Lebenskrimskrams
im Juni 2026
1.6.
Leichte
Reparaturarbeiten an Garten und Körper.
***
Wankelmütige
Jedi-Ritter: Maybe the Force with you
2.6.
Jemand übergibt mir ein ziemlich dickes
Manuskript, „das ist bei deinem Leseforum bestimmt gut aufgehoben“, Es sind die Vertreibungs-Memoiren
einer 90-Jährigen Sudetendeutschen.
3.6.
Weil
ich dumm bin, habe ich beim Willemer-Preis den ganzen Roman
eingereicht, samt Korrekturanmerkungen. Die freundlichen Damen von der Linz-Kultur weisen
mich darauf hin, dass es bloß 18.000 Zeichen sein sollten. Hastig
und schlampig schneide ich Passagen heraus und kränke mich dabei,
wie leicht die Wörter aus dem Text fliegen. [Nachtrag
Februar 2026: In ihrer „Poetikvorlesung“ schwärmt Barbi vom
Streichen, am liebsten werfe sie alles raus, sie sei die Marie Kondo des
Schreibens!]
Ich merke selbst, dass ich mich stellenweise geplagt hatte, auf
Romanlänge zu kommen. Aber so bin ich – wenn ich den Preis nicht
bekomme [so
ist es auch, 2026],
kann ich mich vor mir selbst auf die Schlampigkeit rausreden.
***
Der Nachbarbub steht vor dem verschlossenen Haus, und es wurmt mich enorm, dass mir
dieses Mal kein Einbruch für den guten Zweck gelingt.
***
Ein
Buntspechtpaar schmust im Kirschbaum.
***
„Hellwach“
im Programmkino, der Film über Bodo Hell. Ich bin extrem kurz bei seinem Auftritt beim experiment literatur zu sehen. Die Kürze kränkt mich keineswegs, aber es hätte an diesem Abend den sehr viel
schöneren Dialog zwischen Julia Jost und ihm zu zeigen gegeben. Es ist immer schön, Bodo beim Leben zuzusehen. „Ein Schriftsteller
ist einer, der nichts zu sagen hat, also schreibt er es auf. Der ist
als Kind einmal nicht zu Wort gekommen.“
4.6.
Kleiner Rinner
Vor
fünf Jahren war ich um diese Zeit noch auf der Tauplitz auf Ski
unterwegs, heute eröffne ich offiziell meine Sommersaison.
Wahrscheinlich bin ich die erste, die heuer über das „Kaltwasser“
heraufsteigt. Ich für meinen Teil bin überhaupt zum ersten Mal
hier, es ist recht wild. Oben schaue ich sehnsüchtig ins Paradies
hinüber, in dem ich ja schon sitze. Noch etwas mehr als fünf Wochen
bis zum Grundlsee.
Die
liebevollen Verschönerungen auf den Mistkübeln am Ostufer des
Offensees: „Te quiero!“
5.6.
Es
sei für ihn das Schrecklichste, dass er täglich im 6:30 Uhr
aufstehen müsse, sagt der Zahnarzt, „do muass i ois im Liegn
mochn, s'Zähndputzn und s'Frühstück, erst zum Duschn steh i auf!“
Ohne seine Frau, die gern um 5 Uhr aufstehe, könne er nicht weiter.
„I gib' ihr eh ois zruck, owa in da Fruah brauch' i's!“
6.6.
Derzeit
keine größeren Probleme. Das ist derzeit auch mein größtes Problem,
aber nur in neurotischer Sorge, dass ich ohne große Probleme
keine große Kunst schreiben kann.
***
Nur
ein paar Sätze Gospodinov und ich bin schon ganz eingenommen, auch
wenn es wehtut: „Der Tod und der Gärtner.“
***
Langes Schnattern mit den Damen, Biertrinken mit den Herren. Es
könnte alles ganz leicht sein.
7.6.
Steyr
Jana
Volkmann unterhält sich mit dem Star der Veranstaltung, Martina
Hefter, die mir nicht nur deswegen sofort sympathisch ist. Jana ist
natürlich enttäuscht, dass Fini nicht mit ist, bekommt aber einen
Teil des Honorars in Walnüssen ausbezahlt, für ihre Eichkatzen in
Ottakring. Eva Lugbauer erschrickt ein wenig, als ich „Kritik“
ankündige – ich täusche Fassungslosigkeit vor, dass sie „Nirvana“
im Buch als die schreckliche Bubenmusik bezeichnet.
