Freitag, August 02, 2019
Das Phantom der operanten Konditionierung
Freitag, Juni 14, 2019
Freischaffende Beuter der sieben Weltliteraturmeere. Belletristische Produktpiraterie
Eine erfolglose Literatenpiratin ist es leid, kein eigenes Schiff zu befehligen, sie lässt sich die Heuer für ihre Jahre Schufterei auf der MS Roman auszahlen (54,74 €) und springt von Bord. Der Wortfluss trägt sie mit sich fort und spült sie ans andere Ufer. Eine Weile verdingt sie sich dort als Texterin lesbischer Pornos mit Anspruch.
[kurz im Publikum umsehen - „nein, es sind zu ordentliche Leute hier, ich lese jetzt keine Ausschnitte daraus“],
doch das befriedigt sie selbst nicht lang genug.
Sie will mehr. Herrin auf allen sieben Weltliteraturmeeren sein! Der Schrecken des Buchhandels, die Geißel der Krimiautoren, die Faust des Todes im Nacken unwilliger Verleger und erfolgreicher Konkurrenten! Eines Nachts schleicht sie sich nächtens auf die MS Kafka und kapert sie still wie ein Virus. Sie will damit ein Werk schaffen, das beißt und sticht, denn wenn ein Text seine Leser nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen sie dann überhaupt? Ihre Schöpfung soll die Axt sein für das gefrorene Meer in den anderen! Aber das Schiff ist alt und alle anderen ganz jungen Literaten wollen es auch entern. Und jemand muss die Piratin M. verleumdet haben, denn ohne noch in See gestochen zu sein oder etwas fertig geschrieben zu haben, wird die MS Kafka von strengen Kritikern beschlagnahmt. M, die sich im Zimmer des Heizers versteckt hat, gelingt die Flucht. Über knarrende Wanten hangelt sie sich von Takelage zu Takelage, bis sie bei einem Schiff neuerer Bauart landet – der MS Wolf Haas, weil pass' auf, da passiert immer was, aber nicht dass du glaubst, die Literatin wird jetzt glücklich auf der Haas, weil immer die Leser duzen und immer dieser Stil, da wirst du doch zum Säufer. Es ist nicht so, dass sie es nicht aus dem Hafen heraus geschafft hätte, die M war ja eine, die schon auch was geschafft hat, aber dann ist sie auf einmal ganz dings geworden. Das muss ich euch kurz erklären, wie das mit dem dings gemeint war: Weil neue Entdeckung. Die M hat am Horizont eine Insel gesehen, wie Inseln in Piratenbüchern eben aussehen, und da ist sie wieder kurzerhand von Bord gehüpft wie ein Spatz auf die Brösel.
Nach einer fünfzehnminütigen Odysee, so singt uns die Muse die Taten der wanderlustigen Dichterin, gelangte die Heldin an das fremde Gestade, sie singt vor Zorn, bis ein freundlich Wind ihr den Leib getrocknet. Ei, wie der Sonnengott ihr da die Haut gesenget! Und fern das Wasser, welch gewalt'ge Not.
So verfällt die Freibeuterin des Wortes wegen des mangelnden Trinkwassers in einen Schaffensrausch. Immer am Rande des Hitzetodes fließt ihr ein Roman nach dem anderen aus den Fingern, alles schreibt sie exakt auf, was ihrem siedenden Hirn einfällt, es ist der Fluch der Akribik. Der Reihe nach stopft sie die Manuskripte in dickbauchige Flaschenpostflaschen und wirft sie absichtslos in die See. Sie tragen Titel wie „Handbuch der Kriegerin gegen das Neonlicht“, „Die Homöopathin“, „Jakob auf dem Holzweg“ oder „Veronika beschließt zu erben“, dumme Gedanken eines vertrockneten Hirnes. Was die Seeräuberin der Lyrik nicht ahnt: Alle Werke werden vom Mainstream erfasst und direkt in die Hände des Publikums gespült. Die Neonlicht-Streitschrift wird zur Bibel der EU-Glühbirnenverordnungskritiker, und das Buch über das Erben inspiriert hundertausende junge Menschen, darunter den Volkskanzler der Herzen, sich rechtzeitig Eigentum zu erwerben, um vor Altersarmut geschützt zu sein. Die Kaperfahrerin der sieben Weltliteraturmeere schreibt rastlos Sätze wie "Der Mensch will immer, dass alles anders wird, und gleichzeitig will er, dass alles beim alten bleibt", lauter esoterischen Stickpolsterweisheitsscheiß wie „Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die du immer wolltest.“ Bald bekommt Paolo Coelho Wind davon, dass da jemand seine Buchhandelsfregatten kapert, er schickt eine Forschungsarmada aus; man studiert die gegenwärtigen Strömungen und kommt auf den richtigen Schluss. Doch als die Strafexpedition die Heiminsel der dem Wahn verfallenen Nachdichterin endlich findet, ist von der keine Spur mehr im Sand zu lesen. „Verdammt, wir sind zu spät!“ sagt der Befehlshaber des Geschwaders, der auf der langen Forschungsreise sehr viel dekonstruktivistische Schriften studiert hat, und erst vorgestern las er Barthes' „Der Tod des Autors“, und gestern bei Foucault, dass der Mensch bald verschwinden werde „wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“. Er lässt die Segel setzen und Kurs halten zurück an bekannte Ufer.
