Sonntag, Juni 01, 2025

Omaficker in Lehenrotte, ausgestopfte Pfarrer im Mühlviertel und Naturkritiker im Hallstättersee

Lebenskrimskrams im Mai 2025

1.5.

Für einen Moment glaube ich, jetzt wirklich alle in den Apps markierten Wege im Sengsengebirge zu kennen, wobei „kennen“ schon nicht stimmt, ich verkoffere mich immer noch. Außerdem gilt's höchstens für die Südseite, und da nicht. Es ist die beste unlösbare Aufgabe meines Leben, die ich mir ohne Not gesucht habe. 

2.5.

„Neue Erkenntnisse zu mumifiziertem Pfarrer“ als Headline auf orf.at – ist das ein gutes Zeichen für die Weltlage? Man hat ihn arschlings mit Zweigen, Stoff und Sagscharten angefüllt. Hochwürden ausgestopft wie ein Teddybär! Welcher arme Mensch musste damals diese Arbeit verrichten? Erich von Däniken habe im Übrigen vermutet, dass da Außerirdische Hand angelegt hätten.“

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Die sehr liebe und sehr junge Friseurin nenne ich „Marion“, dabei heißt sie Mariam. Was so wenige Buchstaben ausmachen. Sie ist aus Armenien gebürtig und schnippselt mit großer Fürsorge an mir herum, dabei versieht sie meine Wangenknochen, meinen Teint und die Haar“farbe“ mit Komplimenten – und sieht selbst 34xmal hübscher aus als ich.

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Es ist Urfix und dementsprechend viel los in Alturfahr West. Das Strandgut wird gut frequentiert, was aber nicht an meiner Lesung liegt, sondern daran, dass viele junge Menschen darum bitten, hier ludeln gehen zu dürfen. Mich kränkt das Ausbleiben des Publikums nicht, wir ratschen gemütlich vor uns hin. Unmittelbar vor dem geplanten Lesungsbeginn kommen doch noch fünf fremde Menschen daher, die ganz freundlich um die vereinbarte Leistung ersuchen. Am Ende stel sich aber heraus, dass zwei der neu hinzugekommenen Frauen praktisch kein Wort verstanden haben, schon gar nicht meine dahingeplauschten Zwischenmoderationen im Dialekt. Meli sagt am Ende, sie finde die Lesebühne lustiger, „bist ma eh ned bes?!“

Weiterhin kommen dauernd junge Burschen vorbei. Zwei bleiben bei Fini stehen. „Was ist das für eine Rasse?“ „Sie ist...“ „Cool, und wie heißt er?“

3.5.

Gemeinsames Schuften im Garten gegen die botanische Entropie – aber weil uns die neue Mauer so eint, geht alles halbwegs harmonisch vonstatten. Abends bei Nachbars. Das Geburtstagskind prahlt vor Neuangekommenen mit unserer schlechten Nachbarschaft. Wir trinken dafür zu Fleiß den Wein, den wir selbst mitgebracht haben.

4.5. Hallstatt („Tonspuren“) 

 

Zu meiner Überraschung gibt es einen täglichen Direktzug von Wien nach Hallstatt, in dem ich den Hirschl nicht sofort finde, weil sehr viele andere Passagier*innen auch lange, dunkle Haare tragen (und von mir als Asiat*innen gelesen werden). Fini aber spürt den Herrn Erfolgsautor sofort auf. Julia steigt in Wels zu und spürt Fini sofort auf.

Ab Gmunden muss ich sehr an mich halten, um nicht dauernd die Berge zu benennen („Für Blinde und Sehbehinderte wird diese Zugfahrt im Zweikanalton übertragen“).

An der Anlegestelle wartet der Bürgermeister auf uns, ich „beschwere“ mich über das Fehlen einer kleinen Blasmusik. Er fragt mich, ob er leicht der Gemeindeärztin verschergen solle, dass es eine fiktionale Version von ihr gibt!? „Owa i woaß eh ned, ob's zan Lesn kimmt.“ Dann führt er uns an die Hotspots, wo er selbst eigentlich sich nicht mehr anschauen lassen will, wegen Überlastung. Später lädt er uns auf einen Kuchen ins Kaffee, dort erzählt er vom Spalierbaum, der händisch bestäubt werden muss. Am Ende streichelt er Fini. „Jetzt mog i mei Kotz scho so, wia muass des mid am Hund erscht sei?“

Hirschl und Julia waren praktisch noch nie in Hallstatt. Es ist überraschend interessant, das Dorf mit ihren Augen zu sehen. Elias ist ganz begeistert von der „Hallstätter Luft“, wenn die Flasche nur 5 € gekostet hätte, würde sie schon in seiner Wohnung stehen.

Er sagt, er könne es sich jetzt endlich eingestehen, „dass ich die Natur nicht mag.“ Immer wieder habe er versucht, in einem Café im Gastgarten zu schreiben, „aber entweder ist es zu heiß oder zu kalt, oder der Wind geht. Dann kommt eine Fliege.“ Später geht er in den 10° Grad kalten See baden, draußen ist es keinen Deut wärmer, der Hund zittert im Wind. 

 

Einmal habe er der Jelinek einen handgeschriebenen Brief geschickt, weil er dachte, das sei nun ja schon eine ältere Dame, und er habe sich geschämt, als sie ihm per Mail antwortete (worin sie ihn unter anderem darauf aufmerksam machte, dass „Hirschl“ einfach die deutsche Übersetzung von „Jelinek“ sei).

Francesca Herr wird später unter Hirschls Hallstatt-Posting kommentieren, sie sei Anfang 2000 mit ihrem damaligen Freund auf die Schnapsidee verfallen, in Hallstatt Silvester zu feiern. Untergekommen waren die beiden bei zwei 90-Jährigen, die von den Jungen mit Mama und Papa angesprochen werden wollten. 

5.5.

Öffentliche Anreise mit Zug und Bus nach Hause. Mit dem Rad wäre ich schneller von Wels hierhergekommen. Neuland Eiselsbergerstraße in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ein später Februartag im Mai, die Landschaft ein kalter Dschungel.

6.5.

Es gibt ein Tier namens „Gleichfarbkuskus“ (in der ZEIT dann gleich doppelt in der Rubrik „Du siehst aus, wie ich mich fühle“ verwendet, zu Coalas Ärger, „grad bei so einer wichtigen Sache!“)

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Für eine Besprechung muss ich mit der Fähre nach Ottensheim. Ab jetzt möchte ich in den warmen Monaten den ganzen Parteienverkehr hier erledigen, mit Kaiser-Mühlecker telefonieren, mit M. den Workshop besprechen. Paulo Danubio begrüßt mich vor den Pendlern und Radlpiefkes mit „Zeawas, Frau Präsidentin!“ Zahlen muss ich nichts, „jo, zoag ma's hoid, die Stroafal.“ Zum Abschied sagt er „A scheens Wochnend!“ Ich bedanke mich, es sei halt Dienstag. „Wird scho wieda amoi ans kumma.“

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In der Boulderbar sagt der Typ, der aussieht wie der Mark Wahlberg von Pasching, dass das bei mir so leicht aussehe. Tatsächlich scheint mich der Kampf gegen den Dschungel im Garten wieder etwas ertüchtigt zu haben. Trotzdem stelle ich mich selbstverständlich nur in Boulder, bei denen ich den Arsch vom Boden kriege.

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Die neue Humor-Kategorie bei Grisse- und Stermann gefällt mir sehr gut: 1-Stern-Bewertungen auf Google. Die Votivkirche sei „zu religiös“.

7.5.

