Donnerstag, Mai 01, 2025

Rassemerkmale, Erdarbeiten und Weißweinträume

 

Lebenskrimskrams im April 2025


2.4.

Ein Corgi stürzt sich mit dem „rassetypischen“ Selbstbewusstsein auf Fini, der es sogleich den Kamm aufstellt, aber sie traut sich nicht zu knurren. „Bodo, geh her do!“ schreit die Erziehungsberechtigte. Es ist mir peinlich, dass ich nicht anders kann, als in diesem Moment daran zu denken, in welcher Doline unser lieber Bodo Hell liegen mag.

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Beim experiment literatur liest Anna die Geschichte vor, in der eine Künstlerin ihre Residency nicht aufgeben will (da denke ich natürlich an den Grundlsee). Der Hund darin heißt Bobo, der Gatte der Vermieterin Bodo.

Fini liegt zu Füßen Robert Schindels, obwohl er sich davor in Bezug auf Hunde als „indolent“ bezeichnet hat. Anna hingegen ist ganz geknickt, weil ihr der Bub unlängst mitgeteilt hat, er wolle keinen Hund. „Das ist der erste Akt der Rebellion!“ 

 

Schindel schlägt vor, ich solle ihn als „Robert Menasse“ ankündigen, ich dürfe überhaupt sagen, was ich wolle, auch da sei er indolent – außer, dass er schiach sei. Einmal habe man ihn bei einer Lesung tatsächlich gefragt, ob seine Nase ein „Rassemerkmal“ sei. Er ist bei der Selbstveralterung noch radikaler als ich („ich bin im 47. Lebensjahr“), weil er kurz vor seinem 80er sagt, er sei schon 90.

Während der Lesung zeigt es sich, dass Wels eine neue Närrin hat. Auf meine Frage, warum Anna und Robert so gerne und beherzt Schreibwerkstätten abhielten, doch wohl nicht des Geldes wegen, kräht sie aus dem Publikum heraus „in unserem Alter braucht man eh kein Geld mehr!“ Roberts Lesung begleitet sie dann mit emphatischen Bewunderungsbekundungen (positiver ageism, was an sich nachvollziehbar ist, wir lieben den Schindel alle).

Nach der Lesung kommt sie an unseren Suppentisch und fragt mich barsch, ob ich vom Magistrat sei. „Nein, freischaffend.“ „Aha! Welche Ausbildung braucht man dafür?“ „Na, keine.“ „Das ist gut, ich bin ausgebildete Kürschnerin, aber jetzt möchte ich Kritiker werden!“ Sie sei jetzt 71 und habe wieder ein Leben, das sie ganz offensichtlich der Behelligung der Öffentlichkeit widmet. Später erfahre ich, dass sie im Programmkino während des Films eine Art Audiokommentar für Blöde eingesprochen habe. Im Schl8hf textet sie alle mit wenig brauchbarem Lob und Tadel zu. Noch nie in meinem Leben habe ich die gute Sonja mit den Augen rollen sehen. Einem Antifa-Freund sagt sie „Ha! Jetzt waaß i, von wo i di kenn, vom Brunch midm Bürgermeister!“ „Des glaub i ned.“

3.4.

Ein geglückter Tag. Es ist erwiesen, dass mich Erdarbeiten äh „erden“.

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Die Stunde vor der Deadline ist der Urknall für ADHSler.


4.4.

Kirschblüte!!!

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Der übliche Trallawatsch vor der Lesebühne. Eigentlich hätte ich das Frackhemd bügeln müssen, aber vorher habe ich einen zu schönen Hund getroffen und zu lange gestreichelt. Es wird eh niemandem auffallen.