Was niemand weiß: Die Autorin ist noch gar nicht tot! Auch sie hat ihre Poststrukturalisten gelesen und sich unbemerkt der Armada eingeschrieben wie ein postmoderner Hypertext. Sie labt sich als kurzsichtige Passagierin im Schiffsrumpf an den Früchten anderer Hände Arbeit, und als man endlich im Hafen der Zivilisation ankert, schleicht sie unbehelligt von Bord.
Siehe da! Hötaus! Man liegt vor Linz! In der Abwesenheit der Schiff- und Wortbrüchigen hat sich die Stadt am Strom zur „Linzeraturhauptstadt“ ernannt. Cool!, denkt die Piratin, die ihr Gewerbe nicht lassen kann, und auch das Gewebe nicht, das Zutexten ehrlicher Bürger, sodass sie – kaum hat ihr Fuß festen Boden unter sich – flugs den nächstbesten Nachen kapert.
[Jetzt ist die einzige Minute, in der es stimmiger wäre, läsen wir heute auf dem Salonschiff Fräulein Florentine, ich ersuche um geistige Mitreise dorthin!]
Es ist die MS Libido, und die Piratin erobert gleich die Crew und sie kapert Ihre Aufmerksamkeit und sie stiehlt Ihnen Ihr Gold im Austausch gegen billigen Tand und wertloses Wortgeklingel.
Und nach einer Buddel voll Inländer Rum sangen alle gemeinsam:
Wir lagen vor Magdalena und hatten die Voest vor Bord
In den Kessel da faulte das Zipfer
und täglich erklang der Linzer Wort!
Ahoi, Literaten, ahoi! Ahoi!
Dienstag, Mai 21, 2019
Fremd im eigenen Hirnland
Fremdkörper
Samstag, Mai 18, 2019
Im Westen – die neue Seidenstraße
[Der Erzähler arbeitet als Landvermesser für die neue Seidenstraßeneisenbahn, die am Lauf der Donau entlang an der Traun abbiegt und von dort ins Gebirge und die Adira führen soll. Es droht Gefahr von den Eingeborenen-Stämmen der Awaren, Slawen und Bajuwaren, die in diesem Gebiet leben und von einer Bahn nichts wissen wollen. Der junge Held ist ein Greenhorn, er freundet sich mit Deng Xiao an, dem Leiter des Security-Teams und erfahrener Westmann. Die beiden sind an einem Sonntag früh morgens auf eine Gams und steigen jetzt wieder aus dem Höllengebirge ab:]
Wir hatten uns dem Lager angenähert, als grässliches Geschrei die Gebirgsruhe durchschnitt. Den Augen bot sich Entsetzliches – rings auf den Bäumen saßen die Arbeiter und brüllten um Hilfe. Vor mir stand der Braunbär und wühlte im Unterleib des Kochs Long, der am untersten Ast einer Buche hing. Ich hob – ohne nachzudenken – einen Stein vom Boden. Der Petz hielt, am Kopfe getroffen, sogleich in seinem Wüten inne und drehte sich zu mir um, der ich ihn mit einem Schuss ins rechte Auge empfing. Der Bär sackte auf die Vorderläufe, dann tappte er stracks auf mich zu. Ich zog mein Klappmesser, sprang zwischen die Tatzen und stach zu. Viermal in das Herz hinein. Der Bär gab nach und sank in seinen Tod. Ich ging zum Stamm, an den sich Long klammerte. „Lasst los, Mann, ich helfe euch herunter!“ Der Anblick war wüst, die Eingeweide hingen ihm aus dem Bauch. Er war tot. Die Arbeiter wollten erst von den Bäumen steigen, nachdem ich ihnen die Leblosigkeit des Tieres bewiesen hatte.
