Donnerstag, Januar 29, 2026

Die neun Leben des Dr. Josef Ratzenböck

Drehbuch für einen Smash Hit im Land der MOÖglichkeiten

Deadlines inspirieren mich, vielleicht geht sich ja noch was für den Oscar aus. Beim Prokrastinieren für diesen Lesebühnen-Text bin ich auf die Idee verfallen, alte Familiendias zu sichten – derzeit posten ja alle Fotos aus dem Jahr 2016, wo noch alles gut gewesen sein soll. Ihr Narren! 1986 hätten wir richtig abbiegen können! Die Sowjets wegen Tschernobyl aus dem Buch der Geschichte streichen, die USA wegen Endes des Kalten Krieges auf ihr Staatsgebiet einhegen, die Erfindung des Internets in klügere Hände legen, das Matriarchat den Völkern mit liebevoller Mütterlichkeit oktroyieren.

Ein Dia, ein buenas dias, siehe oben, zeigt eine humoristisch wertvoll gewordene Szene, die ich auf Facebook dergestalt beschrieb: „Vor 40 Jahren sollte ich dem LH Ratzenböck einen Blumenstrauß überreichen, weil er uns ein Dach auf die Volksschule Schönering gesetzt hatte. Ich geriet aber in Panik und paschte ab. Der Bürgermeister fing mich und leitete mich sanft zum Landesvater, der gütig das Gebinde aus meinen schweißnassen Händen wand. Was sind eure besten Ratzenböck-Nachrufe? Die schönste LH-Schnurre gewinnt!“

Darauf schrieb Frau Karin H., geschätzte OLW-Stammgästin: „Der Cousin meiner Mutter ist der Überzeugung, dass der Ratzenböck schon vor 20 Jahren gestorben ist, aber erst jetzt begraben wurde.“ Ich wollte daraufhin eine arge Geschichte über Balsamierungspraktiken schreiben (den Mao zum Beispiel haben sie mit Formaldehyd ja historisch belegt aufgepumpt wie einen Weinschlauch), dass das auch in OÖ in der Pathologie der Barmherzigen Schwestern versucht wurde, um den Kulturstandort neben dem luftgeselchten Pfarrer von St. Thomas am Blasenstein mit einer weiteren sehenswürdigen Mumie aufzuwerten.

Aber das Thema waren am 23. Jänner ja Katzen, und die haben neun Leben. Bester Stoff für einen actiongeladenen Episodenfilm, in dem der Ratzenböck immer wiedergeboren wird: Er stellt seine Bonusleben der guten Sache zur Verfügung. Im zweiten Leben kauft er aus einem bulgarischen Schrottzoo einen Tiger frei und macht ihn scharf, sodass er den bei Woronesch fischenden Putin anfällt und endlich aus dem Bestand der Menschheit entnimmt. Der Tiger frisst dann leider auch den Ratzenböck, sodass er schon im dritten Leben angelangt ist. Es zeigt sich, dass er mit jeder Reinkarnation ein bisschen weniger lebendig ist, womit gleich auch das Zombie- bzw. Vampir-Genre mit abgefrühstückt werden kann.

Nun schickt die NATO den Alt-LH nach Amerika, wo er den Trump und den JD Vance auch gleich mit Glykolwein final unter den Tisch säuft, unter Aufopferung seines eigenen Lebens, aber erfolgreich.

So geht es dahin, peace keeping durch robuste Einzelkämpfer-Attacken – im Nahen Osten, Iran, Sudan, Kongo, Weißrussland, Nordkorea & China: Überall werden die führenden Kriegstreiber waidgerecht vergrämt (aus dem Leben). Das müsst ihr euch jetzt selbst ausmalen, gern mit den Requisiten der 1980er als Waffen, enthauptet mit Modern Talking LPs, verätzt mit saurem Most, überdosierte Schilddrüsentabletten, stranguliert mit selbstgestrickten Zopfstirnbändern, erschlagen mit Acrylmalerei, vom Opel Kadett überfahren, vom umfallenden Wurlitzer getroffen.

Am Ende seines letzten Lebens ist von der Vitalität des LHs nicht mehr viel übrig, er lenkt seine letzten Schritte zurück an den Ausgangspunkt der Geschichte. Dort klopft er an die Tür eines Einfamilienhauses mit baubehördlich vorgeschriebenem Atomschutzbunker (jetzt voller Hofer-Wein und alter Ribiselmarmelade). „Meindl Mink“, knarzt es aus seinem zerfaserndem Kehlkopf, „i hob mein Beitrog gleist, jetzt sad's es Jungan drau.“ Er sinkt zu Boden, endlich ewige Ruhe, und die neue Herrscherin im Land der Moöglichkeiten lässt dem verdienstvollen Landesvater ein großes Requiem im Linzer Dom ausrichten. Danke, LH Ratzenböck! 

Freitag, Dezember 12, 2025

Wunschliste ans Christkindi für 2026: Ich bitte um eine gute Sterbstunde

Liebes Weihnachtswesen, hier ist wieder deine Minki! Sorry, dass ich mich immer nur zu deinem Geburtstag bei dir melde, es ist allerweil so ein Wirbel, aber ich glaube das ganze Jahr über fest an dich. Da sind wir ja Kolleginnen, denn was wäre das Kind Gottes, und was wäre eine Bundespräsidentin, wenn niemand glaubt, dass es uns gibt?! Du darfst dir auch gern was von mir wünschen, sag' einfach Bescheid, wenn ich was tun kann für dich, zum Beispiel einen Pflegeplatz für den Papa.

Auch heuer formuliere ich meine Wünsche eingedenk der Frohbotschaft des Erzengels Michael: „You can't always get what you want. But if you try sometime you'll find you get what you need!“ In der berühmten Vulgata-Übersetzung von Joki Kirschner: „Geschenke sind nicht wichtig, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man sie hat, wenn man sie braucht.“ In diesem Sinne! Folgendes wünsche ich mir heuer sehnlich:

  • Eine Zeitreisemaschine, eh keine arge, sie kann aussehen wie eine Saunakabine im endlich trockenen Keller (Vergelt's Gott dafür!), und sie muss nur sechs Monate in die Vergangenheit zurückgehen, und auch nur im Winter – ich möchte einfach nur jederzeit oben im Hochsommer in meiner geliebten Wildnis des Toten Gebirges sein, und beim Hinüberschauen auf den Dachstein nasse Augerl kriegen. Ein Sommertag in meiner selbstgebauten Vergangenheit und ich wär' leistungswillig wie ein feuchter neoliberaler Traum.

  • Ich bitte innig um die Wiederschenkung meines Grundvertrauens in meine humane Mitschöpfung. Man muss ja nicht so einen Stiefel zusammenwählen. Bitte lass' die Leute wieder mehr Bücher lesen, müssen eh nicht nur die unseren hier sein. Gerne hätte ich weniger Satire in der Politik, es ist derzeit sauschwer, selbst eine zu schreiben.

  • Dann brauche ich neue Turnschuhe, ich bin zu blöd dafür, oder zu unentschlossen, vielleicht wär's gscheiter, wenn es eine leicht kommunistische Konsumwarenverknappung gäbe, also nur noch sagen wir zehn verschiedene Sorten, dann tu ich mir leichter.