Stimmung und Aktivitätsdrang sind augenscheinlich direkt an den Stand der Sonne und die Temperatur gebunden. Heute leichte Manie, ein Zwischenhoch. Ich trage 37 Kilo Granit vom Donaustrand nach Hause. 

 

Wahrscheinlich ist das auch schon die Vorbereitung fürs experiment literatur. Ich will nicht mit faulen Händen dem Kaiser-Mühlecker begegnen. Entweder ist er ein wenig kokett, oder er weiß wirklich nicht, wie absurd fleißig er ist. Während ich mich schon vom Einfamilienhaus eingespannt fühle wie ein alter Ochs ins Joch, macht er Landwirtschaft und Literatur jeweils de iure im Nebenerwerb, de facto in Vollzeit.

Die waschaecht-Präsidentin schaut in den bummvollen Raum und sagt lächelnd, „jetzt miass ma schaun, dass ma mid de Zoin wieda owakemman!“

Kaiser-Mühlecker liest er extra für mich die Beschreibung des Toten Gebirges und für den Buttinger die Angelszene. Auf die Frage, welche Rolle die Landschaftsbeschreibung in seinem Werk habe, sagt er, in „Schwarzer Flieder“ sei ihm eine sehr schöne gelungen, seither probiere er es immer wieder einmal. 

Man müsse an den Figuren „alles herunterklopfen, was gefällt, was sie sich zulegen, was die anderen denken.“ Wenn sie so dastünden, wisse man erst, wer sie sind.

Er berichtet von einer Schreibwerkstatt in Edenkoben, bei der sich niemand dafür interessiert habe, wie er denn das Schreiben angehe, sondern nur, wie sie Jo Lendle bezirzen könnten.

Beim Biertrinken sagt er, eigentlich habe er mit dem Motorrad kommen wollen. Sofort verschwinden er und der Buttinger in einem tiefen Fachgespräch.

8.5.

Aktuell wieder das verstärkte Gefühl, dass ich mir meine Zeit zu billig abkaufen lasse. Vielleicht versehe ich meine Zusagen mit einer Schönwetterklausel. Wenn ich nicht wandern gehen kann, wird’s teurer. Obwohl da – mein einziger heutiger Termin – der Frauenarzt eher nicht mittun wird.

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Am Nachmittag gehe ich mit dem Einhell-Arsenal auf den Garten los, bis es raucht – der Buttinger ruft nämlich an, „mia ham an neichn Bobst.“ Minuten später sehe ich einem US-Amerikaner zu, der mit Blick auf den Petersplatz mit den Tränen kämpft. Im ORF wird eine „Vatikanista“ befragt (lauter neue Berufe, ich kannte nur die „Barista“). Später nutze ich die Gelegenheit, eine dumme Geschichte darüber zu schreiben, dass der neue Leo meinen Garten irrtümlich für einen Teil der Landesgartenschau hält und mich besuchen will, damit er ein paar Stunden Ruhe hat. Es muss ja wirklich das schlimmste Leben sein. Nie mehr allein, nie mehr in der Nase bohren, keine Granitsteine stehlen, vom Wandern ganz zu schweigen, das Tote Gebirge ist gestorben für einen Papst. 

9.5.

CliniClowns-Gala im Posthof. Weil wir gleich vor dem Start eine Verspätung aufzwicken, schlage ich den BlöZingers vor, der Einfachheit gleich miteinander aufzutreten, haha. Es sind alle sehr lieb, aber der Zeitplan ist schneller Makulatur als ein Papierbrand. 

 

Backstagejausnen mit dem lieben Winkler, Plauschen mit dem lange nicht mehr gesehenen Ex-Nachbarn. Seine Gattin und er haben noch einen Nachzügler bekommen, „glei nei Monat, nochdem ma aufs Laund zong san, woaßt eh, es hod dauat, bis es Kawöfeanseng valegt hom.“

10.5.

In Burma gibt es von Chinesen betriebene Lager für Scam-Zwangsarbeiter, samt extra eingerichteten Luxuswohnungen und Büros für die noch bessere Täuschung.

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So lange und sorgfältig alle verholzten Körperstellen durchgedehnt, dass zumindest der Körper getäuscht ist und glaubt, entspannt zu sein.

Dann nach WIEN 

 

zum Hochfest der österreichischen Slamily: 100 Jahre Markus und Mieze. Die wenigsten unter uns sind wesentlich jünger, es wundert uns wohl alle, dass wir Slam-Urgesteine sind. Sehr jung natürlich der Hirschl, der mir mit gut gelaunter Fassungslosigkeit berichtet, wie die Überraschung gelingen konnte: „Die beiden sind seit JAHREN systematisch belogen und betrogen worden!“ Peter Clar musste extra nach Ottakring rasen und hoffen, dass keiner der beiden schon die Post geholt habe, denn der Verlag hat die Vorschau eine Woche zu früh versendet (irre eigentlich, das HERBSTprogramm im Mai, aber so machen es jetzt alle). Clar musste die unwilligen Nachbarn bitten, ihn reinzulassen, dann ins Postfach langen und den Brief herausstierlen. Zwei Jahre Heimlichtuerei beinahe umsonst! Mieze und Markus werden später erzählen, dass sie sich schon sehr gekränkt hatten, dass in den vergangenen Wochen alle ihnen gegenüber auf einmal komisch geworden seien; in Wahrheit aus Angst, sich zu verplaudern.

Wir alle warten gespannt auf das Jubelpaar, das glaubt, gegen gutes Geld bei einer Gendersache zu performen. „I hob extra wos gschriebn!!!!“ sagt Markus dann unter Tränen (eh der Rührung). Wie ihnen mitgespielt wird, checken die beiden wirklich erst in der Minute, in der sie sich in der ersten Reihe sitzend noch einmal umdrehen und sehen, dass sie jede einzelne Person kennen. 

So gefeiert werden nur Menschen, die nicht nur für sich selbst tolle Kunst machen, sondern im Lauf von Jahrzehnten sehr viel für andere getan haben.

Auf dem Weg zur Bar hält mich eine fesche Frau auf, „wir kennen uns ja!“ Ich nehme mich zusammen und täusche nicht vor, dass ich das auch so sehe. „Verena Stauffer!“ Ich entschuldige mich, ja!, stimmt! Dafür weiß ich, wann wir einander kennengelernt und zuletzt gesehen haben, im Literaturhaus vor etlichen Jahren. „Nein,“ widerspricht sie freundlich, das sei doch grade beim Frischmuth-Symposium gewesen. „Ha! Du weißt auch nicht, wer ich wirklich bin!“ lache ich, denn sie hat mich wegen der kurzen Haare mit Heidi Lexe verwechselt. 

Dann trinken wir alle relativ viel Bier. Heftiges Konspirieren mit Willi Landl und Nadja Bucher. Wenn ich mit ihr rede, bilde ich mir immer ein, selbst auch so lustig zu sein, aber es liegt fix an ihr. Sogar eine schwere OP hat in ihrer Schilderung noch Unterhaltungswert. Es ist wirklich alles ernst und alles lustig zugleich. 

Mit Mühe reiße ich mich los. Erst in Linz schlafe ich ein, es gelingt nur mit Mühe, rechtzeitig in Wels aus dem Zug zu torkeln. Wie schön wäre es, ein Fest zu geben, bei dem alle so lange schnattern und trinken können, bis sie sich einfach an Ort und Stelle hinlegen können. Ein Symposium, liegend, in spätrömischer Dekadenz. Oder besser, ein Bed-In mit Bier, auf einer gewaltigen Massencouch. 



