Donnerstag, Januar 29, 2026

Die neun Leben des Dr. Josef Ratzenböck

Drehbuch für einen Smash Hit im Land der MOÖglichkeiten

Deadlines inspirieren mich, vielleicht geht sich ja noch was für den Oscar aus. Beim Prokrastinieren für diesen Lesebühnen-Text bin ich auf die Idee verfallen, alte Familiendias zu sichten – derzeit posten ja alle Fotos aus dem Jahr 2016, wo noch alles gut gewesen sein soll. Ihr Narren! 1986 hätten wir richtig abbiegen können! Die Sowjets wegen Tschernobyl aus dem Buch der Geschichte streichen, die USA wegen Endes des Kalten Krieges auf ihr Staatsgebiet einhegen, die Erfindung des Internets in klügere Hände legen, das Matriarchat den Völkern mit liebevoller Mütterlichkeit oktroyieren.

Ein Dia, ein buenas dias, siehe oben, zeigt eine humoristisch wertvoll gewordene Szene, die ich auf Facebook dergestalt beschrieb: „Vor 40 Jahren sollte ich dem LH Ratzenböck einen Blumenstrauß überreichen, weil er uns ein Dach auf die Volksschule Schönering gesetzt hatte. Ich geriet aber in Panik und paschte ab. Der Bürgermeister fing mich und leitete mich sanft zum Landesvater, der gütig das Gebinde aus meinen schweißnassen Händen wand. Was sind eure besten Ratzenböck-Nachrufe? Die schönste LH-Schnurre gewinnt!“

Darauf schrieb Frau Karin H., geschätzte OLW-Stammgästin: „Der Cousin meiner Mutter ist der Überzeugung, dass der Ratzenböck schon vor 20 Jahren gestorben ist, aber erst jetzt begraben wurde.“ Ich wollte daraufhin eine arge Geschichte über Balsamierungspraktiken schreiben (den Mao zum Beispiel haben sie mit Formaldehyd ja historisch belegt aufgepumpt wie einen Weinschlauch), dass das auch in OÖ in der Pathologie der Barmherzigen Schwestern versucht wurde, um den Kulturstandort neben dem luftgeselchten Pfarrer von St. Thomas am Blasenstein mit einer weiteren sehenswürdigen Mumie aufzuwerten.

Aber das Thema waren am 23. Jänner ja Katzen, und die haben neun Leben. Bester Stoff für einen actiongeladenen Episodenfilm, in dem der Ratzenböck immer wiedergeboren wird: Er stellt seine Bonusleben der guten Sache zur Verfügung. Im zweiten Leben kauft er aus einem bulgarischen Schrottzoo einen Tiger frei und macht ihn scharf, sodass er den bei Woronesch fischenden Putin anfällt und endlich aus dem Bestand der Menschheit entnimmt. Der Tiger frisst dann leider auch den Ratzenböck, sodass er schon im dritten Leben angelangt ist. Es zeigt sich, dass er mit jeder Reinkarnation ein bisschen weniger lebendig ist, womit gleich auch das Zombie- bzw. Vampir-Genre mit abgefrühstückt werden kann.

Nun schickt die NATO den Alt-LH nach Amerika, wo er den Trump und den JD Vance auch gleich mit Glykolwein final unter den Tisch säuft, unter Aufopferung seines eigenen Lebens, aber erfolgreich.

So geht es dahin, peace keeping durch robuste Einzelkämpfer-Attacken – im Nahen Osten, Iran, Sudan, Kongo, Weißrussland, Nordkorea & China: Überall werden die führenden Kriegstreiber waidgerecht vergrämt (aus dem Leben). Das müsst ihr euch jetzt selbst ausmalen, gern mit den Requisiten der 1980er als Waffen, enthauptet mit Modern Talking LPs, verätzt mit saurem Most, überdosierte Schilddrüsentabletten, stranguliert mit selbstgestrickten Zopfstirnbändern, erschlagen mit Acrylmalerei, vom Opel Kadett überfahren, vom umfallenden Wurlitzer getroffen.

Am Ende seines letzten Lebens ist von der Vitalität des LHs nicht mehr viel übrig, er lenkt seine letzten Schritte zurück an den Ausgangspunkt der Geschichte. Dort klopft er an die Tür eines Einfamilienhauses mit baubehördlich vorgeschriebenem Atomschutzbunker (jetzt voller Hofer-Wein und alter Ribiselmarmelade). „Meindl Mink“, knarzt es aus seinem zerfaserndem Kehlkopf, „i hob mein Beitrog gleist, jetzt sad's es Jungan drau.“ Er sinkt zu Boden, endlich ewige Ruhe, und die neue Herrscherin im Land der Moöglichkeiten lässt dem verdienstvollen Landesvater ein großes Requiem im Linzer Dom ausrichten. Danke, LH Ratzenböck! 

Freitag, Dezember 12, 2025

Wunschliste ans Christkindi für 2026: Ich bitte um eine gute Sterbstunde

Liebes Weihnachtswesen, hier ist wieder deine Minki! Sorry, dass ich mich immer nur zu deinem Geburtstag bei dir melde, es ist allerweil so ein Wirbel, aber ich glaube das ganze Jahr über fest an dich. Da sind wir ja Kolleginnen, denn was wäre das Kind Gottes, und was wäre eine Bundespräsidentin, wenn niemand glaubt, dass es uns gibt?! Du darfst dir auch gern was von mir wünschen, sag' einfach Bescheid, wenn ich was tun kann für dich, zum Beispiel einen Pflegeplatz für den Papa.

Auch heuer formuliere ich meine Wünsche eingedenk der Frohbotschaft des Erzengels Michael: „You can't always get what you want. But if you try sometime you'll find you get what you need!“ In der berühmten Vulgata-Übersetzung von Joki Kirschner: „Geschenke sind nicht wichtig, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man sie hat, wenn man sie braucht.“ In diesem Sinne! Folgendes wünsche ich mir heuer sehnlich:

  • Eine Zeitreisemaschine, eh keine arge, sie kann aussehen wie eine Saunakabine im endlich trockenen Keller (Vergelt's Gott dafür!), und sie muss nur sechs Monate in die Vergangenheit zurückgehen, und auch nur im Winter – ich möchte einfach nur jederzeit oben im Hochsommer in meiner geliebten Wildnis des Toten Gebirges sein, und beim Hinüberschauen auf den Dachstein nasse Augerl kriegen. Ein Sommertag in meiner selbstgebauten Vergangenheit und ich wär' leistungswillig wie ein feuchter neoliberaler Traum.

  • Ich bitte innig um die Wiederschenkung meines Grundvertrauens in meine humane Mitschöpfung. Man muss ja nicht so einen Stiefel zusammenwählen. Bitte lass' die Leute wieder mehr Bücher lesen, müssen eh nicht nur die unseren hier sein. Gerne hätte ich weniger Satire in der Politik, es ist derzeit sauschwer, selbst eine zu schreiben.

  • Dann brauche ich neue Turnschuhe, ich bin zu blöd dafür, oder zu unentschlossen, vielleicht wär's gscheiter, wenn es eine leicht kommunistische Konsumwarenverknappung gäbe, also nur noch sagen wir zehn verschiedene Sorten, dann tu ich mir leichter.

  • Abschließend wünsche ich mir, dass die Wissenschaft endlich ihre Prioritäten geregelt kriegt, was soll diese oasch Rüstungsforschung, setzt euch auf eure Hosenböden und arbeitet emsigst an lebensverlängernden Maßnahmen, keinesfalls aber an der longevity durchgeknallter Nabobs wie Musk, Bezos und Zuckerberg, da vielleicht sogar bitte in die Gegenrichtung, mein Wunsch betrifft die Lebenserwartung von Hunden, die bitte exakt an jene ihrer Halterinnen angekoppelt werden möge, so schwer kann das ja nicht sein.

Das war's schon für mich! Weihnachten ist ein Fest der Liebe, da soll man nicht nur an sich selbst denken, sondern einmal an andere. Auf nationaler Ebene:

  • Unserem Bundeskanzler Stocker wünsche ich ein bissi mehr Eier, nicht im männlichen Sinne, das sind ja maximal zwei weiche, sondern Millionen taffe Fraueneier, damit er endlich in die Puschen kommt. Ich wünsch dem Buddha von Wiener Neustadt einen Neustart! Und dem Vizekanzler, dem Babler Andi, wünsch ich alles Gute, er hätt ja unlängst fast meinen Hund geküsst, drum samma Hawara, ich wünsch ihm Milliarden für ein ordentliches Kulturbudget.

