Freitag, August 02, 2019

Das Phantom der operanten Konditionierung

Eine halbe Stunde brauche ich, um jenen Grad der Konzentration zu erreichen, in dem ich es aushalte, das Dokument "Roman" zu öffnen und angesichts der 249.420 potenziell fehlerhaften Zeichen an einer random Stelle mit dem Weiterschreiben (= 18. Umschreiben) zu beginnen. In Minute 32 habe ich die erste fahle Passage gefunden und einen Plan entwickelt, wie daraus etwas zu machen sei, für das ich mich nicht völlig geniere, da fällt mir ein, wie gut es ist, dass wir zuhause kein Festnetztelefon mehr haben, das mich genau jetzt durch ein Klingeln, das nicht mir gilt, aber nur von mir in diesem Moment gestoppt werden kann, da irgendein Mitmensch ein Anliegen haben könnte, das dank einer medizinischen Intervention meines ex-erziehungsberechtigten Mitbewohners, der gerade ohnehin nicht anwesend ist, sonst würde es nicht mehr klingeln, einer alle erleichternden Linderung zugeführt werden könnte, aber wahrscheinlich wäre wieder nur ein aggressiver Telefonkeiler der schon siebenmal folgenlos von mir mit dem Tod bedrohten Firma San Lorenzo dran, der mich mit einem 1000 Kilogramm schweren italienischen Akzent, den billige Drehbuchautoren mafiös anlegen würden, fragen würde, warum „hiere in Leitenwege, Austria“ niemand mehr die Anrufe der Olivenölmafia entgegennehme, „e!?“ und ob wir nicht doch wieder eine Kiste voll überteuerter Antipasti bestellen wollen, andernfalls seien wir „sere bese Mensche!“; oder es ist eine entfernte Verwandtschaft, die mich ohne Namensnennung fragt "Goi, du kennst mi ned!", die aber dem obgenannten und als abwesend gemeldeten Vorfahren ansatzlos ein persönliches Leiden übermitteln lässt, das recht intime Einblicke in die mir bis dato unbekannte Verwandtschaft im 17. Grad bietet.
Aber es gibt kein Festnetztelefon mehr, das mich jetzt in diesem kostbaren Moment der Möglichkeit, den Scheißroman endlich fertig zuschreiben, berauben könnte, nur noch diesen Erinnerungsphantomschmerz daran und das Blog, in das ich diese Feststellung gleich hineinschreiben muss, um das Klischee der Autorin mit Schreibblockade ironisch zu erfüllen, wie finden Sie übrigens den Titel, hat er eh irgendwas mit dem Inhalt zu tun? Ein paar Sätze muss ich auch noch herschreiben, damit der Eintrag die 2500-Zeichen erreicht, dank derer ich das hier der LiterarMechana als „Kunst“ melden darf. Vielleicht fällt mir noch ein besserer ein. Nun aber habe ich das Bedürfnis nach Mittagessen, und später zahlt sich auch nichts mehr aus, morgen unternehme ich einen neuen Anlauf, außer es ist schön gemeldet, dann gehe ich auf einen Berg. Guten Tag!

Dienstag, Mai 21, 2019

Fremd im eigenen Hirnland

Ein lieber Kollege spricht mich auf meinen Text im neuen Landstrich an, er arbeite grade zum gleichen Thema - da fällt mir ein, dass ich keine Ahnung mehr habe, was ich eingereicht habe. Drei Monate und keine Erinnerung. Thema war "fremd". Ich bin wirklich eine andere. Oder die Demenz greift an.
Das ist jedenfalls der Text: 

Fremdkörper

Vom rechten Weg abkommen

Akzeptable Affekte gegen das Fremde:
Über die schlecht vernarbte, geschwollene Wunde streichen und so über das metallische Kratzen der Fingerkuppe über den Splitter erschrecken, dass die linke Hand vom rechten Unterarm zurückzuckt. Oder. Aus dem Traum gerissen werden, weil einem jemand ins Gesicht gefasst hat, den Angreifer packen und wieder heillos erschrecken, weil es die eigene, eingeschlafene Hand ist, die auf der Wange lag. Auch. Die Kanonenkugel von Playmobil in der Kindernase. Und überhaupt. Viren im Leib, Viren im System. Der Hexenschuss beim Anziehen der Socken.
Unter Umständen verständliche Xenophobie:
Mit einer vor Wochen verstorbenen Maus im Mund aufwachen, den Leichnam als die eigene Zunge erfahren, dann aufstehen und sich den Magen umdrehen, der autoimmune Gram gegen den Kopf, die Scham nach vier Bieren. Oder. Die Küchenkastenkante, die schon seit Jahren an derselben Stelle auf dieselbe Stelle des Hinterkopfes trifft, und dann die Hand, deren Knöchel im Zorn auf das Holz schlagen; der Schmerz, der sich dadurch nicht teilt, sondern verdoppelt.
Sachgerecht sublimiertes Fremdeln gegenüber dem Anderen:
In vierzehn Semestern mühsam die offene Dialektik von Eigenem und Fremden verstehen lernen; Paratexte, die sich in einen Wirtstext einnisten, wie der Wikipediaeintrag im autobiographischen Versuch über den Fremdkörper, einfach so, denn ein Fremdkörper (lateinisch corpus alienum) ist ein fester, einem Organismus fremder Körper, der von außen her in die Gewebe oder Hohlorgane des menschlichen oder eines tierischen Körpers gelangt ist. Die Art der Fremdkörper ist sehr vielfältig und reicht von Staub und Haaren über Murmeln und Geldstücke bis zu vergessenen Scheren und Tüchern (Gossypibom) im Gewebe nach einer Operation. Oder. Im Urlaub mit einem Mal doppelt so viel wahrnehmen, nur weil alles um einen herum so exotisch ist. Englische Witze bevorzugen, weil man sie schlechter versteht.
Der rechte Weg:
Ein Dutzend Rösser zur Wahrung der Sicherheit. Oder. Botschaften im holpernden Endreim, Pummerin statt Muezzin. Oder. Hegel rechts auslegen, dem Recht das Folgen lehren. Werte ehren. Den rechten Arm heben, um den Linken zu winken. Den Fremden das Ersaufen schaffen.

Montag, April 15, 2019

Schönering. Ein Ort gibt nicht auf. Eine Schrift anlässlich des 90. Wiegenfestes von Alt-LH Josef Ratzenböck

Aus: "In der Heimat der Fußkranken"

Wir gehen vorbei an der renovierten Raika-Bank, laufen über die Bundesstraße und nehmen die Abkürzung durch den Friedhof. Auch der ist vor wenigen Jahren erneuert worden, seit das Dorf vom Bauchspeck der Kulturhauptstadt überwachsen wird. Ganz, als ob der vergrößerte Weihgrund den Greisen das Ableben schmackhaft machen soll, weil die Jung- und Akademikerfamilien Platz brauchen. Vor zehn, fünfzehn Jahren ist Schönering in die Kategorie des Vorstädtischen gekippt. Aber ich hatte als Kind noch rechtzeitig bei den benachbarten Bauern das Schlachten ihrer letzten Schweine und Stiere beobachtet, bevor sie ins Ausgedinge gingen oder auf Bauernparty-Eventmanager umstellten. Damals hatte ich nächtelang schlecht geträumt. Aber beim Studieren konnte ich später viele Bürgerskinder und BWL-Studentinnen mit meinen einschlägigen Landerlebnissen beeindrucken.
Franz ist mit seiner Familie vor wenigen Jahren ins Haus neben meinen Eltern gezogen. Er arbeitet in der Stadt und kommt vom Land; das aber richtig – nämlich aus dem Sauwald. Den Zentralraum empfindet er einerseits als ›identitätsarm‹; er spottet bei jeder Gelegenheit über die nahe PlusCity und den unmotivierten Dialekt der Menschen hier. Andererseits ist er so integrationswillig, dass er dauernd im Pfarrblatt abgebildet ist. Fledermauswandern mit den Grünen, Sonnwendfeuer mit den Schwarzen, Punschtrinken für die Feuerwehr, Mostkosten mit den Roten, Knödelsonntag in der Kirche, Filmschauen mit dem Pfarrer. Nur für den Kornblumenball ist er sich zu schade, obwohl er gerade dort noch das alte Schönering mit seiner hohen Nazi-Dichte erleben könnte. 

