Sonntag, März 12, 2023

Neue Haushaltstipps zwecks Weltrettung + "Lyrik"

Oft sind es ganz kuriose Sachen, die super helfen und damit nebenbei den Kapitalismus ruinieren, indem man nicht mehr für alles überteuerte Spezialprodukte kaufen muss!

  • Laubbläser aus drei alten, zusammengegafferten Föns

  • Besonders Drucker sind sehr sensibel und reagieren trotzig, wenn man sie anschreit

  • Uran mit der flotten Lotte spalten, Kernenergie im Tupperware auffangen und für später einfrieren. Tiefkühlgerät auf -17°, spart Energie

  • Das Leib-Seele-Problem mit dem Hinweis auf eine offene Dialektik lösen. Wenn das nicht hilft, preiswerten Haushaltsessig in die Vorwaschlade und nur ganz untertourig schleudern.

  • Ein eigenes kleines Kohlekraftwerk auf dem Balkon oder im Garten, um selbst elektrischen Strom zu produzieren. Klappt zwei Fliegen mit einer Klatsche: Umwelt geschont und Putin eins ausgewischt.

  • Briefkastenfirma: Entweder Post-Aktien kaufen. Oder Schrumpfmaschine erfinden und kleine Leute im eigenen Postkasten arbeiten lassen, z.B. im Mikrochips-Bereich.

  • Hormonhaushalt – selbstgebastelte Befriedigung: Es muss nicht immer der alte Vibrator mit rußigem Dieselmotor sein. Auch einmal die andere, patscherte Hand nehmen, dann fühlt es sich ungewohnt und spannend an, vielleicht wie früher in den Anfangszeiten.


Ein Gedicht zum Tag der Haushaltsgeräte

Einfach mal Danke sagen! Und sich bei Gelegenheit fragen, warum Frauen trotz der vielen technischen Helferleins immer noch die ganze fucking Carework machen muss.

Wir wären nicht gewaschen und meistens nicht gefönt

Die Strümpfe hätten Flecken und schmutzig wär das Hömt

Wir äßen Fischdosen mit Honig und rohe Kost mit Zimt

wenn ihr nicht dafür sorgtet, dass alles gart und glimmt.

Und sind wir dir, oh Haushaltsgerät, auch manchmal eine Last -

was wärst du ohne Menschen? Seid froh, dass du uns hast!


Dienstag, Februar 28, 2023

Buchhaltung der Liebe, Orgien der Unwahrscheinlichkeit und ein Leben in Vorleistung

Lebenskrimskrams im Februar 2023

1.2.

Kleiner Wutanfall auf dem Weg in die Plus-City. Schon klar, diese Konsumarchitektur soll eine Verweilfalle sein, aber muss schon der Zugang so eine Zumutung sein? Es ist leichter, durchs Latschendickicht im Sengsengebirge zu finden. Sehr wahrscheinlich bin ich dumm geworden und noch wahrscheinlicher hasse ich Shoppingmalls einfach immer noch. Immerhin kann ich feststellen, dass ich in Sachen „Fashion“ weiterhin sehr leicht den Planeten retten kann, exakt kein einziges Ding löst Habenswünsche in mir aus. Schön aber die mosttrinkenden Boomer unter einer Stiege, auf einer billigen Bierbank neben einem Bauernstand.

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Vernissage der von mir auch stark gemochten Herren Decker und Lehner in Wels. Vor lauter Schmeicheln und Schnattern ganz vergessen, wirklich die Kunst anzuschauen. Dafür wohlwollende Betrachtung eines stadtbekannten Büffettouristen (alle kennen ihn, ich nicht, weil es bei Literaturveranstaltungen nichts abzustauben gibt). Ich empfinde große Verbundenheit dabei, wie er Grissini knuspert und etliche davon in den ausgebeulten Sakkotaschen verschwinden lässt. Nachdem er fertig geweidet hat, nehme ich meinen Sessel und setze mich direkt zum Büffet, um in schamloser Gier und Bequemlichkeit die Grissini zu erledigen.

2.2.

Erleichterung, dass heute zu Maria Lichtmess Herr und Hund bei mir bleiben wollen, es hätte mir wehgetan, sie am Glanglmarkt verkaufen zu müssen.

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Es bleibt weiter ausgeschlossen, nach einem vertändelten Arbeitsvormittag noch ins Schreiben zu kommen.

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Ein brauner Labrador hinkt in den Hüften schon so stark, als sei sein Pelz ein Kostüm, in dem zwei Affen als Hund gehen.

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Zwei alte Pampersschachteln voll uralten Spielzeugs aus dem Dachboden sortiert, fast jedes Ding verlangte nach Entschlossenheit, obwohl schon viel Bröselndes und Müffelndes darunter war. Weiterhin unmöglich zu entsorgen: Stofftiere. Ob ich der Mensch werden möchte, der sie wegschmeißen kann? Ich habe ja schon Angst, dass die in die Schachteln gestopften Puppen mich in meinen Träumen anklagend heimsuchen, dabei hab ich nie damit gespielt und BIN IHNEN NICHTS SCHULDIG!!!! Und die heutzutage sehr prekären ethnischen Puppen (First Nation + African african) habe ich sowieso behalten, was sich so unkorrekt anfühlt, wie sie zu entsorgen (ethnischer Müll, als Ergänzung zum ethischen Müll).

Ich schleppe schwer zur Mülltonne, aber nach Wiedereinräumen des Dachbodens scheint kein Fitzelchen Materie zu fehlen. Im Keller stehen noch gezählte neun Riesenkisten voller Playmobil. Wenn es die Industrie nicht als wertvollen Rohstoff wiedereinfordert, kann ich darauf hoffen, in meiner Demenz so chronologisch zu regredieren, dass ich zuerst damit spiele, dann mit dem Duplo usw. Man kann mich dann mit den ersten sieben Stofftieren kremieren.

 

3.2.

Intensives Träumen von der Unfähigkeit, eine vierstellige Ziffernreihe korrekt in die Tastatur zu tippen – ennervierend, aber immerhin eine Entwicklung: Ich muss kein Wahlscheibentelefon mehr bedienen.

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Seit Tagen eine Witterung, die um Klimawandel betteln lässt, hoffentlich stachelt das die Boomer nicht noch mehr zum Heizpilzkauf und Golf-auf-den-Malediven-Flug an. Beim Hundsäußerln grüßen wir einander derzeit wie Harley-Fahrer, wegen Tapferkeit.


4.2.

Buttinger freut sich über Blumen und Champagner, mehr aber noch über das Liebesfest-Album. „Du bist wirklich die Buchhalterin unserer Liebe!“

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Ein Nachmittag, an dem ich mich dauernd erinnern muss, dass nichts zu tun ist.

5.2.

Der Wurst-vom-Hund-Ball ist wie ein Erntedankfest meiner mit Sorgfalt und Zuwendung in Linz verbrachten Dekade. Schöne Menschen loben mich für Dinge, an die ich mich gar nicht erinnern kann, ein junger Mann im Paillettenkleid seiner Freundin erzählt mir, dass er ihr täglich Kaffee in der „Tasse des Erfolges“ serviere, die er bei der Tombola des Grauens gewonnen habe. Eine fremde Frau lobt die „Dialektik“ im Fußkranken-Buch. N.T. und rühren einander beim Abgesang auf unsere Väter, wir werden ganz sentimental bei den ähnlichen Erzählungen über zahllose Fahrten ins Altstoffsammelzentrum. Buttinger nimmt am Fest teil wie ein geduldiger First Husband, erst nach dem Loblied auf weibliche Masturbation möchte er allmählich heim. Wir sind gar nicht schlimm betrunken, stellt die Stiefmutti fest, und so bald schon zurück (2 Uhr). Der Hund habe sich nicht von der Haustür wegbewegt.

