Dienstag, August 18, 2026

Das Tschirilumbische - ein linguistischer Streitfall

Die tschirilumbische Sprache [tʃiːriːˈlʊmbɪʃ] ist eine linguistische Singularität. Strukturell handelt es sich dabei um ein Pidgin, das im oberösterreichischen Zentralraum verwendet wird. Es dient aber – anders als eine Verkehrssprache zwischen verschiedensprachigen Personen – der interspeziellen Verständigung, konkret zwischen Canis lupus familiaris und Homo Sapiens. Die Gattungsbezeichnung im Singular ist insofern triftig, als es sich bei der Anzahl der Tschirilumbisch Sprechenden um lediglich je eine Vertreterin der Spezies handelt. Die Definition dieses Kommunikationssystems als Sprache ist demzufolge wissenschaftlich höchst umstritten. Das Tschirilumbische widerspricht beinahe jedem Kriterium eines Kommunikationsverhaltens als Sprache: Es weist lediglich eine Senderin und lediglich eine Empfängerin auf, es wird also nur von einer Person gesprochen und von einer Hündin verstanden. 

 

 Senderin und Empfängerin am Hepigotschudeh 29.10.2021, s.u.

Befürworter*innen der Definition als Sprache halten den Kritiker*innen folgende Eigenschaften desTschirilumbischen entgegen: Es beruht in Lexik, Syntax und Grammatik auf natürlichen Sprachen. So bedient sich die humanide Sprecherin eines Zweigs des Indoeuropäischen, erweitert um Elemente aus dem westafrikanischen Bambarra sowie des westnepalesischen Humla-Dialekts. In den eher selteneren Fällen, in denen die canide Tschirilumbin spricht, handelt es sich im Hauptstrang um ein rudimentäres Malaiisch. So etwa die Lautäußerung „Mooolau moooolaulau“ in Situationen höherer Ärgernisse (vgl. das Lehnwort „Amok“). Umgekehrt verwendet die menschliche Sprecherin das Malaiische „Cepat!“ für das ostmittelbairische „Dua weida“.

Grammatikalisch ist das Tschirilumbisch so wie andere Pidgins unterkomplex. Die Aufforderung, Nahrungsmittel („Knuspi“) zu sich zu nehmen, wird im Imperativ einfach agglutinierend zu „knuspit!“ Analog dazu wird aus dem Wort für die Schlafstatt „Nest“ die Aufforderung, den Tag zu beschließen: „Nestit!“ Kritiker*innen bringen vor, dass es sich nicht um eine Sprache per se handeln könne, wenn sie lediglich im Modus des Imperativs vorgebracht wird. Linguistische Analysen belegen jedoch, dass die Befehlsform nur ein Aspekt ist, das Tschirilumbische wird im weitaus größeren Maße für emotional geprägte Zwiesprache verwendet, am häufigsten vor und nach der Nachtruhe. Der wichtigste Modus ist also ein Kasus: der Vokativ.

Singulär ist zudem, dass das Tschirilumbische als einzige Sprache der Welt ein konkretes Entstehungsdatum aufweist: im Original der "Hepigotschudeh" am 29. Oktober 2021, ein Lehnwort aus dem Englischen („Happy got you day“) - der Tag, an dem Sprecherin und Empfängerin erstmals in Kommunikation miteinander traten.

Bemerkenswert ist die Mutationsgeschwindigkeit. Für gewöhnlich dauert es bis zu 500 Jahre, bis sich aus einem gemeinsamen Sprachstamm verschiedene Sprachzweige herausbilden, vgl. etwa die zweite Lautverschiebung vom Altgermanischen zum Hochdeutschen. Das Tschirilumbische hingegen wandelt sich praktisch mit jeder neuen Anwendung (ebenfalls ein höchst strittiger Definitionspunkt). Exemplarisch der Lautwandel des Namens der Empfängerin. Dokumentarisch gesichert ist der Ausgangsname „Josefine“, aus dem naheliegend sogleich „Fini“ wird. Ab hier der Urknall: Fimbi –> Flimbi –> Flimbiwimbi –> Flippi –> Flipsi –> Finxi –> Firenza –> Finulde –> Finno-Ugristika –> Mambolamba –> Milbe  –> Milse usw. Parallel dazu die jeweilig weiter protuberienden Nominalstämme: Puppi, Weibi, Viech, Hund, Wesen, Mausi, Katzi, Hasi, Gfrast, Lumpi, Tschapsi, Stinkerin usw. Es finden sich Vorformen des Genderns, etwa „der Weiwibär“ oder „die Hundse“. 

Zur Debatte

Gerade dieses freie Flottieren der Signifikanten hat die Vertreter*innen der Dekonstruktion auf den Plan gerufen, was die Verteidigung des Tschirilumbischen als hochkomplexes Kommunikationssystem betrifft: Wie keine andere Sprache ist es vom glissement getragen, von der unaufhaltsamen Verschiebung und Instabilität von Bedeutung unter den sprachlichen Zeichen. Im Sinne einer Radikalisierung der Husserlschen Sinnkritik könne die Referenz eines Zeichens letztlich nie gesichert werden. Das Tschirilumbische, schreibt Jacques Derrida in der „Grammatologie“, habe am klarsten die Fiktion des „Logozentrismus“ erkannt, indem es jeden Bezug zu intendierten Bedeutungen in durch das sprechende Subjekt kontrollierte Äußerungen als Vermittlungen eines gleichzeitig intuierten Sinnes schroff ablehne.

Die analytische Linguistik indes führt das hochgradig unsystematische Quillen der Lautäußerungen („dog fog“) als Argument dagegen an, dass es sich beim Tschirilumbischen um eine Sprache handle, sondern um die idiosynkratische Symptomatik einer manifesten Skurrilität der menschlichen Sprecherin. Prof. Linda Wallner vom Institut für Reaktanz an der Uni Bielefeld schreibt etwa in „SocialText“: „Die Meindl ist schon auch ein bissl sehr deppert.“ In seiner Replik schreibt der Sprechaktforscher Prof. Klaus Buttinger vom Institute for Advanced Humanities an der FH Wels: „Das stimmt, aber Hauptsache, der Hund folgt brav.“ Prof. Cordula Meindl vom Institut für Prokrastinationsforschung an der University of Ottacringe zieht in ihrer rezenten Studie generell die Existenz des Tschirilumbischen in Frage: "Eine rein fiktionale Übersprungshandlung einer notorischen Schwindlerin angesichts der komplexen Gemengelage der Gegenwart. Der arme Hund!" 

Quellen und Material: Siehe Link 


Dienstag, Mai 26, 2026

Der nehmende Blick. Johanna im Glück.

Geschrieben für die Lesebühne "Lower Your Standards" am 22. Mai 

 

Johanna hatte siebzig Jahre allerlei Herren gedient, da sprach sie, „Herr Vorgesetzter, ich möchte jetzt in Pension gehen, gebt mir meinen Lohn.“ Der Herr sagte, „du hast deine Leistung erbracht, mit Kindererziehungszeiten zwar und ziemlichen Lücken im Lebenslauf, leider können wir dir seit Wolfgang Schüssels neoliberalem Durchrechnungszeitraum-Raubs an den werktätigen Frauen nicht mehr deine besten 15 Jahre hernehmen, doch da hast du deine Mindestpension. Du kannst sie aber auch ganz wertsicher in Philharmonikern ausbezahlt bekommen, das ist krisensicher! „Dank dir, Herr, für deine Umsicht!“ Sprach's und nahm das Schächtelchen mit den lustig klimpernden Goldmünzen entgegen.

Wie sie so dahinging und immer ein Bein vor das andere setzte, kam ihr ein Unternehmensberater auf einem norditalienischen Vintage-Rennrad entgegen. „Ach,“ sprach Johanna, „was ist das Radfahren ein schönes Ding! Da sitzt einer wie auf einem Stuhl, spart die Schuh, und kommt fort, er weiß nicht wie.“ Der drahtige Mann hielt an und rief „ei, Weiblein, warum läufst du auch zu Fuß?“ „Ich muss ja wohl,' antwortete sie, „da habe ich meine Pension heimzutragen, es ist zwar Gold, aber ich hab' Angst, dass es mir gefladert wird.“ „Weißt du was,“ sagte der Triathlet, „wir wollen tauschen: Ich gebe dir mein Rad, und du gibst mir deine Münzen.“ „Von Herzen gern,“ sprach Johanna, „aber ich sage Euch, Ihr müsst darum jetzt bangen.“

Johanna stieg auf und fuhr davon, zuerst noch wackelig, bald aber jauchzend. Sie wurde mit jedem Meter übermütiger, das Rad setzte sich in starken Trab, in der Schrems sah sie sich abgeworfen vor einem Innenstadtgeschäft. Gleich lief auch der Krämer heraus auf die Straße und half ihr auf. Sie suchte ihre Glieder zusammen, war aber verdrießlich und sprach zu dem Händler, „das Rennradfahren ist ein schlechter Spaß, man kann sich den Hals brechen! Da lob' ich mir eure Siebdruckespressomaschinen, da kann man den ganzen Tag dolce vita feiern!“ „Nun,“ sprach er mit Blick auf den Edelstahlrahmen, „wenn das euer Begehr ist, so will ich Euch wohl das Rad für eine meiner Maschinen tauschen!“ Johanna willigte mit tausend Freuden ein: der Welser schwang sich aufs Rad und ritt eilig davon.