 Symbolbild "Franz mit kleiner Blasmusik"

Heute traben wir an der Volksschule vorbei, die an drei Seiten vom Friedhof umzingelt ist. Ich erzähle Franz, wie das Schulgebäude ausgebaut worden ist, als ich in die Vierte ging. Zur Wiedereinweihung ist dann sogar der Landeshauptmann gekommen. Aus irgendeinem Grund hat man damals ausgerechnet mich dazu ausersehen, dem Ratzenböck Blumen zu überreichen. Meine Eltern zerrten mich also aus dem kleinen Waldstreifen, in dem ich während des Sommers als Indianerhäuptling ein strenges Regiment über die anderen Nachbarkinder führte. Sie wuschen mir den Dreck aus dem Gesicht, bürsteten mir die Ritter aus dem Haar und steckten mich in ein zu enges Dirndlkleid. Ich ließ alles erschrocken und schreckensstarr über mich ergehen. Als mir die Direktorin dann einen Blumenstrauß in die Hand drückte und mich in Richtung Landesjosef plus Blasmusik schob, wallte schließlich die Angst in mir hoch. Ich schickte mich an, auf meinen kurzen Beinen das Weite zu suchen. Mein Vater fing mich nach drei Metern ab, drehte mich in die richtige Richtung und sorgte so dafür, dass der Ratzenböck doch noch zu seinen Blumen kam. Den Fluchtimpuls habe ich heute gut im Griff, aber ein Dirndl habe ich seitdem nur noch unter Protest angezogen.
Franz gluckst vor Lachen, aber auch vor Bierdurst. Die Kantine des neuen, in pilzartiger Geschwindigkeit aus dem Boden geschossenen Reha-Zentrums lassen wir rechts liegen. So wie das ›Café Regina‹ des Fleischhackers, da wir dort bei unserer letzten Exkursion in den ›Ortskern‹ unter Substanzeinfluss von der Budel gekippt sind und von den diensthabenden Zivildienern erstversorgt werden mussten.
Nur einen Steinwurf – und ich kann nicht weit werfen – entfernt schimmert an einem großen Vierkanthof fahl das Schild ›Gasthof Übleis‹. Vor dem Eingang zögern wir, ich nehme mir zuerst ein Herz und stoße mit einem etwas zu forsch geratenen »Sgood!« die Tür zum Schankraum auf. Haben wir von außen gerade noch lautes Reden sowie Fäuste und Karten auf den Tisch knallen gehört, so herrscht nun große Stille in der kleinen Gaststube. 13 Augenpaare starren, eines davon hinter dicken Brillen, die ich abnehme, da der Dunst mir die Sicht verschlägt. Ich sehe ohne Brille fast genauso schlecht wie ohne Augen, also vergeht eine peinsame Weile, bis ich mich wieder orientieren und bewegen kann. Franz ist derweil reglos hinter mir stehen geblieben.
Langsam nehmen die Gäste ihre Gespräche und Schnaps-Partien wieder auf und sehen nur noch verstohlen zu uns her, während wir uns hinsetzen. Über dem Nebentisch hängt ein riesiges Luftdruckgewehr, darunter sitzen drei Kartenspieler in Ballonseide, auf der jeweils ›Asphaltstockschützen Schönering‹ steht. Im Übrigen kenne ich keinen anderen kleinen Ort, in dem eine derart riesige Asphaltstockhalle steht. Ein imposantes Mahnmal antiquierter Leibesertüchtigung.
Der Kellner kommt. Er trägt ein T-Shirt, auf das ihm ein Kind einen Igel und in krakeliger Volksschulschülerschrift ›Sei nicht immer so stachelig‹ gemalt hat. Auf seinen Armen sind ebenso ungelenke Tätowierungen zu sehen, aber keine Igel, sondern blutende Messer und Herzen. »Wos ham’S n firan Wunsch?« Unter dem Tisch trete ich sacht gegen Franzens Schienbein, um ihn an die Wette zu erinnern. Er räuspert sich. »Wöchane Proseccosorten hobt’s denn?«
Sein Gesicht glüht vor Scham wie ein bulgarischer Reaktor, auch der Kellner wird rot. Wieder wird es still. »Zwoa Hoiwe woin ma«, erlöse ich die beiden und schließlich wird am Nebentisch wieder gekartelt.
So sitzen wir und hören zu, weil wir uns sowieso nicht auf ein eigenes Gespräch konzentrieren können – denn an den anderen Tischen schwebt die aufregende Möglichkeit einer Handgreiflichkeit in der Luft. Ein Landesbeamter verteidigt gegen vier Voestler die Anzahl seiner Arbeitsstunden und provoziert auch durch geringfügige Liberalitäten in der Ausländerpolitik. Wir sind gebannt und sprechen nur beim Bestellen. So werden aus den zwei Halben drei, vier, fünf, sechs. »Wiaso duzt mi der blede Kööna ned, glaubt der, i bin wos Bessas?«, raunzt Franz Stunden später, sobald wir aus dem Wirthaus draußen sind.
Und dann torkeln wir wieder zurück ins Einfamilienhausghetto, vorbei an Gärten voller SchwimmbeckenSchaukelnTrampolineCarportsThujen. Wir übergeben uns zum Abschied auf dem Vorplatz vor dem Volvo-SUV meines Vaters. Denn bevor man über andere spottet, soll man zuerst vor seine eigene Haustür kotzen.

Dienstag, April 02, 2019

Persönliche Reizworte, neue Lieferung (April 2019):

Mir kommt vor, dass ihr alle mein Glück wollt, und dass die Herstellung meines Wohlgefühls gemäß dem Kantschen Imperativ ein sehr tüchtiger Schritt in Richtung Weltrettung sein wird. Nehmt euch deswegen meine Handreichung zu guter Sprache, gutem Denken und gutem Handeln zu Herzen. Lest, denkt, vermeidet!
 
