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Donnerstag, Januar 29, 2026

Die neun Leben des Dr. Josef Ratzenböck

Drehbuch für einen Smash Hit im Land der MOÖglichkeiten

Deadlines inspirieren mich, vielleicht geht sich ja noch was für den Oscar aus. Beim Prokrastinieren für diesen Lesebühnen-Text bin ich auf die Idee verfallen, alte Familiendias zu sichten – derzeit posten ja alle Fotos aus dem Jahr 2016, wo noch alles gut gewesen sein soll. Ihr Narren! 1986 hätten wir richtig abbiegen können! Die Sowjets wegen Tschernobyl aus dem Buch der Geschichte streichen, die USA wegen Endes des Kalten Krieges auf ihr Staatsgebiet einhegen, die Erfindung des Internets in klügere Hände legen, das Matriarchat den Völkern mit liebevoller Mütterlichkeit oktroyieren.

Ein Dia, ein buenas dias, siehe oben, zeigt eine humoristisch wertvoll gewordene Szene, die ich auf Facebook dergestalt beschrieb: „Vor 40 Jahren sollte ich dem LH Ratzenböck einen Blumenstrauß überreichen, weil er uns ein Dach auf die Volksschule Schönering gesetzt hatte. Ich geriet aber in Panik und paschte ab. Der Bürgermeister fing mich und leitete mich sanft zum Landesvater, der gütig das Gebinde aus meinen schweißnassen Händen wand. Was sind eure besten Ratzenböck-Nachrufe? Die schönste LH-Schnurre gewinnt!“

Darauf schrieb Frau Karin H., geschätzte OLW-Stammgästin: „Der Cousin meiner Mutter ist der Überzeugung, dass der Ratzenböck schon vor 20 Jahren gestorben ist, aber erst jetzt begraben wurde.“ Ich wollte daraufhin eine arge Geschichte über Balsamierungspraktiken schreiben (den Mao zum Beispiel haben sie mit Formaldehyd ja historisch belegt aufgepumpt wie einen Weinschlauch), dass das auch in OÖ in der Pathologie der Barmherzigen Schwestern versucht wurde, um den Kulturstandort neben dem luftgeselchten Pfarrer von St. Thomas am Blasenstein mit einer weiteren sehenswürdigen Mumie aufzuwerten.

Aber das Thema waren am 23. Jänner ja Katzen, und die haben neun Leben. Bester Stoff für einen actiongeladenen Episodenfilm, in dem der Ratzenböck immer wiedergeboren wird: Er stellt seine Bonusleben der guten Sache zur Verfügung. Im zweiten Leben kauft er aus einem bulgarischen Schrottzoo einen Tiger frei und macht ihn scharf, sodass er den bei Woronesch fischenden Putin anfällt und endlich aus dem Bestand der Menschheit entnimmt. Der Tiger frisst dann leider auch den Ratzenböck, sodass er schon im dritten Leben angelangt ist. Es zeigt sich, dass er mit jeder Reinkarnation ein bisschen weniger lebendig ist, womit gleich auch das Zombie- bzw. Vampir-Genre mit abgefrühstückt werden kann.

Nun schickt die NATO den Alt-LH nach Amerika, wo er den Trump und den JD Vance auch gleich mit Glykolwein final unter den Tisch säuft, unter Aufopferung seines eigenen Lebens, aber erfolgreich.

So geht es dahin, peace keeping durch robuste Einzelkämpfer-Attacken – im Nahen Osten, Iran, Sudan, Kongo, Weißrussland, Nordkorea & China: Überall werden die führenden Kriegstreiber waidgerecht vergrämt (aus dem Leben). Das müsst ihr euch jetzt selbst ausmalen, gern mit den Requisiten der 1980er als Waffen, enthauptet mit Modern Talking LPs, verätzt mit saurem Most, überdosierte Schilddrüsentabletten, stranguliert mit selbstgestrickten Zopfstirnbändern, erschlagen mit Acrylmalerei, vom Opel Kadett überfahren, vom umfallenden Wurlitzer getroffen.

Am Ende seines letzten Lebens ist von der Vitalität des LHs nicht mehr viel übrig, er lenkt seine letzten Schritte zurück an den Ausgangspunkt der Geschichte. Dort klopft er an die Tür eines Einfamilienhauses mit baubehördlich vorgeschriebenem Atomschutzbunker (jetzt voller Hofer-Wein und alter Ribiselmarmelade). „Meindl Mink“, knarzt es aus seinem zerfaserndem Kehlkopf, „i hob mein Beitrog gleist, jetzt sad's es Jungan drau.“ Er sinkt zu Boden, endlich ewige Ruhe, und die neue Herrscherin im Land der Moöglichkeiten lässt dem verdienstvollen Landesvater ein großes Requiem im Linzer Dom ausrichten. Danke, LH Ratzenböck! 

Freitag, Dezember 12, 2025

Wunschliste ans Christkindi für 2026: Ich bitte um eine gute Sterbstunde

Liebes Weihnachtswesen, hier ist wieder deine Minki! Sorry, dass ich mich immer nur zu deinem Geburtstag bei dir melde, es ist allerweil so ein Wirbel, aber ich glaube das ganze Jahr über fest an dich. Da sind wir ja Kolleginnen, denn was wäre das Kind Gottes, und was wäre eine Bundespräsidentin, wenn niemand glaubt, dass es uns gibt?! Du darfst dir auch gern was von mir wünschen, sag' einfach Bescheid, wenn ich was tun kann für dich, zum Beispiel einen Pflegeplatz für den Papa.

Auch heuer formuliere ich meine Wünsche eingedenk der Frohbotschaft des Erzengels Michael: „You can't always get what you want. But if you try sometime you'll find you get what you need!“ In der berühmten Vulgata-Übersetzung von Joki Kirschner: „Geschenke sind nicht wichtig, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man sie hat, wenn man sie braucht.“ In diesem Sinne! Folgendes wünsche ich mir heuer sehnlich:

  • Eine Zeitreisemaschine, eh keine arge, sie kann aussehen wie eine Saunakabine im endlich trockenen Keller (Vergelt's Gott dafür!), und sie muss nur sechs Monate in die Vergangenheit zurückgehen, und auch nur im Winter – ich möchte einfach nur jederzeit oben im Hochsommer in meiner geliebten Wildnis des Toten Gebirges sein, und beim Hinüberschauen auf den Dachstein nasse Augerl kriegen. Ein Sommertag in meiner selbstgebauten Vergangenheit und ich wär' leistungswillig wie ein feuchter neoliberaler Traum.

  • Ich bitte innig um die Wiederschenkung meines Grundvertrauens in meine humane Mitschöpfung. Man muss ja nicht so einen Stiefel zusammenwählen. Bitte lass' die Leute wieder mehr Bücher lesen, müssen eh nicht nur die unseren hier sein. Gerne hätte ich weniger Satire in der Politik, es ist derzeit sauschwer, selbst eine zu schreiben.

  • Dann brauche ich neue Turnschuhe, ich bin zu blöd dafür, oder zu unentschlossen, vielleicht wär's gscheiter, wenn es eine leicht kommunistische Konsumwarenverknappung gäbe, also nur noch sagen wir zehn verschiedene Sorten, dann tu ich mir leichter.

  • Abschließend wünsche ich mir, dass die Wissenschaft endlich ihre Prioritäten geregelt kriegt, was soll diese oasch Rüstungsforschung, setzt euch auf eure Hosenböden und arbeitet emsigst an lebensverlängernden Maßnahmen, keinesfalls aber an der longevity durchgeknallter Nabobs wie Musk, Bezos und Zuckerberg, da vielleicht sogar bitte in die Gegenrichtung, mein Wunsch betrifft die Lebenserwartung von Hunden, die bitte exakt an jene ihrer Halterinnen angekoppelt werden möge, so schwer kann das ja nicht sein.

Das war's schon für mich! Weihnachten ist ein Fest der Liebe, da soll man nicht nur an sich selbst denken, sondern einmal an andere. Auf nationaler Ebene:

  • Unserem Bundeskanzler Stocker wünsche ich ein bissi mehr Eier, nicht im männlichen Sinne, das sind ja maximal zwei weiche, sondern Millionen taffe Fraueneier, damit er endlich in die Puschen kommt. Ich wünsch dem Buddha von Wiener Neustadt einen Neustart! Und dem Vizekanzler, dem Babler Andi, wünsch ich alles Gute, er hätt ja unlängst fast meinen Hund geküsst, drum samma Hawara, ich wünsch ihm Milliarden für ein ordentliches Kulturbudget.

  • Dem österreichischen Wahlvolk wünsche ich 2026 viele Momente der reflektierenden Einkehr, es sind nämlich keine Wahlen weit und breit, da müsst ihr euch nicht deppert aufganserln lassen.

  • Harald Mahrer wünsche ich einen guten Übergang in seinen nächsten Karriereabschnitt. Möge ihm Potpourri an neuen Aufgabenfeldern blühen, eine AMS-Abteilung nur für ihn. Er kann sich eine Stelle aussuchen oder gleich alle übernehmen, also: Liftwart in Kirchschlag, Behindertenbetreuer in Hartheim, Tierheimputzmann, Image-Restaurator der SOS-Kinderdörfer, Bardienst im Strandgut, der Bundespräsidentin den Keller ausweißigen, Koordinator des Science-Hubs für Zeitreisebüros und Dog Longevity – halt einfach einmal eine echte, ehrliche Arbeit, die Gutes bewirkt!

  • Den Verantwortlichen der Rodung des Bergschlössl- und der Ziegeleistraßenparks zugunsten des Westrings wünsche ich, dass sie postmortem in einem ewigen Kreislauf an Autobahnzubringerkreisverkehren sich verheddern und erst wieder herausfinden, wenn die Hölle sich mit Eis bedeckt.

  • Allen Herren, die im Gendern eine Verhunzung der Deutschen Sprache sehen, wünsche ich per sofort den Paygap ihrer eigenen Gattinnen an den Hals. Plus eine verpflichtende Nachschulung im Fach angewandte Diachrone Linguistik im Ausmaß von vier Semestern.