7.2.

Ein Numerus-Clausus-Flüchtling mit Teenie Weenie Beanie an der Rezeption der Boulderhalle. Alle sind jetzt hier und topfit. O. freut sich: „Bist du eine faule Frau geworden?“ „Ja, eine alte, faule Frau.“ „He, ich hab nur faul gesagt!“ „Das ist um nichts besser.“ „Ja, stimmt!“ Er winkt freundlich und geht heim (wahrscheinlich nach sieben Stunden Training).

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Erneut eine Orgie der Unwahrscheinlichkeit – ich schaue „2012“ als guilty pleasure, so wie man Erdnussflips in sich hineinschaufelt. So viel Fantasie bei der Zerstörung amerikanischer Infrastruktur, dass man das einem Deutschen finanziert? Der russische Präsident ist der erste Humanist. Und man kann aus ein paar Tierpaaren die Fauna rekonfigurieren, wie von einer Sicherungskopie. Aber hier logische Fehler notieren, das ist so bescheuert wie eine Nährwertanalyse machen, nachdem man das ganze Sackerl Flips gefressen hat.

8.2.

Der Hund bekommt jetzt laufend Insta-Model-Anfragen als „pet ambassador“. Verhindere ich die ihr zustehende Karriere, so wie damals jene Coalas, als wir 1998 im Central Park als Synchronstimmen für A- und B-Hörnchen beinahe gecastet worden wären und ich nur Nein gesagt habe, weil der cheesy Herr unsere Beine sehen wollte?

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Früher habe ich vor dem Schreiben den „Mann ohne Eigenschaften“ gelesen, heute El Hotzo. „Schlimmste an Selfcare, dass man sich selbst drum kümmern muss“.

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Die guten Menschen von Waschaecht lächeln heiter, weil sie es schon gewöhnt sind, dass ich bei den ersten bin, die mit dem Essen anfangen und immer die Letzte bin, die damit aufhört. „Loss d'Salodschissl steh, des issd d'Dominika nu zaum.“ Es ist ein Segen des Alters, sich mit Menschen zu umgeben, bei denen man sich nicht mehr sehr verstellen muss. Ich geniere mich immer weniger und lasse mir die Reste des Strudels einpacken.

9.2.

Der Hund wälzt sich kläffend im Bisgurrenloch an der Donau, vier andere springen um sie herum und beißen ironisch neben ihr in die Luft. Ich würde zahlen für diesen Anblick. (Actually zahle ich für diesen Anblick; Fressnapf hat 2022 11% mehr Umsatz gemacht).

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Es hat Vorteile, dass ich die ÖVP schroffstmöglich ablehne, so spare ich mir Zeit, weil ich die Falter-Artikel über Wahlkampfkostenüberschreitung gar nicht mehr zu Ende lesen muss.

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Gibt's eigentlich einen republikanischen Pornostar namens Clit Eastwood? Ich trau mich nicht googeln, wegen der Algorithmen.

10.2.

Wenn ich es diesen Februar nicht schaffe, alles abzuarbeiten, bin ich wirklich eine Versagerin.

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Belangsendung auf ORF3: „In unserem Hotel darf die Frau noch ganz Frau sein: Detoxing, Meyer-Kur, Hormon-Yoga...“ Vielleicht mag ich wirklich lieber gar keine Frau sein; als Mann muss man keine Selfcare machen und hat viel mehr Zeit für irgendwelchen Unfug.

11.2.

Bei der Skitour auf den Hohen Nock erzählt einer, dessen Namen ich aus Diskretion unterschlage, so viel empörend Lustiges aus seinem gemeindenahen Arbeitsumfeld, dass sich meine Produktivitätsselbstzweifel spontan verflüchtigen. Bei Gelegenheit das Buch über „Fake Work“ und Bullshit-Jobs lesen. So sieht Selfcare in der Verwaltung aus (ich könnte es aber auch Selbstreferenzialität nennen). Die fortwährenden Umstrukturierungen in praktisch jeder Abteilung erinnern mich stark an mein zwanghaftes, prokrastinationales Neusortieren von Zeug, das ich dann beim nächsten Mal wegen Überordnung nicht finde. Andererseits träume ich davon, von praxisorientierten Lakaien umgeben zu sein, die meine Gedankengänge evaluieren und „auf den Weg bringen“.

Schöne Tour in rustikal benannter Landschaft mit etwas rassiger Abfahrt: Im Budergraben geht’s scheiße zum Fahren, erst ab dem Teufelsloch geht’s wieder. #haha

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Sämtliche Aktivitäten dieser Woche stopfe ich in einen Tag, denn es ist auch Schl8hofball. Ich frage den Buttinger, ob er einen Kummerbund hat. „Nur einen lilanen.“ „Trägt der Bond James so einen überhaupt?“ „Wenn er leischen geht, schon.“ Es ist dann wieder extrem schön, und auch heuer bin ich fast am fadesten kostümiert (obwohl ich schon scheißgut aussehe als Agentin im Dienste ihrer Majestät, dem Matriarchat). Wer hätte das früher gedacht, als ich manchmal die einzige Verkleidete war! Auch ein Grund, warum ich Wels nicht so leicht aufgebe. Ausgewählte Kostümstatistik: 2 Boris Johnsons, sieben Queens (eine crossgegenderte mit einer Herde ungezogener Corgis + Hofschranzen), mehrere Teesackerl, zero Margret Thatchers (fast schon wieder schade, es braucht immer einen Bösewicht). Isabella M. bringt mich mit ihrem professionellen Zugang zum Moderieren kurz aus dem Konzept, ich gestehe, dass ich das immer so im Drunken-Kung-Fu-Harald-Juhnke-Stil mache, aber sie hat recht. (und eine Teekanne auf dem Kopf).

12.2.

Bald werde ich nicht mehr darauf hoffen, in den Taschen von Papas alten Sachen Geld zu finden (Update 1.6.: Heute ein mehrfach gewaschenes Gackisacki gefunden).

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Ob ich einmal in ein Alter komme, in dem ich nicht lange und herzhaft darüber lachen kann, dass sich der Buttinger irrtümlich das Haupt mit dem Hundeshampoo gewaschen hat? Selig sind die Armen im Geiste.

13.2.

Nachdem ich endlich das väterliche Auto verkauft habe, stellt sich sofort das Gefühl ein, das Wochenpensum schon am Dienstag erledigt zu haben.

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Seit Tagen mindere Vexation mit Beethoven-Ohrwürmern, es wird allmählich plaghaft. #privilegierteprobleme

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Heute der Stadt Linz einen Förderantrag gestellt. „Wie fördern Sie die Gleichstellung der Geschlechter?“ „Propagierung des Matriarchats“. Leider ist mir erst nach Abschicken der Zettel eingefallen, dass wir mit Gleichstellung da nicht zum Ziel kommen.

 

14.2.

Im Leben geht man dauerhaft in Vorleistung.

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Nach Wochen deprimierendster Witterung trotzdem zu faul, um ein paar Meter hinauf in die Sonne zu fahren, ich tu' so, als sei's wegen der Klimarettung.

15.2.

Hole ich das Maximum aus der Tatsache heraus, dass ich jetzt IMMER sturmfrei habe?