Worte, Phrasen und Sachen, die mich instantan wütend machen
 Zuckerdiät – ex aequo mit Brexit
Eigentlich alles mit Hashtag, am schlimmsten sind derzeit aber: #mindfulness #enjoythemoment #neverstopexploring #grateful
Reform der Mindestsicherung“
yummy“ ist jetzt gleichauf mit „lecker“
Game Changer
Ehedrama, Ehe-Aus
Powerfrau (stabil scheiße seit 1983)
Halbfettmilch
Stöckelschuhtraining zum Frauentag (und immer), High Heels (immer)
Identitär
Yoga
Man muss sich xx als glücklichen Menschen vorstellen.“
Audi Q5 und 7
tief in ihrem Inneren
Ausreisezentrum
Trendfarben
Frauen sind von Natur aus...“
Raf Camora
Standort
Rassismuskeule
Elektroswing (wir hatten jetzt sehr viel davon)
Cutie
Frauen, die ihren Mund auf Fotos sinnlich öffnen
Beidl
Strukturbereinigung
After Eight (immer schon)
Volksrock
NLP
Am Ende des Tages (gekommen, um zu bleiben)
Arminia Czernowitz (frischer, brodelnder Hass)
Genderwahn
Sichern Sie sich jetzt xy!“
Mega
Herbert Kickl
Sein bisher persönlichstes Album“
Familienvater
In der Steinzeit gingen die Männer jagen.“
BMW X3, X5, X6 (aufsteigendes Reizpotenzial)
Allergienasenrotzhochziehen
Westring
Rosa und blaues Playmobil (ihr Ärsche!)

Dienstag, März 12, 2019

Blaue Eier, Hitlers Fehler und noch was zu Vögeln

Neues aus der Reihe "Was ich eigentlich für die Lesebühne geschrieben hätte, aber nicht vorlas, weil ich mich wieder einmal total verplaudert habe":

Die blauen Eier des Trauerschnäppers

Oder: Was Menschen mit Vögeln verbindet

Wird der Mensch sich selbst zum Rätsel, spechtle er die Tierwelt aus. Besondere Einsichten gewinnt, wer sich Vögeln widmet. Hier bietet sich der Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca) aus der Familie der Schmätzer an. Der gefiederte Freund hat nämlich ein Faible für blaue Eier.
Sie in dieser Farbe zu legen ist für Mutti Schnäpper auf den ersten Blick eine kraftraubende, evolutionär sinnlose Verschwendung. Der Trauerschnappvater jedoch weiß ihre Plage zu würdigen und hilft bei der Brutpflege, je blauer desto eifriger. Der Vögelkundler schließt: Der männliche Eispender erachtet das Signal der Vogelmutter (sinngemäß: „Hilf mir mit den Kindern, du Ei!“) als vertrauenswürdig, weil sie sich für die Bläue der gemeinsamen Brut so viel angetan hat. Vergeudung ist also sinnvoll.
Diese Handicap-Theorie ist das Gegenteil zur Sackgassentheorie, nach der etwa törichte Pfauenfrauen ihre Spezies in eine evolutionäre Sackgasse getrieben haben sollen, weil sie es nur mit Artgenossen mit großen Schwanzfedern getrieben hätten. Richtig aber ist: Blaue bzw. große Dinge = großes Vertrauen. Und Vertrauen ist das Hochbeet der Liebe.
An dieser Stelle reichen einander Ornithologen und Psychologen jauchzend die Hände.
Die blauen Eier sind dem Menschen blondes Haar. Es tritt in der Regel mit mangelnder Hautpigmentierung auf. Legen sich männliche oder weibliche Blondinen in Zeiten der Klimaerwärmung trotzdem auf den Freibadgrill, signalisieren sie mit ihrer verschmorten Haut potenziellen Ei- oder SamenspenderInnen, dass sie an die große Liebe glauben. Der Erfolg gibt den blonden Bestsellern auf dem Markt der Geschlechter Recht.



Hitler irrt, Teil 3645467657

Eine liebe Passage aus „Mein Kampf“, wo Hitler versucht, Darwin zu verstehen, aber recht deutlich scheitert (am ontisch-ontologischen Fehlschluss, falls Sie es genau wissen wollen):
"Jedes Tier paart sich nur mit einem Genossen der gleichen Art. Meise geht zu Meise, Fink zu Fink, der Storch zur Störchin, Feldmaus zu Feldmaus, Hausmaus zu Hausmaus, der Wolf zur Wölfin usw."
 

Vögeln an der Börse

Folgendes: Ein südkoreanischer Papagei hat in einem Experiment 2009 fast alle humanen Ko-Spekulanten aufgejausnet. Nur zwei Spekulatii waren besser, der Rest stank gegen den Federmann ab. Der schnäbelte per Zufall aus dem Portfolio, die menschenartigen Börsexperten nach Strategie.
Die Börse in Shanghai reagierte umgehend und sourcte flugs sämtliche Wertpapier-Consultings an die Geflügelabteilung des Vögelparks Schmiding out.
Das war jetzt gelogen. Aber da braust doch allerlei über den Assoziations-Highway. Könnte man zB nicht das Spiel so adaptieren, dass ein dressierter Affe gegen zehn menschliche Blogger antritt?
Diese Mitteilung wird übrigens gerade aleatorisch von einem Labrador-Hühnerhund-Mischling geschrieben. Ist bestimmt nicht schlechter als die letzten zehn.

Dienstag, Februar 19, 2019

Der dogmatische Schlummer. Neue Sextipps.

Teil 2 der bald schon belieten Reihe "Ungelesene Restln von der Lesebühne, weil ich mich beim Moderieren verquatscht habe". Heute: Aufklärung für Philosophen und Bumsnovizen.

Dies und das zur Erhellung

Die Wissenschaft weiß, dass Immanuel Kant, der größte aller Aufklärer, aller Wahrscheinlichkeit nach in seinem Leben nie eine Frau – Obacht, biblisches Wortspiel – erkannt hat. Das ist ja, als wäre der Erfinder des Penicillin an Durchfall verstorben! Aber der Geistesriese von Königsberg erklärte auch das Bier zum „langsam tötenden Gift“, wir dürfen ihm also ohnehin nicht alles glauben. Leider erschüttert das halt das ganze Aufklärungsgebäude in seinen Grundfesten. Heute möchten wir alle Kraft in die Versöhnung von Geist und Leib legen. Ein Teenstar für Erwachsene! Also: Legen wir selbst Hand an unsere Hirne, holen wir die Sexualität, aber auch das Denken aus dem dogmatischen Schlummer.

Fragen an das Dr. phil. Sommer-Team

Manfred, 41: Ich habe seit drei Jahren eine feste Freundin, wir haben auch schon Sex miteinander. Sie sagt, es taugt ihr, aber ich habe Angst, dass sie ihren Orgasmus nur vortäuscht. Wie kann ich mir sicher sein?
Dr. Sommer-Team:
Lieber Manfred! Mit deiner Sorge bist du nicht allein. Nicht umsonst ist „Was können wir wissen?“ die fundamentalste aller vier kantischen Fragen. Die Reflexion auf die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis, die epistemologische Transzendentalität ist apriorisches Prinzip jedweder Ontologie! Der weibliche Orgasmus ist kein reiner Begriff, sondern als Sensation nur a posteriori erkennbar. Die bloße ästhetische Anschauung reicht nicht, um den Verblendungszusammenhang zu durchdringen. Im Sinne der Dialektik von Theorie und Praxis muss also Cunnilinguistik zur Anwendung gebracht werden. 
 

