Dank an die Bildstellen: Ronald "Minki" Brutter, Coala "Cleopatra" Meindl und Sebastian "Putin" Fasthuber.
Freitag, September 14, 2018
Endlich Bürgermeister!
Dank an die Bildstellen: Ronald "Minki" Brutter, Coala "Cleopatra" Meindl und Sebastian "Putin" Fasthuber.
Donnerstag, September 13, 2018
Im Satirekombinat der „Original Linzer Worte“
Manche Landsleute haben sich von meiner zeitweiligen Verfügung in Hitler-Kostüme blenden lassen: In Wahrheit bin ich recht links und lege mein Präsidentschaftsamt hochgradig antifaschistisch und antiautoritär an.
Die Befreiung meiner Brüder Monet und Buttinger aus der kapitalistischen Verwertungslogik war mir eine Herzens- und Nierenangelenheit. Deswegen habe ich auch den volkseigenen Satirebetrieb „Original Linzer Worte“ gegründet. Motor meines revolutionsorientierten Wirtschaftens ist der Kampf gegen neoliberale Vernutzungssysteme und ausbeuterische Rationalisierungsstrategien.
Die Arbeit in meinem Kombinat beruht auf Selbstverpflichtung, Selbstführung und Einsicht in die Vorteile der literarisch-kollektivierten Zentralwirtschaft. Unsere Produktion ist auch wegen des Verzichts auf Urheberrecht und Privateigentum jener des kapitalistischen Auslandes (vgl. Coehlo, Rowling, Brown) weltanschaulich überlegen.
Wir sind vorerst nur zu dritt, und einer muss eben die Nomenklatur bilden. Da die Genossen Buttinger und Monet erstens einen geringeren Bildungsabschluss haben sowie im Sinne der antiphallozentristischen Emanzipationsdoktrin nicht über einer Frau arbeiten sollen, blieb mir nichts anderes übrig, als auch hier die Funktion des Zentralkommittees zu übernehmen. Ich darf dazu den Komsomolzen Mandlbauer („Prawda OÖ“) zitieren: „Die Führung darf nicht übersehen, dass das Volk geführt werden will.“ In diesem Sinne habe ich, das ZK, meine Angst vor Autorität überwinden müssen. Obwohl mir das mehr weh tut als euch.
So kaufte ich also eine Immobilie in der Innenstadt, damit die Produktionsmittel in unseren Händen bleiben. Von außen mag das Büro eher wie ein alter Baucontainer aussehen, der einfach in einer NachtundNebelaktion in den Landhauspark gestellt wurde, aber das ist wieder nur eine Verblendung des imperialen Blicks. Uns bzw. den Schreibgenossen ist es der Arbeiterhimmel. Da sitzen Monet und Buttinger nun täglich elf Stunden und dichten. Abends übernehmen sie verkleidet Lesungen.
Ich gab ihnen folgende Planaufgabe: Täglich zehn Manuskriptseiten Text, einen Roman pro Quartal, nach Möglichkeit einen Bestseller im Semester. Vorgeschriebenes jährliches Wachstum acht Prozent. Im Fünfjahresplan ist mindestens ein Literaturnobelpreis vorgesehen. Bei Verfehlen des Plansolls folgen Selbstkritik und Kritik durch das Feuilleton. Dazu die Beschlagnahmung von Kraftfahrzeugen, Nylonstrümpfen und Südfrüchten.
Nun! Was für ein schöner Start, als Monet nicht nur unter dem Synonym Robert Menasse und Michael Köhlmeier veröffentlichte wie eine Stalinorgel, sondern 2004 mit „Die Klavierspielerin“ gleich den Nobel-Plan erfüllte. Genial auch seine Taktik, die Rolle als Jelinek scheu und zurückgezogen anzulegen, so fiel seine eher unglaubwürdige Verkleidung als Frau nicht weiter auf.
Selbstverständlich war der Buttinger schnell neidig, er durfte sich zwar über internationale ökonomische Erfolge seiner fingierten Schriftstellerinnen (Donna Leon, Paulo Coelho, Rosamunde Pilcher) freuen, die im Plansoll geforderte avantgardistisch-künstlerische nationale Anerkennung blieb aber aus.
