Dienstag, März 21, 2006

Erste Früchte der Arbeit

Heute bin ich im Literaturbergwerk auf ein Verzeichnis bedeutender Künstler Oberösterreichs gestoßen. Zum virtuellen Brötchengeber steht da z.B. Folgendes (ich weiß, jetzt wird's textlastig, aber bald kommt eine Staatsbürgerschaftsnachprüfung für alle, und da wird im Zentralraum jeder streng zum regionalen Dichterfürsten geprüft - nachzulesen unter dem Link in der Kopfzeile!):

Adalbert Stifter, Schriftsteller, Maler und Pädagoge, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der Epoche des Biedermeier (s.u.) bzw. Oberösterreichs.




Er wird am 23.Oktober 1805 im kleinen Dorf Oberplan (heute Horní Plana, Tschechien, damals Österreich) geboren. Seine Kindheit in der Umgebung des Böhmerwaldes bestimmt sein späteres Denken und Schreiben. Als 1817 sein Vater tödlich verunglückt, muss er als ältester Sohn in der Landwirtschaft helfen und kann später nur durch Glück das Gymnasium in Kremsmünster besuchen. Nach der Schule studiert er in Wien und arbeitet dort als Hauslehrer. Erst spät beginnt er Erzählungen zu schreiben und hat damit rasch Erfolg. 1848 zieht Stifter nach Linz, wo er dann zeit seines Lebens bleiben wird.
Das Zeitalter, in dem Stifter lebt, nennt man das Biedermeier. Die Bevölkerung hat kein politisches Mitspracherecht und zieht sich ins Privatleben zurück. 1848 kommt es aber zur Revolution, die Stifter als höchst beunruhigend erlebt.
Neben dem Verfassen von Erzählungen engagiert sich Stifter im Bildungswesen und als Bewahrer alter Kunstschätze.
Am 28.Jänner 1868 stirbt Stifter.
Themen seiner Texte: Wechselbeziehung von Mensch und Natur, Historisches, Liebesglück und -unglück
Das Zentrum für Literatur und Sprache des Landes Oberösterreich ist nach Stifter benannt.


So weit alles klar? Das muss sitzen, oder ihr werdet alle abgeschoben.
However - wir waren beim "Who is Who" der oö. Kulturgiganten. Zu meiner nicht geringen Freude fand ich auch zu meiner Person in meiner Funktion als Pausenkaschperl einen Eintrag. Da stand geschrieben:

Minkasia, Schriftstellerin, Lebenskünstlerin, Müßiggängerin, zählt zu den bedeutendsten Kabarettistinnen der Epoche des Neuen Biedermeier, lebt und arbeitet in ihrem Jugendzimmer am Leidensweg.



Sie wird am 1978 im kleinen Dorf Keferfeld (heute Zentralraum) geboren. Ihre Kindheit in den Wäldern Winkelns bestimmt ihr späteres Denken und Schreiben. Als ihr Vater Primar wird, muss sie in der Hauswirtschaft helfen und kann später nur durch Glück das Gymnasium in Wilhering besuchen. Nach der Schule studiert sie in Wien und arbeitet dort als Sporthallenwart. Erst spät beginnt sie Erzählungen zu schreiben und hat damit keinen Erfolg. 2006 zieht Minkasia nach Linz, wo sie dann zeit ihres Lebens bleiben wird.
Das Zeitalter, in dem Minkasia lebt, nennt man das Zentralraum-Biedermeier. Die Bevölkerung geht sich aus dem Weg und zieht sich ins gemeinschaftslose Privatleben zurück. 2005/06 kommt es aber zu mehreren Revolutionen, die Minkasia als höchst beunruhigend erlebt.
Neben dem Verfassen von Erzählungen engagiert sich Minkasia im Randwissenwesen und als Bewahrerin von absurdem Klumpert.
Themen ihr seiner Texte: Liebesglück und -unglück.
Nach ihr ist das virtuelle Land Minkasien benannt.
Wer jetzt gut aufgepasst hat, findet hier Parallelen so breit wie Sibirien! Kein Wunder, dass mich das Schicksal in den Zentralraum zurückgeführt hat. So ganz nebenbei frag ich mich auch, welcher Ferialpraktikant das Textlein über mich verfasst hat...

Kommentare:

sockenpapst hat gesagt…

Sehr schöne Arbeit mit dem oberösterreichischen Zentral-Raum. So, jetzt lerne ich Sachen zu animieren...

Minkasia hat gesagt…

Jawoi, animier mir mal den Stifter! Du könntest ja so eine Flash-Animation machen, wo er sich beim Rasieren udaungs die Kehle durchschneidet.

Wenn du morgen den ungeduldig wartenden Zentralraum mit deiner Präsenz beehrst, werde ich dir in einer Führung durchs Land die Früchte meiner bisherigen Kultivierungsbemühungen zeigen. Die Leute in Schönering z.B. können alle schon schön "Grüß Gott1" sagen und die Hand geben.

Goldbaer hat gesagt…

Ganz schön kokett, den Brötchengeber dem unseriösen Humor so preiszugeben. Meine Mitarbeiter würd ich bei so wenig Loyalität rauswerfen!

Minkasia hat gesagt…

Also bitte, mein Humor ist zutiefst seriös und der Arbeitsplätzchenbäcker mitnichten durch den Kakao der unfrommen Denkungsart gezogen!

