Dienstag, August 18, 2026

Das Tschirilumbische - ein linguistischer Streitfall

Die tschirilumbische Sprache [tʃiːriːˈlʊmbɪʃ] ist eine linguistische Singularität. Strukturell handelt es sich dabei um ein Pidgin, das im oberösterreichischen Zentralraum verwendet wird. Es dient aber – anders als eine Verkehrssprache zwischen verschiedensprachigen Personen – der interspeziellen Verständigung, konkret zwischen Canis lupus familiaris und Homo Sapiens. Die Gattungsbezeichnung im Singular ist insofern triftig, als es sich bei der Anzahl der Tschirilumbisch Sprechenden um lediglich je eine Vertreterin der Spezies handelt. Die Definition dieses Kommunikationssystems als Sprache ist demzufolge wissenschaftlich höchst umstritten. Das Tschirilumbische widerspricht beinahe jedem Kriterium eines Kommunikationsverhaltens als Sprache: Es weist lediglich eine Senderin und lediglich eine Empfängerin auf, es wird also nur von einer Person gesprochen und von einer Hündin verstanden. 

 

 Senderin und Empfängerin am Hepigotschudeh 29.10.2021, s.u.

Befürworter*innen der Definition als Sprache halten den Kritiker*innen folgende Eigenschaften desTschirilumbischen entgegen: Es beruht in Lexik, Syntax und Grammatik auf natürlichen Sprachen. So bedient sich die humanide Sprecherin eines Zweigs des Indoeuropäischen, erweitert um Elemente aus dem westafrikanischen Bambarra sowie des westnepalesischen Humla-Dialekts. In den eher selteneren Fällen, in denen die canide Tschirilumbin spricht, handelt es sich im Hauptstrang um ein rudimentäres Malaiisch. So etwa die Lautäußerung „Mooolau moooolaulau“ in Situationen höherer Ärgernisse (vgl. das Lehnwort „Amok“). Umgekehrt verwendet die menschliche Sprecherin das Malaiische „Cepat!“ für das ostmittelbairische „Dua weida“.

Grammatikalisch ist das Tschirilumbisch so wie andere Pidgins unterkomplex. Die Aufforderung, Nahrungsmittel („Knuspi“) zu sich zu nehmen, wird im Imperativ einfach agglutinierend zu „knuspit!“ Analog dazu wird aus dem Wort für die Schlafstatt „Nest“ die Aufforderung, den Tag zu beschließen: „Nestit!“ Kritiker*innen bringen vor, dass es sich nicht um eine Sprache per se handeln könne, wenn sie lediglich im Modus des Imperativs vorgebracht wird. Linguistische Analysen belegen jedoch, dass die Befehlsform nur ein Aspekt ist, das Tschirilumbische wird im weitaus größeren Maße für emotional geprägte Zwiesprache verwendet, am häufigsten vor und nach der Nachtruhe. Der wichtigste Modus ist also ein Kasus: der Vokativ.

Singulär ist zudem, dass das Tschirilumbische als einzige Sprache der Welt ein konkretes Entstehungsdatum aufweist: im Original der "Hepigotschudeh" am 29. Oktober 2021, ein Lehnwort aus dem Englischen („Happy got you day“) - der Tag, an dem Sprecherin und Empfängerin erstmals in Kommunikation miteinander traten.

Bemerkenswert ist die Mutationsgeschwindigkeit. Für gewöhnlich dauert es bis zu 500 Jahre, bis sich aus einem gemeinsamen Sprachstamm verschiedene Sprachzweige herausbilden, vgl. etwa die zweite Lautverschiebung vom Altgermanischen zum Hochdeutschen. Das Tschirilumbische hingegen wandelt sich praktisch mit jeder neuen Anwendung (ebenfalls ein höchst strittiger Definitionspunkt). Exemplarisch der Lautwandel des Namens der Empfängerin. Dokumentarisch gesichert ist der Ausgangsname „Josefine“, aus dem naheliegend sogleich „Fini“ wird. Ab hier der Urknall: Fimbi –> Flimbi –> Flimbiwimbi –> Flippi –> Flipsi –> Finxi –> Firenza –> Finulde –> Finno-Ugristika –> Mambolamba –> Milbe  –> Milse usw. Parallel dazu die jeweilig weiter protuberienden Nominalstämme: Puppi, Weibi, Viech, Hund, Wesen, Mausi, Katzi, Hasi, Gfrast, Lumpi, Tschapsi, Stinkerin usw. Es finden sich Vorformen des Genderns, etwa „der Weiwibär“ oder „die Hundse“. 

Zur Debatte

Gerade dieses freie Flottieren der Signifikanten hat die Vertreter*innen der Dekonstruktion auf den Plan gerufen, was die Verteidigung des Tschirilumbischen als hochkomplexes Kommunikationssystem betrifft: Wie keine andere Sprache ist es vom glissement getragen, von der unaufhaltsamen Verschiebung und Instabilität von Bedeutung unter den sprachlichen Zeichen. Im Sinne einer Radikalisierung der Husserlschen Sinnkritik könne die Referenz eines Zeichens letztlich nie gesichert werden. Das Tschirilumbische, schreibt Jacques Derrida in der „Grammatologie“, habe am klarsten die Fiktion des „Logozentrismus“ erkannt, indem es jeden Bezug zu intendierten Bedeutungen in durch das sprechende Subjekt kontrollierte Äußerungen als Vermittlungen eines gleichzeitig intuierten Sinnes schroff ablehne.

Die analytische Linguistik indes führt das hochgradig unsystematische Quillen der Lautäußerungen („dog fog“) als Argument dagegen an, dass es sich beim Tschirilumbischen um eine Sprache handle, sondern um die idiosynkratische Symptomatik einer manifesten Skurrilität der menschlichen Sprecherin. Prof. Linda Wallner vom Institut für Reaktanz an der Uni Bielefeld schreibt etwa in „SocialText“: „Die Meindl ist schon auch ein bissl sehr deppert.“ In seiner Replik schreibt der Sprechaktforscher Prof. Klaus Buttinger vom Institute for Advanced Humanities an der FH Wels: „Das stimmt, aber Hauptsache, der Hund folgt brav.“ Prof. Cordula Meindl vom Institut für Prokrastinationsforschung an der University of Ottacringe zieht in ihrer rezenten Studie generell die Existenz des Tschirilumbischen in Frage: "Eine rein fiktionale Übersprungshandlung einer notorischen Schwindlerin angesichts der komplexen Gemengelage der Gegenwart. Der arme Hund!" 

Quellen und Material: Siehe Link 


Dienstag, Mai 26, 2026

Der nehmende Blick. Johanna im Glück.

Geschrieben für die Lesebühne "Lower Your Standards" am 22. Mai 

 

Johanna hatte siebzig Jahre allerlei Herren gedient, da sprach sie, „Herr Vorgesetzter, ich möchte jetzt in Pension gehen, gebt mir meinen Lohn.“ Der Herr sagte, „du hast deine Leistung erbracht, mit Kindererziehungszeiten zwar und ziemlichen Lücken im Lebenslauf, leider können wir dir seit Wolfgang Schüssels neoliberalem Durchrechnungszeitraum-Raubs an den werktätigen Frauen nicht mehr deine besten 15 Jahre hernehmen, doch da hast du deine Mindestpension. Du kannst sie aber auch ganz wertsicher in Philharmonikern ausbezahlt bekommen, das ist krisensicher! „Dank dir, Herr, für deine Umsicht!“ Sprach's und nahm das Schächtelchen mit den lustig klimpernden Goldmünzen entgegen.