Deng Xiao beugte sich über den Leichnam. „Ó! Ein Braunbär! Muss von Karantanien her kommen.“ Die Arbeiter, die gerade noch um ihr Leben gefürchtet hatten, wollten sich nun gierig daran machen, dem Bären die Krallen und den Penis abzuschneiden, um sie als Heilmittel weiterzuverkaufen. „Der Bär ist mein!“ rief ich, aber sie wichen nur kurz zurück. „Noch ein Schritt weiter und ich schlage jeden ohnmächtig, der --“
In diesem Augenblick tönte eine laute Stimme. „Meine Herren, seid ihr toll? Was für einen guten Grund könnte es geben, dass Landsleute einander den Hals brechen?“ Da trat ein buckliges Männlein hinter einem Baum hervor. Er war so hellhäutig, dass man ihn für einen Europäer halten musste. Der Kleine wandte sich an mich. „Habt Ihr Kraft in den Knochen, junger Herr!“ Er kniete sich zum Bären. „Ihr seid uns zuvorgekommen.“ Er richtete sich wieder auf. „Ihr seid Landvermesser?“ Ich nickte, ein Schatten fiel über sein Gesicht. „Der Boden gehört dem Stamm der Awaren vom Salzberg.“ „Was geht euch das an?“, brüllte der besoffene Vorarbeiter Shǔ. „Ich gehöre zu den Awaren“, antwortete der Bucklige ruhig. „Ah!“ krähte Shǔ in spöttischer Bewunderung, „Huángsè-fùqīn, der Schulmeister der Langnasen!“
Der Kleine rief ein europäisches Wort in den Wald, das ich damals noch nicht verstand, worauf zwei außerordentlich interessante Gestalten auf die Lichtung traten. Es waren offensichtlich Vater und Sohn, die da würdevoll auf uns zukamen. Sie trugen ihr reiches blondes Haar wie einen helmartigen Schopf, ihre Augen strahlten blau. Sie waren in die grünen Jagdröcke der Gegend gekleidet. An den Beinen trugen sie wollene Socken, darüber fein gearbeitete und schön bestickte kurze Hosen aus Gamsleder. Der Jüngere machte einen tiefen Eindruck auf mich. „Das sind meine Freunde“, sagte Huángsè und wies auf den Älteren. „Das ist Ingenieur Tschurner, Bürgermeister der Salzberg-Awaren. Und hier steht sein Sohn Winifred, der trotz seiner Jugend schon kühne Taten verrichtet hat.“
Winifred betastete die Wundmale. „Wer hat diesen Bären mit dem Klappmesser angegriffen?“ Er sprach reines Mandarin. „Ich“, war meine Antwort. „Das junge Gelbgesicht hat großen Mut bewiesen!“ Der Bürgermeister wandte sich an Shǔ. „Mein gelber Bruder mag mir einige Fragen beantworten. Hat er im Osten ein Haus, und ein Stück Land dabei?“
Shǔ unterdrückte seinen Hohn halbherzig. „Ja.“
„Wenn nun der Nachbar einen Weg durch diesen Besitz meines gelben Bruders bauen wollte, würde dies mein Bruder dulden?“
„Nein.“
„Die Länder jenseits des Himalayas und des Indischen Ozeans gehören den Chinesen. Was würden sie dazu sagen, wenn die Europäer kämen und dort Eisenbahnen bauen wollten?“
„Sie würden sie fortjagen.“
„Mein Bruder hat die Wahrheit gesprochen. Die Gelben kommen in dieses Land, schießen unsere Gämsen, rauben unsere Bodenschätze und Arbeitsplätze. Was werden wir dazu sagen?“
Shǔ schwieg.
„Haben wir etwa weniger Recht als ihr?“ fuhr Ingenieur Tschurner fort. „Ihr nennt euch Kommunisten und sagt, dass alle gleich sind!“
„Es ist notwendig für das Wachstum und den Standort“, sagte Shǔ kleinlaut.
Da wurde der Häuptling unwirsch. „Es ist nicht notwendig, dass ferner noch Reden gehalten werden. Ich will, dass ihr heute noch fortgeht.“ Er nickte seinen Begleitern zu, die drei wandten sich zum Gehen. Da griff Shǔ mit einer Geschwindigkeit, die ihm niemand zugetraut hätte, nach der Pistole. Ich stürzte auf ihn zu, doch schon löste sich ein Schuss. Huángsè sprang beherzt vor seinen Schützling Winifred, dem die Kugel gegolten hatte. Sie trat dicht neben dem Herz des Alten ein, er stürzte wie ein gefällter Baum. Ein allgemeiner Schrei des Entsetzens erscholl. Die Weißen knieten nieder, der Jüngere hob den Kopf des Getroffenen auf seinen Schoß. Blut quoll hervor. „Winifred, mei Bua!“ flüsterte er in der europäischen Mundart. Da wandte er sich zu mir, sprach mit dem letzten Atemzug auf Mandarin: „Bleiben Sie ihm treu! Führen Sie mein Werk fort... die Weißen brauchen Ihre Hilfe!“ Ich sagte es ihm ergriffen zu. Er hauchte sein Leben aus.
Winifred und sein Vater hoben stumm den Leichnam auf. „Ich will euer Freund sein! Ich gehe mit euch!“ drängte es über meine Lippen.
Da spuckte mir Tschurner ins Gesicht. „Räudiger Hund! Länderdieb!“
Die Weißen hoben ihren toten Lehrer auf ihren Traktor, banden ihn fest und fuhren von dannen. Sie hatten keinen einzigen Blick mehr für uns.
