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Dienstag, August 18, 2026

Das Tschirilumbische - ein linguistischer Streitfall

Die tschirilumbische Sprache [tʃiːriːˈlʊmbɪʃ] ist eine linguistische Singularität. Strukturell handelt es sich dabei um ein Pidgin, das im oberösterreichischen Zentralraum verwendet wird. Es dient aber – anders als eine Verkehrssprache zwischen verschiedensprachigen Personen – der interspeziellen Verständigung, konkret zwischen Canis lupus familiaris und Homo Sapiens. Die Gattungsbezeichnung im Singular ist insofern triftig, als es sich bei der Anzahl der Tschirilumbisch Sprechenden um lediglich je eine Vertreterin der Spezies handelt. Die Definition dieses Kommunikationssystems als Sprache ist demzufolge wissenschaftlich höchst umstritten. Das Tschirilumbische widerspricht beinahe jedem Kriterium eines Kommunikationsverhaltens als Sprache: Es weist lediglich eine Senderin und lediglich eine Empfängerin auf, es wird also nur von einer Person gesprochen und von einer Hündin verstanden. 

 

 Senderin und Empfängerin am Hepigotschudeh 29.10.2021, s.u.

Befürworter*innen der Definition als Sprache halten den Kritiker*innen folgende Eigenschaften desTschirilumbischen entgegen: Es beruht in Lexik, Syntax und Grammatik auf natürlichen Sprachen. So bedient sich die humanide Sprecherin eines Zweigs des Indoeuropäischen, erweitert um Elemente aus dem westafrikanischen Bambarra sowie des westnepalesischen Humla-Dialekts. In den eher selteneren Fällen, in denen die canide Tschirilumbin spricht, handelt es sich im Hauptstrang um ein rudimentäres Malaiisch. So etwa die Lautäußerung „Mooolau moooolaulau“ in Situationen höherer Ärgernisse (vgl. das Lehnwort „Amok“). Umgekehrt verwendet die menschliche Sprecherin das Malaiische „Cepat!“ für das ostmittelbairische „Dua weida“.

Grammatikalisch ist das Tschirilumbisch so wie andere Pidgins unterkomplex. Die Aufforderung, Nahrungsmittel („Knuspi“) zu sich zu nehmen, wird im Imperativ einfach agglutinierend zu „knuspit!“ Analog dazu wird aus dem Wort für die Schlafstatt „Nest“ die Aufforderung, den Tag zu beschließen: „Nestit!“ Kritiker*innen bringen vor, dass es sich nicht um eine Sprache per se handeln könne, wenn sie lediglich im Modus des Imperativs vorgebracht wird. Linguistische Analysen belegen jedoch, dass die Befehlsform nur ein Aspekt ist, das Tschirilumbische wird im weitaus größeren Maße für emotional geprägte Zwiesprache verwendet, am häufigsten vor und nach der Nachtruhe. Der wichtigste Modus ist also ein Kasus: der Vokativ.

Singulär ist zudem, dass das Tschirilumbische als einzige Sprache der Welt ein konkretes Entstehungsdatum aufweist: im Original der "Hepigotschudeh" am 29. Oktober 2021, ein Lehnwort aus dem Englischen („Happy got you day“) - der Tag, an dem Sprecherin und Empfängerin erstmals in Kommunikation miteinander traten.

Bemerkenswert ist die Mutationsgeschwindigkeit. Für gewöhnlich dauert es bis zu 500 Jahre, bis sich aus einem gemeinsamen Sprachstamm verschiedene Sprachzweige herausbilden, vgl. etwa die zweite Lautverschiebung vom Altgermanischen zum Hochdeutschen. Das Tschirilumbische hingegen wandelt sich praktisch mit jeder neuen Anwendung (ebenfalls ein höchst strittiger Definitionspunkt). Exemplarisch der Lautwandel des Namens der Empfängerin. Dokumentarisch gesichert ist der Ausgangsname „Josefine“, aus dem naheliegend sogleich „Fini“ wird. Ab hier der Urknall: Fimbi –> Flimbi –> Flimbiwimbi –> Flippi –> Flipsi –> Finxi –> Firenza –> Finulde –> Finno-Ugristika –> Mambolamba –> Milbe  –> Milse usw. Parallel dazu die jeweilig weiter protuberienden Nominalstämme: Puppi, Weibi, Viech, Hund, Wesen, Mausi, Katzi, Hasi, Gfrast, Lumpi, Tschapsi, Stinkerin usw. Es finden sich Vorformen des Genderns, etwa „der Weiwibär“ oder „die Hundse“. 

Zur Debatte

Gerade dieses freie Flottieren der Signifikanten hat die Vertreter*innen der Dekonstruktion auf den Plan gerufen, was die Verteidigung des Tschirilumbischen als hochkomplexes Kommunikationssystem betrifft: Wie keine andere Sprache ist es vom glissement getragen, von der unaufhaltsamen Verschiebung und Instabilität von Bedeutung unter den sprachlichen Zeichen. Im Sinne einer Radikalisierung der Husserlschen Sinnkritik könne die Referenz eines Zeichens letztlich nie gesichert werden. Das Tschirilumbische, schreibt Jacques Derrida in der „Grammatologie“, habe am klarsten die Fiktion des „Logozentrismus“ erkannt, indem es jeden Bezug zu intendierten Bedeutungen in durch das sprechende Subjekt kontrollierte Äußerungen als Vermittlungen eines gleichzeitig intuierten Sinnes schroff ablehne.

Die analytische Linguistik indes führt das hochgradig unsystematische Quillen der Lautäußerungen („dog fog“) als Argument dagegen an, dass es sich beim Tschirilumbischen um eine Sprache handle, sondern um die idiosynkratische Symptomatik einer manifesten Skurrilität der menschlichen Sprecherin. Prof. Linda Wallner vom Institut für Reaktanz an der Uni Bielefeld schreibt etwa in „SocialText“: „Die Meindl ist schon auch ein bissl sehr deppert.“ In seiner Replik schreibt der Sprechaktforscher Prof. Klaus Buttinger vom Institute for Advanced Humanities an der FH Wels: „Das stimmt, aber Hauptsache, der Hund folgt brav.“ Prof. Cordula Meindl vom Institut für Prokrastinationsforschung an der University of Ottacringe zieht in ihrer rezenten Studie generell die Existenz des Tschirilumbischen in Frage: "Eine rein fiktionale Übersprungshandlung einer notorischen Schwindlerin angesichts der komplexen Gemengelage der Gegenwart. Der arme Hund!" 

Quellen und Material: Siehe Link 


Samstag, Februar 28, 2026

Schniedel im Licht. Messies bei Musil. Gelbe und zinnoberrote Häute

Lebenskrimskrams im Februar 2026


1.2.

Es ist ein sehr liebes Zeichen von Vertrautheit, im schweindirosa Frotteehoserl zu einem nachbarschaftlichen Umtrunk aufzutricksen (ausnahmsweise nicht ich).

***

In der Nacht spaziere ich mit einer Gans, einem Hasen und einer Katze durch Linz, alle in weinrotem Samt. #weißweintraum

2.2. Warscheneck

Auf markierten Wegen bin ich immer zu schnell unterwegs. Alles ist mit einer festgetretenen Schneeschicht bedeckt, mit den Grödeln ist es ein gutes Fortkommen. Meinetwegen müsste es nicht mehr schneien, ich habe keine Ansprüche an die Tourenski-Saison, aber für das natürliche Wohlergehen wär's freilich unverzichtbar. Im Lärchenwald der Zellerschneise krakeelen die Fichtenkreuzschnäbel. Oben Schönheit, aber bissige Kälte. Alle 50 Höhenmeter, die ich wieder absteige, wird es wärmer und alle 50 Meter wachsender Vogelgesang.

***

Am Abend frage ich Buttinger zeitgerecht zu Mariä Lichtmess, ob er mir eh noch bleibt – andernfalls müsste ich den Hund auf dem Glanglmarkt verkaufen.


3.2.

Die einzige Form, in der ich mir vorstellen könnte, „Melania“ im Kino anzuschauen, wäre gegen Geld und mit Live-Synchronisation von maschek.


4.2.

Coala kommt vom Zahnarzt und erinnert mich daran, dass er sich selbst jeden Morgen die Zähne im Bett liegend putzen muss, weil er sonst sein Leben nicht packt. DAS ist unser Zahnarzt. <3

5.2.

Owa liab is“, sagt die Fressnapf-Verkäuferin, als ich 213,79 € für den Hundebedarf bezahle.