Wie sie so dahinging und immer ein Bein vor das andere setzte, kam ihr ein Unternehmensberater auf einem norditalienischen Vintage-Rennrad entgegen. „Ach,“ sprach Johanna, „was ist das Radfahren ein schönes Ding! Da sitzt einer wie auf einem Stuhl, spart die Schuh, und kommt fort, er weiß nicht wie.“ Der drahtige Mann hielt an und rief „ei, Weiblein, warum läufst du auch zu Fuß?“ „Ich muss ja wohl,' antwortete sie, „da habe ich meine Pension heimzutragen, es ist zwar Gold, aber ich hab' Angst, dass es mir gefladert wird.“ „Weißt du was,“ sagte der Triathlet, „wir wollen tauschen: Ich gebe dir mein Rad, und du gibst mir deine Münzen.“ „Von Herzen gern,“ sprach Johanna, „aber ich sage Euch, Ihr müsst darum jetzt bangen.“

Johanna stieg auf und fuhr davon, zuerst noch wackelig, bald aber jauchzend. Sie wurde mit jedem Meter übermütiger, das Rad setzte sich in starken Trab, in der Schrems sah sie sich abgeworfen vor einem Innenstadtgeschäft. Gleich lief auch der Krämer heraus auf die Straße und half ihr auf. Sie suchte ihre Glieder zusammen, war aber verdrießlich und sprach zu dem Händler, „das Rennradfahren ist ein schlechter Spaß, man kann sich den Hals brechen! Da lob' ich mir eure Siebdruckespressomaschinen, da kann man den ganzen Tag dolce vita feiern!“ „Nun,“ sprach er mit Blick auf den Edelstahlrahmen, „wenn das euer Begehr ist, so will ich Euch wohl das Rad für eine meiner Maschinen tauschen!“ Johanna willigte mit tausend Freuden ein: der Welser schwang sich aufs Rad und ritt eilig davon.

Johanna hob den schweren Karton auf und bedachte den glücklichen Handel. „Den ganzen Tag den Moment feiern mit edler Crema! Geld sparen, weil ich nie mehr ins Kaffeehaus samt zwiderner Ober gehen muss!“ Indes war es Mittag geworden, es war ein schöner Maitag, und die Sonne strahlte mit 42 Grad auf Johanna und ihren Halbautomaten hernieder, sodass ihre Zunge am Gaumen klebte. „Trink ich eben Kaffee“, sagte sie und öffnete die Schachtel. Obenauf lag die Bedienungsanleitung, „bitte nur mit röstfrischen Wildsammlungsbohnen aus Papua-Westguineeischen Regenwaldschutzzonen verwenden, die vorher von einer Schleichkatze gefressen und wieder ausgekackt, dann von fairtrade Eingeborenen aufgelesen wurden!“ Johanna sprach, „Pardauz, so ein Schas, wo krieg ich denn die jetzt her?“

Glücklicherweise kam gerade ein Ernährungsberater einher und reichte der dürstenden Johanna seine Wasserflasche. „Ei, ei, das ist eine schöne Maschine, aber äußerst teuer in der Erhaltung, Ihr müsst Granderwasser dafür verwenden, und die Stahlrohre mit Pudelurin entkalken!“ „Na geh“, sagte sie, „wer hätte das gedacht!“ Der Antlitzanalytiker sah Johanna in die Augen und wiegte besorgt den Kopf. „Gute Frau, Ihre Organe sind in Missklang, lasst euch bitte helfen!“ Er zog ein Säcklein aus seinem linnernen Knappsack, „da nehmt! Es sind die Schüsslersalze 13 bis 46, euer Leib lechzt danach! Ich nehme euch dafür dieses Ungetüm ab, es fräße euch sonst die Haare vom Kopf.“ „Ich muss in einer Glückshaut geboren sein!“ frohlockte Johanna, und schritt gestärkt fürbaß. Auf dem langen Weg nach Hause kam sie schließlich auf den Rathausplatz, wo das Volk in ein großes, kühles Zelt strömte. Ein strenger Wächter hielt sie auf. „Das ist der VIP-Bereich, du kommst hier ohne Karte nicht rein. Aber du hast Glück, alte Frau, ein Platz ist noch frei. Der Meister ist schon auf dem Weg zur Bühne, entscheide dich schnell.“ „Der Meister?“ „Ja, bist du vom Gerüste gestürzt, Weiblein? Das ist die Eröffnung der Wiener Festwochen, und gleich schenkt Braco den Auserwählten seinen gebenden Blick!“ Johanna senkte den Kopf, sie hatte ja kein Geld mehr. „Was ist das in deiner Hand, sind das Schüssler Salze? Die kannst du auf die Nacktschnecken streuen. Aber du hast bestimmt noch beide Nieren! Nachdem Braco seinen Blick auf dir hat ruhen lassen, ist dein Körper stark genug, um's mit einer zu schaffen, das und noch viel mehr!“ Johanna ergriff den Stift, den er ihr während seiner Rede hingehalten hatte, und unterschrieb schwungvoll.

So stand sie da vor dem schweigenden Wunderheiler. All ihre Bedenken versanken in ihr wie in einem tiefen Brunnen. Sie fiel auf die Knie und dankte dem still starrenden Heiler, dass er ihr auch diese Gnade noch erwiesen und sie auf eine so gute Art, und ohne dass sie sich einen Vorwurf zu machen brauchte, von den schweren Sorgen befreit hatte. „So glücklich wie ich,“ rief sie aus, „gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang sie nun fort, bis sie daheim in ihrer 25m²-Garçonniere mit Klo am Gang war.

Dienstag, April 28, 2026

Geisterscheiße

Für die "Geistergeschichten"-Lesebühne war ich sechs Wochen lang zu eifrig und zu faul gleichzeitig, um mich auf drei Ideen zu konzentrieren und daraus etwas Ordentliches zu machen. Hier also der Inhalt der Geisterfallen, die ich im Hirn ausgelegt habe (ein Pandämonium der Prokrastination): 

 Phänomenologie der Entgeisterung (jetzt nicht an Hegel denken!)