  • Allen Herren, die mir mit ihren blöden Premiumfahrzeugen den Vorrang nehmen, obwohl hinter mir kein anderes Auto ist und die mich dann ausbremsen, weil sie drei Meter weiter abbiegen, diesen Linksabbiegenazis wünsche ich einen erweiterten Sachkundenachweis, weil sie ein Listenauto fahren und insgesamt dass sie sich 2026 viele Papierschnitte und Fieberblasen holen.

Damit sind wir schon auf der globalen Ebene:

  • Allen Despoten, Tyrannen, Faschisten, Demokratiefeinden wünsche ich herzlich eine gute Sterbstunde. Davor viele Papierschnitte und Fieberblasen. Ich wünsche Trump, dass er viel in Hundekot steigt und erst draufkommt, wenn er schon quer über den sauteuren Seidenteppich im Ballroom gelatscht ist, und ich wünsche ihm 2026 die Rache der Journalistik, #epsteinfiles. Ich wünsche Putin, dass ihm kein Hund mehr zugeht, kein liebes Tier lässt sich jemals wieder von ihm streicheln, nie mehr wieder ein warmer Blick aus treuen Augen, und ich wünsche ihm einen nächtlichen Schlaganfall, seine Adlaten fragen sich in der Früh, nanu, wo bleibt der Chef denn, sonst ist er um 5 schon in der Höh, aber ich trau mich nicht nachschauen, sonst ist er ement grantig und schickt uns an die Front! 72 Tage später folgt Putin seinem großen Vorbild Stalin, Tod wegen unterlassener Hilfeleistung.

  • Ich wünsche allen Patriarchen dieser Welt ein Jahr als Frau, den Taliban zuhause, Trump in Somalia; alle haben Cellulite und Endometriose, dazu eine super-übergriffige Chefin und einen Mann, der viel fremdgeht und bei jeder Gelegenheit erklärt, dass Gendern die deutsche Sprache verhunze.

  • Der Hamas, den aggressiven Siedlern, den „Konfliktparteien im Sudan“ etc. wünsche ich, dass es sie beim Niesen in tausend Fetzerl zerreißt und sie keine Hände mehr haben, um sich aufzuheben.

  • Hier noch der Vorjahreswitz, der ist noch pfenninggut: Viktor Orban wünsche ich, dass er weiter so rasant verbladet, dass ihn sein sinnloser Populismus weiter so aufdunsen lässt wie ein totes Pferd am Ufer des Balatonsees (Bladatonsee, haha).

Jetzt aber Schluss und Liebe! Ich wünsche euch allen drei Kilo Gewichtstsunami, viel Liebe, auch körperlicher Art, und brave Christkindl! Ausschließlich hier bin ich Befürworterin der Kinderarbeit.

Ab 1. Jänner 2026 gilt dann die neue digitale Autobahnvignette, in Trafiken gibt’s noch die zum Picken, wer's nicht anders haben mag, sie ist feuerrot, und weiterhin gilt das Matriarchat, auch das lodert feuerrot und insgesamt ist es golden.

Montag, Dezember 01, 2025

Wieder nicht enttäuscht. Trippen nach herrlicher Gewalt, die gute Sterbstunde und schüchterne Nudisten.

Lebenskrimskrams im November 2025

1.11. Angerkogel

Das neue Kreisky-Album bei der Pyhrnpassüberquerung gehört und wieder nicht enttäuscht. Das letzte Licht über der Hinteregger Alm gesehen und wieder nicht enttäuscht. Der vielleicht letzte und überraschend tiefe Mittagsschlaf kurz vor dem Nazogl wieder nicht enttäuscht, auch wenn diese Aktion jetzt eher schon ein wenig in Survival-Training übergeht. Wenn der Südföhn nicht bliese, wär's T-Shirt-Wetter. Angenehm, aber leicht beunruhigend.

Es sind fast nur Paare unterwegs, und immer geht der Mann voran. Ganz, wie ihr es wollt, liebe Damen.

2.11.

In der Oxytocinruhe den Nachbarn beim Streiten zugehört. Ganz, wie ihr es wollt, ihr Leute da oben.

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Kurz Arbeit. Mail an Prosser, welches Thema er sich denn wünsche. Er schreibt zurück, „Bin in den Bergen, ich überleg' mir was bis morgen!“ Ich antworte: „Gekauft!“

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Schrittbilanz gestern: ca. 26.3454. Heute: 13 <3

3.11.

Die ganzen Kästen voller Gewand, das mir nicht mehr passt, weil es nie gepasst hat, das mich zu einer anderen Person hätte machen sollen, das ich zu oft oder nie angezogen habe, das mir andere geschenkt haben und das ich zu teuer gekauft habe, oder zu billig. Aber alles kann ich jeweils nur schwer hergeben.

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Kitschigen Schluss für den Roman geschrieben, den komischen habe ich gestrichen und bin recht zufrieden damit. 


5.11.

Der Dermatologe sagt mir für 111 €, dass ich eine gute Haut bin.

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Bei der Fahrt nach Linz die angenehme Ahnung, dass meine vermeintliche Ambitionslosigkeit, der fehlende Biss bei der „Karriere“ (Uni, Stifterhaus, OÖN) kein Versagen, sondern die unbewusste Entscheidung für mich selbst gewesen sein könnte. Im Nachhinein gibt es sehr viel weniger zu bereuen, als mir mein dummes, sorgenfixiertes gegenwärtiges Ich andauernd vermittelt. 

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Innige Minuten mit dem eingeschmuggelten Hund auf der winzigen Couch im Landesbüro.

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Ein Vollmond, so wertvoll wie eine kleine Sonne.

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Stifterhaus. Das Vorlesen von „Mit 50“ rührt mich selbst, überraschend. Es ist doch mehr Liebe eingeflossen als gedacht.

Die 16-jährige Oana-Sofia macht mir wertvolle Komplimente (ein junger Mensch!!!), sie kenne das Szenario von Familienfeiern.

Buttinger plaudert mit Wall, ich begrüße sie mit „Na, ihr zwei Linken?“, als wären sie eine rare Spezies (sie sind eine rare Spezies).

Gregor Hofer rät mir, alle meine Emails auszudrucken, für den Vorlass. Da wird sich die Nachwelt freuen über all die Admin-Scheiße. Es habe, erzählt er auch, im Jahr 1976 einen „Riesenskandal“ gegeben, weil Reinhard Aumaier den Titel seines „Scheißgedichts“ nicht ändern wollte, zu Gertrud Fusseneggers Empörung. Sehr schön!

5.11.

Im Traum halte ich einen edlen Bildband in Händen, der Mieze Medusa zum 50. Geburtstag zugedacht wurde. „Das ist ja wohl nicht zu übertreffen!“, sage ich, und die Gewürdigte sieht mich über das Coffeetable-Ding resigniert an.

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Meine halbharte Warnung vor der KI lief gestern auf LT1, aber niemand hat's gesehen, ich auch nicht. Beim Nachsehen die Feststellung, dass früher die Kameras 10 Kilo draufgeschummelt haben, heute zaubern sie dir jedes Farbpigment aus dem Haar.

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Hundert Meter über mir hätte heute immerhin acht Stunden lang die Sonne geschienen. Egal. Dafür dann:

6.11. Bärenriedlau

Zum ersten Mal am tageswärmsten Ort des Landes. Das mit dem Nebel ist natürlich nicht egal, weiß ich in der Sonne. Fürs Wandern müsste es kein Grad wärmer sein. Heute bin ich mit meiner Lebensführung wieder sehr versöhnt. Beim Abstieg ein absurd schönes Licht in den glühenden Lärchen. 

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Kleine Hitzeaufwallungen, die angesichts meines sklerotischen Heizsystems im Haus eh willkommen sein werden, aber bedenklich stimmen in Zeiten der Klimaerwärmung – und des Verrinnens der eigenen Existenz. Es wird so sein, dass ich mich diffus auf Wechsel und Pension freue, gleichzeitig aber genau weiß, dass es nicht so klasse wird, weil man ja jetzt schon ein wenig alt ist und dann nur noch die finale Phase kommt. Naja, „egal“.

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Schallplattenanhören als „Erledigung“ - ein Symptom der Dingneurose. Ich soll die Sachen meiner Eltern weggeben und schaffe es nicht einmal bei meinem Glumpert (und umgekehrt). Zwar kann ich vier Südtirol-Bücher weggeben, nicht aber Dieter Deckers scherzhafte Tombola-Gabe „Lolita – liebe Kinder, ich sing' euch was!“ Ächz.

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Ein Erbe des Vaters ist es, nachts das Buch nicht rechtzeitig wegzulegen und mitten in der Nacht damit aufzuwachen.

7.11.

Das letzte Blatt am Nussbaum winkt mir im Nebel zu.

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Völlig variable Größe der Sorgen je nach Tageszeit.

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Kleine Freuden: Scarpa hat meine zertretenen Wanderschuhe verschmissen, also kriege ich um den Preis des Neubesohlens gleich neue – so wenig braucht's, um mich an so einem meteorologisch minderwertigen Tag zu erfreuen. Sonne wäre mir lieber gewesen.

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Marlies Auer fragt mich, ob ich das 40er-Fest der Kupf moderieren wolle. „Aber nur, wenn der LH aus der Torte hüpft.“

8.11. 

Ein Typ schreit vom grauen Himmel herab aus dem obersten Stockwerk des Marriott Hotels. „He! Du! Ja, du bist der Auserwählte! Tobias!“ „Ich heiße aber nicht Tobias.“ Hinter mir lacht ein Tobias, der auf leisen Sohlen gegangen ist.

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Mit den richtigen Menschen gerate ich jetzt immer gleich in deep talk, was ja gar kein Fehler ist. Immer sofort auch Gespräche über Menopause. „Ich will keine Hormone nehmen, ich will da durch und ein Mann werden, dem andere wurscht sind!“

Beim Heimfahren im Zug dann das Gegenteil zur tiefen Sinnsuche (von uns Endvierzigerinnen, aber auch der beiden allzu losten, woken 25-Jährigen beim Herfahren). Rund um mich Teenies, die alle 15 Sekunden ruckartig IRGENDWAS auf Tiktok schauen, es ist alles reine, doofe Oberfläche. Alle drei Minuten rufen sie einen Freund an, dem sie dann immer denselben Satz sagen, als sei er grenzdebil, oder ein minderbegabter Hund, „geh Parkdeck, Deniz, geh Parkdeck!“ Sie können aber nicht herausfinden, ob das der Zug nach Wels ist und müssen mich fragen. Es fühlt sich übertrieben distinguiert an, neben ihnen die ZEIT zu lesen. Irgendwie haben sie ja recht, die Jungen, es steht nur Deprimierendes drin.