Wie schön, Sabine Scholl kennen zu lernen. Ich möchte sofort von ihr
adoptiert werden. Irgendwann veranstalte ich den Welser*innen, die es
in die Literatur verschlagen hat, einen Abend, bei dem sie über ihre
HAK-Traumata sprechen können, Scholl hat ja mit dem Buttinger und
Günther Kaindlstorfer gemeinsam etwas zu verarbeiten. Beim Essen hängen alle an ihren Lippen. Auf Einladung Südkoreas sei sie einmal nach Nordkorea gereist, wo 100 westliche auf 100 östliche Dichter*innen
treffen sollten. Unter den ersteren war etwa der Nobel-Laureat Wole Soyinka.
Leider hatten die nordkoreanischen Dichter allesamt keine Zeit, da der Geburtstag
Kim Jong Ills anstand und sie ihm dringend Gedichte zu schreiben
hatten. Scholl sagt, es sei eine höchst bizarre Reise gewesen; kein
Extra-Schritt war erlaubt, zu essen gab es Unmengen an Fleisch,
während draußen eine Hungersnot herrschte. Einmal sei sie ein wenig
zu spät aus dem Hotelzimmer getreten – das ganze Hotel war
finster, um Strom zu sparen. „Es war streng verboten, etwas
mitzunehmen, aber alle haben etwas eingesteckt, Steine, Blätter,
Zweige, irgendwas.“
8.6.
Meggenhofen
Weil
wir faule Leut sind und es engagiert regnet, hoffen wir noch ein wenig, dass
das Jazzkonzert abgesagt wird. Wie wir an diesem grauen
Pfingstsamstag im grauen Kombi sitzen, richtet der Buttinger streng
das Wort an mein graues Haupt: „Do spüt des Upper Austrian Jazz
Orchestra, des is nämlich schon a KUNSTGENUSS!“ „Ja, Vater.“
Dann sitzen wir müde und untermotiviert in der feuchten Kälte, mit
Decken über den Knien. Aber oho! Das ist wirklich ein Kunstgenuss,
sogar launig-ironisch moderiert, eine erquickende Dröhnung, eine
Leistungsschau des Musikstandortes Oberösterreich.
Am
Nachmittag sinken wir in einen so tiefen Mittagsschlaf, dass wir kaum
noch daraus zurückfinden.
9.6.
Mein
Facebook regt sich ordentlich über die „Klemm-Penismuseum-Debatte“
auf. Ich bin unendlich dankbar, dass ich nichts dazu sagen muss.
Es finden sich sofort so viel Klügere, am klügsten die Sargnagel, die
Leykam darauf hinweist, dass sie "transfeindliche Wichser" sehr wohl im
Programm halten, sind halt Männer. Klemm hat ein paar sehr rührige
Feind*innen. Und die von mir geschätzte Eva Reisinger sowie
Fallwickl stehen ziemlich dumm da. Ich müsste viel lesen und alle
fragen, bevor ich meinen Senf anbieten möchte, wie eine
Staatsanwältin.
10.6.
Der
Amok in Graz beendet die Klemm-Krise – ich wünschte, wir würden
weiter über literarische Kinkerlitzchen zetern können.
Mein
Leben geht ohne großes Zutun immer mehr in Richtung Eskapismus, oder
es fühlt sich halt alles Nicht-Kämpferische jetzt so an, konkret
heute das Heckenschneiden. Immerhin loben mich alle Nachbarinnen
wieder dafür.
Immerhin
alle Deadlines geschafft.
Ein
seltsam verhangener Abend, wie ein trockener, warmer Nebel. Später
erfahren wir, dass das der Rauch von Kanadas Waldbränden ist.
11.6.
Wildenkogel über das Nestlerkar
Den
Eskapismus ins Aktive wenden und wieder einen Weg abhaken wollen, auf
dem sich fünf neue finden. Viele Stunden gehe ich durch lichten Wald
und schaue wieder sehnsüchtig in den Süden.
12.6.
Neukirchen am Großvenediger
Anfahrt
über den Salzachstausee, in dem eine halbe gebratene Sau liegt, vom
Hund ignoriert, weil wir einen Stecken in der Hand halten.