  • Dem österreichischen Wahlvolk wünsche ich 2026 viele Momente der reflektierenden Einkehr, es sind nämlich keine Wahlen weit und breit, da müsst ihr euch nicht deppert aufganserln lassen.

  • Harald Mahrer wünsche ich einen guten Übergang in seinen nächsten Karriereabschnitt. Möge ihm Potpourri an neuen Aufgabenfeldern blühen, eine AMS-Abteilung nur für ihn. Er kann sich eine Stelle aussuchen oder gleich alle übernehmen, also: Liftwart in Kirchschlag, Behindertenbetreuer in Hartheim, Tierheimputzmann, Image-Restaurator der SOS-Kinderdörfer, Bardienst im Strandgut, der Bundespräsidentin den Keller ausweißigen, Koordinator des Science-Hubs für Zeitreisebüros und Dog Longevity – halt einfach einmal eine echte, ehrliche Arbeit, die Gutes bewirkt!

  • Den Verantwortlichen der Rodung des Bergschlössl- und der Ziegeleistraßenparks zugunsten des Westrings wünsche ich, dass sie postmortem in einem ewigen Kreislauf an Autobahnzubringerkreisverkehren sich verheddern und erst wieder herausfinden, wenn die Hölle sich mit Eis bedeckt.

  • Allen Herren, die im Gendern eine Verhunzung der Deutschen Sprache sehen, wünsche ich per sofort den Paygap ihrer eigenen Gattinnen an den Hals. Plus eine verpflichtende Nachschulung im Fach angewandte Diachrone Linguistik im Ausmaß von vier Semestern.

  • Allen Herren, die mir mit ihren blöden Premiumfahrzeugen den Vorrang nehmen, obwohl hinter mir kein anderes Auto ist und die mich dann ausbremsen, weil sie drei Meter weiter abbiegen, diesen Linksabbiegenazis wünsche ich einen erweiterten Sachkundenachweis, weil sie ein Listenauto fahren und insgesamt dass sie sich 2026 viele Papierschnitte und Fieberblasen holen.

Damit sind wir schon auf der globalen Ebene:

  • Allen Despoten, Tyrannen, Faschisten, Demokratiefeinden wünsche ich herzlich eine gute Sterbstunde. Davor viele Papierschnitte und Fieberblasen. Ich wünsche Trump, dass er viel in Hundekot steigt und erst draufkommt, wenn er schon quer über den sauteuren Seidenteppich im Ballroom gelatscht ist, und ich wünsche ihm 2026 die Rache der Journalistik, #epsteinfiles. Ich wünsche Putin, dass ihm kein Hund mehr zugeht, kein liebes Tier lässt sich jemals wieder von ihm streicheln, nie mehr wieder ein warmer Blick aus treuen Augen, und ich wünsche ihm einen nächtlichen Schlaganfall, seine Adlaten fragen sich in der Früh, nanu, wo bleibt der Chef denn, sonst ist er um 5 schon in der Höh, aber ich trau mich nicht nachschauen, sonst ist er ement grantig und schickt uns an die Front! 72 Tage später folgt Putin seinem großen Vorbild Stalin, Tod wegen unterlassener Hilfeleistung.

  • Ich wünsche allen Patriarchen dieser Welt ein Jahr als Frau, den Taliban zuhause, Trump in Somalia; alle haben Cellulite und Endometriose, dazu eine super-übergriffige Chefin und einen Mann, der viel fremdgeht und bei jeder Gelegenheit erklärt, dass Gendern die deutsche Sprache verhunze.

  • Der Hamas, den aggressiven Siedlern, den „Konfliktparteien im Sudan“ etc. wünsche ich, dass es sie beim Niesen in tausend Fetzerl zerreißt und sie keine Hände mehr haben, um sich aufzuheben.

  • Hier noch der Vorjahreswitz, der ist noch pfenninggut: Viktor Orban wünsche ich, dass er weiter so rasant verbladet, dass ihn sein sinnloser Populismus weiter so aufdunsen lässt wie ein totes Pferd am Ufer des Balatonsees (Bladatonsee, haha).

Jetzt aber Schluss und Liebe! Ich wünsche euch allen drei Kilo Gewichtstsunami, viel Liebe, auch körperlicher Art, und brave Christkindl! Ausschließlich hier bin ich Befürworterin der Kinderarbeit.

Ab 1. Jänner 2026 gilt dann die neue digitale Autobahnvignette, in Trafiken gibt’s noch die zum Picken, wer's nicht anders haben mag, sie ist feuerrot, und weiterhin gilt das Matriarchat, auch das lodert feuerrot und insgesamt ist es golden.

Montag, November 24, 2025

Die neue oberösterreichische Hausordnung

Das kleine 1x1 des Zusammenlebens

Vergangene Woche hat die oö. Landesregierung eine „Hausordnung“ präsentiert. Jetzt bin ich nicht die hellste Kerze auf der Torte der Arithmetik – aber ist 1x1 nicht trotzdem nur eins, und ist das nicht die niedrigste einstellige Zahl? Also irgendwie der klitzekleinste gemeinsame Nenner, sprich: sehr wenig? Egal. Wichtiger ist, dass sich das nur Männer ausgedacht haben, also gilt das für die auch. Für alle anderen gelten WEITERHIN die unsere gemeinsamen Regeln und Werte, die ich mit Liebe und Sorgfalt hier aufnotiert habe. 

1. Jeder Mensch hat Würde und verdient Respekt, auch wenn er oder sie beschließt, darauf keinen Wert zu legen und bei Kulturveranstaltungen z.B. „La Montanara“ zu singen, ohne es zu können und mit Schnupfen, oder wenn die Person schiache Ballkleider aus den 80ern anziehen mag. Oder selbstironische Witze macht, was trotzdem streng verbietet, der Person gegenüber auch frech zu werden.

2. Bitte schnäuzt euch! Das Geräusch ist einfach nicht auszuhalten!!!!

3. Wir sprechen hier Deutsch! (Bzw. „Deutsch“) Schnäuzen also bitte mit Ä schreiben, denn es leitet sich von der Schnauze ab. Wir in OÖ gendern, das ist gelebter Brauch, es heißt nicht umsonst Muttersprache. Männer sind zwecks besserer Verständlichkeit mitgemeint.

4. Hunde sind respektvoll zu behandeln und dürfen gerne vor deren Halter*innen begrüßt werden. Wir lieben die Hunde so wia a Kindal sei Muata.

5. Das arschlingse Buserieren im Straßenverkehr ist verboten, insbesondere für SUVs bzw. Audi-, BMW-Fahrer etc. Listenautolenker müssen generell eine erweiterte Alltagstauchlichkeitsprüfung zusätzlich zum Sachkundenachweis ablegen, wenn ihr Kraftfahrzeug die Schulterhöhe von 1m übersteigt.

6. Das Laufen auf den Gängen ist verboten, im Gebäude sind Hausschuhe zu tragen.

7. Männer sind nach Kräften den anderen Geschlechtern gleichzustellen, das Matriarchat ist für alle da!

8. OÖ hat Platz für alle Religionen, wenn sie still im Ausmaß eines privaten Hobbys betrieben werden und nicht nerven, also ca. wie Modelleisenbahnbau, Goldhaubenstickerei oder Hinterglasmalerei.

9. Beim Tarock werden nur Spatz und Uhu angesagt, alles andere ist gottloser Unfug. Kommt die Trui gemeinsam zum Liegen, sticht der Pagat, eh klar.

10. Fleischereifacherzeugnisse dürfen nicht mehr irreführend als Bradl oder Wiaschtl bezeichnet werden, sondern als „Der Sau aus dem toten Nacken gefletschtes Fleisch“ bzw. „in seine eigenen Eingeweide gestopfte Kadaverreste“.