Zuhause beim Buttinger penne ich dann bei „Bladerunner 2049“ ein, den kann ich also beim nächsten Mal gleich wieder anschauen.

Ich brauche unbedingt einen Filter, der sofort sämtliche Bücher und Filme ausblendet, in denen Hunde zu Schaden kommen (was sie immer tun, eigentlich). Als ich das ins Facebook schreibe, schenken mir Jana Volkmann und Katharina Seidl den Hinweis auf „doesthedogdie-com“. Merci, merci!

9.11. 

Wie gut ist Ringsgwandls „Hühnerarsch, gib' acht!“, ein herrliches Klangstück!

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Wäre ich ein redseliger, einsamer, lästiger Mensch, ich ginge auf all die Gutmenschenmessen und kaute den armen, wehrlosen Aussteller*innen ein Ohr ab. Als ich das denke, sehe ich B. bei exakt dieser Tätigkeit. Wahrscheinlich erzählt sie den Upcyclern, das sie das damals in Berlin auch schon gemacht haben etc.

 

10.11.

Die Krähen ernten den Nussbaum ab, als hätte ich sie damit beauftragt. 

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Folgende Namen haben Coala und ich einander an diesem Wochenende gefunden: Folko Balfanz, Borbala Foris und Bastian Krautwald. Man stelle sich vor, die drei unternähmen etwas miteinander! 

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Keine Deadlines, keine Arbeitstermine diese Woche, ich bin gespannt, was ich erfinde, um das Notwendige nicht zusammenzubringen. Die Mikrowelle ist schon einmal abgestaubt. Und jetzt kommt auch noch die Sonne heraus – ein mittlerweile sehr rares Naturschauspiel. Aber auch dafür, mich einfach mit einem Buch dem Phänomen auszusetzen, bin ich zu fahrig. 

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Smalltalk mit Menschen, während sich unsere Hunde an der Leine anhassen.

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Sturm kommt auf“ kann ich wirklich nur an einem Tag wie heute schauen, mit unbehelligter Arbeit, Buttinger und Sonne, dann Kachelofen. Der Film radikalisiert mich extrem gegen Faschismus, ich möchte persönlich einem Neonazi die Nase brechen. Tod den Schmerzbefreiten! [Hader wird am 25. März erzählen, dass grad der Schauspieler, der den Obernazi gespielt habe, der Allernetteste gewesen sei.] Der Hund überlebt.

11.11.

Im Traum wird mir mit gewaltigem Aufwand gezeigt, was für eine aufregend tolle Schule Wilhering jetzt geworden sei, mit Stadionrockklassen in der Stiftskirche und dergleichen.

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Heute Ausmisten in der gerade richtigen Dosis: das alte Telefonkastl. Beim Blättern in des Vaters Kalendern der Jahre 2015, 2018 und 2019 hätte ich nur beim Schauen fast ein Burnout erlitten vor lauter Tarock, Konzerten unter Platanen und PGR-Sitzungen. In zwei Jahren kann ich dann alles restlos dem Altpapier übergeben, dann gibt es in ganz Wilhering keinen Festnetzanschluss mehr.

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Den Buttinger mit Dosenananas „verwöhnt“, die nicht einmal mir noch geschmeckt haben. „Gaunz frisch san de owa nimma“, sagt er, „Iwo“ ich. Heimlich linse ich aufs MHD: 2020. Aber niemand hat gespieben. (Ich sollte das eigentlich nicht veröffentlichen)

12.11.

Seltsamer Traum von einem großen Bierzelt irgendwo im Toten Gebirge, in dem man wie auf einem Campingplatz in kleinen Stallboxen sein Zelt aufstellen kann. Die Farce eines Basecamps.

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Der Digital-Uni-„Transform Fut“-Bildausschnitt in den OÖN unterhält uns peinlich gut. Soll man dem Weibold Absicht zutrauen?

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Die Spezies der Kurzkopfgleitbeutler klingt wie eine Satire auf den blödesten Bundeskanzler, den wir jemals hatten. 

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Die X-Blatt-Präsentation ist ein bisschen eine geschlossene Veranstaltung, was aber nicht schlimm ist. Dem Einzinger würde ich wirklich einmal gerne beim Denken und Schreiben zusehen, wie einem gläsernen Ideenwurlitzer. Erich Wimmer schenkt mir – als erahnte er die Meindl-Love-Language des Pebblings – einfach so ein Überraschungsei. 

13.11. Hochsengs

Ich nenne es jetzt nicht mehr Wandern, sondern „Zeitausgleich“. Es entschädigt mich nicht nur für die Arbeit an Wochenende und Abend, sondern für das Vegetieren in der Nebelsuppe. Bis Klaus war's noch ekelhaft, dann gaben sich lüpfende Wolken Anlass zur Hoffnung, bei der Teufelskirche schon beträchtliche Vorfreude. Dani ist am wolkenlosen Bodensee, ich sitze bei 19° in der Sonne. „Eure Himmel sehen komisch aus“, schreibt Cordi aus dem grauen Wien.

Der Vulvenbaum auf der Fotzenalm. <3

Der Jäger, den ich auf der neuen Lackerbodenhütte beim Abstieg treffe, sagt, er sei schon seit sechs Jahren Nationalparkförster und kenne auch noch nicht alle Wege hier. 

14.11.

Fast alles Vorgenommene geschafft, einschließlich der Dirty-Dancing-Choreographie-Übersetzung für Tanzblinde wie mich („Birgit wild drehen“). Weil ich trotzdem den Eindruck habe, unter meinen Möglichkeiten geblieben zu sein, weiß ich nun fix, dass ich diesbezüglich nicht ernst zu nehmen bin. 

Unruhiges Herumwetzen – Heizung kontrollieren, Brunnen, Kellerfußboden, irgendwas. Im Grunde besteht mein waches Leben nur noch daraus, Wasser von A nach B bringen zu wollen (überall ist zu viel oder zu wenig davon). Alleine der Selbst- und Pflanzenhydrierungsstress! (Auch hier scheine ich nicht ernst zu nehmen sein.)

15.11. Neunkirchen

K. posiert auf der BuchWien neben meinem Buch, im Hintergrund sieht man Stermann mit dem Verleger schnattern. Ich bitte K., die Lektorin lieb zu grüßen, mit der Nachricht „280.000 Z“. „Ist das eh kein Code für Kriminelles?“, antwortet sie, und gleich darauf übermittelt sie mir die Botschaft, dass die Zeichenanzahl für den Roman eh schon reichte, wenn es nach ihr ginge.

***

E. ist so etwas wie mein Pendant im Westen, sie erkennt mich nicht nur nach 20 Jahren sofort wieder, sondern ist gleich so lieb zu mir, dass ich davon ausgehen darf, dass B. von mir genauso liebevoll spricht wie sie mir von E. erzählt. Ihre Zuneigung bestrahlt und bindet uns seit Jahrzehnten.

***

Süß, dass B. beim gemeinsamen „Üben“ der Mitternachtseinlage Sachen sagt wie „Kannst du da mit dem linken Fuß beginnen?“, wenn sie erstens selbst den rechten meint, wenn sie zweitens vergisst, dass ich schon nüchtern links und rechts kaum unterscheiden kann, wenn sie drittens glaubt, dass ich ein Hirn besitze, dass in irgendeiner Weise Tanzchoreographien abrufen kann. Es wird dann auch so kommen, dass wir um Mitternacht betrunken vor einem betrunkenen Publikum irgendwas um die signature moves herum zaubern und einander dabei verknallt anschauen. Die Übung kann gar nicht misslingen, wegen all der hermeneutischen Benevolenz um uns herum – alle wollen, dass es gut ist.

Auf dem Damenklo hängen die Buben aus dem „Girl“, mit Festnetztelefonnummer, Adresse und Bildtext: „Eigentlich bin ich keiner, der Mädchen einfach abschleppt. Ich bin schüchtern!“, sagt ein nackter Thomas aus Baden bei Wien im Jahr 1993.

16.11.

Aufgewacht mit dem zu erwartenden Kater. Die Knie zerschunden vom Luftgitarrespielen, der Rücken von der Hexe getroffen beim Springen zu „Jump around“, die Kehle zerschlissen beim Karaoke („I did it my way“ zum Schluss): Die Ehre Oberösterreichs ist verteidigt. Ich habe alles gegeben. Verrücktestes Detail: Lob für meinen irischen Squaredance. Gerade würde ich aber auf die Frage nach meinem Alter „78“ sagen und nicht das Geburtsjahr meinen. 

17.11.

Bei strömendem Regen mit Hexenschuss in den Brunnen steigen. #besitzbesitzt Wenigstens bleibt der Kellerfußboden jetzt trocken.

18.11.

Mieze klagt an, dass der Literaturpreis der Stadt Linz meine Arbeitsmoral senke und deswegen abgeschafft werden sollte. Sie ahnt nicht, dass ich heute schon ihren Roman für den Falter rezensiert habe.

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Die 692,73 € fürs Auto zahle ich dem Mechaniker am Ende des teuersten Jahres meiner Lebensgeschichte schon fast ganz schmerzbefreit.

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Buttinger schaltet entnervt um auf Universum, weil Österreich gegen Bosnien 0:1 zurückliegt. In der Doku dann auch lauter bange Vorgänge, nur eben im Tierreich. Coala und ich machen Meindl-Yoga, der Hund ist glücklich. Später vertrocknet Coala am Kachelofen. So geht Spätherbst.


19.11.

Wir sind peinlich früh bei der Preisverleihung, aber ich bin ja auch ein altes Talent, und wenn's wirklich wichtig ist, die Tochter meiner Mutter, die stundenlang nervös vor einem Ereignis war.

