Mittwoch, Mai 16, 2018

Nach Mathematik und Sex fehlt jetzt die Hose. Marcel Hirscher enttäuscht, der Hund ist ein Star.

Wenn das Unterbewusstsein ein mentaler Komposthaufen ist, sind Träume die Pflanzen, die darauf wachsen. Dem einen erblüht eine tragfähige Zucchini-Plantage, der anderen voluminöse Kürbisse (Kürbeen? Kürbi?). Je nachdem, was man früher alles weggeschmissen hat. Auf mir wachsen fossile Schlingpflanzen.
Mit der Mathematik-Matura dürfte ich nun abgeschlossen haben. Nach bloß 20 Jahren. Ebenfalls im Abklingen sind verzwickte, recht anstrengende, nie zielführende Schmus-Träume, offensichtlich bin ich der Aufarbeitung meiner spätpubertären Balzzeit nahe. 

 Symboldbild zum Themenkomplex "Verhältnis Realität vs. Traum" bzw. "der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer"

Aktuell trenden Träume, in denen ich fünf Minuten vor einem Auftritt mit der Recherche dafür anfangen soll, das ganze aber vor allem daran scheitern wird, dass ich keine Hose anhabe. Als ich einmal zu fett zu Abend gegessen hatte, träumte ich davon, dass der Buttinger Marcel Hirscher als Lesebühnengast gewinnen konnte. Live und literarisch erweist sich der siebenfache Weltcupgewinner aber als große Enttäuschung, das Publikum murrt. Ich schimpfe es, "verwöhnte Lumpen!", habe selbst aber gar nichts geschrieben.
Wenn ich Weißwein trinke, stiehlt man mir meinen Mafia-SUV vor dem Nobel-Franzosen, um mich damit totzufahren. Nach Kamillentee komme ich drauf, dass der Hund Star eines in Asien rasend beliebten Computerspiels ist. Sie wird auf Conventions geladen, wo sie still auf der Bühne steht, während Chinesen enthemmt "Aaaaaafra! Aaaaaaafra!" brüllen. 

Was arbeitet da grad in mir? Die diffusen 15 Semester Philosophie? Der Alkohol? Traumdeutungsansätze bitte in den Kommentarteil, ich zahle mit Karma-Bitcoins.

Donnerstag, April 26, 2018

Gender ist ein windschiefes Konstrukt


Lieber Leser, du feine Madame,

weißt du eigentlich, was für ein Gender ich verwalte? Na?! Bin ich (s.o.) die Linke oder der Rechte? Ich frage, weil es da zuletzt große Unsicherheiten gegeben hat. Lass' mich narrativ mit zwei ganz backfrischen Erlebnissen illustrieren: 

1. Zwei Schöneringer Reha-Patienten hinken am Nussbaum vorbei, auf dem ich gerade mein Baumhaus frühlingsfein mache (ich putze). "He schau, cool, der hod si sei Büro do ohm eigricht!" Ich räuspere mich. "Hö, des is jo goa ka Er, des is a Sie!" 

2. Der liebe Kollege Monet tritt bei der Versammlung der Radlobby Oö auf, die ich vor zwei Jahren (stundenlang!) moderiert habe. "Jo, 2016 woa eh scho ana vo eichana Lesebühne bei uns, der Dominik." Monet: "Einen Dominik haben wir nicht, aber eine Dominika." "Eijo, genau, so hod de g'haaßn." 

Antworten zum Geschlechtsrätselspaß bitte in den Kommentarteil, die spaßigste gewinnt (irgendwas).

Freitag, April 20, 2018

Zeitreisen unter besonderer Berücksichtigung von Tyrannenmord

Drehbuch für ein neues Genre – der Sci-Fi-Heimatfilm.

Österreich im Jahr 2024. Die Donau ist überplattet, drinnen fahren Schiffe, oben SUVs. Kurzens demagogisches „Talent“ ist mit ihm durchgegangen, Orbanisierung Hilfsausdruck. Szenen zeigen Behinderte und Bettlägrige, die Profite erwirtschaften müssen. Schnitt in die USA: Trump schmollt, weil Kurz den Grenzwall vorm Balkan schon fertig hat (aus Vöest-Stahl, bemalt mit Alpenpanoramen). Schnitt nach Russland: Itchy Stratchy ist in den Schoß Putins gewirtschaftsgeflüchtet, weil die Türkisen die FPÖ aufgesaugt haben wie der Monet sein erstes Wochenendbier. Die nächste Szene spielt auf der super renovierten Florentine: Künstler treten – wenn überhaupt – nur noch mit Headsponsoren auf. Aus der Lesebühne ist ein Mundart-Rossegger-Vortragsabend geworden. Weil eh alle Ausländer zurückgeschoben wurden, da braucht's keine neuen deutschen Texte mehr, sind eh die alten vom Ernst Jünger oder Weinheber pfenninggut. Was sich nicht am Markt behauptet, ist ausgemerzt wie der Schnee in der Märzsonne.