  • Abschließend wünsche ich mir, dass die Wissenschaft endlich ihre Prioritäten geregelt kriegt, was soll diese oasch Rüstungsforschung, setzt euch auf eure Hosenböden und arbeitet emsigst an lebensverlängernden Maßnahmen, keinesfalls aber an der longevity durchgeknallter Nabobs wie Musk, Bezos und Zuckerberg, da vielleicht sogar bitte in die Gegenrichtung, mein Wunsch betrifft die Lebenserwartung von Hunden, die bitte exakt an jene ihrer Halterinnen angekoppelt werden möge, so schwer kann das ja nicht sein.

Das war's schon für mich! Weihnachten ist ein Fest der Liebe, da soll man nicht nur an sich selbst denken, sondern einmal an andere. Auf nationaler Ebene:

  • Unserem Bundeskanzler Stocker wünsche ich ein bissi mehr Eier, nicht im männlichen Sinne, das sind ja maximal zwei weiche, sondern Millionen taffe Fraueneier, damit er endlich in die Puschen kommt. Ich wünsch dem Buddha von Wiener Neustadt einen Neustart! Und dem Vizekanzler, dem Babler Andi, wünsch ich alles Gute, er hätt ja unlängst fast meinen Hund geküsst, drum samma Hawara, ich wünsch ihm Milliarden für ein ordentliches Kulturbudget.

  • Dem österreichischen Wahlvolk wünsche ich 2026 viele Momente der reflektierenden Einkehr, es sind nämlich keine Wahlen weit und breit, da müsst ihr euch nicht deppert aufganserln lassen.

  • Harald Mahrer wünsche ich einen guten Übergang in seinen nächsten Karriereabschnitt. Möge ihm Potpourri an neuen Aufgabenfeldern blühen, eine AMS-Abteilung nur für ihn. Er kann sich eine Stelle aussuchen oder gleich alle übernehmen, also: Liftwart in Kirchschlag, Behindertenbetreuer in Hartheim, Tierheimputzmann, Image-Restaurator der SOS-Kinderdörfer, Bardienst im Strandgut, der Bundespräsidentin den Keller ausweißigen, Koordinator des Science-Hubs für Zeitreisebüros und Dog Longevity – halt einfach einmal eine echte, ehrliche Arbeit, die Gutes bewirkt!

  • Den Verantwortlichen der Rodung des Bergschlössl- und der Ziegeleistraßenparks zugunsten des Westrings wünsche ich, dass sie postmortem in einem ewigen Kreislauf an Autobahnzubringerkreisverkehren sich verheddern und erst wieder herausfinden, wenn die Hölle sich mit Eis bedeckt.

  • Allen Herren, die im Gendern eine Verhunzung der Deutschen Sprache sehen, wünsche ich per sofort den Paygap ihrer eigenen Gattinnen an den Hals. Plus eine verpflichtende Nachschulung im Fach angewandte Diachrone Linguistik im Ausmaß von vier Semestern.

  • Allen Herren, die mir mit ihren blöden Premiumfahrzeugen den Vorrang nehmen, obwohl hinter mir kein anderes Auto ist und die mich dann ausbremsen, weil sie drei Meter weiter abbiegen, diesen Linksabbiegenazis wünsche ich einen erweiterten Sachkundenachweis, weil sie ein Listenauto fahren und insgesamt dass sie sich 2026 viele Papierschnitte und Fieberblasen holen.

Damit sind wir schon auf der globalen Ebene:

  • Allen Despoten, Tyrannen, Faschisten, Demokratiefeinden wünsche ich herzlich eine gute Sterbstunde. Davor viele Papierschnitte und Fieberblasen. Ich wünsche Trump, dass er viel in Hundekot steigt und erst draufkommt, wenn er schon quer über den sauteuren Seidenteppich im Ballroom gelatscht ist, und ich wünsche ihm 2026 die Rache der Journalistik, #epsteinfiles. Ich wünsche Putin, dass ihm kein Hund mehr zugeht, kein liebes Tier lässt sich jemals wieder von ihm streicheln, nie mehr wieder ein warmer Blick aus treuen Augen, und ich wünsche ihm einen nächtlichen Schlaganfall, seine Adlaten fragen sich in der Früh, nanu, wo bleibt der Chef denn, sonst ist er um 5 schon in der Höh, aber ich trau mich nicht nachschauen, sonst ist er ement grantig und schickt uns an die Front! 72 Tage später folgt Putin seinem großen Vorbild Stalin, Tod wegen unterlassener Hilfeleistung.

  • Ich wünsche allen Patriarchen dieser Welt ein Jahr als Frau, den Taliban zuhause, Trump in Somalia; alle haben Cellulite und Endometriose, dazu eine super-übergriffige Chefin und einen Mann, der viel fremdgeht und bei jeder Gelegenheit erklärt, dass Gendern die deutsche Sprache verhunze.

  • Der Hamas, den aggressiven Siedlern, den „Konfliktparteien im Sudan“ etc. wünsche ich, dass es sie beim Niesen in tausend Fetzerl zerreißt und sie keine Hände mehr haben, um sich aufzuheben.

  • Hier noch der Vorjahreswitz, der ist noch pfenninggut: Viktor Orban wünsche ich, dass er weiter so rasant verbladet, dass ihn sein sinnloser Populismus weiter so aufdunsen lässt wie ein totes Pferd am Ufer des Balatonsees (Bladatonsee, haha).

Jetzt aber Schluss und Liebe! Ich wünsche euch allen drei Kilo Gewichtstsunami, viel Liebe, auch körperlicher Art, und brave Christkindl! Ausschließlich hier bin ich Befürworterin der Kinderarbeit.

Ab 1. Jänner 2026 gilt dann die neue digitale Autobahnvignette, in Trafiken gibt’s noch die zum Picken, wer's nicht anders haben mag, sie ist feuerrot, und weiterhin gilt das Matriarchat, auch das lodert feuerrot und insgesamt ist es golden.

Montag, November 24, 2025

Die neue oberösterreichische Hausordnung

Das kleine 1x1 des Zusammenlebens

Vergangene Woche hat die oö. Landesregierung eine „Hausordnung“ präsentiert. Jetzt bin ich nicht die hellste Kerze auf der Torte der Arithmetik – aber ist 1x1 nicht trotzdem nur eins, und ist das nicht die niedrigste einstellige Zahl? Also irgendwie der klitzekleinste gemeinsame Nenner, sprich: sehr wenig? Egal. Wichtiger ist, dass sich das nur Männer ausgedacht haben, also gilt das für die auch. Für alle anderen gelten WEITERHIN die unsere gemeinsamen Regeln und Werte, die ich mit Liebe und Sorgfalt hier aufnotiert habe. 

1. Jeder Mensch hat Würde und verdient Respekt, auch wenn er oder sie beschließt, darauf keinen Wert zu legen und bei Kulturveranstaltungen z.B. „La Montanara“ zu singen, ohne es zu können und mit Schnupfen, oder wenn die Person schiache Ballkleider aus den 80ern anziehen mag. Oder selbstironische Witze macht, was trotzdem streng verbietet, der Person gegenüber auch frech zu werden.

2. Bitte schnäuzt euch! Das Geräusch ist einfach nicht auszuhalten!!!!

3. Wir sprechen hier Deutsch! (Bzw. „Deutsch“) Schnäuzen also bitte mit Ä schreiben, denn es leitet sich von der Schnauze ab. Wir in OÖ gendern, das ist gelebter Brauch, es heißt nicht umsonst Muttersprache. Männer sind zwecks besserer Verständlichkeit mitgemeint.