11. Respektspersonen wie etwa die Bundespräsidentin sind in OÖ Schulen mit einem schmeichelhaften Bild in den Klassenzimmern zu repräsentieren und höflich zu grüßen, gerne auch Nackenmassagen anbieten und ihren Hund sowie ihren Regierungsstil loben, das ist nicht cheesy, gutes Bier kredenzen – hier ist Regionalsnobismus angezeigt, da unsere heimischen Brauereiprodukte wahrhaft die besseren sind; Zipfer aber höchstens frisch gezapft.

12. Es gibt in OÖ immer noch diese Probleme mit dem Stadtbild, also Menschen, die extrem gschissn aus der Wäsche schauen, etwa nur um ein Beispiel zu nennen Herrn G. aus Wels, Schillerstraße 1/3, der mich zu Fleiß immer so grämlich anschaut, dass seine Mundwinkel über den Unterkiefer herunterhängen, keine Ahnung, was der gegen mich hat!

13. Bitte passt's besser beim Mülltrennen auf, das ist doch echt nicht schwer, jetzt darf man sowieso fast alles in den Gelben Sack schmeißen, Gmundner Keramik im Großgebinde zum Bauschutt, Lederhosen zur Carla, VOEST-Stahl zum Altmetall, die Handflächen zueinander, noch einmal, schneller, ja, so wird ein Applaus draus! (Letzteres schriftlich bissi doof, aber man kann ja auch einmal privat alleine klatschen).


Mittwoch, Oktober 29, 2025

Bird Watchlist 2026

 

On the wrong side of the 40ies wetteifern mehrere Torheiten um die Freizeit des Menschen bzw. Mannes. Gravelbikefahren, Vintagerennradrestauration, Craftbierbrauen, Baristakaffeesnobismus, Tenkara-Fliegenfischen. Sie eint der Drang, unfassbar viel Geld auszugeben und unfassbar viel darüber erzählen zu wollen. Noch am sympathischsten ist das Birdwatching, also das Vogel-Spechteln. „Schau, ein Wintergoldhähnchen im Prachtkleid!“ „Oh, die Birkhenne kirrt den Hahn in ihre Huderpfanne!“ Diese gefiederten Freunde möchte ich 2026 watchen:

1. Dodo, Greif, Roch oder Phönix (das wär' ein Hallo am Birder-Stammtisch!)

2. Den zahmen Spatzen, der täglich zur gleichen Zeit auf die Hand meines Wahl-Großvaters flog und sich füttern ließ

3. Die Rückkehr der Feldlerchenpopulation vor dem Beginn der industriellen Landwirtschaft

4. Den Sturzflug des PatriArchaeopterix

5. Die Gans Martin aus Nils Holgersson, skandinavischer Sympathieträger

6. Jürgen Vogel, ist vielleicht ein guter Typ

7. Dschungelzwergfischer (auf "Iratebirds" als weltschönster Vogel gerankt)

8. Haubenmeise (ein Vogel wie ich, mit Mittagsschlaffrisur)

9. Der Steinadler auf dem Gipfel des Bruderkogels am Grundlsee

4. Papageno und Papagena bzw. sämtliche Vogelfänger des Salzkammergutes, denen ich in einem amtlichen Normverdeutlichungsgespräch darlege, dass man die armen Vogerl bitte nicht mit einer Leimrute fesselt und sie dann den ganzen Winter in sein Stinkestübchen sperrt, während man selbst in Thailand überwintert, nur zur Gaudi, wenn die Vögel frei über die Wälder des Toten Gebirges fliegen könnten, wenn sie schon bei uns bleiben, weil das ist eine Standorttreue, die ihnen wir garstigen Menschen einmal nachmachen sollten, scheiß auf dein deppertes Brauchtum, aber echt.

Dienstag, Oktober 07, 2025

Der Pilznarr. Gerechtigkeit für Schönering

Als mich der Sprecher der Akademie an diesem Oktoberdonnerstag anrief, um mir den Nobelpreis für Literatur zuzusprechen, ließ ich den Hammer fallen. Nun sind sie völlig verrückt geworden, dachte ich, damit ist der Preis endgültig ruiniert. Ich brachte nur ein wortloses Gurgeln heraus, das man in Stockholm für ein Zeichen der Rührung hielt.

Ich stieg benommen vom Dach meines Baumhauses, das in seinem siebten Jahr wieder angefangen hatte, mein Bett zu nässen; ein schwerer Landregen hatte die größte Leistung meiner Dichtkunst zunichte gemacht. Alles ließ ich nun liegen und stehen, die Planen, die Dachpappe, die Dichtmasse. Vor dem Gartentor hatte sich bereits eine gewaltige Pressetraube gebildet, die Fotografen hielten eifrig auf meinen Hund, der schon wieder in den Vorgarten schiss, obwohl ich doch in der Früh mit ihm äußerln gewesen war. Ich hielt inne, dachte über das kostbare Wort „äußerln“ nach, ist nicht alles Sprechen ein Versuch, das Innere zu äußerln, da schrien mich die Journalisten gierig an, sie forderten Reaktionen und Reaktionen von mir, keiner von ihnen rief mir entgegen, dass er schon ein Buch von mir gelesen habe. Gut, beide sind vergriffen, aber dafür hatte das Dach drei Jahre lang dicht gehalten.

Ich bin nicht hier für des Hundes Scheißdreck!“ rief ich. Im Zustand äußerster Entfremdung lief ich ins Haus, sperrte die Tür zu und wählte mit zitternden Fingern die Nummer des einzigen Menschen, der wusste, wie es mir jetzt ging. Doch Peter Handke hob nicht ab, typisch für diesen Bewohner des Elfenbeinturms in der Niemandsbucht! Er genoss das Exil, das ich ihm damals empfohlen hatte, zwecks Reparatur seines Images. „Zieh auch nach Schönering!“, sagte ich ihm nach seinem Auftritt als Gast bei der Lesebühne, „zieh in mein Dorf, keine Sau interessiert sich dort für seine Dichter! Einmal im Jahr, Peter, lese ich im Pfarrheim für die Senioren, alle fünf Jahre zum Frauentag für die SPÖ-Damen, das war's! Eine heilige Ruhe!“ Tatsächlich konnte sich Handke der Öffentlichkeit hier, am Ostrand des Eferdinger Beckens, in unsere Oase der Poesielosigkeit retten. Ja, es war eine Rettung, seit zwei Jahren lebt er wunschlos glücklich in einem Vierkanter und sucht den lieben langen Tag Vogelfedern und Tintenröhrlinge im Kürnbergerwald. Will dem scheinbar verwirrten Großliteraten ein freundlicher Jogger den Weg zurück durch die Borkenkäferschneisen zeigen, sagt Handke „Ich komme Edramsberg her, von Schönering, von Wilhering“, und alles ist gut. 

 

Verlassen wie ein Kind im Grenzland lief ich durchs Haus, und leider, leider verfiel ich auf die Idee, ins Internet zu schauen. Keine Stunde war mein Nobelpreis alt, schon wurde meine gesamte Vita an die Öffentlichkeit gezerrt wie eine Picknickdecke, an der ein Rudel Paviane reißt. Mein Deutschlehrer erzählte lachend von meinem Faible für Guns N' Roses samt Fransenlederjacke, und dass meine Aufsätze damals eher lieb als gut gewesen seien; meine Schwester gab bei Barbara Stöckl preis, dass ich mir als Kind über Nacht ein Plastikdraculagebiss um 5 Schilling in den Mund gesteckt habe, um meinen Überbiss zu korrigieren. Auf ORF 3 machten sich Daniela Strigl und Klaus Nüchtern über die Rechtschreibfehler in der „Sau“ lustig, Nüchtern erzählte, dass ich zur Not auch Stiegl trinke. Und in der Mittags-ZiB plauderte Christian Wehrschütz über meine Freundschaft mit Kim Jong Un, Fotos von einem Begräbnis wurden eingeblendet. Ich geriet in Zorn, die Verwandtschaft kann man sich halt nicht aussuchen!

Da läutete es Sturm an der Tür, ich riss sie auf und sah Landeshauptmann Stelzer auf der Dacke, neben ihm strahlte Bürgermeister Mario Mühlböck. Sie klopften mir links und rechts auf die Schulter, der „Ortskaiser“ überreichte mir ein Bild vom Stift Wilhering, der „Landesvater“ eine Pfeffermühle aus Leondinger Fichtenholz. Da senkte sich mein Blutdruck, und ich richtete das Wort an die beiden. „Ich fühle mich losgebunden vom Pfahl des eigenen Ich!“ Wir umarmten einander.