Aber! Das ist keine fade Geschichte, darum gibt es eine Widerstandsbewegung im Untergrund. Eine Szene in Alturfahr: Wir sehen Theaterwissenschaftler in den geerbten Gärten ihrer wohlhabenden Eltern garteln. Politikwissenschaftlerinnen kämpfen mit Ribiselmarmelade gegen die Lebensmittelkonzerne, ehemalige bildende Künstler setzen saisonale Dekorationsideen gegen neoliberale Uniformität, Biomodedesigner mahnen mit selbstgehäkelten Baumumpuschelungen gegen die soziale Kälte. Philosophiestudenten werfen urban Seed-Bombs gegen Porsches, um die Versiegelung der Landschaft anzuprangern. Frühere grüne Landtagsabgeordneten glänzen mit gepflegten Vollbärten und gepflegten Gesprächen über die Auwaldbesetzung 1986. Die Opposition beherrscht Selbstverteidigung, wehrt also depressive Verstimmungen durch Yoga und Bewegung an der frischen Luft ab.

Hier tritt unsere Heldin Monique Mendl erstmals auf. [Man könnte sie ganz gut mit Charlize Theron oder Birgit Minichmayr besetzen.] Wir sehen die gutaussehende brünette, ehemalige Schriftstellerin im Disput mit Rebellen in Naketano-Pullis. „Radikal vegan?!“ schimpft sie, „das ist doch kein Widerstand gegen den Tyrannen! Ihr Lulus seid doch schon fertig wegen eurer Lactoseintoleranz!“ „Das ist aber auch wirklich belastend“, erklärt ein Mann mit Man-Bun, „können wir denn die Milch nicht nehmen, wie sie ist, heul!“ „Und sag' bitte nicht Tyrann“, beschwichtigt eine Frau mit selbstgefilztem Schmuck, „die gewaltfreie Kommunikation lehrt uns, dass wir den Gegner in seinem So-Sein und seinen Bedürfnissen ernst...“ „Waaaaa!“ brüllt die Heldin, „der behinderte Kurz schenkt eure Elternhäuser der Bank, sobald ihr die Mindestpension beantragt!“ Beim Wort „behindert“ hat es die Runde heftig gerissen. „Der Sebastian hat besondere Bedürfnisse, Monique!“ flüstert die Tanztherapeutin in Vintage-Sneakern. Da reicht es der Heldin, sie wirft den selbstgezimmerten Palettentisch um, kohlehydratarme Smoothies ergießen sich auf den Erdboden, sie brüllt: „Der Kurz ghört weg!“ „Jössas“, wispern die Mitstreiter. „Haben wir schon eine Online-Petition angedacht?“ sagt der Man-Bun. Und die Filzgeschmückte: „Das Crowdfunding für Kurzens Sterbehilfe läuft nicht so gut an.“ „Er ghört weg!“ schreit Monique unbeirrt, „wir brauchen Waffen!“ Auch die anderen sprechen jetzt aufgebracht durcheinander. „Ist schießen nicht rechts?“ „Ist es nicht kolonial, wenn wir den Leuten in der Dritten Welt die Kalashnikoffs wegkaufen?“ „Macht so eine Bombe nicht Feinstaub?“ „Kriegen wir das Nitro fair getradet und verpackungsfrei?“ Mit einem Urschrei „Ihr Superfoodlecker, ihr!“ rennt die Heldin von dannen.

Weit kommt sie mit ihrem Zorn freilich nicht, das Morden ist auch ihr als Sandwichkind nicht in die Wiege gelegt. Sie nimmt das Handy und googelt „Was hat Kurz bloß so ruiniert“ Bald findet sie die Antwort: Seine Eltern haben ihm von Geburt an gesagt, er sei etwas ganz Besonderes. In einem ausländischen, also kritischen Artikel liest sie über den Schock, den der reality clash in Kurz auslöste: In der Krabbelstube zeigt sich, dass er gar nicht hochbegabt ist. Der Kevin kann schon seinen Namen schreiben, die Lena spielt Geige, seit sie zweieinhalb ist.