Intensiv arbeitete er am Gegenschlag. Bis Buttinger schließlich im Oktober 2007 in einer einzigen Schicht „Gut gegen Nordwind“ zutage förderte. So ernannte ich den eifrigen Mehrleister zum Stachanow des Monats und versprach, zur Belohnung seine Heimatstadt Wels nach ihm umzubenennen. Als kurz darauf schon alles umgeschrieben, alle Amtsschreiben angepasst waren, musste ich zu meinem beträchtlichen Missfallen erkennen, dass es das Städtchen „Klaus“ bereits gibt. Ich seah mich gezwungen, das alte Klaus durch Sprengung der Staumauer fluten zu lassen. Die Motivation meiner Mitarbeiter ist mir nun einmal unendlich wichtig.
Monet aber schimpft und grummelt seither, er nennt Buttinger oft einen „Normbrecher“ und Schleimer, er leiste des Abends sexuelle Hilfsdienste für das ZK. So trug ich unlängst dem aufmüpfigen Monet die Leistung der Königsübung, pardon: Arbeiterführerübung auf: Verfasse dem ZK einen dermaßen tollen Text für die Europawahlkampflesebühne, dass es die Volksmassen beim Zuhören aus dem Drillich wirft.
[René von der Seite anschauen:] Ich bin mir nicht sicher, ob dir der Auftrag gelungen ist.
Montag, Juli 02, 2018
Liederliche Schmuckeremiten grölen demonstrative Brandreden. Warum ich meinen Beruf liebe.
Geliebtes Volk!
Freitag, Juni 15, 2018
Götterdämmerung. In zeitgemäßer Bearbeitung für den oö. Kultursommer
Die Aufführung des Dramas ist der Tips-Arena zugedacht, alle anderen Theater vermöchten ihm nicht standzuhalten. Ein tropischer Sommerabend in Linz. Geschampertes Premierenvolk, viel Wichtelstuben-Tracht, aber auch Abendkleidung von Fussl.
LH Stelzer beugt sich hinüber zu Vizelandeshauptmann Haimbuchner: Des wird jetzt a Leistungsschau vom oberösterreichischen Kulturstandort!
Haimbuchner: I gangad nia ins Theata, owa des schaut supa aus!
Stelzer: Goi? Voi! Und waaßt wos: Kimmt da des Bühnenbüd bekaunt voa?
Haimbuchner: Scho a weng! Maanst du des große Porträtbüüd in da Mittn?
Stelzer: Naa, des kenn i goa ned.
Haimbuchner: Ned?! Des is da Anton Rheinthaller, unsa ersta Bundesparteiobmann.
Stelzer: Ah. Woa des ned der SS-Brigadeführer?
Haimbuchner: Jetzt faung du ned aa mid da Nazikeule au! Der hod in Glosnboch eh gelitten! Ein Ehrenmann! Der hod des Laund wieda aufbaut!
Stelzer: I hob eh nur gaunz wertfrei gfrogt. Owa jetzt sog, des Bühnenbüüd! Wos glaubst?
Haimbuchner, schaut, staunt: Naaaa!
Stelzer: Joooo!
Haimbuchner: Des is jo de Eirichtung vom Musikantnstodl!
Stelzer: Jawoi! Hamma von Willhaben. Gscheid büli.Des Beste is – de Kritika wern song, des is ironisch.
Haimbuchner: Klass! Is si des midm Büdsché ausdagaunga? Is da Gabalier a bissl owagaunga? I maan, bei 150.000 fia des Libretto hod's mi schau a weng grissn.
Stelzer: Jo, mia ham oafoch des Literaturbüdsché hergnumma.
Haimbuchner: Du Fuchs!
Die Musik hebt an, ein melodiöser Kompromiss aus „Peter und der Wolf“ und der Landeshymne.
Vorspiel
Ein Wohnzimmer in altdeutscher Eiche, drei alte Frauen vorm Röhrenfernseher.
Erste: Wos isn leicht heid im Programm?
Zweite: Bundesland heute. De Westring-Eröffnung.
Dritte: Ah schau, da Kaunzla!
Die drei schnattern erregt: Fesch! Fesch! Ma! So jung! Gschickt!
Die Bühne dreht sich, das Publikum quittiert den special effect mit einem ersten Zwischenapplaus. Wir sehen nun Brunis Schlafzimmer (gesponsort vom XXXLutz).