Max Höfler ist fast schon zu lustig für uns! Ich bin Fan von der ersten Sekunde an. Er hat sich anlässlich der Verleihung des Peter-Rosegger-Preises im Internet einen hautengen alten Skirennanzug um 15 € besorgt, „weil Gewinner in Österreich eben so aussehen.“ Er trägt seinen rant gegen Pinguine vor, nach dem ich ihm vorwerfe, seinen schnellen Hartberger Charakter auf andere zu projizieren, dabei stehe ich auf, um ihm im ungebügelten Frack meine Outfit-Mimikry vor Augen zu halten. „Dubist es, die projiziert!“, schreit er vergnügt. Es passiert an diesem Abend nur Schönes rund um ihn, am besten gefällt mir fast, wie er unser scheußliches „All for Love“ mit Bildern des ungeliebt gewordenen Amerika-Riesenbildbandes „Alle 50 Staaten“ illustriert. Foto Decker, eh klar: 

5.4.

Vom Glück des Bastelns windschiefen Zeugs (ein schiefes „Regal“ im schiefen Gewächshaus).

6.4.

Eh nicht allzu tiefe Krise beim Bouldern bei der Nebenerkenntnis, dass der in der Halle laufende Grunge-Soundtrack älter ist als alle rund um mich sich hier ertüchtigenden Trendsportler*innen. Alle sind sie auch besser als ich. Hier kann ich vor allem trainieren, mich wehrlos ins Altern zu fügen.

7.4.

Wieder in einer Stunde fünf Seiten Projekt hingeschnalzt: „(Don't) Panic“, gewidmet der Frage, warum wir nicht alle immer ausflippen. Der Ausschreibungstext hatte mich etwas irritiert, bis ich draufkam, dass den ja ich selbst in der letzten Stunde vor der Deadline hingeschnalzt hatte. Wie viele Stunden mehr müsste ich an einem Text arbeiten, um ihn signifikant zu verbessern?

[Nachtrag Juni: Dieses Mal wurde der Antrag nicht angenommen, was nicht nur angesichts der Mühewaltung sehr ok ist.]

Zum Thema "Integrationsgrad":  

 

9.4.

Man soll beim Aufschreiben von Erlebnissen nichts erzwingen, wenn sich nichts tut.

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Waschküche. T.: „Nimmst da eh wos mid?“ „Na danke, i geh moang a Skitour.“ T. zu G.: „Jetzt lossd's noch.“

Beim Kulturplanen stellt sich heraus, dass die Kürschnerin ihr Ziel, stadtbekannt zu werden, binnen Wochenfrist erreicht hat. Sie meint es ernst mit Wels. Sie nimmt überall ihr eigenes Bier mit, um Geld zu sparen, weswegen sie auch keinen Eintritt bezahlt (sie wartet immer so lange, bis niemand mehr an der Kassa sitzt). Wo sie aufschlägt, ist ihr egal. Vor wenigen Tagen wurde sie von einem Heavy-Metal-Konzert hinausgeschmissen. Draußen rief sie dann die Polizei, wegen Altersdiskriminierung, und weil es so kalt sei. Die Beamten begleiteten sie wieder hinein und trugen den Zuständigen tadelnd auf, lieb zur Dame zu sein. Später fuhr sie dann stark betrunken mit dem eigenen Auto heim. 

10.4.

Im Triebental mit L. Oben mobben uns gemeine Böen. Bei der Abfahrt checkt Fini endlich, dass sie nicht in unsere Geräte beißen darf. Eine gute Abschlusstour in dem Sinn, dass man danach sechs Monate lang keine Lust mehr hat. Aber immhin gute Gesellschaft und man ist weg von der Straße. 

Hier sieht's so aus, als wolle mich die unsichtbare Hand des Marktes nachdenklich machen. Oder besser: Ich beiße in die Hand, die mich füttert.  

 

11.4.

Klo- und Fensterputzen als Indiz meiner Flucht vor dem Roman. „Die Raumforderung“ ist ja irgendwie schon fertig erzählt, außerdem hat mir noch niemand eine Deadline gegeben. Ich schreibe dort und da etwas dran, nur damit beim nächsten Öffnen des Dokuments ein paar Zeichen mehr dastehen. Flucht in windschiefe Bastelei.


12. April

Restlose Integration bedeutet, am Samstag mit einem grauen Kombi Hasengitter im Lagerhaus kaufen.