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Die Trump-Kandidatin in Texas heißt Leigh Wambsganss und hat gegen den demokratischen Gegner eingeschaut.

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Ein langer Spaziergang über das Kraftwerk. Die arme W. hat sich mit dem neuen Schatzi den Verkehr in Künstler*innenkreisen eingefangen (quasi was Venerisches), dabei hat sie selbst schon beruflich unter dem Psycho-Beraterinnenstuss zu leiden. Jetzt sagen alle in ihrer Freizeit „Meine Position ist...“

6.2.

Buttinger hat zu Mittag mit einem Freund dinierte und ist dabei ins Doomen geraten war angesichts der KI und dem ganzen Scheiß. Er habe gesagt: „Bei mir geht si vielleicht nu a natürlicha Tod aus, owa du und d'Meindl, ihr miasst's in Untagrund zum Kämpfn.“

Warum eigentlich nicht die KI an unserer statt auf den Mars schießen?

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Themenwechsel. Der spaßorientierte Skilauf wurde von einem Herrn Gutsmuths aus dem Thüringer Schnepfental erfunden.

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Jetzt, wo ich die guten Leute gefunden habe, freut's mich nicht mehr fortgehen.

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Wien.

Riesenskandal – die Musil-Gedenkwohnung ist nicht die echte Musilwohnung, sondern einen Stock zu tief. Ein japanischer Fan hatte das Büro genau ausgemessen, da kam der Schwindel auf. Die Musil-Gesellschaft wollte daraufhin ein Foto aus der originalen Wohnung heraus machen, aber das habe sich als unmöglich herausgestellt, weil man da nicht aus dem Fenstern herausschauen kann, das sei eine Messiewohnung. Erst unlängst mussten 11 Tonnen Papier auf Anweisung des Gesundheitsamtes in eine Mulde gekippt werden. „Das war früher eine Bergführerin, jetzt kann sie aber nimmer gut gehen.“ Sie habe früher oft wegen irgendwas angeläutet, und bald seien alle im Büro Anwesenden erstarrt, damit sie nicht merkte, dass jemand da war.

David Hoffmann erzählt, dass er neulich auf der Simmeringer Hauptstraße auf der gegenüberliegenden Seite einen Mann erblickt habe, der lediglich Socken und eine Sturmhaube trug. Zuerst wirkte er rechtschaffen verschreckt, bald richtete er sich auf und ging parallel mit ihnen einher, als habe er eine Wette verloren.

Die Präsidentin hatte lange einen Nachbarn, der am Fenster wichste und dabei seinen Penis mit der Taschenlampe ausleuchtete. „Ois da Fritz zu mia zong is, hod a s nimma so vü gmochd.“ 

Dann erzählt sie von einer Autorin, die sich einmal Aug in Aug mit einem Alligator befand, und zu ihrer narzisstischen Kränkung habe er gleich Anstalten gemacht, sie zu fressen, „obwohl ich sooo viel gelesen habe!!!!“ „Da hat sie erkannt, dass sie auch Nahrung ist“. Eine Abwandlung der Klage „Und so a Hirn muass amoi dafäuln.“

Es soll eine Vertrauensperson installiert werden. Ilse: „Da jopa soi ma seine Soang ins rechte Ohr song, d'Melamar ins linke.“



7.2. Schl8hofball „Wösovision“ - Songcontest

I bin de Niallllande“, sagt eine stark Betrunkene. Es sind viele, aber dann doch nicht so viele wie erwartet als Udo Jürgens gekomme, ich ja auch, aber immerhin im Smoking – im Gegensatz zu den Faulis im Bademantel. Fasthuber besteht darauf, der einzig autorisierte Jürgens-Impersonator zu sein, sein Bademantel sieht tatsächlich „well loved“ aus und stammt aus dem Webshop des Jürgens-Merch. Mindestens drei Paare treten als Merci und Cherie auf, am besten Hasi & Heidi. Sitzen können sie in den riesigen Verkleidungsschachteln nicht, tanzen mögen sie ohnehin nicht. Er erzählt, wie er seine Buben einmal zu Halloween in die Nachbarschaft begleitet habe. Ein altes Ehepaar: „Ah! Von dem hamma aa scho wos ghert, owa jetzt hamma nix dahaam!“ Es wird dann doch in der Speis gestöbert – die armen Kinder kriegen After Eight (wie eine ansteckende Krankheit).

Isabella hebt mir ein Glückskekssprücherl vom Boden unseres Backstagekammerls auf: „No one will contest your happiness.“

Lange mit Boris über unsere Trendsportarten Bouldern und Skaten gesprochen; beiden ist uns das Szenige daran sehr unangenehm, und dass wir udaungs darin zu Veteran*innen geworden sind.

Roman nimmt es mir ein wenig übel, dass ich im Vorjahr zwar seine Tequila-Geschichte mochte, das Getränk selbst aber nicht. Schon habe ich ein neues Stamperl in der Hand, und siehe da, ich habe Anlass, mich zu entschuldigen bei George Clooney, Julia Roberts Mann und Roman. Apropos Roman: Beim Training habe ihn Sabrina Filzmoser gefragt, warum ich so viel vom Everest wisse. „Die wiad recherchiert hom“, habe er ihr gesagt.

8.2.

Ein Tag wie auf der Ladestation. Immerhin Hirschls „Schleifen“ angelesen, eine lohnende Leistung – allerdings nur zwischen Ausnüchtern und neuem Bier. Ich muss ihm bei Gelegenheit von Danis Befugnis erzählen, per Sprechakt sämtliche Bewohner*innen des Bezirks Linz-Land für tot zu erklären.

9.2.

Ö1 rechtfertigt das Vorkommen der Zecken und Milben in der Insektenrubrik damit, dass ja Fasching sei. 

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In Japan wollen so viele Menschen jedes Jahr spurlos verschwinden („Die Verdunsteten“), dass es dafür eigene Flucht-Anbieter gibt. 

***

GAV-OÖ-Wahl. Im Irrglauben, dass meine Nichtbeteiligung als Enthaltung gezählt werde, erreiche ich das peinlich sowjetische Ergebnis von 100% (Wahlbeteiligung: 12). Ab jetzt regiere ich durch wie Trump: PEN annektieren, goldener Ballsaal in Schönering, Strafzölle auf die Publikation aller Nichtmitglieder.

10.2.

Coala wird zum Geburtstag von H. angerufen. „Beruflich bin ich nicht so ambitioniert, dafür privat voll! Dreistellig soll's am Ende vom Leben schon werden!Es geht in Wellen bergab. Also ab und zu geht’s schon noch bergauf. Aber insgesamt bergab.“

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Das Gartenjahr hat noch gar nicht begonnen, und schon das Gefühl, hinten nach zu sein. Beim Versuch, die Maulwurfshügel abzutragen, werde ich sofort von der Nachbarin erwischt und zum Kaffeetrinken abgezogen, damit da keine Konkurrenz entsteht.

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Ich scheiße in dein Leben!“ So geht Poetikvorlesung! Mann muss Barbi Markovič sehr lieben

11.2.

Beim Versuch, ein Arbeitsstipendium beim Bund einzureichen, lande ich wegen Doofheit zuerst beim Antrag für Bibliotheken und Verlage, was ich so lange nicht merke, dass ich schon ganz passiv-aggressiv überall in die Formulare schreibe, eine PERSON zu sein, „deswegen habe ich keine Statuten außer das Bekenntnis zur Verfassung der Republik“.

***

Obwohl Barbara Zeman mitgeteilt hat, dass sie & The Zew nicht mehr als eine warme Begrüßung und eine warme Suppe brauchen, befällt mich am Tag von experiment literatur wieder dasselbe Gefühl einer leichten Versagenserwartung, also wird das in Zukunft wurscht sein können – es wird sehr schön, und es ist kaum einmal anders gewesen. Die Künstlerinnen sind nach dem ersten Löffel Suppe ganz ding, das Publikum ist nach den ersten Minuten ganz ding. „Das wird heute eher ein introvertierter Abend!“, kündigt sie an, und alle sind bissl verliebt. Eine, deren Texte man von ihr selbst vorgelesen bekommen sollte.

H. erzählt neben der lachenden Gattin, wie sie einmal im Zustand milder Betrunkenheit eine mörder Business-Idee überkam – es müsse ein Konzept ausgeklügelt werden, wie man Blinden ein filmähnliches Erlebnis ermöglichen könne – der Geistesblitz: ein Blindenfilm! Mit Dialog! Regieanweisung! Musik! Geräusche! Sie sind ganz begeistert. Hasi (natürlich nüchtern) hört ihnen eine Weile zu, immer fassungsloser, als er merkt, dass sie es ernst meinen, bis er schließlich fragt: „Ihr meint ein Hörspiel?“ Schweigen. Eine Idee stirbt. „Äh. Ja.“

12.2.