Erster Aufzug
Bruni: Ma, gehst scho wieda?
Sigi, sich die Lederhose wieder anziehend: Jo... woaßt eh. Mia miassn Maibaam stöhn in Sicking drüm.
Bruni: Schee woas!
Sigi: Jo. Voi klass!
Bruni: Mogst mi eh?
Sigi: Waaßt das eh!
Bruni: Geh weida, bleib nu.
Sigi: Naa, da Hacki und da Günni woatn scho.
Bruni: Maaa.
Sigi: He, kaunst du ma auf wos aufpassn? Is owa geheim!
Bruni: Jo! Jo! Wos isn des, a Schlissl?
Sigi: Des is ned nua a Schlissl, des is da Universalschlissl zum Westring! Do kaunst üwaroi eini damit! In gaunzn Tundl kinntast odrahn, vastehst?
Bruni: Wo hosdn den her?
Sigi: Vom Papa vom Hacki. Der sitzt do im Übawochungsbüro, des is da Sicherheitschef von dem Gaunzn. Mia ham erm den gfladert... des woa a Mutprobe.
Bruni: Spinnst?!
Sigi: Des woa im Hacki sei Idee! Passt ma auf drauf? Ned dass in valia jetzt.
Bruni: Dafia muassd ma sogn, dass d mi mogst.
Sigi: Jo.
Bruni: Sog's!
Sigi: I tua's eh. He, kau i dei Auto hom?
Bruni: Sog's!!!
Sigi: Du bist supa, danke!
Das Bühnenbild dreht sich wieder. Wir sehen Günni und Hacki vor dem Feuerwehrhaus. Spotlight auf das Zipfer Dosenbier.
Zweiter Aufzug
Hacki: Bist du eigentlich schwul, Hawara?
Günni: Wo is mid dia!
Hacki: I maan nua. Weil mid de Hosn is ned vü los bei dia.
Günni: Bisd augrennt? I hob scho voi oft mid aaana!
Hacki: Fesche madl brauchn flotte buam hollero
zum zuwadruckn liabm und zum gspiarn
wei ma euch bussl wenns es brauchts vom kopf bis zu di fiaß
jo mei gott seids es feschn madln siaß
Zwischenapplaus des Publikums, es hat das Gabalier-Zitat sofort erkannt. Hacki: I glaub, dir taugt die Bruni vom Sigi.
Günni: Oida! Na!
Hacki: I siach jo, wiasd as oiwei auschaust.
Günni: Loss mi in Ruah, Typ!
Hacki: I glaub, du bist wirklich schwul. De Bruni is voi schoaf.
Günni: Voi.
Hacki: Wüüst as? I wissat wia.
Günni: Naaa...
Hacki: Schwucht.
Günni: Hawara! Ok. Wos soid i tuan?
Hacki: Pass' auf...
Sigi: TSCHAAAAA!
Hacki und Günni: Oida! Ma host du uns gschreckt! Herst!
Hacki: Heil! Siegfried, teurer Held!
Günni: Derf ma des wieda sogn?
Hacki: Is ja nua a Zitat.
Sigi: Seid's deppert, es Nazi?
Günni und Hacki: He! He! Bisd wo augrennt? Wüsd Schläg'?
Sigi: Wisst's gaunz genau, dass i a Roda bin, weil ich wüü amoi an Postn!
Stelzer und Haimbuchner raunen, das Publikum auch.
Sigi: I respektier' eich eh, die FPÖ kau ma wirklich jetzt wöhn... Steigt's ei, i hob des Auto vo da Bruni!
Spotlight auf die finstere Bühne – ein polierter 3er-BMW erglänzt, „Ooooh“ staunt das Publikum. Die drei Burschen steigen in das getunte Auto, Stelzer flüstert „made in Steyr, de ham aa einzoid!“ Sigi dreht den Radio auf, kurz hört man Zitherklänge von „Gsunga und gspüht“, dann legt Sigi eine neue CD ein.
Günni: De echte Voiksmusik is owa irgendwie aa schee.
Als das Publikum „Kleine heile steile Welt“ von Gabalier hört, juchzt es:
"I glaub an mei Land und die ewige Liab
Nix is mehr Daham als ein Schnitzel aus der Pfann
Tradition leben, mit der Zeit gehen
So wie's früher in der Milka-Tender-Werbung war
I glaub an Leut, die sich geben wie sie sind
In einem christlichen Land hängt ein Kreuz an der Wand ...