12.5. Scheiblingtragl, Turmtal

Seit August zum ersten Mal wieder hinten im Stodertal, eine große Freude. Beim Wühlen im Geröll weiß ich natürlich wieder, warum es hier so einsam ist. Wahrscheinlich war's gut, dass ich durch Geiz beim Parkgeld meine Wanderzeit künstlich verknappt habe. Keine Ahnung, wo ich umgekehrt wäre, oder ob ich wieder gegen jede Vernunft in den Talschluss eingestiegen wäre. Nein, eher nicht – diese kurze, etwas zu wilde Zeit ist vorbei.

Zuhause dürsten schon die Pflanzen, man ist angehängt mit ihnen wie mit dem Hund.

Halbdämmerschlaf beim Forged-in-Fire-Special, bei dem US-Veteranen durch einen Messer-Parcour tappen und dabei mit „Thank you for serving!“ angebrüllt werden.

13.5.

Ein sehr langer Tag mit zu viel Reden. Der Hund schluchzt, als sie mich im Finstern erkennt, Buttinger ist mir mit ihr entgegengegangen. Zuhause heilsames „Golden Girls“-Schauen. 

14.5.

Von einer Reise nach Nepal geträumt, mit Supermarkt, europäischen Flüssen, aber absurdem Wohnbau. Keine Berge!

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Der ärgste Anti-Zeitraffer ist der Blick auf die „Fortschritte“ der Roman-Zeichen. Er wächst wie ein Stalagmit. 

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Weil ich mit M. so angeregt Kollegen ausrichte, steige ich nach dem Verabschieden ausgerechnet in den Zug, der nicht in Wels stehenbleibt. Gnadenlos fährt er auch durch Attnang-Puchheim. Es wird also Salzburg, und die Freude, nach der Sitzung einmal früher nach Hause zu kommen, wird nicht durch den Trost aufgewogen, dank Klimaticket zumindest keinen finanziellen Schaden zu erleiden bzw. endlich einmal Zeit fürs Falter-Lesen zu haben.

Was vorher geschah: Der FPÖ-Kultursprecher spricht so unangenehm unangreifbar, dass ich schon wieder unter Ambivalenz leide. Später plaudern wir mit dem Grünen Sevi über neue Bücher, der Dim kommt ja aus einer Rieder Buchhandlungsfamile, weswegen er auch weiß, dass ich morgen dort lese (bei der Konkurrenz). Er lobt die Tricks Wolf Haas' in „Wackelkontakt“.

Beim müden Heimwanken, wieder kurz vor Finis Schluchzen, sehe ich spätnachts einen ganz jungen Mann vor dem Barbershop mit dem schiachen Totenkopf-mit-Vollbart-Logo sitzen. Auf seinem Schoß eine wunderschöne sattgraue Katze. Seine Augen leuchten, als ich ihn frage, ob dieses prachtvolle Tier ihm gehöre. 

15.5.

Das Schlimme am Home-Office: Immer wieder kommt man am Bett vorbei und denkt sich, „so viele Stunden, bis wir wieder vereint sind!“ (Geschrieben um 13:09 Uhr, erfüllt um 23:38)

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RIED

Es ist keine Großkunst-Aufgabe, das 20er-Haus zu füllen, trotzdem freut mich das seltene Wort "Nachbestuhlung". Mit viel Disziplin lasse ich mein Honorar nicht gleich wieder in der Buchhandlung. Der (so wie alle hier) extrem freundliche Gatte der Inhaberin schenkt Wein aus. Als ich ihn in ein literarisches Gespräch verwickeln will, sagt er uneitel, er lese keine Belletristik, höchstens Sachbücher über Energie und Technik. Er arbeite so gern, das erfülle ihn ganz, sodass sein kleiner Wald schon vollständig zu Brettern verarbeitet sei. 

 

Bei einem älteren Herrn sucht Fini besonders oft Zuflucht. Er sei früher regelmäßig mit zwei Freunden auf musikalische Reisen gegangen; jeder nahm ein Buch mit, das er dann den anderen lieh. Aber einmal hatten sie sich nicht abgesprochen, sodass jeder einzelne „Schlafes Bruder“ im Gepäck hatte. „Das war blöd, aber da wusste ich, dass wir wirklich eine Band sind.“

Zwei Frauen sagen nachher, dass es ihnen sehr gefallen habe, das sei ihre erste „Autorenlesung“ gewesen, und dass sie sich „jetzt über andere auch drübertrauen.“ Ich bin geschmeichelt und hoffe, dass sie dann beim nächsten Mal ein bisschen enttäuscht sind. Aber das darf nie jemand lesen. 

16.5.

Noch nicht betrunken, aber keine Termine, bis 21.5.!!! <3

Fini hat die Stimmung mitbekommen, sie wechselt um 8:20 Uhr vom Nest auf die Couch, von dort um 9:10 ins Gewölbe unterm Kachelofen. Sie lebt mein Leben. Als ich ein entsprechendes Facebook-Posting herzeige, kommentiert Meli: „Irgendjemand muss ja dein Leben leben.“ Der Hund ist meine emotionale Powerbank.

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In der Literatur bewirtschaften wir die Verschiedenheit der Leute.

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Der entlegenste Ort der Welt heißt Point Nemo, die nächste von Menschen bewohnte Stelle ist die Besatzung der ISS im Moment, in dem die Raumstation über diesen Punkt orbitiert. (Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich möchte mir die Verrücktheit dieser Sache nicht durch die Realität ruinieren.)

[Nachtrag 10. Februar 2026: Es ist der ozeanische Point of Inaccessability, „it represents the solution to the longest swim problem.“ Jedes Land, jede Küste ist mehr als 2680 Kilometer entfernt.]

19.5.

Ein älterer Herr grüßt freundlich vom Rad, beim Heimfahren von der Donau sehe ich ihn auf einem Sperrholzhaufen sitzen, er muss dort die ganze Zeit eine Katze gestreichelt haben.

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Ein ereignisarmes Wochenende, vielleicht das letzte bis in den Juli hinein (und da müsste dann auch das Wetter schlecht sein. [Was es dann auch wahr, und wie. Feb. 2026] Ich habe so viel gelesen, dass es mir schon fast ein wenig zu blöd geworden ist. Endlich einmal wieder die Länge der Zeit gespürt – gerade deswegen ist sie mir auch zerronnen.

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Der Jasmin blüht! Ziemlich genau zwei Wochen später als 2024. 

 

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Meine publikumsträchtigsten Schreibakte sind je ein Insta-Kommentar bei Hossa („Mit Hass gekocht“), einer bei Böhmermann (vergessen, was) und einer bei Kaltenbrunner („Jetzt bitte die Boulderer verarschen!“). 

20.5. Schmiedalm, Stubwieswipfel, Hölltal: 

 

21.5. Türnitz

Die Größe Niederösterreichs erschließt sich, wenn man mit einem VOR-Bus bis an seine Endhaltestelle fährt. Viele Meter staubiger Schaufenster, etwa der 24h-DVD-Verleih in Wilhelmsburg. Sankt Fitness. Das Porzellanmuseum wird mit einer zerbrochenen Tasse beworben. „Heute kein Liftbetrieb“ in Lilienfeld. 

 

Überall blühen die Wiesen, es ist ein sehr schöner Tag hier im Bus. Immer wieder steigen Schüler ein und bald wieder aus. Die kleinen Buben reden Bubenscheiß: „Ich war in deiner Oma schon drin!“ Sie erschrecken, als ich Oma sie gehässig auslache. Der Omaficker steigt in Lehenrotte aus, neben dem Schild „Craniosacrale Impulsregulation“. Man soll sich Ortsnamenspott verkneifen – man findet das ulkig, lebt aber selbst neben Dickerldorf und Afiesl. 