Leider ist mein "Oeuvre" noch zu schmal, als dass renommierte Verlage nach einer Poetikvorlesung gierten. Aber als ich den Titel poste: „Wie kann ich hier arbeiten, wenn im Kirschbaum die Kohlmeisen budern!?“ Untertitel: "Hokus Pokus, weg ist der Fokus! Mein Leben auf der Flucht vor dem Roman. Von Dominka Meindl, Präsidentin der Prokrastination Österreich", schickt Barbi Markovič ein Herzi.

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Kracht, „1979“: Oida, oida. Zwar wird der Kailash sehr schön umrundet, als gäbe es kein Frieren auf der Welt, aber dann freut sich der Erzähler, dass er im chinesischen Straflager so schön dünn wird. Das Buch geht volley zurück an Bookbot.

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Am Nachmittag hemdsärmelig Äpfelbäume schneiden. Die Hündin weint vor Frust, weil ich ihr all die Äste und Stöcke nicht werfe. 

Große Behaglichkeit nach einem kleinen Wettersturz.

Die Vögel kehren zurück: Milan, Falken, Käuzchen. Ein ganz hoch fliegender Krähenschwarm.

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B. meldet sich wegen des Romans, ich möge mir doch wieder einen anderen Titel ausdenken. Leider hat sie recht. 

13.2.

Ö1-Radiokolleg: „Gruselige Vorfreude auf die morgige Ausgabe: die Krätzmilbe!“ Jetzt weiß ich auch leider, dass es „Steißränder“ gibt.

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Die Krähen haben sich herabgelassen und fliegen Manöver zwischen den Nussbäumen.

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Allmählich wird es mir vorstellbar, länger nichts zu trinken. Am Donners- und Freitag ist das Hirn offen und arbeitsfreudig wie ein ausgeschlafener Collie. Vielleicht liegt's auch daran, dass ich es in meinem Leben mittlerweile sehr gut bei klarem Verstand aushalte (bzw. immer länger).

***

So dachte ich am Vormittag, ab 16 Uhr tritt die tägliche Vorfreude / der tägliche Wunsch nach einem Bier verlässlich auf. Und wir trinken dann auch brav.

René (ca. 1‰) unversehens: „Wie geht’s eich eigentlich mit dem Altern?“

14.2.

Buttinger schenkt mir zum Valentinstag einen Gutschein fürs Autowaschen, dazu Anzuchterde und Kaminanzünder.

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Wien

„Wir haben so tüchtige Männer!, klagen Anna und ich. Ihrer hat an einem Tag einmal schnell eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach geschraubt, „und selbst hat man am Abend zwei Seiten... (ich fürchte schon, sie sagt „geschrieben“) … gestrichen.“

15.2.

Und auch im Liegen verfliegt die Zeit! Fast zu faul, um mich zum Essen ausführen zu lassen.

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Seit Bookbot ist jedes Buch vom Rauswurf bedroht, das ist auch nicht schön. Andererseits besitze ich immer noch so unendlich viel Schas! Etwa einen Schottland-Reiseführer ohne jedes Farbfoto, ein Mängelexemplar. Oder: „Mutterfreuden und – Leidensweg“.

16.2.

I.: „Astrologie ist nie ganz exakt! Wenn eine behauptet, das ist so, hat sie unrecht!“

***

Sonnenschein nach Schneetreiben, ein Winterapriltag. Im Linzer Auwald fragt eine junge Frau, ob sie Fini fotografieren dürfe. Gut, dass ich erwachsen bin und nicht eifersüchtig auf den Hund.

***

Esslinger und Koch im Kepler Salon. Wir reden dem Publikum ein, dass Verena nur auftreten darf, weil sie sich auch die Haare kurz schneiden hat lassen. Wir sitzen da wie drei weise graue Eulen. Sehr liebe, sehr gescheite Gästinnen. Es herrsche keine Gute-Laune-Pflicht, sage ich. Esslinger: „Faule Leute sind mir lieber, die richten weniger Schaden an.“ Sie sei deswegen Künstlerin geworden, „da ruiniert man noch am wenigsten.“

17.2.

Nicht viel mehr gemacht, als Phantomereignisse vom Juni 2025 abgetippt, als der Sommer sich noch vor mir erstreckte wie ein zutrauliches Katzerl. Und einen Meinungsbeitrag zum Latein-Aufreger (eher fürs Streichen aus dem Lehrplan, aber ambivalent, an mir wird’s nicht liegen, das zu entscheiden).

18.2.

Schnee galore! Ehrgeizige Skitourenpläne, sogar die Plankamira war im Spiel, aber als wir in der Früh schon am Pyhrnpass jämmerlich hängen bleiben, tut's das Glöcklkar auch. Und zwar in die Haut hinein, ich büße im kniehohen Schnee für meinen Anspruch auf die Führung. Scheiß Emanzipation! Spuren im Erlengekröse, jeder Schritt geht auf Grund. Der Herr Ornithologierat geht wie immer gleichmütig hinter mir her, er hätte bestimmt keine schlechtere Spur gewählt. Aber immerhin eine Skitour. Das wird keine große Saison mehr. Nicht nur deswegen wird mir das Wandern immer lieber. Auch das dumpfe WUMM noch unterhalb der Waldgrenze erinnert mich daran, dass es ohne Schnee unkomplizierter ist. Fini schwimmt im Fluff wie ein verwirrter Otter. 

19.2.

Dem Sternsinger-Centerfold des Pfarrblatts lese ich erleichtert ab, dass Blackfacing wirklich überwunden ist. Nur eine Begleitperson hat sich das Gesicht gelb angemalt. Just als ich darüber nachdenke, ob das nicht auch rassistisch sei, titelt orf.on mit dem Trend des „Chinamaxxings“: Es sei Symptom der wachsenden soft power, die eigene Sinifizierung im Internet zu dokumentieren. 

***

Koreanisierung: Werde ich jetzt ein Mensch, der sein eigenes Kimchi macht? Wahrscheinlich misslingt es furchtbar. [Wir nehmen vorweg: Ja.]

***

Wieder zwei sehr schwere Kisten mit Mutters Büchern gefüllt und zur Post geschleppt. Was ist überhaupt wert, aufgehoben zu werden? Wer soll das dann erben? Jetzt nur keine Sinnkrise einreißen lassen, das Haus ist voll und mein eigenes Buch auf dem Weg.

20.2. Fr

Zweimal beglückendes, politisch korrektes Weißsein: Sehr viel schöner kann ein Wintertag nicht ausschauen (nur zwei Monate früher kommen). Und es schaut ein weißer Rand unter meinen Emails hervor!!!! Das hatte ich schon lange nicht mehr. Der verharrende Mail-Rest wird zach, aber so ist das beim Bergaufsteigen und Administrieren.

21.2.

Goisern. Die Pracht schmilzt zu grauem Sorbet. Von fern betrachte ich den Buttinger bei der Arbeit. Auf den ersten Blick glaube ich, dass die Eisschwimmeuropameister*innen eh alle Neopren tragen, alle in einheitlich blassem Zinnoberrot. Ich gehe mit dem Hund weiter bis zur Freibadgrenze und sehe erst jetzt, dass es der einheitliche Farbton der Haut ist.

Keinem entringt sich der kleinste Schmerzenslaut, wenn sie alle ins 4° Grad kalte Wasser steigen. Ich stehe auf dem Steg, von Kopf bis Fuß in Regenhaut gehüllt, fröstelnd. In weniger als vier Monaten könnte ich zum ersten Mal in den Grundlsee, aber ich weiß jetzt schon: nur theoretisch [Wir nehmen vorweg: Ja.]. Ich bleibe ein Weh und werde es nicht mehr ändern.

***

Black Horse. Trump hungert Cuba aus, während er ein Lazarettschiff nach Grönland schickt, wo es ein kostenloses Gesundheitssystem gibt. Man kann das nicht mehr verstehen wollen. Genau als wir von Cuba sprechen, fällt solidarisch der Strom aus.

22.2.

Heute nichts. Rufzeichen. Immerhin gelesen, gebouldert, gefernschaut (Tina Fey <3), das ist eigentlich eh so viel mehr als Nichts.

Tomer Gardi, „Liefern“: Wie fürsorglich er mit seinen Figuren umgeht.

23.2.

Überall rauscht und fließt es, tosend stürzt das Schmelzwasser über die Kraftwerksschleusen.