Johanna hob den schweren Karton auf und bedachte den glücklichen Handel. „Den ganzen Tag den Moment feiern mit edler Crema! Geld sparen, weil ich nie mehr ins Kaffeehaus samt zwiderner Ober gehen muss!“ Indes war es Mittag geworden, es war ein schöner Maitag, und die Sonne strahlte mit 42 Grad auf Johanna und ihren Halbautomaten hernieder, sodass ihre Zunge am Gaumen klebte. „Trink ich eben Kaffee“, sagte sie und öffnete die Schachtel. Obenauf lag die Bedienungsanleitung, „bitte nur mit röstfrischen Wildsammlungsbohnen aus Papua-Westguineeischen Regenwaldschutzzonen verwenden, die vorher von einer Schleichkatze gefressen und wieder ausgekackt, dann von fairtrade Eingeborenen aufgelesen wurden!“ Johanna sprach, „Pardauz, so ein Schas, wo krieg ich denn die jetzt her?“

Glücklicherweise kam gerade ein Ernährungsberater einher und reichte der dürstenden Johanna seine Wasserflasche. „Ei, ei, das ist eine schöne Maschine, aber äußerst teuer in der Erhaltung, Ihr müsst Granderwasser dafür verwenden, und die Stahlrohre mit Pudelurin entkalken!“ „Na geh“, sagte sie, „wer hätte das gedacht!“ Der Antlitzanalytiker sah Johanna in die Augen und wiegte besorgt den Kopf. „Gute Frau, Ihre Organe sind in Missklang, lasst euch bitte helfen!“ Er zog ein Säcklein aus seinem linnernen Knappsack, „da nehmt! Es sind die Schüsslersalze 13 bis 46, euer Leib lechzt danach! Ich nehme euch dafür dieses Ungetüm ab, es fräße euch sonst die Haare vom Kopf.“ „Ich muss in einer Glückshaut geboren sein!“ frohlockte Johanna, und schritt gestärkt fürbaß. Auf dem langen Weg nach Hause kam sie schließlich auf den Rathausplatz, wo das Volk in ein großes, kühles Zelt strömte. Ein strenger Wächter hielt sie auf. „Das ist der VIP-Bereich, du kommst hier ohne Karte nicht rein. Aber du hast Glück, alte Frau, ein Platz ist noch frei. Der Meister ist schon auf dem Weg zur Bühne, entscheide dich schnell.“ „Der Meister?“ „Ja, bist du vom Gerüste gestürzt, Weiblein? Das ist die Eröffnung der Wiener Festwochen, und gleich schenkt Braco den Auserwählten seinen gebenden Blick!“ Johanna senkte den Kopf, sie hatte ja kein Geld mehr. „Was ist das in deiner Hand, sind das Schüssler Salze? Die kannst du auf die Nacktschnecken streuen. Aber du hast bestimmt noch beide Nieren! Nachdem Braco seinen Blick auf dir hat ruhen lassen, ist dein Körper stark genug, um's mit einer zu schaffen, das und noch viel mehr!“ Johanna ergriff den Stift, den er ihr während seiner Rede hingehalten hatte, und unterschrieb schwungvoll.

So stand sie da vor dem schweigenden Wunderheiler. All ihre Bedenken versanken in ihr wie in einem tiefen Brunnen. Sie fiel auf die Knie und dankte dem still starrenden Heiler, dass er ihr auch diese Gnade noch erwiesen und sie auf eine so gute Art, und ohne dass sie sich einen Vorwurf zu machen brauchte, von den schweren Sorgen befreit hatte. „So glücklich wie ich,“ rief sie aus, „gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang sie nun fort, bis sie daheim in ihrer 25m²-Garçonniere mit Klo am Gang war.

Montag, Mai 04, 2026

"Lower your Standards!" Lesebühne am 22. Mai mit Silke Gruber

Lesebühne am Freitag, dem 22. Mai, 20 Uhr im Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße 25, 4040 Linz). 

Eintritt frei! Der Austritt kostet 3 € (= 1 Los für die Tombola des Grauens)

Zu Gast ist Silke Gruber (Hall) - Foto: Katrin Rauch <3

 

 


Senkt alles! Eure Standards, das Niveau, die Pollenbelastung in der Luft, das Tempolimit, die CO2-Belastung, Mental Load und die Tyrannenrate. Einzig bei den Gästinnen erwartet bitte wie immer nur das Beste: Silke Gruber lieben wir sehr, und ihr solltet es uns gleichtun. Sie ist Teil der Tiroler Qualitätsoffensive, die wir euch heuer schenken (zum Preis eines Loses für die Tombola des Grauens). Irre, oder? Wir, euer Fixensembles des Vertrauens, machen es wie immer: auf den letzten Drücker, im Panik-Flow, irgendwie. Obwohl auch wir euch so lieb haben! 

Silke Gruber im Gespräch mit Walter Pobaschnig: „Zwischen Espresso Macchiato und Saurer Wurscht verläuft ein schmaler Grat.“ (aus ihrem Text „Karl Lagerfeld“)

Dienstag, April 28, 2026

Geisterscheiße

Für die "Geistergeschichten"-Lesebühne war ich sechs Wochen lang zu eifrig und zu faul gleichzeitig, um mich auf drei Ideen zu konzentrieren und daraus etwas Ordentliches zu machen. Hier also der Inhalt der Geisterfallen, die ich im Hirn ausgelegt habe (ein Pandämonium der Prokrastination): 

 Phänomenologie der Entgeisterung (jetzt nicht an Hegel denken!)


Treffen sich ein Geist und ein Lama in einer Bar und jammern darüber, dass die Leute immer dümmer werden und nimmer rechtschreiben können, weswegen all die sekundären Analphabeten die Berufe des Gespenstes und des Kamelartigen durcheinanderbringen: Das Lama spukt durch die Pampa und der Todesgeist spuckt im Schloss. „Wobei es mich ja auch extrem nervt,“ klagt die übersinnliche Erscheinung, „dass die Menschen sich gar keine Mühe machen, mich von der Gesamttätigkeit mentaler Vorgänge zu unterscheiden, aber ein Gespenst ist kein Geist!“ „I'm feeling you!“ sagt das Tier, „deppert san de Leit, die glauben, dass ein Lama ein Alpaka ist! Und dann erst der Dalai Lama!“ „Boah ja,“ ächzt die Gruselfigur, „dieser oberste Geistesführer, was der für einen Stiefel zusammenspricht!“ (Anm. der Autorin: Ist ein Stiefel ein Schaß? Beides kann stinken! Ist ein Schaß ein Geist, beides hat den Körper verlassen?) 
Geist und Lama regen sich sehr auf und trinken so viel, dass sich ihre Geist-Materie-Dualität in eine offene Dialektik verwandelt. Sie werden so ein inniges Liebespaar, dass sie einander ganz durchdringen und zusammen in ein schottisches Schloss ziehen, wo sie die Dreharbeiten von „James Bond – Skyfall“ in arge Turbulenzen bringen, weil Daniel Craig permanent aus dem Nichts bespuckt wird und das Set täglich zweimal von Geisterscheiße in Rossapfelstärke gereinigt werden muss. 

Spiritpreisbremse
In einem Kammerl im Institut für Geographie und Wirtschaftskunde beugen sich zauselige Wissenschaftler (sind nur Männer, die Kolleginnen fanden die Séance doof) über ein Ouija-Bord, um dem Wirtschaftsminister eine große Frage zu beantworten. Der Zeremonienmeister erhebt seine Stimme: „Großer Weltengeist, wann wird die Straße von Hormus wieder befahrbar?“ „Frog nan aa nu wengam Benzinpreis“, befiehlt Hatmannstorfer. Die Geister lassen sich nicht lange bitten, ein ganzes Pandämonium manifestiert sich! Zuerst Erwin Schrödinger, der hilflos versucht, sein Katzenkisten-Gedankenspiel zu erklären. Polternd fährt der Dschinn des iranischen Revolutionsführers drein, der eine Fatwah gegen Otto Waalkes in den Raum brüllt, für seinen 1980er-Spottreim „Ach was soll's, sagt Frau Khomeini, mein Ayatollah steht ja eh nie!“ „Nanana, Niveau meine Herren“, spricht der Geist Hugo Portischs, der den Anwesenden erklärt, dass die Geschichte der Zweiten Republik eine komplexe geopolitische Gemengelage darstelle und man jetzt bitte aber  SOFORT raus aus den fossilen Brennstoffen solle. Da wird die Tür aufgerissen, die Geister fliehen, die Institutsleiterin schimpft „Ja sakra, ihr sollt forschen, nicht beschwören! Alle raus hier, auch der Hatmannsdorfer Wolfi! Wenn ich euch noch einmal bei okkulten Praktiken erwische!!!“ 
„Wie woa des jetzan“, sagt der Minister später nach dem vierten Bier in der Institutskantine, „mit dera hoibhinign Kotz, i hob's scho wieda ned checkt.“ 


Beim Konzil von Triest 2027 legt die Glaubenskongregation unter Leitung ihres Geistigen Oberhauptes Papst Leo fest, dass der Heilige Geist auch in Form eines Brathuhnes verehrt werden darf. Der Film „Das Fest des Huhnes“ wird vom vatikanischen Index gestrichen und darf ab 2028 auch an katholischen Privatgymnasien in der letzten Woche vor den Ferien gezeigt werden. 

