Lebenskrimskrams
im März 2025
1.3.
Alle Wesen im Raum durch ein einzelnes Wildschweinschnarchen aus dem Schlaf reißen.
Kurz überlegt, ob ich mit meiner Nickerchen-Bums-Frisur zur Vollversammlung gehen soll, aber ich bin doch kein Mann.
Vertrauliches Büffet-Gespräch über filzige Gebarungen, und ich Dummerchen wundere mich immer noch, 1. wie man so wird, angesichts der hohen Ideale, und 2. warum kein Lokaljournalismus ein Ohrwaschel rührt.
2.3.
Zum Frühjahrsputzopfer geworden, an einem SONNTAG! Vorhänge waschen. Bin ich deppert?!
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Was mich immer stärker nervt: Doppelpunkte: an Stellen, die: man nicht braucht. Eine Marotte, die derzeit das bürgerliche Feuilleton reitet.
3.3.
Das Hoch „Ingeborg“ löst das Hoch „Hertlind“ ab. Der Klimawandel kommt in schrulliger Form.
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C. ist so wie ich melancholisch am Geburtstag des Vaters, sie erleichtert uns den Tag, in dem sie mir indiskret die „krokierten Versen“ des Kollegen schickt (=eine korrigierte Version der Spesenabrechnung). Selig wir leicht zu Unterhaltenden!
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Rabbit Eye Movement (wenn man im Traum rennenden Hasen nachschaut)
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Meine armen Apfelbäume! Hoffentlich verzeihen sie mir, was ich ihnen gerade als „Veredelung“ angetan habe (Nachtrag Jänner 2026: eher nicht, so wenige Äpfel hatte ich noch nie, recht ist mir geschehen).
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Ein
Buch über das Bergsteigen, das mich nervt, weil ich es so liebe –
muss man denn dabei immer herabblicken auf die im Tal Bleibenden? Und
wann hört der depperte Bezwingzwang auf?! Es wird hier viel
mangesplained und der Herrgott bemüht.
4.3.
Menschen, die ohnehin schon schwer vertrauen, sollten niemals einen Rohrbruch o.Ä. erleiden. Es wird schon keine Klage wegen Geschäftsschädigung geben, wenn ich hier versteckt im Bloggekröse sage, dass Rohrmax eine depperte Firma ist.
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Traum von Bandwurmkolonien und sich in einer Donaustrandwohnung versteckenden Terroristen mit Hackebeilen.
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Beim
Bouldern heute besonders starke gravity
issues,
aber ich lasse mir nichts anmerken.
5.3.
Beim Weg auf den Kleinen Priel fährt mir ein Jäger nach, zum Glück entscheide ich mich doch noch dagegen, mich würdelos im Wald zu verstecken. Als er mich erreicht hat, fragt er nur halbwegs freundlich nach, ob ich Fini eh an der Leine behielte, „wengam Wüd“. Ich schwindle und streichle seine Gebirgsschweißhündin, die ihren Kopf zu mir heraus streckt. Keine hundert Höhenmeter später liegt eine frisch abgeworfene 8-Ender-Geweihstange mitten auf dem Wanderweg. Ich verstecke sie und beschließe auf dem Rückweg, sie dem Jäger zu bringen, weil er freundlich war. Ich hatte aber ganz unterschätzt, wie sehr ihn das freut. Er chauffiert mich zurück den Berg hinauf zur Kammer, in der die Hinterstoderer Jägerschaft ledige Geweihstangen sammelt, ich darf mir eine davon als Finderlohn aussuchen. Es war weise und sogleich lohnend, sich für die Ehrlichkeit entschieden zu haben, denn auch mit dem geschenkten Geweih verursache ich einen beträchtlichen Aufruhr im Ort. Nie hätte ich die selbst gefundene Stange unbemerkt zum Auto schmuggeln können. Vier verschiedene Männer halten mich auf, einen fünften haben sie schon angerufen. Überraschend auch, dass praktisch alle Männer im Tal im Dienst der „hoheitlichen“ Jagd zu stehen scheinen.
Als ich den ersten Jäger fragte, was denn mit den ganzen unreklamierten Geweihen passiere, sagt er, die gingen an Möbel- und Schmuckfirmen, oft als ganzes Konvolut aber an chinesische Händler, die „Stangerlpulver“ daraus machten, „i hob's owa nu nia prowiad!“
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Das gute Hundekind hat es sich angewöhnt, mich nach etwas schwierigeren Passagen zu loben. (Dass ich das Geweih liegen habe lassen, war ihr hingegen unverständlich.)
