Montag, Mai 16, 2005

Logisch? Nein, psychologisch!

Werte Freunde der intellektonellen Unterhaltung!


Heute wurde ich beim Frühstück mit Psychologie konfrontiert. Ja, genau, das ist das, was all jene studieren, die entweder selbst einen Poscher haben oder aber in die anderen Hirne hineinschauen möchten. In welche Kategorie Coala fällt, weiß ich immer noch nicht genau, vielleicht in alle beide. Sie schreibt jedenfalls irgendwas über Selbstwert (also doch vielleicht idiosynkratische Poscherverarbeitung?) und liest dazu ständig "journals" [tschöanels], die Titel wie "Terror Management Theory" tragen.
In einem solchen Artikel durfte ich heute lesen, dass "Self-Esteem" deswegen so nützlich sei, weil man sich bei einer entsprechenden Menge davon weniger vor dem Tod fürchte. "Wie praktisch!", kräht da der Gebrauchsmensch in mir, "wo kriegt man sowas zu kaufen?" Aber gemach! Todesangst ist aber, so heißt es weiter, auch nicht so unwichtig: Der Mensch fürchtet sich vor der Einsicht, dass er trotz all dem, was er sich an akademischen Titeln, Ehegatten, Kindern oder Liegenschaften zugelegt hat, nur ein "merely transient animal" sei, "groping to survive in a meaningless universe, destined only to die and decay." Schwere Kost zum Frühstück also, frage nicht. Es könne demnach sein, so die bedrohliche Einsicht, dass der Mensch mit seinen Errungenschaften nur das Faktum drapiert, dass er ein Tier ist, "that, in the cosmic scheme of things, may be no more significant or enduring than any individual potato, pineapple, or porcupine." Pfuuuuuuuhhhh!
Nachdem ich über diese Worte reflektiert hatte, erfasste mich große Sorge ob der so vermittelten Einsicht in die drohende Nichtigkeit unserer Existenz! Möglicherweise nicht anhaltender oder signifikanter als Erdapfel, Ananas oder Stachelschwein! Ich rang um Contenance. Zwar wusste ich, dass meine bisherige Lebenszeit die einer Ananas bereits um Längen überschritten hat, sogleich aber kam mir die immense Haltbarkeit von Dosenananas in den Sinn, und auch, dass ich möglicherweise um nichts besser bin als diese zuckrigen, blassen Scheiben! Oder als eine alte, speckige Grundbirne! Vom Stachelschwein ganz zu schweigen! Ich verzweifelte! Coala konnte mir psychologisch keine Hilfestellung gewähren, da sie in mich einstweilen noch nicht hinein schauen kann und ich bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht über meine Gedanken bzw. meine plötzlich anschwellende Todesangst gesprochen hatte.
Dann las ich mit angstgeweiteten Augen weiter - und zu meiner Erleichterung war dann zu erfahren, dass es genau diese Todesangst sei, die uns Menschen von HundKatzMaus und Erdapfel unterscheide. Ich atmete auf: Test bestanden! Ich bin kein Stachelschwein!
Erneut reflektierte ich. Allmählich schlich sich der Zweifel in mein Herz: Wie konnte aber der Autor der oben zitierten Zeilen so genau wissen, dass sich eine Ananas nicht doch auch davor fürchtet, gegessen zu werden (im schlimmsten Falle sogar als Zuckerscheibe auf einer Pizza Hawaii!)? Ich bin der Überzeugung, dass man da nicht reinschauen kann! Wie arrogant der Mensch doch ist! Wie töricht solche Rede! Wir halten uns hochnäsig für die Krone der Schöpfung, und doch haben wir nicht mehr Moral als der Erdapfel im Feld oder das Stachelschwein in der Savanne!
Lasst uns deswegen alle miteinstimmen:
"Schööööööööö ist es auf der Welt zu sein!"
sagt der Erdapfel zum Stachelschwein.
Du und ich wir singen heut,
dass auch uns der Tod nicht freut!



Wär auch froh, noch nicht tot zu sein: Roy Black. Foto: WDR?