Treffen sich ein Geist und ein Lama in einer Bar und jammern darüber, dass die Leute immer dümmer werden und nimmer rechtschreiben können, weswegen all die sekundären Analphabeten die Berufe des Gespenstes und des Kamelartigen durcheinanderbringen: Das Lama spukt durch die Pampa und der Todesgeist spuckt im Schloss. „Wobei es mich ja auch extrem nervt,“ klagt die übersinnliche Erscheinung, „dass die Menschen sich gar keine Mühe machen, mich von der Gesamttätigkeit mentaler Vorgänge zu unterscheiden, aber ein Gespenst ist kein Geist!“ „I'm feeling you!“ sagt das Tier, „deppert san de Leit, die glauben, dass ein Lama ein Alpaka ist! Und dann erst der Dalai Lama!“ „Boah ja,“ ächzt die Gruselfigur, „dieser oberste Geistesführer, was der für einen Stiefel zusammenspricht!“ (Anm. der Autorin: Ist ein Stiefel ein Schaß? Beides kann stinken! Ist ein Schaß ein Geist, beides hat den Körper verlassen?) 
Geist und Lama regen sich sehr auf und trinken so viel, dass sich ihre Geist-Materie-Dualität in eine offene Dialektik verwandelt. Sie werden so ein inniges Liebespaar, dass sie einander ganz durchdringen und zusammen in ein schottisches Schloss ziehen, wo sie die Dreharbeiten von „James Bond – Skyfall“ in arge Turbulenzen bringen, weil Daniel Craig permanent aus dem Nichts bespuckt wird und das Set täglich zweimal von Geisterscheiße in Rossapfelstärke gereinigt werden muss. 

Spiritpreisbremse
In einem Kammerl im Institut für Geographie und Wirtschaftskunde beugen sich zauselige Wissenschaftler (sind nur Männer, die Kolleginnen fanden die Séance doof) über ein Ouija-Bord, um dem Wirtschaftsminister eine große Frage zu beantworten. Der Zeremonienmeister erhebt seine Stimme: „Großer Weltengeist, wann wird die Straße von Hormus wieder befahrbar?“ „Frog nan aa nu wengam Benzinpreis“, befiehlt Hatmannstorfer. Die Geister lassen sich nicht lange bitten, ein ganzes Pandämonium manifestiert sich! Zuerst Erwin Schrödinger, der hilflos versucht, sein Katzenkisten-Gedankenspiel zu erklären. Polternd fährt der Dschinn des iranischen Revolutionsführers drein, der eine Fatwah gegen Otto Waalkes in den Raum brüllt, für seinen 1980er-Spottreim „Ach was soll's, sagt Frau Khomeini, mein Ayatollah steht ja eh nie!“ „Nanana, Niveau meine Herren“, spricht der Geist Hugo Portischs, der den Anwesenden erklärt, dass die Geschichte der Zweiten Republik eine komplexe geopolitische Gemengelage darstelle und man jetzt bitte aber  SOFORT raus aus den fossilen Brennstoffen solle. Da wird die Tür aufgerissen, die Geister fliehen, die Institutsleiterin schimpft „Ja sakra, ihr sollt forschen, nicht beschwören! Alle raus hier, auch der Hatmannsdorfer Wolfi! Wenn ich euch noch einmal bei okkulten Praktiken erwische!!!“ 
„Wie woa des jetzan“, sagt der Minister später nach dem vierten Bier in der Institutskantine, „mit dera hoibhinign Kotz, i hob's scho wieda ned checkt.“ 


Beim Konzil von Triest 2027 legt die Glaubenskongregation unter Leitung ihres Geistigen Oberhauptes Papst Leo fest, dass der Heilige Geist auch in Form eines Brathuhnes verehrt werden darf. Der Film „Das Fest des Huhnes“ wird vom vatikanischen Index gestrichen und darf ab 2028 auch an katholischen Privatgymnasien in der letzten Woche vor den Ferien gezeigt werden. 

Als der arme Bruce Willis stirbt, freut sich die Gemeinschaft der Geister zuerst sehr, ein echter Star! Und er hat seine schweren Jahre hinter sich, in denen er dement war (der Geist schon vorgeprescht ins Jenseits). Dann aber holt ihn die Vergangenheit ein. Wenn er nachts allein ist, überkommt ihn ein Grauen, es fröstelt ihn... da huscht eine Gestalt durch den Raum! AAAh! Willis dreht sich um, da steht sie vor ihm!!! „Gib mir ein Autogramm, Schweinebacke!“ Schreck! Die Geister der anderen Toten glauben ihm nicht, es ist schlimm. Dauernd wird er von Menschen heimgesucht, bis er all seinen Mut zusammennimmt und mit ihnen zu reden beginnt. Pssst, sagt ihm eine der Erscheinungen, wir sind jetzt bereit, unser Geheimnis mit dir zu teilen: Du kannst lebende Menschen sehen! Und du bist selbst noch gar nicht tot! 

Ein Riesenskandal: Das insbesondere auf Datingplattformen massenhaft auftauchende Phänomen des Ghostings hat eine schreckliche Ursache! Glaubten hunderttausende Frauen noch, es handle sich dabei um eine äußerst unreife Verhaltensweise der männlichen TinderBumbleGrinder-Kontakte, sich nämlich kommunikativ in Luft aufzulösen, stellt sich das Verschwinden der Ghoster als sehr dunkle Seite des Matriarchats heraus: Über eine Spionagesoftware verschafft sich die Zentrale Intelligenzabteilung Zugang zu den Chats und gibt der Exekutive den Auftrag, sich toxisch verhaltende Individuen aus dem Bestand zu nehmen. Die jungen Männer wurden zwar weder in Luft noch in Säure aufgelöst, wurden aber zwangsweise in Charakterschulen geschickt. Bei allem Verständnis: So geht’s auch nicht, lieber Radikalfeminismus!

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus, und überall gründet es Geisterkommunen. Doch die Sache erweist sich bald als total lebensfremd, es wird unheimlich in der WG, denn es scheiden sich die Geister. Das kleine Gespenst wird wegen Verbots der Kinderarbeit beschäftigungslos. Die Inklusion der Geisterspezies ist extrem heikel, die Dschinns und die Dibbuks zoffen, der Golem hat gleich gar keinen Geist und haut die Einrichtung in Splitter. Und wer putzt die Geisterscheiße weg, ha? Das kommunistische Gespenst hat einfach nichts von der Psychologie begriffen. Bald ergreifen die Kobolde die Macht, und der Rädelsführer Pumuckl leitet die spiritistische Konterrevolution ein. 

Ansgar Krautwaschl, Vorstand der vatikanischen Exorzistenvereinigung der Diözese Linz-Land wird im Jahr des Herrn 2078 in einen der letzten katholischen Haushalte nach Dörnbach gerufen, die dort pubertierende Tochter sei seit einer Woche von einem Dämon besessen. Der Geisterbeschwörer beginnt sein Brimborium, die junge Frau rollt mit den Augen und badamm! ist der Geist der vor sieben Tagen bei einer Wanderung auf den Großen Priel verunglückten Schriftstellerin Demonika Mindle wieder aus ihrer jugendlichen Bleibe draußen. Der Pfarrer will sie in eine Schweineherde einfahren lassen, die sich in der Donau ersäuft, aber der Geist sagt, ich bin ja nicht deppert! Sie fährt in den Körper des Exorzisten, doch der taugt ihr nicht, igitt, wie unpraktisch und überempfindlich ist so ein Membrum maskulinum! Sie fährt in diverse Körper wie mit einem ganzen Körperfuhrpark, bis sie im Tierheim Linz eine schwarzweiße Bordercolliemischung entdeckt, in und mit der sie noch einige schöne Jahre lang im Toten Gebirge herumgeistert. 