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Endlich Maria Hofstätter getroffen, um ihr mitteilen zu können, dass wir auf komplexe Weise nicht verwandt sind. Sie ist auf unkomplizierte Weise so sympathisch wie erwartet.
6.3.
Ich bin die Haushälterin meiner selbst. Beim Apfelbaumastzerkleinern komme ich mit S. (45) ins Plaudern, etwa darüber, dass wir schöne Unterwäsche nur noch anziehen, falls was passiert und wir ins Krankenhaus kommen. Oder, dass wir beide schon super Pensionistinnen wären. Später beim Spazieren die Sch. getroffen, die ungefragt feststellt, eine super Pensionistin zu sein. Wir machen Small Talk, während sich unsere Hündinnen zärtlich abschlecken, it's that time of the year.
7.3.
C. sagt zur Frühpensions-Konversation: „Wir brauchen eigentlich eh schon alle Pflegestufe 1.“ Ich meine, dass die Richterskala da nach oben hin offen sein müsse.
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Berni Wagner bringt uns durch das Vortäuschen eines verrissenen Genicks noch vor dem ersten Wort zum Lachen. Er weiß einfach, dass das Kabarett-Publikum 40+ ist. Besonders lustig: „MIA muass gfoin! I spü des nu 200 moi!“ Den ersten Satz könnte man sich durchaus aufs Hirn tätowieren lassen.
Aber so erfolgreich kann ein Star gar nicht sein, dass seine Eltern beim Heimspiel nicht ungeduldig auf ihn warten. „Er kinnt' scho auzahn.“
8.3.
Euphorie bei der Frauentags-Demo, es wird sogar ein Twerkverbot auf der LKW-Bühne über uns verhängt! Am schönsten ist der „Matriarchat?“-Call mit einem „JETZT!!!!“-Response aus 4500 Kehlen. Eine weniger disziplinierte Despotin als ich hätte da schon den Mob von der Leine gelassen. Ein Tag, der auf die Beschissenheit der Dinge hinweist und paradox darüber hinweghilft. Danach Knödel und Tschibumm-TV.
Foto: Zoe Goldstein <3
9.3.
waschaecht-Generalversammlung
draußen mit Sonnenbrillen. Dass dies der beste Verein ist, zeigt
sich an der Kürze des offiziellen Teils, das darauf folgende
gemeinsame Speisen dauert viermal so lange. Und wieder wird mir alles
eingepackt, als sei ich das lebensunfähige Studentenkind der Runde
(was auch stimmt, alle anderen kochen wie die Gött*innen).
10.3.
Regen. Ein neues Konzept.
11.3.
Bodo Hell im Radio. Viele Gefühle.
12.3.
Wilhering ist in den Fokus der Birder geraten, weil es eine Trauerente von der Ostsee an die Donau geweht hat. Die einsamste Ente Mitteleuropas, nomen est omen. Es sei ein junges Männchen mit unterentwickeltem Gefieder, erklärt mir Herr Jirši am Kraftwerksstrand.
H. budelt sich am Abend über meinen Birder-Spott auf (ich bin halt eine Spötterin!), immer zitierte ich ihn falsch mit dem „Wintergoldhähnchen im Winterprachtkleid“, „a so a Bledsinn oiwei, des mausert goa ned ins Wintergefieder eini!“
Experiment Literatur mit Köhle und Emminger. Nach der Lesung erzählen wir einander im Ringerl, wessen Erziehungsberechtigte am seltensten beim Elternsprechtag waren (Gewinner Köhle: 1 x beim Jazzmessen-Schulgottesdienst in Nassereith, bei dem „Stairway to Heaven“ gegeben wurde).

Foto: Sigrid Schiehauer
Markus
erzählt von seiner Reise in Länder ohne Postkartenkultur; in
Kirgisien großes Rätseln, was das überhaupt sein soll. Auf den
Philippinen schickte man ihn in eine Kunstbuchhandlung, wo seine
Schilderung großen Zuspruch fand, „that is a very nice idea!“
13.3.