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Erwachsen sein ist, Zeug mit dem eigenen Taschengeld zahlen, das man eigentlich nicht essen mag, aber es ist halt gesund. Und für das Taschengeld Sachen machen, die man nicht will, aber es wird halt bezahlt und dann kauft man sich Endiviensalat und Laufschuhe und Selfcareprodukte von Tschibo. Heute im Supermarkt einen Pensionisten mit einem einzigen Champignongpackerl bei der Kassa vorgelassen und ernsthaft erwartet, dass er meinen sorgfältig nach Nährwert und Herkunft zusammenkuratierten Einkauf lobt, aber von den Boomern kann man nichts verlangen!

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Beim Naturwissenschafts-Mansplaining schon so erfolgreich auf Durchzug geschaltet, dass die „Science Busters“ zur Meditations-App geworden sind.

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Vortäuschen, das El-Hotzo- und Max-Goldt-Lesen zur Arbeit gehören. „Pilze: Die einen kosten tausende € und müssen von einem trainierten Schwein gesucht werden, während die anderen gratis in der Ecke deiner Dusche wachsen.“ „Debatte über die Unschnitzbarkeit der körperlichen Liebe“.

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Seit ich beim Hundsäußerln so viel Smalltalk mache, mag ich nicht mehr so viele Emails schreiben. „This could have been a dogwalk!“

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Ab jetzt nenne ich mich „Vollwaise“, das lässt mich wesentlich jünger klingen.

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Die Zeitanzeige der Waschmaschine hat im Lauf ihrer vielen verlässlichen Miele-Dienstjahre ein eigenes Kontinuum entwickelt, das nichts mehr mit den handelsüblichen 60 Sekunden pro Minute zu tun hat. Schade, dass ich bei der Naturwissenschaft nicht mehr zuhören kann, vielleicht hat sich hier wegen der vielen Rotationen eine eigene Quantensingularität gebildet, die ich wegen meiner Ignoranz der Welt vorenthalte.

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„Freude schöner Götterfunken“ heißt eigentlich „Freunde, nicht diese Töne!“, was sich schon wesentlich pampiger (und realistischer) anhört.

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„Déja vu“ ist die nächste Orgie der Unglaubwürdigkeit, aber dank Denzel Washingten gelingt die suspension of disbelieve. Hoffentlich geht der echte Herr Washington mit seiner super power verantwortungsbewusst um, denn wir alle würden ihm jeden Scheiß abnehmen, und dann kracht's im Weltgefüge wie im Logik-Gerüst dieses törichten Filmes.

16.2.

Beim Tierarzt plötzlich der starke Wunsch nach einem Kälbchen, zufällig hat er ein dabei. Es ist ein seiner schwarzweißen Flauschigkeit eine liebe Ergänzung zum Hund, muss jedoch täglich 30 Liter Milch trinken. Ich habe aber nur Orangensaft und Capuccino im Haus. Kurz vor dem Erwachen denke ich in untypischer Sorglosigkeit, dass ich es schließlich auch hingekriegt habe, den Hund durchzubringen, nur das mit den 30 Tetrapacks Müll wird meinen Fußabdruck erheblich vergrößern. Offenbar bin ich bei der traumhaften Bewältigung meiner Realität schon im November 2021 angelangt. Das sind gute Nachrichten, denn seither ist mir persönlich nichts mehr Schlimmes passiert.

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Der Hund führt das Leben, das ich selbst als Kind gerne gehabt hätte: Am Morgen nicht in die Schule müssen, wenn man die Mutter bis 16 Uhr weitgehend in Ruhe lässt. 

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Vom Output her gehe ich immer weiter in Richtung Privatgelehrte.

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Es könnte mein Social Media Hit werden, wenn ich tägliche Not-To-Do-Listen poste, um den Mitmenschen Oasen in der Hektomatikwelt anzubieten. Heute nicht: Einkommenssteuererklären, Kriegerklären, Frauen was ungefragt erklären, Minzsauce machen, Soletti selbst backen, Yak rasieren, Teilzeitarbeiterinnen schlechter bezahlen (bzw. überhaupt ÖVP sein), Lakritze essen.

17.2.

ORF-Meldung des Tages: „Krebs löste unkontrollierbaren irischen Akzent aus“. Das ist nicht lustig, aber sehr lustig. Das Phänomen nennt sich „Foreign Accent Syndrome“.

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Eine fremde, nette Frau erzählt von einem bekannten Hund, der von seinen Inhabern in die Schule geschickt worden war. Nach der ersten Stunde sagte der Trainer, es tue ihm leid, aber „Ihna Hund is soooo dumm!“ Jetzt ist die Hauptaufgabe des Tieres, das Neugeborene abzuschlecken.

18.2.

Es ist mittlerweile bekannt, dass ich nicht angeben mag, aber das war gestern schon eine sehr, sehr tadellose Lesebühne, auch wenn uns die hervorragende Elif Duygu die Show gestohlen hat. Sie möchte übrigens den Mädchennamen ihrer Mutter annehmen, aber der unterscheidet sich vom aktuellen nur durch einen unwichtigen Vokal. 

Das herrlich klagende Nein der „glücklichen“ Gewinnerin des gesammelten Ouevres der Landesmusikschulen des Landes Oberösterreich 2005 (32534 CDs im Schuber). So hört sich die Tombola des Grauens an.

Die Leute lachen bei meinen alten, leicht aufgemotzten Texten nur an den Stellen, die ich aufgemotzt habe. Das will mich in Sachen „Faulheit lohnt sich nicht immer“ was lehren.

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Weil die artists heute present sind, in die Galerie, und schon wieder ist es mit den Herren Decker und Lehner eine solche Schnatterfreude, dass ich fast vergesse, ihr Kunstwollen zu rezipieren.

Es ist überhaupt ein Vormittag, der die Sonnenseite von Wels und des Kapitalismus zeigt. Nun habe ich wieder Hosen und Leiberl, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Bei Socken hat jede Disziplin ausgelassen, ich besitze jetzt welche mit Hühnern, Ringeln und Oktopussis.

Im Extrazimmer verlangt eine sehr junge Dame dringlich, in das Hundefell zu greifen, der junge, sehr hübsche Vater fragt höflich, ob sich das ermöglichen ließe. „Natürlich“, sage ich dienstbar, „Fini, Fini!“ Der Mann schaut verwundert, woher ich wisse, wie seine Tochter hieße? Wir freuen uns über unsere schönen Wesen und ihre schönen Namen. Nur einmal, erzählt er, habe ihn einer gefragt, ob das von „Adolphine“ komme.

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Aus vielen Gründen wird Barbi Marković niemals einen Nachfahren Klaus Barbies ehelichen. Es gäbe sehr viel Klügeres über „Suzaro“ zu sagen, aber es ist Wochenende.

19.2.

Diese Freude, den ganzen Tag nicht außer Haus zu gehen, keinen BH anzuziehen, niemanden zu treffen und keinen Sport zu machen, ist das wie bei den Erfrierenden, die sich ein bisschen hinlegen oder eh so gut, wie es sich anfühlt? Mittags tief geschlafen und den Polster eingespeichelt (eventuell diesen allzu bekenntnisfreudigen Satz wieder streichen).

20.2.

Kepler Salon. An der armen, von den Faschisten verbotenen und vergessenen Autorin Hedda Wagner interessiert mich am lebhaftesten, dass sie in ihrem inneren Exil (die Mutter aller Lockdowns) Amseln gezähmt habe. Falls mich das nächste Mal jemand fragt, warum aus meiner germanistischen Karriere nichts geworden ist.

21.2.

Einen zweiten Hund aus dem Auto gesaugt, weswegen ich mir einbilde, dass es jetzt gleich wieder viel besser fährt.


22.2.

Auf dem Gipfel des Hochrettelsteins über die Planneralm mit unironischer Sehnsucht hinüber ins Tote Gebirge geschaut. Dank meiner mangelnden Fitness standen wir wenigstens länger auf den Ski, als ich mit dem Auto hergefahren bin.