So sah ich nicht, wie die Pressetraube heranwanzte. Jemand tippte mir auf die Schulter. Armin Wolf! „Frau Meindl, Peter Handke sagt über Sie, dass zwar ihre Literatur großartig sei, aber Ihre Dichtkunst nicht, denn es regne schon wieder in Ihr Baumhaus!“ Ich war wie vom Blitz getroffen. „Verschwinden Sie!“, schrie ich, „und stellen Sie mir nicht solche Fragen! Ich stamme von Handwerkern ab, von Wegmachern, von Schneidern her! Von keinem Menschen hör' ich, dass er sagt, der Rasen ist aber schön geschnitten, und wie der Zuckerhut in Ihrem Hochbeet gedeiht, alle fragen nur wie Sie!“

Ich schlug, das muss ich zugeben, dem frechen Wolf mit der Pfeffermühle ein bisschen auf den Kopf, dann zog ich Stelzer und Mühlböck in mein Haus und sperrte die Weltpresse aus. Um unsere Stimmung zu reparieren, bot ich den Gästen selbstgebackene Hanfkekse an. Bald lagen wir kichernd auf der Soff, der Hund eingerollt und furzend zu unseren Füßen, und am Ende wurde es doch noch ein gemütlicher Nachmittag. Dem Handke, diesem geschwätzigen Arschloch, habe ich seither nie mehr beim Winterreifenwechseln geholfen.

Dienstag, September 23, 2025

Jenseits von Aussee. Pfiat eng God schee, liabe Almen, pfiat di God schee, Redford Bert!

Um ein kathartisches Tränenerlebnis zu ermöglichen, empfiehlt es sich, dazu Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 abzuspielen, das Adagio

Der Schauplatz <3

Er hatte eine Alm am Fuße des Toten Gebirges. Ein paar hundert Meter vom Dreibrüdersee entfernt. Die Sommer sind kurz hier im Karst. Es war an einem prachtvollen Julitag, da ich vom Bruderkogel abstieg, reich an Beute, denn meine Augen hatten auf dem kaum bestiegenen Gipfel einen Adler gesammelt, der mich wiederum anblickte, bevor er sich über das Widderkar in die Lüfte sinken ließ, als sei es das Meer, das ihn trug. Und auf Meeresboden stand ich, Millionen Jahre alt, in diesem jungen Sommer. (Also der Meeresboden war so alt, ich nur seelisch.)

Ich kam also an der Gössler Alm vorbei, gelöst und gebadet, als ich einen Reflex im Augenwinkel sah. So einen Farbton hatten meine jagenden Augen hier noch nie gesehen, ich hieß den Hund über das hohe Gras fliegen, um das Wild zu stellen. Zu meinem höchsten Erstaunen erklang eine menschliche Stimme, im Grundton wohl tief, aber ich vernahm ein hohes Frohlocken: „Jo Puppi, jo wer bist denn du?!“ Im Näherkommen sah ich ihn zum ersten Mal.

Robert Redford.

Jo, wo bist denn du?“ „I bin do, Robert!“ „Ned du, du Lustige, da Hund, wos isn des fira Rass, des is owa a gaunz a gschickte!“ Niemand würde mir glauben, dass ich hier stand, und dem berühmtesten Schauspieler der Welt erklärte, dass ich den Hund aus dem Heim gerettet hatte, „ma!“, dass sie meine treue Begleiterin sei, „geh liab!“, und wir soeben einen Steinadler erspäht hatten für meine Birding-Liste, „wos d' ned sogst!“ Er hieß mich Platz auf der lärchenen Bank nehmen, dann langte er in den Grander hinter der kleinen, schiefen Hütte und öffnete uns zwei Flaschen Freistädter Ratsherrn. Es lag nicht an meiner einfühlsamen Zurückhaltung, dass ich ihn um kein Selfie bat, sondern daran, dass ich gerade mein Handy im Geröll verloren hatte.

Naja, was soll ich sagen, wie es weiterging. Ich stieg Stunden später im Licht der Sterne ab, mit schlechtem Gewissen, und natürlich hat mich der Buttinger unten in Gössl sehr geschimpft, dass ich so spät daherkräule, wieso ich nicht abgehoben habe, um ein Haar hätte er schon die Bergrettung geholt! Als ich ihm vom Handyverlust berichtete und vom Schmusen mit Robert Redford, der sich hier einen einsamen Almsommer lang vom Leben eines internationalen Superstars erhole, sagte er, ok, Meindl, besorg dir ein neues Handy, und wie schmust der Redford Bertl, ist er so nett, wie er ausschaut? Ja, sagte ich, und er mag Hunde. Da war der Buttinger ein bissl eifersüchtig, aber der Hund und ich, wir schmiegten uns innig an ihn und ich sagte, du bleibst mein Redford von Wels! Mein Herz ist groß genug für euch beide! 

 

So kam es, dass ich auch am nächsten auf die Gössler Alm aufstieg. Es war sehr schön. Am vierten Tag ging ich aber ins Widderkar, denn es ist kein Urlaub, wenn ich nicht im Widderkar war. Tags darauf war der Bertl bedrückt. Er ahnte, dass ich eine wilde, unzähmbare Strawanzerin hier im Toten Gebirge sei. „Schau“, sagte ich zu ihm, „ich habe hier noch lange nicht alles gesehen, und der Urlaub dauert nur noch zehn Tage.“ Ich trocknete seine Tränen mit dem Ärmel meines nicht mehr ganz frischen Merinoleiberls. Am nächsten Tag nahm ich ihn mit auf den Jägersteig ins Widderkar hinüber, wir sahen den Adler wieder. Der Hund sprang fröhlich der Gams nach. Der Eisenhut blühte. Der Wind wuschelte Roberts güldenes und mein ofarbenes Haar. Wir machten Rast in der Wiese, wieder tranken wir Freistädter. Dann sah er mir in die Augen:

Du hast es mir verdorben.“

Was?“

Das Alleinsein.“

Du hast gewusst, dass ich mit dem Buttinger fix zusammen bin.“

Ja“, sagte er.

Da stieß der Adler seinen scharfen Schrei aus, wie um uns vom Abschiedsschmerz abzulenken. Der Hund legte sich zu uns auf die Decke und knibberte an den Pfoten.

Bertl, wieso kannst du eigentlich so gut Deutsch, mit Dialekt sogar?“

Weil mei Muada a Dosige woa. Und mei Voda vo Gramastettn.“

Da gab es mir einen Stich ins zerwanderte Herz. Es brauchte nicht lange, um herauszufinden, dass er mein Großonkel war. Irgendwann würde ich darüber einen verwickelten Familienroman schreiben (sehr praktisch in Originalbesetzung zu verfilmen), aber heute waren wir melancholisch wegen dieses Inzests. „Naja, egal“, sagte ich, „des hod uns do no nia gschodt.“

Robert sah hinüber zum Bruderkogel, jetzt sprach er im Tonfall Meryl Streeps:

Ich weiß ein Lied vom Toten Gebirge, von den Gämsen und vom Abendrot, das die Felsen erglühen lässt, von den Almen und den Gräsern, die sich im Wind neigen. Weiß das Tote Gebirge auch ein Lied von mir? Zittert die Luft über den Gipfeln jemals in einer Farbe, die ich an mir hatte, spielen die jungen Murmeltiere ein Spiel, in dem mein Name vorkommt, wirft der Vollmond einen Schatten auf die Gössler Alm, der dem meinen gleicht? Hält der Adler vom Bruderkogel nach mir Ausschau?“

Wir strichen einander wieder die Tränen von den Backen.

Im nächsten Sommer führte mich mein erster Weg auf die Gössler Alm. Die Hütte war vom Winter zerwirkt und verschlossen. Der Hund sah mich an und winselte. Mit schwerem Schritt zog ich hinüber ins Widderkar.