Irgendwie
war ich davon ausgegangen, dass wir ganz tief bis zu einem Talschluss
dem Gebirge auf die Pelle rücken, dabei ist nur die Bahnlinie
kaputt.
***
Nach
der Eröffnung trinken alle Bier beim Pferdestall. Der Wirt heißt
Engelbert und hat wehendes Brusthaar. Ab 23 Uhr freut es ihn nicht
mehr, was auch sein gutes Recht ist.
13.6.
Wir
bekommen eine Liftkarte, mit der wir gratis in die Berge gondeln
dürfen. Geier kreisen über uns viel zu vielen Touris, von denen
etliche auf den letzten Metern zum Wildenkogel
(schon wieder!) hinauf so schwer keuchen , dass die Geier sich wohl Hoffnungen auf deren Kadaver
machen.
Später
wird mir ein redseliger Einheimischer sagen, „Geier?! Do? Na, des
glaub i net.“
***
Peter
Hodina erzählt uns eine sehr gute Tapirgeschichte: Als weitum
bekannter Fetischist erging an ihn die Nachricht, dass ein Theater in
Göttingen seinen Fundus versteigere, darunter ein präparierter
Tapir. Ob er nicht interessiert sei. War er. Allerdings erwies sich
das Präparat als komplett marod, auch von Insekten befallen.
„Andererseits kommt dergleichen nie auf den Markt“, weswegen
Hodina sich an die hiesige Uni wandte, um auf den Zoo des Theaters
hinzuweisen. Dort müssen unangenehme Menschen sitzen, denn bald sah
sich Peter mit dem Vorwurf der Hehlerei konfrontiert, samt medialer
Berichterstattung. Das nämlich kränkte ihn besonders, dass er nur
als „ein Österreicher“ bezeichnet wurde, nicht zumindest als
„österreichischer Autor“ oder gar als „Salzburger
Tapirfetischist“.
Überhaupt
ist das Treffen Koth Afzelius/Hodina & Buttinger/Meindl sehr
erfreulich. Die Hündinnen toben miteinander, weil Chili Finis
Gebitche einfach nicht ernst nimmt.
***
Zum
Glück bin ich nicht eifersüchtig auf meine eigenen Texte: Der über
den glücklichsten Tag auf Gut Aiderbichl sticht den Roman immer
komplett aus.
Florian
Gantner und Martin Peichl sind überaus gute Literaturveranstalter.
Auch Maria Piok ist eine super Typin. Sie stammt aus einem Dorf nahe
Brixen und kann nicht skifahren – wie auch Florian nicht, obwohl
sein Vater Skilehrer und Reitstallbesitzer ist (reiten kann er auch
nicht).
***
Abends
teilt uns Marc Carnal zum Vorlesen des Hörstücks „Die Hochzeit“
ein. Fini sticht uns mit ihrem Bellen zum richtigen Zeitpunkt
(Stichwort: „Opa Klaus tritt in den Hundekot des Spitzes“)
komplett aus. Zum Glück bin ich nicht eifersüchtig auf meinen
eigenen Hund. Mich wird der ORF Salzburg nicht nach meinem Namen
fragen, sie schon.
***
Martin
und Florian kosten ein wirklich widerliches Energy-Bier von
„Delirium“, in das man sich vor einem zweiten Schluck gleich
flüchten möchte.
***
Morgen
reist Anna Weidenholzer an, womit der Rekord an gleichzeitig
anwesenden Gatt*innen gebrochen wird.
14.
Juni
Der
Herrensteig entfaltet eine überraschende Pracht, sobald das
Skigebiet aus den Augen ist. So stelle ich mir Schottland vor. Auf
solchen Wegen ohne viel Steigung kommt man weit. Es gelingt ein sehr
guter Mittagsschlaf auf dem Laubkogel, und zu den Lesungen komme ich
nicht sehr viel zu spät. Unten im Tal ist es schon extrem heiß.
***
Anna
schenkt mir polnische Katzenzungen, ich revanchiere mich mit einer
Pferdetragtasche.