Ich nutze die Zeit und stelle dem Team der LinzKultur das soeben von Olaf Schulz gehörte Attraktivierungskonzept der Bundeswehr vor (Unterhipster, Oberbastard und Haupthurensohn). Markus Reindl möchte ab jetzt den Dienstgrad „Obermotz“ einnehmen.

Während meiner Lesung fällt mir selbst auf, dass viermal „Scheiße“ vorkommt. Das einzig Gute, dass die Mutter das heute nicht mehr erleben kann (=muss). In der ersten Reihe sitzt Ute Klitsch und hört sich ohne Zeichen innerer Bewegtheit meine Fantasie an, wie Kickl beim Klettern umgebracht wird.

Für die Laudatio war ich gebeten worden, meinen Lebenslauf einzuschicken, plus ein paar Worte zum Kunstwollen, und ich habe mich dabei so bemüht, dass mir weite Teile der Lobrede extrem bekannt vorkommen. Da sie aber der Bürgermeister spricht, freue ich mich, als hätte er sich selbst lange Gedanken über mich gemacht. Dazu werden meine eingeschickten Bilder eingeblendet, ich bin trotz aller Vorhersehbarkeit stark gerührt. Zuerst mit Goldhaube, dann die OLW mit Stelzer und als beklopptes germanisches Göttertrio. Es wird gelacht, Prammer dreht sich zur Leinwand um, „ich gehe davon aus, dass Sie wegen der Bilder lachen und nicht wegen meiner Vortragsweise!“ Beim Schlussbild, dem Selfie von mir mit Fini auf dem vorgelagerten Mitterberg, bekomme ich selbst nasse Augen.

Die Preisträgerin Marion Reisinger hält eine sehr schöne Dankesrede in unserem Namen, darin sagt sie auch, dass die Selbstzweifel am Büffet Pause machen. Ebendort komme ich so spät an, dass der Zander schon geplündert ist, schon kommen die Selbstzweifel über mein Timing, aber der Obermotz überlässt mir den letzten Fisch. Ich komme auch nicht zum Tschechern, weil ich der LinzKultur noch mein Konzept des Big-Lebowski-Cocoonings in Schönering erläutern möchte (die armen Unterhipster!).

Die Meindl- und die Reisinger-Schwestern stehen danach noch lange im Foyer, wenn uns jemand hier etwas zum Tschechern heruntergetragen hätte, stünden wir heute noch da und besprächen Vor- und Nachteile einer mehrfachen Schwesternschaft.

Stattdessen gehen wir auseinander. Damit der Fall in den Alltag nicht zu tief geht, trage ich einen Teil meines Preisgeldes ins Bergwerk und kauf' mir IRGENDWAS. 

Dann jage ich den Hund zur Donau, esse irgendwelche Reste, prahle in den sozialen Medien mit meinem Tag, höre Äffchen & Craigs, freue mich lange und gehe früh schlafen.

Versuch über den geglückten Tag.

20.11.

Der erste Schnee im Jahr würde mich mehr freuen, hätten die Winterreifen schon ihren Weg ans Auto gefunden. Man muss den Kindern das noch viel stärker verdeutlichen, dass sie sich an ihren Pipifaxsorgen erfreuen und sich nichts scheißen sollen, bis sie den ganzen Alltagsbums selbst managen müssen.

***

Je näher das Lesebühnenthema am echten Leben und den echten Leidenschaften („Bis morgen überleg' ich mir was“), desto zäher die Ideenfindung.

Und dann wird eh wieder alles in einer Viertelstunde heruntergeklopft.

21.11.

Feministische Perspektiven“ im Central. Barbara Hinterleitner macht sich bei mir gleich beliebt, weil sie sich beim Hund gleich beliebt macht mit stinkenden Sprotten. 

Nach der ganzen Hermoderation ist Buttinger merkwürdig ungeduldig am Telefon, dabei könnte er ja in Ruhe mit Johnnys Festgemeinde schnattern, aber nein, ich solle weitertun. Während der Fahrt bin ich leicht genervt, aber als ich – der Bequemlichkeit halber noch im Frack – den Schl8hof betrete, rufen alle zugleich „Frau Präsidentin!“ und der Babler schaut auf. Er hat zu Recht einmal nur Augen für den Hund. Später, endlich mit einem Bier in der Hand: „I bin die Meindl.“ „Des waaß i eh.“ Er muss sich sichtlich zusammennehmen, Fini nicht zu küssen.

Draußen sitzt sein Fahrer im riesigen Dienstaudi, seit vielen Stunden. Ein neuer Eintrag in der langen Liste der Jobs, die ich nicht machen möchte.

22.11.

Der Architektenfreund übergibt mir seine vollständige Pollack-Sammlung, wie ein geliebtes Haustier, um das er sich nicht mehr gut genug kümmern kann. In den Regalen stehen nur noch Bücher, die er noch nicht gelesen hat, den Rest hat er in gute Hände vermittelt oder um gar nicht schlechtes Geld auf Bookbot verklopft. „Do kriagt ma doch a Göd, voa oim, wenn Büda drin san.“ Während ich einen starken Schnupfen entwickle, den ich ihm hoffentlich nicht zum Dank dalasse, erzählt er, dass er einmal in der Altstadt fast vom Alt-LH Ratzenböck totgefahren worden sei.

***

Die Lesebühne schaffe ich mit dem Reservetank, „La Montanara“ hört sich mit Schnupfen an, als ob ich weinte, was ja auch passt. Danach verliere ich mit einem Schlag meinen Geschmacksinn, lasse aber nicht nach beim Biertrinken. Unser Stammgast Hopferwimmer, ein Riese mit Patriarchenbart, erklärt nicht ohne Stolz, „i hob nu nie wem a Watschn gem!“ Gemeinsam überlegen wir eine Weile, wem wir unsere Premieren angedeihen lassen würden.

23.11.

Ich genehmige mir selbst Krankenstand und sage soziale Tätigkeiten im Privatbereich ab, aber weil ich ohnehin hier immer weniger trenne, fühlt es sich wie freihaben an. Eine License to Read ohne Fear of Missing out, ohne dass es fad wird.

Das Blödeste ist, dass ich nicht einmal beim Chinesen anderes schmecke als salzig und scharf, immerhin spüre ich die kalte Funktion des Bieres.

24.11.

Meine Arbeitsumgebung zwingt mich zum Micromanaging, sie fordert es richtig ein, ohne dafür zu bezahlen. Eigentlich hätte ich ja Krankenstand. 

25.11.

Gut aufgelegt, weil keine Termine und leichter Schneefall (obwohl ich immer noch keine Winterreifen am Auto habe, aber das ist egal, weil eben keine Termine und das Auto in der Garage). Ein kleines, billiges Glück. Der Geschmackssinn kehrt auch langsam wieder. 

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Im Grunde habe ich keine speziellen Wünsche und Träume mehr, nichts Abgehobenes, nur noch fortwährend Sehnsucht nach meinem eigenen Leben im Sommer – und in Wahrheit nach diesem einen Tag mit Zelt im Toten Gebirge. Dabei weiß ich ja, dass ich mich am realen Zelttag immer schon auf die Rückkehr ins Tal freue. Was immerhin jedes Jahr weniger wird – daran lohnt es sich zu arbeiten, im Sinne einer Ausdehnung meiner Komfortzone: Das Tote Gebirge in mein Wohnzimmer verwandeln (nein, das ist vermessen gedacht, es muss mir wild bleiben).

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Frauen in der katholischen Kirche – das ist schon ein bisschen so wie die Ausländer, die FPÖ wählen.

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Dem Rat des Architektenfreundes folgend schreite ich die Buchzeilen ab. Im Grunde könnte ALLES zu Bookbot. Ich muss das ausblenden beim eigenen Schreiben. „Selbe Stadt“ kriegt man übrigens um 5,63 €. Es ist ein schmaler Grat zwischen Unsentimentalität und Buch-Messieanismus. Immerhin habe ich wohl schon eine Tonne Bücher aus dem Haus getragen.

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Buttinger findet auf etsy den Bausatz des havarierten Tschernobyl inkl. Raucheffekt, um 96,50 €. Dieses System muss untergehen.

26.11.

Heute beende ich meinen kleinen Privatlockdown und fahre nach Wels, damit ich nicht komisch werde. Überhaupt – was ich nicht alles aus Furcht mache, komisch zu werden.

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Ich kann mich an der Stille im Haus nicht satthören. Ein wenig Angst ab und zu, dass mit einem lauten Knall, Krach oder Spotzen etwas kaputt geht, dessen Reparatur ich mir nicht leisten kann.

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Je mehr ich über Nepal lese, desto mehr möchte ich wieder hin. Es wird Zeit, dass ich mit dem Manuskript fertig werde.

27.11.

Wieder Übersprungs-Smalltalk mit dem Frauenarzt. Er lernt nicht mein bestes Ich kennen. 

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Mir ist eine neue Variante des Rassismus eingefallen, die viel besser an die Realität angepasst ist, denn das mit den Hautfarben ist ja wirklich bekloppt, die kann ja niemand ändern (außer Michael Jackson). Weniger oberflächlich wäre die Diskriminierung von Haltungen, die man nicht einzunehmen gezwungen ist. Ich will z.B. „Signas“ abwerten, Audifahrer, Ramstein-Fans, Rehkitzzermäher, Genderkritiker, Bodypainter, Rasenrobotermäherigelmörder, Teslafahrer und ganz besonders Tesla-Cybertruckfahrer. Für sie alle kann man ein fein abgestuftes Apartheid-System erfinden, wie es sich für echten Rassismus gehört. Auf der untersten Rassismusstufe stehen natürlich Rassisten. Und Menscheneinstufer. Ich könnte daraus eine Beschreibung der 37 Kreise meiner privaten Höllenvision anfertigen.

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Berni Wagner im Schl8hof. Vor Beginn suche ich ihn noch heim. Wenn wir ihn nerven, lässt sich der Gute nichts anmerken. Er sagt, er hätte auch schon gern graues Haar, weil ihm das Jungsein nicht liege. Ich sage, dass ich schon so lange keine Großeltern mehr habe, dass ich mit mir selbst liebevolles Mitleid bekomme, wenn ich im Spiegel sehe, wie grau ich schon geworden bin.