 

Es ist fast eine Schande, den Tag in geschlossenen Räumen zu verbringen. Draußen flirren die Grillen, es rauscht die junge Traisen, fast ist man hier im alten Österreich in einem Talschluss.

Vor dem Termin war mir ein wenig mulmig, weil die Moderation gar so gut bezahlt war. Aber Schnecken, sie ist auch sehr liebvoll organisiert. Ab jetzt fangirle ich Türnitz - und Katharina Cibulka. Sie erzählt nachher beim viel zu guten Büffet, dass sie unter den allerletzten Menschen gewesen sei, die Bodo Hell gesehen haben. Carola Maier habe sie dazu gebracht, für ihren Film mit auf die Alm zu gehen. Cibulka gab nach, mit dem festen Vorsatz, sich von diesem ihr noch nicht bekannten Mann sicher nicht die Welt erklären zu lassen, und schon gar nicht die Berge. „Aber dann war der so ein Herzbär!“ Sofort haben sie gemeinsam Holz gemacht, sie selbst war ja auch einmal Halterin.

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In milder Euphorie zurück in den Norden. Ein Drittel der sehr langen Busfahrt führt durch das Gewerbegebiet von St. Pölten ("Spratzen"). Am Bahnhof steht Peter Filzmayer, bissl lost und grau, aber das kann auch daran liegen, dass man nicht gewohnt ist, ihn nicht sprechen zu sehen.

22.5.

Beim Bachmann-Wettlesen helfe ich natürlich heftig zu Max Höfler, aber auch ein wenig zu Verena Stauffer wegen der schönen Verwechslungsgeschichte vom 9. Mai.

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Wie soll ich arbeiten, wenn im Kirschbaum die Kohlmeisen budern? Die Amseln und der Gartenrotschwanz schimpfen, wenn wir am Vormittag ihr Revier betreten, man ist nicht mehr Herrin im eigenen Haus. Enteignet durch Vögel.

Als ich das wenige Tage später dem Haslinger klage, spricht er ganz illoyal: „Aber Dominika! Du musst halt dein Territorium schon früher besetzen, im März! Jetzt brauchst du dich nicht zu wundern!“ Solche "schönen" Freunde hat man.

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Beim Schulworkshop rede ich den sehr lieben jungen Damen ein, sich ruhig in Gewaltfantasien zu ergehen, da sie ja eine viel ungünstigere Zukunftsprognose haben als wir damals in den komischen 90ern. 

 

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Verwirrt schwimmt der Hund direkt über der neuen, offensichtlich nicht schwimmenden Hochleistungsfrisbee, die ich nach jedem dritten Wurf irgendwo in der ungezügelten Botanik suchen muss. Ächzend ziehe ich Schuhe und Hose aus und steige in die pitschkalte Donau. Gleich beim nächsten Wurf landet das Teil im unbarmherzig undurchdringlichen Brombeergestrüpp. Fini sieht mich erschüttert an, als ich die Suche aufgebe. Vielleicht kommt sie jetzt in die Pubertät (ja, auch dieses Leben muss sie leben!). 

Hier ist ein Picknick missglückt in den Donauauen:  

 

Zuhause heize ich mir allen Ernstes den Kachelofen ein und entnazifiziere die Erbbibliothek – alles, was Mitglied der Reichsschrifttumskammer war, fliegt raus.

23.5.

Ich leide an meiner Persiflage von „Wasted Love“. Wie muss es erst echten Musiker*innen gehen, die jahrelang denselben Song üben und singen müssen?! Mittlerweile fast ein kleiner Alptraum. Ist die starke Neigung zu Ohrwürmern neurologisch bedenklich? Denke ich zu wenig, dass mein Hirn so unterbeschäftigt ist wie ein gelangweilter Bordercollie? [Feb. 2026: Schon vom Bloßen Abtippen Ohrwurm!!!]

Sehr schön's war's wieder bei der Lesebühne, schon alleine, weil der Decker fotografiert hat. Da könnte man alles nachlesen.  

 

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Die Tipps machen in ihrer Ankündigung der Lesebühne aus unserer Kapelle die „Blutbuchengruppe“ (oder hab ich das selbst so geschrieben?). 

Für die volle Lesebühnen-Dröhnung hier noch meine elf schlechtesten Gartentipps. 

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Mit keiner anderen künstlerischen Leistung prahle ich so ungeniert wie mit der Verkupplung von W. & D. 

 

24.5. 

Eine Ausnahme von der Regel "Es sind nie dieselben, die bekommen und die geben". Nachdem ich dem Alex in die Pension hinein recht schön getan habe, steht dann das in den OÖN:  

 

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„Zitronen“ von Valerie Fritsch: Es ist gut, dass es mir gefällt, denn ich muss es lesen. 

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Voixfest. Ein sehr alter Freund des Buttingers („da aanzige, der Heroin üwalebt hod“) erzählt, als ich ihm den Namen des Hundes nenne, von der strengen Fini im Café Urbann. Einmal habe er ein Kindereis bestellen wollen. „Bisd du a Kind?!“ „Owa a Advokatn-Eis derfn ja aa ned nua Advokatn bstöhn!“ „Wos du jetzt bstöhn kaunst, is a Lokalverbot.“

Nach dem ersten Rum sofort heim, ein Triumph der Vernunft. Das Nicaragua-Kommitee liegt eh schon wieder unter Bierbank. 

25.05.2025 – ein hervorragendes Datum!

Weitere Fortschritte beim Bibliotheksausmisten. Es ist aber immer noch viel Nazizeug drin gewesen! Mehr als ich auf einmal in den Ausmiste-Tombolaraum tragen kann. Ab und zu frage ich mich, ob man das nicht zu Geld machen könnte. Andererseits kostet ein Tombola-Los 3€, es wird wohl auf das Selbe hinauslaufen. [Nachtrag Februar 2026: Man kann das Zeug an Bookbot schicken, aber dort kauft's auch niemand, was ich gut finde.] Wie viele Privatbibliotheken haben sich hier eigentlich absedimentiert? Meine eigene, die Eltern, die vom Schneider-Opa und vom Halfinger-Franzi. Spenden der katholischen Frauenbewegung Gramastetten... Das einzige Buch aus dem Besitz Theresia Meindls ist „Das Schatzkästlein der Jungfräulichkeit“. Und ich übergebe dem Altpapier die Schrift „Nibelungenreisen über die Ochsenstraße 1942“!

26.5.

Nach WOCHEN erstmals wieder weißer Raum unter dem letzten Email.

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Im Mai ist der Bücherstapel für den Grundlsee schon einen halben Meter hoch. Schon jetzt tröste ich mich bei Schlechtwetter, „naja, der Juli kommt ja noch.“ [Weit gefehlt, Feb. 2026, siehe oben].

27.5.

Am Wochenende soll ich zum ersten Mal eine wirkliche Schreibwerkstatt leiten. In Wahrheit müssen mir die Leute sagen, wie sie das Schreiben schaffen.Mehr arbeiten als an diesen Tagen mag ich dann heuer nicht mehr, aber ich brauche auch einen neuen Zahn.

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Glückliches Herumräumen in Haus und Garten, würde man mich bloß dafür bezahlen! Immerhin bezahlt mich der Jasmin.

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Eine der ersten beobachteten Alzheimer-Patientinnen sei „seelig abgeleibt im Herrn“, berichtet die ZEIT.

29.5. Salzburg

Zwei ältere Damen im Zug, irgendwo bei Attnang-Puchheim: „Du bist a Gscheite!“ „Haha, danke!“ „Weil sunst warsd jo ned mei Freindin.“ „Haha.“ „Weil Dumme mog i ned.“

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Der Dom dröhnt abends so heftig, das würden die Anrainer in Linz sofort stillklagen. In diesem sanierten Barock hätte ich nichts werden können. Wenn es morgen regnet, gehen wir ins Haus der Natur. 