24.2.

An den Namen der Hundekommandos lässt sich ablesen, woran man ist. Finis „gschamster Diener“ heißt bei der Alex-Hündin „Yoga!“ Ich scheine auf vorgetäuschte Unterwerfung zu stehen.

***

Am Bahnsteig steht ein Mann, der vor Wut spuckt. Obwohl ich Abstand nehme, steigt er in denselben Wagen. Ich stehe wieder auf und sage der mir entgegenkommenden Zugbegleiterin, da sei einer, der nicht in diesen Zug gehöre. Nein, antwortet sie freundlich, der sei in Ordnung, ein armer Mensch mit starkem Tourette und Klimaticket. Ich schäme mich. Am neuen Sitzplatz bleiben vier unangenehm männliche Typen stehen und halten den beiden Passagieren neben mir ihre Dienstmarken unter die schlecht rasierten Nasen. Auf meiner Augenhöhe die Pistolen der Schengen-Kontrolleure. Die Kontrollierten haben auch wirklich mangelhafte Dokumente und verheddern sich beim Antworten. Da es augenscheinlich Autochthone sind, lässt das Schleierfahndungsquartett von ihnen irgendwann ab. 

Rund ums Belvedere der weiche Kontrast – Männer holen Kinder namens Frida vom Kindergarten ab, man weiß nicht, ob es sehr späte Väter oder Großväter sind. Alle haben Lastenräder.

Literaturrunde mit Scholten. Wir schildern reihum das rasante Wachsen des Kultur-Prekariats, er nickt zustimmend, wir wissen, dass es eh wurscht sein wird. (Also ich zumindest.)  

Mit Coala ins Aera. Hier zeigt es sich, dass ich nun ein Mensch geworden bin, der seine Portionen nicht mehr aufessen kann. Aber Coala ist ein Mensch, der immer saubere Tuppergschirrln mithat. Ohne Scham schiebe ich meine größten Knödel hinein, fürs Mittagessen morgen.

Weil Zeit ist, gehen wir ein Stück zu Fuß, zuerst durch den 1. Bezirk (in dem ich bis in alle Ewigkeit fremdeln werde), dann über den Ring, die MaHü entlang, so lange, bis Coala darauf hinweist, dass bald keine Züge mehr fahren. Es gibt halt viel festzustellen, etwa dass uns derzeit gar nichts unmittelbar bedränge, aber die Sorge unsere Grundeinstellung sei. „I hob mi gfrogt, wos mei Beitrog zu dem Gaunzn is, und gaunz kuaz docht, najo, mehr ois a boa scheene Keramikvegl werd' i ned hintalossn.“ Ich pflichte ihr heftig bei und widerspreche gleichzeitig. Dann sage ich, es sei ja wurscht, nach unserem Tod werden wir wahrscheinlich eh tot sein.

In 17.385 Schritten durch den Tag, 2000 mehr als ins Glöcklkar bei der Skitour.

25.2.

Die gemeine Osthummel heißt auch „bombus impatiens“. Trump wird später davon faseln, dass es beim Überfall auf Venezuala einen „secret discombombulator“ gegeben habe.

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Inception für Arme: Ich tippe ab, dass ich im August 2025 abgetippt habe, wie ich im Februar 2025 den August 2024 abgetippt habe. [Das wiederum tippe ich Anfang September 2026 ab.]

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Apropos Micromanaging, s. 10.2.: Wenn ich als kleine Einzelkämpferin meine Arbeit so „effizient“ erledigen würde wie das mittlere und leitende Management allenthalben, hätte ich 2017 das Haus verkaufen müssen und würde 2027 verhungern. 

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Apropos „effizient“: Weil es immer wärmer und grüner wird, unterbreche ich mein häusliches Arbeiten an irgendwas, um im Garten irgendwas zu machen. #altersadhs

26.2.

Nie also würde ich in einer Welt voller Dominika Meindls leben wollen. Nichts käme zu einem Ende. Was auch immer alle berühren, wird zu einem Projekt. Alle würden mit schlechtem Gewissen ihre Tage vertändeln mit Fragen, wie sie ihre Bibliothek ordnen sollen. Welche Sträucher geschnitten werden sollen (was dann eh nicht passiert). Ob es eh allen gut geht. Ob eh grad niemand sauer ist auf einen. Ob der Hund eh zumindest sein Minimum von 15 Jahren erlebt. Aber niemand hätte Zeit für Bodenversiegelung, Sexismus und Audifahren.

Ich beende das Notieren und räume stundenlang Bücher von A nach B und C und D ff. Ein Tag, der sich ein wenig wie Lockdown anfühlt. Mit niemandem gesprochen.

27.2. Fr

Nach Mitte Vierzig so über den Tod nachdenken wie damals Mitte Zwanzig über die Liebe: Hoffentlich finde ich den Richtigen!

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Am Morgen war ich wohl zu deep, nach dem Frühstück und anschließendem Bandeln im Haushalt sowie ausgiebigem Hundsstreicheln hänge ich wieder ganz fest an meinem kleinen Geißleben.

Es ist aber auch scheiß nebelig hier, während es überall außerhalb des Zentralraums 20° Grad hat (danke für nichts, Webcams). Wir Einwohner*innen von Linz-Land sollten von der EU einen Härteausgleich bekommen wie Bergbauern.

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Bookbot liefert neue Bücher, es ist kein Land zu gewinnen. Wie viel ich schon umverteilt habe, wie viel es noch gibt! Die Brandlast ist enorm.

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Beim Abtippen der Notizen vom September 2025 fällt mir ein, dass ich eh erst 47 bin (das tippe ich am ersten Tag als 48-Jährige).

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Am Nachmittag mit der ersten Fuhr Grünschnitt zum Altstoffsammelzentrum, wo sich schon wieder Berge davon türmen. Wie ein Bademeister steht ein Mitarbeiter da und schaut dem Wuseln zu, er sagt auf meinen Gruß: „Jetzt wird’s aufaungat.“ 

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Trink-Abend mit den Freundinnen, wir sind sehr gelöst und bestellen Ingwer-Drinks. G. googelt die Etymologie des „Cocktails“ und erfährt, dass man Pferden früher auf Schauen Ingwer in den Arsch gesteckt habe, damit sie feuriger („gingery“) aufträten.

Wir reden über Witwenpensionen und das generelle Ende. C.s Tante sei so sauer gewesen, ihr eigenes Begräbnis zu verpassen, dass sie ihre Angehörigen zu einer Probezehrung lud, für die sie sich vom Arzt fitspritzen ließ, um tanzen zu können.

***

In der Nacht träumt mir von einem Schlachthof-Treffen mit dem LH, bei Schokokuchen und freundlicher Konversation, bis ich sage, dass es ein Skandal sei, die Stadt Wels zahle überhaupt keine Förderungen! Stelzer gibt vor, aufs Klo zu müssen und macht sich aus dem Staub.

28.2.

Mit einem Arsch auf zwei Hochzeiten, davon tatsächlich eine in Vorchdorf. Die Hunde einträchtig wie zwei Brautleute. Sekt im Frühlingslicht.

Über der A1 kreisen zwei Milane nahe beisammen, obwohl ihnen der gesamte Himmel zur Verfügung stünde, wie Brautleute.

In Schönering berichtet mir die Nachbarin gerührt, wie sie unlängst eine Kohlmeise beim wählerischen Begutachten meines Vogelhauses beobachtet habe. Der HErr Ornithologierat wird mir später am Abend erläutern, dass die Meisenmännchen der Dame stets mehrere Nester anbieten müssen. Was bei Kohlmeisen in unseren Gärten ja noch anginge, bei Schwanzmeisen, die selbst bauten, aber „keine Art sei. Ich finde, da darf man den Damen schon einmal kritische Fragen stellen.“

***

Vor dem KUPF-40er-Festakt nötige ich den LH, mir ein Gratulationsvideo für die Brautleute aufzunehmen. Beim ersten Versuch drücke ich nicht ordentlich auf „Aufnehmen“, sodass nur mein „geh, mir san deppert!“ zu hören ist. 

Nazzal und Stieber kündigen einander an, jeweils mehrere Stunden sprechen zu wollen, und ich lade sie ein, nach den Ansprachen in drei Runden noch einmal auf das vom anderen Geredete zu replizieren, DAS sei einmal ein Kunsthappening, die totale Zermürbung.