Als der arme Bruce Willis stirbt, freut sich die Gemeinschaft der Geister zuerst sehr, ein echter Star! Und er hat seine schweren Jahre hinter sich, in denen er dement war (der Geist schon vorgeprescht ins Jenseits). Dann aber holt ihn die Vergangenheit ein. Wenn er nachts allein ist, überkommt ihn ein Grauen, es fröstelt ihn... da huscht eine Gestalt durch den Raum! AAAh! Willis dreht sich um, da steht sie vor ihm!!! „Gib mir ein Autogramm, Schweinebacke!“ Schreck! Die Geister der anderen Toten glauben ihm nicht, es ist schlimm. Dauernd wird er von Menschen heimgesucht, bis er all seinen Mut zusammennimmt und mit ihnen zu reden beginnt. Pssst, sagt ihm eine der Erscheinungen, wir sind jetzt bereit, unser Geheimnis mit dir zu teilen: Du kannst lebende Menschen sehen! Und du bist selbst noch gar nicht tot! 

Ein Riesenskandal: Das insbesondere auf Datingplattformen massenhaft auftauchende Phänomen des Ghostings hat eine schreckliche Ursache! Glaubten hunderttausende Frauen noch, es handle sich dabei um eine äußerst unreife Verhaltensweise der männlichen TinderBumbleGrinder-Kontakte, sich nämlich kommunikativ in Luft aufzulösen, stellt sich das Verschwinden der Ghoster als sehr dunkle Seite des Matriarchats heraus: Über eine Spionagesoftware verschafft sich die Zentrale Intelligenzabteilung Zugang zu den Chats und gibt der Exekutive den Auftrag, sich toxisch verhaltende Individuen aus dem Bestand zu nehmen. Die jungen Männer wurden zwar weder in Luft noch in Säure aufgelöst, wurden aber zwangsweise in Charakterschulen geschickt. Bei allem Verständnis: So geht’s auch nicht, lieber Radikalfeminismus!

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus, und überall gründet es Geisterkommunen. Doch die Sache erweist sich bald als total lebensfremd, es wird unheimlich in der WG, denn es scheiden sich die Geister. Das kleine Gespenst wird wegen Verbots der Kinderarbeit beschäftigungslos. Die Inklusion der Geisterspezies ist extrem heikel, die Dschinns und die Dibbuks zoffen, der Golem hat gleich gar keinen Geist und haut die Einrichtung in Splitter. Und wer putzt die Geisterscheiße weg, ha? Das kommunistische Gespenst hat einfach nichts von der Psychologie begriffen. Bald ergreifen die Kobolde die Macht, und der Rädelsführer Pumuckl leitet die spiritistische Konterrevolution ein. 

Ansgar Krautwaschl, Vorstand der vatikanischen Exorzistenvereinigung der Diözese Linz-Land wird im Jahr des Herrn 2078 in einen der letzten katholischen Haushalte nach Dörnbach gerufen, die dort pubertierende Tochter sei seit einer Woche von einem Dämon besessen. Der Geisterbeschwörer beginnt sein Brimborium, die junge Frau rollt mit den Augen und badamm! ist der Geist der vor sieben Tagen bei einer Wanderung auf den Großen Priel verunglückten Schriftstellerin Demonika Mindle wieder aus ihrer jugendlichen Bleibe draußen. Der Pfarrer will sie in eine Schweineherde einfahren lassen, die sich in der Donau ersäuft, aber der Geist sagt, ich bin ja nicht deppert! Sie fährt in den Körper des Exorzisten, doch der taugt ihr nicht, igitt, wie unpraktisch und überempfindlich ist so ein Membrum maskulinum! Sie fährt in diverse Körper wie mit einem ganzen Körperfuhrpark, bis sie im Tierheim Linz eine schwarzweiße Bordercolliemischung entdeckt, in und mit der sie noch einige schöne Jahre lang im Toten Gebirge herumgeistert. 


Aus der Geisteswirtschaft:
Am Institut für Geistes- und Humanwissenschaften (NIG, 6. Stock) soll der olle Wettkampf zwischen Geist und Materie endgültig ausgetragen werden. Doch die Sache wird ein Schaß. Beim Schattenboxen macht der Körper eine lächerliche Figur, die Schachpartie wirkt wie ein langweiliger Telepathieversuch. Die Übung wird abgeblasen und weiter können verwöhnte und verpeilte Primarstöchter sinnlose Diplomarbeiten über die Dekonstruktion des cartesianischen Leibseeledualismus schreiben. 

Ein Traum: Sich selbst in Geist und Materie trennen können. In der ersten Tageshälfte darf ein Teil lesen und träumen, der andere muss wie ein Golem im Büro sitzen und den Chef grüßen. Nach dem Mittagessen wird getauscht (immer wieder Streit, wer mit dem Essendürfen dran ist). 

Die AMS-Einsatztruppe Ghost Busters vertreibt junge Menschen aus dem Institut für Human- und Geisteswissenschaften, um die Arbeitslosenrate unter Akademikern zu senken. 

Dienstag, März 10, 2026

Auf ins Goldene OMAtriarchat

Man wächst ja mit seinen Aufgaben, darum werden wichtige Leistungsträger*innen auch blad mit dem Alter. Aber die Ämter müssen auch mit ihren Trägerinnen mitwachsen! In diesem Sinne möchte ich hiermit das Goldene Omatriarchat ausrufen, mit mir, der Präsidentin der Ominikanischen Republik. 

 

Was sind Gründe und Vorteile der Großmuttherrschaft?

Ein Trend geht durch das Internet (das sich mehr und mehr durchzusetzen scheint): #grannystyle. Stricken und Sticken, beige Sachen tragen, Kleiderschürzen bei MiuMiu, Weltkriegsgefahr und die Rückkehr leicht ausrottbarer Krankheiten wie Masern. So weit, so bekloppt. Und doch! Wir alle bräuchten grad eine total unterstützende Omi, die keine Ahnung hat, was man da beruflich macht, „aber du machst das schon, mei liabs Mesch, groß bisd woan, guad mochsd du des, tüchtig!“, und die einem Kuchen mit 18 Eigelb bäckt und kleine Geldscheine zusteckt.

Im mittleren Alter aber sind Omis rarer als seltene Erden. Alles muss man sich im Sinne von Selfcare selbst machen! Wie wir lernen, uns selbst die eigene Großmutter zu sein: 

  • Sich die Tränen im linken Auge mit der rechten Hand zärtlich abwischen

  • Hans-Moser-Filme anschauen, Peter-Alexander-Shows und Harald Juhnke. Sisi-Motto-Partys (eine Freundin von mir ist als Spanisches Hofzeremoniell gegangen)

  • Nachts zappen bis in die Puppen, denn Zappen ist das TikTok unserer Generation (und man wird nicht islamistisch radikalisiert, nur bissl blöd)

  • Trotzdem um 22 Uhr ins Bett gehen, ohne Genierer

  • Gabelbissen essen, Zwieback in Weißwein tränken, Graupen und Erbstwurst

  • Sich die Haare eindrehen lassen bei einer Friseurin, die man Paula nennt

  • Bei zu viel Stress mit der Pinzette Barthaare ausrupfen (das Ritzen des Alters)

  • Wenn man es nicht so gut erwischt hat wie ich: den Mann überleben (aktiv oder passiv) und nach seinem Begräbnis bei jedem Seniorenausflug Henne im Korb sein

  • Sachen sagen wie „Mia ham jo nix ghobt hintam Kriag!“ Immerhin stammt man ja wirklich aus dem vorhergehenden Jahrtausend. Wenn man in mein Geburtsjahr einen Zirkel steckt und drumherum einen Kreis von 33 Jahren zieht, umfasst er das Ende des Zweiten Weltkriegs einerseits und andererseits: Sieg der Vierschanzentournee von Christian Morgenstern und der Tod Amy Winehouse. Oder Kate & Prinz William-Hochzeit, wer sich leichter so was vorstellen kann. Harry Potter & die Heiligtümer des Todes – I sing a Liad füa di

  • Überhaupt, der Muttermund: Ab einem bestimmten Alter öffnet man den Mund und es purzeln die Sätze der Mutter zwischen den Zähnen heraus. Dagegen ist nichts zu machen, man kann ein komplett anderes Leben führen, trotzdem sagt man: „Stundenlang bin ich in der Küche gestanden, und du frisst ois in dein bledn Schädl eini. Ma siacht am Noan gleich!“ Man sagt's vielleicht nur zu sich selbst, was ziemlich bescheuert ist. Oder zum Hund, dem man selbst den Stecken drölfzig mal in die kalte Donau geschmissen hat: „So, jetzt kummst außa, du hosd jo scho gaunz blaue Lippen!“


Was bringt das Omatriarchat konkret?