Und du und jemanden rauswerfen, dass ich nicht lache! Du könntest ja nicht einmal der Putzfrau mitteilen, dass sie dir deine Linoleumkartause wieder einmal ein wenig säubern möge, Pferdeköpfchen. Alle deine Mitarbeiter lachen heimlich über dich!

Goldbaer hat gesagt…

Meine Mitarbeiter haben ein Top-Verhältnis zu mir. Sie nennen mich "Mutti" - auch die Mitarbeiterinnen.
Und noch was: Wer wenn nicht das Stifter-Haus sollte die dunklen Kapitel vom Adalbert überblättern? Das frag ich mich!

Minkasia hat gesagt…

Da wird bitte gar nichts überblättert! Schon seit zwei Wochen suche ich fieberhaft nach belastenden Nazi-Dokumenten über Stifter. Den Reichsluftschutzbundsausweis von der Frau Busipfoti hab ich schon an mich gebracht - bald lass ich die Bombe hochgehen!

Übrigens: Von dir, liebe Goldmutti, ist auch einiges im Literaturarchiv zu finden, und zwar unter dem Schlagwort "Grottiges aus dem Innviertel": eine sehr betroffene Rede für die Rainbacher Neuwähler, ein Anlasslyrikgedicht zum Tag der Alten und ein Text über den sogenannten Anschluss, der holpert wie die Feldwege Tibets.

Goldbaer hat gesagt…

Konzentrier dich mal, wenn du meine Kommentare liest! Ich meinte nicht, dass ihr Adalberts dunkle Kapitel aufdecken sollt. Das machen die anderen. Ich meinte, dass ihr die dunklen Kapitel überblättern sollt, wie man das von jeder hagiographisch motivierten Einrichtung doch wohl noch erwarten wird dürfen.

Minkasia hat gesagt…

He hallo, nur nicht patzig werden, sonst schnalzt's!

Ich sag: Das Überblättern dunkler Kapitel im Buch der Heimat ist etwas, wo das Land Oö sagt, jawoi, sowas machen wir nicht!
Und dass besagte Institution hagiographisch motorisiert ist, kann man in dem Sinn auch nicht sagen, ich erinnere nur an meine im vorherigen Kommentar erwähnten "Funde" aus dem Sauwald. Auch so ein dunkles Kapitel übrigens, das nicht dem Vergessen anheim fallen darf - aus der Literaturgeschichte muss gelernt werden, sonst passiert so etwas Furchtbares wie "Der Rainbacher Tag der Alten ist eine Tradition, auf die wir was halten" wieder!
Dem hält das Dokumentationsarchiv des germanistischen Widerstandes sein "Never Again!" entgegen.

Goldbaer hat gesagt…

Du bist doch nur neidig, weil hier im absolut Volkskultur-freien Zentralraum auf die Alten geschissen wird, anstatt ihnen triumphale Ehrentage mit Blasmusik, Innviertler Barockhochamt und Anlasslyrik zu bescheren.
Hast du Angst vorm eigenen Altwerden hier am Westrand. Wende dich doch an die Pfarre Schönering. Dort bist du als alter Mensch gut aufgehoben. Die haben seit Jahren die Altenbetreuung als pastoralen Schwerpunkt - und das mit einem tollen Erfolg. Mittlerweile sind die Greisen unter sich, keine lästigen jungen Familien und "garantiert absolut Jugendfrei".

Minkasia hat gesagt…

Jetzt muss ich aber schon gach einmal fragen, wo du mich verortest - denn für mich waren das an dieser Stelle von dir aktuell gebashte Schönering und der dauergedisste Zentralraum deckungsgleich...
Und dass es hier keine herumkrakeelenden Kleinfamilien gäbe, kann man so auch nicht sagen.

Goldbaer hat gesagt…

Der Zusammenhang ist folgender: Innerhalb der an sich trostlosen Westrand-Steppe (wo die Menschen in einem Sozialexperiment für die Trendforschung testen, wie es sich lebt, wenn man als Gesellschaft auseinanderbricht) gibt es mit der Pfarre Schönering immerhin eine Wohlfühl-Oase für alte Menschen, die mit dem Qualitätssigel "JUNGFAMILIEN- UND JUGENDFREI" ein exklusives Altern unter Gleichgesinnten garantiert.

Minkasia hat gesagt…

Wie schön für dich, du gemütlicher Revoluzzer! Seit einigen Jahren bist du ja aus allen Minderheiten rausgewachsen, nunmehr vom Hausbesetzer zum Hausbesitzer mutiert und stolzer Inhaber einer allmählich mutterkreuzwürdig anschwellenden Kleinfamilie - was käme dir da eher zupass als eine neue Widerstandswand, an der du dir ein wenig das Pferdeköpfchen einrennen kannst! Wie sonst erklärt sich deine freiwillige Entscheidung, die Gerontenhochburg Schönering zur Heimat deiner Söhne zu machen? Das alles läuft wohl unter dem Siegel (sic bitte) der Aufkündigung des Generationenvertrags zugunsten billigen Rentnerbashings.
Ich sag da nur: Nur kein Pensineid! Sei der Verwüstungskraft eingedenk, die ein Sechzigjähriger mit einem Fichtenmoped an deinem Gestrüpp hat manifest werden lassen. "They've got Husqvarnas and they're ready to use them!"