Aus der Geisteswirtschaft:
Am Institut für Geistes- und Humanwissenschaften (NIG, 6. Stock) soll der olle Wettkampf zwischen Geist und Materie endgültig ausgetragen werden. Doch die Sache wird ein Schaß. Beim Schattenboxen macht der Körper eine lächerliche Figur, die Schachpartie wirkt wie ein langweiliger Telepathieversuch. Die Übung wird abgeblasen und weiter können verwöhnte und verpeilte Primarstöchter sinnlose Diplomarbeiten über die Dekonstruktion des cartesianischen Leibseeledualismus schreiben. 

Ein Traum: Sich selbst in Geist und Materie trennen können. In der ersten Tageshälfte darf ein Teil lesen und träumen, der andere muss wie ein Golem im Büro sitzen und den Chef grüßen. Nach dem Mittagessen wird getauscht (immer wieder Streit, wer mit dem Essendürfen dran ist). 

Die AMS-Einsatztruppe Ghost Busters vertreibt junge Menschen aus dem Institut für Human- und Geisteswissenschaften, um die Arbeitslosenrate unter Akademikern zu senken. 

Dienstag, März 31, 2026

Despotenkot und Frühlingslob. Marianengräben des Alltags: Alles so ambivalent hier

Lebenskrimskrams im März 2026

 

1.3.

Nie versiegende Freude über Terminlosigkeit. (Termine – Termiten im Holz des Lebensbaums).

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Das Stifterhaus zeigt auf Instagram einen Fund im Literaturarchiv: Handke hat Hans Eichhorn einen getrockneten Steinpilz geschickt, „in dem sich bei der Aufarbeitung des Nachlasses noch ein Wurm befand“, der im Archiv „Benutzer:innen, per Anmeldung, während der Öffnungszeiten zur Verfügung“ stehe.

2.3.

Der Tag rauscht vorbei wie ein Schwarm Spatzen. Immer mehr Amseln im Garten, das wird vielleicht ein gutes Vogeljahr.

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Im Hemd mit dem Hund raus, Frisbee in den Sonnenuntergang geschmissen, der heute sogar den Zentralraum hübsch aussehen lässt.

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Andrea lässt sich scheiden“: Der Mehrwert der Melancholie erschließt sich mir nicht, dabei wäre ich wild entschlossen gewesen, den Film gut zu finden. 

3.3.

Traum von einem Kulturausflug, an dessen Ende sehr viel aufzuräumen ist. Der LH kommt und hebt mich zum Abschied in die Höhe. Hilfe! Ich darf auf keinen Fall noch tiefer in dieses Kulturland-OÖ-Gewebe eingeflochten werden.

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Die Zahl der Sitzungen in meinem Leben nimmt ein unangenehmes Ausmaß an (eigentlich wird’s mir ab der ersten pro Monat unangenehm). „Was machen die armen Leute, die keine eigene Sitzung haben?“, sage ich zum Buttinger, mit dem ich am Morgen eine Stunde früher raus muss wegen einer Sitzung.

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maschek: Auf einmal taucht am Ende der Sendung Herbert Haupt auf und redet den tollsten Scheiß über Tiere, zu den Schafen sagt er etwa, „so jetzt werdet's beschlagen, ihr Afferl!“

4.3.

Traum von einer Gerichtsverhandlung als Ausflugsziel. Es wird in allen Reihen warm gejausnet, während die eher unseriös wirkende Richterin entgleisende Gardinenpredigten hält. 

5.3. Hahnbaum

Beim Gehen dauerndes Schwanken zwischen Unlust (schwere Beine) und Glück, weil es so schön ist schon im März. Ich muss mir Mühe geben, nicht bei jedem Schritt Schneerosen zu zertreten. Zu Mittag ruhen Fini und ich auf einem Bett aus Erika. Saharastaub am Nachmittag, milder Sonnenbrand. 

6.3.

Im Irrglauben, dass sich die fehlenden Lesebühnentexte bis zum Abend nicht mehr ausgehen werden, lege ich eine extra Trödelsession ein, um den Panikmodus zu aktivieren, auf dass ich dann binnen einer Stunde die Texte aus mir herauspresse. Ein Manifest des „Wird schon reichen, ist ja eigentlich nicht bezahlt.“ Es ist völlig egal, ob ich 300 oder 3 Tage Zeit habe (bei drei Stunden wird’s knapp, aber gegen Geld würde ich's versuchen).

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Es ist schon fast wieder zu heiß. Leichte Freitags- und Frühlingsmanie.

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Michi K. lädt mich zwecks Frauentagsansprache ins FRO-Studio, wo ich 20' lang Sachen sage wie: Eine Frau müsse auch nach einem anstrengenden Tag im Büro sich trotzdem die Zeit nehmen, um dem Mann zuzuhören, wenn er von seiner Hausarbeit und den Kindern berichtet. Anteil nehmen, nachfragen. Hat nicht eines unserer Kinder irgendwann Geburtstag, was, übermorgen? Ich rede daher wie eine regionale Billigkopie von Olaf Schubert.

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Die Herren haben sich vom „Omi“-Thema zu Beiträgen über das Altern und Pensionsversicherungsproblematiken inspirieren lassen, ich zum Omatriarchat. Tamara Stocker entzückt das Publikum wenig überraschend, auch wenn es (und wir) im Gegensatz zu ihr dem Wechsel näher sind als dem von ihr beklagten Danaergeschenk der Fruchtbarkeit.

Wir gehen heim mit Monets üblem Ohrwurm „Iss dein Brei!" Mehr zur "Omatriarchat"-Lesebühne ("Auf ins Goldene Omatriarchat") gleich nebenan bzw. hier die Nachlese im OLW-Blog

7.3.

Elaine (59): „I seriously have to go back to my childhood. I have no clue how all this works!“

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Soziales Versagen am gesamten Wochenende.

8.3.

In der Hoffnung, dass dem Feminismus auch mit solidarischer Faulheit gedient ist, trinke ich Bier im Wintergarten, während der Buttinger in der Küche werkt. Er hat am Nachmittag zwei Stunden lang irgendwas im Garten geschnitten, ich sehe zwar Wolken von Grünschnitt, jedoch keine Ergebnisse, natürlich lobe ich ihn trotzdem, denn so ist es nicht nur im Garten, sondern im Leben.

9.3.

Heute soll ich mich für einen neuen Romantitel entscheiden, weil weder „Die Raumforderung“ noch „Der Mensch gehört nicht in die Wildnis“ beim Verlag reüssiert haben. Leider zu recht. Derzeit zumindest bei mir ganz vorne im Rennen: „Mehr Himmel, als gut für uns ist“.

Update: beim Verlag auch!

Finale: Franz W. gibt mir seinen Segen. Er habe selbst gerade beim Wisser den EWHO-Songtitel „I am the Wallraff“ erbeten, wenn der jetzt wiederum etwas von mir fladere, sei die kulturelle Kreislaufwirtschaft in Gang gebracht (meinerseits ist es eine lineare Kreiskywirtschaft).

Abends dann, zur Belohnung und Behaglichkeitsherstellung langes Kramen und Bilderaufhängen.

10.3.