Die Birder kommen immer noch zum Kraftwerk. Zwei Freistädter Lockdown-Einsteiger lachen herzlich über meinen „Tien-Shan-Spatzen“, das sei doch ein Laubsänger!
***
Der
liebe Kollege Roiss erzählt, er habe schon mit 20 einen Roman
geschrieben, der zum Glück verschollen sei. Die ebenfalls liebe
Christine Mack fragt, warum uns das früher Geschriebene so peinlich
sei, Roiss und ich sehen einander erstaunt an, wie man sowas
überhaupt fragen kann. Mir ist schon peinlich, was ich letzte Woche
geschrieben habe.
14.3.
Ein geschenkter Tag, wir reisen erst morgen ab. Schnell und leicht packen ist unmöglich.
Wieder
homoerotische Szenen auf dem nassen Asphalt zwischen Fini und der
fülligen Stella.
15.3. ÖTZTAL – AMBERGER HÜTTE
Große Wiedersehensfreude mit den Kern-Hausfrauen&Müttern. Wir essen die erste von sehr vielen folgenden nicht mehr ganz frischen Mannerwafferl („sper“ ist der Mühlviertler Fachausdruck). Der Zugbegleiter, der sich im Kaffeeabteil in unser Gespräch einbringt, erweist sich als etwas zu Outing-freudig, und wir uns als klassische Gutmenschen. Bei „Technisch bin i da oberste Schwule von Tirol!“ waren wir noch total empowering, „Wow!“ „So mutig!“ Dann berichtet er ganz unbekümmert von seiner langen Zeit bei der FPÖ. Wir genieren uns ein wenig für unsere Vorurteile, auch Schwule dürfen rechtsextrem sein! Nein, eher so: Niemand darf rechtsextrem sein. Es ist alles sehr kompliziert.
Ungleich
weniger spricht dafür unser Bergführer, was auch am silbenarmen
Osttirolerisch liegen mag: Statt „Ich habe ihn gefragt“ sagt man
dort „Inen gfrock“. Ab 19:30 werden wir alle müde und gehen auch
wirklich ungeniert ins Bett because we can.
16.3. Hinterer Daunkopf
Irre, dieses Konzept von „Pulverschnee“, das ist ja eine tolle Sache! Auf einmal kann ich wieder Skifahren. Ein Tipp des Bergführers reicht weit über die schönen Verhältnisse hier hinaus: Ohne Angst bleibt mehr Kraft.
Foto: Josef W
17.3.
Weil ich die Batterien für das schwächelnde Lawinenpieps im Zimmer gelassen habe, muss ich umkehren und die Männer allein aufsteigen lassen. Beim Heimstapfen bleibt sehr viel Zeit für Reue und das Gelöbnis, dass mir so etwas nie mehr passiere.
Im
Zimmer „Das Unbehagen“ von Arzt gefressen. So viel Muße fürs
Lesen werde ich wohl so bald nicht wieder bekommen. Darum geht auch
der Murakami sehr gut, den mir C. leihen musste, weil mir jetzt schon
der Lesestoff ausgegangen ist.
18.3. Kuhscheibe
Ein großer Tag in großer Landschaft mit sehr guten Menschen.
Die Tschechen vor uns legen umständlich Steigeisen an, sie gehen mit Pickel und wie auf rohen Eiern. Ich bin etwas in Sorge, dann gehen auch wir los, es ist alles ganz leicht. Vielleicht sollte ich mir ab jetzt alpin wirklich ein wenig mehr zutrauen.
19.3. Sulzental – Wels
Noch einmal große Schönheit, im Tal fast schon Hitze. Der anstrengendste Teil der Unternehmung ist der Sprint vom Bus zum Bahnhof Ötztal mit dem ganzen Zeug. In Wels stapfe ich vollgepackt heim wie die Karikatur eines weekend warriors, schaut's, was ich alles in meine Freizeit investiere!
20.3.
Leichter Jetlag. Um 6 Uhr munter, aber keine Arbeitslust.
Beim Stöbern im alten Tourenbuch erkenne ich, dass ich 1994 schon auf der Amberger Hütte war, eine ganze Woche lang. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, man unternimmt das alles für die Würscht. Das Dahinaltern bietet immer mehr Chancen, alles zu vergessen. Möge sich das künftig auf das Ungute konzentrieren.