Margit, 39: Liebes Dr. Sommer-Team! Meines Erachtens geht ja die Existenz der Essenz voraus, das Wesen des Menschen ist nicht theoretisch-rational vorbestimmt, seine Sinnbestimmung lässt sich erst im Erleben der Existenz vollziehen. Leider ist mein Freund nicht besonders gut im Bett, sodass ich befürchte, immer noch keine ausreichenden empirischen Daten in Bezug auf die Existenzialie „Sex“ zu haben.
Dr. Sommer: Liebe Margit, keine Sorge, so wie dir geht es tausenden anderen jungen Philosophiestudentinnen in deinem Alter! Vor eurem richtigen ersten Mal mach' dir bewusst, dass er genauso unsicher und aufgeregt ist wie du. Erzähl' ihm von deinen Wünschen! Auch der tollste Dekonstruktivist kann nicht hellsehen. Vielleicht hat er auch über die weibliche Anatomie noch nicht ausreichend nachgedacht. Wenn er sich hauptsächlich darauf konzentriert, dass du es schön hast, seid ihr auf dem richtigen Weg.

Samstag, Februar 09, 2019

Nachtrag zur Lesebühne: Gutes Benehmen - die Algorithmen gesellschaftlichen Gelingens

Teil 1 der neuen Reihe "Was ich bei der Lesebühne nicht vorlesen konnte, weil ich mich wieder vermoderiert habe". Heute: "Gutes Benehmen leicht gemacht":

Businessidee Wertekatalog:

Angelehnt an Kastner & Öhler (vorne Gwand – also Lederhosen statt Burka, hinten Haushaltsgeräte – Mixer für sie, Kapperl mit Bierdosenhalterung für ihn, über Liederbücher, Weinheber-Lyrik-Gesamtausgaben, die Kreuzzugsreden-Anthologie, klerikale Kinderpädagogik-DVDs).
Tendenz: Ausbeutung ist ok, solange man dabei kein Kopftuch trägt. Sehr wichtig: Todesdrohungen ab jetzt bitte in besserem Deutsch! Ich setze mich übrigens auch für die Deutschpflicht ein, für alle, auch die Nazis. Da fehlt's an allen Ecken und Enden. Viele der Postings über den „linken Pöbel“ sind in mangelhafter doitscher Muttersprache verfasst. So wird dem Islam Tür und Tor geöffnet. Am Schluss dann die Umvolkung.

Fragen an uns selbst, ensembleintern:

Was ist in deinen Augen der schlimmste Verstoß gegen den Anstand?
Audifahren, öffentliches Nasenbohren, FPÖ-Wählen, Einkaufswagerl in die Kniekehlen schieben, mit offenem Mund Kaugummi kauen, die cartesianische Leb-Seele-Dichotomisierung, Kurz wählen, in Aufzüge pissen, Kompost in den Restmüll werfen, jemandem wegen einer religiösen Angelegenheit töten, Nägelkauen, jemanden wegen einer unreligiösen Sache töten, die Hand ganz lappert geben, Tieren die Beine auszupfen, immerzu über Trump reden, eine Frau fragen, ob sie leicht grad ihre Tage hat.

Was war dein eigener peinlichster Fauxpas?
Alle, bis auf Mord und türkisblau wählen

Gutes Benehmen in modernen Lebenslagen:


Frau Gudrung L. fragt: Darf man in Gegenwart von hochrangigem Staatsbesuch speiben? Wenn ja, wohin?
René: Speiben immer nur in die rechte Ecke bitte!

Herr Benjamin U.: Was mache ich, wenn neben Vladimir Putin am Pissoir stehe? Ist es unhöflich, auf seinen kleinen Kreml Chef zu schauen?
René: Eventuell bei Fr. Karin Kneissl fragen? Oder einfach direkt ans Außenministerium wenden. Falls dir das allerdings öfter passiert, würde ich mir überlegen, mit wem du Umgang hast ...

Herr Peter W.: Ich weiß nie mit welcher Gabel ich meiner Sitzpartnerin oder meinem Sitzpartner in die Hand stechen soll, wenn er/sie sich abschätzig über Flüchtlinge äußert!

Frage: Nach wütenden Protesten gegen die Kürzungen der oö. Landesregierungen im Kulturbereich (es kam zu selbstgemalten Schildern und satirischen Erwähnungen) lenkte LH Stelzer ein und erhöhte unsere Fördersumme um ein Viertel (geht halt leider wieder wegen der Indexanpassung für unsere Kinder im Ausland drauf, danke Kurz!). Wie fest dürfen wir ab jetzt die Hand, die uns füttert, noch beißen?
Antwort: Schon noch fest, auch wenn es den OLW wegen ihres verbindlichen Gemüts mehr weh tut als dem LH. Leider liegt es in der Natur der Kunst, dass echte Satire eines Feindes bedarf. Ohne demokratisch legitimierte Eiche haben die freischaffenden Schweine nichts mehr, an dem sie ihre juckende Borke kratzen können. Wir haben es ja selbst gesehen: Wenn wir uns fest am Stamm des Baumes reiben, fallen schmackhafte Früchte herunter!

Frage: Ich bin Araber und betrete Österreich. Wie kann ich mich am besten integrieren?
Antwort: Leider haben Sie durch diese Grenzüberschreitung Ihr Existenzrecht, das ohnehin schon in Ihrer Herkunftsregion ein moralisches Ärgernis bedeutet hat, verwirkt. Nun können Sie die notwendige Mühewaltung zur Bewahrung der nationalen Integrität nur noch durch Ihre selbst ausgeführte letale Entnahme hintanhalten. Apropos!

Frage: Was ist bei einem Mord, der intensivsten sozialen Interaktion, heutzutage zu beachten?
Nun: Auch in unseren schnelllebigen Zeit ist höchstes Augenmerk auf die Waidgerechtigkeit zu legen! Diese Verhaltensnorm wird immer wieder aufs das Unschönste missachtet. Zum waidgerechten Mord gehört das Ansprechen des Opfers ebenso wie die Beachtung der Schonzeiten, die beinhalten, dass keine schwangeren Frauen getötet werden, und dass einem Säugling nicht die Mutter weggeschossen werden darf; entsprechendes gilt für die Brutzeiten nach dem Abstillen. Eine erlernbare Voraussetzung für waidgerechtes Morden ist die Fähigkeit des Mörders etwa als Schütze, einen Blattschuss so anzutragen, dass das Opfer nicht leidet, sprich: dass es den Schuss gut annehmen kann. Nach dem Aufbrechen des Gemordeten ist ihm ein Latschenzweig zum Zeichen des Waidmannsdankes in den Mund zu legen. Leider ist zu beobachten, dass viele zeitgenössische Mörder billige Fichtenmonokulturzweige verwenden. Das ist ein grober Verstoß gegen die Sitte, die mit lebenslanger Haft oder gar Entzug der Jagdlizenz zu ahnden ist.

Montag, Januar 28, 2019

Potpourri aus minderen Jänner-Erlebnissen

13.1.
Am Stadtrand von Innsbruck hat sich jemand viel Mühe bei der konsumkritischen Kommentierung von Plakatwänden gemacht; auf einer Werbung für ein Schigebiet steht groß, zweifarbig, mit Buntstift "SPORT IST NICHT ALLES!", und "DU KANNST DIR ZEIT NICHT KAUFEN" auf der Swatch-Wand. 