Monster“ habe ich im März schon gesehen, doch es ist eine der Freuden des Alters, dass ich wieder sehr viel zu lachen habe, weil ich in der Zwischenzeit fast alles vergessen habe. „Ob mei Hirn aa üba mi so vü nochdenkt wia i üba mei Hirn?“

28.11.

Der Raureif macht auch Wels hübsch. Dann muss ich zur Mammographie, an die ich versucht hatte, nicht zu denken. Als die Sonne herauskommt und ich direkt vor der Tür einen Parkplatz finde (Spießerfreude), weiß ich schon, dass nichts droht. Ich kehre binnen Minuten mit unauffälligen Brüsten zurück. Coala: „Good adulting!“

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In der Kletterhalle brennen binnen Minuten die Pfoten. Ich habe zwar stark nachgelassen, aber Nazis sollten mir immer noch nicht in die Finger geraten.

Dann moderiere ich mich ein letztes Mal in diesem Jahr um Kopf und Kragen. Der Frauenministerin will ich einreden, bitte auch noch Bürgermeisterin von Wels zu werden, das sei auch schon wurscht. Und ich bespreche den Formenreichtum der Gewalt gegen Frauen als die einzige Artenvielfalt, die dem Klimawandel zum Opfer fallen dürfe.

Die lustige C. K. schenkt den Beteiligten kleine, selbstgemalte Bilder, mir drückt sie es in die Hand und sagt, „D'Foab gheat außen, goi!“

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Dann fahre ich mit dem seelischen Reservetank nach Wels, wo das „Schlimmste“ des Tages passiert, als der Buttinger mir udaungs ein alkoholfreies Bier bringt, mit dem ich ihn gleich wieder wegschicke.

29.11. 

Im Traum streicht mir Robert Palfrader den Keller, das mache er als zweites Standbein, er verlangt dafür von mir nichts anderes als Südtiroler Kaspressknödel und einen Ride zum Bahnhof. Leider ist aber mein Auto total voll und dreckig, ich geniere mich.

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Wien. Die Bahnfahrt wird K. und mir zu kurz, obwohl sie dank einer Bombendrohung (der allerblödeste Trend gerade!) eh verlängert wird. Wir mäandern zwischen small und deep talk.

Die Stadt ist an diesem ersten Adventwochenende übervölkert wie Bangladesh. Wir laufen eine Weile mit dem Strom, bis uns die soziale Energie ausgeht (mir zuerst). Dann essen wir ein letztes Mal im MaschuMaschu – hier habe ich ein Leben mit Falafel gelernt.

Am schönsten der arme, gewaltige Bernhardiner im Weihnachtspullover, mit dem ich ein wenig schmuse. Artgerecht ist das nicht, der Halter hantiert mit seinem Akkordeon, als spielte er im Pataphysischen Orchester.

Weil ich dann noch schnell meine Buchprämienjuryvorbewertung korrigieren muss (alles eine sehr aufwändige Sache), kippt die Stimmung leicht, aber nur so lange, bis mir Coala ein 16er-Blech auf den Schreibtisch stellt, „daun geht’s schnölla“. Siehe Leistungsboykott.

Dann vertrockne ich auf der Couch wie in meiner imaginierten guten Sterbstunde – zum Plaudern der beiden anderen, ohne Zähneputzen, in dicke bunte Decken gehüllt.

30.11. Wien

Nach der Massage im Kang Mei trippe ich ein wenig – welche Meridiane wurden mir da mit herrlicher Gewalt wieder freigelegt? Welche Dämonen wurden aus meinen hölzernen Faszien exorziert? 

Dann geht der Tag gut gelaunt weiter, eins fügt sich ins andere, sodass Coala einmal zu K. den Satz des Wochenendes (nein, des Lebens) spricht: „Aber lass' dich von uns nicht ins gute Leben einetheatern!“

Schwere Erschöpfung in Gelb auf Coalas Couch.

Montag, November 24, 2025

Die neue oberösterreichische Hausordnung

Das kleine 1x1 des Zusammenlebens

Vergangene Woche hat die oö. Landesregierung eine „Hausordnung“ präsentiert. Jetzt bin ich nicht die hellste Kerze auf der Torte der Arithmetik – aber ist 1x1 nicht trotzdem nur eins, und ist das nicht die niedrigste einstellige Zahl? Also irgendwie der klitzekleinste gemeinsame Nenner, sprich: sehr wenig? Egal. Wichtiger ist, dass sich das nur Männer ausgedacht haben, also gilt das für die auch. Für alle anderen gelten WEITERHIN die unsere gemeinsamen Regeln und Werte, die ich mit Liebe und Sorgfalt hier aufnotiert habe. 

1. Jeder Mensch hat Würde und verdient Respekt, auch wenn er oder sie beschließt, darauf keinen Wert zu legen und bei Kulturveranstaltungen z.B. „La Montanara“ zu singen, ohne es zu können und mit Schnupfen, oder wenn die Person schiache Ballkleider aus den 80ern anziehen mag. Oder selbstironische Witze macht, was trotzdem streng verbietet, der Person gegenüber auch frech zu werden.

2. Bitte schnäuzt euch! Das Geräusch ist einfach nicht auszuhalten!!!!

3. Wir sprechen hier Deutsch! (Bzw. „Deutsch“) Schnäuzen also bitte mit Ä schreiben, denn es leitet sich von der Schnauze ab. Wir in OÖ gendern, das ist gelebter Brauch, es heißt nicht umsonst Muttersprache. Männer sind zwecks besserer Verständlichkeit mitgemeint.

4. Hunde sind respektvoll zu behandeln und dürfen gerne vor deren Halter*innen begrüßt werden. Wir lieben die Hunde so wia a Kindal sei Muata.

5. Das arschlingse Buserieren im Straßenverkehr ist verboten, insbesondere für SUVs bzw. Audi-, BMW-Fahrer etc. Listenautolenker müssen generell eine erweiterte Alltagstauchlichkeitsprüfung zusätzlich zum Sachkundenachweis ablegen, wenn ihr Kraftfahrzeug die Schulterhöhe von 1m übersteigt.

6. Das Laufen auf den Gängen ist verboten, im Gebäude sind Hausschuhe zu tragen.

7. Männer sind nach Kräften den anderen Geschlechtern gleichzustellen, das Matriarchat ist für alle da!

8. OÖ hat Platz für alle Religionen, wenn sie still im Ausmaß eines privaten Hobbys betrieben werden und nicht nerven, also ca. wie Modelleisenbahnbau, Goldhaubenstickerei oder Hinterglasmalerei.

9. Beim Tarock werden nur Spatz und Uhu angesagt, alles andere ist gottloser Unfug. Kommt die Trui gemeinsam zum Liegen, sticht der Pagat, eh klar.

10. Fleischereifacherzeugnisse dürfen nicht mehr irreführend als Bradl oder Wiaschtl bezeichnet werden, sondern als „Der Sau aus dem toten Nacken gefletschtes Fleisch“ bzw. „in seine eigenen Eingeweide gestopfte Kadaverreste“.

11. Respektspersonen wie etwa die Bundespräsidentin sind in OÖ Schulen mit einem schmeichelhaften Bild in den Klassenzimmern zu repräsentieren und höflich zu grüßen, gerne auch Nackenmassagen anbieten und ihren Hund sowie ihren Regierungsstil loben, das ist nicht cheesy, gutes Bier kredenzen – hier ist Regionalsnobismus angezeigt, da unsere heimischen Brauereiprodukte wahrhaft die besseren sind; Zipfer aber höchstens frisch gezapft.

12. Es gibt in OÖ immer noch diese Probleme mit dem Stadtbild, also Menschen, die extrem gschissn aus der Wäsche schauen, etwa nur um ein Beispiel zu nennen Herrn G. aus Wels, Schillerstraße 1/3, der mich zu Fleiß immer so grämlich anschaut, dass seine Mundwinkel über den Unterkiefer herunterhängen, keine Ahnung, was der gegen mich hat!

13. Bitte passt's besser beim Mülltrennen auf, das ist doch echt nicht schwer, jetzt darf man sowieso fast alles in den Gelben Sack schmeißen, Gmundner Keramik im Großgebinde zum Bauschutt, Lederhosen zur Carla, VOEST-Stahl zum Altmetall, die Handflächen zueinander, noch einmal, schneller, ja, so wird ein Applaus draus! (Letzteres schriftlich bissi doof, aber man kann ja auch einmal privat alleine klatschen).


Sonntag, Juni 01, 2025

Omaficker in Lehenrotte, ausgestopfte Pfarrer im Mühlviertel und Naturkritiker im Hallstättersee

Lebenskrimskrams im Mai 2025

1.5.

Für einen Moment glaube ich, jetzt wirklich alle in den Apps markierten Wege im Sengsengebirge zu kennen, wobei „kennen“ schon nicht stimmt, ich verkoffere mich immer noch. Außerdem gilt's höchstens für die Südseite, und da nicht. Es ist die beste unlösbare Aufgabe meines Leben, die ich mir ohne Not gesucht habe. 

2.5.

Neue Erkenntnisse zu mumifiziertem Pfarrer“ als Headline auf orf.at – ist das ein gutes Zeichen für die Weltlage? Man hat ihn arschlings mit Zweigen, Stoff und Sagscharten angefüllt. Hochwürden ausgestopft wie ein Teddybär! Welcher arme Mensch musste damals diese Arbeit verrichten? Erich von Däniken habe im Übrigen vermutet, dass da Außerirdische Hand angelegt hätten.“

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Die sehr liebe und sehr junge Friseurin nenne ich „Marion“, dabei heißt sie Mariam. Was so wenige Buchstaben ausmachen. Sie ist aus Armenien gebürtig und schnippselt mit großer Fürsorge an mir herum, dabei versieht sie meine Wangenknochen, meinen Teint und die Haar“farbe“ mit Komplimenten – und sieht selbst 34xmal hübscher aus als ich.