  • Männer der Jahrgänge 2013 und Älter müssen sich weltweit per sofort für ihre Regierungsagenden neu bewerben. Bei mir, der persongewordenen internationalen Personalobjektivierungsstelle, weil ich mich schon am besten in die Materie eingearbeitet habe. Die dadurch frei werdenden Ämter werden fair unter den bestqualifizierten Bewerberinnen verteilt.

  • Da mit einer rein weiblichen Weltregierung selbstverständlich jedwede Kriegshandlung zum Erliegen kommt (was so eine Bombe Mist macht! Was ein Flugzeugträger kostet, bittigoaschee!), ist endlich die Zeit gekommen, sich um die echten Probleme kümmern: Artensterben, Bodenversiegelung, Einführung eines Existenszmaximums von 1 Million €, darüber wird alles enteignet und in Sozial-, Bildungs- und Literaturförderung eingespeist.

  • Männer dürfen mit Stichtag 31. März nur noch Autos lenken, die bei 99 km/h abriegeln und automatisch Sicherheitsabstände einhalten. (Braucht man nur bei Audi, BMW, Mercedes machen, was anderes mögen die Herren ja nicht fahren).

  • Männern ist ein sehr, sehr glückliches und erfüllendes Privatleben zu ermöglichen, denn sie sind Stolz und Schönheit unserer Spezies! Viele gute Worte, Streicheln, frisches Wasser, vollwertiges Futter, ausgedehnte Spaziergänge und bis zu 20 Stunden Schlaf. Einmal in der Woche bürsten.

  • Das Pronomen jedes Wesens, das als FLINTA-Person gelesen werden möchte, ist „omi“.

  • Es ist zwecks spiritueller Unterhaltung ein ganz Neues Testament zu schreiben, in denen die vier Apostolinnen Blanche, Rose, Dorothy und Sophia die lustigsten Schnurren über die neue Welt erzählen.

  • Es ist eine neue Hymne zu verfassen, sie geht ungefähr so:

Is this my whole life? Was this just fantasy?

Caught in a LinzLand, no escape from reality

Open your eyes, put on the Lesebrill and see

I am a woman, I need your sympathy

Because my knees are bad, knorpel gone 

Little high, little beer

Anything the Mink says it does really matter to me, to all


Oma, just ate your cake

Put Schlagobers on the Plate, pulled my fork in, guad hods ma gschmeckt

Oma! Life has just begun!

Bad guys are gone and war is thrown away

Oma! Oh! All the mean guys you made cry

the won't be back again this time tomorrow 

Carry on, carry on cause Granny really matters


Samstag, Januar 31, 2026

Nimm mir diesen Tag als letzten

Lebenskrimskrams im Jänner 2026

1.1.

0:23 Uhr. Coala ruft an: „Des Joa zaahd si scho wieda!“

Keine weiteren Vorkommnisse im Privaten, in der Welt da draußen musste ein betrunkenes Paar vom Rauschkogel heruntergerettet werden. 

3.1.

In der Boulderbar S. und T. getroffen, zwei ausnehmend nette Leute mit ausnehmend anderen Lebensweisen – sie musste mit dem Vater ihres jungen Kindes in einem Normverdeutlichungsgespräch mitteilen, dass die Schiachperchten ihre Priorität gegenüber dem Familienleben verloren haben. Er bereitet soeben mit dem Schatzi eine Hochzeit auf den Seychellen vor (das kostet weniger als unsere im Schlachthof).

4.1.

Eine mittlerweile wichtige Tradition: mit Coala im Rohrer Kreisverkehr hängen bleiben. Heuer schaffen wir mindestens vier Umrundungen. Vielleicht eine der besten Kreisverkehrsumkreisungen in der Geschichte der Rohrer Kreisverkehrsumrundungen.

K. und S. lesen gerade mit Eifer ein Buch über „Effortlessness“. Und heimlich denke ich mir auch heuer wieder, dass ich mit Abstand nicht das vifste Fadl im Wurf bin. S. sagt, sie höre jetzt in der Früh keinen Metal mehr, um den Tag nicht gleich so geladen zu beginnen. Dann berichtet sie, dass die 4. Klassen im Wienerwaldgymnasium „Selbe Standt, anderer Planet“ lesen müssen. Das schmeichelt mir natürlich extrem, gleichzeitig bin ich froh, keine Sexszenen geschrieben zu haben (auch wenn das die jungen Leute gar nicht so gestört hätte). Arg aber der Gedanke, dass die dann beim 15. Maturajubiläum über mein Buch schimpfen („So fad, gar kein Sex!“ etc.). Zuhause gebe ich gleich mit der Mitteilung an. Buttinger: „Dabei hast du viel zu wenige Sexszenen geschrieben!“

5.1.

Der Hund hat sich offensichtlich für das Neue Jahr vorgenommen, sturer zu werden. 

6.1.

Ich beginne, über Alters-ADS nachzudenken. Einfache, gleichförmige Tätigkeiten dürfen nämlich nicht mehr länger als eine Minute dauern, sonst kommen sie mir vor wie Ergotherapie.

***

Was faseln alle von der guten, alten Zeit? Wie kann eine Zeit gut sein, in der WD 40-Spray und Gaffertape noch nicht erfunden waren?!

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Dinev, „Zeit der Mutigen“: Eines der wenigen Bücher, bei denen ich mich freue, dass sie so dick sind. Die Held*innen sind zwar meistens gar naiv geschildert, aber auf jeder Seite passieren drei große Dinge.

7.1.

ROMAN ABGEGEBEN. (Ich hatte schlicht keine Lust mehr, ihn zum 34545434534. Mal zu überarbeiten bzw. hätte ich sonst einfach wieder von vorne angefangen.)

8.1.

Im Wilheringer Lappland 

9.1.

Ich besitze eine sehr peinliche Sammlung von „Fut“-Bildern: britische Kennzeichen, Schmieragen, frostige Autoscheiben, Futlichtanlagen, Hilfe für die Opfer der Futen... nicht erst nach Erhalt des Nobelpreises löschen! Und bloß nicht im Blog veröffentlichen! 

10.1.

Immer wieder unterhaltsam, was für einen seltsamen Batzen Eiweiß man zwischen den Ohren wiegt. In der ZEIT steht Seriöses über die georgische Währung „Lari“, und natürlich merkt man sich das unwillkürlich mit der Larifari-Eselsbrücke, und zwei Seiten weiter steht dann das „Larifari“ auch da. Auf dem Weg zur Kletterhalle das reale déjà-entendu auf Ö1 mit Glenn Gould, das ich mir sogar an der selben Stelle der B1 anhöre (ich bilde es mir jedenfalls ein). Derlei passiert wirklich die ganze Zeit – hoffentlich, weil ich so viel denke und lese, wie ein Wal mit seinen Barteln Plankton isst. Vielleicht bin ich aber auch doof, mit lockeren Synapsen.

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Wir sitzen milde betrunken im sunkerlwarmen Black Horse, draußen breitet ein milder Blizzard einen Schneeteppich über die dreckige Stadt, auf dem wir glücklich heimknirschen. Schneeballschlacht mit Fini, jeder Schuss ein Treffer.

11.1.

Winterwonderland OÖ. Die Trottel unter den Landsleuten vergeuden dieses Glück durch Schneeschaufelgekratze. Alle anderen spazieren in die Au, in solcher Zahl, dass die bislang unbehelligten Rehe gar nicht wissen, wo sie hin sollen.

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Man könnte schon auch die Wut auf das ganze patriarchale Faschistenpack hier festhalten, aber wozu? Dafür habe ich doch die Öffentlichkeit, das Privatleben muss ich mir mit heiligem Zorn nicht verbrennen. 

13.1.

In jeder Paarbeziehung gibt es zwei Sorten von Such-Arten (Zeug-Heuristik?): Der eine macht ein psychologisches Profil, „wenn ich das Geldtascherl wäre, wo läge ich?“ + ein Bewegungsraster der jüngeren Vergangenheit. Der andere führt sich auf wie der alte Polizeipräsident mit dem entflohenen Häftling, indem er das Verlorene herbeibrüllt: „I bin's, dei Präsident, gib' auf!“

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Mein Haus wird heuer 45, wie ich bei der ziemlich entglittenen Suche nach dem Blumenübergabebild an den Ratzenböck herausfinde.