Sicherheit, auch an den stärkeren Tagen
Ach! Heutzutage ist ja nichts mehr sicher – bis auf das Gefühl der Unsicherheit. Der Eindruck entsteht zumindest, wenn ich es ein bisschen übertrieben habe beim Medienkonsum. Auf allen Kanälen, auf allen Seiten schauen ältere, hellhäutige Herren grämlich Bedrohungen entgegen und kündigen Sicherheitsverschärfungen an. Schon klar, der depperte Terrorismus. Wer möchte den schon verteidigen!? Gerne möchte ich den Glossengott Max Goldt zitieren: „Kann man sich denn heute nicht mehr ohne Bomben ärgern?“ Nur: Angst habe ich davor für meinen Teil nicht. Das einzige, was bei mir explodiert, sind meine Wirtshausausgaben (laufend), ein fallender Joghurtbecher (neulich) und ich selbst nach einer Lappalie (höchstens einmal im Monat). Apropos. Wir Frauen kennen dieses Bedürfnis nach Sicherheit, auch an den stärkeren Tagen. Dieses Angegriffensein von ALLEM. Wenn die ansonsten so geliebten Menschen zu fest schauen, zu nah an uns vorbeigehen, zu sehr da sind oder zu weg. Diese Tage, an denen wir weinen wollen, wenn wir uns morgens von unseren armen Haustieren verabschieden. Wenn etwas von Nirvana oder Rage against the Machine überraschend im Radio läuft und man denkt, mei, sowas Schönes wird heutzutage gar nicht mehr gemacht. Man weiß im Moment des Geschehens, wie dumm man ist, und kann doch nicht aus. Oh, ihr Hormone!
Das Schöne an diesen gefühlsstarken Operettentagen: Sie gehen flugs wieder vorbei. Ist es für uns Damen nicht herrlich, wie uns diese regelmäßigen Stimmungseintrübungen zeigen, dass eine Laune keine objektive Wahrheit ist? Unsere aktuelle Befindlichkeit kein Schicksal? Vielen Männern scheint diese sympathische biologische Einladung, sich selbst nicht gar so wichtig zu nehmen, zu fehlen. Darum sind sie solche willigen Opfer von Grant, Unsicherheit und Angst. Sie halten ihre Gefühle für gerechtfertigt. Wie töricht!
Wir Frauen müssen da wirklich sehr handfest einschreiten, sonst wird die Welt nicht heil. Sagen wir den saudummen IS-Terroristen etwa, sie sollen nicht so hysterisch sein. Vasektomieren wir männliche Verfassungsrichter, die Abtreibungen nach einer Vergewaltigung verbieten. Befehlen wir dem Trump, dass er nicht so stutenbissig herumkreischen soll. Fragen wir Erdogan, Kickl und Strache, ob sich leicht grad ihre Regel haben, weil sie heute gar so unerträglich sind.
Behandeln wir diese Herrenrasse genauso, als wären sie die Frauen, die sie in uns immer gesehen haben! Überforderte Wesen, die in den Schutz des Heimes gehören! Dann der Umsturz und das goldene Matriarchat.
So wird alles gut.
Freitag, Mai 17, 2019
Gabbionen vor Trumps Elternhaus
Warum es keine Schande ist, aus Schönering zu stammen
Ein Auszug aus der im Oktober 2019 erscheinenden Autobiographie „Von der Poetin zur Despotin. Verantwortung übernehmen!“ Bundespräsidentin Dominika Meindl, redaktionelle Mitarbeit Armin Wolf.
Privat ist Donald Trump ganz anders als öffentlich, wo er sich so unmöglich gibt, dass ich selbst schon lange aufgehört habe, mich über seine neuesten Grillen aufzuregen, obwohl wir uns schon so lange kennen. Nämlich über unsere Väter, sie haben zusammen beim Pfarrtheater gespielt. „Die gemischte Sauna“, Trump sen. war der besoffene Pfarrer, ein großer Lacherfolg. Der junge Trump war in der B-Klasse, mit der es eigentlich keine Freundschaft geben durfte, aber weil sich die Väter eben kannten, waren es wir beide, die dem LH damals die Blumen überreichen sollten, als die Volksschule ein neues Dach bekommen hat. Der Donald hat – schon ganz Profi – das Gedicht souverän abgeliefert, fast schon ein wenig zu überzeugend, während ich sofort abhauen wollte, sobald ich alle Augen auf mir, den rutschenden Trachtensocken, dem zu engen Kleid und dem für ein kleines Kind viel zu schweren Blumenstrauß auf mir spürte. Mein Vater konnte mich gerade noch am Knoten der Dirndlschürze abfangen und in die richtige Richtung zurückdrehen. Der Ratzenböck lachte, die Direktorin sah ihn an und lachte aus Höflichkeit mit, die Lehrerin schaute betreten zu Boden. Aber der Donald legte mir seine Hand auf die Schulter, er schob mich mit, hin zum lachenden LH. Die Blumenübergabe klappte. Das werde ich dem Trump nie vergessen, auch wenn er beim Klassentreffen letzten Samstag die ganze Angelegenheit sehr zu meinen Ungunsten erzählt hat. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass er uns nicht ernst nimmt, seit er die USA hat und ich nur Österreich.
Ich habe es bis jetzt nicht publik gemacht, dass der Trump und ich miteinander in der Firmvorbereitung und in der Skigymnastik und bei der Jungschar waren. Zum einen glaubt er ja, seine Wurzeln bei uns im Zentralraum nicht erwähnen zu müssen, zum anderen führt er sich ja wirklich auf wie ein Kleinkind im Zuckerschock, sobald man eine Kamera auf ihn hält. Zudem sehe ich wesentlich jünger aus.
