Lebenskrimskrams
im Februar 2026
1.2.
Es
ist ein sehr liebes Zeichen von Vertrautheit, im schweindirosa
Frotteehoserl zu einem nachbarschaftlichen Umtrunk aufzutricksen
(ausnahmsweise nicht ich).
***
In
der Nacht spaziere ich mit einer Gans, einem Hasen und einer Katze
durch Linz, alle in weinrotem Samt. #weißweintraum
2.2.
Warscheneck
Auf
markierten Wegen bin ich immer zu schnell unterwegs. Alles ist mit
einer festgetretenen Schneeschicht bedeckt, mit den Grödeln ist es
ein gutes Fortkommen. Meinetwegen müsste es nicht mehr schneien, ich
habe keine Ansprüche an die Tourenski-Saison, aber für das
natürliche Wohlergehen wär's freilich unverzichtbar. Im Lärchenwald
der Zellerschneise krakeelen die Fichtenkreuzschnäbel. Oben
Schönheit, aber bissige Kälte. Alle 50 Höhenmeter, die ich wieder
absteige, wird es wärmer und alle 50 Meter wachsender Vogelgesang.
***
Am
Abend frage ich Buttinger zeitgerecht zu Mariä Lichtmess, ob er mir
eh noch bleibt – andernfalls müsste ich den Hund auf dem
Glanglmarkt verkaufen.
3.2.
Die
einzige Form, in der ich mir vorstellen könnte, „Melania“ im
Kino anzuschauen, wäre gegen Geld und mit Live-Synchronisation von
maschek.
4.2.
Coala
kommt vom Zahnarzt und erinnert mich daran, dass er sich selbst jeden
Morgen die Zähne im Bett liegend putzen muss, weil er sonst sein
Leben nicht packt. DAS ist unser Zahnarzt. <3
5.2.
„Owa
liab is“, sagt die Fressnapf-Verkäuferin, als ich 213,79 € für
den Hundebedarf bezahle.
***
Die
Trump-Kandidatin in Texas heißt Leigh Wambsganss und hat gegen den
demokratischen Gegner eingeschaut.
***
Ein
langer Spaziergang über das Kraftwerk. Die arme W. hat sich
mit dem neuen Schatzi den Verkehr in Künstler*innenkreisen eingefangen
(quasi was Venerisches), dabei hat sie selbst schon beruflich unter dem
Psycho-Beraterinnenstuss zu leiden. Jetzt sagen alle in ihrer Freizeit „Meine
Position ist...“
6.2.
Buttinger hat zu Mittag mit einem Freund dinierte und ist dabei ins Doomen geraten war angesichts der KI und dem ganzen
Scheiß. Er habe gesagt: „Bei mir geht si vielleicht nu a
natürlicha Tod aus, owa du und d'Meindl, ihr miasst's in Untagrund
zum Kämpfn.“
Warum
eigentlich nicht die KI an unserer statt auf den Mars schießen?
***
Themenwechsel.
Der spaßorientierte Skilauf wurde von einem Herrn Gutsmuths aus dem
Thüringer Schnepfental erfunden.
***
Jetzt,
wo ich die guten Leute gefunden habe, freut's mich nicht mehr
fortgehen.
***
Wien.
Riesenskandal
– die Musil-Gedenkwohnung ist nicht die echte Musilwohnung, sondern
einen Stock zu tief. Ein japanischer Fan hatte das Büro genau
ausgemessen, da kam der Schwindel auf. Die Musil-Gesellschaft wollte
daraufhin ein Foto aus der originalen Wohnung heraus machen, aber das
habe sich als unmöglich herausgestellt, weil man da nicht
aus dem Fenstern herausschauen kann, das sei eine Messiewohnung. Erst
unlängst mussten 11 Tonnen Papier auf Anweisung des Gesundheitsamtes
in eine Mulde gekippt werden. „Das war früher eine Bergführerin,
jetzt kann sie aber nimmer gut gehen.“ Sie habe früher oft wegen
irgendwas angeläutet, und bald seien alle im Büro Anwesenden
erstarrt, damit sie nicht merkte, dass jemand da war.