23.2.

An diesen Tagen im Jahr muss man sich am stärksten zusammenreißen, die Luft ist schon so vielversprechend, und die Vegetation noch so erschütternd gackbraun.

Schon wieder vergessen, dass der Februar auch heuer nur 28 Tage hat, weswegen sich meine Märzpläne verschärfen und weswegen ich 3,5 Stunden mit dem Hund spaziere und das Auto wasche.

Beim Äußerln große Sympathie zu einer Frau, die mir nach einer Weile gesteht, sie sei ein wenig unglücklich, weil sie heute noch einen Termin habe, zwar Kino, aber trotzdem. Sie dürfe sich unter der Woche einfach nichts mehr ausmachen, sonst könne sie sich von der Arbeit nicht ausreichend erholen. 

Eine andere Spaziergängerin hat ihren „Staffie“ nach ihrer Lieblingssubstanz genannt (diagnostiziert die Drogenärztin meiner Wahl): „Benzo“. Es ist mir überhaupt unerklärlich unterhaltsam, die täglichen Hundenamen aufzuschreiben (siehe oben, „selig die Armen“). Heute: Merlin, Moritz, Gucci, Lia, Nepomuk, Mellow.

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Belletristik, in denen junge Wirtschaftstreibende im Ernst „superspannend“ zu ihren Omas sagen, lese ich nur gegen Bezahlung fertig.

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Irre, dass man orgiastisch unglaubwürdige „Day after Tomorrow“ und das hervorragend weirde „White Noise“ mit demselben Hirn anschauen kann.

24.2.

Norbert Trawöger hat mich im Traum als Hilfskraft für ein seltsames Donaukreuzschifffahrtsunternehmen angeheuert, wo ich Reisende mit einem schwindlichen Schlauchboot vom Ufer zur Ottensheimer Fähre bringe. Dazwischen zerboselt mir ein neonfarbener Stiglitz eine exotische Frucht, die ich als Lohn von den Touris erhalten habe.

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Vielleicht das unterhaltsamste Bild dieses Februars: Ein älteres Ehepaar geht nebeneinander auf der Agentie daher, nur an ihren synchron vor der Brust pfötelnden Händen ist zu erkennen, dass sie „joggen“.

25.2.

Der Mann, den ich im Sommer großmächtig gepartnert habe, schenkt mir 1 Hose + 2 Scheibenwischer, „denn Geschenke erhalten, die Freundschaft, Meindl!“

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Das Wort „Obfrau“ klingt aus gutem Grund so ähnlich wie „Opfer“ (Onomatopoesie).

26.2.

Dauerndes Gefühl der Faulheit, während ich am Wochenende zu einer Kulturversammlung gehe und „Dschomba“ lese. Die Macht der Ahnen ist sehr stark in mir. Wenn's mir lustig ist, kann's keine Arbeit sein.

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Doofster Satz im für Kreisky-Fans enttäuschenden „Tatort“: „Weißt, ich trauer' grad wie Sau!“

27.2.

Es ist mir unmöglich, Anleitungen zu befolgen (Nudelkochen, Arbeitswelt, Ikea-Kästen). Renitenz oder ADHS?

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Neben Altstoffsammelzentrum und Fundleichenwohnungsnachschau habe ich jetzt einen neuen Traum-Ferienjob: Maremmenschutzhundausbildnerin im Kanton Uri. Man muss ab und zu Luftballone zerplatzen lassen, um die Welpen schussfest zu machen, und ihnen ein Streichelschlusskommando beibringen, damit sie die Schafe nicht vernachlässigen.

28.2.

René M. hat einem Porr-Mitarbeiter gegen drei Bier seine neonfarbene Arbeitskluft abgetauscht, weil der Name auf Schwedisch „Porno“ bedeutet und er seiner Frau mit Reizwäsche eine Freude machen will.

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Keine berufliche Errungenschaft kann mich so zufrieden machen wie das Umstellen der Soffen.

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Nach der Buchpräsentation von „Dschomba“ kommt eine ältere Frau zu mir und fragt mich, ob sie mich kritisieren dürfe, sie habe nämlich Germanistik studiert und ich sagte dauernd „aber dazu kommen wir später“, da werde das Publikum ganz ungeduldig! Ich muss mir Karin Peschka in vielerlei Hinsicht zum Vorbild nehmen, die auf die Beschwerde eines Kollegen, man wisse nun wirklich ausreichend Bescheid über die Handlung, aber was sei mit dem Formalen, mit der Sprache? höflich, aber extra dry erwidert, sie habe sich dazu ganz wenig überlegt, so klug sei sie nicht. Das war gelogen, aber gut.

Weil ich auch Germanistik studiert habe, sage ich, dass Zumwirtengehen mit Regina Pintar und Karin Peschka eine sehr große Freude ist. 

Donnerstag, Februar 02, 2023

Sechs Fäuste für die Freiheit. Biene Maja bekommt einen Busen

Symbolbild "Biene" (ich hab kein besseres gefunden)

Küniglberg, 2026. Aufgrund krisenhafter Entwicklungen und genereller Verblödung stellt die FPÖ den Kanzler, und es ist natürlich Kickl. Die „Entpolitisierung“ des Lügenfunks ORF war gleich nach der Wiedereinführung der berittenen Polizei sowie der Gender-Vereinheitlichung (alles ist mit dem generischen Maskulin zu bezeichnen) die dritte Amtshandlung, er heißt nun „Österreichischer Rechts Funk“. Der Bonaparte für Arme betritt nun den ORF-Sitzungsraum, in dem das neue Serien-Entwicklungsteam – Herr Harald, Herr Budimir, Herr Alexander – auf den kleinen Kanzler wartet.

Kickl: Na, meine Herren, welche schönen Ideen haben Sie für mich vorbereitet?

Harald: Die Moderatorinnen zeigen ein bissi mehr Haut und sagen eher wieder nur Wetter, Tiere und Kultur an.

Kickl: Ja, gut, aber tun Sie mir die Tierberichterstattung nicht unterschätzen!

Alexander: Die ganzen amerikanischen Vorabendsendungen canceln wir...

Kickl: Obacht, Sprache!

Alexander: ...kündigen wir.

Kickl: Kanzler Kultur statt Cancel Culture, verstehen Sie? Er lacht ergiebig über den Kalauer, die Herren geben ihr Bestes.

Budimir: Dem Wegscheider gemma die Prime Time, pardon: Hauptsendezeit, und es schaut generell gut aus, dass wir ServusTV freundlich übernehmen.

Kickl: Bitte nach diesem Vorbild wirklich auf sehr viel Positives und Schönes aus der heimischen Landschaft achten, ich hab keine Freud mit diesen ganzen Kalaharis und Araberwüsten.

Harald: Was wir uns besonders angeschaut haben, ist der ganze Bildungssektor.

Kickl: Genau, bei der Jugend schon früh ansetzen mit unseren Inhalten!

Alexander: Wir haben ein wenig nachgelesen. Wer uns als klassischer Autor sehr taugt, ist der Waldemar Bonsels.

Kickl: Kenn' ich natürlich, nicht nur wegen der Biene Maja! Sehr gut! Der hat auch für Erwachsene viel geschrieben. Das hätte man in den linksversifften Zeiten gar nicht sagen können, ohne Nazikeule, aber das ist heute noch lesenswert!

Harald: Wobei ich trotzdem dazu rate, dass wir über die Feldposthefte und den Reichsschrifttumskammer nicht direkt was machen.