Wie ist es dazu gekommen, dass der Donald Schönering und uns allen so ganz den Rücken zugewandt hat? Er hat im Stiftsgymnasium Wilhering ja nur die Unterstufe geschafft, weil er sich mit dem Lateinischen so schwer getan hat, während es mir zugeflogen ist, als hätte ich es in einem früheren Leben schon einmal gesprochen. Aber gut, für die Weltherrschaft musst du heute keinen gallischen Krieg mehr übersetzen können. Ich habe mir immer vorgenommen, anderen ihre mangelnde humanistische Bildung nicht vorzuhalten, immerhin haben meine Eltern geschuftet, um mir meinen Werdegang zu ermöglichen, und es ist mir eine Freude, ihnen ihre Bemühungen durch das Erreichen des höchsten Amtes im Staate entlohnen zu können. Ich habe über die Berufe meiner Eltern – meine Mutter hat in der Streichholzfabrik Ansfelden gearbeitet, bis sie privatisiert und zugedreht worden ist (die Firma, nicht Muttern), der Vater hat in der Voest bis zur Frühpension die Viererschicht gemacht – in der Öffentlichkeit nie viel gesprochen, denn es ist mir zu en vogue geworden, mit einer proletarischen Herkunft beim Wahlvolk hausieren zu gehen, wenn man sich nach der Brandrede die getrüffelten Lärchenzungen und den Jahrgangsbarolo hineinstellt, bis die Zeche endlich fünfstellig ist.
Da ist der Trump wenigstens nicht scheinheilig. Er hat schon in der Unterstufe damit angetuscht, dass sein Vater mit dem Ziegelwerk so viel verdient, dass sie jedes Jahr wegfliegen, meistens in ein Disneyland, je nach Jahreszeit das von Paris oder Florida. Und dass die Mama es nicht not habe, arbeiten zu gehen, und dass er mit 15 nicht einfach ein notdürftig vom Papa zusammengeflicktes Puch Maxi bekommt, sondern eine Aprilia RS 125. Die erste hat er gleich nach drei Wochen in der Donau versenkt, als er mit viel zu viel Schwung auf die Ottensheimer Fähre hinuntergerast ist, aber drei Wochen später hat ihm die Oma einfach eine neue Aprilia gekauft, während wir auf unseren elenden Maxis und Derbis und Typhoons vor jedem beschissenen Hügel absteigen mussten, weil unsere Sauger zu wenig Schmalz hatten. Das Elend der Jugend, die ganze brennende Scham, das hat der Donald wohl dank des vielen Geldes zuhause einfach übersprungen.
Trotzdem mag ich auch heute nichts gegen ihn privat sagen. Das ist meine Definition von Freundschaft, dass ein jeder seinen Job macht, so wie er es für das Beste hält, und dem anderen nur dann dreinredet, wenn ihn der darum gebeten hat.
Trumps Eltern haben letzte Woche übrigens ihren Vorplatz komplett zuschottern lassen und lauter so schiache Steinkörbe drumherum aufstellen lassen, schaut unheimlich scheiße aus, jetzt erwäge ich, das wegen des Bienensterbens bundesweit zu verbieten. Ein kleiner Machtkampf unter weißen Männern, ok, aber die Bienen wollen auch leben.
Montag, April 15, 2019
Schönering. Ein Ort gibt nicht auf. Eine Schrift anlässlich des 90. Wiegenfestes von Alt-LH Josef Ratzenböck
Freitag, April 12, 2019
Hundert Worte zur Heimat
Die Heimat ist dem Menschen wie der Katze die viel zu enge Schachtel, in die sie sich so hineinzwängt, wie sich der Lachs zum Laichen nach Hause kämpft, um dort auch gleich zu sterben (die Wiener denken an Freud, herrlich!, Liebes- und Todestrieb!, sie sind angeheimelt vom Bild der laichenden Fischleichen). In der Schachtel geht es der Katze wie der Anthropologin auf dem Mars (der Autistin im Schlachthof); sie erholen sich in der begrenzten Enge von den Erfordernissen der Weite, die allem Lebendigen – wenn es nur einmal wirklich diese Weite ernst nähmen – ganz ungeheuerlich erschiene. So sitzt die Mieze im Karton, so zuckt der Fisch neben seinen Nachfahren, so baut sich die Frau mit Asperger eine Kuschelmaschine.
Dienstag, April 02, 2019
Persönliche Reizworte, neue Lieferung (April 2019):
Dienstag, März 12, 2019
Blaue Eier, Hitlers Fehler und noch was zu Vögeln
Die blauen Eier des Trauerschnäppers
Hitler irrt, Teil 3645467657
Vögeln an der Börse
Dienstag, Februar 19, 2019
Der dogmatische Schlummer. Neue Sextipps.
Dies und das zur Erhellung
Samstag, Februar 09, 2019
Nachtrag zur Lesebühne: Gutes Benehmen - die Algorithmen gesellschaftlichen Gelingens
Businessidee Wertekatalog:
Fragen an uns selbst, ensembleintern:
Gutes Benehmen in modernen Lebenslagen:
Montag, Januar 28, 2019
Potpourri aus minderen Jänner-Erlebnissen
Sonntag, Januar 27, 2019
Robin Kreuzpointner
Von Daniela Doofie
In einer sturmumtosten Nacht – Robin hat im Gramastettner Pub „Nordlicht“ zu viel Sturm getrunken – will der junge Narr noch mit dem Auto zum Granitfestival in Neufelden fahren. Obendrein mit dem Brathuhnanhänger seines Vaters. Udaungs göht er in der Reib' ab, stürzt in die hochwasserführende Rodl und wird fortgespült, während das gebratene Federvieh den Weg in die Volksfestbäuche verfehlt.