30.5. Salzburg

In der Nacht tiefe Verwirrung, wo ich denn gerade sei.

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Alle Salzburger*innen, mit denen man hier ins Gespräch kommt, sind eigentlich aus Oberösterreich und hassen Salzburg.

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In der Ankündigung in der Krone steht „Domenika Meindl und ihr Kabarett über Haushaltsgeräte! Einblicke in die kleine Welt heiterer Alltagsmelancholie“. Es sind aber alle sehr lieb, ich bin zwar nach dem vielen Reden am Tag müde, doch so geht’s. Der Kaiser R. ist gekommen, wir bekommen alle nasse Augen beim Reden über den Vater.

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Zur Erholung vom Tag und der barocken Pracht hole ich mir noch ein Dosenbier von der Tanke. Es ist sehr schön am Salzach-Strand. Der Turm des Fernheizkraftwerks ragt wie ein betonierter Stinkefinger ins Stadtbild.

 

31.5. Salzburg – Black Horse

Es erfüllt mich mit großem Respekt, wie gern alle schreiben. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir zu Mittag den Hut draufgeworfen. Sie wollen auch wirklich von mir kritisiert werden, was ich wiederum nicht will. Kurz überlege ich, ob ich Autorität einbüße, aber welche Autorität überhaupt?

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Buttinger holt mich am Bahnhof, füllt mich mit Kozel ab. Es wird jetzt Sommer und wir zählen die Tage. Hier übrigens das letzte Bild mit der Wirtskatze Pinsel.  

Montag, Mai 26, 2025

Botanische Besachwalterung: Die 11 schlechtesten Garten-Tipps der westlichen Welt

Hier zu sehen der Versuch, eine Wildschweinsuhle im naturnahen Garten anzulegen. 

Als unlängst die Autorin Barbara Frischmuth verstarb, sah man die „passionierte Gärtnerin“ in ihrem Altausseer Blütenmeer liebevoll an Blümchen zuppeln, mit reinweißen Fingerkuppen und sterilen Nägeln. Schon alleine deswegen möchte ich in den kommenden 40 Jahren noch nicht sterben, um derlei Peinlichkeit zu vermeiden. Wenn die Gemeinde Wilhering auf die Schnapsidee kommt, mein Grundstück als „Dichtergarten“ zu vermarkten, wird mich die Scham noch Jahrzehnte überleben. Ich muss in meinem „Garten“ aufpassen, nicht von Löwenzahnsamen befruchtet zu werden, vom Kirschlorbeer deprimiert, vom Giersch verhöhnt, vom Efeu umschlungen. Antiautoritäres Gärtnern. Die Pflanzen dürfen selbst entscheiden, wo sie sich hinentwickeln wollen, und deswegen wachsen sie mir über den Kopf. 

Trotzdem hier meine Gartentipps! Es lehrt ja auch das schlechte Beispiel. 

1. Sämtliche Ausgaben bei Bellaflora und Lagerhaus von der Steuer absetzen, als Sonderheilmittel „Ergotherapie“. Bei Kontrollen des Finanzamts angeben, dass man im Dreck wühlen müsse, um Totschläge zu vermeiden. #mentalhealth #meindlhealth

Apropos: 2. Wenn es doch passiert, dass man zufällig Donald Trump oder Vladimir Putin Radieschen naschen sieht, Augen zu und durch, und zwar in der Mitte, die spüren das eh nicht, wenn man es mit einer scharfen Gartenschere macht. Und es ist ja der eigene Grund und Boden, da kann man tun, was man will. Aber kein Schneckenkorn verwenden, das tötet Despoten nicht zuverlässig, wohl jedoch Nützlinge wie Tigerschnegel und Weinbergschnecken.

Tipp 3: Die Leichname von Erzfeinde gehören an sich in die Tierkörperverwertung, weil so ein menschlicher Leib voller toxischer Schadstoffe ist. Ich rate dennoch zur Entsorgung im eigenen Garten, z.B. als Füllmaterial im neuen Hochbeet (Wühlmausgitter drunter nicht vergessen), denn eine lebenslängliche Haftstrafe schadet dem Garten noch mehr, wer gießt dann 25 Jahre lang die Hortensien?

3a. Toten Trump eingraben, geschützte Pflanzenarten draufsetzen, dann können die Behörden wegen Naturschutz nicht mehr ermitteln. 3b. Garten als Friedhof anmelden, um Grundsteuer zu sparen.

4. Sich im eigenen Garten bestatten lassen, entweder im Mausoleum oder im Hügelgrab mit individuell abgestimmten Grabbeigaben, das ergibt ein Hallo bei den Archäolog*innen der Zukunft! „Whoa schau, des muass a mächtige Frau gwesn sei, des is a rot-weiß-rote Schärpn!“

5. Wenn man einen Putsch plant, zur Übung das Erdbeerland annektieren und eine Teilnahme am Songcontest verlangen, diplomatische Vertretungen in aller Welt, EU-Antrag stellen, Fußball-Großevents an Land ziehen. Über die Normalisierung der Verhältnisse Fakten schaffen.

6. Bohnen nur zwei Zentimeter tief in den Boden legen, dazu Kukuruz als Rankhilfe, Kürbis ist ein Starkzehrer.

6a. Wer keinen eigenen Garten hat, bitte das Matriarchat unter meiner Herrschaft unterstützen, um die reichsten 5% zu enteignen und deren Liegenschaften fürs Volk zu parzellieren.

7. Wenn der Garten scheiße aussieht, so tun, als wäre man Andre Heller und wolle der Region einen Zaubergarten der Magie schenken, damit die Menschen in sozial erkalteten Westen das Staunen wieder lernen können. Die erhaltenen 34 Millionen Kulturförderung zum Maschinenring tragen, da geht sich evtl. der Vorgarten aus

8. Freunde mit Rasenmäherroboter regelmäßig ächten bzw. Bilder von zerhäckselten Igeln schicken. Laubbläser NICHT kaufen. Einfach nicht.

9. Vorgarten unter Schotter und Kies ersticken, wenn man nicht mehr so viel Arbeit haben will und keine Angst davor hat, für deppert gehalten zu werden. Mit alten Bergschuhen dekorieren, aus denen lustige Sukkulenten wuchern. Damit hält man auch verlässlich genäschige Lebewesen vom Anwesen fern, mich z.B.

10. Bei der OÖN-Gartenwahl teilnehmen und nach verdienter Niederlage in einem weinerlichen Facebook-Post darüber klagen, dass dieses Scheiß Land seine Kunstschaffenden erst ehrt, wenn sie einmal tot sind!!!!

11. Apropos: Einfach aufgeben und eins mit dem Erdboden werden, sich von Rosenkäferengerlingen fressen lassen, so wird aus dem schlaff gewordenen Leib wieder was Schönes. #upcycling

Donnerstag, Mai 01, 2025

Rassemerkmale, Erdarbeiten und Weißweinträume

 

Lebenskrimskrams im April 2025


2.4.

Ein Corgi stürzt sich mit dem „rassetypischen“ Selbstbewusstsein auf Fini, der es sogleich den Kamm aufstellt, aber sie traut sich nicht zu knurren. „Bodo, geh her do!“ schreit die Erziehungsberechtigte. Es ist mir peinlich, dass ich nicht anders kann, als in diesem Moment daran zu denken, in welcher Doline unser lieber Bodo Hell liegen mag.