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Es ist Urfix und dementsprechend viel los in Alturfahr West. Das Strandgut wird gut frequentiert, was aber nicht an meiner Lesung liegt, sondern daran, dass viele junge Menschen darum bitten, hier ludeln gehen zu dürfen. Mich kränkt das Ausbleiben des Publikums nicht, wir ratschen gemütlich vor uns hin. Unmittelbar vor dem geplanten Lesungsbeginn kommen doch noch fünf fremde Menschen daher, die ganz freundlich um die vereinbarte Leistung ersuchen. Am Ende stel sich aber heraus, dass zwei der neu hinzugekommenen Frauen praktisch kein Wort verstanden haben, schon gar nicht meine dahingeplauschten Zwischenmoderationen im Dialekt. Meli sagt am Ende, sie finde die Lesebühne lustiger, „bist ma eh ned bes?!“

Weiterhin kommen dauernd junge Burschen vorbei. Zwei bleiben bei Fini stehen. „Was ist das für eine Rasse?“ „Sie ist...“ „Cool, und wie heißt er?“

3.5.

Gemeinsames Schuften im Garten gegen die botanische Entropie – aber weil uns die neue Mauer so eint, geht alles halbwegs harmonisch vonstatten. Abends bei Nachbars. Das Geburtstagskind prahlt vor Neuangekommenen mit unserer schlechten Nachbarschaft. Wir trinken dafür zu Fleiß den Wein, den wir selbst mitgebracht haben.

4.5. Hallstatt („Tonspuren“) 

 

Zu meiner Überraschung gibt es einen täglichen Direktzug von Wien nach Hallstatt, in dem ich den Hirschl nicht sofort finde, weil sehr viele andere Passagier*innen auch lange, dunkle Haare tragen (und von mir als Asiat*innen gelesen werden). Fini aber spürt den Herrn Erfolgsautor sofort auf. Julia steigt in Wels zu und spürt Fini sofort auf.

Ab Gmunden muss ich sehr an mich halten, um nicht dauernd die Berge zu benennen („Für Blinde und Sehbehinderte wird diese Zugfahrt im Zweikanalton übertragen“).

An der Anlegestelle wartet der Bürgermeister auf uns, ich „beschwere“ mich über das Fehlen einer kleinen Blasmusik. Er fragt mich, ob er leicht der Gemeindeärztin verschergen solle, dass es eine fiktionale Version von ihr gibt!? „Owa i woaß eh ned, ob's zan Lesn kimmt.“ Dann führt er uns an die Hotspots, wo er selbst eigentlich sich nicht mehr anschauen lassen will, wegen Überlastung. Später lädt er uns auf einen Kuchen ins Kaffee, dort erzählt er vom Spalierbaum, der händisch bestäubt werden muss. Am Ende streichelt er Fini. „Jetzt mog i mei Kotz scho so, wia muass des mid am Hund erscht sei?“

Hirschl und Julia waren praktisch noch nie in Hallstatt. Es ist überraschend interessant, das Dorf mit ihren Augen zu sehen. Elias ist ganz begeistert von der „Hallstätter Luft“, wenn die Flasche nur 5 € gekostet hätte, würde sie schon in seiner Wohnung stehen.

Er sagt, er könne es sich jetzt endlich eingestehen, „dass ich die Natur nicht mag.“ Immer wieder habe er versucht, in einem Café im Gastgarten zu schreiben, „aber entweder ist es zu heiß oder zu kalt, oder der Wind geht. Dann kommt eine Fliege.“ Später geht er in den 10° Grad kalten See baden, draußen ist es keinen Deut wärmer, der Hund zittert im Wind. 

 

Einmal habe er der Jelinek einen handgeschriebenen Brief geschickt, weil er dachte, das sei nun ja schon eine ältere Dame, und er habe sich geschämt, als sie ihm per Mail antwortete (worin sie ihn unter anderem darauf aufmerksam machte, dass „Hirschl“ einfach die deutsche Übersetzung von „Jelinek“ sei).

Francesca Herr wird später unter Hirschls Hallstatt-Posting kommentieren, sie sei Anfang 2000 mit ihrem damaligen Freund auf die Schnapsidee verfallen, in Hallstatt Silvester zu feiern. Untergekommen waren die beiden bei zwei 90-Jährigen, die von den Jungen mit Mama und Papa angesprochen werden wollten. 

5.5.

Öffentliche Anreise mit Zug und Bus nach Hause. Mit dem Rad wäre ich schneller von Wels hierhergekommen. Neuland Eiselsbergerstraße in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ein später Februartag im Mai, die Landschaft ein kalter Dschungel.

6.5.

Es gibt ein Tier namens „Gleichfarbkuskus“ (in der ZEIT dann gleich doppelt in der Rubrik „Du siehst aus, wie ich mich fühle“ verwendet, zu Coalas Ärger, „grad bei so einer wichtigen Sache!“)

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Für eine Besprechung muss ich mit der Fähre nach Ottensheim. Ab jetzt möchte ich in den warmen Monaten den ganzen Parteienverkehr hier erledigen, mit Kaiser-Mühlecker telefonieren, mit M. den Workshop besprechen. Paulo Danubio begrüßt mich vor den Pendlern und Radlpiefkes mit „Zeawas, Frau Präsidentin!“ Zahlen muss ich nichts, „jo, zoag ma's hoid, die Stroafal.“ Zum Abschied sagt er „A scheens Wochnend!“ Ich bedanke mich, es sei halt Dienstag. „Wird scho wieda amoi ans kumma.“

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In der Boulderbar sagt der Typ, der aussieht wie der Mark Wahlberg von Pasching, dass das bei mir so leicht aussehe. Tatsächlich scheint mich der Kampf gegen den Dschungel im Garten wieder etwas ertüchtigt zu haben. Trotzdem stelle ich mich selbstverständlich nur in Boulder, bei denen ich den Arsch vom Boden kriege.

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Die neue Humor-Kategorie bei Grisse- und Stermann gefällt mir sehr gut: 1-Stern-Bewertungen auf Google. Die Votivkirche sei „zu religiös“.

7.5.

Stimmung und Aktivitätsdrang sind augenscheinlich direkt an den Stand der Sonne und die Temperatur gebunden. Heute leichte Manie, ein Zwischenhoch. Ich trage 37 Kilo Granit vom Donaustrand nach Hause. 

 

Wahrscheinlich ist das auch schon die Vorbereitung fürs experiment literatur. Ich will nicht mit faulen Händen dem Kaiser-Mühlecker begegnen. Entweder ist er ein wenig kokett, oder er weiß wirklich nicht, wie absurd fleißig er ist. Während ich mich schon vom Einfamilienhaus eingespannt fühle wie ein alter Ochs ins Joch, macht er Landwirtschaft und Literatur jeweils de iure im Nebenerwerb, de facto in Vollzeit.

Die waschaecht-Präsidentin schaut in den bummvollen Raum und sagt lächelnd, „jetzt miass ma schaun, dass ma mid de Zoin wieda owakemman!“

Kaiser-Mühlecker liest er extra für mich die Beschreibung des Toten Gebirges und für den Buttinger die Angelszene. Auf die Frage, welche Rolle die Landschaftsbeschreibung in seinem Werk habe, sagt er, in „Schwarzer Flieder“ sei ihm eine sehr schöne gelungen, seither probiere er es immer wieder einmal. 

Man müsse an den Figuren „alles herunterklopfen, was gefällt, was sie sich zulegen, was die anderen denken.“ Wenn sie so dastünden, wisse man erst, wer sie sind.

Er berichtet von einer Schreibwerkstatt in Edenkoben, bei der sich niemand dafür interessiert habe, wie er denn das Schreiben angehe, sondern nur, wie sie Jo Lendle bezirzen könnten.

Beim Biertrinken sagt er, eigentlich habe er mit dem Motorrad kommen wollen. Sofort verschwinden er und der Buttinger in einem tiefen Fachgespräch.

8.5.

Aktuell wieder das verstärkte Gefühl, dass ich mir meine Zeit zu billig abkaufen lasse. Vielleicht versehe ich meine Zusagen mit einer Schönwetterklausel. Wenn ich nicht wandern gehen kann, wird’s teurer. Obwohl da – mein einziger heutiger Termin – der Frauenarzt eher nicht mittun wird.

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Am Nachmittag gehe ich mit dem Einhell-Arsenal auf den Garten los, bis es raucht – der Buttinger ruft nämlich an, „mia ham an neichn Bobst.“ Minuten später sehe ich einem US-Amerikaner zu, der mit Blick auf den Petersplatz mit den Tränen kämpft. Im ORF wird eine „Vatikanista“ befragt (lauter neue Berufe, ich kannte nur die „Barista“). Später nutze ich die Gelegenheit, eine dumme Geschichte darüber zu schreiben, dass der neue Leo meinen Garten irrtümlich für einen Teil der Landesgartenschau hält und mich besuchen will, damit er ein paar Stunden Ruhe hat. Es muss ja wirklich das schlimmste Leben sein. Nie mehr allein, nie mehr in der Nase bohren, keine Granitsteine stehlen, vom Wandern ganz zu schweigen, das Tote Gebirge ist gestorben für einen Papst. 

9.5.

CliniClowns-Gala im Posthof. Weil wir gleich vor dem Start eine Verspätung aufzwicken, schlage ich den BlöZingers vor, der Einfachheit gleich miteinander aufzutreten, haha. Es sind alle sehr lieb, aber der Zeitplan ist schneller Makulatur als ein Papierbrand. 

 

Backstagejausnen mit dem lieben Winkler, Plauschen mit dem lange nicht mehr gesehenen Ex-Nachbarn. Seine Gattin und er haben noch einen Nachzügler bekommen, „glei nei Monat, nochdem ma aufs Laund zong san, woaßt eh, es hod dauat, bis es Kawöfeanseng valegt hom.“

10.5.

In Burma gibt es von Chinesen betriebene Lager für Scam-Zwangsarbeiter, samt extra eingerichteten Luxuswohnungen und Büros für die noch bessere Täuschung.

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So lange und sorgfältig alle verholzten Körperstellen durchgedehnt, dass zumindest der Körper getäuscht ist und glaubt, entspannt zu sein.