Der Vater hatte Robin noch mit eindringlichen und liebevollen Worten beschworen, sich nicht in Abenteuer und Elend zu stürzen. „Waust wida bsoffn foast, hau i da's Kreiz o!“ Schon ein Jahr zuvor war der törichte Sohn durch sein ungestümes Fortdrängen zum Urfahraner Jahrmarkt in Sklaverei geraten; nur durch das Glück der Wirtschaftskrise entließ man ihn von der Hochofenfron in der Voest.
Nun aber schwemmt es ihn durch die finstere Nacht wie eine Häusltschick, bei Ottensheim in die Donau hinein, in rasendem Sog durch Linz, Wien, Bratislava – und, als er schon fast meint, sein junges, dummes Leben aushauchen zu müssen, aufs offene Meer hinaus. Stundenlang treibt er dahin, Szenen fundamentaler Verlassenheit bieten sich dem inneren Auge.
Doch schließlich: Zerfetzt und zerrissen, getauft wie eine Maus schleppt sich Robin an den Strand. Als er sich umsieht, bemerkt er, dass er auf einer Insel gelandet ist, mit nichts als drei angeschnäuzten Taschentüchern, einer Packung Extasy, sieben Marlboro und den Hühnerleichen im Anhänger.
Den zieht er mit der Kraft der Verzweiflung und der Pillen an Land. Weil er schon so im Hackeln ist, baut er sich ein schönes Einfamilienhaus drumherum, typisch Mühlviertler halt; mit Infrarotkabine und Carport. Da sitzt er und ritzt jeden Tag einen Strich an die Küchenwand. Es sind viele, leider vertut er sich immer wieder beim Umrechnen der Striche in Zeit, deswegen helfe ich, die auktoriale Erzählerin: Schon sieben Jahre sitzt er auf der Insel fest. Aber nicht untätig. Mit großem Geschick baut er den Hühnergrill in ein Landgasthaus mit Hergottswinkel und Kegelbahn um. Und weil Routine alles ist, umgibt er den Dschungel, seinen Rohstofflieferanten, mit einem Lagerhaus, in dem er wochentags von 9 bis 18 Uhr einkaufen kann.
Freilich baut er auch ein Steinmarterl an seiner Landungsstelle, dort, wo er den endgültigen Tod seiner Hühnchen festgestellt hat. Mit der Zeit baut er aus dem Marterl eine Kapelle, dann eine Kirche, schließlich schnitzt er eine Kopie des Kefermarkter Flügelaltars hinein.
Und doch ist Robin traurig und einsam. Trotz großer Mühen mit der Brauerei kriegt er kein gutes Freistädter Ratsherrenbier hin. Das schlägt ihm aufs Gemüt. Inzwischen summieren sich seine Striche in der Küche schon auf 23 Jahre. „Wa i do nua dahoam, do kinnt' i in Pfrühpension geh!“, weint er innerlich. Da! Ein Laut vom Strand, der so klingt wie Robins Seele klagen würde, wäre sie nicht in so einem knorrigen Leib drin.
Robin eilt hin, dort liegt, von der Gischt angespült, ein Wilder; Robin schüttelt und spricht ihn sachte an: „Hötaus! Wo hodsn di heagschwoabt?“ Als der wilde Rumänenbub endlich die Sprache wiederfindet (er kann relativ gut Deutsch, das können dort unten alle, weil sie ja nur darauf warten, das Werkl im Westen zu übernehmen), da erzählt Montag, so nennt ihn Robin, dass er vor seinem bösen Volk flieht, das wolle ihn zwingen, Mitglied einer Ostblockbande zu werden.
Robin nimmt Montag unter seine Fittiche, das ist die Ablenkung, auf die er so gewartet hat. Er lehrt ihn das Kegelscheiben, das Bratl mit Kruste, das Tarockieren und das Brennen des Sauhäuternen. Montag wiederum bekehrt den Ungläubigen Robin zum Atheismus. Und dann kam auch noch die Liebe dazu, es war sehr schön für die beiden; wer hätte das gedacht, dass der Robin vom anderen Ufer ist.
Und so waren sie lange fröhlich, bis es ihnen zuviel wurde und sie nach Gramastetten heimkehrten. Dort wurden sie zwar wegen der Homosexualität gehänselt, sie trösteten sich aber mit Gramastettner Krapferl, Schlägl Kristall und den Annehmlichkeiten des Sozialstaates, dank dessen sie zuerst eine neue, sauteure Keramikhüfte bekamen und schließlich friedlich im Bezirksaltersheim entschlafen durften.