Das kann die Heldin schon verstehen, sie ist an der Wiener Schule für Dichtung nicht aufgenommen worden. [Rückblende!] Sieben Verlage verweigern ihren „bahnbrechenden“ Roman. Vor lauter Hass auf den Kunstbetrieb fährt die Heldin eines Septembertages nach Polen und annektiert einen Strandkorb an der Ostsee.

In der Gegenwart schreitet die Heldin zur Tat. Wir sehen sie tagelang im Altstoffzentrum schrauben – und schließlich ist die Zeitreisemaschine fertig! Flugs reist sie damit in das Wien der 1990er. Und steigt prompt in einen Hundsdreck vor dem Kindergarten. Aber bald erkennt sie Basti, die Ohren waren schon damals ein Witz. Sie hebt den Wicht daran hoch und brüllt ihm hinein: „Du bist überhaupt nicht hochbegabt, du bist nur präpotent!“, um sein Ego zu ermorden. Bast weint bitterlich. Die Heldin hat Mitleid. „Jetzt flenn' nicht, schau mich an, das ganz Normale reicht doch!“ Sie wischt ihm die Tränen von den Backen. „Ich komme aus der Zukunft, und da gibt’s bald das Internetz, das ist besser als Fernsehschaun!“ Bastis Augen glänzen. Sie warnt: „Pass' auf, wenn ich dich später irgendwo in der Nähe von einem ÖVP-Bezirksbüro erwische, derschlag' ich dich, und gele dir auch bloß niemals das Haar so dumm zurück, du hast eh so unvorteilhafte Ohren!“ Er nickt.

Damit wäre die Geschichte fertig für den amerikanischen Markt, die Europäer bräuchten was Kritisches: Die Heldin schnappt leider über und reist zurück in die 1930er Jahre. Sie gräbt dem Hitler das Herz mit einem Löffel aus der Brust [komisch, da hat sie gar keine Hemmung]. Sie übernimmt das Reich an seiner Statt, zuerst mir gutem Willen, dann leider mit dem bekannten Ausgang.

So kommt es, dass in der neuen Gegenwart im Fernsehen ein Dokumarathon läuft: Mendls willige Helfer, Mendls Panzerkrieg, Mendls Wien, Mendls blonde Hunde. Und alljährlich lungern die gschissenen Neonazis am 20. April vor einem Einfamilienhaus in Schönering herum.

 

Dienstag, April 10, 2018

Vorauseilender Gehorsam, oberösterreichische Kulturpolitik und persönlicher Unmut. Warum ich nicht mehr für den Kulturbericht schreibe

Soeben ist nach zwölf Jahren mein letzter Beitrag für den Oberösterreichischen Kulturbericht erschienen. Man hat mir - um den Herrn Landeshauptmann nicht zu behelligen - ungefragt diesen Satz zensiert: "Die öffentliche Hand kann leider keine kulturellen Frauenberatungsstellen mehr fördern, auch kann sie junge Musiker bei der Produktion eines Tonträgers nicht mehr unterstützen." (Mehr dazu auf dem Blog der Kupf).
So mag ich nicht arbeiten, auch wenn ich das Geld gut gebrauchen könnte. Ich halte die Kulturpolitik von LH Stelzer für empörend und finde, dass ihm mein ohnehin streichelweicher Tadel zuzumuten sein muss. Zumal ich als Kulturjournalistin und -schaffende täglich mit den Folgen seines Zusammenkürzens konfrontiert bin.
Wenigstens ist mein letzter Artikel einer über Kreisky.

 
Skurriler Nachtrag - eine Miniatur-Fleißaufgabe: 
Der riesengroße Button fürs #kulturlandretten, den ich hier Anna Weidenholzer überreiche, wurde im Kulturbericht geschwärzt.
 


Montag, März 19, 2018

Das echte Leben ist wie Erdnussflips. (Bot. Post ohne Autorin)

Weil der Erstkontakt mit der Außenwelt ungünstig ausfiel, habe ich das Romanschreiben auf Eis gelegt [hier vielleicht banale Assoziation zum prokrastinierenden Frühling einbauen]. Und es fühlt sich sooooo gut an! Als habe ein Mensch mit 210/170 die Blutdrucksenker abgesetzt. Als schaufelte man sich gerade einen Familiensack Erdnussflips in den Leib, beidhändig. Als legte man sich besoffen in den Schnee. Außerdem - ist denn der Roman überhaupt noch die passende Antwort auf die Fragen der Zeit, ha?! Vielleicht sollte ich lieber das Drehbuch zur österreichischen Version von 30Rock schreiben. 