Es gibt kein Eck im Garten, in dem nichts zu tun wäre. 

 

Ch. sagt, er wage sich nicht mehr so weit ins Tote Gebirge hinein, dafür habe er zu viel Respekt, das sei ja eine Mondlandschaft, wenn er da drüberfliege. Ich weise ihn der Wahrheit wegen darauf hin, dass Gleitschirmfliegen recht eigentlich die beängstigendere Freizeitbeschäftigung sei. 

13.4.

Zwei tüchtige Stunden in der Kletterhalle ermöglichen einen Resttag im Liegen. Im Übrigen gibt es in Wels Griffe in Sokratesform. Wenn ich mich recht erinnere eine lustige Pointe des Denkers, der Ideen (=Formen) für wichtiger als die physische Welt hielt.

 

14.4.

ALLES ist besser, wenn man wieder kurze Hosen tragen kann dabei (nur der Look nicht).

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Überraschende Schreibattacke, wahrscheinlich hat es der Körper in der Kletterhalle begriffen, dass er sich die Geistesruhe erarbeiten muss. Ich brauche also eine Idee + dass mich die Realität nicht behelligt, durch Termine etwa + einen Tag mit brauchbarem Selbstwertgefühl, um überhaupt etwas stehen lassen zu können. Derzeit stirbt Arthur am Cho Oyu oder Everest, Johanna revanchiert sich postum.

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Insgesamt kein schlechter Tag. Mit Pintars zum Donaustrand. Das geschenkte stählerne Hochbeet von uns braven Pferden + Azesbergerdamen-Support flugs an die richtige Stelle getragen, wo es fast zu schick für den verwucherten Restgarten aussieht. 

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Ich löse mich nur schwer, aber heute wird Carolas Film über Bodo Hell gezeigt. Es gibt eigentlich nichts von ihm, das es nicht wert wäre, gelesen, gehört und zitiert zu werden. „Dem ganz normalen Alltagswahnsinn zur Sprache zu verhelfen.“ „Dinge, die ich als Autor gar nicht alle verstehe.“ Als Carola ihn fragt, warum er seit 1979 jeden Sommer auf die Grafenbergalm geht: „Weil ich noch lange nicht alles gesehen habe.“

15.4.

Ein besonders hübscher dunkelbrauner Welpe mit dem in österreichischen Ohren nicht gut gewählten Namen „Rafiki“ tollt über den Strand, die Besitzer müssen ihn andauernd rufen.

Der Garten explodiert, der Trockenheit zum Trotz. Die Apfelbäume haben mir meinen groben Schnitt verziehen und blühen eifrig. Wenn man ein Hochbeet zu befüllen hat, verwandelt der suchende Blick den gesamten Garten in Grünschnitt.

Flussregenpfeifer an der Donau, ein Buntspecht auf dem doch noch nicht ganz toten Marillenbaum.

16.4.

In einer erschöpften Gartenarbeitespause reden J. und ich ein wenig über unsere lebensbejahenden Partner*innen, die so sanieren und bauen wollen, als hätten sie noch viel länger als die erwartbaren 30 Jahre zu leben (und gottverdammich, das sollen sie!). Wir Freunde des Provisoriums hoffen darauf, dass der Krempel grad noch so lange zusammenhält wie der eigene Leib. Wenigstens ist uns die Arbeit lustig.

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Badende Hunde <3

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Buttinger sieht sich in der Nacht zur Erholung von der Büroarbeit Dokus über die schädlichen Einflüsse TikToks oder den Cum-Ex-Skandal an, „weil ich das einmal verstehen will!“So verschieden können Liebesleut' sein. 


17.4.

Wenn man im Obi eine Schaufel kauf, schaut man schnell einmal so aus, als plane man einen Mord. Derzeit könnte ich die Leiche wirklich sehr leicht im neuen Hochbeet versenken, aber mir fällt niemand ein, den ich wirklich entleiben würde. Wollen schon, aber zum Tun reicht mir die Skrupellosigkeit. Und fände ich die Leichen Trumps, Musks oder Putins, würde ich ja wollen, dass die Welt davon erfährt. 