4. Hunde sind respektvoll zu behandeln und dürfen gerne vor deren Halter*innen begrüßt werden. Wir lieben die Hunde so wia a Kindal sei Muata.

5. Das arschlingse Buserieren im Straßenverkehr ist verboten, insbesondere für SUVs bzw. Audi-, BMW-Fahrer etc. Listenautolenker müssen generell eine erweiterte Alltagstauchlichkeitsprüfung zusätzlich zum Sachkundenachweis ablegen, wenn ihr Kraftfahrzeug die Schulterhöhe von 1m übersteigt.

6. Das Laufen auf den Gängen ist verboten, im Gebäude sind Hausschuhe zu tragen.

7. Männer sind nach Kräften den anderen Geschlechtern gleichzustellen, das Matriarchat ist für alle da!

8. OÖ hat Platz für alle Religionen, wenn sie still im Ausmaß eines privaten Hobbys betrieben werden und nicht nerven, also ca. wie Modelleisenbahnbau, Goldhaubenstickerei oder Hinterglasmalerei.

9. Beim Tarock werden nur Spatz und Uhu angesagt, alles andere ist gottloser Unfug. Kommt die Trui gemeinsam zum Liegen, sticht der Pagat, eh klar.

10. Fleischereifacherzeugnisse dürfen nicht mehr irreführend als Bradl oder Wiaschtl bezeichnet werden, sondern als „Der Sau aus dem toten Nacken gefletschtes Fleisch“ bzw. „in seine eigenen Eingeweide gestopfte Kadaverreste“.

11. Respektspersonen wie etwa die Bundespräsidentin sind in OÖ Schulen mit einem schmeichelhaften Bild in den Klassenzimmern zu repräsentieren und höflich zu grüßen, gerne auch Nackenmassagen anbieten und ihren Hund sowie ihren Regierungsstil loben, das ist nicht cheesy, gutes Bier kredenzen – hier ist Regionalsnobismus angezeigt, da unsere heimischen Brauereiprodukte wahrhaft die besseren sind; Zipfer aber höchstens frisch gezapft.

12. Es gibt in OÖ immer noch diese Probleme mit dem Stadtbild, also Menschen, die extrem gschissn aus der Wäsche schauen, etwa nur um ein Beispiel zu nennen Herrn G. aus Wels, Schillerstraße 1/3, der mich zu Fleiß immer so grämlich anschaut, dass seine Mundwinkel über den Unterkiefer herunterhängen, keine Ahnung, was der gegen mich hat!

13. Bitte passt's besser beim Mülltrennen auf, das ist doch echt nicht schwer, jetzt darf man sowieso fast alles in den Gelben Sack schmeißen, Gmundner Keramik im Großgebinde zum Bauschutt, Lederhosen zur Carla, VOEST-Stahl zum Altmetall, die Handflächen zueinander, noch einmal, schneller, ja, so wird ein Applaus draus! (Letzteres schriftlich bissi doof, aber man kann ja auch einmal privat alleine klatschen).


Mittwoch, Oktober 29, 2025

Bird Watchlist 2026

 

On the wrong side of the 40ies wetteifern mehrere Torheiten um die Freizeit des Menschen bzw. Mannes. Gravelbikefahren, Vintagerennradrestauration, Craftbierbrauen, Baristakaffeesnobismus, Tenkara-Fliegenfischen. Sie eint der Drang, unfassbar viel Geld auszugeben und unfassbar viel darüber erzählen zu wollen. Noch am sympathischsten ist das Birdwatching, also das Vogel-Spechteln. „Schau, ein Wintergoldhähnchen im Prachtkleid!“ „Oh, die Birkhenne kirrt den Hahn in ihre Huderpfanne!“ Diese gefiederten Freunde möchte ich 2026 watchen:

1. Dodo, Greif, Roch oder Phönix (das wär' ein Hallo am Birder-Stammtisch!)

2. Den zahmen Spatzen, der täglich zur gleichen Zeit auf die Hand meines Wahl-Großvaters flog und sich füttern ließ

3. Die Rückkehr der Feldlerchenpopulation vor dem Beginn der industriellen Landwirtschaft

4. Den Sturzflug des PatriArchaeopterix

5. Die Gans Martin aus Nils Holgersson, skandinavischer Sympathieträger

6. Jürgen Vogel, ist vielleicht ein guter Typ

7. Dschungelzwergfischer (auf "Iratebirds" als weltschönster Vogel gerankt)

8. Haubenmeise (ein Vogel wie ich, mit Mittagsschlaffrisur)

9. Der Steinadler auf dem Gipfel des Bruderkogels am Grundlsee

4. Papageno und Papagena bzw. sämtliche Vogelfänger des Salzkammergutes, denen ich in einem amtlichen Normverdeutlichungsgespräch darlege, dass man die armen Vogerl bitte nicht mit einer Leimrute fesselt und sie dann den ganzen Winter in sein Stinkestübchen sperrt, während man selbst in Thailand überwintert, nur zur Gaudi, wenn die Vögel frei über die Wälder des Toten Gebirges fliegen könnten, wenn sie schon bei uns bleiben, weil das ist eine Standorttreue, die ihnen wir garstigen Menschen einmal nachmachen sollten, scheiß auf dein deppertes Brauchtum, aber echt.

Dienstag, Oktober 07, 2025

Der Pilznarr. Gerechtigkeit für Schönering

Als mich der Sprecher der Akademie an diesem Oktoberdonnerstag anrief, um mir den Nobelpreis für Literatur zuzusprechen, ließ ich den Hammer fallen. Nun sind sie völlig verrückt geworden, dachte ich, damit ist der Preis endgültig ruiniert. Ich brachte nur ein wortloses Gurgeln heraus, das man in Stockholm für ein Zeichen der Rührung hielt.

Ich stieg benommen vom Dach meines Baumhauses, das in seinem siebten Jahr wieder angefangen hatte, mein Bett zu nässen; ein schwerer Landregen hatte die größte Leistung meiner Dichtkunst zunichte gemacht. Alles ließ ich nun liegen und stehen, die Planen, die Dachpappe, die Dichtmasse. Vor dem Gartentor hatte sich bereits eine gewaltige Pressetraube gebildet, die Fotografen hielten eifrig auf meinen Hund, der schon wieder in den Vorgarten schiss, obwohl ich doch in der Früh mit ihm äußerln gewesen war. Ich hielt inne, dachte über das kostbare Wort „äußerln“ nach, ist nicht alles Sprechen ein Versuch, das Innere zu äußerln, da schrien mich die Journalisten gierig an, sie forderten Reaktionen und Reaktionen von mir, keiner von ihnen rief mir entgegen, dass er schon ein Buch von mir gelesen habe. Gut, beide sind vergriffen, aber dafür hatte das Dach drei Jahre lang dicht gehalten.