Von fern sah ich den Lagerplatz des vorigen Sommers. Darauf lagen (jetzt wird’s schön, aber unwahrscheinlich) im Licht des Sonnenuntergangs eine Löwin und ein Löwe, die eine längere Zeit auf unserem Almboden blieben. Es gehört und ziemte sich, dass die Löwen diesen Ort aufsuchten und ein Denkmal für uns waren.

Ich war guter Dinge und stieg ab, ohne die unwahrscheinlichen Gäste zu stören. Das wird dem Buttinger gut gefallen.

Dienstag, August 05, 2025

Do I am?

Das hier ist keine Homepage, das oberste Posting stammt quasi aus dem Mesozoikum. Neues erscheint nur im Verborgenen, irgendwo weiter unten. Aber lasst euch nicht stören, das hier ist nichts weiter als eine Text-Verschenkungs-Plattform. 



Sonntag, Juni 01, 2025

Omaficker in Lehenrotte, ausgestopfte Pfarrer im Mühlviertel und Naturkritiker im Hallstättersee

Lebenskrimskrams im Mai 2025

1.5.

Für einen Moment glaube ich, jetzt wirklich alle in den Apps markierten Wege im Sengsengebirge zu kennen, wobei „kennen“ schon nicht stimmt, ich verkoffere mich immer noch. Außerdem gilt's höchstens für die Südseite, und da nicht. Es ist die beste unlösbare Aufgabe meines Leben, die ich mir ohne Not gesucht habe. 

2.5.

Neue Erkenntnisse zu mumifiziertem Pfarrer“ als Headline auf orf.at – ist das ein gutes Zeichen für die Weltlage? Man hat ihn arschlings mit Zweigen, Stoff und Sagscharten angefüllt. Hochwürden ausgestopft wie ein Teddybär! Welcher arme Mensch musste damals diese Arbeit verrichten? Erich von Däniken habe im Übrigen vermutet, dass da Außerirdische Hand angelegt hätten.“

***

Die sehr liebe und sehr junge Friseurin nenne ich „Marion“, dabei heißt sie Mariam. Was so wenige Buchstaben ausmachen. Sie ist aus Armenien gebürtig und schnippselt mit großer Fürsorge an mir herum, dabei versieht sie meine Wangenknochen, meinen Teint und die Haar“farbe“ mit Komplimenten – und sieht selbst 34xmal hübscher aus als ich.

***

Es ist Urfix und dementsprechend viel los in Alturfahr West. Das Strandgut wird gut frequentiert, was aber nicht an meiner Lesung liegt, sondern daran, dass viele junge Menschen darum bitten, hier ludeln gehen zu dürfen. Mich kränkt das Ausbleiben des Publikums nicht, wir ratschen gemütlich vor uns hin. Unmittelbar vor dem geplanten Lesungsbeginn kommen doch noch fünf fremde Menschen daher, die ganz freundlich um die vereinbarte Leistung ersuchen. Am Ende stel sich aber heraus, dass zwei der neu hinzugekommenen Frauen praktisch kein Wort verstanden haben, schon gar nicht meine dahingeplauschten Zwischenmoderationen im Dialekt. Meli sagt am Ende, sie finde die Lesebühne lustiger, „bist ma eh ned bes?!“

Weiterhin kommen dauernd junge Burschen vorbei. Zwei bleiben bei Fini stehen. „Was ist das für eine Rasse?“ „Sie ist...“ „Cool, und wie heißt er?“

3.5.

Gemeinsames Schuften im Garten gegen die botanische Entropie – aber weil uns die neue Mauer so eint, geht alles halbwegs harmonisch vonstatten. Abends bei Nachbars. Das Geburtstagskind prahlt vor Neuangekommenen mit unserer schlechten Nachbarschaft. Wir trinken dafür zu Fleiß den Wein, den wir selbst mitgebracht haben.

4.5. Hallstatt („Tonspuren“) 

 

Zu meiner Überraschung gibt es einen täglichen Direktzug von Wien nach Hallstatt, in dem ich den Hirschl nicht sofort finde, weil sehr viele andere Passagier*innen auch lange, dunkle Haare tragen (und von mir als Asiat*innen gelesen werden). Fini aber spürt den Herrn Erfolgsautor sofort auf. Julia steigt in Wels zu und spürt Fini sofort auf.

Ab Gmunden muss ich sehr an mich halten, um nicht dauernd die Berge zu benennen („Für Blinde und Sehbehinderte wird diese Zugfahrt im Zweikanalton übertragen“).

An der Anlegestelle wartet der Bürgermeister auf uns, ich „beschwere“ mich über das Fehlen einer kleinen Blasmusik. Er fragt mich, ob er leicht der Gemeindeärztin verschergen solle, dass es eine fiktionale Version von ihr gibt!? „Owa i woaß eh ned, ob's zan Lesn kimmt.“ Dann führt er uns an die Hotspots, wo er selbst eigentlich sich nicht mehr anschauen lassen will, wegen Überlastung. Später lädt er uns auf einen Kuchen ins Kaffee, dort erzählt er vom Spalierbaum, der händisch bestäubt werden muss. Am Ende streichelt er Fini. „Jetzt mog i mei Kotz scho so, wia muass des mid am Hund erscht sei?“

Hirschl und Julia waren praktisch noch nie in Hallstatt. Es ist überraschend interessant, das Dorf mit ihren Augen zu sehen. Elias ist ganz begeistert von der „Hallstätter Luft“, wenn die Flasche nur 5 € gekostet hätte, würde sie schon in seiner Wohnung stehen.

Er sagt, er könne es sich jetzt endlich eingestehen, „dass ich die Natur nicht mag.“ Immer wieder habe er versucht, in einem Café im Gastgarten zu schreiben, „aber entweder ist es zu heiß oder zu kalt, oder der Wind geht. Dann kommt eine Fliege.“ Später geht er in den 10° Grad kalten See baden, draußen ist es keinen Deut wärmer, der Hund zittert im Wind. 

 

Einmal habe er der Jelinek einen handgeschriebenen Brief geschickt, weil er dachte, das sei nun ja schon eine ältere Dame, und er habe sich geschämt, als sie ihm per Mail antwortete (worin sie ihn unter anderem darauf aufmerksam machte, dass „Hirschl“ einfach die deutsche Übersetzung von „Jelinek“ sei).

Francesca Herr wird später unter Hirschls Hallstatt-Posting kommentieren, sie sei Anfang 2000 mit ihrem damaligen Freund auf die Schnapsidee verfallen, in Hallstatt Silvester zu feiern. Untergekommen waren die beiden bei zwei 90-Jährigen, die von den Jungen mit Mama und Papa angesprochen werden wollten. 

5.5.

Öffentliche Anreise mit Zug und Bus nach Hause. Mit dem Rad wäre ich schneller von Wels hierhergekommen. Neuland Eiselsbergerstraße in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ein später Februartag im Mai, die Landschaft ein kalter Dschungel.

6.5.

Es gibt ein Tier namens „Gleichfarbkuskus“ (in der ZEIT dann gleich doppelt in der Rubrik „Du siehst aus, wie ich mich fühle“ verwendet, zu Coalas Ärger, „grad bei so einer wichtigen Sache!“)

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Für eine Besprechung muss ich mit der Fähre nach Ottensheim. Ab jetzt möchte ich in den warmen Monaten den ganzen Parteienverkehr hier erledigen, mit Kaiser-Mühlecker telefonieren, mit M. den Workshop besprechen. Paulo Danubio begrüßt mich vor den Pendlern und Radlpiefkes mit „Zeawas, Frau Präsidentin!“ Zahlen muss ich nichts, „jo, zoag ma's hoid, die Stroafal.“ Zum Abschied sagt er „A scheens Wochnend!“ Ich bedanke mich, es sei halt Dienstag. „Wird scho wieda amoi ans kumma.“

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In der Boulderbar sagt der Typ, der aussieht wie der Mark Wahlberg von Pasching, dass das bei mir so leicht aussehe. Tatsächlich scheint mich der Kampf gegen den Dschungel im Garten wieder etwas ertüchtigt zu haben. Trotzdem stelle ich mich selbstverständlich nur in Boulder, bei denen ich den Arsch vom Boden kriege.

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Die neue Humor-Kategorie bei Grisse- und Stermann gefällt mir sehr gut: 1-Stern-Bewertungen auf Google. Die Votivkirche sei „zu religiös“.