15.1.
Installationskunst in Mösern: 



Wir können die grotesken taxidermischen Landschaften (Alligator im Blumenbett) irgendwie gar nicht richtig perzipieren, weil das Dröhnen der Schlagermusik alle anderen Empfindungen dämpft. „Der singt, als wär' jemand hinter ihm her“, sagt die Frau neben mir. Schön aber die ganz aus dem Inneren herausstrahlende Jovialität der Wirten. Er stellt auch den kleinen Braunen so hin, als sei es die ortsübliche Portionsgigantomanie, und er schlägt dabei auch mir auf die Schulter, als stünde mir eine Herausforderung bevor: „Auf geht’s!“

17. 1.
Auf der Bühne würde ich diesen Witz nie bringen – aber die beiden jungen, dunkelhaarigen Männer am Innsbrucker Bahnhof sprechen so kehlig miteinander, dass ich ganz ehrlich lange für die linguistische Einordnung „IBK“ oder „Marokko“ brauche. Ganz sicher bin ich mir bis zum Schluss nicht.

19. 1.
Eine mir nicht näher bekannte Facebook-Freundin überrascht ihre Community mit der Mitteilung, sie wolle in diesem Jahr das Töten lernen. Im Kommentarteil sammelt sich das Erstaunen, erst am Ende die Aufklärung über das überlesene L. Wobei das „Tölten“ auch ein ausgeflippter Wunsch ist, imho.

20. 1.
Als Literaturwissenschaftlerin verbitte ich es mir streng, Michel Houellebecqs zunehmend selbstmitleidige Alte-Weiße-Herren-Prosa darauf zu reduzieren, dass er halt wirklich ein schiacher Haberer ist, aber echt.

21. 1.
Latenz: Man baut Chatbots extra eine kleine Verzögerung bei der Antwortgeschwindigkeit ein, damit sie ihre menschlichen „Partner“ nicht zu verstören. Das sag' ich dem nächsten, der mich stresst.



23. 1.
Miriam Hie erzählt dem fassungslosen "Experiment Literatur"-Publikum davon, wie sie 2004 von "News" zur zweiterotischsten Frau Österreichs erklärt wurde. Platz 1 ging an Mausi Lugner. Alle stöhnen vor Pein synchron auf wie ein Mensch. Stefan Kutzenberger sekundiert mit einem kabarettistischen Scheiterbericht, dass trotz medienfreundlicher Umbenennung seines Duos in "Juhann und Jod" zB in Vöcklabruck gar niemand gekommen sei. Ein Abend mit menschlicher Größe.


24. 1.
Beim anfangs ironischen Einüben von "Fang' das Licht" plötzlich vor Rührung ganz klein aufschluchzen, ganz ohne PMS.



25. 1.
Keine Rückläufe nach der Tombola des Grauens, die guten Menschen von Linz haben den ganzen Scheiß klaglos nach Hause getragen.


26. 1.
Jemand bestellt bei einem Besäufnis im Black Horse "a Stamperl Soda", für zwischendurch

Samstag, Januar 19, 2019

Kanäle für die Pein. Quick Wins im neoliberalen Bullshit Bingo

Der Roman, an dem ich "schreibe", hat in meinem Leben meistens nur den Sinn, die Arbeit an allem anderen zu ermöglichen. Manchmal kann ich damit aber selbsterlebte Pein verarbeiten. Im Vorjahr etwa durfte ich einem famosen Kollegen eine Laudatio halten, allerdings erst nach Erleiden eines Motivations-Vortrages von einem "Keynote Speaker". Vergangene Woche musste der Motivator von seiner Funktion zurücktreten, weil er mit einer Zeile aus einem SS-Lied im Werbeheft zum Burschenbund auffällig worden war. 

So geht nun also die entsprechende Passage aus dem Roman:

"Routiniert bedient der Redner die PowerPoint-Präsentation. Sie zeigt ihn selbst beim Triathlon, er spricht über Motivation und Schmerz. Das nächste Bild zeigt eine Bergschlucht mit weichgezeichnetem Fluss. Als „Werte erzeugen Emotionalität“ eingeblendet wird, erkennt Johanna, dass der Alumnimann beim Versprechen, er werde sich kurz halten, denn es hätten bestimmt schon alle Appetit, einen zynischen Scherz gemacht hat. „Markenkern ist essenziel“ steht nun über einer modernen Powerpoint-Wohnlandschaft aus Sichtbeton. Immer größer wird Johannas Sorge, dass ihre innerliche Pein sichtbar werde und hat Angst, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren, sie stellt sich vor, dass er gleich von selbst aufsteht, den Tisch umwirft, den NLP-Jünger dermaßen anbrüllt, dass er sich eine Tröpfeninfektion holen könnte, und sich draußen beim Büffet mit beiden Händen Bratenschnitten ins Maul schiebt. Johanna würde gern ein wenig weinen, nur ganz still. „Die Jugend ist auf der Sinnsuche: Traditionen ist wieder cool“ blendet der Redner ein, er berichtet von der „schönen Entwicklung“, dass jetzt wieder alle Maturanten Tracht trügen. Am Gipfelpunkt des Auseinanderklaffens von Innen- und Außenleben fällt Johanna erst auf, dass ihr Nachbar dieselben mühsam unterdrückten Symptome der Empörung zeigt. Er wechselt die Sitzposition, als brenne die Haut auf seinem Hintern. Er atmet unregelmäßig. Beim Stichwort „Ich komme zur Zusammenfassung: Was sind die Quick Wins?“ neigt Johanna leicht den Kopf in seine Richtung. Er kommt ihr entgegen, hebt die Handflächen nach oben. Er flüstert ihr ins Ohr. „Haben Sie auch Angst, im Sterbebett an Momente wie diesen zu denken?“ Johannas Körper lacht grunzend, und weil ihr ohnehin schon alles peinlich ist, dreht sie sich zum und fragt den Hintermann flüstern, ob er mit ihr durchbrennen wolle, „spätere Heirat nicht ausgeschlossen.“ „Ich bin zu aufgewühlt für große Entscheidungen“, flüstert er, „aber brennen wir einmal bis zur Saftbar miteinander durch.“

Donnerstag, Januar 10, 2019

Bronchialhumor

Wenn ich das Ohr an die Brust des Menschen lege, den ich besonders gut kenne, klingt es beim Einatmen wie faule Frauen beim Geschlechtsverkehr, beim Ausatmen wie wimmernde Seelen im Fegefeuer. 
Ich denke, das ist eine gute Mitteilung, um ins neue Mitteilungsjahr zu starten. 
Gruß, Meindl

Mittwoch, Dezember 05, 2018

Die Stalin-Orgel der Geschäftsideen: Dekonstruierte Medien und Körper (+Katzen kurz vor der Detonation)

Weil das eh so schnell niemand liest, schreibe ich schnell meine neuesten Business-Start-Up-Drafts herein, damit ich unterwegs sofort Zugriff drauf habe, wenn ich einen wichtigen Risikokapitalgeber im Fahrstuhl in die Ecke treibe. 

 Abb. 1: Symbolbild "Lebewesen ohne Diät"


15.11. Die "Fünf-Elemente" All-you-can-eat-Diät
Die sich zu dick Fühlenden dürfen so viel essen, wie sie wollen, nur jedoch von fünf verschiedenen Speisen, und zwar von jenen, die sie am meisten hassen. Intellektuellen das Konzept der "Schauerjause" mittels Kafkas Hungerkünstler erklären. Ich dürfte zum Beispiel nur Mandarinen, Minzlikör/Whisky, mehlige Erdäpfel, Innereien und Marshmellows essen. Geheimplan: Den Menschen mit diesem bescheuerten Speiseregime das Diäthalten austreiben.