Kickl: Ah! Da hat noch wer die bolschewistische Schere im Kopf!

Budimir: Herr Bundeskanzler, die Kinder können ja mit der Politik noch gar nichts anfangen, da geht man über das Narrative rein, über die lieben Geschichten.

Alexander: Genau, und deswegen präsentieren wir Ihnen heute unseren Pitch...

Harald: Vorschlag!

Budimir: Idee!

Alexander: … für eine zeitgemäße und kindgerechte Neufassung der Biene Maja! Erstens ist sie jetzt noch schlanker, zweitens hat sie einen Busen.

Harald: Der faule Willi darf schon bleiben, aber wir wollen diese Figur als warnendes Beispiel etablieren, dass man es bei der Faulheit leicht übertreiben kann und die Grenze zum asozialen Subjekt schnell erreicht ist.

Kickl: Feinsinnig!

Budimir: Die verschiedenen Sorten Insekten lassen sich recht schön auf das Menschenreich umlegen. Da gibt es Mann und Frau, und verschiedene Völker. Wahrscheinlich gibt es in Echt tüchtigere Bienenstöcke und solche, die eher schmarotzen.

Kickl: Da ist die Biologie gefordert!

Alexander: Ganz besonders klar können wir das bei den ganz anderen Ethnien zeigen, dass etwa die Wespen eher so Erd- und Höhlenwesen sind, mit einer gewissen naturgegeben Niedertracht.

Harald: Am ärgsten die Hornissen! Die Biene Maja lässt sich mit ihnen ein, und muss dann erkennen, dass diese Raubtiere an der völligen Umvolkung der friedliebenden, fleißigen Bienen arbeiten!

Budimir: Da bauen wir von Sendung zu Sendung die Spannung auf, eh nur ganz kindtauglich, und dann könnte am Ende der Mensch hegend eingreifen und die Hornissen aus dem Bestand entnehmen.

Kickl: Meine Herren! Sofort umsetzen!!!!!

Da aber reißen sich die drei Autoren die Masken vom Gesicht. Es sind – und wir freuen uns alle von Herzen! – die von den Toten auferstandenen Jahresgespenster in meinem Lesebühnen-Oeuvre 2023: Harald Juhnke, Bud Spencer und Peter Alexander. Sie sind gekommen, um uns zu erlösen. Dementsprechend holt jetzt Spencer zu einer klassischen Stereowatsche aus, die Kickl mit der Wucht der Gerechtigkeit trifft. Harald Juhnke stellt den hereineilenden Personenschützern mit der Lässigkeit des Drunken-Kung-Fu-Mönch-Stils ein Bein nach dem anderen. Peter Alexander verwandelt den Kampfplatz durch perfekt getimten Fünfzigerjahre-Slapstick in ein turbulentes Komödienspektakel. Nach vollendetem Gefecht haken sich die drei Herren fröhlich unter und machen sich auf, das Land aus den Fängen der Freiheitsfaschisten zu befreien.

Dienstag, Januar 31, 2023

Gleitende Schasäugigkeit, billige Geschlechtsumwandlungen und Lovely Pissing

Lebenskrimskrams im Jänner 2023

1.1.

Ob sich mir 2023, während meines 45. Erdumlaufs um die Sonne, noch versteckte Talente entbergen? Hoffentlich nicht peinliche Begabungen wie Paintball, Laubbläserverkauf oder Monstertruckfahren.

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Es gibt ein kunstgeschichtliches Topos namens „Josefszweifel“, also der grübelnde Blick des Nährvaters, wie das mit Marias Schwangerschaft zugegangen sein mag.

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„Wednesday“ ist eh lieb, und wir haben Zeit zum Nepflixen (ich nenne das jetzt so), aber ich hege leichte Josefszweifel, wie ich zu den Belangen amerikanischer Teenies komme (die interessieren sich ja auch nicht dafür, wie es Mittvierzigerinnen in Mitteleuropa geht), dazu kommt eine sich verstärkende Schmollmundallergie.

 2.1.

Bei der heutigen Wanderungen versuche ich, meine liebe Begleiterin zu einem etwas schlechterem Menschen zu machen, zu ihren eigenen Gunsten. Wir jausnen frischgemachten Erdäpfelkäse und selbstgebackenen Schkokuchen (die liebe Begleiterin) sowie Wurstsalat und eine angebissene Marzipansau (ich). Ich sollte ihr nicht alle ihre Selbstverpflichtungsneurosen ausreden, sie teilt großzügig mit mir.

Neujahrsvorsatz: Das Patriarchat zu Fall zu bringen, indem ich Frauen in meiner Umgebung das schlechte Gewissen ausrede, wenn sie der undankbaren Verwandtschaft keinen Kuchen, oder wenn sie ihre Kinder, um die sie sich den ganzen Tag gekümmert haben, mit „Geh damit zum Papa“ anschnauzen.

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Die zerböllerte Landschaft rund um menschliche Ansiedelungen erzählt davon, dass in der Bevölkerung noch sehr viel Unvernunft und Geld herrschen.

3.1.

Zu Weihnachten mindestens drei Sorten Seife geschenkt bekommen. Nachdenklich geworden.

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Der Künstler, der mich 2023 am maßgeblichsten beeinflussen wird, ist El Hotzo.

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Noch bevor der Körper den ersten Schritt tanzt, schreit der Geist „Um Himmels willen, was hast du vor?!“

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C. besitzt eine Balsamico-Crème mit Glitzer(!), die keinen Deut zum Nährwert beiträgt. Sie sagt, sie sei ein Opfer der gemeinen Einfälle der Nahrungsmittelindustrie, aber glücklich dabei.


4.1.

Eigentlich wollte ich am Vormittag ins Büro, bin ich aber ins Bügelzimmer, um Knöpfe anzunähen und Wollsocken zu stopfen. Der Geist folgt der Mutter auf ihren Pfaden. Es ist falsch, fühlt sich aber so viel besser an als SVA-Rechnungen zu zahlen und Newsletter zu schreiben. Diese Zufriedenheit, die aus der Pflege von Dingen erwächst.

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Die japanische Regierung will Frauen mit der „Verfügbarkeit geeigneter Männer“ aus den verstopften Ballungszentren ins Hinterland locken. Dazu gibt’s eine Million Yen für jedes Kind.


5.1.

Meine rechte Schläfe ist deutlich weißer als die linke. Man wird im Alter immer asymmetrischer.

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Ein Selfie wieder gelöscht, weil ich darauf ausgesehen habe wie eine blasse Kopie meines Vaters.

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Der schmale Gefühlsgrat zwischen „Wow, ein bisschen Wohlstand!“ und „Hilfe, ich bin Ende des Jahres obdachlos“. Wer hat, der hat auch Verlustangst. Grüße gehen raus an Janis Joplin.

6.1.

Auf Ö1 wird über Ella Fitzgerald gesprochen, die offenbar die Hauptvertreterin aller Ambivertierten war: 51 Wochen im Jahr unterwegs und trotzdem einsam. Ich für meinen Teil bin verhinderte Person öffentlichen Interesses und verhinderte Eigenbrötlerin.

7.1.

Beim Meindl-Meeting nähen wir ein Plauderpatchwork aus sehr, sehr Ernstem (Tod der Eltern), Ernstem (wir wollen alle nicht mehr arbeiten, nur noch fleißig sein) und höchst Profanem (wann kommt die Gleitsichtbrille?). Dann kommt ein Gameboy daher, Coala und ich kippen total rein. Ein Symbolbild der Generation X entsteht: sich die Brille ins Haar schieben müssen, damit man die Tetris-Steine dersieht. 

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Derweil der Enkel (6) in Wels: „Ich kann so lange spazieren, wie ich will!“

8.1.