***
Maria
Piok erzählt dann im Pferdestall, dass ein Kulturvermittler einmal
Ljuba Arnautovic mit Julya Rabinovich verwechselt habe: „Das bin
ich nicht.“ Er sagte dann tatsächlich „Doch!“
Wir
essen Pommes und trinken Bier. Eine richtige Sommernacht schon. Im Gebirge
blitzt es.
15.6.
Urlaubsschichtwechsel:
Die Dichter*innen reisen ab, herein dröhnen die Biker. Vielleicht
bringen die im Suff mehr Umsatz, angenehmer im Stadtbild werden aber
wir gewesen sein.
Anna
und ich zögern den Abschied lange hinaus. Sie erzählt, dass der
Bub jetzt viel über den Tod sprechen wolle. Dabei sei ihm die
Reihenfolge sehr wichtig. In der Nussecke des Hofers fragte er etwa:
„Stirbst du früher oder der Papa?“ Im Kindergarten wurde im
Übrigen kritisiert, dass er ab und zu Dialekt spreche.
***
Overtourism
an den Krimmler Wasserfällen. Wir zahlen 8 € fürs Parken und dann
noch 9 € für uns selbst. Buttinger hat da keine
Amortisierungszwänge, wir spazieren hin und dann gleich wieder
zurück. Es ist auch wirklich kein großer Genuss wegen der viel zu
vielen anderen. Das Warenangebot erinnert an das von Hallstatt, nur
die Spazierstöcke mit geschnitzten Tierknäufen ist mir neu. Die
Attraktion selbst ist wirklich attraktiv, und auch ich füttere die
sozialen Medien mit Clips von Gischt und Fontänen.
***
Der
Kadaver liegt immer noch im Stausee vor Bad Reichenhall.
Landzeit Mondsee: Zwei kleine
Eise to
go um 9,20 €.
Happy
End im Singapur.
16.6.
All- und Montag
Ein
stark prokrastinationsanfälliger Tag, die Reise hallt innerlich
immer einen Tag nach.
***
In
der Kletterhalle weiche ich schamvoll der Horde von 7a-Boulderern
aus.
17.6.
Ein
Tag, den ich ganz dem Schreiben widmen kann – und soll, drei
Lesebühnentexte fehlen noch. Nach einem halben springe ich auf und
renne hinaus, um den Kotoneaster zu schneiden. Sofort „springt“ die Nachbarin auf, ich ziehe sie magisch aus ihrer
Küchenbeobachtungsstation. Als Beitrag zu unserem very small talk
sage ich, wie schade es sei, dass ich heuer zu spät dran für den
Holler gewesen sei. „Wos hedsd n gmocht midm Holler?“ „Saft.“
„Ah, do bisd zschbod drau!!!“ Es ist halt ihr Terrain, sie würde
mir dafür wohl poetologisch nichts dreinreden. Sobald sie weg
ist, kommt die andere daher, sie und ihr Vater scheitern mit der
Anhängekupplung. Ich „repariere“ sie mit WD-40-Spray. Weitere
Arbeitsschritte auf der Flucht vor der echten Arbeit: Nussgeist
angesetzt. Bei Schönwetter muss ich mir wirklich jede Schreibminute
einzeln abringen.
***
Das
einzig "Gute" an den schlechten Zeiten ist, dass Menschen jetzt öfter
kleine existenzielle Sinnkrisen erleiden und dem Irrglauben
unterliegen, dass ich als studierte Philosophin da helfen könne
(mehr als die WD-40-Entsprechung kriege ich da aber eh nicht hin.
Egal).
18.6.
In
der Nacht ganz ohne Alkohol intensiv von einem Aufenthalt in einer
Hütte im Pinzgau geträumt, wo im Gegensatz zum Pongau Dürre
herrsche. Dort treffe ich den erstaunlich tacken Jürgen Habermas,
mit dem ich dann irgendwie was habe (Details erspart mir der Traum,
danke). Danach besteht er darauf, mich mehrmals in die Luft zu
werfen, um mir zu beweisen, wie vital er mit seinen 90 noch sei. Am
Morgen muss ich auf orf.at lesen, dass ihm im echten Leben die Gattin
verstorben ist. Was ist das!?
19.6.
Über
den Drei-Türme-Grat auf das Warscheneck – man versteht die Katzen,
hinauf geht’s besser als hinunter.
20.6.