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Vergangene Nacht wieder der Alptraum, ich hätte aufgegeben und mich in eine Anstellung gefügt. Zwar lag das Büro vage am Grundlsee, aber ich musste mir braun-beige Kleidung kaufen und ein Halstuch. Was meine Aufgabe war, würde ich herausfinden, ab jetzt eilte nichts mehr, weil ich ja mein restliches Leben hier absitzen muss. Durchs Fenster sah ich einen Berg, ich dachte, wenn es an einem der kommenden Wochenenden schön ist, kann ich da ja rauf. Ich tröstete mich mit Ausblick auf das Geld, als Preis meines Lebens. Das kommt vom Weißweintrinken!!!!

18.4.

Aufgeweckt durch ein ungewöhnliches Geräusch: Regen. Die Bergfex-App hat ihre Prognose unter Eindruck der Gegenwart von „0%“ auf „9l“ korrigiert.

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100 Jahre F. & A. – es ist eine große Freude, ein Abend wie damals im Rothen Krebsen! Ich rede dem anwesenden Volk als Festrednerin ein, dass A. bei einer Nilkreuzfahrt zur Welt gekommen sei, die Mutter habe zuerst eine Magenverstimmung befürchtet und sich dann recht gefreut. Da erst sehe ich, dass die Eltern alle da sind (und zum Glück lachen). 

Kurz vor dem sehr anrührenden Karaoke-Schluss erzählt mir der Al, dass einst KP Liessmann ein sehr empörtes Email an den Czernin-Verlag geschickt habe, als er sah, dass der Prolet Austrofred auch hier verlegt werde. Definiere „Snob“.

19.4.

Nach der Erschöpfung durch das Fortgehen Erschöpfung durch Einbetonieren der Vorplatz-Platten. Ich gebe mein Bestes. Alles für die Würschte, die ersten lösen sich noch am selben Tag. Wie zum Trost sitzen dann der Hirschl und Chris im Black Horse. Weil ja: Gastgarten <3

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Traum, dass Mama einen ziemlich großen Bus durch eine italienische Stadt chauffieren muss und die Aufgabe achselzuckend schafft, während ich es nicht einmal hinkriege, meine Schuhe zu finden.

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Prosa in der Kronenzeitung: „Sie entdeckten eine tote Person, die offenbar einer Lawine zum Verhängnis geworden war.“ Dazu passt (28.4.): „Mann von Klettersteig gerettet.“


20.4. Ostersonntag

Frizzante zum Frühstück, ein Gruß an Harald Juhnke.

Einziger Termin: Coala mit einem leider extrem schlecht ausgeführten Mentaltrick ergötzen. Sie und Buttinger durchschauen mich sofort. Dann verbrennen wir alte Patientenakten, was ich hier nicht hinschreiben sollte, aber irgendwie reizt mich der Test, ob das IRGENDWER liest und mich bei der Ärztekammer verschergt (sind eh verjährt, und wir lesen sie nicht, bin ja kein Tech-Bro). 

 

21.4. Ostermontag

H. durchschaut den Trick nicht, ich freue mich, bis mir etwas später einfällt, dass H. auch die Person ist, die ihre Enkel immerzu beim Rummy-Cub gewinnen lässt. Sehr schlechte Agility-Vorführungen vor einer sehr guten Gesellschaft. Selig sind die leicht zu Unterhaltenden.

22.4.

Erdarbeiten, bis es knirscht in den Lendenwirbeln. 

Die Freude des E-Werk-Arbeiters, als er Fini auf dem Beifahrersitz mitsamt der Komposterde abwiegt.

23.4.

Lesung im Stiftsgymnasium. Alle sind sehr lieb und sehr höflich – ich bin immer zu pessimistisch, wenn ich mit jungen Menschen zu tun bekomme! Um sie ganz für mich einzunehmen, stelle ich meine Mathe-Dummheit aus, der Hund kriege Arithmetik besser hin (es ist vielleicht nicht einmal gelogen, denn sie sieht niedlicher aus und käme damit wohl durch). 