Abb. 2: "Die ZEIT ist zu faul, um selbst zu recherchieren"


17.11. ZEIT customized
Vom Leseüberangebot Gepeinigte können ein individuell maßgeschneidertes Abo bestellen; umfassend kompetente Zeitungslesefachkräfte (darum ist es ein sauteures Premiumangebot) suchen aus dem Informationswust das heraus, was die armen Menschen wirklich interessant finden, zB "USA und Tier-Wissenschaft + Quittenrezepte". Mir könnte man Trump, Erdogan und Kurz raussschneiden. 

Abb. 3: Kommunistisches Konzept - Konsumruin durch flächendeckend scheißes Angebot. Top!


23.11.  Antimaterie-Influencer
Menschen mit glaubwürdiger Vorbildwirkung posten unter dem Hashtag #abhiernurnochersatzanschaffungen oder #niemehrwasanderes Produkte, die sich durch enorme Langlebigkeit auszeichnen. ZB Scarpa-Kletterschuhe, meinen Mondeo, den Buttinger, die gleiche Billigbiohandcrème. Weil there is no such thing as Weltrettung durch Konsum. Bei großem Erfolg können der Kapitalismus UND Instagram zerstört werden.


Freitag, November 30, 2018

Virtuelle Fehlprägungen

Ach, den ganzen November hier nichts abgeliefert, schon alleine, weil sich nichts tut, was für die Ewigkeit des WWWeh reichte. Trotzdem fühle ich mich wie eine schlechte Mutter, die ganze Wochenenden verfeiert und ihre Kinder zuhause verderben lässt.

Dienstag, Oktober 30, 2018

Geld und Kult: spirituelles Blockchaining

Mir träumte von einem Betriebsausflug der Original Linzer Worte. Da man uns die Förderung erhöht hatte, gingen sich drei Flugtickets nach Havanna aus. Dort gibt es Neuigkeiten für uns: Das dysfunktionale CUC-Peso-Doppelwährungssystem ist endlich abgeschafft. Aber zugunsten des Bitcoins! Um die Sache vollends bescheuert zu machen, bekommt die Bevölkerung ihr Geld nicht mittels der mir in diesem Leben nicht mehr zu erklärenden Blockchain-Technik. Stattdessen muss jeder Staatsbürger morgendliche Kulturhandlungen am revolutionären Hausschrein vollziehen, dann kommt das Gehalt. Weil auch wir Geld brauchen, kniet René Monet vor einem Altar, darauf Blumen und Bildnisse von Guevara und Castro. Er entfacht Räucherstäbchen und spricht ein Gebet in Fanatasie-Spanisch. 


Und trotzdem lasse ich mir auch im Wachzustand von niemandem sagen, dass ich das Wesen des Finanzkapitalismus missverstanden hätte. It's funny 'cause it's true!

Montag, Oktober 08, 2018

Neue Verbote 1

Das ist mein Verbote-Vorbote. Wir wollen doch alle, dass die Welt besser wird. Und weil die Grenzen meiner Sprache die Grenzen meiner Welt sind, geht das nur über den Seim, den wir den ganzen Tag von uns geben. Sprache schafft Gewalt - konkret Gewaltfantasien tief im Inneren meines Körpers. Darum darf Folgendes nicht mehr geschrieben und gesprochen werden, bei gedanklich ausgeführter Todesstrafe (wir müssen hier sehr streng und bestimmt sein). 
[Diese Reihe wird unregelmäßig fortgesetzt.]

lecker
ab und an
einmal mehr
nicht wirklich
am Ende des Tages
Maßnahmenpaket
auf Augenhöhe
auf den Weg bringen
was in der Pipeline haben
Powerfrau
Familienvater
Schnäppchen
tropisches Flair
irgendwas der Extraklasse
kleiner Mann ganz groß
Stubentiger
Blechlawine
Säckelwart
Ortskaiser
irgendwer steht seinen Mann
zu Gemüte führen
Domizil
tief in irgendwessen Inneren
zum Bleistift
Leisereiter
ich bin einer/eine, der/die...

Freitag, September 14, 2018

Endlich Bürgermeister!


Was soll ich sagen? Schaut doch selbst, wie gut meine Verkündigung, fürderhin auch noch Bürgermeisterin der Stadt Wels zu sein, vom Volk angenommen wurde!















Dank an die Bildstellen: Ronald "Minki" Brutter, Coala "Cleopatra" Meindl und Sebastian "Putin" Fasthuber.

Montag, Juli 02, 2018

Liederliche Schmuckeremiten grölen demonstrative Brandreden. Warum ich meinen Beruf liebe.


Geliebtes Volk!

In den vergangenen Wochen hast du mir viel Freude bereitet. Du hast gelacht, als ich in Wels den Staat dazu verpflichten wollte, Künstlerinnen als Schmuckeremiten bedingungslos anzustellen. Du hast geklatscht, als ich in Linz ohne zu üben "My Way" gegrölt habe, leicht betrunken und mit einer roten Perücke auf dem Kopf. Du hast mir nicht gewünscht, dass ein Blitz mich träfe, als ich in einer Waldviertler Kapelle liederliche Pamphlete verlas. Du hast mich freundlich angeschaut, als ich im Stifterhaus dem LH Protesttaferl gezeigt habe. Du bist mit mir zu hundertausendst in Wien gegen den 12-Stunden-Tag demonstrieren gegangen. Am schönsten vielleicht: Du hast kichernd die linke Faust in den Himmel geballt, als ich dich aufgefordert habe, nach meiner Brandrede irgendwas anzuzünden (s.o.). 
Und weil du so lieb und gut warst, haben wir uns miteinander jetzt eine ordentliche Sommerfrische verdient! Ich arbeite derweil an der weiteren Machtübernahme, sei unbesorgt.

Mittwoch, Mai 16, 2018

Nach Mathematik und Sex fehlt jetzt die Hose. Marcel Hirscher enttäuscht, der Hund ist ein Star.

Wenn das Unterbewusstsein ein mentaler Komposthaufen ist, sind Träume die Pflanzen, die darauf wachsen. Dem einen erblüht eine tragfähige Zucchini-Plantage, der anderen voluminöse Kürbisse (Kürbeen? Kürbi?). Je nachdem, was man früher alles weggeschmissen hat. Auf mir wachsen fossile Schlingpflanzen.
Mit der Mathematik-Matura dürfte ich nun abgeschlossen haben. Nach bloß 20 Jahren. Ebenfalls im Abklingen sind verzwickte, recht anstrengende, nie zielführende Schmus-Träume, offensichtlich bin ich der Aufarbeitung meiner spätpubertären Balzzeit nahe. 