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Beim experiment literatur liest Anna die Geschichte vor, in der eine Künstlerin ihre Residency nicht aufgeben will (da denke ich natürlich an den Grundlsee). Der Hund darin heißt Bobo, der Gatte der Vermieterin Bodo.

Fini liegt zu Füßen Robert Schindels, obwohl er sich davor in Bezug auf Hunde als „indolent“ bezeichnet hat. Anna hingegen ist ganz geknickt, weil ihr der Bub unlängst mitgeteilt hat, er wolle keinen Hund. „Das ist der erste Akt der Rebellion!“ 

 

Schindel schlägt vor, ich solle ihn als „Robert Menasse“ ankündigen, ich dürfe überhaupt sagen, was ich wolle, auch da sei er indolent – außer, dass er schiach sei. Einmal habe man ihn bei einer Lesung tatsächlich gefragt, ob seine Nase ein „Rassemerkmal“ sei. Er ist bei der Selbstveralterung noch radikaler als ich („ich bin im 47. Lebensjahr“), weil er kurz vor seinem 80er sagt, er sei schon 90.

Während der Lesung zeigt es sich, dass Wels eine neue Närrin hat. Auf meine Frage, warum Anna und Robert so gerne und beherzt Schreibwerkstätten abhielten, doch wohl nicht des Geldes wegen, kräht sie aus dem Publikum heraus „in unserem Alter braucht man eh kein Geld mehr!“ Roberts Lesung begleitet sie dann mit emphatischen Bewunderungsbekundungen (positiver ageism, was an sich nachvollziehbar ist, wir lieben den Schindel alle).

Nach der Lesung kommt sie an unseren Suppentisch und fragt mich barsch, ob ich vom Magistrat sei. „Nein, freischaffend.“ „Aha! Welche Ausbildung braucht man dafür?“ „Na, keine.“ „Das ist gut, ich bin ausgebildete Kürschnerin, aber jetzt möchte ich Kritiker werden!“ Sie sei jetzt 71 und habe wieder ein Leben, das sie ganz offensichtlich der Behelligung der Öffentlichkeit widmet. Später erfahre ich, dass sie im Programmkino während des Films eine Art Audiokommentar für Blöde eingesprochen habe. Im Schl8hf textet sie alle mit wenig brauchbarem Lob und Tadel zu. Noch nie in meinem Leben habe ich die gute Sonja mit den Augen rollen sehen. Einem Antifa-Freund sagt sie „Ha! Jetzt waaß i, von wo i di kenn, vom Brunch midm Bürgermeister!“ „Des glaub i ned.“

3.4.

Ein geglückter Tag. Es ist erwiesen, dass mich Erdarbeiten äh „erden“.

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Die Stunde vor der Deadline ist der Urknall für ADHSler.


4.4.

Kirschblüte!!!

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Der übliche Trallawatsch vor der Lesebühne. Eigentlich hätte ich das Frackhemd bügeln müssen, aber vorher habe ich einen zu schönen Hund getroffen und zu lange gestreichelt. Es wird eh niemandem auffallen.

Max Höfler ist fast schon zu lustig für uns! Ich bin Fan von der ersten Sekunde an. Er hat sich anlässlich der Verleihung des Peter-Rosegger-Preises im Internet einen hautengen alten Skirennanzug um 15 € besorgt, „weil Gewinner in Österreich eben so aussehen.“ Er trägt seinen rant gegen Pinguine vor, nach dem ich ihm vorwerfe, seinen schnellen Hartberger Charakter auf andere zu projizieren, dabei stehe ich auf, um ihm im ungebügelten Frack meine Outfit-Mimikry vor Augen zu halten. „Dubist es, die projiziert!“, schreit er vergnügt. Es passiert an diesem Abend nur Schönes rund um ihn, am besten gefällt mir fast, wie er unser scheußliches „All for Love“ mit Bildern des ungeliebt gewordenen Amerika-Riesenbildbandes „Alle 50 Staaten“ illustriert. Foto Decker, eh klar: 

5.4.

Vom Glück des Bastelns windschiefen Zeugs (ein schiefes „Regal“ im schiefen Gewächshaus).

6.4.

Eh nicht allzu tiefe Krise beim Bouldern bei der Nebenerkenntnis, dass der in der Halle laufende Grunge-Soundtrack älter ist als alle rund um mich sich hier ertüchtigenden Trendsportler*innen. Alle sind sie auch besser als ich. Hier kann ich vor allem trainieren, mich wehrlos ins Altern zu fügen.

7.4.

Wieder in einer Stunde fünf Seiten Projekt hingeschnalzt: „(Don't) Panic“, gewidmet der Frage, warum wir nicht alle immer ausflippen. Der Ausschreibungstext hatte mich etwas irritiert, bis ich draufkam, dass den ja ich selbst in der letzten Stunde vor der Deadline hingeschnalzt hatte. Wie viele Stunden mehr müsste ich an einem Text arbeiten, um ihn signifikant zu verbessern?

[Nachtrag Juni: Dieses Mal wurde der Antrag nicht angenommen, was nicht nur angesichts der Mühewaltung sehr ok ist.]

Zum Thema "Integrationsgrad":  

 

9.4.

Man soll beim Aufschreiben von Erlebnissen nichts erzwingen, wenn sich nichts tut.

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Waschküche. T.: „Nimmst da eh wos mid?“ „Na danke, i geh moang a Skitour.“ T. zu G.: „Jetzt lossd's noch.“

Beim Kulturplanen stellt sich heraus, dass die Kürschnerin ihr Ziel, stadtbekannt zu werden, binnen Wochenfrist erreicht hat. Sie meint es ernst mit Wels. Sie nimmt überall ihr eigenes Bier mit, um Geld zu sparen, weswegen sie auch keinen Eintritt bezahlt (sie wartet immer so lange, bis niemand mehr an der Kassa sitzt). Wo sie aufschlägt, ist ihr egal. Vor wenigen Tagen wurde sie von einem Heavy-Metal-Konzert hinausgeschmissen. Draußen rief sie dann die Polizei, wegen Altersdiskriminierung, und weil es so kalt sei. Die Beamten begleiteten sie wieder hinein und trugen den Zuständigen tadelnd auf, lieb zur Dame zu sein. Später fuhr sie dann stark betrunken mit dem eigenen Auto heim. 

10.4.

Im Triebental mit L. Oben mobben uns gemeine Böen. Bei der Abfahrt checkt Fini endlich, dass sie nicht in unsere Geräte beißen darf. Eine gute Abschlusstour in dem Sinn, dass man danach sechs Monate lang keine Lust mehr hat. Aber immhin gute Gesellschaft und man ist weg von der Straße. 

Hier sieht's so aus, als wolle mich die unsichtbare Hand des Marktes nachdenklich machen. Oder besser: Ich beiße in die Hand, die mich füttert.  

 

11.4.

Klo- und Fensterputzen als Indiz meiner Flucht vor dem Roman. „Die Raumforderung“ ist ja irgendwie schon fertig erzählt, außerdem hat mir noch niemand eine Deadline gegeben. Ich schreibe dort und da etwas dran, nur damit beim nächsten Öffnen des Dokuments ein paar Zeichen mehr dastehen. Flucht in windschiefe Bastelei.


12. April

Restlose Integration bedeutet, am Samstag mit einem grauen Kombi Hasengitter im Lagerhaus kaufen.

Es gibt kein Eck im Garten, in dem nichts zu tun wäre. 

 

Ch. sagt, er wage sich nicht mehr so weit ins Tote Gebirge hinein, dafür habe er zu viel Respekt, das sei ja eine Mondlandschaft, wenn er da drüberfliege. Ich weise ihn der Wahrheit wegen darauf hin, dass Gleitschirmfliegen recht eigentlich die beängstigendere Freizeitbeschäftigung sei. 