Abb. 1: Im echten Leben wartet überall die gute Unterhaltung. Und sie kostet nicht die Welt.

Außerdem ist die Realität schon wieder viel schöner als die Kunst. Am Samstag liefen lästige Kinder durch die Kletterhalle, die dicke Mutter schrie fortwährend "Alexa! Renn' ned do umadum!" Aber vergebens, die biologische Intelligenz ist noch nicht so weit, das Folgen muss sie noch lernen. Und orf.at berichtet von einem australischen Wissenschaftler namens Meow-Ludo Disco Gamma Meow-Meow. Drittens: Ein alter Mann sieht kurz bei der Lesebühnenprobe zu und fragt "Was spielt ihr denn für eine Musik?" Als ich ihm sage, dass die Musik nicht so wichtig sei, vielmehr läsen wir, erschrak er, "Na! Na, des is nix für mi! I kaun ned lesen!" Das übernähmen doch wir, genau das sei ja unser Service-Extra, sagte ich, aber er rief, schon weit davongelaufen: "I bin Analphabet!" 
Alexa, schreib' eine schönere Fiktion als sowas! "Ich kann deine Anfrage nicht bearbeiten, das echte Leben ist doch unterhaltsam genug. Aber ich schreibe dir darüber einen Post in dein Blog."

Mittwoch, März 07, 2018

Short Cuts. Ein Roman wie IPA – kaufen und zuhause verdünnen


Die Schriftstellerin Mendl hatte ihre Nahwelt so lange mit dem jämmerlichen Scheitern an einem Roman behelligt, dass die nächsten Angehörigen, zermürbt vom jahrelangen, inaktiven Barmen der Nicht-Autorin, beschlossen, sie zu besachwaltern. Die spätdekadenten Zeiten, in denen die Gesellschaft leistungsscheue Künstler wie Varoamilben durchfütterte, waren nämlich vorbei. [Not-Fun-Fact: Im Vergleich zur Biene ist so eine Milbe so groß wie ein Feldhase an Ihrer Brust!] So saß die Ex-Literatin bald in einer geschützten Werkstatt, einer Außenstelle des Ministeriums für Schrifttumsfragen, und kürzte werktags von 10 bis 16 Uhr Texte.

Denn ein Jahr zuvor hatte Kulturminister Blümel eine Expertenkommission der Firma Deloitte mit der Optimierung der Textkompetenz beauftragt, und die hatte nach einer Evaluierung des deutschsprachigen Literaturschaffens herausgefunden, dass die Leute heutzutage nicht mehr so viel Zeit zum Lesen haben, und dass sich die Autoren unnötig sperrig, volksfern und zeitraubend ausdrücken.

Mendls Portfolio in der Tagesstruktur war großzügig angelegt, sie durfte auch ausländisches Oeuvre digitalisieren. Grade hatte sie ein großes Werk der Weltliteratur für den deutschen Markt und die Jugend fertig adaptiert, sie druckte es aus und hoserlte ins Büro ihres – wir werden es gleich sehen – sehr performanceorientierten Vorgesetzten Marcel Thumfart. Der 24-Jährige BWL-Master winkte sie herbei und bedeutete ihr, vorzulesen: „Nennt mich Ismael...“ Thumfart unterbrach. „Ah, muss das sein, das ist so ein philosemitischer Name, und die Einleitung ist so langatmig, wobei gegen einen langen Atem nichts einzuwenden ist, schaun Sie, ich hab jetzt Triathlon angefangen! Das wär' auch was für Sie, Frau Mendl!“, sprach er, mit Blick auf die Schlägl-Bierwulst über ihrer Hose. „Ah... ok“, sagte sie, „das Buch geht dann so weiter: „Um meiner Melancholie zu entfliehen, beschloss ich, als Matrose auf der Pequod anzuheuern...“ „Ah, Stopp noch einmal, Frau Magister, Melancholie? Na, bitte kürzer. Cutten Sie to the chase!“ Mendl warf die erste Seite weg, dann las sie: „Captain Ahab war sauer, dass ihm der Wal das Bein abgerissen hatte, darum jagte er den Albino rund um die Welt, wir wären beinahe alle ersoffen, aber dann verhedderte sich der grantige Invalide mit der Harpune, der Wal schwamm davon und ich überlebte, um diese Geschichte zu erzählen.“ Thumfart klatschte, „Tschakka! Jetzt haben Sie's! In der Mitte noch ein bisschen was rausnehmen, dann fällt die storyline auch viel schöner, dann ab auf den Instagram-Account damit! Lassen Sie sich von der Bildstelle ein paar geile pics raussuchen, so Hipster-Seemanns-Vibe.“ Mendl nickte und trottete aus dem Büro.