***
Irre, wie gut es sich anfühlt, Spinatsamen in die Erde zu drücken.
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Ab
20 Uhr bin ich in Wahrheit reif fürs Bett. Soll ich die Chance
nutzen und ab jetzt ein anderer Mensch werden, eine sportliche
Pensionistin?
21.3.
Wenn das neue Menschsein auf einmal wieder mit Menstruationsschmerzen einhergeht, ist die Übung ab jetzt sofort beendet. Ich muss meine Schmerzmitteldepots auffüllen, die schwindenden Vorräte stammen aus dem vorhergehenden Jahrtausend.
***
Bei L., D. und B. Wir zeigen einander die schlechtesten Zaubertricks und Hütchenspiele, dann gewinne ich bei UNO und verlange von allen Applaus für meine überragende taktische Leistung, stattdessen werde ich ausgelacht.
***
Einpennen
bei der heute-Show <3
22.3.
Vertändelte Strohwitwenschaft, während B. durch die Berge fährt (paradox). Kleines Glück beim Tomatenhausreparieren, das nur durch meine Vernachlässigung in diesen Zustand gekommen ist.
Fini bumst einen schönen, schwarzen Labrador, seine Besitzerin sagt „Jo, zoag eam's, wia's geht!“
Immer
wieder denke ich darüber nach, ob es Fluch oder Segen ist, dass ich
gut moderieren kann. Heute eher Ersteres
23.3.
Es geht weiter in dieser Tonart, heute Bauernhortensienblütenentfernung als erwähnenswerteste Tätigkeit.
Merlin, die Vogelbelauschungs-App, dröselt das Tschilpen des Meisen- und Spatzengschwerls in acht verschiedene Arten auf.
Keiner beschreitet so sicher und elegant den Grat zwischen Selbstironie und Eitelkeit wie Meyerhoff. Wieder sehr gut.
Das erste Gewitter des Jahres.
Der
Tag versickert so schnell wie das Wasser des ersten Schauers in der
durstigen Wiese.
24.3.
Stare knarren im Nussbaum <3
Derzeit
schreibe ich hauptsächlich Honorarnoten und richte alte Texte für
neue Einreichungen her. Keine Schöpfungslust.
25.3.
Bodo Hell: „Die Weltherstellung ist überhaupt kein Problem!“
***
Früher habe ich extreme Unbequemlichkeit auf mich genommen, um ein wenig Geld zu sparen, heute zahle ich gar nicht so wenig Geld, um leichte Unbequemlichkeiten zu vermeiden.
27.3. LEIPZIG
Wir sind aufgekratzt wie Kinder. Beim ersten Klostopp im Bayrischen Wald verjuxen wir den ersten Speseneuro in der Glitzer-Quietschenten-Greifarm-Betrugsbox. Die Tanke sieht aus wie ein concept store für Trucker-Lifestyle.
Bei nächster Gelegenheit müssen wir den Fernwehpark Oberkotzen besuchen, die Reportage schreibt sich von ganz allein. Überhaupt unterhalten uns die vielen braunen Hinweistafeln auf lokale Sehenswürdigkeiten (Karpfenwelt, Kugelwelt, Thüringisches Meer...).
Wir wohnen in Little Damaskus. Die Straßenbahn endet im Kohlrabi-Zirkus.
In der Innenstadt renne ich in Franzobel, der einen schönen Turban trägt und „oh, die Kaiserin!“ sagt, als er mich erkennt.
Wie
im Vorjahr gehen wir zu einem Inder, wieder warten wir eine Stunde,
weswegen C. und ich schon eine leichte Kråchn
haben, als das Essen endlich kommt.