14.1.

Mein Haar ist jetzt wieder so kurz, dass es mich im Genick ein wenig friert, dabei hat es M. nach eigenen Angaben „eh noch nicht ganz sommerlich geschnitten.“

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ExpLit. T. und ich entwickeln – als Vor-der-Literatur-Show – die Idee eines Religions-Wrestle-Battles mit Plüschkreuzen (wir lassen uns das im Bauernkriegsgedenkjahr voll durchfördern).

Kaśka Bryla und Didi Drobna: <3. Sie kommen beim Lesen aus den Büchern über ihre Väter darin überein, NIE über ihre Mütter schreiben zu können, „die Wahrheit ist unmöglich!“, sagt Kaśka.

15.1.

Pforzheim besitzt einen Dackelbrunnen, ich aber Spar-Pickerl von Läusekraut und Gorgonenhaupt.

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Mittagsschlaf, bis die Sonne sich aus dem Nebel zu schälen beginnt, dann zur Donauküste, um nach der Gänseherde zu sehen. Danach den Kachelofen eingeheizt und den Diaprojektor aufgebaut, um nur ganz schnell zu sehen, ob er noch geht. Er geht, und hat ein Update zur Zeitreisemaschine bekommen – eine direktere Entrückung in die Kindheit ist nicht möglich. Lustig waren wir Kinder, schiach die Inneneinrichtung – ich erkenne, warum wir wirklich überall alles spielen durften. Der Garten war Anfang der 1980er nichts als eine trockene Gstättn, bis irgendwann die Kambrische Revolution ausbricht, befördert von Mutterns Blühbemühungen. Das Dokument der Blumenflucht vorm Ratzenböck, endlich, nach Stunden gefunden.

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Die Verfassung Ugandas wurde in Oberhollerenzen geschrieben.

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Homo Tapir“, Regine Koth-Afzelius: anhaltende Unterhaltung. „Was holen wir uns denn heute von der Welt herein – was ist der Plan?“ Etwas Schöneres, als mit so viel Liebe und Sarkasmus vom Schatzi beobachtet zu werden, kann ich mir gerade literarisch nicht vorstellen.

16.1.

Leider lache ich beim Lesen viel zu selten (ich bin eine spoiled bitch), aber IMMER beim Austrofred. Heute behauptet er, Fritz Ostermayer habe sich vorm Petzikasperl immer gegruselt, weil der ihn an eine Fistfuck-Puppe erinnere usw.

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Eigentlich eine bodenlose Missachtung nicht nur meiner Person, sondern des gesamten Kunstschaffens des Landes, dass noch kein Kind nach mir benannt worden ist (immerhin eine Babyziege).

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Zwei urban outdoorsmen singen unter dem Dach des Ursulinenhofs inbrünstig „Fang das Licht“, sogar mit passendem Akzent.

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Das Team der Hochmölblinghütte vermeldet im Internet, dass ein leichter „Haschdeckel“ auf der Landschaft liege.

18.1.

Die ZEIT schreibt in einem Artikel über verschenkte Erdäpfel in Berlin, dass Linz in Niederösterreich liege.

Abgesehen von diesem Skandal keine weiteren Vorkommnisse.

19.1.

Die Schrecken des Eises und der Finsternis! Aber nicht bei der Wanderung im Sengsengebirge, sondern bei der Anfahrt – es liegt ein dicker Eisdeckel über allen Wegen, nur mit viel Mühe rutsche ich mit dem Auto nicht in den Graben. Beim Zurückfahren drehen die Räder durch, ich beiße so fest die Zähne vor Anspannung zusammen, dass ich einen Muskelkater im Kiefer habe. Hätte ich die Sportuhr schon eingeschaltet, sie meinte, ich machte einen Bergsprint eine Schotterrrinne hinauf. Die dann folgenden 1148 Höhenmeter sind im Vergleich ein Spaziergeschlendere. 

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Gegen Mitternacht der Hauch eines Polarlichts, zu erahnen eher auf dem Handy-Display als mit eigenen Augen. Es muss ein Sonnensturm über dem ungerührten Wels toben. 

20.1.

M. erzählt von einer fatshamenden Kollegin, die ihr vor aller Ohren hineindrückte, dass sie dicke Menschen auf der Bühne nicht aushalte. Etwas später versuchte sie sich zu entschuldigen; sie wolle an sich arbeiten und sei bereit, mit ihr ins Theater zu gehen, da laufe ein Stück über Bodyshaming. Ich wiederhole mich: Wir hassen noch viel zu wenig. 

21.1.

Der Augenarzt rät mir gegen zu viele Steuern, in irgendwas zu investieren, er zeigt mir allerlei Geräte, die er für seine Ordination gekauft habe. Vielleicht besorge ich mir auch einen Gesichtsfeldmesser, dann kann ich mir mit den Augen was dazuverdienen. 

22.1.

Vom heutigen Tag habe ich mir nichts gemerkt, also wird auch nichts passiert sein. Ich weiß nur, dass ich für die Lesebühne ein "Drehbuch" plane, in dem der verstorbene LH Ratzenböck als Vampir mit Herz seine vielen Leben an den Kampf gegen Despoten verschenkt, indem er sie mit Requisiten aus den 1980ern mit in den nächsten Tod reißt.

23.1.

Das Strandgut birst aus all seinen Nähten. Aber das ist nur würdig und recht, wenn der selbsternannte Herrgott und die selbsternannte Bundespräsidentin sich eine Bühne (und nicht ein Zimmer in der Landesnervenheilanstalt) teilen.

Marc Carnal schmollt, weil das Publikum über René Monets „Woke Gemüse“ lacht, seine Drogen-“Fix“-Kosten aber verschmähe. Wir trösten ihn damit, dass der Buttinger den Drogensektor eben komödiantisch schon abgefrühstückt habe.

Coala kleidet uns in matching ugly sweaters, wir sehen entgegen ihren Intentionen sehr süß aus.

G. zeigt mir ein Foto von den Petroglyphen im Kammertret, man sieht „Minki & Fini“ darauf.

24.1.

Nach all der Euphorie ein Tag mit niedrigem Blutdruck, nicht einmal beim Lesen geht was weiter. Abends ein sehr scharfes Pad Thai, als Upper.

25.1.

H. hinterbringt mir zwei Welser Szenen: In der ersten kommt ihm in der Mittagsstunde in der Innenstadt ein alter Mann mit Rollator entgegen, auf Kollisionskurs, mit Augenkontakt. Als sie voreinander zu stehen kommen, raunt der Herausforderer: „Zum Uni-Moakt muasst geh, do is fuchzg Prozent auf ois.“ Später, am selben Tag, geht er ins Kino. Noch sitzt er als einziger da, bis eine Frau hereinrauscht. „Und i hob glei gseng: Do hod's wos.“ Äußerst umständlich schält sie sich aus der vielschichtigen Kleidung, setzt sich ächzend. Da sieht sie ihn und schreit ansatzlos: „Um wos geht'sn in dem Füüm?“ Es handle sich um „Bartleby“, eine postmortale... Die Frau dreht sich ächzend weg. Der Film beginnt, sie stöhnt. Er ist schon erleichtert, als sie zusammenpackt und geht – aber leider nur aufs Klo. „A so a Schaß!“ schreit sie bei ihrer Wiederkehr.

26.1.

A. schaut auf einen Sprung vorbei, und wie immer ist es mir zu kurz. Sie kränke sich, dass ihr Mann die Jogginghose nicht trage, die sie ihm zu Weihnachten geschenkt habe, „dabei hat sie so Knöpfe an der Seite, wie es die Migranten mögen!“ Die Grippequarantäne habe gut geklappt, weil die beiden Pubertierenden ohnehin keinen Wert auf Kontakt zu den Erziehungsberechtigten legten.

Wir sprechen über unsere Freude auf die Pension, die wir seit 2006 hegen, und wir rechnen nicht nach, wie viele scheiß Jahre wir noch schuften müssen für nichts.

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Eferding, Deutsch-Österreichische Freundschaftsgesellschaft

Eine Besucherin bringt einen sehr niedlichen Russell-Terrier namens „Sputnik“ mit ins Schloss. Sie sagt, alle ihre Hunde seien Russell-Terrier gewesen und haben bisher so geheißen, das helfe ihr bei der Trauerarbeit. Arg, aber auch arg gescheit.

Starhemberg erzählt von Ratzenböcks notorischer Überpünktlichkeit. Einmal sei er mindestens eine Stunde zu früh dagewesen und habe keine Spur des angekündigten Ereignisses gefunden. Ein Blick in den Kalender zeigte: Der Tag stimmt und auch der Ort. Ein Anruf seines Assistenten bringt die Lösung: das Jahr hatte nicht gestimmt.

Knut Cordsen ist ein guter Typ, schon alleine, weil er alte Bergdrama-Dokus liebt. In München lebt er seit 30 Jahren, lässt sich davon aber im Holsteinerisch-Sprechen nicht stören. So etwas geht auch nur in Deutschland.

