. #altersadhs

26.2.

Nie also würde ich in einer Welt voller Dominika Meindls leben wollen. Nichts käme zu einem Ende. Was auch immer alle berühren, wird zu einem Projekt. Alle würden mit schlechtem Gewissen ihre Tage vertändeln mit Fragen, wie sie ihre Bibliothek ordnen sollen. Welche Sträucher geschnitten werden sollen (was dann eh nicht passiert). Ob es eh allen gut geht. Ob eh grad niemand sauer ist auf einen. Ob der Hund eh zumindest sein Minimum von 15 Jahren erlebt. Aber niemand hätte Zeit für Bodenversiegelung, Sexismus und Audifahren.

Ich beende das Notieren und räume stundenlang Bücher von A nach B und C und D ff. Ein Tag, der sich ein wenig wie Lockdown anfühlt. Mit niemandem gesprochen.

27.2. Fr

Nach Mitte Vierzig so über den Tod nachdenken wie damals Mitte Zwanzig über die Liebe: Hoffentlich finde ich den Richtigen!

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Am Morgen war ich wohl zu deep, nach dem Frühstück und anschließendem Bandeln im Haushalt sowie ausgiebigem Hundsstreicheln hänge ich wieder ganz fest an meinem kleinen Geißleben.

Es ist aber auch scheiß nebelig hier, während es überall außerhalb des Zentralraums 20° Grad hat (danke für nichts, Webcams). Wir Einwohner*innen von Linz-Land sollten von der EU einen Härteausgleich bekommen wie Bergbauern.

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Bookbot liefert neue Bücher, es ist kein Land zu gewinnen. Wie viel ich schon umverteilt habe, wie viel es noch gibt! Die Brandlast ist enorm.

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Beim Abtippen der Notizen vom September 2025 fällt mir ein, dass ich eh erst 47 bin (das tippe ich am ersten Tag als 48-Jährige).

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Am Nachmittag mit der ersten Fuhr Grünschnitt zum Altstoffsammelzentrum, wo sich schon wieder Berge davon türmen. Wie ein Bademeister steht ein Mitarbeiter da und schaut dem Wuseln zu, er sagt auf meinen Gruß: „Jetzt wird’s aufaungat.“ 

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Trink-Abend mit den Freundinnen, wir sind sehr gelöst und bestellen Ingwer-Drinks. G. googelt die Etymologie des „Cocktails“ und erfährt, dass man Pferden früher auf Schauen Ingwer in den Arsch gesteckt habe, damit sie feuriger („gingery“) aufträten.

Wir reden über Witwenpensionen und das generelle Ende. C.s Tante sei so sauer gewesen, ihr eigenes Begräbnis zu verpassen, dass sie ihre Angehörigen zu einer Probezehrung lud, für die sie sich vom Arzt fitspritzen ließ, um tanzen zu können.

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In der Nacht träumt mir von einem Schlachthof-Treffen mit dem LH, bei Schokokuchen und freundlicher Konversation, bis ich sage, dass es ein Skandal sei, die Stadt Wels zahle überhaupt keine Förderungen! Stelzer gibt vor, aufs Klo zu müssen und macht sich aus dem Staub.

28.2.

Mit einem Arsch auf zwei Hochzeiten, davon tatsächlich eine in Vorchdorf. Die Hunde einträchtig wie zwei Brautleute. Sekt im Frühlingslicht.

Über der A1 kreisen zwei Milane nahe beisammen, obwohl ihnen der gesamte Himmel zur Verfügung stünde, wie Brautleute.

In Schönering berichtet mir die Nachbarin gerührt, wie sie unlängst eine Kohlmeise beim wählerischen Begutachten meines Vogelhauses beobachtet habe. Der HErr Ornithologierat wird mir später am Abend erläutern, dass die Meisenmännchen der Dame stets mehrere Nester anbieten müssen. Was bei Kohlmeisen in unseren Gärten ja noch anginge, bei Schwanzmeisen, die selbst bauten, aber „keine Art sei. Ich finde, da darf man den Damen schon einmal kritische Fragen stellen.“

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Vor dem KUPF-40er-Festakt nötige ich den LH, mir ein Gratulationsvideo für die Brautleute aufzunehmen. Beim ersten Versuch drücke ich nicht ordentlich auf „Aufnehmen“, sodass nur mein „geh, mir san deppert!“ zu hören ist. 

Nazzal und Stieber kündigen einander an, jeweils mehrere Stunden sprechen zu wollen, und ich lade sie ein, nach den Ansprachen in drei Runden noch einmal auf das vom anderen Geredete zu replizieren, DAS sei einmal ein Kunsthappening, die totale Zermürbung.

Anna erzählt, früher seien die Kupf-Vorstände entweder mit offenem Hosentürl oder lackierten Fingernägeln zu Verhandlungen gegangen. Ich soll dann beim Tortenanschneiden die ziemlich großen Messer reichen, ich stelle mich damit an den Bühnenrand und kündige an, eine Jonglage-Nummer zu zeigen. „Glückliche“ Gesichter in der ersten Reihe.

Die Grußworte fallen angenehm kurz aus, allesamt freundlich. Ich sage, wir von der Freien Szene müssen uns weiterhin fest in die Politik einmischen, und umgekehrt dürfe sich die Politik bei uns einmischen, „mit Förderungen! Scheißt uns zu mit eurem Geld!“ Danach freundlicher Smalltalk, ich bin noch im Frack und entsprechend extrovertiert. Ich erzähle dem LH vom Gurkenfächermoment im neuen Roman, und dass mich sein Arbeitsleben daure.

Dann muss ich zurück zu Hochzeit 1. Ich trage den Hund die Stiegen hinunter durchs Gewühl, verquatsche mich aber (siehe #heiklemeisen) – Fini ist verschwunden. Ich steige wieder alle Stiegen hinauf, ganz oben sagen mir die Kolleginnen, der Hund sei gerade zurück in ihr Versteck gezischt, aus Panik vor all dem Lärm. Als ich mich im Dunklen zu Fini unters Bett beuge, reißt es mich – die ganz in Schwarz gekleidete R. hat sich zu ihr gelegt, aus dem gleichen Bedürfnis heraus. Ich streichle beide und rede ihnen gut zu, dann trage ich Fini an der Partymeute vorbei ins Auto.

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Irgendwann habe ich Hund, SchwieMu, Buttinger jun. und sen. im Auto. Dreihundert Meter vor dem Schwiegerelternhaus gerate ich in ein Planquadrat. Nach einigen über den Tag verteilten Proseccoglaserln bin ich doppelt kooperativ – aber ich hab' 0 . Der Polizist lässt sich den Führerschein reichen und beginnt dann seine Ansprache. „Frau Magister, die beiden Herren und der Hund auf der Rückbank sind nicht angeschnallt.“ Ich schimpfe sofort zum Festern hinein. „Von wo kommen Sie denn gerade?“ „Vorchdorf.“ „Mhm. Und was haben Sie dort gemacht?“ Gerade frage ich mich noch, womit ich die Neugier verdient habe, als ich selbst erkenne, dass ich ja noch im Frack samt Schärpe und Orden stecke. „Oh“, sage ich, „das war beruflich, eine Feier mit dem LH.“ Der Beamte erlässt mir daraufhin meine 100 € Strafe.

Zuhause tun der Buttinger und ich schnell viel dafür, die Promillezahl zu erhöhen. Wir schnattern so weit in die Nacht hinein, als hätten wir einander Anfang des Jahres kennengelernt.