David
Hoffmann erzählt, dass er neulich auf der Simmeringer Hauptstraße
auf der gegenüberliegenden Seite einen Mann erblickt habe, der
lediglich Socken und eine Sturmhaube trug. Zuerst wirkte er
rechtschaffen verschreckt, bald richtete er sich auf und ging
parallel mit ihnen einher, als habe er eine Wette verloren.
Die Präsidentin hatte lange einen Nachbarn, der am Fenster wichste und dabei seinen
Penis mit der Taschenlampe ausleuchtete. „Ois da Fritz zu mia zong
is, hod a s nimma so vü gmochd.“
Dann
erzählt sie von einer Autorin, die sich einmal Aug in Aug mit einem
Alligator befand, und zu ihrer narzisstischen Kränkung habe er
gleich Anstalten gemacht, sie zu fressen, „obwohl ich sooo viel
gelesen habe!!!!“ „Da hat sie erkannt, dass sie auch Nahrung
ist“. Eine Abwandlung der Klage „Und so a Hirn muass amoi
dafäuln.“
Es
soll eine Vertrauensperson installiert werden. Ilse: „Da jopa soi
ma seine Soang ins rechte Ohr song, d'Melamar ins linke.“
7.2.
Schl8hofball „Wösovision“ - Songcontest
„I
bin de Niallllande“, sagt eine stark Betrunkene. Es sind viele,
aber dann doch nicht so viele wie erwartet als Udo Jürgens gekomme,
ich ja auch, aber immerhin im Smoking – im Gegensatz zu den Faulis
im Bademantel. Fasthuber besteht darauf, der einzig autorisierte
Jürgens-Impersonator zu sein, sein Bademantel sieht tatsächlich
„well loved“ aus und stammt aus dem Webshop des Jürgens-Merch.
Mindestens drei Paare treten als Merci und Cherie auf, am besten Hasi
& Heidi. Sitzen können sie in den riesigen
Verkleidungsschachteln nicht, tanzen mögen sie ohnehin nicht. Er
erzählt, wie er seine Buben einmal zu Halloween in die Nachbarschaft
begleitet habe. Ein altes Ehepaar: „Ah! Von dem hamma aa scho wos
ghert, owa jetzt hamma nix dahaam!“ Es wird dann doch in der Speis
gestöbert – die armen Kinder kriegen After Eight (wie eine
ansteckende Krankheit).
Isabella
hebt mir ein Glückskekssprücherl vom Boden unseres
Backstagekammerls auf: „No one will contest your happiness.“
Lange
mit Boris über unsere Trendsportarten Bouldern und Skaten
gesprochen; beiden ist uns das Szenige daran sehr unangenehm, und
dass wir udaungs darin zu Veteran*innen geworden sind.
Roman
nimmt es mir ein wenig übel, dass ich im Vorjahr zwar seine
Tequila-Geschichte mochte, das Getränk selbst aber nicht. Schon habe
ich ein neues Stamperl in der Hand, und siehe da, ich habe Anlass,
mich zu entschuldigen bei George Clooney, Julia Roberts Mann und
Roman. Apropos Roman: Beim Training habe ihn Sabrina Filzmoser
gefragt, warum ich so viel vom Everest wisse. „Die wiad
recherchiert hom“, habe er ihr gesagt.
8.2.
Ein
Tag wie auf der Ladestation. Immerhin Hirschls „Schleifen“
angelesen, eine lohnende Leistung – allerdings nur zwischen
Ausnüchtern und neuem Bier. Ich muss ihm bei Gelegenheit von Danis
Befugnis erzählen, per Sprechakt sämtliche Bewohner*innen des
Bezirks Linz-Land für tot zu erklären.
9.2.
Ö1
rechtfertigt das Vorkommen der Zecken und Milben in der
Insektenrubrik damit, dass ja Fasching sei.