7.5.

Stimmung und Aktivitätsdrang sind augenscheinlich direkt an den Stand der Sonne und die Temperatur gebunden. Heute leichte Manie, ein Zwischenhoch. Ich trage 37 Kilo Granit vom Donaustrand nach Hause. 

 

Wahrscheinlich ist das auch schon die Vorbereitung fürs experiment literatur. Ich will nicht mit faulen Händen dem Kaiser-Mühlecker begegnen. Entweder ist er ein wenig kokett, oder er weiß wirklich nicht, wie absurd fleißig er ist. Während ich mich schon vom Einfamilienhaus eingespannt fühle wie ein alter Ochs ins Joch, macht er Landwirtschaft und Literatur jeweils de iure im Nebenerwerb, de facto in Vollzeit.

Die waschaecht-Präsidentin schaut in den bummvollen Raum und sagt lächelnd, „jetzt miass ma schaun, dass ma mid de Zoin wieda owakemman!“

Kaiser-Mühlecker liest er extra für mich die Beschreibung des Toten Gebirges und für den Buttinger die Angelszene. Auf die Frage, welche Rolle die Landschaftsbeschreibung in seinem Werk habe, sagt er, in „Schwarzer Flieder“ sei ihm eine sehr schöne gelungen, seither probiere er es immer wieder einmal. 

Man müsse an den Figuren „alles herunterklopfen, was gefällt, was sie sich zulegen, was die anderen denken.“ Wenn sie so dastünden, wisse man erst, wer sie sind.

Er berichtet von einer Schreibwerkstatt in Edenkoben, bei der sich niemand dafür interessiert habe, wie er denn das Schreiben angehe, sondern nur, wie sie Jo Lendle bezirzen könnten.

Beim Biertrinken sagt er, eigentlich habe er mit dem Motorrad kommen wollen. Sofort verschwinden er und der Buttinger in einem tiefen Fachgespräch.

8.5.

Aktuell wieder das verstärkte Gefühl, dass ich mir meine Zeit zu billig abkaufen lasse. Vielleicht versehe ich meine Zusagen mit einer Schönwetterklausel. Wenn ich nicht wandern gehen kann, wird’s teurer. Obwohl da – mein einziger heutiger Termin – der Frauenarzt eher nicht mittun wird.

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Am Nachmittag gehe ich mit dem Einhell-Arsenal auf den Garten los, bis es raucht – der Buttinger ruft nämlich an, „mia ham an neichn Bobst.“ Minuten später sehe ich einem US-Amerikaner zu, der mit Blick auf den Petersplatz mit den Tränen kämpft. Im ORF wird eine „Vatikanista“ befragt (lauter neue Berufe, ich kannte nur die „Barista“). Später nutze ich die Gelegenheit, eine dumme Geschichte darüber zu schreiben, dass der neue Leo meinen Garten irrtümlich für einen Teil der Landesgartenschau hält und mich besuchen will, damit er ein paar Stunden Ruhe hat. Es muss ja wirklich das schlimmste Leben sein. Nie mehr allein, nie mehr in der Nase bohren, keine Granitsteine stehlen, vom Wandern ganz zu schweigen, das Tote Gebirge ist gestorben für einen Papst. 

9.5.

CliniClowns-Gala im Posthof. Weil wir gleich vor dem Start eine Verspätung aufzwicken, schlage ich den BlöZingers vor, der Einfachheit gleich miteinander aufzutreten, haha. Es sind alle sehr lieb, aber der Zeitplan ist schneller Makulatur als ein Papierbrand. 

 

Backstagejausnen mit dem lieben Winkler, Plauschen mit dem lange nicht mehr gesehenen Ex-Nachbarn. Seine Gattin und er haben noch einen Nachzügler bekommen, „glei nei Monat, nochdem ma aufs Laund zong san, woaßt eh, es hod dauat, bis es Kawöfeanseng valegt hom.“

10.5.

In Burma gibt es von Chinesen betriebene Lager für Scam-Zwangsarbeiter, samt extra eingerichteten Luxuswohnungen und Büros für die noch bessere Täuschung.

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So lange und sorgfältig alle verholzten Körperstellen durchgedehnt, dass zumindest der Körper getäuscht ist und glaubt, entspannt zu sein.

Dann nach WIEN 

 

zum Hochfest der österreichischen Slamily: 100 Jahre Markus und Mieze. Die wenigsten unter uns sind wesentlich jünger, es wundert uns wohl alle, dass wir Slam-Urgesteine sind. Sehr jung natürlich der Hirschl, der mir mit gut gelaunter Fassungslosigkeit berichtet, wie die Überraschung gelingen konnte: „Die beiden sind seit JAHREN systematisch belogen und betrogen worden!“ Peter Clar musste extra nach Ottakring rasen und hoffen, dass keiner der beiden schon die Post geholt habe, denn der Verlag hat die Vorschau eine Woche zu früh versendet (irre eigentlich, das HERBSTprogramm im Mai, aber so machen es jetzt alle). Clar musste die unwilligen Nachbarn bitten, ihn reinzulassen, dann ins Postfach langen und den Brief herausstierlen. Zwei Jahre Heimlichtuerei beinahe umsonst! Mieze und Markus werden später erzählen, dass sie sich schon sehr gekränkt hatten, dass in den vergangenen Wochen alle ihnen gegenüber auf einmal komisch geworden seien; in Wahrheit aus Angst, sich zu verplaudern.

Wir alle warten gespannt auf das Jubelpaar, das glaubt, gegen gutes Geld bei einer Gendersache zu performen. „I hob extra wos gschriebn!!!!“ sagt Markus dann unter Tränen (eh der Rührung). Wie ihnen mitgespielt wird, checken die beiden wirklich erst in der Minute, in der sie sich in der ersten Reihe sitzend noch einmal umdrehen und sehen, dass sie jede einzelne Person kennen. 

So gefeiert werden nur Menschen, die nicht nur für sich selbst tolle Kunst machen, sondern im Lauf von Jahrzehnten sehr viel für andere getan haben.

Auf dem Weg zur Bar hält mich eine fesche Frau auf, „wir kennen uns ja!“ Ich nehme mich zusammen und täusche nicht vor, dass ich das auch so sehe. „Verena Stauffer!“ Ich entschuldige mich, ja!, stimmt! Dafür weiß ich, wann wir einander kennengelernt und zuletzt gesehen haben, im Literaturhaus vor etlichen Jahren. „Nein,“ widerspricht sie freundlich, das sei doch grade beim Frischmuth-Symposium gewesen. „Ha! Du weißt auch nicht, wer ich wirklich bin!“ lache ich, denn sie hat mich wegen der kurzen Haare mit Heidi Lexe verwechselt. 

Dann trinken wir alle relativ viel Bier. Heftiges Konspirieren mit Willi Landl und Nadja Bucher. Wenn ich mit ihr rede, bilde ich mir immer ein, selbst auch so lustig zu sein, aber es liegt fix an ihr. Sogar eine schwere OP hat in ihrer Schilderung noch Unterhaltungswert. Es ist wirklich alles ernst und alles lustig zugleich. 

Mit Mühe reiße ich mich los. Erst in Linz schlafe ich ein, es gelingt nur mit Mühe, rechtzeitig in Wels aus dem Zug zu torkeln. Wie schön wäre es, ein Fest zu geben, bei dem alle so lange schnattern und trinken können, bis sie sich einfach an Ort und Stelle hinlegen können. Ein Symposium, liegend, in spätrömischer Dekadenz. Oder besser, ein Bed-In mit Bier, auf einer gewaltigen Massencouch. 



12.5. Scheiblingtragl, Turmtal

Seit August zum ersten Mal wieder hinten im Stodertal, eine große Freude. Beim Wühlen im Geröll weiß ich natürlich wieder, warum es hier so einsam ist. Wahrscheinlich war's gut, dass ich durch Geiz beim Parkgeld meine Wanderzeit künstlich verknappt habe. Keine Ahnung, wo ich umgekehrt wäre, oder ob ich wieder gegen jede Vernunft in den Talschluss eingestiegen wäre. Nein, eher nicht – diese kurze, etwas zu wilde Zeit ist vorbei.