Dann nach WIEN 

 

zum Hochfest der österreichischen Slamily: 100 Jahre Markus und Mieze. Die wenigsten unter uns sind wesentlich jünger, es wundert uns wohl alle, dass wir Slam-Urgesteine sind. Sehr jung natürlich der Hirschl, der mir mit gut gelaunter Fassungslosigkeit berichtet, wie die Überraschung gelingen konnte: „Die beiden sind seit JAHREN systematisch belogen und betrogen worden!“ Peter Clar musste extra nach Ottakring rasen und hoffen, dass keiner der beiden schon die Post geholt habe, denn der Verlag hat die Vorschau eine Woche zu früh versendet (irre eigentlich, das HERBSTprogramm im Mai, aber so machen es jetzt alle). Clar musste die unwilligen Nachbarn bitten, ihn reinzulassen, dann ins Postfach langen und den Brief herausstierlen. Zwei Jahre Heimlichtuerei beinahe umsonst! Mieze und Markus werden später erzählen, dass sie sich schon sehr gekränkt hatten, dass in den vergangenen Wochen alle ihnen gegenüber auf einmal komisch geworden seien; in Wahrheit aus Angst, sich zu verplaudern.

Wir alle warten gespannt auf das Jubelpaar, das glaubt, gegen gutes Geld bei einer Gendersache zu performen. „I hob extra wos gschriebn!!!!“ sagt Markus dann unter Tränen (eh der Rührung). Wie ihnen mitgespielt wird, checken die beiden wirklich erst in der Minute, in der sie sich in der ersten Reihe sitzend noch einmal umdrehen und sehen, dass sie jede einzelne Person kennen. 

So gefeiert werden nur Menschen, die nicht nur für sich selbst tolle Kunst machen, sondern im Lauf von Jahrzehnten sehr viel für andere getan haben.

Auf dem Weg zur Bar hält mich eine fesche Frau auf, „wir kennen uns ja!“ Ich nehme mich zusammen und täusche nicht vor, dass ich das auch so sehe. „Verena Stauffer!“ Ich entschuldige mich, ja!, stimmt! Dafür weiß ich, wann wir einander kennengelernt und zuletzt gesehen haben, im Literaturhaus vor etlichen Jahren. „Nein,“ widerspricht sie freundlich, das sei doch grade beim Frischmuth-Symposium gewesen. „Ha! Du weißt auch nicht, wer ich wirklich bin!“ lache ich, denn sie hat mich wegen der kurzen Haare mit Heidi Lexe verwechselt. 

Dann trinken wir alle relativ viel Bier. Heftiges Konspirieren mit Willi Landl und Nadja Bucher. Wenn ich mit ihr rede, bilde ich mir immer ein, selbst auch so lustig zu sein, aber es liegt fix an ihr. Sogar eine schwere OP hat in ihrer Schilderung noch Unterhaltungswert. Es ist wirklich alles ernst und alles lustig zugleich. 

Mit Mühe reiße ich mich los. Erst in Linz schlafe ich ein, es gelingt nur mit Mühe, rechtzeitig in Wels aus dem Zug zu torkeln. Wie schön wäre es, ein Fest zu geben, bei dem alle so lange schnattern und trinken können, bis sie sich einfach an Ort und Stelle hinlegen können. Ein Symposium, liegend, in spätrömischer Dekadenz. Oder besser, ein Bed-In mit Bier, auf einer gewaltigen Massencouch. 



12.5. Scheiblingtragl, Turmtal

Seit August zum ersten Mal wieder hinten im Stodertal, eine große Freude. Beim Wühlen im Geröll weiß ich natürlich wieder, warum es hier so einsam ist. Wahrscheinlich war's gut, dass ich durch Geiz beim Parkgeld meine Wanderzeit künstlich verknappt habe. Keine Ahnung, wo ich umgekehrt wäre, oder ob ich wieder gegen jede Vernunft in den Talschluss eingestiegen wäre. Nein, eher nicht – diese kurze, etwas zu wilde Zeit ist vorbei.

Zuhause dürsten schon die Pflanzen, man ist angehängt mit ihnen wie mit dem Hund.

Halbdämmerschlaf beim Forged-in-Fire-Special, bei dem US-Veteranen durch einen Messer-Parcour tappen und dabei mit „Thank you for serving!“ angebrüllt werden.

13.5.

Ein sehr langer Tag mit zu viel Reden. Der Hund schluchzt, als sie mich im Finstern erkennt, Buttinger ist mir mit ihr entgegengegangen. Zuhause heilsames „Golden Girls“-Schauen. 

14.5.

Von einer Reise nach Nepal geträumt, mit Supermarkt, europäischen Flüssen, aber absurdem Wohnbau. Keine Berge!

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Der ärgste Anti-Zeitraffer ist der Blick auf die „Fortschritte“ der Roman-Zeichen. Er wächst wie ein Stalagmit. 

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Weil ich mit M. so angeregt Kollegen ausrichte, steige ich nach dem Verabschieden ausgerechnet in den Zug, der nicht in Wels stehenbleibt. Gnadenlos fährt er auch durch Attnang-Puchheim. Es wird also Salzburg, und die Freude, nach der Sitzung einmal früher nach Hause zu kommen, wird nicht durch den Trost aufgewogen, dank Klimaticket zumindest keinen finanziellen Schaden zu erleiden bzw. endlich einmal Zeit fürs Falter-Lesen zu haben.

Was vorher geschah: Der FPÖ-Kultursprecher spricht so unangenehm unangreifbar, dass ich schon wieder unter Ambivalenz leide. Später plaudern wir mit dem Grünen Sevi über neue Bücher, der Dim kommt ja aus einer Rieder Buchhandlungsfamile, weswegen er auch weiß, dass ich morgen dort lese (bei der Konkurrenz). Er lobt die Tricks Wolf Haas' in „Wackelkontakt“.

Beim müden Heimwanken, wieder kurz vor Finis Schluchzen, sehe ich spätnachts einen ganz jungen Mann vor dem Barbershop mit dem schiachen Totenkopf-mit-Vollbart-Logo sitzen. Auf seinem Schoß eine wunderschöne sattgraue Katze. Seine Augen leuchten, als ich ihn frage, ob dieses prachtvolle Tier ihm gehöre. 

15.5.

Das Schlimme am Home-Office: Immer wieder kommt man am Bett vorbei und denkt sich, „so viele Stunden, bis wir wieder vereint sind!“ (Geschrieben um 13:09 Uhr, erfüllt um 23:38)

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RIED

Es ist keine Großkunst-Aufgabe, das 20er-Haus zu füllen, trotzdem freut mich das seltene Wort "Nachbestuhlung". Mit viel Disziplin lasse ich mein Honorar nicht gleich wieder in der Buchhandlung. Der (so wie alle hier) extrem freundliche Gatte der Inhaberin schenkt Wein aus. Als ich ihn in ein literarisches Gespräch verwickeln will, sagt er uneitel, er lese keine Belletristik, höchstens Sachbücher über Energie und Technik. Er arbeite so gern, das erfülle ihn ganz, sodass sein kleiner Wald schon vollständig zu Brettern verarbeitet sei. 

 

Bei einem älteren Herrn sucht Fini besonders oft Zuflucht. Er sei früher regelmäßig mit zwei Freunden auf musikalische Reisen gegangen; jeder nahm ein Buch mit, das er dann den anderen lieh. Aber einmal hatten sie sich nicht abgesprochen, sodass jeder einzelne „Schlafes Bruder“ im Gepäck hatte. „Das war blöd, aber da wusste ich, dass wir wirklich eine Band sind.“

Zwei Frauen sagen nachher, dass es ihnen sehr gefallen habe, das sei ihre erste „Autorenlesung“ gewesen, und dass sie sich „jetzt über andere auch drübertrauen.“ Ich bin geschmeichelt und hoffe, dass sie dann beim nächsten Mal ein bisschen enttäuscht sind. Aber das darf nie jemand lesen. 

16.5.

Noch nicht betrunken, aber keine Termine, bis 21.5.!!! <3

Fini hat die Stimmung mitbekommen, sie wechselt um 8:20 Uhr vom Nest auf die Couch, von dort um 9:10 ins Gewölbe unterm Kachelofen. Sie lebt mein Leben. Als ich ein entsprechendes Facebook-Posting herzeige, kommentiert Meli: „Irgendjemand muss ja dein Leben leben.“ Der Hund ist meine emotionale Powerbank.

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In der Literatur bewirtschaften wir die Verschiedenheit der Leute.

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Der entlegenste Ort der Welt heißt Point Nemo, die nächste von Menschen bewohnte Stelle ist die Besatzung der ISS im Moment, in dem die Raumstation über diesen Punkt orbitiert. (Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich möchte mir die Verrücktheit dieser Sache nicht durch die Realität ruinieren.)

[Nachtrag 10. Februar 2026: Es ist der ozeanische Point of Inaccessability, „it represents the solution to the longest swim problem.“ Jedes Land, jede Küste ist mehr als 2680 Kilometer entfernt.]

19.5.

Ein älterer Herr grüßt freundlich vom Rad, beim Heimfahren von der Donau sehe ich ihn auf einem Sperrholzhaufen sitzen, er muss dort die ganze Zeit eine Katze gestreichelt haben.

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Ein ereignisarmes Wochenende, vielleicht das letzte bis in den Juli hinein (und da müsste dann auch das Wetter schlecht sein. [Was es dann auch wahr, und wie. Feb. 2026] Ich habe so viel gelesen, dass es mir schon fast ein wenig zu blöd geworden ist. Endlich einmal wieder die Länge der Zeit gespürt – gerade deswegen ist sie mir auch zerronnen.

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Der Jasmin blüht! Ziemlich genau zwei Wochen später als 2024. 

 

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Meine publikumsträchtigsten Schreibakte sind je ein Insta-Kommentar bei Hossa („Mit Hass gekocht“), einer bei Böhmermann (vergessen, was) und einer bei Kaltenbrunner („Jetzt bitte die Boulderer verarschen!“). 