Kommentare:

Psychotante hat gesagt…

freue mich, daß die Beiträge nun endlich an Tiefe gewinnen- Überlegungen zum Tod sind dafür quais der Klassiker- was mir zum Denken gibt: ob du die Situation mit Coala denn nur absichlich und künstlich-krampfhaft erwähnst, damit wir dir auch mehr Dimensionalität zusprechen?

Psychotante hat gesagt…

zur Information: Psychologen können erst dann in die Köpfe anderer hineinschauen, wenn sie offiziell Magister oder Magistra sind- dh. dieser chirurgische Blick wird ihnen gleichzeitig mit der Urkunde ab Kundgebung des "spondeo" ausgehändigt.
Das wird auch der Grund sein, warum Coala- noch- nicht über diese Fähigkeit verfügt.
Bei mir trifft das allerdings zu! Meine ethischen Grundprinzipien erlauben es jedoch nicht, über deine, Minki, wie über andere Hirngespinste öffentlich Auskunft zu geben.
Mag.Psychotante

Ps.: noch eine Information: aus erster Quelle kann ich Minkis Annahme, alle, zumindest die meisten PsychologInnen hätten einen Poscher, bestätigen.

jules hat gesagt…

ad Ps: ja! ich kann das auch nur bestätigen, ich hab so einen immer um mich und das ist sehr oft beängstigend, am Schlimmsten ist es, wenn er dann "Gutes" tun will und lauthals verkündet:"Schatzi, i kann des, i bin Psichologe!"

Anonym hat gesagt…

Tja, ich habe zwar wirklich noch keinen Magister, aber einst traf ich eine weise Gurre (weibliche Form von Guru) und ebenjene sprach die Worte, die seither mein Streben und Tun in der Psychologie reine Beschäftigungstherapie strafen: "Schwierig, schwierig, schwierig. Man kann ja nicht hineinschauen." Ja, liebe Mit- und Fertig-Psychologen, wir werden nur geneppt, in echt studieren wir, um uns von der Angst abzulenken, doch Stachelschweine zu sein.

Gruß, Coala

PS: Das mit dem Poscha stimmt leider wirklich, da kann ich auch nur zustimmend nicken

Minkasia hat gesagt…

Oh, meine Lieben! Einmal kurz über den Tod schwadroniert, und schon brummt's im Kommentarteil! Das lob ich mir!
Ad Psychotante: Weißt du was? Du kannst gar nicht in mich hineinschauen, sonst würdest du mir nämlich schon längst die treue Freundschaft aufgekündigt haben!
Ad Jules: War dir mein Beispiel an der Seite eines Psychologen nicht genug? Musstest du dich ausgerechnet von einem Psychologen befruchten lassen? Wie auch immer, ich helfe dir mit Antipsychologie, wenn's sein muss.
Ad Coala: Ja, die Begnung mit dieser Gurre prägte auch mein Sein und Tun. Ich aber sage dir und allen anderen: Wir sind deswegen keine Erdäpfel oder Stachelschweine, weil wir a) über enormen Selbstwert verfügen, und b) über den letalen Verlauf der Krankheit, die da Leben heißt, Bescheid wissen. Yo, peace.

Goldbaer hat gesagt…

Da kann ich auch eine schöne Phrase beitragen, denn auch zu mir sprach eine alte Innviertler Gurre über vermutete, jedoch nicht verifizierbare abgründige Absichten ihres Mannes dereinst folgendes: "Ja mei, i hab ja sein Kopf net auf."
Dank an die anonyme Coala für das Stichwort, denn ich muss jetzt aus Dankbarkeit für eine kleine minkasische Unterstützung ganz viele Kommentare schreiben. Weitere Themen, wo ich was beitragen könnte wären: Viehzucht, Forstwirtschaft oder Meliorationen.

Minkasia hat gesagt…

Ich interessiere mich sehr für die Meliorationen - und dann auch noch für die Abwehr des Hitler-Zentrismus. Nimm uns mit im Zug durch das Gedankenjahr!