Samstag, Dezember 03, 2005

Agrarperiodika

Für euch entdeckt: Der fortschrittliche Landwirt
Werte Leserschaft!
Marktanalysen haben ergeben, dass 27% der Leser meines Onlinediariums einen agrarischen Biographiehintergrund aufweisen. Das trifft sich hervorragend mit meinen Entdeckungen im Zuge der derzeitigen Forschungen in Sachen Österreichische Literatur- und Publikationsszene.
Speziell für euch Agrarrebellen und Möchtegernbauern da draußen möchte ich an dieser Stelle eine Publikationsplattform vorstellen, die sich "Der fortschrittliche Landwirt" nennt.
Im aktuellen Heft gibt's einen Schweineschwerpunkt; so wird die Gießhübler Schweinefachtagung unter dem Motto "Erfolg im Sauenstall" gecovert - eine Veranstaltung, der ich heuer leider erstmals nicht beiwohnen konnte. Deswegen bin ich dankbar, mich nachträglich über Themen wie "Ferkel mögen's warm" und "Elektronisches Herdenmanagement in der Sauenhaltung" informieren zu können.
Im Artikel "Bringen Schweine Scheine?" wird die Frage der finanziellen Vorteile der Schweine- gegenüber der Rinderzucht erörtert. Dazu möchte ich kurz Stellung nehmen: Zwar kann man in einen Stall mehr Schweine als Rinder hineinstopfen, angesichts der rasenden Vermehrung muslimischer Mitbürger erscheint es mir jedoch etwas bedenklich, dermaßen massiv auf die Schweinewirtschaft zu setzen. Das mag in rückständigen Randregionen angehen, in urbanen Zentralräumen jedoch gehört die Zukunft der Kuh.
Nichtsdestotrotz ein wichtiges Periodikum, das in keinem Haushalt fehlen sollte.
Zum Schluss noch etwas Lyrik:

Sei's wie's sei,
stirbt d'Kuah, bleibt's Hei.
Stiabt s'Keiwö aa,
is da Stoi boid laa.



Nachtrag vom 7.12.: Die Redaktion des "fortschrittlichen Landwirtes" bedankt sich für die Publicity mit einer schönen Anzeige. Da ist sie schon:




Commercial vom fortschrittlichen Landwirt
Foto: MNK

Kommentare:

Goldbaer hat gesagt…

Überaus großzügig, wenn sich die größte zisterziensische Humanismus- und Bildungs-Kanone zwischen Scheibbs, Narvik und Nebraska auch dem hiesigen Furchenadel in aufwändigen Feldforschungen annimmt. Als einfacher und bescheidener Landpfarrer und fortschrittlicher Landwirt im Weingarten des Herrn darf ich jedoch gleichsam anregen, ein stets vernachlässigtes Populationssegment nicht ganz zu vergessen. Es sind dies die nicht erbberechtigten Söhne des Landadels. Aus vielen historischen und psychotherapeutischen Studien wissen wir, dass gerade diese narzisstisch Gekränkten dazu neigen, ihren nie überwundenen Vater-Sohn-Konflikt ohne jedes Sentiment in die Welt hinauszutragen und Kriege anzuzetteln. Gerade im heurigen Gedenkjahr sollte man auch sie nicht ganz unberücksichtigt lassen.

Minkasia hat gesagt…

Ja was glaubst du, wozu ich diesen ganzen Weblogzirkus veranstalte! Damit die unverschuldet oder freiwillig aus der Erbfolge ausgetretenen Bauernbuam ein Forum haben, ihren unausgefochtenen Vater-Sohn-Konflikt per Kommentar zu sublimieren! Und damit die Aufbaugeneration nicht länger unter diesem Nazijagdnarzissmus zu leiden hat.

architektenfreund hat gesagt…

Danke!
Ich als Letztgeborener am Hof meier Eltern suche schon seit meinen ersten Internetrecherchen nach einem Forum, dass sich auch um meine Position annimmt. Als marginale Gruppe ohne gesicherten Erbanteil sind wir nachgeborene Landwirtsschaftssprösslinge nicht einmal von der Österreichischen Vieh Partei vertreten, haben wir doch nur äusserst geringe Aussichten auf eine eigene Herde, es sei denn wir würden sie uns selbst züchten.
Zum Vater-Sohn-Konflikt muss man gerechterweise anmerken, dass dieser häufiger bei den in der Erbfolge Erstgereihten auftritt. Aufgestaut durch jahrelanges Verweigern des Ablebens seitens des Altbauerns geschweige denn der kampflosen Hofübergabe, kommt es bei Jungbauern oft zu gegenwartsgesellschaftlichenn Phänomenen wie z.B. dem auch bei urbanen Publikum beliebten Cocooning oder dem (am anderen Ende der Öffentlichkeitsskala angesiedelten) Bauer-sucht-Frau-Syndrom.
Diese Erscheinung (Bauer-sucht-Frau) widerum verzerrt das Bild des Bauerndaseins in der Öffentlichkeit. Rund 25% aller Bauern lebt ein Singledasein im Gegensatz zu durchschnittlichen 34% des männlichne Bevölkerungsanteils in Grossstädten.

Minkasia hat gesagt…

Pfuh! Das nenn ich ein agrarisches Randwissen, wo ich sag, jawoi, das ist ein agrarisches Randwissen! Ich habe ja erst bei der Marktanalyse erfahren, dass auch du ein Waldbauernbub bist, werter Herr Architenktenfreund. Dein Erfahrungsbericht deckt sich insofern mit meinen eigenen Recherchen in diesem Milieu, als die chancenlosen Jüngst- oder die verweigernden Erstgeborenen große Künstler werden. Ähnliches gilt für die Sandwichkinder der kleinbürgerlichen Bourgeoisie.

Anonym hat gesagt…

Arme Minkasia! Ich fürchte die Sandwich-Kinder haben vom Schicksal gar nichts zu erwarten -das bestätigen leider irgendwelche psychologischen Studien, die mir gerade nicht einfallen. Sie fristen ein klägliches Dasein in der Mitte der Normalverteilungskurve, und können ihrer im wahrsten Sinne des Wortes angeborenen Mittelmäßigkeit nur in den seltensten Fällen entkommen. Denn: den Ältesten gehört die Welt - aber die Jüngsten erobern sie!

Ansonsten wollt ich zum agrikulturellen Dialog beitragen, dass mich der Gedanke, dass das Schwein, ebenso wie Lippizaner und Mozartkugel, angesichts der zunehmenden Komplexität des 21. Jahrhunderts zu einer sinnentleerten Bedeutungsschablone verkommen könnte, doch mit Unbehagen und Bedauern erfüllt.

Vielleicht könnte man durch eine großangelegte Aufrüttelungskampagne, die das verwirrte, vegetarische Gutmenschenvolk zurück an Mutterns (Schweine-)Fleischtöpfe lockt, diesen Trend noch umkehren?!

Hochachtungsvoll, Coala Lumpi (Jüngste)

Goldbaer hat gesagt…

Kann in dem Fall - Fräulein Lumpi bestätigend und zugleich leicht korrigierend - nur nachlegen: Sandwichkinder als die Personifizierung des zum Schweißfuß gewordenen Mittelmaßes haben vom Schicksal sehr viel, vom Leben aber rein gar nichts zu erwarten.

Minkasia hat gesagt…

Hoho! Starke Worte! Ich als Sandwichkind kathexochen sage aber dazu: Lieber vom Schicksal gebeutelt als vom Leben keine Ahnung!