Anna erzählt, früher seien die Kupf-Vorstände entweder mit offenem Hosentürl oder lackierten Fingernägeln zu Verhandlungen gegangen. Ich soll dann beim Tortenanschneiden die ziemlich großen Messer reichen, ich stelle mich damit an den Bühnenrand und kündige an, eine Jonglage-Nummer zu zeigen. „Glückliche“ Gesichter in der ersten Reihe.

Die Grußworte fallen angenehm kurz aus, allesamt freundlich. Ich sage, wir von der Freien Szene müssen uns weiterhin fest in die Politik einmischen, und umgekehrt dürfe sich die Politik bei uns einmischen, „mit Förderungen! Scheißt uns zu mit eurem Geld!“ Danach freundlicher Smalltalk, ich bin noch im Frack und entsprechend extrovertiert. Ich erzähle dem LH vom Gurkenfächermoment im neuen Roman, und dass mich sein Arbeitsleben daure.

Dann muss ich zurück zu Hochzeit 1. Ich trage den Hund die Stiegen hinunter durchs Gewühl, verquatsche mich aber (siehe #heiklemeisen) – Fini ist verschwunden. Ich steige wieder alle Stiegen hinauf, ganz oben sagen mir die Kolleginnen, der Hund sei gerade zurück in ihr Versteck gezischt, aus Panik vor all dem Lärm. Als ich mich im Dunklen zu Fini unters Bett beuge, reißt es mich – die ganz in Schwarz gekleidete R. hat sich zu ihr gelegt, aus dem gleichen Bedürfnis heraus. Ich streichle beide und rede ihnen gut zu, dann trage ich Fini an der Partymeute vorbei ins Auto.

***

Irgendwann habe ich Hund, SchwieMu, Buttinger jun. und sen. im Auto. Dreihundert Meter vor dem Schwiegerelternhaus gerate ich in ein Planquadrat. Nach einigen über den Tag verteilten Proseccoglaserln bin ich doppelt kooperativ – aber ich hab' 0 . Der Polizist lässt sich den Führerschein reichen und beginnt dann seine Ansprache. „Frau Magister, die beiden Herren und der Hund auf der Rückbank sind nicht angeschnallt.“ Ich schimpfe sofort zum Festern hinein. „Von wo kommen Sie denn gerade?“ „Vorchdorf.“ „Mhm. Und was haben Sie dort gemacht?“ Gerade frage ich mich noch, womit ich die Neugier verdient habe, als ich selbst erkenne, dass ich ja noch im Frack samt Schärpe und Orden stecke. „Oh“, sage ich, „das war beruflich, eine Feier mit dem LH.“ Der Beamte erlässt mir daraufhin meine 100 € Strafe.

Zuhause tun der Buttinger und ich schnell viel dafür, die Promillezahl zu erhöhen. Wir schnattern so weit in die Nacht hinein, als hätten wir einander Anfang des Jahres kennengelernt.

Montag, Dezember 01, 2025

Wieder nicht enttäuscht. Trippen nach herrlicher Gewalt, die gute Sterbstunde und schüchterne Nudisten.

Lebenskrimskrams im November 2025

1.11. Angerkogel

Das neue Kreisky-Album bei der Pyhrnpassüberquerung gehört und wieder nicht enttäuscht. Das letzte Licht über der Hinteregger Alm gesehen und wieder nicht enttäuscht. Der vielleicht letzte und überraschend tiefe Mittagsschlaf kurz vor dem Nazogl wieder nicht enttäuscht, auch wenn diese Aktion jetzt eher schon ein wenig in Survival-Training übergeht. Wenn der Südföhn nicht bliese, wär's T-Shirt-Wetter. Angenehm, aber leicht beunruhigend.

Es sind fast nur Paare unterwegs, und immer geht der Mann voran. Ganz, wie ihr es wollt, liebe Damen.

2.11.

In der Oxytocinruhe den Nachbarn beim Streiten zugehört. Ganz, wie ihr es wollt, ihr Leute da oben.

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Kurz Arbeit. Mail an Prosser, welches Thema er sich denn wünsche. Er schreibt zurück, „Bin in den Bergen, ich überleg' mir was bis morgen!“ Ich antworte: „Gekauft!“

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Schrittbilanz gestern: ca. 26.3454. Heute: 13 <3

3.11.

Die ganzen Kästen voller Gewand, das mir nicht mehr passt, weil es nie gepasst hat, das mich zu einer anderen Person hätte machen sollen, das ich zu oft oder nie angezogen habe, das mir andere geschenkt haben und das ich zu teuer gekauft habe, oder zu billig. Aber alles kann ich jeweils nur schwer hergeben.

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Kitschigen Schluss für den Roman geschrieben, den komischen habe ich gestrichen und bin recht zufrieden damit. 


5.11.

Der Dermatologe sagt mir für 111 €, dass ich eine gute Haut bin.

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Bei der Fahrt nach Linz die angenehme Ahnung, dass meine vermeintliche Ambitionslosigkeit, der fehlende Biss bei der „Karriere“ (Uni, Stifterhaus, OÖN) kein Versagen, sondern die unbewusste Entscheidung für mich selbst gewesen sein könnte. Im Nachhinein gibt es sehr viel weniger zu bereuen, als mir mein dummes, sorgenfixiertes gegenwärtiges Ich andauernd vermittelt. 

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Innige Minuten mit dem eingeschmuggelten Hund auf der winzigen Couch im Landesbüro.

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Ein Vollmond, so wertvoll wie eine kleine Sonne.

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Stifterhaus. Das Vorlesen von „Mit 50“ rührt mich selbst, überraschend. Es ist doch mehr Liebe eingeflossen als gedacht.

Die 16-jährige Oana-Sofia macht mir wertvolle Komplimente (ein junger Mensch!!!), sie kenne das Szenario von Familienfeiern.

Buttinger plaudert mit Wall, ich begrüße sie mit „Na, ihr zwei Linken?“, als wären sie eine rare Spezies (sie sind eine rare Spezies).

Gregor Hofer rät mir, alle meine Emails auszudrucken, für den Vorlass. Da wird sich die Nachwelt freuen über all die Admin-Scheiße. Es habe, erzählt er auch, im Jahr 1976 einen „Riesenskandal“ gegeben, weil Reinhard Aumaier den Titel seines „Scheißgedichts“ nicht ändern wollte, zu Gertrud Fusseneggers Empörung. Sehr schön!

5.11.

Im Traum halte ich einen edlen Bildband in Händen, der Mieze Medusa zum 50. Geburtstag zugedacht wurde. „Das ist ja wohl nicht zu übertreffen!“, sage ich, und die Gewürdigte sieht mich über das Coffeetable-Ding resigniert an.

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Meine halbharte Warnung vor der KI lief gestern auf LT1, aber niemand hat's gesehen, ich auch nicht. Beim Nachsehen die Feststellung, dass früher die Kameras 10 Kilo draufgeschummelt haben, heute zaubern sie dir jedes Farbpigment aus dem Haar.

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Hundert Meter über mir hätte heute immerhin acht Stunden lang die Sonne geschienen. Egal. Dafür dann:

6.11. Bärenriedlau

Zum ersten Mal am tageswärmsten Ort des Landes. Das mit dem Nebel ist natürlich nicht egal, weiß ich in der Sonne. Fürs Wandern müsste es kein Grad wärmer sein. Heute bin ich mit meiner Lebensführung wieder sehr versöhnt. Beim Abstieg ein absurd schönes Licht in den glühenden Lärchen. 

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Kleine Hitzeaufwallungen, die angesichts meines sklerotischen Heizsystems im Haus eh willkommen sein werden, aber bedenklich stimmen in Zeiten der Klimaerwärmung – und des Verrinnens der eigenen Existenz. Es wird so sein, dass ich mich diffus auf Wechsel und Pension freue, gleichzeitig aber genau weiß, dass es nicht so klasse wird, weil man ja jetzt schon ein wenig alt ist und dann nur noch die finale Phase kommt. Naja, „egal“.

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Schallplattenanhören als „Erledigung“ - ein Symptom der Dingneurose. Ich soll die Sachen meiner Eltern weggeben und schaffe es nicht einmal bei meinem Glumpert (und umgekehrt). Zwar kann ich vier Südtirol-Bücher weggeben, nicht aber Dieter Deckers scherzhafte Tombola-Gabe „Lolita – liebe Kinder, ich sing' euch was!“ Ächz.

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Ein Erbe des Vaters ist es, nachts das Buch nicht rechtzeitig wegzulegen und mitten in der Nacht damit aufzuwachen.

7.11.

Das letzte Blatt am Nussbaum winkt mir im Nebel zu.

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Völlig variable Größe der Sorgen je nach Tageszeit.