***
In
Japan wollen so viele Menschen jedes Jahr spurlos verschwinden („Die
Verdunsteten“), dass es dafür eigene Flucht-Anbieter gibt.
***
GAV-OÖ-Wahl.
Im Irrglauben, dass meine Nichtbeteiligung als Enthaltung gezählt
werde, erreiche ich das peinlich sowjetische Ergebnis von 100%
(Wahlbeteiligung: 12). Ab jetzt regiere ich durch wie Trump: PEN
annektieren, goldener Ballsaal in Schönering, Strafzölle auf die
Publikation aller Nichtmitglieder.
10.2.
Coala
wird zum Geburtstag von H. angerufen. „Beruflich bin ich nicht
so ambitioniert, dafür privat voll! Dreistellig soll's am Ende vom
Leben schon werden!Es geht in Wellen bergab. Also
ab und zu geht’s schon noch bergauf. Aber insgesamt bergab.“
***
Das
Gartenjahr hat noch gar nicht begonnen, und schon das Gefühl, hinten
nach zu sein. Beim Versuch, die Maulwurfshügel abzutragen, werde ich
sofort von der Nachbarin erwischt und zum Kaffeetrinken abgezogen, damit da
keine Konkurrenz entsteht.
***
„Ich
scheiße in dein Leben!“ So geht Poetikvorlesung! Mann muss Barbi
Markovič sehr
lieben.
11.2.
Beim
Versuch, ein Arbeitsstipendium beim Bund einzureichen, lande ich
wegen Doofheit zuerst beim Antrag für Bibliotheken und Verlage, was
ich so lange nicht merke, dass ich schon ganz passiv-aggressiv
überall in die Formulare schreibe, eine PERSON zu sein, „deswegen
habe ich keine Statuten außer das Bekenntnis zur Verfassung der
Republik“.
***
Obwohl
Barbara Zeman mitgeteilt hat, dass sie & The Zew nicht mehr als
eine warme Begrüßung und eine warme Suppe brauchen, befällt mich am
Tag von experiment
literatur
wieder dasselbe Gefühl einer leichten Versagenserwartung, also wird
das in Zukunft wurscht sein können – es wird sehr schön, und es
ist kaum einmal anders gewesen. Die Künstlerinnen sind nach dem
ersten Löffel Suppe ganz ding, das Publikum ist nach den ersten
Minuten ganz ding. „Das wird heute eher ein introvertierter
Abend!“, kündigt sie an, und alle sind bissl verliebt. Eine, deren
Texte man von ihr selbst vorgelesen bekommen sollte.
H. erzählt neben der lachenden Gattin, wie sie einmal im Zustand
milder Betrunkenheit eine mörder Business-Idee überkam – es müsse
ein Konzept ausgeklügelt werden, wie man Blinden ein filmähnliches
Erlebnis ermöglichen könne – der Geistesblitz: ein Blindenfilm!
Mit Dialog! Regieanweisung! Musik! Geräusche! Sie sind ganz
begeistert. Hasi (natürlich nüchtern) hört ihnen eine Weile zu,
immer fassungsloser, als er merkt, dass sie es ernst meinen, bis er
schließlich fragt: „Ihr meint ein Hörspiel?“ Schweigen. Eine
Idee stirbt. „Äh. Ja.“
12.2.
Leider
ist mein "Oeuvre" noch zu schmal, als dass renommierte
Verlage nach einer Poetikvorlesung gierten. Aber als ich den Titel poste: „Wie kann ich hier arbeiten, wenn im Kirschbaum die Kohlmeisen
budern!?“ Untertitel: "Hokus Pokus, weg ist der Fokus! Mein
Leben auf der Flucht vor dem Roman. Von Dominka Meindl, Präsidentin
der Prokrastination Österreich", schickt Barbi Markovič
ein Herzi.
***
Kracht,
„1979“: Oida, oida. Zwar wird der Kailash sehr schön umrundet,
als gäbe es kein Frieren auf der Welt, aber dann freut sich der
Erzähler, dass er im chinesischen Straflager so schön dünn wird.