Endlich wieder unbekannte Steige im Sengsengebirge begangen, dabei wieder neue entdeckt. Es liegt praktisch kein Schnee, die Gämsen hocken verwirrt in den aperen Latschen, Schneerosen und Erika blühen im Irrglauben, es sei Ende März. 

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Viel billige Hollywood-Suspension wird daraus gewonnen, dass Frauen nicht laufen können, ohne dass der Held sie an der Hand hinter sich herzieht. Auch mit dem Lenken von Fluchtfahrzeugen kann man sie nicht behelligen.


9.1.

Barbara Ungepflegt widerspricht ihrem Künstlerinnennamen in Person vehement. Mir ist noch keine besser duftende Gästin in den Kepler Salon geladen worden. Während meiner Einleitung beginnt sie, sich mit einer Nagelschere die Karos aus dem Pullover zu schneiden. Seit ich weiß, dass man mit der schriftlich und wissenschaftlich begleiteten Liebesanbahnung mit Richard Lugner eine Dissertation vorlegen kann, fühle ich mich für die Akademik neu entflammt. Im „Kompendium der Lücken“ hat Ungepflegt die Annullierung ihrer Ehe mit dem schönsten Straßenbahnfahrer Wiens dokumentiert. Die Übung gelang, seither ist sie aber mit einem katholischen Eheverbot belegt und trägt einen sehr schönen, selbst gestalteten „Eheverbot“-Ehering.

Lugner esse übrigens am liebsten Austern mit Ketchup, was ich nicht glaube und doch für nicht ausgeschlossen halte. Ungepflegt geht davon aus, dass er nur noch am Leben ist, weil Kameras ihn im inneren Gefüge zusammenhalten. Er lebt in einer von ihm geplanten und gebauten Villa, die eigentlich der Bonze Wlaschek in Auftrag gegeben hatte, die ihm dann aber zu schiach war.

„Löcher sind das Fett in der Wurst.“ (Gut, dass ich notiert habe, dass der Satz von mir ist, ich hätte ihn jetzt, vier Monate später, in meiner Ego-Schwäche Barbara Ungepflegt zugesprochen).

Nach der Veranstaltung schenkt mir Barbara I. die Schilderung einer Irish-Wolfshound-Stampede hin zu einer Katze, die dann von zwölf Riesenhunden umzingelt und zärtlich eingespeichelt wurde.

 

10.1.

Ein Tag voll manischer Admin-Scheiße bei gleichzeitiger Grundmüdigkeit.

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Die Mäuse haben 17 Kilo Nüsse aus dem Holzschuppen gefladert, ich übertreibe nicht. 

 

11.10.

Meet N' Greet des „Freunde des Schl8hofs“-Faschingsprinzenpaares Hader und Meindl. Ich habe mir den Frack schon zuhause angezogen und begrüße den leger gekleideten Herrn Kabarett-Star mit „He, hat der das Memo wegen der Panier nicht bekommen?“

Die Ablichtung ist sehr schnell erledigt, der Hund stiehlt uns beiden die Show. „Man soll Hunde ja nur streicheln, wenn sie es wollen“, sagt der Hader und schaut fragend auf Fini, die sich fast schon winselnd an seine Waden schmiegt. Endlich beugt er sich zu ihr herab, „ok, die Hunde, die mich beißen, sind noch kleiner.“ Er erzählt von Otto Lechners Pinscher, der das Gegenteil eines Blindenhundes sei, weil er als Landpomeranze in der Stadt Panik bekomme und seinen Herrn in alle Richtungen zerre. Außerdem könne er nicht allein bleiben, also durfte er mit auf die Bühne. Zufrieden legte er seinen Kopf auf Lechners Fuß, es störte ihn nicht, dass der beim Akkordeonspielen laufend den Takt klopfte, der Hundekopf hob und senkte sich rhythmisch mit. So einen Hund wie die Fini nähme er, sagt Hader, und zum Glück bittet er mich nicht tatsächlich darum, weil es unhöflich wäre, seinem Idol einen Wunsch abzuschlagen.

Dann sage ich aus einer Laune heraus, dass man grad in meiner peer group jedes Gespräch mit dem Thema „Gleitsichtbrille“ kapern kann, woraufhin wir eine halbe Stunde lang über Kurz-, Weit- und Schassichtigkeit sprechen.


12.1.

Ich bin die soccer mum meiner selbst.

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Auf einer geerbten CD finde ich ein bizarres Duett von Pavarotti und Sinatra – ein so kitschiges „My Way“ hat die Welt noch nicht gehört, und die Welt hat schon 325349594856 kitschige „My Ways“ gehört. „Nessun dorma“ besitze ich übrigens in siebenerlei Ausführung.

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In der Kletterhalle drei Nerds in Funktionsleiberl, zwei davon mit hochgewachsenen, sehr weichen Leibern und langgewachsenem, sehr weichem Haar, es wird nicht ganz klar, ob sie ein Paar sind. Alle drei bewegen sich in burschenhafter Abruptheit. Sie sind sehr lieb und feuern einander wertschätzend an: „Jetzt hosd di ned gaunz committed!“ Sie reden in so viel Jungeleuteenglisch miteinander, dass ich zuerst glaube, der Kurzhaarige sei ein Mechatronik-Student aus dem Ausland. Das Auftreten des Trios möchte ich mit „Linzer It-Queerness“ labeln.

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Arno Geiger hat ein autobiographisches Buch über sein früheres Altpapierstierln geschrieben. Er habe damit aufgehört, weil die Leute nichts Gescheites mehr wegschmeißen, weder Bücher noch Briefe (was hätte ich ihm alles aus diesem Haus schenken können!), sondern nur noch Weinkartons und Verpackungen. Er sagt, die Leute müssen jetzt dauernd besoffen sein und Elektrogeräte bestellen. 

 

13.1.

Sehr arge Spenden für die Tombola des Grauens, die extreme Gefühle bei Vertreterinnen der Generation X auslösen werden

Mit der magic superpower einer unmittelbaren Deadline auf den letzten Drücker „Herrenlose Fliegen“, „Die Verwandlung (eines armen Käfers in einen Menschen namens Ferdinand Wegscheider)“ und ein ORF-Biene-Maja-Dramolett hingefetzt. René Monets Mash-Up von „Biene Maja“ und „Baby Blue“ aus der Sicht einer burnoutgefährdeten Drohne – eine unwahrscheinliche Begegnung von Karel Gott, Wolfgang Ambros und Bob Dylan – wird mich noch Jahrhunderte begeistern. Bei Buttingers Sektenlied „Sympathie für den Teufel“ reißen ihm die Saiten der Reihe nach, sodass er es heldenhaft a capella zu Ende brachte. Peter Waldeck ist sehr lieb, ein sympathischer Humor-Nerd. Und der Dichter der Salzgurke, das kann ihm niemand mehr streitig machen.

 

Zur Lesebühnen-Nachlese gangert es hier, wenn ihr denn gar nicht genug von kriegen könnt: Borkenkäfer im Windwurf unserer Seelen.

13.1.

Beim Hundsäußerln eine hauptberufliche Hypnotiseurin getroffen und gleich ihrem Charme erlegen.

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Subjektives Zeitparadoxon im Restaurant „Singapur“, meinem Happy Place. Wir wollten nur gschwind was essen, da ist es schon zwei Stunden später. 

 

16.1.

Was bisher geschah: Mein sehr alter Führerschein wurde gestohlen, in der Polizeiwachstube kommt auf, dass mich die Bezirkshauptmannschaft seit 1996 für einen Herrn hält. Teil des Schadens ist auch, dass ich den skurrilen Lappen nun nicht mehr zur Volksbelustigung herzeigen kann.