Ich frage Chr., ob sie noch arbeiten müsse. „Ich unterrichte wie ein Tier!“ 

In der Boulderhalle nimmt der Hund dann lieber am Kindergeburtstag teil, als bei mir zu bleiben, obwohl die Kinder viel kreischen vor Freude über den Hund.

Vogelbeobachtungen im Himmel über dem Egon-Hoffmann-Haus als Teil der Kunstsichtung. 

25.4.

 

Heid hosd zaubert“, sagt der Buttinger, nachdem ich ihm am Abend auf die Couch gestürzt bin und vom Tag berichtet habe: Die Heizung fällt aus, an einem sehr unangenehmen Kälterückfallstag. Die Info für die Landesgartenschau-Eröffnung bekomme ich nach mehrfacher Urgenz zwei Stunden vor meiner Abfahrt, es sind nur ein paar grobe Stichworte. Es wird immer nässer und kälter, kaum Menschen auf dem Gelände, geschweige denn Besucher*innen. Die waren alle am noch recht freundlichen Vortag da, dem Soft-Opening für den LH, weil der heute keine Zeit hat. Ich muss sehr lange Umbauphasen quatschend überbrücken, vor recht schütter besetzten Stuhlreihen. Alles muss ich in letzter Sekunde erfragen, dann stimmt's wieder nicht, ein Jakob heißt auf einmal Matthias, „der hod gheirat!“ sagt die Band lachend. Da stehtauf einmal der Bürgermeister auf der Bühne, ich habe keine Ahnung, wie er heißt. Dann der Landschaftsarchitekt und die Geschäftsführerin, schnell irgendwas fragen. Die Stadtkapelle spielt dreimal so lang wie ausgemacht, 50 Menschen auf der Bühne, und sobald ich sie wieder betrete, sitzt NIEMAND mehr im Publikum. Die drei sympathischen Akrobaten, die schon vor einer Stunde auftreten sollten, sind schon ganz erschöpft vom Warmhalten. Die vorletzte Band bittet alle im Gelände verbleibenden Menschen zu sich auf die Bühne, was recht gemütlich ist. Weil das „Latin Duo“ sowieso nicht zum Soundcheck erschienen ist, wird es gecancelt, es könne gleich im Hotel bleiben (dabei wollten ausgerechnet das drei Menschen sehen, die um 20:15 doch noch an der Kassa stehen). Es ist so kalt, dass mir nicht einmal das Bier schmeckt. Das ist ein großer Unterschied zur Lokalbevölkerung. Sogar die ganz Jungen können eine Bierflasche mit der anderen öffnen, es ist wie mit den Fingern schnippsen für sie. Der Tanzgruppenleiter hat eine ordentliche Fahne am frühen Nachmittag, alle schaffen dann aber die kompliziertesten Schrittfolgen, die mir nüchtern nicht in die Birne gingen (Tanzen = Arithmetik). Eine der ganz wenigen Besucherinnen sagt „ich habe ja übermorgen meine Filztage“, da habe sie vorher noch vorbeischauen können.

Immerhin darf ich zwei Stunden früher als befürchtet heim. Ich vertraue dem Navi blind, es lotst mich durch das unbekannte westliche OÖ. Grieskirchen ist ein einziges, riesiges Maschinenbaugewerbegebiet.

Zuhause schmeckt mir das Bier dann doch wieder. Ein Tag wie ein Weißweintraum.