Internationaler Wahnsinn, in der tatsächlichen Gegenwart allgemeines Ringen um unerschütterte Zivilität. Immerhin blüht die Forsythie. Jedes Jahr ein leichtes Versagensgefühl, weil ich keine Schneeglöckchen habe, alle anderen schon. Im Mai dasselbe dann in Grün (Margeriten).

Mit dem Hund in die Au und zur KUPF, wo mir mitgeteilt wird, dass ich nur wegen Fini in den Vorstand gewählt worden bin. Völlig akzeptabel und nachvollziehbar für mich. 

11.3.

Ein kleiner Flash auf dem Weg durch Linz, vor exakt 20 Jahren ging das los. Da kommen mir L. und T. entgegen, in fast französischer Urlaubsaufgekratztheit, weil sie gerade so gute Croissants gegessen haben. Im Grunde ist alles besser geworden in diesen Jahren (im Privaten fix). 

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experiment literatur. Einzinger wie immer einzigartig. Wieder ist er ganz beglückt über seinen Schaffensdrang, die Zweifelscheißer Peter Clar und ich bewundern ihn dafür aufrichtig. „Seid's ihr zwei zu faul zum Romanschreiben, oder was?“, frage ich nach dem Wert der Lyrik. Einzinger gibt zu, selbst fast keine Lyrik zu lesen, wofür er sich sehr schämt. Jemand habe ihm einmal gesagt, dass er „Von Dschallalabad nach Bad Schallerbach“ fünfmal gelesen habe, das habe ihn fast befremdet. 

Später schicke ich die Fotos des Abends, Peter Clar richtet mir aus, dass seine Frau gemeint habe, er sehe darauf aus wie ein gediegener älterer Herr. „Wir sind gediegene ältere Herren!“ schreibe ich ihm in freudiger Überzeugung. 

12.3.

orf.at: „Eiermarkt angespannt“

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Potyka schickt ein Mail mit dem Betreff „Cover“, mein Herzschlag wird spürbar. Ich öffne es, sehe den Betreff und schon geht wieder alles seinen Gang, denn der Entwurf ist schön geworden.

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Beim Aufhängen dreier Sonderangebots-Nistkästen (viel zu spät) geht ganz dramatisch die Sonne unter. Dann während einer dramatischen Fukushima-Jahrestags-Doku gemütliches Möbelumstellen, immer diese seltsame Gleichzeitigkeit des Verschiedenen. 

13.3.

Sengsen. Vertrödelt und verkalkuliert, zu spät weg, noch zu viel Schnee, zu faul zum Stapfen. Immerhin am Aussichtsplatz auf dem Weg zum Anderle-Biwak gejausnet und gerastet. Grantig abgestiegen und aus einer Laune heraus einem neuen schmalen Weg gefolgt, der sich als beglückend erweist.

Es ist schon wieder zu warm. In zwei Monaten kann man hier wohl schon wieder nicht mehr gehen, ohne drei Liter Wasser zu schleppen.

Fini rennt einer angespeistes Gams nach, die noch nicht weiß, dass sie nur die Laufrichtung ändern müsste.

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Im Zug nach der GAV-Lesung ("Zur Lage", unser Versuch, die Welt doch irgendwie zu retten, würden nur die Trottel kommen und zuhören.) Ein paar Reihen weiter nennen Burschen einander Schwuchtel und Hurensohn, sie sind sehr enttäuscht, dass es heute zu keiner Schlägerei gekommen sei (weil so wenig Hartberg-Fans im Stadion gewesen seien). „Owa beim Voiksfest wird scho gschlägat, fix!“ 

14.3.

Ein sicheres Haus“ - ich möchte das nicht lesen, das ist was für Männer, die noch keine Ahnung haben, wie gschissn Ihresgleichen oder gar sie selbst sein können. Man müsste den Toxischen unter ihnen die Beziehungslizenz entziehen, wie Hundehaltern nach einem Beißvorfall. Unwillkürlich summe ich „Gut, dass du kein Callgirl bist!“

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In der Kletterhalle hängen sich die Burschen für die Klimmzüge 30-Kilo-Scheiben zwischen die Beine, sie nennen einander in jedem Satz Digga. Auch die Schwabo-Buben reden diesen seltsamen Influencer-Sozio-Ethnolekt, einer kann ihn noch nicht gut, er ist wohl aus dem höheren Mühlviertel.

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Die ganze KI ist ein einziger, riesiger Scam. „Hallo, ich bin wie ein Mensch, gib' mir was, aber leider können wir uns nicht treffen, trotzdem liebe ich dich und ich weiß genau, was du brauchst, rede weiter!“

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Irre, das „Quiet Quality“ auch schon wieder 20 Jahre alt ist, da war die Prokrastination noch die neue Sau im Diskursdorf.

15.3.

Wels, Waschaecht-Generalversammlung: Die einzigen CEOs, die ankündigen, sich kurz zu halten und sich dann KURZ HALTEN!!!1!! Und man soll während der kurzen Berichte schon tüchtig jausnen. Ohne Genierer packe ich später die Reste in extra mitgebrachte Tupperdosen.

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Coala und ich tauschen die Früchte unseres Ausmistens bzw. unterschlagener Tombolaspenden, es herrscht steter Glumpertfluss zwischen uns Meindlfrauen. Bald sind wir vier Frauen und reden über Sex und Mord (in Literatur und Beruf). Alles andere ist Mumpitz. 

 

16.3.

Coala erzählt, dass der Bürohund Pommi eine Therapie bekommen habe, um zur Ruhe zu kommen. Die Halter sollen mit Düften und Klängen arbeiten – und zwar immer dieselben. Schon jetzt hassen sie den Nussknacker, der sie nun bis ans Lebensende des Hündchens begleiten wird.

17.3. Linz – Graz

An einem Frühlingsmorgen mit Muße und Hund Freundlichkeiten ernten. Dann mit dem InterRegio direkt, aber extrem langsam von Österreichs Stadt Nr. 3 in Stadt Nr. 2 tschuggeln. Wie bei der Wasserscheide am Pyhrnpass sind die Züge nur zwischen Linz und Neuhofen gefüllt, sodann herrscht Stille und Leere, ab Leoben steigen dann wieder die Massen zu. Dazwischen verkehrt diese Linie nur aus Gefälligkeit für sieben Reisende.

Zwei Lehrerinnen legen saure Zuckerpfirsiche auf den Tisch, übermächtig ist mein Impuls, einfach zuzugreifen. Sie reden über Kinder, die jede Aufgabe verweigern, etwa kein Wort in das Schularbeitenheft schreiben. Deren Zahl scheint überraschend hoch.

Auf dem Weg ins Hotel höchste Bereitschaft, alles mit einem absurd exotischen Blick zu sehen. Ah, die südlichen Fensterläden! Alle Frauen halten Märzenbecher in der Hand!

Im Fitnessraum des Hotels komme ich mir vor wie ein Mensch, der sein Leben fest im Griff hat.