 Symboldbild zum Themenkomplex "Verhältnis Realität vs. Traum" bzw. "der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer"

Aktuell trenden Träume, in denen ich fünf Minuten vor einem Auftritt mit der Recherche dafür anfangen soll, das ganze aber vor allem daran scheitern wird, dass ich keine Hose anhabe. Als ich einmal zu fett zu Abend gegessen hatte, träumte ich davon, dass der Buttinger Marcel Hirscher als Lesebühnengast gewinnen konnte. Live und literarisch erweist sich der siebenfache Weltcupgewinner aber als große Enttäuschung, das Publikum murrt. Ich schimpfe es, "verwöhnte Lumpen!", habe selbst aber gar nichts geschrieben.
Wenn ich Weißwein trinke, stiehlt man mir meinen Mafia-SUV vor dem Nobel-Franzosen, um mich damit totzufahren. Nach Kamillentee komme ich drauf, dass der Hund Star eines in Asien rasend beliebten Computerspiels ist. Sie wird auf Conventions geladen, wo sie still auf der Bühne steht, während Chinesen enthemmt "Aaaaaafra! Aaaaaaafra!" brüllen. 

Was arbeitet da grad in mir? Die diffusen 15 Semester Philosophie? Der Alkohol? Traumdeutungsansätze bitte in den Kommentarteil, ich zahle mit Karma-Bitcoins.

Donnerstag, April 26, 2018

Gender ist ein windschiefes Konstrukt


Lieber Leser, du feine Madame,

weißt du eigentlich, was für ein Gender ich verwalte? Na?! Bin ich (s.o.) die Linke oder der Rechte? Ich frage, weil es da zuletzt große Unsicherheiten gegeben hat. Lass' mich narrativ mit zwei ganz backfrischen Erlebnissen illustrieren: 

1. Zwei Schöneringer Reha-Patienten hinken am Nussbaum vorbei, auf dem ich gerade mein Baumhaus frühlingsfein mache (ich putze). "He schau, cool, der hod si sei Büro do ohm eigricht!" Ich räuspere mich. "Hö, des is jo goa ka Er, des is a Sie!" 

2. Der liebe Kollege Monet tritt bei der Versammlung der Radlobby Oö auf, die ich vor zwei Jahren (stundenlang!) moderiert habe. "Jo, 2016 woa eh scho ana vo eichana Lesebühne bei uns, der Dominik." Monet: "Einen Dominik haben wir nicht, aber eine Dominika." "Eijo, genau, so hod de g'haaßn." 

Antworten zum Geschlechtsrätselspaß bitte in den Kommentarteil, die spaßigste gewinnt (irgendwas).

Dienstag, April 10, 2018

Vorauseilender Gehorsam, oberösterreichische Kulturpolitik und persönlicher Unmut. Warum ich nicht mehr für den Kulturbericht schreibe

Soeben ist nach zwölf Jahren mein letzter Beitrag für den Oberösterreichischen Kulturbericht erschienen. Man hat mir - um den Herrn Landeshauptmann nicht zu behelligen - ungefragt diesen Satz zensiert: "Die öffentliche Hand kann leider keine kulturellen Frauenberatungsstellen mehr fördern, auch kann sie junge Musiker bei der Produktion eines Tonträgers nicht mehr unterstützen." (Mehr dazu auf dem Blog der Kupf).
So mag ich nicht arbeiten, auch wenn ich das Geld gut gebrauchen könnte. Ich halte die Kulturpolitik von LH Stelzer für empörend und finde, dass ihm mein ohnehin streichelweicher Tadel zuzumuten sein muss. Zumal ich als Kulturjournalistin und -schaffende täglich mit den Folgen seines Zusammenkürzens konfrontiert bin.
Wenigstens ist mein letzter Artikel einer über Kreisky.

 
Skurriler Nachtrag - eine Miniatur-Fleißaufgabe: 
Der riesengroße Button fürs #kulturlandretten, den ich hier Anna Weidenholzer überreiche, wurde im Kulturbericht geschwärzt.
 


Montag, März 19, 2018

Das echte Leben ist wie Erdnussflips. (Bot. Post ohne Autorin)

Weil der Erstkontakt mit der Außenwelt ungünstig ausfiel, habe ich das Romanschreiben auf Eis gelegt [hier vielleicht banale Assoziation zum prokrastinierenden Frühling einbauen]. Und es fühlt sich sooooo gut an! Als habe ein Mensch mit 210/170 die Blutdrucksenker abgesetzt. Als schaufelte man sich gerade einen Familiensack Erdnussflips in den Leib, beidhändig. Als legte man sich besoffen in den Schnee. Außerdem - ist denn der Roman überhaupt noch die passende Antwort auf die Fragen der Zeit, ha?! Vielleicht sollte ich lieber das Drehbuch zur österreichischen Version von 30Rock schreiben. 

Abb. 1: Im echten Leben wartet überall die gute Unterhaltung. Und sie kostet nicht die Welt.

Außerdem ist die Realität schon wieder viel schöner als die Kunst. Am Samstag liefen lästige Kinder durch die Kletterhalle, die dicke Mutter schrie fortwährend "Alexa! Renn' ned do umadum!" Aber vergebens, die biologische Intelligenz ist noch nicht so weit, das Folgen muss sie noch lernen. Und orf.at berichtet von einem australischen Wissenschaftler namens Meow-Ludo Disco Gamma Meow-Meow. Drittens: Ein alter Mann sieht kurz bei der Lesebühnenprobe zu und fragt "Was spielt ihr denn für eine Musik?" Als ich ihm sage, dass die Musik nicht so wichtig sei, vielmehr läsen wir, erschrak er, "Na! Na, des is nix für mi! I kaun ned lesen!" Das übernähmen doch wir, genau das sei ja unser Service-Extra, sagte ich, aber er rief, schon weit davongelaufen: "I bin Analphabet!" 
Alexa, schreib' eine schönere Fiktion als sowas! "Ich kann deine Anfrage nicht bearbeiten, das echte Leben ist doch unterhaltsam genug. Aber ich schreibe dir darüber einen Post in dein Blog."

Dienstag, Februar 20, 2018

Satire am Arsch

Die akkurateste Bezeichnung meiner Berufsgemengelage ist wohl "Hofnärrin", die langweiligste "Satirikerin". Man soll sich selbst nicht so bezeichnen, da kann man die Sachen, mit denen man sein Erdendasein vertändelt, gleich "mein Werk/Oeuvre/Kunstwollen" nennen. 
Jedenfalls hat mir noch nie jemand meine Profession so leicht gemacht wie die aktuellen Regierungen von Land und Bund. Es war noch nie so schwer, KEINE Satire zu schreiben. Das ist mehr bequem als angenehm. Der kleine Innenminister auf einem riesigen, braunen Pferd, mit blauer Schabracke über dem Hintern? Ein Sportminister mit Nikotinproblem? Burschenbündler, die über Burschenbünde aufklären? Braucht man nicht mehr viel zu sagen. Aber Stolz erwächst daraus keiner. 
Als meine Kreuzbänder noch hielten, was die Jugend versprach, spielte ich Fußball. Gern, aber schlecht. Mangels Taktik stellte ich mich viel vors Tor. Einmal kam ein scharfer Schuss von eigener Seite, der mich fest am Arsch traf und von dort ins Tor prallte. 
Knowimsayin? Kennst di aus?
Gruß, Meindl

Montag, Januar 29, 2018

Aus der Schatzkammer des Nordens: Nur die Starken müssen raus

Lohnt es sich, die Filterblase zu verlassen? Es mag reichen, wenn wir die Robusten hinausschicken, auf dass sie uns berichten, wie es draußen aussieht. Wie die Tauben, die im Idealfall mit einem Ölzweig im Schnabel heimkommen. Oder zumindest mit einem gleißenden Diamanten der Dummheit, die da draußen wie ein Ozean die Welt bedeckt. Einen wie diesen, gefunden mitten im Mühlviertel: "Guad, dass da Hitla kemma is, sunst waradn uns de Nazis üwakemma!"