26.4. Samstag

Literaturfrühstück im Jägermayrhof, die Sonne scheint auch wieder. Alle sind sehr lieb und sehr gut aufgelegt. Nach der Lesung erzählt mir eine sehr lustige Ex-Partnerin eines namhaften heimischen Literaten Schnurren aus dem Literaturbetrieb vor meiner Zeit. Weil ein Südtiroler Lyriker einmal unmittelbar vor einer Lesung aus dem Fenster gestiegen und abgehauen sei, habe man seine Linzer Lesung ebenerdig im Traxlmayer abgehalten. Bei der Ehrung von Heimrad Bäcker habe ein anderer Literat so unmäßig lange gelesen, dass der Jubilar schon ganz wiaflat geworden sei, und die Erzählerin beherzt zur Tür schreiten musste, sie fest zuknallte und so den Egozentriker aus seinem Leserausch reißen konnte. Am unerhaltsamsten aber die Erzählung über Walter Pilar (DIE Gegenfigur zu Bodo Hell, stellen wir fest). Bei einer Gruppenlesung waren in der Alten Welt als Honorar 1xSpeis und Trank ausgemacht. Etliche Wochen später verlangte er vom Kellner, zechfrei zu bleiben, weil er ja an jenem Abend nichts konsumiert habe.

27.4.

 

Auf verlassenen Almen im Sengsengebirge. Ab jetzt dürfen diese Steige vollends verwandeln. Wer stellt so etwas auf Suunto? Wer geht dem nach? Ich, die Wanderdeppin. Trotzdem ein guter Start in die Unterholz-Saison.

Ist das schön, oder ist das schön? Siehe:  

28.4.

Eine unleserliche Handschrift ist eine Geheimschrift nur für sich selbst (wenn man das Gekrakel noch entziffern kann).

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Die Massage-Pistole, die ich mir kaufe, wird vom Warentest so gelobt, dass man von ihr eigentlich auch die Lockerung des Nahost-Konflikts erwarten darf.

29.4.

Bis morgen sollte ich die Einkommenssteuer erledigt UND einen Text für die 50er-Nummer der "Rampe" geschrieben haben. Ich wette gegen mich.

Nachtrag eine Stunde später: Der Text ist fertig. Auch wenn er scheiße wird, freue ich mich. Das kann man frühestens nach einem Monat feststellen, es ist beim Schreiben wie mit dem Liköransetzen. 

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Die lang ersehnten Arbeiter sind hier und zeigen mir, was echte Arbeit ist. Worüber ich wochenlang gegrübelt habe, schaufeln sie in einer halben Stunde weg. Radu und sein Bruder Michal stammen aus Timisoara. Sie trinken keinen Alkohol (passt gut zur Szene in der „Raumforderung“). Sie werken acht Stunden, ich muss ihnen das Essen nachtragen und Radu anhalten, um ihm eine Wunde zu verbinden. 

 

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J. entschuldigt sich dafür, dass eine KI auf Insta einen seltsam begeisterten Text über meine Lesung in Wilhering zusammenklabüsert hat, bei der ich behauptet hatte, keine Sorge zu haben, dass KI meine Arbeit ersetze.

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Vor einer Woche sind die Schwalben zurückgekommen. Der Nachbar hat acht Nester in der Werkstatt, „i waaß aa ned, wos eana do so gfoid.“ Die schönsten Flugmanöver. Dann die ersten Grillen.


30.4.

Während ich Mini-Beträge in die Einkommensliste addiere und mir der Rücken vom Sitzen wehtut, tschinäullen unten die Muresan-Brüder, als wäre es ihre eigene Baustelle. 

Th. legt der verängstigten Fini kleine Käsestücke auf die Bierbank, die sie so heimlich nimmt, als solle sie es selbst nicht merken. H. ist ganz von Vorfreude auf den Gesang des Pirols erfüllt, der 1. Mai ist der Jubeltag der Arbeiter und der Birder. Frau M. und T. können terzeln, also singen wir „In die Berg bin i gern“ dreistimmig, und als L. dazukommt, auch noch den "Wildschütz". Wir sollten den Arbeiter- und Pirolsgesangsverein „waschaecht“ gründen, mit dem Ziel, das heimatliche Liedgut den Patrioten aus den dummen Kehlkköpfen zu winden.

Beim Heimgehen mäandert der Buttinger wie ein renaturierter Flusslauf.

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