Das Buch geht volley zurück an Bookbot.
***
Am
Nachmittag hemdsärmelig Äpfelbäume schneiden. Die Hündin weint vor
Frust, weil ich ihr all die Äste und Stöcke nicht werfe.
Große
Behaglichkeit nach einem kleinen Wettersturz.
Die
Vögel kehren zurück: Milan, Falken, Käuzchen. Ein ganz hoch
fliegender Krähenschwarm.
***
B. meldet sich wegen des Romans, ich möge mir doch wieder einen
anderen Titel ausdenken. Leider hat sie recht.
13.2.
Ö1-Radiokolleg:
„Gruselige Vorfreude auf die morgige Ausgabe: die Krätzmilbe!“
Jetzt weiß ich auch leider, dass es „Steißränder“ gibt.
***
Die
Krähen haben sich herabgelassen und fliegen Manöver zwischen den
Nussbäumen.
***
Allmählich wird es mir
vorstellbar, länger nichts zu trinken. Am Donners- und Freitag ist
das Hirn offen und arbeitsfreudig wie ein ausgeschlafener Collie. Vielleicht liegt's auch
daran, dass ich es in meinem Leben mittlerweile sehr gut bei klarem
Verstand aushalte (bzw. immer länger).
***
So dachte ich am
Vormittag, ab 16 Uhr tritt die tägliche Vorfreude / der tägliche
Wunsch nach einem Bier verlässlich auf. Und wir trinken dann auch
brav.
René (ca. 1‰)
unversehens: „Wie geht’s eich eigentlich mit dem Altern?“
14.2.
Buttinger
schenkt mir zum Valentinstag einen Gutschein fürs Autowaschen, dazu
Anzuchterde und Kaminanzünder.
***
Wien
„Wir
haben so tüchtige Männer!, klagen Anna und ich. Ihrer hat an einem
Tag einmal schnell eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach geschraubt,
„und selbst hat man am Abend zwei Seiten... (ich fürchte schon,
sie sagt „geschrieben“) … gestrichen.“
15.2.
Und
auch im Liegen verfliegt die Zeit! Fast zu faul, um mich zum Essen ausführen
zu lassen.
***
Seit
Bookbot ist jedes Buch vom Rauswurf bedroht, das ist auch nicht
schön. Andererseits besitze ich immer noch so unendlich viel Schas!
Etwa einen Schottland-Reiseführer ohne jedes Farbfoto, ein
Mängelexemplar. Oder: „Mutterfreuden und – Leidensweg“.
16.2.
I.:
„Astrologie ist nie ganz exakt! Wenn eine behauptet, das ist so,
hat sie unrecht!“
***
Sonnenschein
nach Schneetreiben, ein Winterapriltag. Im Linzer Auwald fragt eine
junge Frau, ob sie Fini fotografieren dürfe. Gut,
dass ich erwachsen bin und nicht eifersüchtig auf den Hund.
***
Esslinger
und Koch im Kepler Salon. Wir reden dem Publikum ein, dass Verena nur
auftreten darf, weil sie sich auch die Haare kurz schneiden hat
lassen. Wir sitzen da wie drei weise graue Eulen. Sehr liebe, sehr
gescheite Gästinnen. Es herrsche keine Gute-Laune-Pflicht, sage ich.
Esslinger: „Faule Leute sind mir lieber, die richten weniger
Schaden an.“ Sie sei deswegen Künstlerin geworden, „da ruiniert
man noch am wenigsten.“
17.2.
Nicht
viel mehr gemacht, als Phantomereignisse vom Juni 2025 abgetippt, als
der Sommer sich noch vor mir erstreckte wie ein zutrauliches Katzerl.
Und einen Meinungsbeitrag zum Latein-Aufreger (eher fürs Streichen aus dem Lehrplan,
aber ambivalent, an mir wird’s nicht liegen, das zu entscheiden).