I glaub an den Petrus an der Himmelstür
Der sagt, komm her zu mir, Bua i muss reden mit dir
Vaterunser beten, Holzscheitelknien
Nach einem Zeltfest im Rausch am Heuboden die Unschuld riskieren...“
Das Publikum poscht rhythmisch mit. Es wird dunkel auf der Bühne.
PAUSE.
Dritter Aufzug.
Szene: Einfamilienhaus, die Morgenvögel zwitschern, Hacki torkelt daher, bleibt stehen und öffnet den Lederhosenstall, brunzt in festem Strahl gegen die elterliche Thujenhecke. Lacherfolg beim Publikum. Als der junge Mann, vergeblich versucht, das Schlüsselloch zu treffen, reißt sein Vater Albert die Tür auf.
Vater: Gfrast!
Hacki: Hö!
Vater: Bsuff!
Hacki: Ma, Papa...
Vater: Mia zwaa ham wos zan redn!
Hacki: Papa ned!
Vater: Wo is mei Schlissl!
Hacki: Wöchana?
Vater: Na wöchana! Der vo da Hockn! Mei Westring-Schlissl! I hob nan gestan in Herrgottswünkö glegt! Du hosd as genau gseng! I hob dia und da Mama vazöht, dass ma den ned auglenga derft's!
Hacki: Ah... i woaß nix.
Der Vater reißt ihm ansatzlos eine. Haimbuchner pufft Stelzer in die Seite und grinst, „so geht des mid da Pädagogik!“
Vater: Amoi nu: Wo is mei Schlissl!
Hacki heult: Nimma haun!
Vater reißt ihm zur Sicherheit noch eine. Haimbuchner gluckst.
Hacki: Den hod da Sigi seina Oidn gebm! Er is schuid, i hob nan nua herzaagt!
Vater: Du Klachö! Waaßt, wos passiert, wenn der Schlissl in de foischn Händ kimmt? Der gaunze Wirtschoftsstaundort sandlt owe, waun da Vakehr steht!
Hacki: Da Sigi woas! Er hod mi zwunga! Er woit de Bruni beeindruckn! Der ghert ins Häfn! Er ist a gaunz a Linka! Er wü zum Islam üwatretn!
Der Vater zieht den Sohn am Genick ins Haus. Na woat, den Terroristen kauf i ma! Und du hüfst ma!
Letzter Aufzug
Das Licht geht an, die Bühne dreht sich. Das Publikum staunt über die lebensechten Kulissen des herrlichen Salzkammerguts. Es erklingt die Melodie des „Wildschütz“. Sigi stapft einher, er trägt eine abgesägte Schrotflinte und einen zünftigen Rucksack. Sein Handy klingelt.
Sigi: Günni! Wos is? I geh auf a Gams. Wos? Nu amoi. Ha? Wieso soid mi da Hacki vapfiffn hobn?! Des is mir doch wurscht, wos sei Oida sogt, der ozwickte Meterpriagl! Jetzt sei ned so a Pussy, i bring eam den Schlissl eh wieda zruck. Wiasd maanst, foahr zur Bruni, mir wurscht. Sie soi dan gebn, waun da leichta is.
Er legt auf und will weitergehen, da teilt sich das Latschenmeer und Hacki tritt vor ihn.
Sigi: Hötaus! Gibt's des?
Hacki: I hob gheat, du gehst auf a Gams.
Sigi: Wer hod da des gsogt? Wos schausdn so?
Hacki: Sitz her. Trinkma an Obstler.
Er hält Sigi den Flachmann hin, der macht eine ablehnende Geste.
Sigi: I mog ned. I soid nimma so vü tringa.
Hacki: Hä? Owa a Bral isst scho? Is vo da Mama, hausgschlocht.
Sigi: I reiß mi ned um a Saufleisch.
Aus dem Gebüsch bricht jetzt mit einem Schrei Vater Albert: Volksverräter!
Hacki reißt die Schrotflinte aus Sigis Rucksack, der versucht zu fliehen.
Vater: Tua's!
Hacki schießt ihn in den Rücken.