Zum Glück mögen er und Kastberger „Die Wand“ auch sehr, sonst wär's gleich wieder aus mit der Freundschaft gewesen. Cordsen findet Sironic nicht so toll: „Begrabt mein Herz an der Biegung des Livestreams.“ Guter Buchtitel!

Fini hält tapfer durch, wechselweise von W. und Karin Peschka gestreichelt.

27.1. Grundlsee

Wenn die Demenz mir alle Tag nehmen will, bis auf einen, dann soll es dieser sein! (Oder lass' es den letzten sein, den sie mir nimmt.) Der See ist zu drei Vierteln mit ganz glattem, durchsichtigen Eis bedeckt. Zwar fahren wir länger mit dem Auto als mit den Schlittschuhen, aber der Preis ist klein angesichts des damit erworbenen Glücks. 

Den Hund macht es wahnsinnig, dass sie auf einmal so viel langsamer ist als wir, sie kratzt kaum die Kurve. Die am Rücken verschränkten Hände entsprechen endlich einer adäquaten Haltung, nicht nur meiner Verwandlung in einen alten Mann.

Nach drei Stunden meines rastlosen Hin- und Herflitzens fragt der Buttinger, der sich mit dem Hund auf einer Bank ausgerastet hat, ob ich nicht schön langsam müde sei. „Ich bin seit zweieinhalb Stunden müde!“, sage ich und flitze noch einmal hin und her.

Es liegt so wenig Schnee, dass man die eine oder andere Wanderung jetzt schon machen könnte. In vier Monaten komme ich zurück, es werden die längsten des Jahres sein. 

28.1.

Die Raucher-Kästen in der Plus City sind allesamt voller mittelalter und alter Männer. Ein von sich selbst beeindrucktes beiges Influencer-Darsteller-Paar mit ganz glatter Haut und gleißendem Haar schreitet daher wie auf einem roten Teppich (es ist ein Mittwochvormittag in Pasching). Er im bodenlangen Steppdeckenmantel, sie basic bitchy, mit extrem langen Nägeln. Vielleicht ein LASK-Neuzugang mit sehr viel Ambition.

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Habe ich I.s Geschichte vom Beo schon einmal aufgeschrieben? Hier zur Sicherheit: Das Tier habe die Frau seines Besitzers mit der exakten Imitation von Wasserplätschern und Babygeschrei in den Wahnsinn getrieben. Sie habe dann zu Fleiß noch drei Kinder bekommen, der Beo wurde gegen Piranhas getauscht.

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Auwald, Linz. Ein älterer Herr dreht mit seinem Rad extra noch einmal um, damit er mir mitteilen kann: „De Hund'! I hob's so gern.“ Ohne auf eine Antwort zu warten fährt er davon. 

Fini verliebt sich ein wenig in einen Hund, den seine Besitzer als „Slowakischen Raubart“ bezeichnen. 

29.1.

Ungarisch ist unarisch.

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Beim Ausmisten in einer alten „Bravo“ eine Single-Boy-Anzeige von Josef Ratzenböck aus 4180 Zwettl gefunden. Auch ein LH war einmal jung! „Bezirk UU und Umgebung“, „nicht größer als 1,70 m“. Freundlich muss sie nicht sein. Schade wird’s sein um Printmedien!

Nebenbei lasse ich die „Trump-Show“ auf ORF laufen. Wenn man dem Oger länger als ein paar Minuten Aufmerksamkeit schenkt, fällt erst das Ausmaß des allgemeinen sane washings auf. Seriöse Medien präsentieren immer nur ganz kurze Schnippsel seines Sprechflusses, die werden dann vernünftig und objektiv eingeordnet (wie Kotproben im Sanitätsdienst). Arg etwa die Aufnahme vom Labour Day im Weißen Haus, dem Trump der Reihe nach alle Sykophanten schön tun müssen. "What you got for me, Foreign Minister?" 

31.1.

Nach „Haus der Sonne“ lese ich mit „Beteigeuze“ den nächsten Roman über Biopolarität. Dann fange ich „Schleifen“ an, eine große Freude für Linguistik-Nerd*innen. Allerdings nur stocknüchtern zu derreiten. Eines der Bücher, von denen ich sofort weiß, dass ich es wieder lese, weil ich es beim ersten, zweiten, dritten Mal nicht checke.

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Der Pressesprecher des Surfclubs München heißt Maximilian Malsy-Mink (Maximalsymink, das wäre ein guter Künstlername für mich!).

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Facebook erinnert mich daran, dass mich Facebook vor 15 Jahren daran erinnert hat, dass die Ehefrau des Wildecker Herzebuben Gliem die Großcousine von Bruce Willis ist. 

Donnerstag, Januar 29, 2026

Die neun Leben des Dr. Josef Ratzenböck

Drehbuch für einen Smash Hit im Land der MOÖglichkeiten

Deadlines inspirieren mich, vielleicht geht sich ja noch was für den Oscar aus. Beim Prokrastinieren für diesen Lesebühnen-Text bin ich auf die Idee verfallen, alte Familiendias zu sichten – derzeit posten ja alle Fotos aus dem Jahr 2016, wo noch alles gut gewesen sein soll. Ihr Narren! 1986 hätten wir richtig abbiegen können! Die Sowjets wegen Tschernobyl aus dem Buch der Geschichte streichen, die USA wegen Endes des Kalten Krieges auf ihr Staatsgebiet einhegen, die Erfindung des Internets in klügere Hände legen, das Matriarchat den Völkern mit liebevoller Mütterlichkeit oktroyieren.

Ein Dia, ein buenas dias, siehe oben, zeigt eine humoristisch wertvoll gewordene Szene, die ich auf Facebook dergestalt beschrieb: „Vor 40 Jahren sollte ich dem LH Ratzenböck einen Blumenstrauß überreichen, weil er uns ein Dach auf die Volksschule Schönering gesetzt hatte. Ich geriet aber in Panik und paschte ab. Der Bürgermeister fing mich und leitete mich sanft zum Landesvater, der gütig das Gebinde aus meinen schweißnassen Händen wand. Was sind eure besten Ratzenböck-Nachrufe? Die schönste LH-Schnurre gewinnt!“

Darauf schrieb Frau Karin H., geschätzte OLW-Stammgästin: „Der Cousin meiner Mutter ist der Überzeugung, dass der Ratzenböck schon vor 20 Jahren gestorben ist, aber erst jetzt begraben wurde.“ Ich wollte daraufhin eine arge Geschichte über Balsamierungspraktiken schreiben (den Mao zum Beispiel haben sie mit Formaldehyd ja historisch belegt aufgepumpt wie einen Weinschlauch), dass das auch in OÖ in der Pathologie der Barmherzigen Schwestern versucht wurde, um den Kulturstandort neben dem luftgeselchten Pfarrer von St. Thomas am Blasenstein mit einer weiteren sehenswürdigen Mumie aufzuwerten.

Aber das Thema waren am 23. Jänner ja Katzen, und die haben neun Leben. Bester Stoff für einen actiongeladenen Episodenfilm, in dem der Ratzenböck immer wiedergeboren wird: Er stellt seine Bonusleben der guten Sache zur Verfügung. Im zweiten Leben kauft er aus einem bulgarischen Schrottzoo einen Tiger frei und macht ihn scharf, sodass er den bei Woronesch fischenden Putin anfällt und endlich aus dem Bestand der Menschheit entnimmt. Der Tiger frisst dann leider auch den Ratzenböck, sodass er schon im dritten Leben angelangt ist. Es zeigt sich, dass er mit jeder Reinkarnation ein bisschen weniger lebendig ist, womit gleich auch das Zombie- bzw. Vampir-Genre mit abgefrühstückt werden kann.

Nun schickt die NATO den Alt-LH nach Amerika, wo er den Trump und den JD Vance auch gleich mit Glykolwein final unter den Tisch säuft, unter Aufopferung seines eigenen Lebens, aber erfolgreich.

So geht es dahin, peace keeping durch robuste Einzelkämpfer-Attacken – im Nahen Osten, Iran, Sudan, Kongo, Weißrussland, Nordkorea & China: Überall werden die führenden Kriegstreiber waidgerecht vergrämt (aus dem Leben). Das müsst ihr euch jetzt selbst ausmalen, gern mit den Requisiten der 1980er als Waffen, enthauptet mit Modern Talking LPs, verätzt mit saurem Most, überdosierte Schilddrüsentabletten, stranguliert mit selbstgestrickten Zopfstirnbändern, erschlagen mit Acrylmalerei, vom Opel Kadett überfahren, vom umfallenden Wurlitzer getroffen.