13.4.

Zwei tüchtige Stunden in der Kletterhalle ermöglichen einen Resttag im Liegen. Im Übrigen gibt es in Wels Griffe in Sokratesform. Wenn ich mich recht erinnere eine lustige Pointe des Denkers, der Ideen (=Formen) für wichtiger als die physische Welt hielt.

 

14.4.

ALLES ist besser, wenn man wieder kurze Hosen tragen kann dabei (nur der Look nicht).

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Überraschende Schreibattacke, wahrscheinlich hat es der Körper in der Kletterhalle begriffen, dass er sich die Geistesruhe erarbeiten muss. Ich brauche also eine Idee + dass mich die Realität nicht behelligt, durch Termine etwa + einen Tag mit brauchbarem Selbstwertgefühl, um überhaupt etwas stehen lassen zu können. Derzeit stirbt Arthur am Cho Oyu oder Everest, Johanna revanchiert sich postum.

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Insgesamt kein schlechter Tag. Mit Pintars zum Donaustrand. Das geschenkte stählerne Hochbeet von uns braven Pferden + Azesbergerdamen-Support flugs an die richtige Stelle getragen, wo es fast zu schick für den verwucherten Restgarten aussieht. 

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Ich löse mich nur schwer, aber heute wird Carolas Film über Bodo Hell gezeigt. Es gibt eigentlich nichts von ihm, das es nicht wert wäre, gelesen, gehört und zitiert zu werden. „Dem ganz normalen Alltagswahnsinn zur Sprache zu verhelfen.“ „Dinge, die ich als Autor gar nicht alle verstehe.“ Als Carola ihn fragt, warum er seit 1979 jeden Sommer auf die Grafenbergalm geht: „Weil ich noch lange nicht alles gesehen habe.“

15.4.

Ein besonders hübscher dunkelbrauner Welpe mit dem in österreichischen Ohren nicht gut gewählten Namen „Rafiki“ tollt über den Strand, die Besitzer müssen ihn andauernd rufen.

Der Garten explodiert, der Trockenheit zum Trotz. Die Apfelbäume haben mir meinen groben Schnitt verziehen und blühen eifrig. Wenn man ein Hochbeet zu befüllen hat, verwandelt der suchende Blick den gesamten Garten in Grünschnitt.

Flussregenpfeifer an der Donau, ein Buntspecht auf dem doch noch nicht ganz toten Marillenbaum.

16.4.

In einer erschöpften Gartenarbeitespause reden J. und ich ein wenig über unsere lebensbejahenden Partner*innen, die so sanieren und bauen wollen, als hätten sie noch viel länger als die erwartbaren 30 Jahre zu leben (und gottverdammich, das sollen sie!). Wir Freunde des Provisoriums hoffen darauf, dass der Krempel grad noch so lange zusammenhält wie der eigene Leib. Wenigstens ist uns die Arbeit lustig.

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Badende Hunde <3

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Buttinger sieht sich in der Nacht zur Erholung von der Büroarbeit Dokus über die schädlichen Einflüsse TikToks oder den Cum-Ex-Skandal an, „weil ich das einmal verstehen will!“So verschieden können Liebesleut' sein. 


17.4.

Wenn man im Obi eine Schaufel kauf, schaut man schnell einmal so aus, als plane man einen Mord. Derzeit könnte ich die Leiche wirklich sehr leicht im neuen Hochbeet versenken, aber mir fällt niemand ein, den ich wirklich entleiben würde. Wollen schon, aber zum Tun reicht mir die Skrupellosigkeit. Und fände ich die Leichen Trumps, Musks oder Putins, würde ich ja wollen, dass die Welt davon erfährt. 

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Vergangene Nacht wieder der Alptraum, ich hätte aufgegeben und mich in eine Anstellung gefügt. Zwar lag das Büro vage am Grundlsee, aber ich musste mir braun-beige Kleidung kaufen und ein Halstuch. Was meine Aufgabe war, würde ich herausfinden, ab jetzt eilte nichts mehr, weil ich ja mein restliches Leben hier absitzen muss. Durchs Fenster sah ich einen Berg, ich dachte, wenn es an einem der kommenden Wochenenden schön ist, kann ich da ja rauf. Ich tröstete mich mit Ausblick auf das Geld, als Preis meines Lebens. Das kommt vom Weißweintrinken!!!!

18.4.

Aufgeweckt durch ein ungewöhnliches Geräusch: Regen. Die Bergfex-App hat ihre Prognose unter Eindruck der Gegenwart von „0%“ auf „9l“ korrigiert.

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100 Jahre F. & A. – es ist eine große Freude, ein Abend wie damals im Rothen Krebsen! Ich rede dem anwesenden Volk als Festrednerin ein, dass A. bei einer Nilkreuzfahrt zur Welt gekommen sei, die Mutter habe zuerst eine Magenverstimmung befürchtet und sich dann recht gefreut. Da erst sehe ich, dass die Eltern alle da sind (und zum Glück lachen). 

Kurz vor dem sehr anrührenden Karaoke-Schluss erzählt mir der Al, dass einst KP Liessmann ein sehr empörtes Email an den Czernin-Verlag geschickt habe, als er sah, dass der Prolet Austrofred auch hier verlegt werde. Definiere „Snob“.

19.4.

Nach der Erschöpfung durch das Fortgehen Erschöpfung durch Einbetonieren der Vorplatz-Platten. Ich gebe mein Bestes. Alles für die Würschte, die ersten lösen sich noch am selben Tag. Wie zum Trost sitzen dann der Hirschl und Chris im Black Horse. Weil ja: Gastgarten <3

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Traum, dass Mama einen ziemlich großen Bus durch eine italienische Stadt chauffieren muss und die Aufgabe achselzuckend schafft, während ich es nicht einmal hinkriege, meine Schuhe zu finden.

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Prosa in der Kronenzeitung: „Sie entdeckten eine tote Person, die offenbar einer Lawine zum Verhängnis geworden war.“ Dazu passt (28.4.): „Mann von Klettersteig gerettet.“


20.4. Ostersonntag

Frizzante zum Frühstück, ein Gruß an Harald Juhnke.

Einziger Termin: Coala mit einem leider extrem schlecht ausgeführten Mentaltrick ergötzen. Sie und Buttinger durchschauen mich sofort. Dann verbrennen wir alte Patientenakten, was ich hier nicht hinschreiben sollte, aber irgendwie reizt mich der Test, ob das IRGENDWER liest und mich bei der Ärztekammer verschergt (sind eh verjährt, und wir lesen sie nicht, bin ja kein Tech-Bro). 

 

21.4. Ostermontag

H. durchschaut den Trick nicht, ich freue mich, bis mir etwas später einfällt, dass H. auch die Person ist, die ihre Enkel immerzu beim Rummy-Cub gewinnen lässt. Sehr schlechte Agility-Vorführungen vor einer sehr guten Gesellschaft. Selig sind die leicht zu Unterhaltenden.

22.4.

Erdarbeiten, bis es knirscht in den Lendenwirbeln. 

Die Freude des E-Werk-Arbeiters, als er Fini auf dem Beifahrersitz mitsamt der Komposterde abwiegt.

23.4.

Lesung im Stiftsgymnasium. Alle sind sehr lieb und sehr höflich – ich bin immer zu pessimistisch, wenn ich mit jungen Menschen zu tun bekomme! Um sie ganz für mich einzunehmen, stelle ich meine Mathe-Dummheit aus, der Hund kriege Arithmetik besser hin (es ist vielleicht nicht einmal gelogen, denn sie sieht niedlicher aus und käme damit wohl durch). 