Vater: Es muass sei. Gib' her die Krochn, de hauma in d'Klamm. Mir song, es woa a Bandenkrieg. Da Sigi hod si radikalisiert.
Hacki: Schwul woa ra aa.
Vater: Es is bessa so.
Hacki: Jo, Voda.
Vater: Weil ois, wos is, muass endn.
Nachspiel
Ein letztes Mal dreht sich die Bühne, wir sehen Sigi vor der Himmelstür. Er klopft, es wird ihm aufgetan. Gleißendes Licht dringt aus der Pforte, dann erkennt das Publikum Petrus. Er hält ein Holzscheit in der Hand.
Petrus: Bua, i muass redn mid dia.
Sigi: Vater unser!
Petrus legt ihm das Scheit hin, Sigi kniet sich drauf, er schluchzt ein wenig. Da tritt eine Lichtgestalt neben Petrus hin. Das Publikum schreit auf, als die ersten erkennen, dass es Bundeskanzler Sebastian ist, der die Star-Rolle des Messias übernommen hat. Er breitet die Arme segnend aus. Stelzer und Haimbuchner stehen auf, das Volk folgt.
Da verfinstert sich der Himmel. Ein gewaltiger Hintern breitet sich über die Tips-Arena und bedeckt das ganze gottlose Treiben mit einem großen, großen Haufen Gotteskot.
Ein Hoch auf die Macht der Literatur!
Mittwoch, Mai 16, 2018
Nach Mathematik und Sex fehlt jetzt die Hose. Marcel Hirscher enttäuscht, der Hund ist ein Star.
Donnerstag, April 26, 2018
Gender ist ein windschiefes Konstrukt
Lieber Leser, du feine Madame,
Freitag, April 20, 2018
Zeitreisen unter besonderer Berücksichtigung von Tyrannenmord
Drehbuch für ein neues Genre – der Sci-Fi-Heimatfilm.
Österreich im Jahr 2024. Die Donau ist überplattet, drinnen fahren Schiffe, oben SUVs. Kurzens demagogisches „Talent“ ist mit ihm durchgegangen, Orbanisierung Hilfsausdruck. Szenen zeigen Behinderte und Bettlägrige, die Profite erwirtschaften müssen. Schnitt in die USA: Trump schmollt, weil Kurz den Grenzwall vorm Balkan schon fertig hat (aus Vöest-Stahl, bemalt mit Alpenpanoramen). Schnitt nach Russland: Itchy Stratchy ist in den Schoß Putins gewirtschaftsgeflüchtet, weil die Türkisen die FPÖ aufgesaugt haben wie der Monet sein erstes Wochenendbier. Die nächste Szene spielt auf der super renovierten Florentine: Künstler treten – wenn überhaupt – nur noch mit Headsponsoren auf. Aus der Lesebühne ist ein Mundart-Rossegger-Vortragsabend geworden. Weil eh alle Ausländer zurückgeschoben wurden, da braucht's keine neuen deutschen Texte mehr, sind eh die alten vom Ernst Jünger oder Weinheber pfenninggut. Was sich nicht am Markt behauptet, ist ausgemerzt wie der Schnee in der Märzsonne.
Aber! Das ist keine fade Geschichte, darum gibt es eine Widerstandsbewegung im Untergrund. Eine Szene in Alturfahr: Wir sehen Theaterwissenschaftler in den geerbten Gärten ihrer wohlhabenden Eltern garteln. Politikwissenschaftlerinnen kämpfen mit Ribiselmarmelade gegen die Lebensmittelkonzerne, ehemalige bildende Künstler setzen saisonale Dekorationsideen gegen neoliberale Uniformität, Biomodedesigner mahnen mit selbstgehäkelten Baumumpuschelungen gegen die soziale Kälte. Philosophiestudenten werfen urban Seed-Bombs gegen Porsches, um die Versiegelung der Landschaft anzuprangern. Frühere grüne Landtagsabgeordneten glänzen mit gepflegten Vollbärten und gepflegten Gesprächen über die Auwaldbesetzung 1986. Die Opposition beherrscht Selbstverteidigung, wehrt also depressive Verstimmungen durch Yoga und Bewegung an der frischen Luft ab.