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Während der Literarischen Soiree dreht sich mein Imposter-Syndrom in sein wahres Gegenteil, ich BIN eine Hochstaplerin, und ich muss mich jetzt wirklich bemühen, zwischen den zwei Bachmann-Vorsitzenden endlich irgendwas zu sagen. Ich starte mit etwas Landschaftlich-Derbem und sage, das bitte wieder rausschneiden, sonst könne man's nicht auf Ö1 senden. Wir sind uns aber bei den Büchern überraschend einig, besonders beim Enthusiasmus für Gardi. Nur beim „Sicheren Haus“ gehen Männer und Frauen ein wenig auseinander, für uns Letztere ist das keine Bedienungsanleitung, die nicht in falsche Hände soll.

Kastberger versucht als gebürtiger Gmundner, mir die Nebel-Credibility abzugraben, aber da kenne ich nichts. Linz – Mekka der Vampire. 

Beim Essen allerhand lustiger Gossip aus dem Betrieb, den ich mir nicht zu verraten traue. (Andererseits, wer liest mein Zeug hier?!) Nur so viel: Insa Wilcke ist ausnehmend freundlich und beschämt uns ein wenig mit ihrer sehr korrekten Compliance beim Rezensieren etc. „Wie macht ihr das?“ „Wir lügen viel.“ Wir wetteifern ihr gegenüber im Vernadern Österreichs und hoffen, dass sie sich das Land trotzdem nicht madig machen lässt.

Und diese Indiskretion geht auch: Kastberger hat eine sehr gute Pilar-Geschichte. Er habe mit detektivischem Eifer beobachtet, wer wann mit wem in Jurys sitze, um ihnen dann gezielt und vereinzelt aufzulauern und sie für ihr Missachtungswerk an seiner Person zu beschimpfen, warum er schon wieder diesen Preis und dieses Stipendium nicht bekommen habe.

18.3. Graz

Beim Frühstück fragt Wilcke, ob bei uns auch die Stimmung so schlecht sei, das Gefühl so stark, dass alles den Bach runter gehe? Andreas Jungwirth: „Ja, aber mit dem Unterschied, dass es bei euch in Deutschland ja stimmt.“ Wir einigen uns bei der Frage, wie man das alles gerade aushalte, auf das Vertrauen ins Funktionieren des Alltags. 

Beim Heimfahren im Zug gutes Plaudern mit Jungwirth, weil er auch ein guter Typ ist. Ein paar Tage später schickt er mir „Alle meine Namen“, das mir sehr gefällt.

Weiter durch die Infrastrukturbrache. In Roßleithen steigt eine Mutter mit ihrem etwa zehnjährigen Sohn ein. „Woat, Mama, i red glei mid dir.“ Sie scheinen oft miteinander unterwegs zu sein, sie sind auffallend freundlich und verbunden miteinander.

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Starker Vogelsang in Wilhering. Fini darf zum ersten Mal in die Donau, sie ist ganz klar. Emsiges Herumräumen im Haus, zwecks innerer Ordnung.

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Primo Levis Beschreibung seines Freundes Sandro, einen leidenschaftlichen Bergsteiger, den am Ende die Faschisten erschießen – groß.

19.3.

Thomas Anders heißt jetzt anders.

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Das Haus so herrichten, dass man beim Heimkehren reinschlüpft wie in ordentlich hingestellte Schlapfen. (Eine Neurose, die sich mit dem Alter vertieft.)

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Am Donaustrand ein Sonnenuntergang wie ein die Jahre gekommener Ehemann, der sich extrem bemüht um seine Frau, die sich für ein Abenteuer rüstet.

 

20.3. Tirol – Winnebachseehütte – Riml-Spitz

Drei Stunden fröhliches Schnattern mit den beiden männlichen Hausfrauen und Müttern im Zug, aber der Wortfluss gerät abrupt ins Stocken, sobald wir ins Auto unseres Osttiroler Bergführers geschlichtet sind. Mittlerweile gehen wir davon aus, dass er uns auch mag (im dritten Jahr gemeinsamer Touren).

Er erzählt dann doch etwas, dass er mit irgendwelchen Wienern am Großvenediger gewesen sei und unter ihrer Divenhaftigkeit gelitten habe. Das Essen nicht gut genug, die Tour zu anstrengend, die Hütte zu unbequem. 

Seine Umsicht bei der Tour macht mich im Nachhinein etwas betroffen in Bezug auf meine eigene Unbedarftheit am Anfang meiner Ski-Zeit – was ich da alleine angestellt habe in den Stodertälern... das ist nicht schneidig, sondern bissl deppert.

Immer wieder dieser seltsame Kontrast zwischen der Weite der Welt da draußen und der Enge drinnen. C. und ich teilen uns ein Zimmer, das keinen Quadratzentimeter kleiner sein dürfte, sonst überkäme mich die Platzangst. Aber wir sind sehr geschickt im Platzmachen, die meiste Zeit liegen wir eh und lesen emsig. Das Hüttenleben werde ich nicht mehr lieben lernen, das damit einhergehende Nichtstunmüssen hingegen schon. Der ganze Bewegungsdrang kanalisiert ins Tagesprogramm vor der Tür.

21.3. Winnebacher Weißkogel

Bevor wir in einen strahlenden Tag losstapfen, bricht es aus der Osttiroler Kruste richtig heraus: Er genieße es sehr, mit uns unterwegs zu sein! Wir OÖ. Schnatterer schweigen ergriffen.

Es liegt so viel Schnee, dass ich den Glauben zurückgewinne, doch Skifahren zu können. Die Temperaturen fühlen sich an wie Grüße aus den Wechseljahren.

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Starkes Hineinkippen in Hustvedts „What I Loved“. Es wird schon an sich gut sein, wie immer macht aber die Möglichkeit, überhaupt ins deep reading hineinzukippen, den Unterschied. C. sputet sich, um mir Melandris „Kalte Füße“ mitgeben zu können (dabei ist der alte Rucksack eh schon so voll, dass die Nähte platzen).

22.3. Kühlehnkarschneid

Seit Tagen sind wir im Funkloch, was natürlich sehr gut ist, aber auch irritierend. Oben in der Scharte ist Empfang, wir heben die Köpfe zur Landschaft und senken sie über die Bildschirme, im Wechsel, wie ganz langsames Nicken.

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Ich werfe die Nerven weg und kaufe mir ein Duschmarkerl. Das Wasser von der ersten bis zur dritten Minute eisig. Ich frage, ob das eh so gehöre und bekomme ein sehr schlichtes „Ja“ zur Antwort, als hätten nur verwöhnte Diven anderes erwartet. Mein Beitrag zum Energiesparen. Notiz an mich selbst: ab jetzt tapfer münkeln. 

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Freude an der brüderlich-väterlichen Integrität der drei Männer, das ist nicht einfach ein erholsamer Kontrast zur ganzen toxischen Männlichkeit da draußen, sondern im Grunde eh genau der Alltag, an den man glauben kann.

23.3. Breiter Grieskogel – Ötztal – Wels 

Eine große Tour. Wir sind nun alleine unterwegs und freuen uns doppelt über das Gelingen. 

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Über kurz oder lang wird allen Hütten hier das Wasser ausgehen. Sämtliche Karten veralten rasant mit dem Rückzug der Gletscher. Ich wiederhole: nicht mehr duschen ab jetzt. 

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Im Ötztal unten wie immer der Clash mit Landschaften und Temperaturen.