Am Ende seines letzten Lebens ist von der Vitalität des LHs nicht mehr viel übrig, er lenkt seine letzten Schritte zurück an den Ausgangspunkt der Geschichte. Dort klopft er an die Tür eines Einfamilienhauses mit baubehördlich vorgeschriebenem Atomschutzbunker (jetzt voller Hofer-Wein und alter Ribiselmarmelade). „Meindl Mink“, knarzt es aus seinem zerfaserndem Kehlkopf, „i hob mein Beitrog gleist, jetzt sad's es Jungan drau.“ Er sinkt zu Boden, endlich ewige Ruhe, und die neue Herrscherin im Land der Moöglichkeiten lässt dem verdienstvollen Landesvater ein großes Requiem im Linzer Dom ausrichten. Danke, LH Ratzenböck! 

Donnerstag, Januar 01, 2026

Vampire auf Urlaub, Seelen-Kimchi und Schande über alles Schöne

Lebenskrimskrams im Dezember 2025

1.12. Wien

Eine Jurysitzung. Zwanghaft schlüpfe ich wieder in die Rolle der unseriösen Tante, bald sagt die Vorsitzende freundlich, sie schreibe jetzt meine Vorschläge nicht mehr mit („Keine Prämie für Leute, die in Dubai Urlaub machen!“). Eigentlich hätte ich noch zum Trinken mitgehen und die lieben Leute von den Literaturhäusern viel mehr ausfratscheln sollen. So erfahre ich zumindest, dass Franzobel zu Lesungen immer sein eigenes Bier mitnimmt, weil es sonst ja nur Wasser gibt. 

Nachts löse ich den Hund aus. L. eröffnet mir, dass mein Godnkind seit Neuestem angesichts von Kraken total ausflippe, mit knapper Not hatten sie den Riesenkalmar an der Decke des Hauses der Natur vor ihm verheimlichen können. Eigentlich möchte ich mir ja schon lange einen riesigen Kraken über die Schulter tätowieren lassen... Dann reden wir sehr lange über die viele heiße Luft in unseren Businesses bzw. unser Imposter-Syndrom. 

2.12.

Mache ich lieber mein Erbe oder meine Zeit zu Geld? Ich versuch's mal mit Bookbot.

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Wenn die ZEIT doch nicht ewig diese feisten Beilagen schickte! Man kommt mit dem normalen Papierwahnsinn schon nicht durch! Heute: 100 Bücher des Jahres, von denen ich nur vier gelesen habe, weil ich ja immer nur die ZEIT lesen muss statt Büchern.

3.12.

300 Höhenmeter über dem Büro herrscht Winterwonderland, dafür habe ich ab Donnerstag keine Termine mehr, also drinbleiben im Sud.

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Schande“ beim experiment literatur. Vienna Rest in Peace geht alle Instrumente durch (Ralf: „Und d'Saugeign is d'Saugeign.“ Alle: „Ja.“) Ob sich denn so ein gewissenhafter Soundcheck für die Welser denn auszahle, frage ich den Ostermayer – zu meiner Schande, denn das Haus ist voll, alle glücklich, nachher leeren sie den Merch-Gabentisch. Ostermayer ergreift das Heft der Handlung und kündigt sich einfach selbst an, verbunden mit dem Versprechen, sich heute den Schwanz NICHT zu panieren. Ich könnte jeden seiner folgenden Sätze mitschreiben, ich habe fast durchgehend gelacht. Nur beim Text über das Muttersterben nicht, wo Faschingskrapfenmarmelade aufs schüttere Schamhaar tropft bei der Verkündigung, dass er mit 67 jetzt Vollwaise sei. Wahrscheinlich finde ich ihn so großartig, weil er (neben allen anderen Fähigkeiten) alle so nahe an sich heranlässt. Besonders schön seine Liste aller, die sich was schämen sollten, weil sie Bücher, Filme, Songs mit dem Titel „Ich bereue nicht“ veröffentlicht haben.

Autofiktion: Ein bescheidener Einbrecher ertappt den Erzähler beim Wichsen, woraufhin sich die beiden höflich miteinander zu unterhalten beginnen. „Nicht einmal einen abgeschnittenen Fingernagel gönne ich der Kunst!“ sagt der Onanist etwa.

Schließlich der großartige Schlusssong:

Schande über die Konzeptkunst

und ihre Klugscheißerei

Schande über alles Schöne

und das Schiache sowieso“

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Ganz am Ende ihrer Dienstzeit treffe ich Mieze dann doch noch in Wels. Sie müsse sich jetzt auf die neue Generation einstellen (wo sind wir grade, bei Alpha?), und erzählt von einem Kreativschreib-Lehrgang, bei dem manche der Teilnehmer*innen zum ersten Mal mit dem verrückten Konzept „Lesung“ konfrontiert werden. Mieze: „Wir performen, ihr hört zu.“ „Darf man da auch andere mitnehmen, zum Beispiel Mütter?“

(Das erzähle ich später Coala, und die weiß von A., dass eine junge Frau beim Bewerbungsgespräch fragte, ob sie ihre Mutter mitnehmen dürfe. Eine andere fand die Firma nicht und sagte den Termin ennerviert ab.

4.12.

Was machen die Menschen eigentlich, denen man nie ein Mikro in die Hand drückt, in das sie ranten dürfen? Mir ist nach der Stunde im dorfTV (Es geht um imho doofe OÖ Hausordnung) schon ein bisschen leichter – gleichzeitig habe ich danach wie immer die Angst, jemanden verletzt zu haben. Anstrengend. Fatih sagt alles, was ich eigentlich sagen wollte, nur ein wenig präziser. Ein Guter. Mir bleibt die Forderung nach mehr Mehrheitenrechten (also Matriarchat). Wir sehen die Sendung dann ein paar Tage später zufällig beim Zappen. Buttinger schaut eine Weile zu. „Vo dir mecht ma echt ka Watschn kriang. I geh jetzt ins Bett, bevorst wos auzindst.“

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In der Kletterhalle schaffe ich eine Schwamberger-7a am Automaten beim ersten Versuch bis zum viertletzten Zug, das möchte ich auch einmal festhalten!

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Wie schnell und wie langsam zugleich so ein Tag vergeht.

6.12.

Weißwein ist mein psychoaktiver Scheiß. Zuerst träumte mir von einem gewaltigen Waldbrand im Toten Gebirge. Dann will ein Mann zum Buttinger und mir ins Schlafzimmer dringen, nur ich kann ihn sehen, habe aber natürlich Schlafparalyse und schaffe nicht mehr als ein jämmerliches Maunzen. Buttinger sagt, er habe zuerst geglaubt, der Hund fiepe, die auch gleich ihre Schnauze besorgt neben mein Gesicht legt. Im zweiten Traumteil findet – fast noch ärger! – das Festival der Regionen bei mir statt, im Haus. Ich habe keine Zeit für das Ganze, was die Veranstaltenden sehr traurig macht.

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T. rät mir im Thalia, eines meiner Ohren als Reliquie dem Schlachthof zu vermachen.

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Hundemesse in Wels, die Stadt ist voll davon. <3

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Intensives Liegen und Lesen. Es ist ein wenig so, als würde die seelische Ernte des Wandersommers reif geworden. Die Sommerstunden auf der Weißen Wand kommen mir vor wie edles Seelen-Kimchi, die Hetzkogelumrundung wie Nussgeist. 

8.12.

Feichto-Schinden. In 1,5 Stunden ist immerhin die ganze GAV-Lesebühne fertig geschrieben. 

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K.s juristisches Roman-Konsilium ist ein Traum! Aus meinem „sie sah mich ratlos an“ macht sie „sofort ernsthaft überlegend“, die ganze Passage klingt jetzt exakt nach ihr, wofür sie sich innigst und wiederholt entschuldigt, sie mag es mir nicht glauben, dass mir das sehr gefällt. „Aber einer Schriftstellerin redet man nicht drein in ihr Werk!“ Wie herrlich, hätte sie recht. Aber gar nicht erstrebenswert. Man braucht viel Hilfe in der Kunst. 

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Das Glück des Möbelumstellens. Buttinger hilft mir kopfschüttelnd, dann trollt er sich und röstet mir Knödel (Glück 2).

9.12.

Fini entdeckt ihr Weihnachtsgeschenk und ist menschlich von mir enttäuscht, dass sie es nicht behalten darf.

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Insgesamt neblige Tage, in vielerlei Sinn. War der Dezember meteorologisch immer schon so scheiße oder ist das der Klimawandel? Dank des gschissenen Internets wissen wir unfreiwilligen Vampire, dass außerhalb des Zentralraums ein Leben an der Sonne möglich wäre. 

11.12. Eferding 3x3

Ein Abend wie eine menschliche Schatzkammer. Karin Peschka kniet sich zum Hund auf den Boden, hinter ihr nähert sich Ana Drezga fast in einer Verbeugung an und sagt, „darf ich auch Hallo sagen?“ Sie meint nicht mich, sondern den Hund. Sofortige Sympathie! Elif sowieso Beste: OMG, „Amerika ist jetzt wieder mit ihrem Ex zusammen!“ Fini furzt aber aus Furcht, weil Sticker & Prosser so anrauchen, dabei kennt sie das doch schon vom November. Danach viele gute Worte mit vielen guten Leuten. 