Ich bin nicht hier für des Hundes Scheißdreck!“ rief ich. Im Zustand äußerster Entfremdung lief ich ins Haus, sperrte die Tür zu und wählte mit zitternden Fingern die Nummer des einzigen Menschen, der wusste, wie es mir jetzt ging. Doch Peter Handke hob nicht ab, typisch für diesen Bewohner des Elfenbeinturms in der Niemandsbucht! Er genoss das Exil, das ich ihm damals empfohlen hatte, zwecks Reparatur seines Images. „Zieh auch nach Schönering!“, sagte ich ihm nach seinem Auftritt als Gast bei der Lesebühne, „zieh in mein Dorf, keine Sau interessiert sich dort für seine Dichter! Einmal im Jahr, Peter, lese ich im Pfarrheim für die Senioren, alle fünf Jahre zum Frauentag für die SPÖ-Damen, das war's! Eine heilige Ruhe!“ Tatsächlich konnte sich Handke der Öffentlichkeit hier, am Ostrand des Eferdinger Beckens, in unsere Oase der Poesielosigkeit retten. Ja, es war eine Rettung, seit zwei Jahren lebt er wunschlos glücklich in einem Vierkanter und sucht den lieben langen Tag Vogelfedern und Tintenröhrlinge im Kürnbergerwald. Will dem scheinbar verwirrten Großliteraten ein freundlicher Jogger den Weg zurück durch die Borkenkäferschneisen zeigen, sagt Handke „Ich komme Edramsberg her, von Schönering, von Wilhering“, und alles ist gut. 

 

Verlassen wie ein Kind im Grenzland lief ich durchs Haus, und leider, leider verfiel ich auf die Idee, ins Internet zu schauen. Keine Stunde war mein Nobelpreis alt, schon wurde meine gesamte Vita an die Öffentlichkeit gezerrt wie eine Picknickdecke, an der ein Rudel Paviane reißt. Mein Deutschlehrer erzählte lachend von meinem Faible für Guns N' Roses samt Fransenlederjacke, und dass meine Aufsätze damals eher lieb als gut gewesen seien; meine Schwester gab bei Barbara Stöckl preis, dass ich mir als Kind über Nacht ein Plastikdraculagebiss um 5 Schilling in den Mund gesteckt habe, um meinen Überbiss zu korrigieren. Auf ORF 3 machten sich Daniela Strigl und Klaus Nüchtern über die Rechtschreibfehler in der „Sau“ lustig, Nüchtern erzählte, dass ich zur Not auch Stiegl trinke. Und in der Mittags-ZiB plauderte Christian Wehrschütz über meine Freundschaft mit Kim Jong Un, Fotos von einem Begräbnis wurden eingeblendet. Ich geriet in Zorn, die Verwandtschaft kann man sich halt nicht aussuchen!

Da läutete es Sturm an der Tür, ich riss sie auf und sah Landeshauptmann Stelzer auf der Dacke, neben ihm strahlte Bürgermeister Mario Mühlböck. Sie klopften mir links und rechts auf die Schulter, der „Ortskaiser“ überreichte mir ein Bild vom Stift Wilhering, der „Landesvater“ eine Pfeffermühle aus Leondinger Fichtenholz. Da senkte sich mein Blutdruck, und ich richtete das Wort an die beiden. „Ich fühle mich losgebunden vom Pfahl des eigenen Ich!“ Wir umarmten einander.

So sah ich nicht, wie die Pressetraube heranwanzte. Jemand tippte mir auf die Schulter. Armin Wolf! „Frau Meindl, Peter Handke sagt über Sie, dass zwar ihre Literatur großartig sei, aber Ihre Dichtkunst nicht, denn es regne schon wieder in Ihr Baumhaus!“ Ich war wie vom Blitz getroffen. „Verschwinden Sie!“, schrie ich, „und stellen Sie mir nicht solche Fragen! Ich stamme von Handwerkern ab, von Wegmachern, von Schneidern her! Von keinem Menschen hör' ich, dass er sagt, der Rasen ist aber schön geschnitten, und wie der Zuckerhut in Ihrem Hochbeet gedeiht, alle fragen nur wie Sie!“

Ich schlug, das muss ich zugeben, dem frechen Wolf mit der Pfeffermühle ein bisschen auf den Kopf, dann zog ich Stelzer und Mühlböck in mein Haus und sperrte die Weltpresse aus. Um unsere Stimmung zu reparieren, bot ich den Gästen selbstgebackene Hanfkekse an. Bald lagen wir kichernd auf der Soff, der Hund eingerollt und furzend zu unseren Füßen, und am Ende wurde es doch noch ein gemütlicher Nachmittag. Dem Handke, diesem geschwätzigen Arschloch, habe ich seither nie mehr beim Winterreifenwechseln geholfen.

Dienstag, September 23, 2025

Jenseits von Aussee. Pfiat eng God schee, liabe Almen, pfiat di God schee, Redford Bert!

Um ein kathartisches Tränenerlebnis zu ermöglichen, empfiehlt es sich, dazu Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 abzuspielen, das Adagio

Der Schauplatz <3

Er hatte eine Alm am Fuße des Toten Gebirges. Ein paar hundert Meter vom Dreibrüdersee entfernt. Die Sommer sind kurz hier im Karst. Es war an einem prachtvollen Julitag, da ich vom Bruderkogel abstieg, reich an Beute, denn meine Augen hatten auf dem kaum bestiegenen Gipfel einen Adler gesammelt, der mich wiederum anblickte, bevor er sich über das Widderkar in die Lüfte sinken ließ, als sei es das Meer, das ihn trug. Und auf Meeresboden stand ich, Millionen Jahre alt, in diesem jungen Sommer. (Also der Meeresboden war so alt, ich nur seelisch.)

Ich kam also an der Gössler Alm vorbei, gelöst und gebadet, als ich einen Reflex im Augenwinkel sah. So einen Farbton hatten meine jagenden Augen hier noch nie gesehen, ich hieß den Hund über das hohe Gras fliegen, um das Wild zu stellen. Zu meinem höchsten Erstaunen erklang eine menschliche Stimme, im Grundton wohl tief, aber ich vernahm ein hohes Frohlocken: „Jo Puppi, jo wer bist denn du?!“ Im Näherkommen sah ich ihn zum ersten Mal.

Robert Redford.

Jo, wo bist denn du?“ „I bin do, Robert!“ „Ned du, du Lustige, da Hund, wos isn des fira Rass, des is owa a gaunz a gschickte!“ Niemand würde mir glauben, dass ich hier stand, und dem berühmtesten Schauspieler der Welt erklärte, dass ich den Hund aus dem Heim gerettet hatte, „ma!“, dass sie meine treue Begleiterin sei, „geh liab!“, und wir soeben einen Steinadler erspäht hatten für meine Birding-Liste, „wos d' ned sogst!“ Er hieß mich Platz auf der lärchenen Bank nehmen, dann langte er in den Grander hinter der kleinen, schiefen Hütte und öffnete uns zwei Flaschen Freistädter Ratsherrn. Es lag nicht an meiner einfühlsamen Zurückhaltung, dass ich ihn um kein Selfie bat, sondern daran, dass ich gerade mein Handy im Geröll verloren hatte.

Naja, was soll ich sagen, wie es weiterging. Ich stieg Stunden später im Licht der Sterne ab, mit schlechtem Gewissen, und natürlich hat mich der Buttinger unten in Gössl sehr geschimpft, dass ich so spät daherkräule, wieso ich nicht abgehoben habe, um ein Haar hätte er schon die Bergrettung geholt! Als ich ihm vom Handyverlust berichtete und vom Schmusen mit Robert Redford, der sich hier einen einsamen Almsommer lang vom Leben eines internationalen Superstars erhole, sagte er, ok, Meindl, besorg dir ein neues Handy, und wie schmust der Redford Bertl, ist er so nett, wie er ausschaut? Ja, sagte ich, und er mag Hunde. Da war der Buttinger ein bissl eifersüchtig, aber der Hund und ich, wir schmiegten uns innig an ihn und ich sagte, du bleibst mein Redford von Wels! Mein Herz ist groß genug für euch beide! 