Samstag, Januar 26, 2019
Gundulas Reisen
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Die Reise zu den Zwergen
Mein Vater besaß ein Landgut nahe der jakutischen Grenze, und ich war unter seinen vierzehn Töchtern die vierte. Als ich 16 war, schickte er mich in die Hauptstadt in ein Reisebüro. Ich will dem lieben Vater keine Widerworte in sein kühles Grab nachschicken, aber wie blöd war das denn in Zeiten des Internets, da hätte er mich gleich in der Videothek arbeiten oder Philosophie studieren lassen. Da ich aber die Welt, die ich vergeblich zu verkaufen suchte, mit eigenen Augen sehen wollte, machte ich mich auf in den Westen und heuerte auf der MS Bulguri an, als Kinderkreuzfahrtsanimateurin auf dem Schwarzen Meer. Ich will ich nicht unsere Dramen aufzählen, von Lactoseintoleranz bis Hochbegabung, sondern nur berichten, dass sich am 26. Jänner 2032, just in dem Moment, als wir vom Donaudelta in Richtung Goldküste ablegen wollten, eine gewaltige Naturkatastrophe zutrug: Das Magnetfeld der Erde drehte sich, Nord- und Südpol tauschten Platz, in logischer Folge wechselten auch alle Flüsse ihre Richtung.
[WHAT! Buttinger, das ist MEINE Geschichte! Fuck Naturwissenschaft!]
Obwohl die Heizer unseren Maschinen alles abverlangten, konnten wir es nicht verhindern, die Donau hinabgesaugt zu werden. Hinein in das dunkle Herz Europas! Niemand war mehr dort gewesen, seit die Balkanroute von innen geschlossen ward. Das Schiff versank in Panik. Am Donauknie zerschellte es, bis Bratislava konnte ich mich an der Hüpfburg festhalten, dann schwanden mir die Sinne.
Im Morgengrauen erwachte ich. Grundgütiger!, erschrak ich, die Havarie hat mir das Rückgrat zerschmettert!, da ich meine Extremitäten nicht zu bewegen vermochte. Es dauerte, bis ich erkannte, dass man versucht hatte, Arme und Beine mit filigranen Kabelbindern zu knebeln. Ich hörte ein verworrenes Getöse um mich, und als ich die lächerlichen Bande gesprengt und mir den Sand aus den Augen gerieben hatte, erkannte ich eine Horde kleiner, aufgebrachter Männer rund um mich toben. Bald verstand ich auch, was sie in Chören schrien: „Pro Border! Abschieben! Abschieben!“
Es war so erschreckend wie amüsant, ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Da trat einer an mich heran, ein ganz besonders zarter, grauer Mann. Sieh an, dachte ich, im Inneren dieser Wilden muss es eine verborgene Zartheit geben, machen sie doch den geringsten unter ihnen zum Anführer. Der richtete das Wort an mich. „Ich bin der Meinung, dass sich das Fremdenrecht dem Volkswillen beugen muss!“ Da wurde ein Glockenton hörbar, der Liliputaner führte seine Hand ans Ohr. „Ok, Kanzler, dann halt nicht so scharf, mir ist's wurscht“. Dann wandte der Zwerg sich wieder zu mir: „Wir prüfen deinen Fall! Bis dahin wirst du konzentriert angehalten. Fang' bloß keine Lehre an in der Zwischenzeit!“ Das Heer der winzigen Uniformierten fiel wieder in seine dumpfen Gesänge.
Es wurde Mittag, endlich labte man mich mit einem würzigen Brei, den man in Kanonen zubereitete. Meinen Durst löschte ich mit dem brackigen Donauwasser. Als ich meinen Kopf hob, stand ein etwas größerer Winzling vor mir, der – meine Annahme einer besonderen Rücksichtnahme Versehrter gegenüber bestärkend – sich auf einen Stock stützte. „Na da schau her, Besuch!“ sagte er, in weitaus milderem Ton. „Ich hab Besuch so gern!“ „Nicht so lieb sein,“ kläffte der kleinere Kleine, aber der Größere plauderte munter mit mir weiter, erzählte mir allerhand über die Sitten des Landes, dass man etwa jahrelang Raketen in die Luft geschossen habe, da die garstigen Nachbarn mittels Flugzeugen versucht hätten, das Volk der Kurzen mit Autismus und Unfruchtbarkeit zu infizieren. Dass man in der Isolation sehr glücklich sei, keine Fremden könnten ihre Messer mehr in die Leiber der Frauen stechen, freilich sei das kurze Volk nun mit dem einen Nachteil geschlagen, dass die Körpergröße der Neugeborenen zuletzt rapide abgenommen habe. Der redselige Stockträger berichtete mir auch vom Brauch, die Toten in der Erde zu vergraben, damit sie daraus wieder hervorwachsen könnte, sobald der große Zauberer das Zeichen für das Ende gibt, die Umkehr der Flussrichtung sei ein sicheres Zeichen dafür. Das alles faszinierte mich, und doch war mir nicht behaglich.
Plötzlich stand ein Männlein vor mir, in ein ganz enges Wams geschlagen, das Haar von zwei Ohren gebändigt, und es erhob eine unschöne Stimme. „Es kann nicht sein, dass hier in Wien die Fremden den ganzen Tag am Strand liegen, während wir unsere Leistung erbringen...“ „Geh waaßt wos, geh scheißn“, sagte ich, erhob mich und machte mich zurück auf meinen langen Weg in die Zivilisation.