Ich frage Chr., ob sie noch arbeiten müsse. „Ich unterrichte wie ein Tier!“ 

In der Boulderhalle nimmt der Hund dann lieber am Kindergeburtstag teil, als bei mir zu bleiben, obwohl die Kinder viel kreischen vor Freude über den Hund.

Vogelbeobachtungen im Himmel über dem Egon-Hoffmann-Haus als Teil der Kunstsichtung. 

25.4.

 

„Heid hosd zaubert“, sagt der Buttinger, nachdem ich ihm am Abend auf die Couch gestürzt bin und vom Tag berichtet habe: Die Heizung fällt aus, an einem sehr unangenehmen Kälterückfallstag. Die Info für die Landesgartenschau-Eröffnung bekomme ich nach mehrfacher Urgenz zwei Stunden vor meiner Abfahrt, es sind nur ein paar grobe Stichworte. Es wird immer nässer und kälter, kaum Menschen auf dem Gelände, geschweige denn Besucher*innen. Die waren alle am noch recht freundlichen Vortag da, dem Soft-Opening für den LH, weil der heute keine Zeit hat. Ich muss sehr lange Umbauphasen quatschend überbrücken, vor recht schütter besetzten Stuhlreihen. Alles muss ich in letzter Sekunde erfragen, dann stimmt's wieder nicht, ein Jakob heißt auf einmal Matthias, „der hod gheirat!“ sagt die Band lachend. Da stehtauf einmal der Bürgermeister auf der Bühne, ich habe keine Ahnung, wie er heißt. Dann der Landschaftsarchitekt und die Geschäftsführerin, schnell irgendwas fragen. Die Stadtkapelle spielt dreimal so lang wie ausgemacht, 50 Menschen auf der Bühne, und sobald ich sie wieder betrete, sitzt NIEMAND mehr im Publikum. Die drei sympathischen Akrobaten, die schon vor einer Stunde auftreten sollten, sind schon ganz erschöpft vom Warmhalten. Die vorletzte Band bittet alle im Gelände verbleibenden Menschen zu sich auf die Bühne, was recht gemütlich ist. Weil das „Latin Duo“ sowieso nicht zum Soundcheck erschienen ist, wird es gecancelt, es könne gleich im Hotel bleiben (dabei wollten ausgerechnet das drei Menschen sehen, die um 20:15 doch noch an der Kassa stehen). Es ist so kalt, dass mir nicht einmal das Bier schmeckt. Das ist ein großer Unterschied zur Lokalbevölkerung. Sogar die ganz Jungen können eine Bierflasche mit der anderen öffnen, es ist wie mit den Fingern schnippsen für sie. Der Tanzgruppenleiter hat eine ordentliche Fahne am frühen Nachmittag, alle schaffen dann aber die kompliziertesten Schrittfolgen, die mir nüchtern nicht in die Birne gingen (Tanzen = Arithmetik). Eine der ganz wenigen Besucherinnen sagt „ich habe ja übermorgen meine Filztage“, da habe sie vorher noch vorbeischauen können.

Immerhin darf ich zwei Stunden früher als befürchtet heim. Ich vertraue dem Navi blind, es lotst mich durch das unbekannte westliche OÖ. Grieskirchen ist ein einziges, riesiges Maschinenbaugewerbegebiet.

Zuhause schmeckt mir das Bier dann doch wieder. Ein Tag wie ein Weißweintraum.

26.4. Samstag

Literaturfrühstück im Jägermayrhof, die Sonne scheint auch wieder. Alle sind sehr lieb und sehr gut aufgelegt. Nach der Lesung erzählt mir eine sehr lustige Ex-Partnerin eines namhaften heimischen Literaten Schnurren aus dem Literaturbetrieb vor meiner Zeit. Weil ein Südtiroler Lyriker einmal unmittelbar vor einer Lesung aus dem Fenster gestiegen und abgehauen sei, habe man seine Linzer Lesung ebenerdig im Traxlmayer abgehalten. Bei der Ehrung von Heimrad Bäcker habe ein anderer Literat so unmäßig lange gelesen, dass der Jubilar schon ganz wiaflat geworden sei, und die Erzählerin beherzt zur Tür schreiten musste, sie fest zuknallte und so den Egozentriker aus seinem Leserausch reißen konnte. Am unerhaltsamsten aber die Erzählung über Walter Pilar (DIE Gegenfigur zu Bodo Hell, stellen wir fest). Bei einer Gruppenlesung waren in der Alten Welt als Honorar 1xSpeis und Trank ausgemacht. Etliche Wochen später verlangte er vom Kellner, zechfrei zu bleiben, weil er ja an jenem Abend nichts konsumiert habe.

27.4.

 

Auf verlassenen Almen im Sengsengebirge. Ab jetzt dürfen diese Steige vollends verwandeln. Wer stellt so etwas auf Suunto? Wer geht dem nach? Ich, die Wanderdeppin. Trotzdem ein guter Start in die Unterholz-Saison.

Ist das schön, oder ist das schön? Siehe:  

28.4.

Eine unleserliche Handschrift ist eine Geheimschrift nur für sich selbst (wenn man das Gekrakel noch entziffern kann).

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Die Massage-Pistole, die ich mir kaufe, wird vom Warentest so gelobt, dass man von ihr eigentlich auch die Lockerung des Nahost-Konflikts erwarten darf.

29.4.

Bis morgen sollte ich die Einkommenssteuer erledigt UND einen Text für die 50er-Nummer der "Rampe" geschrieben haben. Ich wette gegen mich.

Nachtrag eine Stunde später: Der Text ist fertig. Auch wenn er scheiße wird, freue ich mich. Das kann man frühestens nach einem Monat feststellen, es ist beim Schreiben wie mit dem Liköransetzen. 

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Die lang ersehnten Arbeiter sind hier und zeigen mir, was echte Arbeit ist. Worüber ich wochenlang gegrübelt habe, schaufeln sie in einer halben Stunde weg. Radu und sein Bruder Michal stammen aus Timisoara. Sie trinken keinen Alkohol (passt gut zur Szene in der „Raumforderung“). Sie werken acht Stunden, ich muss ihnen das Essen nachtragen und Radu anhalten, um ihm eine Wunde zu verbinden. 

 

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J. entschuldigt sich dafür, dass eine KI auf Insta einen seltsam begeisterten Text über meine Lesung in Wilhering zusammenklabüsert hat, bei der ich behauptet hatte, keine Sorge zu haben, dass KI meine Arbeit ersetze.

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Vor einer Woche sind die Schwalben zurückgekommen. Der Nachbar hat acht Nester in der Werkstatt, „i waaß aa ned, wos eana do so gfoid.“ Die schönsten Flugmanöver. Dann die ersten Grillen.


30.4.

Während ich Mini-Beträge in die Einkommensliste addiere und mir der Rücken vom Sitzen wehtut, tschinäullen unten die Muresan-Brüder, als wäre es ihre eigene Baustelle. 

Th. legt der verängstigten Fini kleine Käsestücke auf die Bierbank, die sie so heimlich nimmt, als solle sie es selbst nicht merken. H. ist ganz von Vorfreude auf den Gesang des Pirols erfüllt, der 1. Mai ist der Jubeltag der Arbeiter und der Birder. Frau M. und T. können terzeln, also singen wir „In die Berg bin i gern“ dreistimmig, und als L. dazukommt, auch noch den "Wildschütz". Wir sollten den Arbeiter- und Pirolsgesangsverein „waschaecht“ gründen, mit dem Ziel, das heimatliche Liedgut den Patrioten aus den dummen Kehlkköpfen zu winden.

Beim Heimgehen mäandert der Buttinger wie ein renaturierter Flusslauf.