 

So kam es, dass ich auch am nächsten auf die Gössler Alm aufstieg. Es war sehr schön. Am vierten Tag ging ich aber ins Widderkar, denn es ist kein Urlaub, wenn ich nicht im Widderkar war. Tags darauf war der Bertl bedrückt. Er ahnte, dass ich eine wilde, unzähmbare Strawanzerin hier im Toten Gebirge sei. „Schau“, sagte ich zu ihm, „ich habe hier noch lange nicht alles gesehen, und der Urlaub dauert nur noch zehn Tage.“ Ich trocknete seine Tränen mit dem Ärmel meines nicht mehr ganz frischen Merinoleiberls. Am nächsten Tag nahm ich ihn mit auf den Jägersteig ins Widderkar hinüber, wir sahen den Adler wieder. Der Hund sprang fröhlich der Gams nach. Der Eisenhut blühte. Der Wind wuschelte Roberts güldenes und mein ofarbenes Haar. Wir machten Rast in der Wiese, wieder tranken wir Freistädter. Dann sah er mir in die Augen:

Du hast es mir verdorben.“

Was?“

Das Alleinsein.“

Du hast gewusst, dass ich mit dem Buttinger fix zusammen bin.“

Ja“, sagte er.

Da stieß der Adler seinen scharfen Schrei aus, wie um uns vom Abschiedsschmerz abzulenken. Der Hund legte sich zu uns auf die Decke und knibberte an den Pfoten.

Bertl, wieso kannst du eigentlich so gut Deutsch, mit Dialekt sogar?“

Weil mei Muada a Dosige woa. Und mei Voda vo Gramastettn.“

Da gab es mir einen Stich ins zerwanderte Herz. Es brauchte nicht lange, um herauszufinden, dass er mein Großonkel war. Irgendwann würde ich darüber einen verwickelten Familienroman schreiben (sehr praktisch in Originalbesetzung zu verfilmen), aber heute waren wir melancholisch wegen dieses Inzests. „Naja, egal“, sagte ich, „des hod uns do no nia gschodt.“

Robert sah hinüber zum Bruderkogel, jetzt sprach er im Tonfall Meryl Streeps:

Ich weiß ein Lied vom Toten Gebirge, von den Gämsen und vom Abendrot, das die Felsen erglühen lässt, von den Almen und den Gräsern, die sich im Wind neigen. Weiß das Tote Gebirge auch ein Lied von mir? Zittert die Luft über den Gipfeln jemals in einer Farbe, die ich an mir hatte, spielen die jungen Murmeltiere ein Spiel, in dem mein Name vorkommt, wirft der Vollmond einen Schatten auf die Gössler Alm, der dem meinen gleicht? Hält der Adler vom Bruderkogel nach mir Ausschau?“

Wir strichen einander wieder die Tränen von den Backen.

Im nächsten Sommer führte mich mein erster Weg auf die Gössler Alm. Die Hütte war vom Winter zerwirkt und verschlossen. Der Hund sah mich an und winselte. Mit schwerem Schritt zog ich hinüber ins Widderkar.

Von fern sah ich den Lagerplatz des vorigen Sommers. Darauf lagen (jetzt wird’s schön, aber unwahrscheinlich) im Licht des Sonnenuntergangs eine Löwin und ein Löwe, die eine längere Zeit auf unserem Almboden blieben. Es gehört und ziemte sich, dass die Löwen diesen Ort aufsuchten und ein Denkmal für uns waren.

Ich war guter Dinge und stieg ab, ohne die unwahrscheinlichen Gäste zu stören. Das wird dem Buttinger gut gefallen.

Montag, September 01, 2025

Am Ende des Sommers immer derselbe Erlebnis-Gierschlund

Lebenskrimskrams im August 2025

1.8.

Traum, dass der Vater dringend Hilfe beim Telefonieren braucht. Adressbuch hat er keines, weswegen er kurzerhand einem alten Mann am Ohr Blut abzapft, „weil der ist mit dem verwandt, und so finde ich ihn über die DNA.“ Meine bisherige Traum-Unfähigkeit, ein Wählscheibentelefon zu bedienen, hat einen Sprung in ie Nullerjahre gemacht: Jetzt kann ich kein altes Handy mehr bedienen.

***

Das alte Leben zieht schon an mir. Statt über den Sinn des Lebens denke ich darüber nach, ob ich es mit den zwei letzten frischen Unterhosen bis zum Urlaubsende schaffe. 

4.8. Schönering

Seelische Verkaterung nach Wiedereintritt in die Alltagsatmosphäre, wie immer glaube ich, dass die Erholung sofort verglüht. Wenigstens ist durch unsere dreiwöchige Absenz wieder kein Schaden entstanden. Nur den Spatzen werde ich gefehlt haben, als die garstige Hexe, der sie die Körner fladern. Wahrscheinlich hat sich der Garten auch ein wenig von mir erholen können, so wie ich mich von ihm. Das Wetter hat zumindest so viel Anstand, dass es immer noch scheiße bleibt.

Die Brache des ehemaligen Schwimmbeckens hat sich in eine Ruderalfläche verwandelt, die ich ohne Genehmigung des Naturschutzbundes wohl gar nicht mit Rollrasen zupflastern dürfte. Jugendliche werden sich am Flieder anketten, die Grünen gehen gestärkt aus dem Protest gegen mich hervor. Wenn es nicht aufhört zu regnen, kann ich den Garten gleich irgendwelchen Urvölkern überlassen. Der Rasenmäher erstickt nach drei Laufmetern.

5.8.

Der Hund und ich fremdeln noch mit der Stadt. Dabei ist es vorerst nur Wels.

6.8.

Heute tippe ich die Phantomereignisse vom Jänner ab. Darin schreibe ich darüber, dass ich gerade den Lebenskrimskrams vom August 2024 abtippe. Wir sind gerade vom Grundlsee heimgekommen und seelisch verkatert.

***

Mein Leben mit 300 Kilo“ geht nicht mehr, seit dort nur noch Schwarze Frauen vorgeführt werden.

Arger Kontrast: „Die Welt von Gestern“. Jetzt begreife ich erst den Sinn des Zweig-Films „Morgenröte“ – Zweig meint damit den ersten Schimmer des Weltenbrandes. Sein hoher Ton passt nicht gut für die Gegenwart, wohl aber leider die Tatsachen. Eine geschwisterlich geeinte Welt ist eine naive Illusion angesichts der Propaganda des Nationalismus...

Kurios: Zweig reist gegen 1910 nach New York und langweilt sich, weil alle so viel arbeiten und es keine Kultur gibt.

 

7.8.

Aktuell esse ich täglich so viele verschiedene Sorten von Obst und Gemüse, dass ich eigentlich ein besserer Mensch werden müsste.

***

Ich tippe gerade ab, dass ich am 16. Februar 2024 etwas vom 18. August 2023 abgetippt habe (was ich wiederum am 25. Februar 2026 abtippe – the circle of life!). Es ist wie ein Gruß aus der Vergangenheit an mich selbst.

***

Coala kommt aus Wien, auch sie bringt Gemüse. Dazu die üblichen sinnlosen Schokokreationen, die ihr nicht so gut geschmeckt haben. Sehr langes Schnattern im Wintergarten, ich weiß aber schon zwei Tage später nicht mehr, worüber (wahrscheinlich Leute, und wie sie so sind).