Hier tritt unsere Heldin Monique Mendl erstmals auf. [Man könnte sie ganz gut mit Charlize Theron oder Birgit Minichmayr besetzen.] Wir sehen die gutaussehende brünette, ehemalige Schriftstellerin im Disput mit Rebellen in Naketano-Pullis. „Radikal vegan?!“ schimpft sie, „das ist doch kein Widerstand gegen den Tyrannen! Ihr Lulus seid doch schon fertig wegen eurer Lactoseintoleranz!“ „Das ist aber auch wirklich belastend“, erklärt ein Mann mit Man-Bun, „können wir denn die Milch nicht nehmen, wie sie ist, heul!“ „Und sag' bitte nicht Tyrann“, beschwichtigt eine Frau mit selbstgefilztem Schmuck, „die gewaltfreie Kommunikation lehrt uns, dass wir den Gegner in seinem So-Sein und seinen Bedürfnissen ernst...“ „Waaaaa!“ brüllt die Heldin, „der behinderte Kurz schenkt eure Elternhäuser der Bank, sobald ihr die Mindestpension beantragt!“ Beim Wort „behindert“ hat es die Runde heftig gerissen. „Der Sebastian hat besondere Bedürfnisse, Monique!“ flüstert die Tanztherapeutin in Vintage-Sneakern. Da reicht es der Heldin, sie wirft den selbstgezimmerten Palettentisch um, kohlehydratarme Smoothies ergießen sich auf den Erdboden, sie brüllt: „Der Kurz ghört weg!“ „Jössas“, wispern die Mitstreiter. „Haben wir schon eine Online-Petition angedacht?“ sagt der Man-Bun. Und die Filzgeschmückte: „Das Crowdfunding für Kurzens Sterbehilfe läuft nicht so gut an.“ „Er ghört weg!“ schreit Monique unbeirrt, „wir brauchen Waffen!“ Auch die anderen sprechen jetzt aufgebracht durcheinander. „Ist schießen nicht rechts?“ „Ist es nicht kolonial, wenn wir den Leuten in der Dritten Welt die Kalashnikoffs wegkaufen?“ „Macht so eine Bombe nicht Feinstaub?“ „Kriegen wir das Nitro fair getradet und verpackungsfrei?“ Mit einem Urschrei „Ihr Superfoodlecker, ihr!“ rennt die Heldin von dannen.
Weit kommt sie mit ihrem Zorn freilich nicht, das Morden ist auch ihr als Sandwichkind nicht in die Wiege gelegt. Sie nimmt das Handy und googelt „Was hat Kurz bloß so ruiniert“ Bald findet sie die Antwort: Seine Eltern haben ihm von Geburt an gesagt, er sei etwas ganz Besonderes. In einem ausländischen, also kritischen Artikel liest sie über den Schock, den der reality clash in Kurz auslöste: In der Krabbelstube zeigt sich, dass er gar nicht hochbegabt ist. Der Kevin kann schon seinen Namen schreiben, die Lena spielt Geige, seit sie zweieinhalb ist.
Das kann die Heldin schon verstehen, sie ist an der Wiener Schule für Dichtung nicht aufgenommen worden. [Rückblende!] Sieben Verlage verweigern ihren „bahnbrechenden“ Roman. Vor lauter Hass auf den Kunstbetrieb fährt die Heldin eines Septembertages nach Polen und annektiert einen Strandkorb an der Ostsee.
In der Gegenwart schreitet die Heldin zur Tat. Wir sehen sie tagelang im Altstoffzentrum schrauben – und schließlich ist die Zeitreisemaschine fertig! Flugs reist sie damit in das Wien der 1990er. Und steigt prompt in einen Hundsdreck vor dem Kindergarten. Aber bald erkennt sie Basti, die Ohren waren schon damals ein Witz. Sie hebt den Wicht daran hoch und brüllt ihm hinein: „Du bist überhaupt nicht hochbegabt, du bist nur präpotent!“, um sein Ego zu ermorden. Bast weint bitterlich. Die Heldin hat Mitleid. „Jetzt flenn' nicht, schau mich an, das ganz Normale reicht doch!“ Sie wischt ihm die Tränen von den Backen. „Ich komme aus der Zukunft, und da gibt’s bald das Internetz, das ist besser als Fernsehschaun!“ Bastis Augen glänzen. Sie warnt: „Pass' auf, wenn ich dich später irgendwo in der Nähe von einem ÖVP-Bezirksbüro erwische, derschlag' ich dich, und gele dir auch bloß niemals das Haar so dumm zurück, du hast eh so unvorteilhafte Ohren!“ Er nickt.