18.2.
Schnee galore! Ehrgeizige Skitourenpläne, sogar die Plankamira war im Spiel, aber als wir in der Früh
schon am Pyhrnpass jämmerlich hängen bleiben, tut's das Glöcklkar
auch. Und zwar in die Haut hinein, ich büße im kniehohen Schnee für
meinen Anspruch auf die Führung. Scheiß Emanzipation! Spuren im
Erlengekröse, jeder Schritt geht auf Grund. Der Herr Ornithologierat
geht wie immer gleichmütig hinter mir her, er hätte bestimmt keine
schlechtere Spur gewählt. Aber immerhin eine Skitour. Das wird keine
große Saison mehr. Nicht nur deswegen wird mir das Wandern immer lieber.
Auch das dumpfe WUMM noch unterhalb der Waldgrenze erinnert mich
daran, dass es ohne Schnee unkomplizierter ist. Fini schwimmt im Fluff wie ein verwirrter Otter.
19.2.
Dem
Sternsinger-Centerfold des Pfarrblatts lese ich
erleichtert ab, dass Blackfacing wirklich überwunden ist. Nur eine
Begleitperson hat sich das Gesicht gelb angemalt. Just als ich
darüber nachdenke, ob das nicht auch rassistisch sei, titelt orf.on mit
dem Trend des „Chinamaxxings“: Es sei Symptom der wachsenden soft
power, die eigene Sinifizierung im Internet zu dokumentieren.
***
Koreanisierung:
Werde ich jetzt ein Mensch, der sein eigenes Kimchi macht?
Wahrscheinlich misslingt es furchtbar. [Wir nehmen vorweg: Ja.]
***
Wieder
zwei sehr schwere Kisten mit Mutters Büchern gefüllt und zur Post
geschleppt. Was ist überhaupt wert, aufgehoben zu werden? Wer soll
das dann erben? Jetzt nur keine Sinnkrise einreißen lassen, das Haus
ist voll und mein eigenes Buch auf dem Weg.
20.2.
Fr
Zweimal
beglückendes, politisch korrektes Weißsein: Sehr viel schöner kann ein
Wintertag nicht ausschauen (nur zwei Monate früher kommen). Und es
schaut ein weißer Rand unter meinen Emails hervor!!!! Das hatte ich
schon lange nicht mehr. Der verharrende Mail-Rest wird zach, aber so
ist das beim Bergaufsteigen und Administrieren.
21.2.
Goisern.
Die Pracht schmilzt zu grauem Sorbet. Von fern betrachte ich den
Buttinger bei der Arbeit. Auf den ersten Blick glaube ich, dass die
Eisschwimmeuropameister*innen eh alle Neopren tragen, alle in
einheitlich blassem Zinnoberrot. Ich gehe mit dem Hund weiter bis zur
Freibadgrenze und sehe erst jetzt, dass es der einheitliche Farbton
der Haut ist.
Keinem
entringt sich der kleinste Schmerzenslaut, wenn sie alle ins 4° Grad
kalte Wasser steigen. Ich stehe auf dem Steg, von Kopf bis Fuß in
Regenhaut gehüllt, fröstelnd. In weniger als vier Monaten könnte
ich zum ersten Mal in den Grundlsee, aber ich weiß jetzt schon: nur
theoretisch [Wir nehmen vorweg: Ja.]. Ich bleibe ein Weh und werde es
nicht mehr ändern.
***
Black
Horse. Trump hungert Cuba aus, während er ein Lazarettschiff nach
Grönland schickt, wo es ein kostenloses Gesundheitssystem gibt. Man
kann das nicht mehr verstehen wollen. Genau als wir von Cuba
sprechen, fällt solidarisch der Strom aus.
22.2.
Heute nichts. Rufzeichen. Immerhin gelesen, gebouldert,
gefernschaut (Tina Fey <3), das ist eigentlich eh so viel mehr als Nichts.
Tomer
Gardi, „Liefern“: Wie fürsorglich er mit seinen Figuren umgeht.