8.8.

Wir ermuntern uns gegenseitig zu recht eifrigem Arbeiten, trotzdem schaffe ich es nicht langer als bis 11 Uhr, nach dem Mittagessen kommen noch jämmerliche 24 Minuten drauf (eine Minute brauche ich, um das auf der Uhr zu prüfen).

Scharnstein. Barbara Rieger moderiert mit sehr viel Fürsorge. Nach der Lesung verstricken wir uns so innig in die Klemm-Leykam-Debatte, dass ich ganz schön rasen muss, um Bettina Baláka rechtzeitig zum Zug zu bringen. Sie ist nachher etwas blass um die Nase, ich tue so landlackelmäßig, dass es eh klar war, dass wir das schaffen. Noch ein Bier mit dem Buttinger, viel zu spät ins Bett, um am nächsten Tag viel zu früh ins Almtal zurück zu fahren.

9.8.

Es ist ein Kampf gegen die Schwerkraft, andererseits eine große Pracht in der Hetzau. Und H. erzählt sehr lustige Sachen, etwa vom Besuch beim Urologen, was besonders eifrigen Radfahrern wegen der Prostata höchst angeraten sei. Prompt sagt der Doktor auch, „goin'S, Se san Radlfohra!“ „Huch, sehen Sie leicht was?“ „Na, nur wegen dem Sonnenstreifen auf der Haut.“

Auf dem Gipfel reicht er mir den Gucker, um den todbringenden Schnabel des Kolkrabens zu ästamieren. Die Falken fliegen tolle Manöver vor der Kulisse des Schermbergs.

Vom Zwilling ins Auto in den Garten. Ich werde diese Tropennächte sehr vermissen, wider jede Vernunft.

10.8.

Es ist draußen der schönste Tag, ich bleibe derweil drinnen und täusche vor, krank zu sein.

Die Welt von Gestern“: Zweig hält sich wortreich zugute, so knapp und reduziert zu erzählen. Sehr scheiße gealtert die Passagen über die wilden 1920er, wo die „natürlichen“ Geschlechtergrenzen aus Trotz gegen die im 1. Weltkrieg geraubten Jahre missachtet wurden. Da schaut man gleich genauer, wer so etwas schreibt, und siehe da, Zweig soll laut Gerüchten Exhibitionist gewesen sein. Immerhin zeigt man dabei ja die natürliche Herrenausstattung her.

Ansonsten alles natürlich sehr tragisch.

11.8.

Wir helfen W. beim langersehnten Umzug. Kraft meines Amtes soll ich Bücherkisten packen, lauter Ratgeber für ein starkes Ich – trotzdem mache ich die Kisten nur halb voll, damit sie nicht zu schwer werden. Es tröstet mich ein wenig, dass andere auch so viel Zeug besitzen. Zum Beispiel drei Sets Tarotkarten. Der Stapel für die Tombola wächst schnell, bis man mir lachend unterstellt, nur deswegen zu helfen. 

Später treffe ich H. an der Donau und erzähle von all dem Zeug, sie ächzt – ihre Eltern sind Messies. Die Mutter besitzt mehr als 500 Kochbücher.

12.8. 

Verwunderlich, dass es „Rümpeln“ nur negativ gibt, das Entrümpeln ist klar, aber es kann ja nicht aus dem Nichts schöpfen; ist der Prozess des Berümpelns zu langsam, um ihn zu benennen?

13. - 14.8. Eine Nacht im Toten Gebirge

Nach der Tunnelkette Klaus fällt mir ein, dass ich mich nicht erinnern kann, Bergschuhe in den Händen gehabt zu haben. Zu Recht. Der Auftakt einer Kette an Fehlleistungen – was aber in Kontrast zum Abenteuer und der Schönheit steht.

Oben im Kar steige ich auf den Höhenrücken zwischen Kraxen- und Mitterberg. Einen schöneren Zeltplatz habe ich wohl noch nie gefunden! Gegen den Wind baue ich emsig eine Mauer, die ganz offensichtlich nichts bringt, außer Beschäftigung und Wärme von innen. Es ist nicht kalt, aber die Hitze unten im Tal ist schnell vergessen. Ein absurd schöner Sonnenuntergang mit Blick in Richtung Grundlsee; im Cocktail-Farbverlauf mit der Sonne als kandierte Kirsche. Zum Glück verschicke ich noch ein paar Bilder davon, denn das Handy besitze ich ab jetzt nicht mehr lange.

In der Perseidennacht bringe ich alle Wünsche an und fürchte mich fast gar nicht.

***

Der Morgen erneuert das Farben-Spektakel im Osten. Das Summen der Schwebfliegen ist mir der liebste Wecker. In den ersten Sonnenstrahlen hinüber zum Hebenkas, in dessen Gipfelbuch sich seit meinem letzten Mal hier nicht viel getan hat. Ich gehe noch bis zum Brandleck weiter, und noch auf den Hochplanberg. Von der Zeit her grade so ok, es wird sich mit dem Wasser wohl ausgehen, aber Fini ist in der Zwischenzeit schon recht brav.

Just als ich im Wassertal vor der Schlüsselstelle beschließe, jetzt nicht mehr so oft aufs Handy zu schauen, stopfe ich es so schlampig in seine Halterung, dass es nicht lange drin bleibt. Ab jetzt liegt es wohl in alle Ewigkeit da und verseucht die Wildnis ein wenig. Am meisten schmerzt mich der Verlust der schönen Bilder dieser 36 Stunden – und dass sich der Buttinger wohl bald Sorgen machen wird.

Auf der Nickeralm finde ich einen Gamsschädel, den ich mir zum Trost behalte. Fini will ab hier getragen werden, was nur kurz klappt, weil ich mich im Windbruch verfranse. Eine sehr stressige halbe Stunde.

Unten auf dem Forstweg treffe ich recht bald freundliche Dolomitensteigwanderer, die mir ihr Handy leihen. Blöderweise kann ich nur Coalas Nummer auswendig. Und die hebt nicht ab, weil ihre eine unbekannte Nummer aus Deutschland im Urlaub spanisch vorkommt (was ihr nachher sehr peinlich ist).

Zuhause esse ich vier Tage alte Pizza, was nicht einmal bei mir ein Food-Trend wird.

15.8.

Ohne Handy stürzt man ein Stück weit in die Jungsteinzeit zurück. Ich putze am Feiertag das Haus, um mein Leben zumindest hier wieder in den Griff zu kriegen. Dabei schrotte ich den Staubsauger, weil ich vergessen habe, einen Sack hineinzuhängen. Allmählich verliere ich das Vertrauen in mich selbst. Beim Autofahren wie auf rohen Eiern.

Ohne Smartphone hätte ich viel mehr Zeit, wenn ich nicht dauernd allen Bescheid geben müsste (per Computer und Buttingers Handy), dass ich nicht erreichbar bin.

16.8.

Nach Linz in den Handyshop. Die gepflegten Leute sind wohl alle noch im Urlaub. Die Menschen, die mit mir durch die Stadt wanken, sind alle nicht so richtig gewaschen und gehen etwas unsicher daher. Es kann aber auch sehr gut sein, dass ich mich erst wieder an „Urbanität“ gewöhnen muss.