Ihr Telefon brummte, oh! der Lebensgefährte, sie hob schnell ab. „Schatzi, pscht, lass' mich ausreden, Folgendes: Ich helfe dir mit einem Anreiz, deinen Output zu enhancen. Also: Wenn du heute nicht drei Romane eindampfst, häng' ich ein Schloss an den Kühlschrank, haha, tschau, wiegeht'sdir, bis heute Abend, 321Bussi.“ Mendl seufzte. Sie bewunderte ihren Freund, der war immer so flott, aber auch effizient! Und schon stellte sich der erhoffte incentive effect ein – sie juchzte, das war die Idee! Fusionsliteratur! Emsig trippelte sie in ihre Schreibkoje. Kurz darauf hatte sie ein Werk für Premiumleser geschaffen, Distinktionsfreunde, die gerne in Vernissagenkonversationen Duftzeichen setzen. Die zwei ungelesensten Bücher der Welt, jetzt neu, in einem einzigen Tweet zu konsumieren! Und zwar so: „Ulrich wird von einem Auto umgefahren und hat ein bisschen einen Autounfall, weil er unachtsam war – immerhin möchte er 24 Stunden in innerem Monolog verbringen. Dabei stören ihn eine Liebschaft, etliche Besuche im Irish Pub und die Vorbereitung eines Planes für die große Parallelaktion nicht, er findet sogar noch Zeit zum Philosophieren. Am Abend geht er zu seiner Freundin Molly und schläft mit ihr, aber der Leser merkt das nicht gleich, wegen dem Inneren Monolog. Ende!“ Mendl war glücklich! Die vierzehn Semester Germanistik, endlich zahlten sie sich aus! Doch scheiße – viel zu lang, 476 Zeichen, es dürfen aber bloß 280 sein, heul!

Da läutete erneut das Telefon, der Lebensgefährte wieder: „Mendl! Du hast jetzt schon 4269 Zeichen gelebt, möchtest du dich nicht beeilen?!“ Oho, dachte sie, dabei gäbe es noch so viel zu erzählen, den ganzen Karl May etwa („Ein braver deutscher Mann wird Freund mit dem Apachen Winnetou, sie reiten durch den Westen und strafen zügellose Amerikaner“), oder die Essenz Thomas Bernhards („Alles ist lächerlich.“) Aber ihr Schatzi hatte recht, zwei Seiten sind bis in die Haut hinein genug.


ENDE!


Dienstag, März 06, 2018

Einsatzromane


Oft ist alles schnell gesagt – Textsirup to go

Der Undank. Geträumte Autobiographie

Prof. Buttinger ist es dank seiner Medien-Beziehungen gelungen, Marcel Hirscher als nächsten Gast für die Lesebühne zu gewinnen, aber niemand von uns hat sich die Mühe gemacht, ihm was Lustiges zu schreiben, und leider ist er zwar siebenfacher Gesamtweltcupgewinner, kann jedoch überhaupt nicht improvisieren, sodass sein Auftritt vom verwöhnten Publikum mit enttäuschtem Murren quittiert wird und ich mir vornehme, mit den Mitarbeitern ein strenges Gespräch über Gäste-Qualitätskriterien zu führen.


Frühwerk: „Zeugnisse der Zärtlichkeit“

Beim Renovieren des Badezimmers einen Packen Briefe finden, es sind Liebesbriefe einer bittersüßen amour fou, und zwar zwischen – Bud Spencer und Terrence Hill! Zeugnisse von Leidenschaft und Verzweiflung. Es musste schon alleine daran scheitern, dass das Schönering der frühen 1980er noch nicht so weit war. Notiz: Ein Broke-Back Mountain für sehr Arme. Plausibel machen, was die beiden Action-Klamaukhelden im Bezirk Linz-Land zu suchen hatten.


Der kurze Brief zum langen Abschied. Nach Handke

Ein junger Österreicher befindet sich in NY und erhält dort einen Brief von seiner Frau: „Ich bin in New York. Bitte such mich nicht, es wäre nicht schön, mich zu finden“, doch er hält sich nicht dran, und während der Reise durch die USA hat er sehr viel Zeit zum Nachdenken, über sich, sein launenhaftes Weib, die Kindheit und wasnichtalles, weswegen er, nachdem er die Flüchtige am Ende gestellt hat, in die Trennung einwilligen kann, und der Autor dieser öden Geschichte sehr viel bekannter und berühmter wird als die beherzte Zusammenfasserin von Handkes Oeuvre.