12.12.

Unfassbar peinlich, wie zufrieden mich das Umfüllen von Zeug in bessere Behältnisse macht. Es ist reine Ergotherapie ohne jeden weiteren Zweck. Nur halb so zufrieden macht das Ausmisten des Admin-Augias-Stall (ist binnen einer Stunde ja wieder vollgemistet). Dreiviertelzufrieden mit dem Brunnen. Alles wird irgendwie, braucht aber 17 Anläufe.

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Über das allmähliche Versagen der Gedanken beim Anblick dieses Nebels.

13.12.

Ohne viel Genierer eine Handvoll Socken für die nächsten Angehörigen gekauft, mit lauter pfiffigen Tiermotiven drauf, das Meiste kaufe ich im Advent eh immer für mich.

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Im „Singapur“ sitzt ein oller FPÖler am Nebentisch und erklärt seiner Begleitung allerhand FPÖ-Sachen. Mit was für Leuten man den Happy Place teilen muss, und das Leben insgesamt.

14.12. Sengsen

SONNE. Man kann nur unterschätzen, wie ekelhaft die vergangenen Wochen waren. Was für eine Leistung von uns allen im Zentralraum, nicht völlig auszuflippen! Gleichzeitig schicken Dani und ich Fotos an die Whatsapp-SChwesterngruppe, ich eins von der Sonne im Bergwald und Dani eins vom Bodensee, Coala antwortet mit grauer Wiener Tristesse und der Feststellung „Euer Himmel sieht komisch aus.“

Auf dem Schillereck halten Fini und ich ein kleines Schläfchen, ich mit dem Hundehintern im Gesicht, aber da bin ich hart im Nehmen bei so einem Glück.

15.12.

Zurück im fucking fog hasse ich schon wieder alle, vor allem Leute im Hofer, die mich nicht einmal anschauen, wenn ich ihnen ausweiche. Es wird Zeit für menschenferne Tage.

Ein Tag auf der Flucht vor dem Roman. Ich taumle durch meine Aufgaben wie die Trottel im Hofer. Die Prioritäten rutschen wie ein Schweizer Gebirgshang. Am Ende versuche ich auch noch, die leidige E-Rechnung für die Sitzung am 1. zu stellen, wofür ich so lange brauche, dass damit allein schon das Honorar vertan ist. Der Staat tut hier sein Mögliches, um Geld von den Kunstschaffenden geschenkt zu bekommen.

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Kraut, Schnaps und Keks bei der Godn. 

16.12.

BLAUE HIMMELSFETZEN!!!! Als habe die schlechte Tagespresse („0 Stunden Sonne – Linz Top-Urlaubsdestination für Vampire“) den Nebel zur Einsicht gebracht. Die 10 Minuten sind natürlich ein Pflanz. Immerhin keine Hautalterung im Dezember.

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Wegen Erledigungsdrucks Steuerbelege der Jahre 2008 bis 2017 ausgemistet (wenigstens wirklich ins Altpapier, nicht auf einen Stapel, damit ich die leeren Rückseiten auch noch bekritzle in meiner zwänglerischen Sparsamkeit).

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Weiterführung der Fotoserie „Wohnsitze in Schönering“, der Fund heute ist besonders schön – ein Gardenasessel als Ansitz vor einem Dachsbau.

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Homo Tapir“ ist eine seltene und beneidenswerte Mischung aus hochtrabendem Geistesblitzen und fortwährendem Alltagszumutungen, dazu sogar ein wenig nature writing. Hodina kommt relativ schlecht und gleichzeitig sehr gut weg. „Mir ist egal, was du über mich schreibst, Hauptsache es geht um mich.“ Sehr, sehr lustig! 

17.12.

An Miezes Vermutung, dass wir aus dem Slam-Milieu allesamt ein wenig ein ADHS-Ding laufen haben, könnte etwas dran sein. Weiter skurriler Tätigkeitsdrang statt Schaffenswut. Es ist aber auch die mühsame Phase der Entscheidungsnotwendigkeit beim Romanschreiben angebrochen. Ab jetzt pickt, was liegt.

Extremstes Symptom: Geschirrspülerreinigen, ein Magentraining um 22:39 Uhr. Ich bin schon wo angrennt.

18.12.

Wieder Sonne! Wieder wie ein kleiner Gruß aus der Küche, in 20 Minuten ist der schöne Spuk wieder vorbei.

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Heute ist der letzte nüchterne Abend.

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In zehn Minuten beantrage ich ein Arbeitsstipendium (für den Roman, an dem ich seit 2019 arbeite), dann staube ich 60 Minuten das Esszimmer ab. #priorities

19.12.

Ist es uncool, wenn man sich selbst Tradwive wird?

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Sleep Roulette: Vor dem Schlafengehen einfach das Handy ganz abdrehen und schauen, wann ich munter werde, weil's wurscht ist, wenn ich erst um 9 Uhr aufwache. Stattdessen ist es dann 6:23 Uhr. Mit der Arbeit fange ich trotzdem erst drei Stunden später an.

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Heute die Erstfassung des Romans fertig gebracht [Im Nachhinein ist nicht mehr zu erahnen, wie ich das angesichts der ganzen Prokrastination gemacht habe – heimlich an mir selbst vorbei?!]. 

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Das gar nicht so kleine Glück: Der Fährmann hebt extra für mich noch einmal die Schranken. Das ist mein letzter Arbeitseinsatz in diesem Jahr, und dann ist es auch noch eine Präsidentschaftssache in Ottensheim. Ich soll eine Kunstverlosung zugunsten des Bauhofs moderieren, darunter ziemliche Kapazunder. Das Objekt, das am dummen Kunstmarkt wohl am wertvollsten ist, schaut zugleich am schiachsten aus – die Schenkung vom Attersee. Mehrmals rufe ich weibliche Namen auf, woraufhin Männer zu mir auf die Bühne kommen, beim dritten sage ich dann, „ihr in Ottensheim seid eindeutig progressiver drauf als wir drüben in Wilhering.“

Danach stehen wir recht glücklich am Weihnachtsmarkt. N., der jünger ist als ich, sei nun der älteste MINT-Lehrer reihum. Wir trinken ein wenig, die Fahrzeuge vom Bauhof machen was mit Glitzer und Beleuchtung. Zum ersten Mal höre ich „Last Christmas“ und bin ganz ohne Sarkasmus ziemlich glücklich dabei.

21.12. Sengsen

Eineinhalb Stunden auf den warmen Holzbrettern der Bärenriedlau gelegen. <3

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Wie immer small und deep talk bei der nachbarschaftlichen Geselligkeit. Wie immer mag ich zuerst nicht hin und dann nimmer heim.

22.12.

Einmal im Jahr gehe ich zum Fleischhacker Moser, um meinen Menschen meine Liebe zu beweisen. Und weil es in Schönering kein netteres Shopping-Erlebnis gibt. Dort werde ich zum Dr. promoviert, weil der Rabatt-Eintrag vererbt wird. Der Hund kriegt wieder ein halbes Kilo Putenbrust und kriegt sich darüber nicht mehr ein.

Irgendwie geht sich wieder alles aus.

23.12.

In der letztmöglichen Stunde für lange Zeit im Lagerhaus eine neue Tauchpumpe besorgt und in den Brunnen gehängt. Wie gesagt: Besitz besetzt. Dann trinken wir Freistädter und Karamelllikör, damit wir es besinnlich haben. 

24.12.

Ganz wie erhofft bilden die Hunde im Engelskostüm das Highlight der Heiligen-Nacht-Show. Seil sind die leicht zu Unterhaltenden! Alles, was wir einander schenken und geschenkt bekommen, entspricht der Kategorie „Genau das hat noch gefehlt!“ 

Fini rührt in der Heiligen Stunde kein Ohrwaschel, es wird ihr also alles recht sein.

Kein Gin Tonic am 24., kein Cry am

25.12.

Stattdessen zwei Stunden Mittagsschlaf und sonst nicht viel! So einen schönen Christtag hatte ich wohl schon lange nicht mehr.

26.12.

Ein Flötenwahnsinn ohne Drama, beinahe zu früh wieder zuhause. Eh gut, wenn es am 10. Todestag der Mutter ein wenig gut ist.

27.12.

Ca. 1300 Höhenmeter beim Einräumen des Kellers. Irre: Ich habe jetzt zu viel Platz! Nein, es gibt da kein Zuviel.

28.12.

Traum, dass man den Everest von Hartheim aus sehen kann („Man vergisst, wie riesig dieser Berg ist!“) An seinem Fuß allerhand Skilifte und Alpinschulen. Wir lassen uns den Besteigungsversuch vom Land OÖ. fördern, als Lesebühnenausflug. Ja, ich habe Weißwein getrunken.

29.12. Sengsen

Wieder einmal deppert durchs Unterholz, aber auch wieder sehr tief auf der Bärenriedlau geschlafen.

2026 – an mir soll's nicht scheitern.