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Kleine Freuden: Scarpa hat meine zertretenen Wanderschuhe verschmissen, also kriege ich um den Preis des Neubesohlens gleich neue – so wenig braucht's, um mich an so einem meteorologisch minderwertigen Tag zu erfreuen. Sonne wäre mir lieber gewesen.

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Marlies Auer fragt mich, ob ich das 40er-Fest der Kupf moderieren wolle. „Aber nur, wenn der LH aus der Torte hüpft.“

8.11. 

Ein Typ schreit vom grauen Himmel herab aus dem obersten Stockwerk des Marriott Hotels. „He! Du! Ja, du bist der Auserwählte! Tobias!“ „Ich heiße aber nicht Tobias.“ Hinter mir lacht ein Tobias, der auf leisen Sohlen gegangen ist.

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Mit den richtigen Menschen gerate ich jetzt immer gleich in deep talk, was ja gar kein Fehler ist. Immer sofort auch Gespräche über Menopause. „Ich will keine Hormone nehmen, ich will da durch und ein Mann werden, dem andere wurscht sind!“

Beim Heimfahren im Zug dann das Gegenteil zur tiefen Sinnsuche (von uns Endvierzigerinnen, aber auch der beiden allzu losten, woken 25-Jährigen beim Herfahren). Rund um mich Teenies, die alle 15 Sekunden ruckartig IRGENDWAS auf Tiktok schauen, es ist alles reine, doofe Oberfläche. Alle drei Minuten rufen sie einen Freund an, dem sie dann immer denselben Satz sagen, als sei er grenzdebil, oder ein minderbegabter Hund, „geh Parkdeck, Deniz, geh Parkdeck!“ Sie können aber nicht herausfinden, ob das der Zug nach Wels ist und müssen mich fragen. Es fühlt sich übertrieben distinguiert an, neben ihnen die ZEIT zu lesen. Irgendwie haben sie ja recht, die Jungen, es steht nur Deprimierendes drin.

Zuhause beim Buttinger penne ich dann bei „Bladerunner 2049“ ein, den kann ich also beim nächsten Mal gleich wieder anschauen.

Ich brauche unbedingt einen Filter, der sofort sämtliche Bücher und Filme ausblendet, in denen Hunde zu Schaden kommen (was sie immer tun, eigentlich). Als ich das ins Facebook schreibe, schenken mir Jana Volkmann und Katharina Seidl den Hinweis auf „doesthedogdie-com“. Merci, merci!

9.11. 

Wie gut ist Ringsgwandls „Hühnerarsch, gib' acht!“, ein herrliches Klangstück!

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Wäre ich ein redseliger, einsamer, lästiger Mensch, ich ginge auf all die Gutmenschenmessen und kaute den armen, wehrlosen Aussteller*innen ein Ohr ab. Als ich das denke, sehe ich B. bei exakt dieser Tätigkeit. Wahrscheinlich erzählt sie den Upcyclern, das sie das damals in Berlin auch schon gemacht haben etc.

 

10.11.

Die Krähen ernten den Nussbaum ab, als hätte ich sie damit beauftragt. 

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Folgende Namen haben Coala und ich einander an diesem Wochenende gefunden: Folko Balfanz, Borbala Foris und Bastian Krautwald. Man stelle sich vor, die drei unternähmen etwas miteinander! 

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Keine Deadlines, keine Arbeitstermine diese Woche, ich bin gespannt, was ich erfinde, um das Notwendige nicht zusammenzubringen. Die Mikrowelle ist schon einmal abgestaubt. Und jetzt kommt auch noch die Sonne heraus – ein mittlerweile sehr rares Naturschauspiel. Aber auch dafür, mich einfach mit einem Buch dem Phänomen auszusetzen, bin ich zu fahrig. 

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Smalltalk mit Menschen, während sich unsere Hunde an der Leine anhassen.

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Sturm kommt auf“ kann ich wirklich nur an einem Tag wie heute schauen, mit unbehelligter Arbeit, Buttinger und Sonne, dann Kachelofen. Der Film radikalisiert mich extrem gegen Faschismus, ich möchte persönlich einem Neonazi die Nase brechen. Tod den Schmerzbefreiten! [Hader wird am 25. März erzählen, dass grad der Schauspieler, der den Obernazi gespielt habe, der Allernetteste gewesen sei.] Der Hund überlebt.

11.11.

Im Traum wird mir mit gewaltigem Aufwand gezeigt, was für eine aufregend tolle Schule Wilhering jetzt geworden sei, mit Stadionrockklassen in der Stiftskirche und dergleichen.

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Heute Ausmisten in der gerade richtigen Dosis: das alte Telefonkastl. Beim Blättern in des Vaters Kalendern der Jahre 2015, 2018 und 2019 hätte ich nur beim Schauen fast ein Burnout erlitten vor lauter Tarock, Konzerten unter Platanen und PGR-Sitzungen. In zwei Jahren kann ich dann alles restlos dem Altpapier übergeben, dann gibt es in ganz Wilhering keinen Festnetzanschluss mehr.

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Den Buttinger mit Dosenananas „verwöhnt“, die nicht einmal mir noch geschmeckt haben. „Gaunz frisch san de owa nimma“, sagt er, „Iwo“ ich. Heimlich linse ich aufs MHD: 2020. Aber niemand hat gespieben. (Ich sollte das eigentlich nicht veröffentlichen)

12.11.

Seltsamer Traum von einem großen Bierzelt irgendwo im Toten Gebirge, in dem man wie auf einem Campingplatz in kleinen Stallboxen sein Zelt aufstellen kann. Die Farce eines Basecamps.

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Der Digital-Uni-„Transform Fut“-Bildausschnitt in den OÖN unterhält uns peinlich gut. Soll man dem Weibold Absicht zutrauen?

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Die Spezies der Kurzkopfgleitbeutler klingt wie eine Satire auf den blödesten Bundeskanzler, den wir jemals hatten. 

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Die X-Blatt-Präsentation ist ein bisschen eine geschlossene Veranstaltung, was aber nicht schlimm ist. Dem Einzinger würde ich wirklich einmal gerne beim Denken und Schreiben zusehen, wie einem gläsernen Ideenwurlitzer. Erich Wimmer schenkt mir – als erahnte er die Meindl-Love-Language des Pebblings – einfach so ein Überraschungsei. 

13.11. Hochsengs

Ich nenne es jetzt nicht mehr Wandern, sondern „Zeitausgleich“. Es entschädigt mich nicht nur für die Arbeit an Wochenende und Abend, sondern für das Vegetieren in der Nebelsuppe. Bis Klaus war's noch ekelhaft, dann gaben sich lüpfende Wolken Anlass zur Hoffnung, bei der Teufelskirche schon beträchtliche Vorfreude. Dani ist am wolkenlosen Bodensee, ich sitze bei 19° in der Sonne. „Eure Himmel sehen komisch aus“, schreibt Cordi aus dem grauen Wien.

Der Vulvenbaum auf der Fotzenalm. <3

Der Jäger, den ich auf der neuen Lackerbodenhütte beim Abstieg treffe, sagt, er sei schon seit sechs Jahren Nationalparkförster und kenne auch noch nicht alle Wege hier. 

14.11.

Fast alles Vorgenommene geschafft, einschließlich der Dirty-Dancing-Choreographie-Übersetzung für Tanzblinde wie mich („Birgit wild drehen“). Weil ich trotzdem den Eindruck habe, unter meinen Möglichkeiten geblieben zu sein, weiß ich nun fix, dass ich diesbezüglich nicht ernst zu nehmen bin. 

Unruhiges Herumwetzen – Heizung kontrollieren, Brunnen, Kellerfußboden, irgendwas. Im Grunde besteht mein waches Leben nur noch daraus, Wasser von A nach B bringen zu wollen (überall ist zu viel oder zu wenig davon). Alleine der Selbst- und Pflanzenhydrierungsstress! (Auch hier scheine ich nicht ernst zu nehmen sein.)

15.11. Neunkirchen

K. posiert auf der BuchWien neben meinem Buch, im Hintergrund sieht man Stermann mit dem Verleger schnattern. Ich bitte K., die Lektorin lieb zu grüßen, mit der Nachricht „280.000 Z“. „Ist das eh kein Code für Kriminelles?“, antwortet sie, und gleich darauf übermittelt sie mir die Botschaft, dass die Zeichenanzahl für den Roman eh schon reichte, wenn es nach ihr ginge.

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E. ist so etwas wie mein Pendant im Westen, sie erkennt mich nicht nur nach 20 Jahren sofort wieder, sondern ist gleich so lieb zu mir, dass ich davon ausgehen darf, dass B. von mir genauso liebevoll spricht wie sie mir von E. erzählt. Ihre Zuneigung bestrahlt und bindet uns seit Jahrzehnten.