Kleine Fabel. Nach Kafka

[Das Original geht mit Katz und Maus] „Ach“, sagte die Medien-FH-Absolventin, „der Arbeitsmarkt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war er so riesig, dass ich fast Angst hatte, ich machte Auslandssemester und war glücklich, als ich endlich Optionen sah, links und rechts Praktika, aber diese Jobs kleistern mir den CV so zu, dass mir gar keine Zeit zum Geldverdienen bleibt, und jetzt bin ich Alleinerzieherin und schon bald 40, und dort steht schon die Teilzeit-Pensionsfalle, in die ich laufe.“ „Du musst dir nur ein Eigenheim anschaffen“, sagte der Kanzler und lachte.


Darwin's Nightmare

Eines Morgens überkam die bislang nicht vom Erfolg verwöhnte Hobbyliteratin Dominika Meindl die Geschäftsidee einer Hundewerkstatt analog zu all den Auto-Schraubereien, quasi Evolution Fast Forward; ein Dog-Customizing, bei dem Dackelbesitzerinnen ihre Tiere noch mehr stretchen, Retrieverinhaber ihre Allerweltshunde tieferlegen oder Sharpei-Halter die Faltenwauzis neu auffüllen lassen könnten, aber aufgebrachte Tierschützer entführten Meindl in der Nacht vor der in allen Medien angekündigten Dog-Tuning-Eröffnung und ließen sie vom radikalisierten Amtstierarzt einschläfern.

Dienstag, Februar 20, 2018

Satire am Arsch

Die akkurateste Bezeichnung meiner Berufsgemengelage ist wohl "Hofnärrin", die langweiligste "Satirikerin". Man soll sich selbst nicht so bezeichnen, da kann man die Sachen, mit denen man sein Erdendasein vertändelt, gleich "mein Werk/Oeuvre/Kunstwollen" nennen. 
Jedenfalls hat mir noch nie jemand meine Profession so leicht gemacht wie die aktuellen Regierungen von Land und Bund. Es war noch nie so schwer, KEINE Satire zu schreiben. Das ist mehr bequem als angenehm. Der kleine Innenminister auf einem riesigen, braunen Pferd, mit blauer Schabracke über dem Hintern? Ein Sportminister mit Nikotinproblem? Burschenbündler, die über Burschenbünde aufklären? Braucht man nicht mehr viel zu sagen. Aber Stolz erwächst daraus keiner. 
Als meine Kreuzbänder noch hielten, was die Jugend versprach, spielte ich Fußball. Gern, aber schlecht. Mangels Taktik stellte ich mich viel vors Tor. Einmal kam ein scharfer Schuss von eigener Seite, der mich fest am Arsch traf und von dort ins Tor prallte. 
Knowimsayin? Kennst di aus?
Gruß, Meindl

Montag, Januar 29, 2018

Aus der Schatzkammer des Nordens: Nur die Starken müssen raus

Lohnt es sich, die Filterblase zu verlassen? Es mag reichen, wenn wir die Robusten hinausschicken, auf dass sie uns berichten, wie es draußen aussieht. Wie die Tauben, die im Idealfall mit einem Ölzweig im Schnabel heimkommen. Oder zumindest mit einem gleißenden Diamanten der Dummheit, die da draußen wie ein Ozean die Welt bedeckt. Einen wie diesen, gefunden mitten im Mühlviertel: "Guad, dass da Hitla kemma is, sunst waradn uns de Nazis üwakemma!"

Donnerstag, Januar 11, 2018

Chanel im Bordell

Im Waldviertel habe ich eine Urstrumpftante, die ich primär aus Zuneigung einmal im Jahr besuche. Trotzdem schreibe ich Dienstkilometer ins Fahrtenbuch, denn kaum etwas hat höheren literarischen Bonus. Wer sonst erzählte mir vom Berufsleben in einer noblichen Wiener Damenboutique? 
Eine sehr beliebte und beleibte Kundin war die Puffbesitzerin aus der Leopoldstadt. Weil die Chanel-Schnösel höchstens Größe 44 anbieten wollten, bestand die Bordellbetreiberin darauf, in zwei Kostümchen eingenäht zu werden. 
Ob ich heuer noch eine schönere Geschichte zu hören kriege? Ich bitte um euer heißes Bemühen.

Montag, November 27, 2017

Geheilte Dingbeziehung

Geliebte Nahwelt!