Freitag, Januar 25, 2019
HEROIN FÜR ALLE!
Zum aufgeklärten Neo-Absolutismus
Die Bundespräsidentin empfängt im Smaragdsaal der Gugl. Wo vor ihrer Ära Nazirocker die Massen verführten, finden heute jeden Sonntag die Offenbarungsdienste der Sonnenkönigin statt, die in alle Welt ausgestrahlt werden. Meindl, gesundheitsbewusst wie immer, lässt sich einen Becher Schlägl Kristall reichen, bevor sie sich dem Interview anlässlich ihres 90. Geburtstags stellt.
Spatzenpost: Frau Präsidentin, überrascht es Sie, längstdienende Despotin der Weltgeschichte zu sein?
Nein, denn meine gemäßigte Diktatur ist getragen vom Willen des Volkes und Gottes Gnaden. Da tritt man nicht gleich wieder ab, weil die Work-Life-Balance nicht stimmt.
Ihre Amtsübernahme ist Schulstoff, aber was sind Ihre persönlichen Erinnerungen an den Herbst 2018?
Nie werde ich den Anruf Matteo Salvinis vergessen, in dem er mir den Krieg canceln wollte. Er sagte, sein Berufsheer sei nicht feldtauglich, weil alle entweder auf Sabbatical oder im Burnout seien. Die ganze Frecce tricolore habe Bandscheibenvorfall. Du Stronzo, schreie ich, wie stellst du dir das vor, ich will einen Meereszugang! Dabei war ich selbst froh, mein eigenes Heer war auch in einem verheerenden Zustand: Ständig die Anrufe der Mütter, ob der Gefreite Finn Leander eh glutenfreien Zwieback im Tornister habe. Ob Yannick-Homers starke Ragweed-Allergie beim Feldzug berücksichtigt werde. Furchtbar.
Wie ist Ihnen dann der erste von vielen erfolgreichen Feldzügen gelungen?
Pass' auf, sage ich zum depperten Italiener, wir sind beide Oberhäupter unserer Streitkräfte, also ziehen wir auch selbst in den Krieg! So kam es zum Kampf am Brenner. Der Faschist war ja auf dem rechten Auge blind, weswegen ihn meine linke Grade getroffen hat wie ein Eisenbahnunglück. So ist das dann dahingegangen, Staat für Staat. Ich war damals wirklich ziemlich fit. Drum müsst ihr Jungen jetzt in Geographie keine Länder mehr lernen.
Ihre erste Amtshandlung war aber nicht beliebt.
Stimmt, weder die Prügelstrafe für das Aussprechen von „im Endeffekt“ oder „lecker“, noch die Sprengung sämtlicher BMW X6. Weiß heute keiner mehr, wie die schiachen Trümmer aussahen. Mich haben die schon vom Draufschauen aggro gemacht! Als ich dem Volk nur 30 Minuten Handyzeit pro Tag erlaubte, dachte ich, ui, jetzt werden sie mir rebellisch! Dann die Erlösung: Grundeinkommen für alle, Existenzmaximum für die Gstopften.
Was eine Kapitalflucht zur Folge hatte.
Ja, aber nur kurz. Ich bin dem Geld mit der eigenen Faust nachgelaufen. Die USA hab' ich mir absichtlich bis zum Schluss aufgehoben. Weil mir hat der Hansi Orsolics, bei dem ich das Boxen gelernt habe, gesagt: Pass' auf, der Trump nimmt in der zweiten Runde die Deckung runter. Wie dann das ganze Beutegeld sich in die USA geflüchtet hat wie Flöhe auf die Schnauze eines badenden Hundes...
Ein liebes Bild, Frau Präsidentin!
Goi? Kaum ist der Gong verhallt, senkt der Ami-Dickbär seine Fäuste und hat – zack! – meinen Jab im Guck. Wie er aufwacht, hat er reklamiert, das ist unfair! Es hat noch gar nicht gegolten! Aber der Ban-Ki-Moon, der Referee, sagt: Doch, das gilt, ich bin World-Champion. So war das.
Wieso haben Sie dann ausgerechnet Linz als Regierungssitz ausgesucht? Das war doch 2019 ein verträumtes Fischerdorf!
Gute Frage. Mir war Berlin zu hip, Paris zu gspritzt, Wien zu gebacken, Kuala Lumpur zu schwül. Linz war aber wirklich fad, so um 2020. Die Bevölkerung ist mit Lederhosen oder um den Hals geschlungenen Pastellpullis herumgelaufen. Unvorstellbar! Keine Geisteswissenschaftliche Uni, kein Boxstadion, nicht einmal eine Quantenschleuder. Aber ich habe die Herausforderung erkannt!
Nächste Woche werden Sie 90, freuen Sie sich schon?
Ohja. Endlich in den Genuss meiner liebsten Reform zu kommen – Fairtrade-Heroin für alle, die es bis zum 90er schaffen – das war mir wirklich Anreiz zur Langlebigkeit!
Wir danken für das Gespräch!


