Donnerstag, April 09, 2009

Conflictus Benjamini: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit

Der Walter Benjamin war eh ein ganz ein Vifer. Aber dass er meinte, das Kunstwerk verliere durch die massenhafte Reproduzierbarkeit seine Aura, hat sich nun wirklich nicht bewahrheitet. Besonders die digitale Fotografie bedeutet eine aufklärerische Demokratisierung und Partizipationsmöglichkeit am Kunstgeschehen, wo man sagt: Jawoi.
Sie ermöglicht die eminente Re-Auratisierung des seit je her weltauratischsten Kunstmotivs: des menschlichen Antlitzes.

"Zwei lebende Organismen schauen dich an", Monika Meindl, Linz 2009

Kommentare:

(ge) hat gesagt…

ein vifer(!) - oder ein wiefer? laut grimm: Wiefer, zu: gewieft. oder ist das der rueckbezug auf die franzoesische etymologie, so wie benjamin: choque statt schock? oder vifer parall. zu viper? trä schick! ("ich habe mehr angst vor tippfehlern als vor dem tod" - jan faktor)

Minkasia hat gesagt…

Wenn's schon so genau sein darf: Der Benjamin schrieb "Chock". Also ein Choque französischer Importe ins Dialektale, bittschön!

Die Tippfehlophobie find' ich als todesangstüberlagernde Störung übrigens träs önteresaunt. Doch zugleich töricht, wo mir gerade aus Vertippselungen ("Meatphysik", "Erfroschung" uva.) schon so viele nutzlose, aber unterhaltsame Ideen herangewachsen sind.

(ge) hat gesagt…

"Meatphysik", "Erfroschung" -> OTL

Walter hat gesagt…

Das ist ja entSETZlich, das Bild!!

Übrigens meinerbescheidenenmeinungnach (so geht das heute, vgl infrage) ist die Aura-Idee eine romantische Dummheit. Wo ist denn das Original und folglich die Aura eines Gedichtes?

Minkasia hat gesagt…

Romantische Dummheit rock on! Das ist doch die doofe Liebe auch - und die wollen wir uns doch nicht gleich inbauschundbogen fortkonstruieren, auch wenn sie unsere Aura oft schon unwucht gemacht hat.

Walter hat gesagt…

Ich hab ja nur gemeint, dass entweder Original und genaue Kopie gleichwertige Auren haben, oder gar kein Bedarf an einer Original-Aura bei einem Kunstwerk besteht. Beides an Hand (anhand) des Beispiels Gedicht. Bei Musik(-konserven) ist es das Selbe.

So ein der Romantik (gemeint als Geschichtsepoche) nachhängendes Konzept beeindruckt mich nicht. Ich behaupte als Denkanstoß einmal: Es gibt keine Aura des Originals, die ist ein Hirngespinst aus dem Wissen, nicht aus dem Empfinden. Dass diese Aura nicht tiiiief empfunden (verklärt die Augen zum Himmel verdreh), sondern nuuur gewusst (finster schau) wird, wollen Romantiker von der Art des 19. Jhs., die eventuell psychologisch unaufgeklärt sind, nicht wahrhaben. Auch ein bissl elitär angehaucht kommt's mir vor, "original Ölbild", "original Statue", "pah Photo" (damals modern, aber nur schwarzweiss), "pah Grammophon" (damals modern, aber mehr Krach).
So inderart, ich hab ja nur gemeint.

Die romantische Liebe ist schon ok, und ist etwas ganz anderes.