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Mit der letzten Kraft heim. Mir stehen die Haare zu Berge, bis zur divenhaft heißen Dusche.

24.3.

Immer sollte man nie weg gewesen sein, wenn es nach den Bedürfnissen der anderen geht. Es sollte mich immer weniger Energie kosten, sie abzuweisen.

Den Tomatenpflanzen bin ich nicht abgegangen, aber Fini liebt mich heute besonders.

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D. schaut vorbei. „Hast du gegessen?“ „Ist das ein exotischer Gruß, oder hast du wirklich was für mich?“

25.3.

Immer noch im Bann von „What I Loved“ und etwas nostalgisch nach einer Zeit, in der man noch in New York leben wollte, und dort etwas Großes werden.

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Josef Hader nähert sich dem Stadttheater mit der geübten Unauffälligkeit des Stars, der er ist, mit einem Shoppingsackerl voll Apothekenware. Alle sind bemüht, sich nichts ankennen zu lassen, aber die Luft knistert vor Zuneigung. Bei mir besonders, weil ihm Fini so gut gefällt, dass er auf den meisten der Fotos zu ihr und nicht in die Kamera schaut. Die Foto-Olympiade für die "Freunde des Schlachthofs" ist notwendig, weil alle vier Jahre mein Haar so viel Farbe lässt, dass man mich auf den alten Fotos nicht mehr erkennt. 

Hader on Ice“ ist noch einmal so viel besser als am Anfang, was bestimmt auch daran liegt, dass ich das Programm nicht im unbequemen Zirkusgestühl mit Maske im Gesicht anschauen musste. 

27.3.

Zur Weltlage fällt mir immer weniger ein. Die Spalttiefe zwischen Alltag und Welt gerät allmählich in die Kategorie „Marianengraben“.

Ein Bundesheerhubschrauber direkt über meinem Luftraum, müssen die mich nicht wegen einer Überflugsgenehmigung fragen?! Ich google die Kubikmeter meines Himmelsbesitzes nach oben hin und ob eh kein Krieg ausgebrochen ist.

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Der Tag zerrinnt zwischen den Fingern ohne nennenswerte Resultate, aber das ist keine Beschwerde. Auch das oben beschriebene Auseinanderklaffen nicht, aus schierer Egozentrik. Zufriedene Apathie, besonders am Abend.

28.3. Zwettl

A.s Apotheker hat es zu „Willkommen Österreich“ geschafft, wegen seiner sagenhaften Unfreundlichkeit. Da seien schon reihenweise alte Damen mit verheulten Augen herausgekommen. Der hätte vielleicht auch den Hader angeblafft, was er so viel kaufe?! Auch der Kollege in Schönering ist eher unangenehm – gehört das zur Job-Description, um Hypochondrie im Zaum zu halten?

A. schaut versonnen auf das liebe, zahlreiche und grauhaarige Publikum. „Frogst du di aa so oft, wo unsa Publikum in 20 Joa sei wiad?“ Wir sollten uns allmählich etwas einfallen lassen – leichter, als Jüngere zum Lesen und vor allem braven Zuhören zu bringen, wird’s wohl, gezielte Longevity-Maßnahmen für unsere lieben Boomer zu ersinnen. Außerdem weiß ich nicht, was die Jungen lustig finden, in Zwettl funktioniert der Gut-Aiderbichl-Text recht gut.

Wir tragen unsere Gage gleich hinüber in den Feinkost-Automaten. Die Bobo-Preise (8,61 € für einen schmalen Keil Schafskäse) beunruhigen mich – ist das die Kostenwahrheit, wenn wir ehrlich mit Mensch und Tier wären? Ächz.

29.3. So

Am Tag der Sommerzeitumstellung den Kachelofen einheizen (Ende Oktober wird’s dann wohl zum Schwitzen). In diesem Frühling fühlt sich jedes neue Tief wie ein persönlicher Affront an, ein Schlechtwetteraffront!

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Primo Levi ist wie ein Ausflug in die eigene Lesevergangenheit der späten 1990er, auch wenn mich das soziale Leben der Elemente (= Chemie) immer noch nicht zu faszinieren weiß. Wer mit wem, das ist mir doch egal!

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Fini streckt sich und ächzt dabei, als arbeite sie sehr hart daran, auch noch die allerletzten Prozent bis zur Erlangung des vollkommenen Wohlgefühls zu schaffen.

30.3.

Mini-Jetlag + Mini-Kater

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Putin ist so paranoid, dass seine Exkremente nicht einfach so in den Kanal dürfen. Irgend ein armer Knecht muss den Despotenkot sammeln und – ja, was? Im geheimen Mausoleum vorbestatten, weil schon alles von Putin Kommende göttlicher Natur ist? Im Kack-Reaktor verglüht werden? Man denkt an Kapuścińskys Schilderungen des Ras oder Schahs, wo es eigene Zuständige für Hundehinterlassenschaften gab.

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Mein „Oeuvre“ braucht einen zweiten Regal-Halbmeter – nach sehr großzügiger Auslegung des Werk-Begriffs. Zufrieden bin ich immerhin mit den albernen Titeln, die ich den seriösen Institutionen bislang unterjubeln konnte: „Der Tagatha-Panther“, „In Schwanenform Ryan Reynolds gebumst“, „Innere Mongolei“, „Semtext oder wie wir versucht haben, etwas für die Rampe zu schreiben und dabei irrtümlich Linz in die Luft gejagt haben.“

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Bei Gelegenheit weiter über die Kluft zwischen E und U in der erlebten Praxis nachdenken: Die vielen Klagen der Kolleg*innenschaft über die scheußliche Lage der Welt und die Verdummung der Leut' haben schon ihre Gründe und Anlässe, lesen möchte ich sie aber lieber nicht. Mir ist wohl aktive statt passive Aggression gerade lieber. Nein: positive Aggression. Jammern und Satire richten beide gleich wenig gegen Rechtsruck und Tech-Faschisten aus, aber man kann es in der Apokalypse wenigstens noch ein wenig lustig haben. Es wächst auch meine Unlust, mich durch Kunst und Kultur traumatisieren zu lassen, dass also immer ein Hund sterben muss, um Dringlichkeit zu vermitteln.

Am Nachmittag gehe ich dann in den Garten und verübe mit der kleinen Kettensäge ein kleines Massaker am Flieder.

Buttinger lacht, als ich ihm eröffne, heute in Schönering bleiben zu wollen. „Eh klar, wenn man dir einen Tag anbietet, nimmst du ihn!“ Wir alle sollten so handeln, immerhin ist die Zahl der Tage, die uns das Leben anbietet, begrenzt! Andererseits behalte ich das lieber für mich, ich bin wirtschaftlich extrem angewiesen auf Leute, die am Abend gern ausgehen und sich was vorlesen lassen. Eine neue Folge aus der unendlichen Reihe „Gut, dass nicht alle so sind wie ich“.

Nachts läuft eine arte-Doku über Terrence Malick – so kann ich die Kunst und das Ernste nehmen, wegen des Naturschönen. Der Wind, das Gras, die Blicke, das ist schon groß.

31.3.