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Süß, dass B. beim gemeinsamen „Üben“ der Mitternachtseinlage Sachen sagt wie „Kannst du da mit dem linken Fuß beginnen?“, wenn sie erstens selbst den rechten meint, wenn sie zweitens vergisst, dass ich schon nüchtern links und rechts kaum unterscheiden kann, wenn sie drittens glaubt, dass ich ein Hirn besitze, dass in irgendeiner Weise Tanzchoreographien abrufen kann. Es wird dann auch so kommen, dass wir um Mitternacht betrunken vor einem betrunkenen Publikum irgendwas um die signature moves herum zaubern und einander dabei verknallt anschauen. Die Übung kann gar nicht misslingen, wegen all der hermeneutischen Benevolenz um uns herum – alle wollen, dass es gut ist.

Auf dem Damenklo hängen die Buben aus dem „Girl“, mit Festnetztelefonnummer, Adresse und Bildtext: „Eigentlich bin ich keiner, der Mädchen einfach abschleppt. Ich bin schüchtern!“, sagt ein nackter Thomas aus Baden bei Wien im Jahr 1993.

16.11.

Aufgewacht mit dem zu erwartenden Kater. Die Knie zerschunden vom Luftgitarrespielen, der Rücken von der Hexe getroffen beim Springen zu „Jump around“, die Kehle zerschlissen beim Karaoke („I did it my way“ zum Schluss): Die Ehre Oberösterreichs ist verteidigt. Ich habe alles gegeben. Verrücktestes Detail: Lob für meinen irischen Squaredance. Gerade würde ich aber auf die Frage nach meinem Alter „78“ sagen und nicht das Geburtsjahr meinen. 

17.11.

Bei strömendem Regen mit Hexenschuss in den Brunnen steigen. #besitzbesitzt Wenigstens bleibt der Kellerfußboden jetzt trocken.

18.11.

Mieze klagt an, dass der Literaturpreis der Stadt Linz meine Arbeitsmoral senke und deswegen abgeschafft werden sollte. Sie ahnt nicht, dass ich heute schon ihren Roman für den Falter rezensiert habe.

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Die 692,73 € fürs Auto zahle ich dem Mechaniker am Ende des teuersten Jahres meiner Lebensgeschichte schon fast ganz schmerzbefreit.

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Buttinger schaltet entnervt um auf Universum, weil Österreich gegen Bosnien 0:1 zurückliegt. In der Doku dann auch lauter bange Vorgänge, nur eben im Tierreich. Coala und ich machen Meindl-Yoga, der Hund ist glücklich. Später vertrocknet Coala am Kachelofen. So geht Spätherbst.


19.11.

Wir sind peinlich früh bei der Preisverleihung, aber ich bin ja auch ein altes Talent, und wenn's wirklich wichtig ist, die Tochter meiner Mutter, die stundenlang nervös vor einem Ereignis war.

Ich nutze die Zeit und stelle dem Team der LinzKultur das soeben von Olaf Schulz gehörte Attraktivierungskonzept der Bundeswehr vor (Unterhipster, Oberbastard und Haupthurensohn). Markus Reindl möchte ab jetzt den Dienstgrad „Obermotz“ einnehmen.

Während meiner Lesung fällt mir selbst auf, dass viermal „Scheiße“ vorkommt. Das einzig Gute, dass die Mutter das heute nicht mehr erleben kann (=muss). In der ersten Reihe sitzt Ute Klitsch und hört sich ohne Zeichen innerer Bewegtheit meine Fantasie an, wie Kickl beim Klettern umgebracht wird.

Für die Laudatio war ich gebeten worden, meinen Lebenslauf einzuschicken, plus ein paar Worte zum Kunstwollen, und ich habe mich dabei so bemüht, dass mir weite Teile der Lobrede extrem bekannt vorkommen. Da sie aber der Bürgermeister spricht, freue ich mich, als hätte er sich selbst lange Gedanken über mich gemacht. Dazu werden meine eingeschickten Bilder eingeblendet, ich bin trotz aller Vorhersehbarkeit stark gerührt. Zuerst mit Goldhaube, dann die OLW mit Stelzer und als beklopptes germanisches Göttertrio. Es wird gelacht, Prammer dreht sich zur Leinwand um, „ich gehe davon aus, dass Sie wegen der Bilder lachen und nicht wegen meiner Vortragsweise!“ Beim Schlussbild, dem Selfie von mir mit Fini auf dem vorgelagerten Mitterberg, bekomme ich selbst nasse Augen.

Die Preisträgerin Marion Reisinger hält eine sehr schöne Dankesrede in unserem Namen, darin sagt sie auch, dass die Selbstzweifel am Büffet Pause machen. Ebendort komme ich so spät an, dass der Zander schon geplündert ist, schon kommen die Selbstzweifel über mein Timing, aber der Obermotz überlässt mir den letzten Fisch. Ich komme auch nicht zum Tschechern, weil ich der LinzKultur noch mein Konzept des Big-Lebowski-Cocoonings in Schönering erläutern möchte (die armen Unterhipster!).

Die Meindl- und die Reisinger-Schwestern stehen danach noch lange im Foyer, wenn uns jemand hier etwas zum Tschechern heruntergetragen hätte, stünden wir heute noch da und besprächen Vor- und Nachteile einer mehrfachen Schwesternschaft.

Stattdessen gehen wir auseinander. Damit der Fall in den Alltag nicht zu tief geht, trage ich einen Teil meines Preisgeldes ins Bergwerk und kauf' mir IRGENDWAS. 

Dann jage ich den Hund zur Donau, esse irgendwelche Reste, prahle in den sozialen Medien mit meinem Tag, höre Äffchen & Craigs, freue mich lange und gehe früh schlafen.

Versuch über den geglückten Tag.

20.11.

Der erste Schnee im Jahr würde mich mehr freuen, hätten die Winterreifen schon ihren Weg ans Auto gefunden. Man muss den Kindern das noch viel stärker verdeutlichen, dass sie sich an ihren Pipifaxsorgen erfreuen und sich nichts scheißen sollen, bis sie den ganzen Alltagsbums selbst managen müssen.

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Je näher das Lesebühnenthema am echten Leben und den echten Leidenschaften („Bis morgen überleg' ich mir was“), desto zäher die Ideenfindung.

Und dann wird eh wieder alles in einer Viertelstunde heruntergeklopft.

21.11.

Feministische Perspektiven“ im Central. Barbara Hinterleitner macht sich bei mir gleich beliebt, weil sie sich beim Hund gleich beliebt macht mit stinkenden Sprotten. 

Nach der ganzen Hermoderation ist Buttinger merkwürdig ungeduldig am Telefon, dabei könnte er ja in Ruhe mit Johnnys Festgemeinde schnattern, aber nein, ich solle weitertun. Während der Fahrt bin ich leicht genervt, aber als ich – der Bequemlichkeit halber noch im Frack – den Schl8hof betrete, rufen alle zugleich „Frau Präsidentin!“ und der Babler schaut auf. Er hat zu Recht einmal nur Augen für den Hund. Später, endlich mit einem Bier in der Hand: „I bin die Meindl.“ „Des waaß i eh.“ Er muss sich sichtlich zusammennehmen, Fini nicht zu küssen.

Draußen sitzt sein Fahrer im riesigen Dienstaudi, seit vielen Stunden. Ein neuer Eintrag in der langen Liste der Jobs, die ich nicht machen möchte.

22.11.

Der Architektenfreund übergibt mir seine vollständige Pollack-Sammlung, wie ein geliebtes Haustier, um das er sich nicht mehr gut genug kümmern kann. In den Regalen stehen nur noch Bücher, die er noch nicht gelesen hat, den Rest hat er in gute Hände vermittelt oder um gar nicht schlechtes Geld auf Bookbot verklopft. „Do kriagt ma doch a Göd, voa oim, wenn Büda drin san.“ Während ich einen starken Schnupfen entwickle, den ich ihm hoffentlich nicht zum Dank dalasse, erzählt er, dass er einmal in der Altstadt fast vom Alt-LH Ratzenböck totgefahren worden sei.

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Die Lesebühne schaffe ich mit dem Reservetank, „La Montanara“ hört sich mit Schnupfen an, als ob ich weinte, was ja auch passt. Danach verliere ich mit einem Schlag meinen Geschmacksinn, lasse aber nicht nach beim Biertrinken. Unser Stammgast Hopferwimmer, ein Riese mit Patriarchenbart, erklärt nicht ohne Stolz, „i hob nu nie wem a Watschn gem!“ Gemeinsam überlegen wir eine Weile, wem wir unsere Premieren angedeihen lassen würden.