28.3. BUCHMESSE
Heuer streiken die Leipziger Verkehrsbetriebe nicht, was aber egal ist, weil man so auch nicht zur Buchmesse kommt. In der total überfüllten S-Bahn stehen ganzkörperkostümierte ComeCon-Besucher*innen, Riesenwölfe im Pelz etc. D. googelt die Verkleidungsregeln: keine andere Hautfarbe als die eigene (außer Aliens), nicht breiter als zwei Meter, Waffen müssen vorher gecheckt werden. Mit unseren Mühlviertler Feiteln kommen wir unbehelligt rein – dank eines argen Regelbruchs, denn die korrekte Reihe in der Warteschlange wäre gleich nach dem Ausstieg aus der Straßenbahn gewesen. Wir schummeln uns durch erratischen Strategiewechsel flott nach vorne. D. wehrt zwei pampige deutsche Frauen ab: „Wir haben unsere Anstellleistung an anderer Stelle geleistet.“
Weil auch die geschätzten Kolleginnen Leidenfrost und Schletterer mir gut zureden, erwerbe ich ein Holz-Samurai-Schwert um läppische 30 €. Billiger kann man sich alte Kindheitswünsche nicht erfüllen. Heuer verbringe ich fast mehr Zeit in den bunten Nerd-Hallen als dort, wo ich beruflich hingehöre. Bei den Comics beachtet niemand das Schwert auf meinem Rücken, je tiefer ich wieder zur Belletristik vordringe, desto mehr Blicke ernte ich.
Wie schön dann die Überraschung, als C. auch mit einem Schwert auftaucht, „du brauchst jo wen zum kämpfn!“
Zu Mittag freuen wir uns wie alte Leute über unsere mitgebrachten Klappstullen.
B. resigniert am Verlagsstand angesichts der diebischen Menschen. „Ma, sie san so frech, sie stehlen in einer Tour“, sogar die fingierte Verlagsvorschau. Mir wär's fast eine Ehre, würde mein Buch gestohlen, aber nur fast.
Beim Heimfahren starke Erschöpfung in der Straßenbahn. Zwei extrem schweißelnde junge Männer küssen sich bei jedem Halt so sacht in die Gesichter, als röchen sie nach blühendem Jasmin.
Wir
bewegen uns bewaffnet durch die sichere Stadt. Im Hotel sauen wir D.s
Teppichboden ein. Dann gehen wir wie alte Damen bald ins Bett.
29.3. Nürnberg
Unabsichtlich sind wir dem Starkregen zuhause in den klimabegünstigten Norden entkommen.
Die nach 1945 wieder aufgebaute Innenstadt ist eine sehr gelungene Kopie ihrer selbst. Dem internationalen Tourismus ist das nicht entgangen; mit Mittelalter, Advent und Bratwurst lässt sich Deutschland vermarkten.
Das Klutentreter-Denkmal
Ein alter weißer Mann agitiert in einer Buchhandlung die geduldigen Damen so peinlich an, dass es sogar mir peinlich ist, links zu sein. „Rosa Luxemburg, kennen Sie?!“
Ich leide schon sehr unter Hundeentzug und verfolge die fremden Tiere mit meiner Liebe.
Glückliche Stunden vor dem Bieramt in der Nähe des Dürer-Hauses, neben dem extrem absurden Kupferhasen. Wir erfinden Marketing-Empfehlungen, da ja der Hase in Wien ist und das Nashorn in Washington: ein neues Dürer-Tier von einer KI fingieren lassen und dreist als echt verkaufen, z.B. einen schönen Fisch oder eines der Trendtiere (Corgi, Einhorn, Faultier, Otter).
Burgerbestellen bei Hipsters: „Supergern!“
Es gibt sehr teure Mülltrenninseln für Modelleisenbahnfreunde im Drogeriemarkt zu kaufen.
30.3. Nürnberg – Wels
Bei der Fahrt hören wir D.s „Vom Leben der Natur“-CD: Kraken beweisen, sagt ein Biologe, dass es kein intelligent design gibt, weil sie durch ihr Gehirn verdauen müssen.
Missglückte Hundebegrüßung bei der Heimkehr – Fini erlebt gerade ihren ersten Drogenrausch, weil sich das arme, dumme Ding beim Stöckchenfangen das Maul zerrissen hat. Man lebt immer in der Sorge.
Den ganzen versäumten TV-Junk an einem Abend nachgeholt.
Am
Schluss frisst der Hund wieder. #happyend
31.3.
Sommerzeit, und wieder der Jetlag des kleinen Mannes. Dazu ist es winterlich kalt. Wetterbericht auf orf.at: „Dem Himmel ist heute nicht zu trauen!“
***
Es muss einen hohen Preis bekommen, als Mensch der Gesellschaft keinen Dienst zu erweisen. Uneinsichtige Firmen-Erben, rechte Influencer oder Investment Punks müssen 45356% Steuern zahlen, wenn sie deppert sind.
***
Alles hat ein Ende, auch die Wurst.
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