20.5. Schmiedalm, Stubwieswipfel, Hölltal: 

 

21.5. Türnitz

Die Größe Niederösterreichs erschließt sich, wenn man mit einem VOR-Bus bis an seine Endhaltestelle fährt. Viele Meter staubiger Schaufenster, etwa der 24h-DVD-Verleih in Wilhelmsburg. Sankt Fitness. Das Porzellanmuseum wird mit einer zerbrochenen Tasse beworben. „Heute kein Liftbetrieb“ in Lilienfeld. 

 

Überall blühen die Wiesen, es ist ein sehr schöner Tag hier im Bus. Immer wieder steigen Schüler ein und bald wieder aus. Die kleinen Buben reden Bubenscheiß: „Ich war in deiner Oma schon drin!“ Sie erschrecken, als ich Oma sie gehässig auslache. Der Omaficker steigt in Lehenrotte aus, neben dem Schild „Craniosacrale Impulsregulation“. Man soll sich Ortsnamenspott verkneifen – man findet das ulkig, lebt aber selbst neben Dickerldorf und Afiesl. 

 

Es ist fast eine Schande, den Tag in geschlossenen Räumen zu verbringen. Draußen flirren die Grillen, es rauscht die junge Traisen, fast ist man hier im alten Österreich in einem Talschluss.

Vor dem Termin war mir ein wenig mulmig, weil die Moderation gar so gut bezahlt war. Aber Schnecken, sie ist auch sehr liebvoll organisiert. Ab jetzt fangirle ich Türnitz - und Katharina Cibulka. Sie erzählt nachher beim viel zu guten Büffet, dass sie unter den allerletzten Menschen gewesen sei, die Bodo Hell gesehen haben. Carola Maier habe sie dazu gebracht, für ihren Film mit auf die Alm zu gehen. Cibulka gab nach, mit dem festen Vorsatz, sich von diesem ihr noch nicht bekannten Mann sicher nicht die Welt erklären zu lassen, und schon gar nicht die Berge. „Aber dann war der so ein Herzbär!“ Sofort haben sie gemeinsam Holz gemacht, sie selbst war ja auch einmal Halterin.

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In milder Euphorie zurück in den Norden. Ein Drittel der sehr langen Busfahrt führt durch das Gewerbegebiet von St. Pölten ("Spratzen"). Am Bahnhof steht Peter Filzmayer, bissl lost und grau, aber das kann auch daran liegen, dass man nicht gewohnt ist, ihn nicht sprechen zu sehen.

22.5.

Beim Bachmann-Wettlesen helfe ich natürlich heftig zu Max Höfler, aber auch ein wenig zu Verena Stauffer wegen der schönen Verwechslungsgeschichte vom 9. Mai.

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Wie soll ich arbeiten, wenn im Kirschbaum die Kohlmeisen budern? Die Amseln und der Gartenrotschwanz schimpfen, wenn wir am Vormittag ihr Revier betreten, man ist nicht mehr Herrin im eigenen Haus. Enteignet durch Vögel.

Als ich das wenige Tage später dem Haslinger klage, spricht er ganz illoyal: „Aber Dominika! Du musst halt dein Territorium schon früher besetzen, im März! Jetzt brauchst du dich nicht zu wundern!“ Solche "schönen" Freunde hat man.

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Beim Schulworkshop rede ich den sehr lieben jungen Damen ein, sich ruhig in Gewaltfantasien zu ergehen, da sie ja eine viel ungünstigere Zukunftsprognose haben als wir damals in den komischen 90ern. 

 

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Verwirrt schwimmt der Hund direkt über der neuen, offensichtlich nicht schwimmenden Hochleistungsfrisbee, die ich nach jedem dritten Wurf irgendwo in der ungezügelten Botanik suchen muss. Ächzend ziehe ich Schuhe und Hose aus und steige in die pitschkalte Donau. Gleich beim nächsten Wurf landet das Teil im unbarmherzig undurchdringlichen Brombeergestrüpp. Fini sieht mich erschüttert an, als ich die Suche aufgebe. Vielleicht kommt sie jetzt in die Pubertät (ja, auch dieses Leben muss sie leben!). 

Hier ist ein Picknick missglückt in den Donauauen:  

 

Zuhause heize ich mir allen Ernstes den Kachelofen ein und entnazifiziere die Erbbibliothek – alles, was Mitglied der Reichsschrifttumskammer war, fliegt raus.

23.5.

Ich leide an meiner Persiflage von „Wasted Love“. Wie muss es erst echten Musiker*innen gehen, die jahrelang denselben Song üben und singen müssen?! Mittlerweile fast ein kleiner Alptraum. Ist die starke Neigung zu Ohrwürmern neurologisch bedenklich? Denke ich zu wenig, dass mein Hirn so unterbeschäftigt ist wie ein gelangweilter Bordercollie? [Feb. 2026: Schon vom Bloßen Abtippen Ohrwurm!!!]

Sehr schön's war's wieder bei der Lesebühne, schon alleine, weil der Decker fotografiert hat. Da könnte man alles nachlesen.  

 

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Die Tipps machen in ihrer Ankündigung der Lesebühne aus unserer Kapelle die „Blutbuchengruppe“ (oder hab ich das selbst so geschrieben?). 

Für die volle Lesebühnen-Dröhnung hier noch meine elf schlechtesten Gartentipps

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Mit keiner anderen künstlerischen Leistung prahle ich so ungeniert wie mit der Verkupplung von W. & D. 

 

24.5. 

Eine Ausnahme von der Regel "Es sind nie dieselben, die bekommen und die geben". Nachdem ich dem Alex in die Pension hinein recht schön getan habe, steht dann das in den OÖN:  

 

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Zitronen“ von Valerie Fritsch: Es ist gut, dass es mir gefällt, denn ich muss es lesen. 

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Voixfest. Ein sehr alter Freund des Buttingers („da aanzige, der Heroin üwalebt hod“) erzählt, als ich ihm den Namen des Hundes nenne, von der strengen Fini im Café Urbann. Einmal habe er ein Kindereis bestellen wollen. „Bisd du a Kind?!“ „Owa a Advokatn-Eis derfn ja aa ned nua Advokatn bstöhn!“ „Wos du jetzt bstöhn kaunst, is a Lokalverbot.“

Nach dem ersten Rum sofort heim, ein Triumph der Vernunft. Das Nicaragua-Kommitee liegt eh schon wieder unter Bierbank. 

25.05.2025 – ein hervorragendes Datum!

Weitere Fortschritte beim Bibliotheksausmisten. Es ist aber immer noch viel Nazizeug drin gewesen! Mehr als ich auf einmal in den Ausmiste-Tombolaraum tragen kann. Ab und zu frage ich mich, ob man das nicht zu Geld machen könnte. Andererseits kostet ein Tombola-Los 3€, es wird wohl auf das Selbe hinauslaufen. [Nachtrag Februar 2026: Man kann das Zeug an Bookbot schicken, aber dort kauft's auch niemand, was ich gut finde.] Wie viele Privatbibliotheken haben sich hier eigentlich absedimentiert? Meine eigene, die Eltern, die vom Schneider-Opa und vom Halfinger-Franzi. Spenden der katholischen Frauenbewegung Gramastetten... Das einzige Buch aus dem Besitz Theresia Meindls ist „Das Schatzkästlein der Jungfräulichkeit“. Und ich übergebe dem Altpapier die Schrift „Nibelungenreisen über die Ochsenstraße 1942“!

26.5.

Nach WOCHEN erstmals wieder weißer Raum unter dem letzten Email.

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Im Mai ist der Bücherstapel für den Grundlsee schon einen halben Meter hoch. Schon jetzt tröste ich mich bei Schlechtwetter, „naja, der Juli kommt ja noch.“ [Weit gefehlt, Feb. 2026, siehe oben].

27.5.

Am Wochenende soll ich zum ersten Mal eine wirkliche Schreibwerkstatt leiten. In Wahrheit müssen mir die Leute sagen, wie sie das Schreiben schaffen.Mehr arbeiten als an diesen Tagen mag ich dann heuer nicht mehr, aber ich brauche auch einen neuen Zahn.

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Glückliches Herumräumen in Haus und Garten, würde man mich bloß dafür bezahlen! Immerhin bezahlt mich der Jasmin.

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Eine der ersten beobachteten Alzheimer-Patientinnen sei „seelig abgeleibt im Herrn“, berichtet die ZEIT.

29.5. Salzburg

Zwei ältere Damen im Zug, irgendwo bei Attnang-Puchheim: „Du bist a Gscheite!“ „Haha, danke!“ „Weil sunst warsd jo ned mei Freindin.“ „Haha.“ „Weil Dumme mog i ned.“

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Der Dom dröhnt abends so heftig, das würden die Anrainer in Linz sofort stillklagen. In diesem sanierten Barock hätte ich nichts werden können. Wenn es morgen regnet, gehen wir ins Haus der Natur. 

30.5. Salzburg

In der Nacht tiefe Verwirrung, wo ich denn gerade sei.

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Alle Salzburger*innen, mit denen man hier ins Gespräch kommt, sind eigentlich aus Oberösterreich und hassen Salzburg.

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In der Ankündigung in der Krone steht „Domenika Meindl und ihr Kabarett über Haushaltsgeräte! Einblicke in die kleine Welt heiterer Alltagsmelancholie“. Es sind aber alle sehr lieb, ich bin zwar nach dem vielen Reden am Tag müde, doch so geht’s. Der Kaiser R. ist gekommen, wir bekommen alle nasse Augen beim Reden über den Vater.

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Zur Erholung vom Tag und der barocken Pracht hole ich mir noch ein Dosenbier von der Tanke. Es ist sehr schön am Salzach-Strand. Der Turm des Fernheizkraftwerks ragt wie ein betonierter Stinkefinger ins Stadtbild.

 

31.5. Salzburg – Black Horse

Es erfüllt mich mit großem Respekt, wie gern alle schreiben. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir zu Mittag den Hut draufgeworfen. Sie wollen auch wirklich von mir kritisiert werden, was ich wiederum nicht will. Kurz überlege ich, ob ich Autorität einbüße, aber welche Autorität überhaupt?

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Buttinger holt mich am Bahnhof, füllt mich mit Kozel ab. Es wird jetzt Sommer und wir zählen die Tage. Hier übrigens das letzte Bild mit der Wirtskatze Pinsel.