Nach einem Umzug in ein Haus, das bis unter den Giebel mit den Früchten des Warenkapitalismus gefüllt ist, musste ich zuletzt feststellen, dass ich mit den Dingen nicht mehr dieselbe Freude habe wie damals, als mich die Vorfreude auf das nächste Playmobil durch die Existenz trieb.


Als ich aber unlängst zu einer kleinen Abendgeselligkeit lud, brachten die aufmerksamen Gäste nicht nur Brot, Wein und gute Laune mit, sondern auch eine Donald-Trump-Perücke! Dies sei nun meine Botschaft für den Advent: Kauft den Menschen nur Sachen, die ihre Verfügungsmöglichkeiten ausweiten. Mir zB gehört jetzt die ganze Welt. 
Vergelt's Gott!

Sonntag, Oktober 22, 2017

Der schwarzblaue Würgegriff

So schnell geht's und alle vermissen LH Pühringer, nicht nur ich, die ich mit seiner Pensionierung meinen Job als Body-Double verloren habe. Sein Nachfolger LH Stelzer legt der Freien Szene des Landes väterlich die starken Hände um den Hals und drückt zu. Bis zu 30 Prozent möchte er bei den Freien Kulturinitiativen sparen. 
Dabei boomt die Wirtschaft. Gespart wird auch nur dort, wo nicht viel Widerstand zu erwarten ist, also bei Sozialem und Kultur. 

Seid doch deswegen so knieweich und unterschreibt hier: 

Das alleine bringt vielleicht nicht viel. Am besten, ihr zeigt bei der nächsten Wahl klar, dass das eine gschissene Politik ist. Aber wahrscheinlich predige ich hier ohnehin zum Chor, dann warum sonst lest ihr dieses Blog, das ich mit meinen willigen, aber ungeschickten Händen für euch schreibe. 

Bussi, Meindl

Donnerstag, Oktober 12, 2017

Pecha Kucha: Bärengrüße und Creme Frau Scheide

Vorgestern ward ich zur Pecha Kucha Night nach Linz geladen. Es käme mir sehr gelegen, wiederholte sich dieses Ereignis! I was born for Bildergherzeigen und blöd Dazuplauschen! 
Damit ihr alle ein bisschen an meinen Kernkomptenzen teilhaben könnt, schauet hier jene beiden Bildnisse, die am rätselhaftesten funkeln:  

"Im postmodernen anything goes wird die öffentliche Mitteilung dann vollends beliebig, ein ideeller Ausverkauf:"



"Man kann nur mit Erstaunen die inhaltliche und syntaktische Komplexität früherer Mitteilungen bewundern:"



Freitag, September 01, 2017

Die Sexualität!

Bitte, es ist ja nicht so, dass ich zu Fleiß so unfraulich bin! Ab und zu reitet mich der Wille, auch so sexy sein wollen wie ihr alle. Ich will euch verstehen! Vielleicht bin ich autistisch, was die geöffneten Mündchen und das ausgefahrene Sitzfleisch betrifft. Aber es interessiert mich, weil es euch so viel zu bedeuten scheint! 
Deswegen stelle ich eure Formationen manchmal nach, wie in einem Cargo-Kult ("Die Gläubigen leben von der Erwartung der durch symbolische Ersatzhandlungen herbeigeführten Wiederkehr der Ahnen", you name it). 

Ich hab' wirklich mein Bestes gegeben, aber mit dem Ergebnis kann ich noch nicht ganz zufrieden sein. Meine wissenschaftlichen Assistenten meinten, ich sähe eher "so als ob du von untoten Seelen innerlich gepeinigt wirst", so zöge ich nur Zombiefilm-Nerds an.

Mittwoch, August 23, 2017

Die Jugend!

Jugend: "Wieso darf da einer mit 16 schon beim Motorradrennen mitfahren?"
Ich: "Da brauchst keinen Führerschein."
Jugend: "Ah. Ich könnte das bestimmt auch sehr gut."
Ich: "Bist du denn überhaupt schon einmal auf einem Moped gesessen?"
Jugend lacht: "Nein!"
Ich lache auch: "Naja, vielleicht kannst du als Quereinsteiger ja frischen Wind in die Rennszene bringen."

[Wir erkennen: Das war auch ein politischer Text!]

Montag, August 07, 2017

Die Natur!

Der Graupapagei (Psittacus erithacus) ist eine Vogelart aus der Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae). Mit ca. 160 cm Körperlänge und bis zu 60 kg Körpergewicht ist er einer der großen Papageien Afrikas. [1] Als Extremfall ist ein Alter von 73 Jahren belegt.[25]
Graupapageien werden auch in Europa häufig in Zoos und Privathaltung gehalten und gezüchtet. Aufgrund ihrer hohen Intelligenz und ihrer Sprachbegabung zählen sie in der Kognitionsforschung zu den bedeutenden Tierarten. Graupapageien gehen vermutlich eine lebenslange Paarbindung ein.