Zuhause dürsten schon die Pflanzen, man ist angehängt mit ihnen wie mit dem Hund.

Halbdämmerschlaf beim Forged-in-Fire-Special, bei dem US-Veteranen durch einen Messer-Parcour tappen und dabei mit „Thank you for serving!“ angebrüllt werden.

13.5.

Ein sehr langer Tag mit zu viel Reden. Der Hund schluchzt, als sie mich im Finstern erkennt, Buttinger ist mir mit ihr entgegengegangen. Zuhause heilsames „Golden Girls“-Schauen. 

14.5.

Von einer Reise nach Nepal geträumt, mit Supermarkt, europäischen Flüssen, aber absurdem Wohnbau. Keine Berge!

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Der ärgste Anti-Zeitraffer ist der Blick auf die „Fortschritte“ der Roman-Zeichen. Er wächst wie ein Stalagmit. 

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Weil ich mit M. so angeregt Kollegen ausrichte, steige ich nach dem Verabschieden ausgerechnet in den Zug, der nicht in Wels stehenbleibt. Gnadenlos fährt er auch durch Attnang-Puchheim. Es wird also Salzburg, und die Freude, nach der Sitzung einmal früher nach Hause zu kommen, wird nicht durch den Trost aufgewogen, dank Klimaticket zumindest keinen finanziellen Schaden zu erleiden bzw. endlich einmal Zeit fürs Falter-Lesen zu haben.

Was vorher geschah: Der FPÖ-Kultursprecher spricht so unangenehm unangreifbar, dass ich schon wieder unter Ambivalenz leide. Später plaudern wir mit dem Grünen Sevi über neue Bücher, der Dim kommt ja aus einer Rieder Buchhandlungsfamile, weswegen er auch weiß, dass ich morgen dort lese (bei der Konkurrenz). Er lobt die Tricks Wolf Haas' in „Wackelkontakt“.

Beim müden Heimwanken, wieder kurz vor Finis Schluchzen, sehe ich spätnachts einen ganz jungen Mann vor dem Barbershop mit dem schiachen Totenkopf-mit-Vollbart-Logo sitzen. Auf seinem Schoß eine wunderschöne sattgraue Katze. Seine Augen leuchten, als ich ihn frage, ob dieses prachtvolle Tier ihm gehöre. 

15.5.

Das Schlimme am Home-Office: Immer wieder kommt man am Bett vorbei und denkt sich, „so viele Stunden, bis wir wieder vereint sind!“ (Geschrieben um 13:09 Uhr, erfüllt um 23:38)

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RIED

Es ist keine Großkunst-Aufgabe, das 20er-Haus zu füllen, trotzdem freut mich das seltene Wort "Nachbestuhlung". Mit viel Disziplin lasse ich mein Honorar nicht gleich wieder in der Buchhandlung. Der (so wie alle hier) extrem freundliche Gatte der Inhaberin schenkt Wein aus. Als ich ihn in ein literarisches Gespräch verwickeln will, sagt er uneitel, er lese keine Belletristik, höchstens Sachbücher über Energie und Technik. Er arbeite so gern, das erfülle ihn ganz, sodass sein kleiner Wald schon vollständig zu Brettern verarbeitet sei. 

 

Bei einem älteren Herrn sucht Fini besonders oft Zuflucht. Er sei früher regelmäßig mit zwei Freunden auf musikalische Reisen gegangen; jeder nahm ein Buch mit, das er dann den anderen lieh. Aber einmal hatten sie sich nicht abgesprochen, sodass jeder einzelne „Schlafes Bruder“ im Gepäck hatte. „Das war blöd, aber da wusste ich, dass wir wirklich eine Band sind.“

Zwei Frauen sagen nachher, dass es ihnen sehr gefallen habe, das sei ihre erste „Autorenlesung“ gewesen, und dass sie sich „jetzt über andere auch drübertrauen.“ Ich bin geschmeichelt und hoffe, dass sie dann beim nächsten Mal ein bisschen enttäuscht sind. Aber das darf nie jemand lesen. 

16.5.

Noch nicht betrunken, aber keine Termine, bis 21.5.!!! <3

Fini hat die Stimmung mitbekommen, sie wechselt um 8:20 Uhr vom Nest auf die Couch, von dort um 9:10 ins Gewölbe unterm Kachelofen. Sie lebt mein Leben. Als ich ein entsprechendes Facebook-Posting herzeige, kommentiert Meli: „Irgendjemand muss ja dein Leben leben.“ Der Hund ist meine emotionale Powerbank.

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In der Literatur bewirtschaften wir die Verschiedenheit der Leute.

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Der entlegenste Ort der Welt heißt Point Nemo, die nächste von Menschen bewohnte Stelle ist die Besatzung der ISS im Moment, in dem die Raumstation über diesen Punkt orbitiert. (Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich möchte mir die Verrücktheit dieser Sache nicht durch die Realität ruinieren.)

[Nachtrag 10. Februar 2026: Es ist der ozeanische Point of Inaccessability, „it represents the solution to the longest swim problem.“ Jedes Land, jede Küste ist mehr als 2680 Kilometer entfernt.]

19.5.

Ein älterer Herr grüßt freundlich vom Rad, beim Heimfahren von der Donau sehe ich ihn auf einem Sperrholzhaufen sitzen, er muss dort die ganze Zeit eine Katze gestreichelt haben.

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Ein ereignisarmes Wochenende, vielleicht das letzte bis in den Juli hinein (und da müsste dann auch das Wetter schlecht sein. [Was es dann auch wahr, und wie. Feb. 2026] Ich habe so viel gelesen, dass es mir schon fast ein wenig zu blöd geworden ist. Endlich einmal wieder die Länge der Zeit gespürt – gerade deswegen ist sie mir auch zerronnen.

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Der Jasmin blüht! Ziemlich genau zwei Wochen später als 2024. 

 

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Meine publikumsträchtigsten Schreibakte sind je ein Insta-Kommentar bei Hossa („Mit Hass gekocht“), einer bei Böhmermann (vergessen, was) und einer bei Kaltenbrunner („Jetzt bitte die Boulderer verarschen!“). 

20.5. Schmiedalm, Stubwieswipfel, Hölltal: 

 

21.5. Türnitz

Die Größe Niederösterreichs erschließt sich, wenn man mit einem VOR-Bus bis an seine Endhaltestelle fährt. Viele Meter staubiger Schaufenster, etwa der 24h-DVD-Verleih in Wilhelmsburg. Sankt Fitness. Das Porzellanmuseum wird mit einer zerbrochenen Tasse beworben. „Heute kein Liftbetrieb“ in Lilienfeld. 

 

Überall blühen die Wiesen, es ist ein sehr schöner Tag hier im Bus. Immer wieder steigen Schüler ein und bald wieder aus. Die kleinen Buben reden Bubenscheiß: „Ich war in deiner Oma schon drin!“ Sie erschrecken, als ich Oma sie gehässig auslache. Der Omaficker steigt in Lehenrotte aus, neben dem Schild „Craniosacrale Impulsregulation“. Man soll sich Ortsnamenspott verkneifen – man findet das ulkig, lebt aber selbst neben Dickerldorf und Afiesl. 

 

Es ist fast eine Schande, den Tag in geschlossenen Räumen zu verbringen. Draußen flirren die Grillen, es rauscht die junge Traisen, fast ist man hier im alten Österreich in einem Talschluss.

Vor dem Termin war mir ein wenig mulmig, weil die Moderation gar so gut bezahlt war. Aber Schnecken, sie ist auch sehr liebvoll organisiert. Ab jetzt fangirle ich Türnitz - und Katharina Cibulka. Sie erzählt nachher beim viel zu guten Büffet, dass sie unter den allerletzten Menschen gewesen sei, die Bodo Hell gesehen haben. Carola Maier habe sie dazu gebracht, für ihren Film mit auf die Alm zu gehen. Cibulka gab nach, mit dem festen Vorsatz, sich von diesem ihr noch nicht bekannten Mann sicher nicht die Welt erklären zu lassen, und schon gar nicht die Berge. „Aber dann war der so ein Herzbär!“ Sofort haben sie gemeinsam Holz gemacht, sie selbst war ja auch einmal Halterin.