Damit wäre die Geschichte fertig für den amerikanischen Markt, die Europäer bräuchten was Kritisches: Die Heldin schnappt leider über und reist zurück in die 1930er Jahre. Sie gräbt dem Hitler das Herz mit einem Löffel aus der Brust [komisch, da hat sie gar keine Hemmung]. Sie übernimmt das Reich an seiner Statt, zuerst mir gutem Willen, dann leider mit dem bekannten Ausgang.
So kommt es, dass in der neuen Gegenwart im Fernsehen ein Dokumarathon läuft: Mendls willige Helfer, Mendls Panzerkrieg, Mendls Wien, Mendls blonde Hunde. Und alljährlich lungern die gschissenen Neonazis am 20. April vor einem Einfamilienhaus in Schönering herum.
Dienstag, April 10, 2018
Vorauseilender Gehorsam, oberösterreichische Kulturpolitik und persönlicher Unmut. Warum ich nicht mehr für den Kulturbericht schreibe
So mag ich nicht arbeiten, auch wenn ich das Geld gut gebrauchen könnte. Ich halte die Kulturpolitik von LH Stelzer für empörend und finde, dass ihm mein ohnehin streichelweicher Tadel zuzumuten sein muss. Zumal ich als Kulturjournalistin und -schaffende täglich mit den Folgen seines Zusammenkürzens konfrontiert bin.
Montag, März 19, 2018
Das echte Leben ist wie Erdnussflips. (Bot. Post ohne Autorin)
Mittwoch, März 07, 2018
Short Cuts. Ein Roman wie IPA – kaufen und zuhause verdünnen
Die Schriftstellerin Mendl hatte ihre Nahwelt so lange mit dem jämmerlichen Scheitern an einem Roman behelligt, dass die nächsten Angehörigen, zermürbt vom jahrelangen, inaktiven Barmen der Nicht-Autorin, beschlossen, sie zu besachwaltern. Die spätdekadenten Zeiten, in denen die Gesellschaft leistungsscheue Künstler wie Varoamilben durchfütterte, waren nämlich vorbei. [Not-Fun-Fact: Im Vergleich zur Biene ist so eine Milbe so groß wie ein Feldhase an Ihrer Brust!] So saß die Ex-Literatin bald in einer geschützten Werkstatt, einer Außenstelle des Ministeriums für Schrifttumsfragen, und kürzte werktags von 10 bis 16 Uhr Texte.
Denn ein Jahr zuvor hatte Kulturminister Blümel eine Expertenkommission der Firma Deloitte mit der Optimierung der Textkompetenz beauftragt, und die hatte nach einer Evaluierung des deutschsprachigen Literaturschaffens herausgefunden, dass die Leute heutzutage nicht mehr so viel Zeit zum Lesen haben, und dass sich die Autoren unnötig sperrig, volksfern und zeitraubend ausdrücken.
Mendls Portfolio in der Tagesstruktur war großzügig angelegt, sie durfte auch ausländisches Oeuvre digitalisieren. Grade hatte sie ein großes Werk der Weltliteratur für den deutschen Markt und die Jugend fertig adaptiert, sie druckte es aus und hoserlte ins Büro ihres – wir werden es gleich sehen – sehr performanceorientierten Vorgesetzten Marcel Thumfart. Der 24-Jährige BWL-Master winkte sie herbei und bedeutete ihr, vorzulesen: „Nennt mich Ismael...“ Thumfart unterbrach. „Ah, muss das sein, das ist so ein philosemitischer Name, und die Einleitung ist so langatmig, wobei gegen einen langen Atem nichts einzuwenden ist, schaun Sie, ich hab jetzt Triathlon angefangen! Das wär' auch was für Sie, Frau Mendl!“, sprach er, mit Blick auf die Schlägl-Bierwulst über ihrer Hose. „Ah... ok“, sagte sie, „das Buch geht dann so weiter: „Um meiner Melancholie zu entfliehen, beschloss ich, als Matrose auf der Pequod anzuheuern...“ „Ah, Stopp noch einmal, Frau Magister, Melancholie? Na, bitte kürzer. Cutten Sie to the chase!“ Mendl warf die erste Seite weg, dann las sie: „Captain Ahab war sauer, dass ihm der Wal das Bein abgerissen hatte, darum jagte er den Albino rund um die Welt, wir wären beinahe alle ersoffen, aber dann verhedderte sich der grantige Invalide mit der Harpune, der Wal schwamm davon und ich überlebte, um diese Geschichte zu erzählen.“ Thumfart klatschte, „Tschakka! Jetzt haben Sie's! In der Mitte noch ein bisschen was rausnehmen, dann fällt die storyline auch viel schöner, dann ab auf den Instagram-Account damit! Lassen Sie sich von der Bildstelle ein paar geile pics raussuchen, so Hipster-Seemanns-Vibe.“ Mendl nickte und trottete aus dem Büro.