23.2.
Überall
rauscht und fließt es, tosend stürzt das Schmelzwasser über die
Kraftwerksschleusen.
24.2.
An
den Namen der Hundekommandos lässt sich ablesen, woran man ist.
Finis „gschamster Diener“ heißt bei der Alex-Hündin „Yoga!“
Ich scheine auf vorgetäuschte Unterwerfung zu stehen.
***
Am
Bahnsteig steht ein Mann, der vor Wut spuckt. Obwohl ich Abstand
nehme, steigt er in denselben Wagen. Ich stehe wieder auf und sage
der mir entgegenkommenden Zugbegleiterin, da sei einer, der nicht in
diesen Zug gehöre. Nein, antwortet sie freundlich, der sei in
Ordnung, ein armer Mensch mit starkem Tourette und Klimaticket. Ich
schäme mich. Am neuen Sitzplatz bleiben vier
unangenehm männliche Typen stehen und halten den beiden Passagieren neben mir ihre Dienstmarken unter die schlecht rasierten
Nasen. Auf meiner Augenhöhe die Pistolen der Schengen-Kontrolleure.
Die Kontrollierten haben auch wirklich mangelhafte Dokumente und
verheddern sich beim Antworten. Da es augenscheinlich Autochthone
sind, lässt das Schleierfahndungsquartett von ihnen irgendwann ab.
Rund
ums Belvedere der weiche Kontrast – Männer holen Kinder namens
Frida vom Kindergarten ab, man weiß nicht, ob es sehr späte Väter
oder Großväter sind. Alle haben Lastenräder.
Literaturrunde mit Scholten. Wir schildern reihum das rasante Wachsen des Kultur-Prekariats, er nickt zustimmend, wir wissen, dass es eh wurscht sein wird. (Also ich zumindest.)
Mit Coala ins Aera. Hier zeigt es sich, dass ich nun ein
Mensch geworden bin, der seine Portionen nicht mehr aufessen kann.
Aber Coala ist ein Mensch, der immer saubere Tuppergschirrln mithat.
Ohne Scham schiebe ich meine größten Knödel hinein, fürs
Mittagessen morgen.
Weil
Zeit ist, gehen wir ein Stück zu Fuß, zuerst durch den 1. Bezirk
(in dem ich bis in alle Ewigkeit fremdeln werde), dann über den
Ring, die MaHü entlang, so lange, bis Coala darauf hinweist, dass
bald keine Züge mehr fahren. Es gibt halt viel festzustellen, etwa
dass uns derzeit gar nichts unmittelbar bedränge, aber die Sorge
unsere Grundeinstellung sei. „I hob mi gfrogt, wos mei Beitrog zu
dem Gaunzn is, und gaunz kuaz docht, najo, mehr ois a boa scheene
Keramikvegl werd' i ned hintalossn.“ Ich pflichte ihr heftig bei
und widerspreche gleichzeitig. Dann sage ich, es sei ja wurscht, nach
unserem Tod werden wir wahrscheinlich eh tot sein.
In
17.385 Schritten durch den Tag, 2000 mehr als ins Glöcklkar bei der Skitour.
25.2.
Die
gemeine Osthummel heißt auch „bombus impatiens“. Trump wird später davon faseln, dass es beim
Überfall auf Venezuala einen „secret
discombombulator“
gegeben habe.
***
Inception
für Arme: Ich tippe ab, dass ich im August 2025 abgetippt habe, wie
ich im Februar 2025 den August 2024 abgetippt habe. [Das wiederum
tippe ich Anfang September 2026 ab.]
***
Apropos
Micromanaging, s. 10.2.: Wenn ich als kleine Einzelkämpferin meine
Arbeit so „effizient“ erledigen würde wie das mittlere und leitende Management allenthalben, hätte
ich 2017 das Haus verkaufen müssen und würde 2027 verhungern.