Heute also Geschlechtsumwandlung auf der BH Linz-Land. Kurz vor den Wechseljahren werde ich nun auch für die Behörden zur Frau. Wahrscheinlich reduziert mir gerade irgendwo ein Beamter die Pension, just because. „Ist Ihnen am Führerschein nicht aufgefallen, dass sie da ein Mann sind?“ Ich erkläre der etwas jüngeren Frau am Schalter, wie das damals war mit den Schreibmaschinen und den nachträglichen Korrekturen, zuerst ironisch, dann merke ich, dass sie wirklich keine Ahnung von den altertümlichen Amtsverrichtungen in meiner Jugend hat. „Eija“, unterbricht sie mich mit Blick in den Computer, „jetzt habe ich sie gefunden. Sie sind wirklich ein Herr Dominik.“ Das Schmerzvollste an der Umgenderung ist, dass mein Passbild aus dem Jahr 2017 zu alt ist; zwar sehe ich darauf scheiße aus, bin aber noch sehr braunhaarig. Auf dem neuen, das ich per Schnellschuss im Kellerautomaten machen muss, sehe ich etwas weniger scheiße, aber ganz grau aus. Aus Vernunft verzichte ich auf das Upgrade auf den A-Schein für alle Klassen, weil ich ohne Panik gar kein motorisiertes Fahrzeug mehr besteigen kann. Ich verschweige meine Laseraugen, weil es umständlich ist, die angeborene Schasäugigkeit offiziell loszuwerden.

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Zum Mittagessen etwas, das nicht mehr ganz einwandfrei riecht, aber der Hunger ist groß und es geht alles gut. Das darf nie jemand über mich erfahren.

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Jetzt bin ich ein Mensch geworden, der sein Auto an einem Nachmittag in der Stadt an drei verschiedenen Stellen parkt. Das darf nie jemand über mich erfahren. Mit L. zwei Stunden Schimpfe auf die allgemeinen und individuellen Verhältnisse. Ich muss aber massiv übertreiben, um etwas beitragen zu können.

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Ein Yorkshire-Terrier schreit Fini an wie eine der goats that sound like humans.

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Extrem wachsende Unverträglichkeit gegenüber Tierleid und Männergewalt in der Kunst (im Allgemeinen ohnehin). Vergangenes Wochenende hätte ich die immer wieder laut streitenden Nachbarn im Welser Obergeschoss beinah vermöbelt, um Frieden zu schaffen. Das ist doch auch keine Lösung!

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„Die Inkommensurablen“ knarrt vor lauter Recherchewissen wie die Wanten eines überladenen Frachters. Ich fresse es trotzdem mit Vergnügen. 

 

17.1.

Weihnachtsdeko abgenommen und nach Jorge-Luis-Borges-Kriterien sortiert: Äpfel, Rochen, Alkoholbehang, Froschkönige und Tiere, die zu den drei Heiligen Königen gehören.

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Ö1-Radiokolleg über „Endlinge“ und den fehlgeleiteten Schutz „charismatischer Mega-Fauna“ (Tiger etc.)

 

18.1.

Fiston erzählt von seinen ersten Jahren in Österreich, als er gemäß dem Glauben der Luba an großer Todesfurcht litt – also zu sterben, ohne zuhause beerdigt werden zu können. Mittlerweile hat ihn seine Zweitheimat entspannt. „Ich habe keine Angst mehr, in Graz begraben zu werden.“ 

19.1.

Attnang-Puchheim, Burschen im Zug: „Schau her, i zag da, wiasd deine Monter weiblicher mochn kaunst.“

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Der Vorteil von Schlupflidern ist, dass man nicht mehr so viel Lidschatten braucht.

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Mein Künstlername, wäre ich italienische Schlagersängerin: Domenica Aperto

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Innsbruck. Am Ende der Salurner Straße ragt die Nordkette so absurd jäh in den Himmel, dass man im Dämmer das Licht der Bergstation für einen großen Stern hält.

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So schnell stellt sich ein Urlaubsgefühl ein, danke Pandemie! Wenn man am Nachmittag im grauen Öd-Wels einsteigt, ist man beim Umsteigen in Salzburg und in Innsbruck ganz geflasht vom Trubel der touristisch verwertbaren Städte.

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Der junge Mann an der Bar, einer der 32345 bouldernden und snowboardenden Nummerus-Clausus-Flüchtlinge aus Franken, erklärt mir, dass das Logo auf dem Montagu-Sticker einer berühmten Hip-Hop-Crew nachempfunden sei, und rührt auch keine Miene, als ich zurück-splaine, dass ich den Wu Tang Clan sehr viel gehorcht habe damals in den 1990ern, als es noch kein Bouldern und Granola gegeben hat. 

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Sehr viel Schönes trägt sich zu an diesem Lesebühnenabend mit den Frau Hermanns 5000 Katerstrophen, ich bin sehr verliebt in alle Beteiligten. Zum Beispiel in Katrons anrührende Kunstreihe „Tote Tannen – grüne Wiesen im Sonnenschein“, zu der sie sich von ChatGPT den Vernissagen-Schas-Text hat schreiben lassen. Eine Textsorte, die man wirklich getrost und vollständig der AI überlassen kann („Die toten Tannen als Symbol für den Tod“).

Beim Heimgehen beschließen wir, unseren schwarzen Landesregierungen umfangreiche Fördermittel für den weltersten „Kongress für Performanzliteratur“ aus den feisten, neoliberalen Hüften zu leiern. Wir sind ein wenig betrunken. 

20.1.

Ein entgleister, führungsloser, brennender Güterzug lädt zum Schimpf über die Deutsche Bahn, was zum Wortwitz „bahnal“ lädt. Auf Schleichwegen zockelt der ICE durch das alte Österreich voller Klausen, Klammen und Skigebieten. Zunehmende Dehydrierung, weil ich zu faul und geizig bin, um das Zug-Rest zu suchen. Es hat endlich geschneit, immerhin wird landschaftlich viel geboten.

Nach einer logistischen Orgie fahre ich mit dem Buttinger weiter ins Gesäuse. Dort erzählt G., dass sie jetzt, in ihrem 53. Lebensjahr erkannt habe, dass sie genug von Fortbildungen habe, sie wolle jetzt auch einmal Urlaub machen und faul sein! Ich murmle in ehrlicher Betroffenheit, dass ich seit Jahrzehnten auf den Drang warte, nicht immer nur Urlaub machen und auch einmal an mir selbst arbeiten zu wollen. 

 

21.1.

Hüfthoher Pulverschnee ohne Grundlage, die Tour eine reine Fleißaufgabe, um dem scheiß Körper zu zeigen, wer der Herr ist.

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R.s Zirbengeist schmeckt fast so erschütternd wie meine eigene Kreation (eine Geisterbahnfahrt in den Gaumen), leider fragt er auch noch, ob er mir eh geschmeckt hat, und er war so schlecht, dass ich daran scheitere, zu schwindeln.

Es wird mich nicht stören, wenn mir die Germanistik der Zukunft eine homoerotische Beziehung mit dieser Frau andichtet.

23.1.

Die Störung der Totenruhe umfasst in Deutschland das Delikt, an einem Grab „beschimpflichen Unfzug zu verüben“.  

 

24.1.

„Wenn man mehr als einen Termin am Tag hat, stirbt man.“ El Hotzo

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Man darf jetzt Grillen essen (Hauptsache, sie verbieten das Grillen nicht, das ist der programmierte Bürgerkrieg). 

 

25.1.

