Dienstag, Juli 12, 2005

Die geheimen Nöte von Eltern in der komplexen Wirklichkeit des beginnenden 21. Jahrhunderts.



Foto: MNK

Kommentare:

Goldbaer hat gesagt…

Was hier von einem besorgten Vater als Widerspruch angedacht wird, ist im Grunde DER große Entwurf, um der komplexer werdenden Realität des 21. Jahrhunderts zu begegnen. Und zwar mit sozialem und beruflichem Multitasking. Schon der junge Marx schrieb optimistisch von der "Emanzipation der Arbeit" und hielt die praktische "Aufhebung der Arbeitsteilung" für realistisch, um einen gesellschaftlichen Zustand zu erreichen, in dem es möglich ist, "heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden" (Die deutsche Ideologie. Marx/Engels, MEW 3, S. 33, 1846/1932). Sowie nämlich die Arbeit verteilt zu werden anfängt, hat jeder einen bestimmten ausschließlichen Kreis der Tätigkeit, der ihm aufgedrängt wird, aus dem er nicht heraus kann (schönes Sinnbild dafür: der Zaun um den Bagger), wenn er nicht die Mittel zum Leben verlieren will - während in der marxistischen Gesellschaft jeder sich in jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, morgens Kabarett zu machen, nachmittags Weblogs zu kommentieren, abends Fußball zu spielen, nach dem Essen zu forschen und hin und wieder Bagger zu fahren, ohne je Kabarettgott, Kommentiergott, Fußballgott, Zeitgeschichtegott oder Baggerfahrergott sein zu müssen.

Minkasia hat gesagt…

Da wird das OÖ Landesarchiv gerade massiv links unterwandert! Der Landespepi sollte mal ein Auge auf den Zeitgeschichtepepi werfen!

Dr. Goldbärs Analyse ist ebenso interessant in ihrer ungebrochenen, fast schon jugendlichen Begeisterung für linke Selbst- und Arbeitskonzepte wie bezeichnend in ihren Widersprüchen, die sich bei diesem Mindsetting in der komplexen Realität des beginnenden 21.Jahrhunderts zwangsläufig ergeben.
Die eigentlich gesellschaftsrelevante Tätigkeit ("Forschen") des Autors wird postprandial hingeschludert, während alles andere einem übersteigerten Individualisierungsstreben geschuldet bleibt. So exkludieren die erwähnten Handlungen, wie etwa kabarettistische "Humor"- bzw. Kommentarproduktion oder die pseudomäßige Volkskörperertüchtigung, die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit, (was insbesondere an der stets zweistellig bleibenden, mit Klassendünkel behafteten, dekadenten Leserschaft von Kommentar und Weblog bzw. am maximal zu dritt betriebenen Fußballspiel manifest wird).

Meine Analyse lautet wie folgt:
Man kann nach Foucault, Derrida oder Waldenfels das in der Moderne absolut gesetzte Subjekt nicht durch einen aufgesetzten marxistischen Impetus vom Thron der Schöpfung stoßen bzw. gleichzeitig (neoliberal konnotiert - Stichwort "Multitasking") die Arbeit am durchgestylten Selbstbild ("Schaut wie vielseitig ich bin! Ich kann auch als Zeitgeschichtegott im Kabarett UND beim Sport brillieren!")propagieren.