23.11.

Ich genehmige mir selbst Krankenstand und sage soziale Tätigkeiten im Privatbereich ab, aber weil ich ohnehin hier immer weniger trenne, fühlt es sich wie freihaben an. Eine License to Read ohne Fear of Missing out, ohne dass es fad wird.

Das Blödeste ist, dass ich nicht einmal beim Chinesen anderes schmecke als salzig und scharf, immerhin spüre ich die kalte Funktion des Bieres.

24.11.

Meine Arbeitsumgebung zwingt mich zum Micromanaging, sie fordert es richtig ein, ohne dafür zu bezahlen. Eigentlich hätte ich ja Krankenstand. 

25.11.

Gut aufgelegt, weil keine Termine und leichter Schneefall (obwohl ich immer noch keine Winterreifen am Auto habe, aber das ist egal, weil eben keine Termine und das Auto in der Garage). Ein kleines, billiges Glück. Der Geschmackssinn kehrt auch langsam wieder. 

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Im Grunde habe ich keine speziellen Wünsche und Träume mehr, nichts Abgehobenes, nur noch fortwährend Sehnsucht nach meinem eigenen Leben im Sommer – und in Wahrheit nach diesem einen Tag mit Zelt im Toten Gebirge. Dabei weiß ich ja, dass ich mich am realen Zelttag immer schon auf die Rückkehr ins Tal freue. Was immerhin jedes Jahr weniger wird – daran lohnt es sich zu arbeiten, im Sinne einer Ausdehnung meiner Komfortzone: Das Tote Gebirge in mein Wohnzimmer verwandeln (nein, das ist vermessen gedacht, es muss mir wild bleiben).

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Frauen in der katholischen Kirche – das ist schon ein bisschen so wie die Ausländer, die FPÖ wählen.

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Dem Rat des Architektenfreundes folgend schreite ich die Buchzeilen ab. Im Grunde könnte ALLES zu Bookbot. Ich muss das ausblenden beim eigenen Schreiben. „Selbe Stadt“ kriegt man übrigens um 5,63 €. Es ist ein schmaler Grat zwischen Unsentimentalität und Buch-Messieanismus. Immerhin habe ich wohl schon eine Tonne Bücher aus dem Haus getragen.

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Buttinger findet auf etsy den Bausatz des havarierten Tschernobyl inkl. Raucheffekt, um 96,50 €. Dieses System muss untergehen.

26.11.

Heute beende ich meinen kleinen Privatlockdown und fahre nach Wels, damit ich nicht komisch werde. Überhaupt – was ich nicht alles aus Furcht mache, komisch zu werden.

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Ich kann mich an der Stille im Haus nicht satthören. Ein wenig Angst ab und zu, dass mit einem lauten Knall, Krach oder Spotzen etwas kaputt geht, dessen Reparatur ich mir nicht leisten kann.

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Je mehr ich über Nepal lese, desto mehr möchte ich wieder hin. Es wird Zeit, dass ich mit dem Manuskript fertig werde.

27.11.

Wieder Übersprungs-Smalltalk mit dem Frauenarzt. Er lernt nicht mein bestes Ich kennen. 

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Mir ist eine neue Variante des Rassismus eingefallen, die viel besser an die Realität angepasst ist, denn das mit den Hautfarben ist ja wirklich bekloppt, die kann ja niemand ändern (außer Michael Jackson). Weniger oberflächlich wäre die Diskriminierung von Haltungen, die man nicht einzunehmen gezwungen ist. Ich will z.B. „Signas“ abwerten, Audifahrer, Ramstein-Fans, Rehkitzzermäher, Genderkritiker, Bodypainter, Rasenrobotermäherigelmörder, Teslafahrer und ganz besonders Tesla-Cybertruckfahrer. Für sie alle kann man ein fein abgestuftes Apartheid-System erfinden, wie es sich für echten Rassismus gehört. Auf der untersten Rassismusstufe stehen natürlich Rassisten. Und Menscheneinstufer. Ich könnte daraus eine Beschreibung der 37 Kreise meiner privaten Höllenvision anfertigen.

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Berni Wagner im Schl8hof. Vor Beginn suche ich ihn noch heim. Wenn wir ihn nerven, lässt sich der Gute nichts anmerken. Er sagt, er hätte auch schon gern graues Haar, weil ihm das Jungsein nicht liege. Ich sage, dass ich schon so lange keine Großeltern mehr habe, dass ich mit mir selbst liebevolles Mitleid bekomme, wenn ich im Spiegel sehe, wie grau ich schon geworden bin.

Monster“ habe ich im März schon gesehen, doch es ist eine der Freuden des Alters, dass ich wieder sehr viel zu lachen habe, weil ich in der Zwischenzeit fast alles vergessen habe. „Ob mei Hirn aa üba mi so vü nochdenkt wia i üba mei Hirn?“

28.11.

Der Raureif macht auch Wels hübsch. Dann muss ich zur Mammographie, an die ich versucht hatte, nicht zu denken. Als die Sonne herauskommt und ich direkt vor der Tür einen Parkplatz finde (Spießerfreude), weiß ich schon, dass nichts droht. Ich kehre binnen Minuten mit unauffälligen Brüsten zurück. Coala: „Good adulting!“

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In der Kletterhalle brennen binnen Minuten die Pfoten. Ich habe zwar stark nachgelassen, aber Nazis sollten mir immer noch nicht in die Finger geraten.

Dann moderiere ich mich ein letztes Mal in diesem Jahr um Kopf und Kragen. Der Frauenministerin will ich einreden, bitte auch noch Bürgermeisterin von Wels zu werden, das sei auch schon wurscht. Und ich bespreche den Formenreichtum der Gewalt gegen Frauen als die einzige Artenvielfalt, die dem Klimawandel zum Opfer fallen dürfe.

Die lustige C. K. schenkt den Beteiligten kleine, selbstgemalte Bilder, mir drückt sie es in die Hand und sagt, „D'Foab gheat außen, goi!“

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Dann fahre ich mit dem seelischen Reservetank nach Wels, wo das „Schlimmste“ des Tages passiert, als der Buttinger mir udaungs ein alkoholfreies Bier bringt, mit dem ich ihn gleich wieder wegschicke.

29.11. 

Im Traum streicht mir Robert Palfrader den Keller, das mache er als zweites Standbein, er verlangt dafür von mir nichts anderes als Südtiroler Kaspressknödel und einen Ride zum Bahnhof. Leider ist aber mein Auto total voll und dreckig, ich geniere mich.

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Wien. Die Bahnfahrt wird K. und mir zu kurz, obwohl sie dank einer Bombendrohung (der allerblödeste Trend gerade!) eh verlängert wird. Wir mäandern zwischen small und deep talk.

Die Stadt ist an diesem ersten Adventwochenende übervölkert wie Bangladesh. Wir laufen eine Weile mit dem Strom, bis uns die soziale Energie ausgeht (mir zuerst). Dann essen wir ein letztes Mal im MaschuMaschu – hier habe ich ein Leben mit Falafel gelernt.

Am schönsten der arme, gewaltige Bernhardiner im Weihnachtspullover, mit dem ich ein wenig schmuse. Artgerecht ist das nicht, der Halter hantiert mit seinem Akkordeon, als spielte er im Pataphysischen Orchester.

Weil ich dann noch schnell meine Buchprämienjuryvorbewertung korrigieren muss (alles eine sehr aufwändige Sache), kippt die Stimmung leicht, aber nur so lange, bis mir Coala ein 16er-Blech auf den Schreibtisch stellt, „daun geht’s schnölla“. Siehe Leistungsboykott.

Dann vertrockne ich auf der Couch wie in meiner imaginierten guten Sterbstunde – zum Plaudern der beiden anderen, ohne Zähneputzen, in dicke bunte Decken gehüllt.

30.11. Wien

Nach der Massage im Kang Mei trippe ich ein wenig – welche Meridiane wurden mir da mit herrlicher Gewalt wieder freigelegt? Welche Dämonen wurden aus meinen hölzernen Faszien exorziert? 

Dann geht der Tag gut gelaunt weiter, eins fügt sich ins andere, sodass Coala einmal zu K. den Satz des Wochenendes (nein, des Lebens) spricht: „Aber lass' dich von uns nicht ins gute Leben einetheatern!“

Schwere Erschöpfung in Gelb auf Coalas Couch.