Ereignisarme Tage, reich an befriedigend sinnlosen Ordnungstätigkeiten zwecks Kontrast zur sehr unangenehmen Weltlage da draußen. Also Haydn-CDs durchhören + Verpartnerungsgratulationskarten einkleben, um keiner Apokalypsenpanik anheim zu fallen. 

 
Der sehr lustige Tagebucheintrag, den René unserer Vermählung zu Ehren verfasst hat. Lieblingswitz ist der mit den Liptauern, weil ich echt kein Humorsnob bin.

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Ein mir recht gut bekannter Mann ist mit Frack, Gehstock, Zylinder und Birkenstockschlapfen auf einen Maskenball gegangen, die dazugehörende, mir noch besser bekannte Gattin erzählt, er sei ihr durch die Outfit-End-Abnahme geschlüpft, weil die Sehschlitze ihrer Paillettenmaske zu schmal gewesen seien. Auch derlei lenkt mich vom Weltuntergang sehr schön ab, bitte erzählt mir alle mehr solche Sachen! 

 

27.1.

Bei Gelegenheit „Null Island“ aufsuchen – ein Ort, den es nur dank der Ganglien der Menschheit gibt. Es ist der Schnittpunkt von Äquator und Nullmeridian im Golf von Guinea. Aus irgendwelchen Nerd-Gründen landen dort alle „virtuellen“ Ortsangaben, man kann auch Joggingrunden hinschummeln und derlei Unfug.

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Aus leichter Nachlässigkeit müssen wir den Hund zur Auschwitz-Befreiungsgedenkveranstaltung in den Minoriten mitnehmen, die im Übrigen so schön ist, dass ich wirklich nervös werde, ob sich das Tier ganz unauffällig und angemessen beträgt. Das wilde Spiel ihrer Ohren verrät, dass sie bei zeitgenössischen Kompositionen in innere Panik gerät. An ihrer statt entgleist nach der Darbietung der der Buttinger ein wenig, als er den jungen Sängerinnen einzureden versucht, dass Wagner und Bruckner Nazis gewesen seien. Sie lächeln höflich, einer sagt, er habe gar nicht mitbekommen, dass ein Hund zugegen gewesen sei. „Zwoamoi hot's a weng quietscht“, sagt der Buttinger, der junge Mann beginnt sich höflich zu rechtfertigen, bis der Irrtum aufkommt - „der Hund hat gequietscht, nicht ihr!“ Der liebe Stefan Petermann ist extra aus Weimar angereist, weil sein Text „Töne aus Stein“ vertont worden ist, aber wir unterhalten uns darüber, dass ich gar nicht so viel zum Skitourengehen komme heuer etc. Es ist ein wärmender Gedanke, dass Klügere in der Ferne Anteil an meinem Dasein nehmen.

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A. hat den Fuß ihres Sohnes wegen beiderseitiger Unaufmerksamkeit mit dem Hinterreifen überrollt und ist in innerer Panik (ganz ohne zeitgenössische Musik) auch noch darauf stehen geblieben. Das ist nur lustig, weil der Ausgang ein glimpflicher war. Off topic: Wir sollten den „Glimpf“ in den zeitgenössischen Sprachgebrauch übernehmen, als „Glimpf und Schande“ oder „verglimpfen“ (hieße das „jemanden schönreden“?)

 

28.1.

Sehr schöne Stunden im Black Horse, wie immer. Der liebe R. feiert seinen 70er und baut meine Familien-Gratulation gleich in seine Ansprache ein: „Dominika hod grod gsogt, 70! So oid wiad ned amoi a Sau!“ 

L. berichtet später von ihrem Versuch, als Vorsitzende einer Kinderbetreuungsorganisation in Kontakt mit dem jungen Volk da draußen zu treten. Nach wenigen Minuten wird sie von einem 8-Jährigen von der Hüpfburg herab dermaßen derbe beschimpft, dass sie mit sich ringt, ihm keine zu reißen. Der ganze Tisch spricht ihr Respekt für ihre Disziplin aus, ich hätte dem jungen Prinzi fix was mitgegeben fürs spätere Leben, also innere Panik vor älteren Frauen.

Zwecks Kontrast erzählt I. vom Urlaub ins drollige Cornwall, wo die Menschen ALLES mit „lovely“ labeln, was die Reisenden zunehmend amüsierte. Höhepunkt dann am Pissoir, als ein einheimischer Ludelkollege „lovely!“ seufzte. I. hat nachzufragen vergessen, ob der damit die Urinerlösung oder sein Organ meinte. Ich entlaste die Runde mit der Schilderung, wie mich der Tierärztinnengatte für meine Mutter gehalten hatte, und I. sagt, dass ihn beim Begräbnis einer Tante sehr viele Steyerlinge für den eigenen Vater gehalten haben.


29.1.

Ab jetzt einfach keine jähen Bewegungen mehr. Bei den Dreharbeiten für ein zivilgesellschaftliches Video bin ich unter dem nachvollziehbaren Gelächter der Kinder vom eigenen Thron gestürzt. 

Als ich ein Foto ins Facebook stelle, auf dem ich in wiederhergestellter Machtentfaltung auf dem Thron sitze, kommentiert drei Hundertstelsekunden später ein älterer weißer Mann darunter, dass „man“ an meiner Sitzhaltung noch arbeiten könne. Auch hier musste ich an mich halten, um nicht handanlegende Panikeinflößung anzudrohen. 

 

30.1.

Ich bin nur deswegen selbständig, weil ich extrem leistungsbereit bin und nicht arbeiten kann, wenn mir jemand während des Schreibens erzählt, was er am Wochenende alles gemacht hat, und wenn ich in Meetings muss, in denen es um das Generieren von Learnings geht, und man danach 14 Minuten berät, wo man Mittagessen geht.

Andererseits fehlt mir der Drang zum Oeuvre, ich will es JETZT schön haben im Leben, danach ist es mir wurscht, was die Leute von mir halten oder lesen.

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Hoffentlich kann ich das Alter noch weit hinauszögern, in dem ich Jüngeren automatisch und ausführlich erzähle, was ich früher nicht Supernes gemacht habe, bevor es alle anderen dann auch gemacht haben, und wie schwer das alles war, das kann man sich heute gar nimmer vorstellen! Lieber zahnlos, schasäugig und faltig wie ein Shar-Pei als diese Kunstveteranenmonologe. „So was Schönes wie Nirvana wird ja heutzutage nicht mehr gemacht!“

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„Wenco – alles aus einer Hand!“ Man muss nicht viel Englisch können, um darüber zumindest kindlich zu lächeln.


31.1.

Warum hat ausgerechnet der Jänner 31 Tage?!

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Die sehr liebe Frau an der Spar-Kasse gibt mir 25 Prozent auf den Champagner, weil ich 23 Sekunden geduldig gewartet habe, bis sie die Flasche im Depot gefunden hat. Sie hat es mir bestimmt angesehen, dass ich über meine Verhältnisse einkaufe. Das darf der Buttinger nicht lesen, ihm gegenüber habe ich geprahlt, dass mir für seinen Geburtstag nichts zu teuer sei.

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DallE ist ein pfiffiger Zeitvertreib. Wenn man Anstößiges wie „Nazi“ oder „Putin“ abgebildet wünscht, erscheinen Kätzchen und Corgis, die bedauernd auf die politeness policy hinweisen. Bei der Anfrage „A happy and proud Romy Schneider as empress Sisi builds a carport in a beautiful landscape like Hallstatt in the style of the 1950ies“ spuckt die KI eine Dirndlfrau mit dem von sinnloser Fröhlichkeit entstellten Antlitz Thomas Brezinas aus.