Donnerstag, Januar 11, 2018

Chanel im Bordell

Im Waldviertel habe ich eine Urstrumpftante, die ich primär aus Zuneigung einmal im Jahr besuche. Trotzdem schreibe ich Dienstkilometer ins Fahrtenbuch, denn kaum etwas hat höheren literarischen Bonus. Wer sonst erzählte mir vom Berufsleben in einer noblichen Wiener Damenboutique? 
Eine sehr beliebte und beleibte Kundin war die Puffbesitzerin aus der Leopoldstadt. Weil die Chanel-Schnösel höchstens Größe 44 anbieten wollten, bestand die Bordellbetreiberin darauf, in zwei Kostümchen eingenäht zu werden. 
Ob ich heuer noch eine schönere Geschichte zu hören kriege? Ich bitte um euer heißes Bemühen.

Montag, November 27, 2017

Geheilte Dingbeziehung

Geliebte Nahwelt!

Nach einem Umzug in ein Haus, das bis unter den Giebel mit den Früchten des Warenkapitalismus gefüllt ist, musste ich zuletzt feststellen, dass ich mit den Dingen nicht mehr dieselbe Freude habe wie damals, als mich die Vorfreude auf das nächste Playmobil durch die Existenz trieb.


Als ich aber unlängst zu einer kleinen Abendgeselligkeit lud, brachten die aufmerksamen Gäste nicht nur Brot, Wein und gute Laune mit, sondern auch eine Donald-Trump-Perücke! Dies sei nun meine Botschaft für den Advent: Kauft den Menschen nur Sachen, die ihre Verfügungsmöglichkeiten ausweiten. Mir zB gehört jetzt die ganze Welt. 
Vergelt's Gott!

Sonntag, Oktober 22, 2017

Der schwarzblaue Würgegriff

So schnell geht's und alle vermissen LH Pühringer, nicht nur ich, die ich mit seiner Pensionierung meinen Job als Body-Double verloren habe. Sein Nachfolger LH Stelzer legt der Freien Szene des Landes väterlich die starken Hände um den Hals und drückt zu. Bis zu 30 Prozent möchte er bei den Freien Kulturinitiativen sparen. 
Dabei boomt die Wirtschaft. Gespart wird auch nur dort, wo nicht viel Widerstand zu erwarten ist, also bei Sozialem und Kultur. 

Seid doch deswegen so knieweich und unterschreibt hier: 

Das alleine bringt vielleicht nicht viel. Am besten, ihr zeigt bei der nächsten Wahl klar, dass das eine gschissene Politik ist. Aber wahrscheinlich predige ich hier ohnehin zum Chor, dann warum sonst lest ihr dieses Blog, das ich mit meinen willigen, aber ungeschickten Händen für euch schreibe. 

Bussi, Meindl

Donnerstag, Oktober 12, 2017

Pecha Kucha: Bärengrüße und Creme Frau Scheide

Vorgestern ward ich zur Pecha Kucha Night nach Linz geladen. Es käme mir sehr gelegen, wiederholte sich dieses Ereignis! I was born for Bildergherzeigen und blöd Dazuplauschen! 
Damit ihr alle ein bisschen an meinen Kernkomptenzen teilhaben könnt, schauet hier jene beiden Bildnisse, die am rätselhaftesten funkeln:  

"Im postmodernen anything goes wird die öffentliche Mitteilung dann vollends beliebig, ein ideeller Ausverkauf:"



"Man kann nur mit Erstaunen die inhaltliche und syntaktische Komplexität früherer Mitteilungen bewundern:"



Freitag, September 01, 2017

Die Sexualität!

Bitte, es ist ja nicht so, dass ich zu Fleiß so unfraulich bin! Ab und zu reitet mich der Wille, auch so sexy sein wollen wie ihr alle. Ich will euch verstehen! Vielleicht bin ich autistisch, was die geöffneten Mündchen und das ausgefahrene Sitzfleisch betrifft. Aber es interessiert mich, weil es euch so viel zu bedeuten scheint! 
Deswegen stelle ich eure Formationen manchmal nach, wie in einem Cargo-Kult ("Die Gläubigen leben von der Erwartung der durch symbolische Ersatzhandlungen herbeigeführten Wiederkehr der Ahnen", you name it). 

Ich hab' wirklich mein Bestes gegeben, aber mit dem Ergebnis kann ich noch nicht ganz zufrieden sein. Meine wissenschaftlichen Assistenten meinten, ich sähe eher "so als ob du von untoten Seelen innerlich gepeinigt wirst", so zöge ich nur Zombiefilm-Nerds an.

Mittwoch, August 23, 2017

Die Jugend!

Jugend: "Wieso darf da einer mit 16 schon beim Motorradrennen mitfahren?"
Ich: "Da brauchst keinen Führerschein."
Jugend: "Ah. Ich könnte das bestimmt auch sehr gut."
Ich: "Bist du denn überhaupt schon einmal auf einem Moped gesessen?"
Jugend lacht: "Nein!"
Ich lache auch: "Naja, vielleicht kannst du als Quereinsteiger ja frischen Wind in die Rennszene bringen."

[Wir erkennen: Das war auch ein politischer Text!]

Montag, August 07, 2017

Die Natur!

Der Graupapagei (Psittacus erithacus) ist eine Vogelart aus der Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae). Mit ca. 160 cm Körperlänge und bis zu 60 kg Körpergewicht ist er einer der großen Papageien Afrikas. [1] Als Extremfall ist ein Alter von 73 Jahren belegt.[25]
Graupapageien werden auch in Europa häufig in Zoos und Privathaltung gehalten und gezüchtet. Aufgrund ihrer hohen Intelligenz und ihrer Sprachbegabung zählen sie in der Kognitionsforschung zu den bedeutenden Tierarten. Graupapageien gehen vermutlich eine lebenslange Paarbindung ein.

Mittwoch, Juli 05, 2017

Der Mozart des Selbstboykotts

Da ich per Staatsstipendium zur Arbeit am Roman verurteilt wurde, mache ich mich heute, zwei Wochen nach Urteilsverkündung, ans Werk. Doch fassungslos muss ich mir selbst dabei zusehen, wie mich Mikrobenkleines abklenkt. Die drei Fliegen müssen aus dem Zimmer, die Tischplatte entstaubt werden, der Papierkorb geleert, der Bleistift gespitzt, oh, schon so spät, da zahlt sich das Anfangen nicht mehr aus, Hunger! Enerviert betrachte ich meine emsig das Falsche vollbringenden Händen wie eine Mutter ihre passiv-aggressiv-trödelnden Zwillinge. 
Jetzt brummt auch noch eine feiste Hornisse herein, das Alliertengeschwader all dessen, was sich mit mir gegen mich verbündet hat. Ich versuche sie zu ignorieren, prompt verstummt sie auch. Aber die Stille des garstigen Insekts nervt mich noch intensiver. 

Da erlöst mich der Vater mit seiner Bitte, die Erdäpfel zu kochen. Nachmittags schreien die Nachbarskinder laut genug, dass ich gar nicht erst ins Schreibzimmer zurückmuss.