Die
Bacher verwandelt mein Haus in einen harmonischen Co-Working-Space.
sprichcode, Leonding: Die
sehr sympathische Stefanie Altenhofer wird von mir als „Wienerin“
anmoderiert, dabei stammt sie aus Vordernebelwald (ich google nicht,
ob es das wirklich gibt). Sehr guter Typ auch der Bühnenkampfdozent
Martin Brunnemann. Die Siegerinnen sehen alle fantastisch aus und
sprechen wie Buchpreisträgerinnen.
Danach
weiter zur Lesebühne, ich bin schon halbwegs tüchtig. Und in der
Nacht halbwegs müde.
21.6.
Wallner-Deckers
zur Jause. Decker über
seinen Kollegen Reinhard Winkler: „Ah, der is super, der kau, wos i
ned kau: Menschn!“ Nach unserer Abfahrt geht er unbemerkt durch den
Garten und verwandelt meine Schlamperei hinter meinem Rücken in
Kunst.
Der
Tag gelingt uns ganz gut, er endet mit „5/8“ im Schl8hof.
Zum Lesen kommt man halt nicht – der ZEIT-Turm für den Grundlsee
wächst rapide, bald hab ich so einen Turm hinterm Kasten
stehen, weibshoch.
22.6.
Im
Zug: „Die wilden Kerle san massiv underrated!“ Ich stimme
den jungen Erwachsenen innerlich massiv zu.
***
Ein
einäugiger, walzenförmiger Hund bleibt stehen und lässt sich
gnädig streicheln, am anderen Ende der Leine erblicke ich da erst
ein wirklich hübsches Kind, das mir den Hund gleich schenken will.
***
Insgesamt
ein recht angefülltes Wochenende. Das Leben ist schön, macht aber
viel Arbeit.
23.6.
Es
gibt eine Medienwissenschaftlerin namens Mercedes Bunz. Unvergessen
Coalas Arbeit als Hochzeitsverkünderin in einem Mitarbeitermagazin, in dem Frau Mercedes ihren neuen
Namen bekannt gab: Fenz.
***
Der
Garten sieht aus wie ein Erdbeerland für Ringelblumen.
***
Im
Mailfach eine Anfrage aus Albanien, die ich zuerst für sehr
personalisierten Scam halte, dabei werde ich wirklich von der
österreichischen Botschaft gefragt, ob ich ein Monat in Tirana
verbringen wolle. Ich
schäme mich für meinen leicht chauvinistischen Reflex und fühle
mich geehrt, aber weil ich keinen Hund mitnehmen kann, muss ich absagen. #karrierekiller #dog
24.6.
PMS
+ fest den Kopf anhauen = es ist schon aus geringerem Anlass ein
Krieg erklärt worden! Aber immer wieder überraschend, wie ein Gang
zur Donauküste die Stimmung mildert. Das Kraftwerk öffnet eine
Schleuse, es spürt meine kleine innere Drangsal und macht
Brandungs-Mimikry im Kies. Irgendjemand hat mit Steinen „LOVE“ auf den
Strand gelegt. Wenn ich wirklich einmal das Scheißsystem anzünden
soll, muss ich auf diese Selbstregulierung verzichten.
***
Das
Leben besteht derzeit aus Zutexten und Zugetextetwerden.
25.6.
Mi
Langsam
das Gefühl, dass sich schon alles irgendwie ausgehen wird, zumindest
bis zum Grundlsee. Wenn nicht, scheißt der Hund drauf. Es ist aber
jetzt schon zu heiß. Wie immer der Eindruck, dass Klima und
Klimakterium Hand in Hand gehen in meinem Temperaturempfinden.
***
Pellini beim experiment litertatur. Es muss so absurd sein, einen Spiegel-Bestseller
geschrieben zu haben. Sie erzählt, dass mehr als 13 Verlage auf
ihrer Dacke gestanden seien, ein richtiges Vortanzen sei das gewesen. Ich
frage scherzhaft ins Publikum, ob wir schon jemals so jemanden
Exotischen wie eine Alemannin zu Gast hatten, ob das unsere erste
sei. „Tumiko Asawa!“, ruft Wawo, und ich: „Nein, Alemannin,
nicht Ausländerin.“ „Asso.“
Beim
Abhängen im Park erzählt K. später, wie sehr sie der
Mercedes-Stern in Bad Aussee erschüttert habe. Sie hat jahrelang
viele Jahre ihrer Jugend dort verbracht. Ein Schwarm habe in einer Mercedes-Werkstatt gelernt, weswegen er der Bande
beibringen konnte, wie man am besten Sterne brockt. „Und dann
das!!!“
26.6.