***

Zuhause versuche ich, den PIN in mein altes Smartphone einzugeben. Jetzt ist auch das hin, weil ich es mangels funktionierender Home-Taste nicht wieder in Gang kriege. Das Iphone des Vaters lässt sich ohne Kennwort nicht mehr aktivieren. Das Nokia-Dumbphone ist endgültig entladen, für das ganz alte finde ich kein Ladekabel mehr. Dann verscheiße ich unfassbar viel Zeit damit, das alte TomTom zu aktualisieren und Suunto auf den PC hochzuladen.

Irgendwann wage ich es, ins Ungewisse loszufahren – die Freundinnen schlagen das Hochkar als Treffpunkt vor. Mein Vertrauen in das alte Navi wird belohnt, es lotst mich auf dem besten Weg durch das Herz der Finsternis (= das scharze NÖ). 

Wir schnattern so angeregt und lange, dass es knackt in den Kiefergelenken. 

17.8.

Es schifft sich so richtig ein hier im braunen Skigebiet. Hinunter muss ich vorausfahren, weil ich als Kind des Zentralraums mit blickdichtem Nebel umgehen kann.

Am Lunzer See ist es zumindest trocken, und irgendwann auch wieder warm.

B. wünscht sich von mir, unser „Dirty Dancing“ für November auch wirklich zu üben, sie wolle sich nicht blamieren. Ich verzichte darauf, ihr zu erklären, dass es im Wesen der Sache liegt, sich zu blamieren. 

18.8.

In der Donau gebadet, auf der Yogaplattform übernachtet, beim Romanschreiben sämtliche Prokrastinationsregister gezogen, die ich in jahrzehntelanger Praxis entwickelt habe (etwa die Garage kehren).

Die Nacht unter dem Nussbaum war wieder so schön, dass es mir leidgetan hat, keine Handykamera zu besitzen – bis mir einfiel, dass ich ja etliche andere Kameras im Haus habe.

19.8.

Im Zug nach Wien. Ein in die Jahre gekommenes Boomer-Ehepaar mansplaint einander das, was sie beim Blick aus dem Fenster sehen, immer im Mitteilungston beträchtlicher Relevanz, wie etwa, „da sind jetzt die neuen Wohnanlagen!“ Der jeweils andere nickt. Im selben Ton hinterlassen sie den Kindern Sprachis: „Wir fahren über Wien Westbahnhof an die Nordsee und essen Scampi!“

***

P. sagt, er lese grundsätzlich nicht, was in seinem Verlag erscheint, „ich bin Kaufmann!“ Mich lobt er für meine einfühlsame Schilderung der Nordsee, „man kann den Schlick richtig riechen!“ Thomas Sautner habe er mit dem Titel „Peter Rosegger des Waldviertels“ ziemlich gekränkt. Ich sage, er dürfe mich „Paula Grogger des Zentralraums“ nennen. Wenn ich Mitte Februar abgebe, „schaffst du es ins Herbstprogramm. 2028!“ Haha. Den Titel suche ich dann wieder auf den letzten Drücker aus der Kreisky-Songliste. [Februar 2026: Und genauso kommt es auch.]

***

Auf dem Heldenplatz gibt es (wie zur historischen Entlastung) eine große Hundefreilaufzone. Fini ist geflasht und für ihre Verhältnisse höflich, vor einem frechen, schwarzen Hund kuscht sie gleich. Das fesche Tier kommt mir bekannt vor, dann schnalle ich erst, dass es Tereza Hossa gehört. Wir schnattern zwei Stunden lang über Kuhkastration und toxische Männlichkeit. Wie zum Beweis kommt ein arg danebener Typ daher, der mit seinem Husky enorm auf Stress aus ist. Hossa faked einen Polizeianruf. Dann erzählt sie mir, dass sie irgendwo sehr gspritzte Künstlertypen neben sich sitzen hatte, „aber dann haben sie über dich gredet, dann konnte ich sie nimmer hassen. Der eine sagte, die hat die Figur der Kaiserin aufgebaut.“ Ich bin mir sicher, dass sie über jemanden anderen geredet haben, freue mich aber freilich trotzdem.

20.8.

Prokrastination, als würde man mich dafür bezahlen. Erdäpfel geerntet, in der Hoffnung, dass die Geister der Eltern gerade über mir schweben.

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In der Nacht träumt mir, ich müsse die Kubatur von Rindenmulch ausrechnen. Zuerst bin ich ganz zuversichtlich und sage zu mir selbst, so bald im Schuljahr habe ich noch nie begonnen, für Maths zu lernen. Das Unterbewusstsein ist nicht sehr subtil.

21.8.

Die Woche ohne viel Social Media endet, UPS bringt wieder Teilhabe und Unruhe ins Haus. Ich kann aber nicht noch mehr prokrastinieren, es macht keinen Unterschied.

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Fledermäuse bilden zum Einschlafen einen „Kuschelball“ (orf.at), das Forschungsteam sei überrascht gewesen, wie sanft und kooperativ die kleinen Raubtiere miteinander umgehen.

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Seit wann lese ich eigentlich an „Middlesex“ herum? Warum zieht mich das nicht so mit wie all die andere well made amerikanische Weltliteratur? Vielleicht wegen des Sommerschluss-Erlebnishamster-Drangs. Außerdem kommt die ZEIT wieder, und zwar mit drei Sondernummern pro Woche.

Dann bouldern. Wenn ich jetzt nicht einsteige, kann ich es gleich lassen und in vertikale Pension gehen. Nie wieder fände ich zu der Stärke, meine Schwäche zu ertragen. 

22.8.

Körperlicher Zerfall, um 22 Uhr ins Bett wollen, ausgewogene Ernährung. Nur die Handysucht verbindet mich noch mit U45-Menschen.

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Ich bin nur freundlich zu allen, damit sie mich nicht behelligen.

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Ob Besitzer*innen von Rassehunden ihre Hunde immer überall zuverlässlich wiedererkennen, in einem Rudel gleichaltriger Labradore etwa?

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Marco Wanda entwickelt sich zum André Heller seiner Generation, und damit auch zur Zielscheibe meiner billigen Abneigung. Sein Buch behandelt er im Falter-Interview, als habe es ihm ein fader Ghostwriter oder eine willfährige KI geschrieben und er noch keine Zeit gefunden, es selbst zu lesen.

Ich stelle mir vor, wie Philipp Hochmaier, Wanda, Tobias Moretti und Andre Heller gleichzeitig eine Veranstaltung betreten. Entweder fangen sie sofort einen extrovertierten Raufhandel an oder es hat der Raum ein Einsehen und explodiert von allein wegen all des Charismas.

23.8.

Mir träumt, dass Brad Pitt mitkommt zum Skifahren – George Clooney war schon einmal mit und hat mich empfohlen. Einerseits freue ich mich darauf, ihm zu zeigen, wie man ganz old school schöne Bogerl macht, andererseits wird mir bewusst, dass ich dann selbst gar nicht zum Skifahren komme vor lauter Stemmbogengeduld. Ich bleibe auf alle Fälle cool und verkneife mir ein gemeinsames Selfie, gleichzeitig male ich mir aus, was das auf FB für einen Bahö machen würde.

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Wieder große Zufriedenheit nach Erdarbeiten (Steinplatten im Garten vergraben). Ich habe eben keinen akademischen Körper. 

 

24.8.