Mittwoch, Juli 05, 2017

Der Mozart des Selbstboykotts

Da ich per Staatsstipendium zur Arbeit am Roman verurteilt wurde, mache ich mich heute, zwei Wochen nach Urteilsverkündung, ans Werk. Doch fassungslos muss ich mir selbst dabei zusehen, wie mich Mikrobenkleines abklenkt. Die drei Fliegen müssen aus dem Zimmer, die Tischplatte entstaubt werden, der Papierkorb geleert, der Bleistift gespitzt, oh, schon so spät, da zahlt sich das Anfangen nicht mehr aus, Hunger! Enerviert betrachte ich meine emsig das Falsche vollbringenden Händen wie eine Mutter ihre passiv-aggressiv-trödelnden Zwillinge. 
Jetzt brummt auch noch eine feiste Hornisse herein, das Alliertengeschwader all dessen, was sich mit mir gegen mich verbündet hat. Ich versuche sie zu ignorieren, prompt verstummt sie auch. Aber die Stille des garstigen Insekts nervt mich noch intensiver. 

Da erlöst mich der Vater mit seiner Bitte, die Erdäpfel zu kochen. Nachmittags schreien die Nachbarskinder laut genug, dass ich gar nicht erst ins Schreibzimmer zurückmuss.

Freitag, Juni 16, 2017

Das Anfütterungsverbot

Ein Gasthof am Lande. Ein älterer Herr schaufelt der ihm gegenübersitzenden jungen Frau Knödel aus der gewaltigen Bratlrein. 

Kevin: Opa, moch' des ned!
Opa: Wos moch i denn?
Kevin: Du fuadast mei Freindin!
Opa: Jo waun's ia schmeckt!
Kevin: Opa, echt jetzt. Du mochst des imma.
Opa: Wos denn!
Kevin: Du fuadast olle meine Freindinnen au!
Opa: Geh.
Kevin: I suach ma extra Dünne und du fuadast das auffi!
Kevins Vater: De letzte hod se bis heid ned erhoit.
Kevin: De is jetzt fett, Opa! Hea auf!

Bei rituellen Handlungen wird am Lande fettreiche Ernährung verzehrt (Symbolbild).

Dienstag, Mai 23, 2017

Schweinsbärte, Frauenpein und Walrossmadonnen: die Slowakei, deine fremde Nachbarin

Es folgt hier keine Werbeeinschaltung des Slowakischen Tourismusbüros. Wenn es mir für den folgenden, von beträchtlichem Wohlwollen befeuerten Reisebericht aber was überweisen will, wehre ich mich nicht. 
Eine im dekadenten Westen ignorierte Attraktion sind die Meerschweinchen-Beauty-Contests von Bánska Bystrica. Wir sehen hier ein Nackt-Exemplar mit markanter Gesichtsbehaarung: 


Die schönsten Schweine der Tatra-Republik werden auf Herz und Nieren geprüft. 


Kontakt zur Lokalbevölkerung ermöglicht der Frauenzwinger von Levoča:



In der prachtvollen Artikularkirche von Kečmarok ist Bischof Melchisedek zu bewundern, der einst den Heiligen Stuhl nach Oberungarn trug.


In Poprad wird in einer alten Kirche Deodorant produziert. 


Die herrlichste Denkwürdigkeit der Republik wird selbstverständlich im alten Rathaus von Bratislava für künftige Generationen aufbewahrt: eine dicke Bernsteinmadonna auf einem Lüster aus Walrosszähnen.


Das stimmt jetzt echt: Fahrt in die Slowakei, gleich!

Mittwoch, Mai 10, 2017

Tränen, Hip Hop und alte Hunde


Die Eule der Minerva schaut immer rückwärts, deswegen braucht sich auch niemand aufbudeln, wenn ich thematisch mit der LH-Sache ein wenig vertrödelt wirke. Zudem verfüge ich über herrliche Infos darüber, was der Pühringer jetzt in der Pensi macht! 
1. Tränen trocknen lassen. 
2. Ein Revival der überlebenden Beastie Boys einfädeln: 


3. Seine Pensi mit mir teilen, immerhin haben wir uns beim Bespaßen unseres geliebten Volkes abgewechselt:



4. Endlich einen wirklich guten ÖVP-Parteiobmann suchen: