Donnerstag, Mai 19, 2005

Paranoid Android

Liebes Publikum!
Nachdem schon oft der Verdacht geäußert worden ist, dass "Die Lugners" auf ATV geskripted seien und deren skurriler Ehezwist nur der Quotensteigerung diene, möchte ich das Fernsehpublikum nicht mehr länger hinters Licht führen: Ja, die Lugners sind geskripted und gefaked, aber nicht nur das, sie sind auch nicht echt. Das bedeutet jetzt nicht, dass Richard Lugner eigentlich ein Tierstopfer aus Bundschuh ist, oder Mausi Lugner Hundefriseuse aus Favoriten, sondern noch viel mehr: Sie sind meine Geschöpfe.
Ich habe in Zusammenarbeit mit ORF und ATV im Zuge eines Forschungsprojekts für Moderations- und Schauspielattrappen Androiden entwickelt, die fähig sind, zu sprechen und sich selbstständig zu bewegen. Viele haben es geahnt, haben das monotone Genöle und unverständliche Verhalten der Lugners nicht für möglich bzw. menschlich gehalten haben. Das war die große Schwäche meiner Androiden: Sie reden zwar wie aufgezogen, bringen dabei aber wenig Brauchbares hervor. Auch die Gesichtsmimik ließ zu wünschen übrig.
Dennoch erachte ich meine Leistungen als revolutionär! Und das Publikum hat reagiert wie bei "Star Wars": Die Lugners sind bekannter und beliebter als ihre menschlichen Kollegen. Das Setting am Markt hat mithin tadellos funktioniert; das "Puppenhaus" meiner Produkte, die Lugner City und der ORF, kann es bald mit Disney World aufnehmen.
Der Grund, warum ich jetzt so schonungslos den Vorhang lüfte, ist der Versuch der Drittmittelakquisition für die Entwicklung der neuen Generation. Diese soll im Gegensatz zur ersten Generation nicht nur etwas "natürlicher" wirken, sondern auch selbstständig Input abliefern können. Ich freue mich über Ihre ernstgemeinten Anbote!
Auf Anfrage ist eine Liste meiner Produkte erhältlich. Hier meine augenscheinlichsten Attrappen:





Meine Assistentin präsentiert die damals neuen Exemplare in der Lugner-City. Foto: MNK


Die erste Generation meiner Humanoiden. Foto: MNK



Fasching im Marchfelderhof.
Foto: MNK

Kommentare:

Psychotante hat gesagt…

um mögliche paranoide Schübe bei den vielen potenziell gefährdeten Blogglesern zu verhindern (die müssen dann nämlich wir Psychologen ausbaden!), möchte ich in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, daß Androiden zwar unter uns weilen, bisweilen aber noch zur Ausnahme gehören, da extrem kostspielig und schwer zu entsorgen bei Ableben und Funktionsverlust. Zumeist findet man sie unter den sogenannten Celebrities, manchmal, dann zu forschungszwecken, im eigenen Haushalt. Minkasia scheint einen solchen zu hause sich für wissenschaftliche und caritative Arbeiten rund um die Uhr ohne Pausen, und mit nur wenig Essens- und Freizeitbedürfnis (Fußball und Laufen) heranzuziehen. Im Haushalt scheint es noch zu happern (laut ihrer Meinung), ansonsten DAS Prachtexemplar ihrer Züchtung! Dazu möchte ich nochmals gratulieren!
Bei Ängsten und zwanghaften Kontrollzwängen von Androiden umgeben zu sein, wenden sie sich bitte an www.beratung-therapie.de

Minkasia hat gesagt…

Herzlichen Dank für den Hinweis und das Angebot psychologischer Betreuung, Frau Mag.!
Ja, in der Tat habe ich meinen ersten Versuch nach wie vor im Haushaltseinsatz. Ich nenne ihn meinen Hausverwaltungsgolem. Leider habe ich vergessen, ihm die Software für begeisterte Fenster- und Parkettkosmetik nicht einzubauen. Dafür ist er aber reinlich und - wie bereits von Ihnen erwähnt - immens sparsam. In letzter Zeit tut er es seinen Nachfolgern immer mehr gleich und drängt in die Öffentlichkeit. Von wem meine Kinder das haben?!