Fast übersehen, dass heute ja Sonntag ist und ich Bier trinken kann. Es gibt außerdem etwas zu feiern, ich habe endlich „Middlesex“ geschafft. Darum liest sich jetzt alles Deutsch Geschriebene und groß Gedruckte zack² weg. Die Anglophonen haben offensichtlich einen zu großen Wortschatz zur Auswahl

25.8.

Einen Lesebühnentext angefangen, in dem ich „Standing Ovulations“ bekomme. Mehr als den Kalauer habe ich aber noch nicht. Naja.

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Ein Tag, an dessen Ende Buttingers zu trockenes Hendl vom Chinesen schon die grüßte Unbill ist.

26.8.

Über den zu Recht nicht mehr begangenen „Steig“ entlang des Riegler Ramitsch ins Glöcklkar, über den Nordgrat aufs Warscheneck und einen nicht mehr begangenen „Steig“ vom Toten Mann zurück zur Dümler Hütte („Hättst mi gfrogt, i hätt' das gsogt“, sagt Harry Höll zu meiner doofen Unternehmung, auch Linsi hatte erst kurz zuvor wegen der App dieselbe Schnapsidee).

Das alte Paar auf dem Warscheneck trägt Rucksäcke und Windjacken aus der Zeit, als mich der Vater zum ersten Mal mit in die Berge genommen hat.

Wos is'n des fira Rass'?“

A Collie-Mischung.“

Sie beugt sich zu Fini und streichelt sie. „A Collie soisd du sei? Naa.“ Dann erzählt sie von ihrem eigenen Collie, den sie leider nicht abgerichtet habe, weswegen er sich selbst eine Arbeit suchte. Jeden Tag habe er streng die Kühe in den Stall getrieben – allerdings schon um 16 Uhr, das war ihm nicht mehr auszutreiben. Sperrte sie ihn ein, weinte er. Sperrte sie die Kühe ein, brüllten sie.

Am Gleinkersee esse ich bei der kleinen 60er-Feier alle Speisereste auf. I. (50 Kilo) ist melancholisch. „Wenn ich mit Leuten rede, habe ich den Eindruck, dass sie mir nicht mehr in die Augen sehen, sondern mein Winkfleisch anglotzen!“ Wir sprechen lange über unsere Gelenkschmerzen (was ich eh etwas voreilig finde, immerhin habe ich hart erkämpfte 2000 Höhenmeter in den Beinen). In unseren Schultern bilden sich große Tropfsteinhöhlen voller Kalkstalagmiten und -titen. Eine Freundin hat sich in New Orleans beim Fotografieren durch einen kleinen Sturz vom Randstein beide Beine gebrochen. H. habe sich die Schulter gebrochen, in einer Mulde auf einem präparierten Skiweg.

Ich erzähle so ungeschickt vom seltsamen Gefühl, beim Rasenmähen manchmal mit den Füßen des Vaters zu gehen, dass I. sagt, das sei ja wie bei „Orlocs Hände“, wo ein Mann die übergriffigen Arme eines Mörders transplantiert bekommt.

27.8.

Die meisten Menschen überschätzen den Unterhaltungswert ihrer Schnurren, viele aber wissen nicht, dass sie gerade ganz nebenbei etwas extrem Lustiges erzählen. So wie I. gestern, oder heute im Altstoffsammelzentrum ein alter Bergfreund: Der Malamut seines Schwiegersohnes sei x-mal auf dem Traunstein gewesen, aber nie wusste man, auf welchem Weg. Beim Miesweg sei er immer abgehauen und habe irgendwo oben auf dem Moaralmsteig gewartet.

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Chinesisches Geschirr der Mink-Dynastie aus dem Bauschutt-Container gefladert.

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A., die mittlerweile weiß, was sie mir Schönes berichtet, schickt Fotos aus London, wo sie einen Wettbewerb besucht hat, bei dem Mensch und Hund miteinander bewertet werden, in den Kategorien Ähnlichkeit (sie bebildert das schelmisch mit einem Bild von Chrisi und einem Mops), Wedel-Leistung und Gutsi-Weitwurf. Damit soll sich eine gesunde Gesellschaft beschäftigen, nicht mit Aufrüstung!

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Herr und Hund“: So kann ich mit Thomas Mann umgehen. Am besten ist es, wenn man ihn sich mit der Stimme Loriots selbst im Kopf vorliest. Der Hühnerhund „Bauschan“ wird von den Enten am „Narrenseil seiner Passion“ gezogen. Die Phrase gefällt dem Buttinger außerordentlich, schon ist sie fester Bestandteil des Narrenseils unserer Liaison.

Auch er scheint für seinen eine eigene Nonsense-Sprache entwickelt zu haben, siehe Seite 8. Es ist das im Übrigen kein regelbasiertes Kommunikationssystem, sondern eine pfingstkirchliche Eingebungs-Glossolalie, ein hundsspezifisches Liebestourette. Eine Kette von singulären Sprechakten mit rein emotionaler Intention. Dazu bei Gelegenheit endlich die Dissertation schreiben (muss nur einen Uni-Menschen finden, der auch blöd ist bzw. einen Hund besitzt).

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Mein privater Spätsommer-Lockdown endet bald, die nächste Woche wird durch TERMINE versaut. Es ist schlimm, aber ich geniere mich nicht für meine Gefühle.


29.8.

Fini erhebt sich um 8:15 Uhr von ihrem Schlafnest, um sich auf die Couch zu legen, ohne jede Scham.

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Sehr gerne hätte ich einen kreativen Mitmenschen, der mir wöchentlich wechselnde Kappen mit Trump-Kappen-Spruch-Parodien macht. Jede Woche werden sie höher, um mehr Schmähungen unterzukriegen. Statt dem Original „Traum was right about everything all the time“ stünde auf meiner „Grau ist der Hecht / die Frau hat recht. / Der Hecht ist grau / recht hat die Frau.“ Oder: „Ich habe nicht immer Recht. Aber immer öfter.“ „I'd rather be happy than right.“ „Ich bin mir nicht sicher, aber mich das nicht menschlich und sympathisch?“

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Beim Romanschreiben denke ich ans Rasenmähen. Beim Rasenmähen denke ich ans Romanschreiben.

Unabsichtlich beim ersten Mähen eine Vulvenform in den neuen Rollrasens geschoren.

31.8.

Nach viel zu langer Zeit sehe ich meine Tante A. wieder. Ein wenig ist sie in ihrer Demenz zu einer alten Königin in ihrem Exil geworden. Wir helfen ihr aus dem Auto, sie sieht mich wohlwollend an, „an feschn jungen Mann hamma do.“ Buttinger: „Halt dich ans jung!“ Später sieht sie mich an und sagt, „ma wiad gaunz vergessen, es is a Sind'“. Es hat aber auch ihr gefallen, zuhause habe sie auf die Frage ihrer Tochter, ob es schön gewesen sei, geantwortet: „Des woa a gaunz a internationales Treffn heit!“ Es ist eine große Erleichterung im großen Übel, dass sie so pfiffig und wohlwollend bleibt, während der Verstand geht.

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Je weniger wir essen können, desto mehr kaufen wir ein.

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Coala: „Fesches Hemd, Buttinger, Feuerwerk oder Löwenzahn?“ Buttinger: „Des san explodierende Schwoaze Lecha!“ Er habe etwas anziehen wollen, das maximalen Schaden anrichte. Sehr wirksam in Kombination mit den schwarzen Sockerl in Loafern, in Kombination mit einem Bermudabadehoserl.