Dienstag, August 02, 2005

Menschlich betrachtet: Sonntagsfreunde verhindern Sonntagsfreude

Frau Dominkia M. aus dem schönen Schönering hat in ihrem Leben schon so manches Leid hinnehmen müssen: Einst aufstrebende Sportgigantin, wurde sie nach dem Krieg durch eine ganze Reihe von Knie-Malaisen auf den Sport zwischen ihren Ohren reduziert. Oft hatte sie damals der Mut verlassen, wenn nach monatelanger Aufbauarbeit wieder einmal alles in sich zusammengestürzt war.
Aus dieser Krise konnte ihr nur die spontane und unbürokratische Hilfe durch andere Menschen heraushelfen. Frau Dominkia konnte so dem Sport abschwören und sich auf ihre Kunst konzentrieren.
In ihrer geschützten Turmstübchenwerkstätte jedoch wurde Frau M. übermütig und ließ sich von ebenjenen Freunden, die ihr das Leben mit ohne Sport eigentlich versüßen sollten, zum Fußballspiel überreden. "Nur fünf Minuuuuten!", bettelten diese angeblich. Und prompt passierte es wieder: Frau M. bleibt nach einem missglückten Kopfball mit dem Fuß in der Ligusterhecke stecken und zerdreht sich das Knie erneut. Die Schmerzenstränen fließen dick und heiß über ihr Gesicht. Schnell sind auch die Freunde zur Stelle.
Doch anstatt sanft über das nutzlose Gelenk zu streicheln und die Verletzte heldenhaft ins Krankenlager zu tragen, wird der ein letztes Mal brutal auf ihre Geistigkeit Zurückgeworfenen von ihrem Lebensabschnittsgefährten nur beschieden: "Steig glei drauf... jo, so... passt! Jetzt geh weg!" Und der selbsternannte beste Freund hat schon wieder den Ball am Fuß und schreit im Davonstürmen: "Minki, des muasst vasteh!"
Frau M., für die Kummer normal ist, weil sie daran von klein auf gewöhnt ist, meint dazu: "Ich hätte das gerade noch ertragen, schließlich sind die beiden auch nur Männer. Aber dass ich dann auch noch für die beiden ums Bier gehen musste, hat mich gebrochen."
Welchen Trost kann man Frau M. spenden? Keinen, nur die Erkenntnis: Menschlichkeit ist keine Schönwetterfreundschaft!



Kein Hort der Menschlichkeit: Fußball

Kommentare:

Goldbaer hat gesagt…

Zum Vorwurf der Schönwetterfreundschaft hab ich mich ja wohl deutlich im Kommentarteil zum "Wunder von Ktis" geäußert. Zum Knieunfall nur soviel:
1) Es ist im Profifußball mittlerweile international üblich, wegen ein paar Leichen auf den Rängen Spiele nicht mehr abzubrechen. Auch die Schumi-Brüder fuhren am Tag als Mütterlein starb ein Rennen. Die Zeiten (1976), in denen ein Arturo Merzario extra seinen Williams anhielt, um den brennenden Lauda aus seinem Ferrari rauszuholen, sind vorbei. Wenn diese Härte für weichgezeichnete Pferdeköpfchen zuviel ist, dann ist Sport vielleicht wirklich nicht das richtige.
2) Ich wollte aus Fairness den anderen beteiligten Männern gegenüber meine zum Trösten und Kniestreicheln ratende Sozialkompetenz nicht unnötig-übermotiviert zur Schau stellen. Dass diese Noblesse von niemandem verwertet wurde, ist bitte nicht mir anzulasten.

Dominika Meindl hat gesagt…

Ad 1: Erstens: Ja, gib mir ruhig noch einen weiteren Grund, Formel 1 deppert zu finden. Zweitens: Wenn du gerne mit den unsäglichen Schuhmachers verglichen werden willst, bittesehr. Drittens: Ich lag nicht auf den Rängen darnieder, sondern als Stürmerstar!
Ad 2: In deiner Funktion als "bester Freund" bist du in Sachen "Sozialkompetenzt" die erste Anlaufstelle, da kannst du ruhig auch einmal etwas übermotiviert agieren - zarwos bitte steck ich denn das Bein in den Liguster?! Traurig, dass ich dir das alles erklären muss.

Anonym hat gesagt…

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