Dienstag, August 18, 2026

Das Tschirilumbische - ein linguistischer Streitfall

Die tschirilumbische Sprache [tʃiːriːˈlʊmbɪʃ] ist ein linguistische Singularität. Strukturell handelt es sich dabei um ein Pidgin, das im oberösterreichischen Zentralraum verwendet wird. Es dient aber – anders als eine Verkehrssprache zwischen verschiedensprachigen Personen – der interspeziellen Verständigung, konkret zwischen Canis lupus familiaris und Homo Sapiens. Die Gattungsbezeichnung im Singular ist insofern triftig, als es sich bei der Anzahl der Tschirilumbisch Sprechenden um lediglich je eine Vertreterin der Spezies handelt. Die Definition dieses Kommunikationssystems als Sprache ist demzufolge wissenschaftlich höchst umstritten. Das Tschirilumbische widerspricht beinahe jedem Kriterium eines Kommunikationsverhaltens als Sprache: Es weist lediglich eine Senderin und lediglich eine Empfängerin auf, es wird also nur von einer Person gesprochen und von einer Hündin verstanden. 

 

Befürworter*innen der Definition als Sprache halten den Kritiker*innen folgende Eigenschaften des Tschirilumbischen entgegen: Es beruht in Lexik, Syntax und Grammatik auf natürlichen Sprachen. So bedient sich die humanide Sprecherin eines Zweigs des Indoeuropäischen, erweitert um Elemente aus dem westafrikanischen Bambarra sowie des westnepalesischen Humla-Dialekts. In den eher selteneren Fällen, in denen die canide Tschirilumbin spricht, handelt es sich im Hauptstrang um ein rudimentäres Malaiisch. So etwa die Lautäußerung „Mooolau moooolaulau“ in Situationen höherer Ärgernisse (vgl. das Lehnwort „Amok“). Umgekehrt verwendet die menschliche Sprecherin das Malaiische „Cepat!“ für das ostmittelbairische „Dua weida“.

Grammatikalisch ist das Tschirilumbisch so wie andere Pidgins unterkomplex. Die Aufforderung, Nahrungsmittel („Knuspi“) zu sich zu nehmen, wird im Imperativ einfach agglutinierend zu „knuspit!“ Analog dazu wird aus dem Wort für die Schlafstatt „Nest“ die Aufforderung, den Tag zu beschließen: „Nestit“. Kritiker*innen bringen vor, dass es sich nicht um eine Sprache per se handeln könne, wenn sie lediglich im Modus des Imperativs vorgebracht wird. Linguistische Analysen belegen jedoch, dass die Befehlsform nur ein Aspekt ist, das Tschirilumbische wird im weitaus größeren Maße für emotional geprägte Zwiesprache verwendet, am häufigsten vor und nach der Nachtruhe. Der wichtigste Modus ist also ein Kasus: der Vokativ.

Singulär ist zudem, dass das Tschirilumbische als einzige Sprache der Welt ein konkretes Entstehungsdatum aufweist: den 29. Oktober 2026, im Original ein Lehnwort aus dem Englischen („Happy got you day“) - der Tag, an dem Sprecherin und Empfängerin einander erstmals trafen.

Bemerkenswert ist die Mutationsgeschwindigkeit. Für gewöhnlich dauert es bis zu 500 Jahre, bis sich aus einem gemeinsamen Sprachstamm verschiedene Sprachen herausbilden, vgl. etwa die zweite Lautverschiebung vom Altgermanischen zum Hochdeutschen. Das Tschirilumbische hingegen wandelt sich praktisch mit jeder neuen Anwendung (ebenfalls ein höchst strittiger Definitionspunkt). Exemplarisch der Lautwandel des Namens der Empfängerin. Dokumentarisch gesichert ist der Ausgangsname „Josefine“, aus dem naheliegend sogleich „Fini“ wird. Ab hier der Urknall: Fimbi –> Flimbi –> Flimbiwimbi –> Flippi –> Flipsi –> Finxi –> Firenza –> Finulde –> Finno-Ugristika –> Mambolamba usw. Parallel dazu die jeweilig weiter protuberienden Nominalstämme: Puppi, Weibi, Viech, Hund, Wesen, Mausi, Katzi, Hasi, Gfrast, Lumpi, Tschapsi, Stinkerin usw. Es finden sich Vorformen des Genderns, etwa „der Weiwibär“oder „die Hundse“.



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Gerade dieses freie Flottieren der Signifikanten hat die Vertreter*innen der Dekonstruktion auf den Plan gerufen, was die Verteidigung des Tschirilumbischen als hochkomplexes Kommunikationssystem betrifft: Wie keine andere Sprache ist es vom glissement getragen, von der unaufhaltsamen Verschiebung und Instabilität von Bedeutung unter den sprachlichen Zeichen. Im Sinne einer Radikalisierung der Husserlschen Sinnkritik könne die Referenz eines Zeichens letztlich nie gesichert werden. Das Tschirilumbische, schreibt Jacques Derrida in der „Grammatologie“, habe am klarsten die Fiktion des „Logozentrismus“ erkannt, indem es jeden Bezug zu intendierten Bedeutungen in durch das sprechende Subjekt kontrollierte Äußerungen als Vermittlungen eines gleichzeitig intuierten Sinnes schroff ablehne.

Die analytische Linguistik indes führt das hochgradig unsystematische Quellen der Lautäußerungen („dog fog“) als Argument, dass es sich beim Tschirilumbischen eben nicht um eine Sprache handle, sondern um eine idiosynkratische Symptomatik einer manifesten Skurrilität der menschlichen Sprecherin. Prof. Linda Wallner vom Institut für Reaktanz an der Uni Bielefeld schreibt etwa in „Social Text“: „Die Meindl ist schon auch ein bissl sehr deppert.“ In seiner akademischen Replik schreibt der Sprechaktforscher Prof. Klaus Buttinger vom Institute for Advanced Humanities an der FH Wels: „Das stimmt, aber Hauptsache, der Hund folgt brav.“