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In milder Euphorie zurück in den Norden. Ein Drittel der sehr langen Busfahrt führt durch das Gewerbegebiet von St. Pölten ("Spratzen"). Am Bahnhof steht Peter Filzmayer, bissl lost und grau, aber das kann auch daran liegen, dass man nicht gewohnt ist, ihn nicht sprechen zu sehen.

22.5.

Beim Bachmann-Wettlesen helfe ich natürlich heftig zu Max Höfler, aber auch ein wenig zu Verena Stauffer wegen der schönen Verwechslungsgeschichte vom 9. Mai.

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Wie soll ich arbeiten, wenn im Kirschbaum die Kohlmeisen budern? Die Amseln und der Gartenrotschwanz schimpfen, wenn wir am Vormittag ihr Revier betreten, man ist nicht mehr Herrin im eigenen Haus. Enteignet durch Vögel.

Als ich das wenige Tage später dem Haslinger klage, spricht er ganz illoyal: „Aber Dominika! Du musst halt dein Territorium schon früher besetzen, im März! Jetzt brauchst du dich nicht zu wundern!“ Solche "schönen" Freunde hat man.

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Beim Schulworkshop rede ich den sehr lieben jungen Damen ein, sich ruhig in Gewaltfantasien zu ergehen, da sie ja eine viel ungünstigere Zukunftsprognose haben als wir damals in den komischen 90ern. 

 

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Verwirrt schwimmt der Hund direkt über der neuen, offensichtlich nicht schwimmenden Hochleistungsfrisbee, die ich nach jedem dritten Wurf irgendwo in der ungezügelten Botanik suchen muss. Ächzend ziehe ich Schuhe und Hose aus und steige in die pitschkalte Donau. Gleich beim nächsten Wurf landet das Teil im unbarmherzig undurchdringlichen Brombeergestrüpp. Fini sieht mich erschüttert an, als ich die Suche aufgebe. Vielleicht kommt sie jetzt in die Pubertät (ja, auch dieses Leben muss sie leben!). 

Hier ist ein Picknick missglückt in den Donauauen:  

 

Zuhause heize ich mir allen Ernstes den Kachelofen ein und entnazifiziere die Erbbibliothek – alles, was Mitglied der Reichsschrifttumskammer war, fliegt raus.

23.5.

Ich leide an meiner Persiflage von „Wasted Love“. Wie muss es erst echten Musiker*innen gehen, die jahrelang denselben Song üben und singen müssen?! Mittlerweile fast ein kleiner Alptraum. Ist die starke Neigung zu Ohrwürmern neurologisch bedenklich? Denke ich zu wenig, dass mein Hirn so unterbeschäftigt ist wie ein gelangweilter Bordercollie? [Feb. 2026: Schon vom Bloßen Abtippen Ohrwurm!!!]

Sehr schön's war's wieder bei der Lesebühne, schon alleine, weil der Decker fotografiert hat. Da könnte man alles nachlesen.  

 

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Die Tipps machen in ihrer Ankündigung der Lesebühne aus unserer Kapelle die „Blutbuchengruppe“ (oder hab ich das selbst so geschrieben?). 

Für die volle Lesebühnen-Dröhnung hier noch meine elf schlechtesten Gartentipps

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Mit keiner anderen künstlerischen Leistung prahle ich so ungeniert wie mit der Verkupplung von W. & D. 

 

24.5. 

Eine Ausnahme von der Regel "Es sind nie dieselben, die bekommen und die geben". Nachdem ich dem Alex in die Pension hinein recht schön getan habe, steht dann das in den OÖN:  

 

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Zitronen“ von Valerie Fritsch: Es ist gut, dass es mir gefällt, denn ich muss es lesen. 

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Voixfest. Ein sehr alter Freund des Buttingers („da aanzige, der Heroin üwalebt hod“) erzählt, als ich ihm den Namen des Hundes nenne, von der strengen Fini im Café Urbann. Einmal habe er ein Kindereis bestellen wollen. „Bisd du a Kind?!“ „Owa a Advokatn-Eis derfn ja aa ned nua Advokatn bstöhn!“ „Wos du jetzt bstöhn kaunst, is a Lokalverbot.“

Nach dem ersten Rum sofort heim, ein Triumph der Vernunft. Das Nicaragua-Kommitee liegt eh schon wieder unter Bierbank. 

25.05.2025 – ein hervorragendes Datum!

Weitere Fortschritte beim Bibliotheksausmisten. Es ist aber immer noch viel Nazizeug drin gewesen! Mehr als ich auf einmal in den Ausmiste-Tombolaraum tragen kann. Ab und zu frage ich mich, ob man das nicht zu Geld machen könnte. Andererseits kostet ein Tombola-Los 3€, es wird wohl auf das Selbe hinauslaufen. [Nachtrag Februar 2026: Man kann das Zeug an Bookbot schicken, aber dort kauft's auch niemand, was ich gut finde.] Wie viele Privatbibliotheken haben sich hier eigentlich absedimentiert? Meine eigene, die Eltern, die vom Schneider-Opa und vom Halfinger-Franzi. Spenden der katholischen Frauenbewegung Gramastetten... Das einzige Buch aus dem Besitz Theresia Meindls ist „Das Schatzkästlein der Jungfräulichkeit“. Und ich übergebe dem Altpapier die Schrift „Nibelungenreisen über die Ochsenstraße 1942“!

26.5.

Nach WOCHEN erstmals wieder weißer Raum unter dem letzten Email.

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Im Mai ist der Bücherstapel für den Grundlsee schon einen halben Meter hoch. Schon jetzt tröste ich mich bei Schlechtwetter, „naja, der Juli kommt ja noch.“ [Weit gefehlt, Feb. 2026, siehe oben].

27.5.

Am Wochenende soll ich zum ersten Mal eine wirkliche Schreibwerkstatt leiten. In Wahrheit müssen mir die Leute sagen, wie sie das Schreiben schaffen.Mehr arbeiten als an diesen Tagen mag ich dann heuer nicht mehr, aber ich brauche auch einen neuen Zahn.

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Glückliches Herumräumen in Haus und Garten, würde man mich bloß dafür bezahlen! Immerhin bezahlt mich der Jasmin.

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Eine der ersten beobachteten Alzheimer-Patientinnen sei „seelig abgeleibt im Herrn“, berichtet die ZEIT.

29.5. Salzburg

Zwei ältere Damen im Zug, irgendwo bei Attnang-Puchheim: „Du bist a Gscheite!“ „Haha, danke!“ „Weil sunst warsd jo ned mei Freindin.“ „Haha.“ „Weil Dumme mog i ned.“

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Der Dom dröhnt abends so heftig, das würden die Anrainer in Linz sofort stillklagen. In diesem sanierten Barock hätte ich nichts werden können. Wenn es morgen regnet, gehen wir ins Haus der Natur. 

30.5. Salzburg

In der Nacht tiefe Verwirrung, wo ich denn gerade sei.

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Alle Salzburger*innen, mit denen man hier ins Gespräch kommt, sind eigentlich aus Oberösterreich und hassen Salzburg.

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In der Ankündigung in der Krone steht „Domenika Meindl und ihr Kabarett über Haushaltsgeräte! Einblicke in die kleine Welt heiterer Alltagsmelancholie“. Es sind aber alle sehr lieb, ich bin zwar nach dem vielen Reden am Tag müde, doch so geht’s. Der Kaiser R. ist gekommen, wir bekommen alle nasse Augen beim Reden über den Vater.

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Zur Erholung vom Tag und der barocken Pracht hole ich mir noch ein Dosenbier von der Tanke. Es ist sehr schön am Salzach-Strand. Der Turm des Fernheizkraftwerks ragt wie ein betonierter Stinkefinger ins Stadtbild.

 

31.5. Salzburg – Black Horse

Es erfüllt mich mit großem Respekt, wie gern alle schreiben. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir zu Mittag den Hut draufgeworfen. Sie wollen auch wirklich von mir kritisiert werden, was ich wiederum nicht will. Kurz überlege ich, ob ich Autorität einbüße, aber welche Autorität überhaupt?

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Buttinger holt mich am Bahnhof, füllt mich mit Kozel ab. Es wird jetzt Sommer und wir zählen die Tage. Hier übrigens das letzte Bild mit der Wirtskatze Pinsel.