***
Apropos
„effizient“: Weil es immer wärmer und grüner wird, unterbreche
ich mein häusliches Arbeiten an irgendwas, um im Garten irgendwas zu
machen. #altersadhs
26.2.
Nie
also würde ich in einer Welt voller Dominika Meindls leben wollen. Nichts käme
zu einem Ende. Was auch immer alle berühren, wird zu einem Projekt.
Alle würden mit schlechtem Gewissen ihre Tage vertändeln mit
Fragen, wie sie ihre Bibliothek ordnen sollen. Welche Sträucher
geschnitten werden sollen (was dann eh nicht passiert). Ob es eh
allen gut geht. Ob eh grad niemand sauer ist auf einen. Ob der Hund
eh zumindest sein Minimum von 15 Jahren erlebt. Aber niemand hätte Zeit
für Bodenversiegelung, Sexismus und Audifahren.
Ich
beende das Notieren und räume stundenlang Bücher von A nach B und C und D ff. Ein
Tag, der sich ein wenig wie Lockdown anfühlt. Mit niemandem
gesprochen.
27.2.
Fr
Nach
Mitte Vierzig so über den Tod nachdenken wie damals Mitte Zwanzig
über die Liebe: Hoffentlich finde ich den Richtigen!
***
Am
Morgen war ich wohl zu deep, nach dem Frühstück und anschließendem
Bandeln im Haushalt sowie ausgiebigem Hundsstreicheln hänge ich
wieder ganz fest an meinem kleinen Geißleben.
Es
ist aber auch scheiß nebelig hier, während es überall außerhalb des
Zentralraums 20° Grad hat (danke für nichts, Webcams). Wir Einwohner*innen von Linz-Land sollten von der EU einen Härteausgleich bekommen wie Bergbauern.
***
Bookbot
liefert neue Bücher, es ist kein Land zu gewinnen. Wie viel ich
schon umverteilt habe, wie viel es noch gibt! Die Brandlast ist
enorm.
***
Beim
Abtippen der Notizen vom September 2025 fällt mir ein, dass ich eh
erst 47 bin (das tippe ich am ersten Tag als 48-Jährige).
***
Am
Nachmittag mit der ersten Fuhr Grünschnitt zum
Altstoffsammelzentrum, wo sich schon wieder Berge davon türmen. Wie
ein Bademeister steht ein Mitarbeiter da und schaut dem Wuseln zu, er
sagt auf meinen Gruß: „Jetzt wird’s aufaungat.“
***
Trink-Abend
mit den Freundinnen, wir sind sehr gelöst und bestellen Ingwer-Drinks. G. googelt die Etymologie des „Cocktails“ und
erfährt, dass man Pferden früher auf Schauen Ingwer in den Arsch
gesteckt habe, damit sie feuriger („gingery“) aufträten.
Wir
reden über Witwenpensionen und das generelle Ende.
C.s Tante sei so sauer gewesen, ihr eigenes Begräbnis zu
verpassen, dass sie ihre Angehörigen zu einer Probezehrung lud, für
die sie sich vom Arzt fitspritzen ließ, um tanzen zu können.
***
In
der Nacht träumt mir von einem Schlachthof-Treffen mit dem LH, bei
Schokokuchen und freundlicher Konversation, bis ich sage, dass es ein
Skandal sei, die Stadt Wels zahle überhaupt keine Förderungen!
Stelzer gibt vor, aufs Klo zu müssen und macht sich aus dem Staub.
28.2.
Mit
einem Arsch auf zwei Hochzeiten, davon tatsächlich eine in
Vorchdorf. Die Hunde einträchtig wie zwei Brautleute. Sekt im Frühlingslicht.
Über
der A1 kreisen zwei Milane nahe beisammen, obwohl ihnen der gesamte
Himmel zur Verfügung stünde, wie Brautleute.
In
Schönering berichtet mir die Nachbarin gerührt, wie sie unlängst eine
Kohlmeise beim wählerischen Begutachten meines Vogelhauses
beobachtet habe. Der HErr Ornithologierat wird mir später am Abend erläutern, dass
die Meisenmännchen der Dame stets mehrere Nester anbieten müssen.
Was bei Kohlmeisen in unseren Gärten ja noch anginge, bei
Schwanzmeisen, die selbst bauten, aber „keine Art sei. Ich finde,
da darf man den Damen schon einmal kritische Fragen stellen.“
***
Vor
dem KUPF-40er-Festakt nötige ich den LH, mir ein Gratulationsvideo
für die Brautleute aufzunehmen. Beim ersten Versuch drücke ich nicht ordentlich auf
„Aufnehmen“, sodass nur mein „geh, mir san deppert!“ zu hören
ist.
Nazzal
und Stieber kündigen einander an, jeweils mehrere Stunden sprechen
zu wollen, und ich lade sie ein, nach den Ansprachen in drei Runden
noch einmal auf das vom anderen Geredete zu replizieren, DAS sei
einmal ein Kunsthappening, die totale Zermürbung.
Anna
erzählt, früher seien die Kupf-Vorstände entweder mit offenem
Hosentürl oder lackierten Fingernägeln zu Verhandlungen gegangen. Ich soll dann beim Tortenanschneiden die ziemlich großen Messer
reichen, ich stelle mich damit an den Bühnenrand und kündige an,
eine Jonglage-Nummer zu zeigen. „Glückliche“ Gesichter in der
ersten Reihe.
Die
Grußworte fallen angenehm kurz aus, allesamt freundlich. Ich sage, wir
von der Freien Szene müssen uns weiterhin fest in die Politik
einmischen, und umgekehrt dürfe sich die Politik bei uns einmischen,
„mit Förderungen! Scheißt uns zu mit eurem Geld!“ Danach
freundlicher Smalltalk, ich bin noch im Frack und entsprechend
extrovertiert. Ich erzähle dem LH vom Gurkenfächermoment im neuen Roman, und dass
mich sein Arbeitsleben daure.
Dann muss ich zurück
zu Hochzeit 1. Ich trage den Hund die Stiegen hinunter durchs Gewühl,
verquatsche mich aber (siehe #heiklemeisen) – Fini ist
verschwunden. Ich steige wieder alle Stiegen hinauf, ganz oben sagen
mir die Kolleginnen, der Hund sei gerade zurück in ihr Versteck
gezischt, aus Panik vor all dem Lärm. Als ich mich im Dunklen zu
Fini unters Bett beuge, reißt es mich – die ganz in Schwarz
gekleidete R. hat sich zu ihr gelegt, aus dem gleichen Bedürfnis
heraus. Ich streichle beide und rede ihnen gut zu, dann trage ich
Fini an der Partymeute vorbei ins Auto.
***
Irgendwann
habe ich Hund, SchwieMu, Buttinger jun. und sen. im Auto. Dreihundert
Meter vor dem Schwiegerelternhaus gerate ich in ein Planquadrat. Nach
einigen über den Tag verteilten Proseccoglaserln bin ich doppelt
kooperativ – aber ich hab' 0 ‰.
Der Polizist lässt sich den Führerschein reichen und beginnt dann
seine Ansprache. „Frau Magister, die beiden Herren und der Hund auf
der Rückbank sind nicht angeschnallt.“ Ich schimpfe sofort zum
Festern hinein. „Von wo kommen Sie denn gerade?“ „Vorchdorf.“
„Mhm. Und was haben Sie dort gemacht?“ Gerade frage ich mich
noch, womit ich die Neugier verdient habe, als ich selbst erkenne,
dass ich ja noch im Frack samt Schärpe und Orden stecke. „Oh“,
sage ich, „das war beruflich, eine Feier mit dem LH.“ Der Beamte
erlässt mir daraufhin meine 100 € Strafe.
Zuhause
tun der Buttinger und ich schnell viel dafür, die Promillezahl zu erhöhen. Wir
schnattern so weit in die Nacht hinein, als hätten wir einander
Anfang des Jahres kennengelernt.