Intensiver Traum, als habe sich erst in dieser Nacht der eingelagerte Weißwein aus irgendwelchen Depots gelöst: Ich lasse das Auto irgendwo stehen in einer Parkgebührenzone, ich muss nachts aber mit dem Rad und später barfuß von Linz nach Schönering, auf halbem Weg drehe ich um und muss Menschen bitten, mir beim Wiederfinden des Autos zu helfen. Nirgends ist es zu finden, kein Licht blinkt, da kann ich noch so oft auf den Schlüssel drücken. Jemand sagt mir, dass graue Kombis gerne gestohlen werden (spätestens da hätte ich erkennen müssen, dass ich träume!). Da steht der Vater vor mir und sagt, wenn das so sei, müsse ich mir halt endlich einmal ein eigenes Auto kaufen, von meinem Geld. Möge das wache Leben weiter besser bleiben als mein geträumtes.

Dienstag, März 10, 2026

Auf ins Goldene OMAtriarchat

Man wächst ja mit seinen Aufgaben, darum werden wichtige Leistungsträger*innen auch blad mit dem Alter. Aber die Ämter müssen auch mit ihren Trägerinnen mitwachsen! In diesem Sinne möchte ich hiermit das Goldene Omatriarchat ausrufen, mit mir, der Präsidentin der Ominikanischen Republik. 

 

Was sind Gründe und Vorteile der Großmuttherrschaft?

Ein Trend geht durch das Internet (das sich mehr und mehr durchzusetzen scheint): #grannystyle. Stricken und Sticken, beige Sachen tragen, Kleiderschürzen bei MiuMiu, Weltkriegsgefahr und die Rückkehr leicht ausrottbarer Krankheiten wie Masern. So weit, so bekloppt. Und doch! Wir alle bräuchten grad eine total unterstützende Omi, die keine Ahnung hat, was man da beruflich macht, „aber du machst das schon, mei liabs Mesch, groß bisd woan, guad mochsd du des, tüchtig!“, und die einem Kuchen mit 18 Eigelb bäckt und kleine Geldscheine zusteckt.

Im mittleren Alter aber sind Omis rarer als seltene Erden. Alles muss man sich im Sinne von Selfcare selbst machen! Wie wir lernen, uns selbst die eigene Großmutter zu sein: 

  • Sich die Tränen im linken Auge mit der rechten Hand zärtlich abwischen

  • Hans-Moser-Filme anschauen, Peter-Alexander-Shows und Harald Juhnke. Sisi-Motto-Partys (eine Freundin von mir ist als Spanisches Hofzeremoniell gegangen)

  • Nachts zappen bis in die Puppen, denn Zappen ist das TikTok unserer Generation (und man wird nicht islamistisch radikalisiert, nur bissl blöd)

  • Trotzdem um 22 Uhr ins Bett gehen, ohne Genierer

  • Gabelbissen essen, Zwieback in Weißwein tränken, Graupen und Erbstwurst

  • Sich die Haare eindrehen lassen bei einer Friseurin, die man Paula nennt

  • Bei zu viel Stress mit der Pinzette Barthaare ausrupfen (das Ritzen des Alters)

  • Wenn man es nicht so gut erwischt hat wie ich: den Mann überleben (aktiv oder passiv) und nach seinem Begräbnis bei jedem Seniorenausflug Henne im Korb sein

  • Sachen sagen wie „Mia ham jo nix ghobt hintam Kriag!“ Immerhin stammt man ja wirklich aus dem vorhergehenden Jahrtausend. Wenn man in mein Geburtsjahr einen Zirkel steckt und drumherum einen Kreis von 33 Jahren zieht, umfasst er das Ende des Zweiten Weltkriegs einerseits und andererseits: Sieg der Vierschanzentournee von Christian Morgenstern und der Tod Amy Winehouse. Oder Kate & Prinz William-Hochzeit, wer sich leichter so was vorstellen kann. Harry Potter & die Heiligtümer des Todes – I sing a Liad füa di

  • Überhaupt, der Muttermund: Ab einem bestimmten Alter öffnet man den Mund und es purzeln die Sätze der Mutter zwischen den Zähnen heraus. Dagegen ist nichts zu machen, man kann ein komplett anderes Leben führen, trotzdem sagt man: „Stundenlang bin ich in der Küche gestanden, und du frisst ois in dein bledn Schädl eini. Ma siacht am Noan gleich!“ Man sagt's vielleicht nur zu sich selbst, was ziemlich bescheuert ist. Oder zum Hund, dem man selbst den Stecken drölfzig mal in die kalte Donau geschmissen hat: „So, jetzt kummst außa, du hosd jo scho gaunz blaue Lippen!“


Was bringt das Omatriarchat konkret?

  • Männer der Jahrgänge 2013 und Älter müssen sich weltweit per sofort für ihre Regierungsagenden neu bewerben. Bei mir, der persongewordenen internationalen Personalobjektivierungsstelle, weil ich mich schon am besten in die Materie eingearbeitet habe. Die dadurch frei werdenden Ämter werden fair unter den bestqualifizierten Bewerberinnen verteilt.

  • Da mit einer rein weiblichen Weltregierung selbstverständlich jedwede Kriegshandlung zum Erliegen kommt (was so eine Bombe Mist macht! Was ein Flugzeugträger kostet, bittigoaschee!), ist endlich die Zeit gekommen, sich um die echten Probleme kümmern: Artensterben, Bodenversiegelung, Einführung eines Existenszmaximums von 1 Million €, darüber wird alles enteignet und in Sozial-, Bildungs- und Literaturförderung eingespeist.

  • Männer dürfen mit Stichtag 31. März nur noch Autos lenken, die bei 99 km/h abriegeln und automatisch Sicherheitsabstände einhalten. (Braucht man nur bei Audi, BMW, Mercedes machen, was anderes mögen die Herren ja nicht fahren).

  • Männern ist ein sehr, sehr glückliches und erfüllendes Privatleben zu ermöglichen, denn sie sind Stolz und Schönheit unserer Spezies! Viele gute Worte, Streicheln, frisches Wasser, vollwertiges Futter, ausgedehnte Spaziergänge und bis zu 20 Stunden Schlaf. Einmal in der Woche bürsten.

  • Das Pronomen jedes Wesens, das als FLINTA-Person gelesen werden möchte, ist „omi“.

  • Es ist zwecks spiritueller Unterhaltung ein ganz Neues Testament zu schreiben, in denen die vier Apostolinnen Blanche, Rose, Dorothy und Sophia die lustigsten Schnurren über die neue Welt erzählen.

  • Es ist eine neue Hymne zu verfassen, sie geht ungefähr so:

Is this my whole life? Was this just fantasy?

Caught in a LinzLand, no escape from reality

Open your eyes, put on the Lesebrill and see

I am a woman, I need your sympathy

Because my knees are bad, knorpel gone 

Little high, little beer

Anything the Mink says it does really matter to me, to all


Oma, just ate your cake

Put Schlagobers on the Plate, pulled my fork in, guad hods ma gschmeckt

Oma! Life has just begun!

Bad guys are gone and war is thrown away

Oma! Oh! All the mean guys you made cry

the won't be back again this time tomorrow 

Carry on, carry on cause Granny really matters