Max
Höfler macht bei den #tddl Schönes – alleine das Video! Wie immer
der innerliche Riss, ob ich dort nicht hinwollen oder panisch
fortbleiben sollte. The horror, the horror.
***
Beim
Schreiben der X-BLATT-Geschichte „Töten im Gebirge“ gerate ich
an den E-Reader für waidgerechtes Schießen. Dort gibt es Tabellen
mit den Bewegungsarten der Wildarten: „hochflüchtiger Troll“.
***
Die
Herren bouldern im Fernsehen, ich sehe wieder mit nassen Händen zu.
Mit Schwerkraft hat das schon lange nichts mehr zu tun.
***
„Hey,
guten Morgen, wie geht es dir“: Hefter ist eine gute (SUPER!)
Autorin und eine gute Person.
***
In
der Nacht setzt ein schwerer, willkommener Regen ein. Mir träumt es
eine Action-Geschichte mit B. Cumberbatch. Es geht ein wenig ums
Klettern und um einen vermeintlich verlassenen Bauernhof, auf dem wir
uns versorgen. Plötzlich ist da der Vater, vergnügt sagt er, die
Bäuerin sei gekommen und habe ihm gesagt, wo das Bier sei. Endlich
träume ich von den Eltern nicht mehr rein neurotisch.
27.6.
Zirrhose-Wolken
***
Ich
hätte die Lesebrillen der Eltern doch nicht so schnell an die Dritte
Welt spenden sollen.
***
Besser
wär's, auch beim Schreiben den Frack zu tragen, als Rüstung gegen
die Selbstzweifel – oder ist das dumm? Die sind ja im Inneren des
Körpers. Ich möchte so erfolgreich werden, dass die Leute diese
Phantomereignisse noch lieber lesen, als ich sie schreibe.
***
Unwort
der Woche: „depublizieren“ – Maxim Billers Kolumne in der ZEIT
wurde gecancelt (hab' aber vergessen, weswegen; irgendwas mit Israel
und Nazis wohl).
28.6.
Sa
Lesebühnen-Sommerschluss-Gselligkeit. Immer
wieder überrascht die Lieblichkeit der Ansfeldner Aussicht
auf Linz und das Mühlviertel. Monet schuftet für uns in seinem
Garten, er steht in der Hitze am glühenden Pizzaofen und ernährt
auch noch die Nachbarschaft.
Totales
Overeating, aber am
29.6.
vergesse
ich die Wanderjause. Erstaunlich, wie weit man mit zwei Pizzen am
Vorabend und einem Packerl Mannerwafferl kommt (konkret auf den
Pyhrner Kampl). Bis zur Zellerhütte hinauf bin ich Teil der
Ameisenstraße, ab der versteckten Abzweigung ins Loigistal hinüber,
bis zum Gipfel und bis hinunter zu den Schafferteichen dafür Wildnis
und Einsamkeit. Nur beim Mittagsschlaf auf dem Gipfel irritiert mich
Musik, ich brauche lange, bis ich gneiße, dass die
Gleitschirmflieger hoch über mir Musik hören.
***
Grillen bei Freunden in Wels. Die sehr viel sportlichere A. und ich plaudern über unsere Bergtouren. Dann
knickt die Arme im Garten so unglücklich in eine ganz seichte
Bodenwelle, dass sie sich den Mittelfußknochen bricht (und das nüchtern!).
30.6.
Salzburg
Für
originelle Gedanken ist es jetzt zu heiß.
***
Es
ist gerecht, dass auch in Salzburg das grobe Volk den Bahnhof säumt.
Ein herrenloser Schaufensterpuppenkopf liegt im Brunnen.
Literaturhaus: Acht Lesende beschreiben
vier Gewaltfantasien. Liegt das am bürgerlichen Salzburg? Dabei sind alle sehr, sehr nett im persönlichen Umgang.
Meine
vorletzte Moderation vor dem Urlaub, und ich liege um 22:15 Uhr im
Bett. <