Ihr Telefon brummte, oh! der Lebensgefährte, sie hob schnell ab. „Schatzi, pscht, lass' mich ausreden, Folgendes: Ich helfe dir mit einem Anreiz, deinen Output zu enhancen. Also: Wenn du heute nicht drei Romane eindampfst, häng' ich ein Schloss an den Kühlschrank, haha, tschau, wiegeht'sdir, bis heute Abend, 321Bussi.“ Mendl seufzte. Sie bewunderte ihren Freund, der war immer so flott, aber auch effizient! Und schon stellte sich der erhoffte incentive effect ein – sie juchzte, das war die Idee! Fusionsliteratur! Emsig trippelte sie in ihre Schreibkoje. Kurz darauf hatte sie ein Werk für Premiumleser geschaffen, Distinktionsfreunde, die gerne in Vernissagenkonversationen Duftzeichen setzen. Die zwei ungelesensten Bücher der Welt, jetzt neu, in einem einzigen Tweet zu konsumieren! Und zwar so: „Ulrich wird von einem Auto umgefahren und hat ein bisschen einen Autounfall, weil er unachtsam war – immerhin möchte er 24 Stunden in innerem Monolog verbringen. Dabei stören ihn eine Liebschaft, etliche Besuche im Irish Pub und die Vorbereitung eines Planes für die große Parallelaktion nicht, er findet sogar noch Zeit zum Philosophieren. Am Abend geht er zu seiner Freundin Molly und schläft mit ihr, aber der Leser merkt das nicht gleich, wegen dem Inneren Monolog. Ende!“ Mendl war glücklich! Die vierzehn Semester Germanistik, endlich zahlten sie sich aus! Doch scheiße – viel zu lang, 476 Zeichen, es dürfen aber bloß 280 sein, heul!
Da läutete erneut das Telefon, der Lebensgefährte wieder: „Mendl! Du hast jetzt schon 4269 Zeichen gelebt, möchtest du dich nicht beeilen?!“ Oho, dachte sie, dabei gäbe es noch so viel zu erzählen, den ganzen Karl May etwa („Ein braver deutscher Mann wird Freund mit dem Apachen Winnetou, sie reiten durch den Westen und strafen zügellose Amerikaner“), oder die Essenz Thomas Bernhards („Alles ist lächerlich.“) Aber ihr Schatzi hatte recht, zwei Seiten sind bis in die Haut hinein genug.
ENDE!
Dienstag, März 06, 2018
Einsatzromane
Der Undank. Geträumte Autobiographie
Prof. Buttinger ist es dank seiner Medien-Beziehungen gelungen, Marcel Hirscher als nächsten Gast für die Lesebühne zu gewinnen, aber niemand von uns hat sich die Mühe gemacht, ihm was Lustiges zu schreiben, und leider ist er zwar siebenfacher Gesamtweltcupgewinner, kann jedoch überhaupt nicht improvisieren, sodass sein Auftritt vom verwöhnten Publikum mit enttäuschtem Murren quittiert wird und ich mir vornehme, mit den Mitarbeitern ein strenges Gespräch über Gäste-Qualitätskriterien zu führen.
Frühwerk: „Zeugnisse der Zärtlichkeit“
Beim Renovieren des Badezimmers einen Packen Briefe finden, es sind Liebesbriefe einer bittersüßen amour fou, und zwar zwischen – Bud Spencer und Terrence Hill! Zeugnisse von Leidenschaft und Verzweiflung. Es musste schon alleine daran scheitern, dass das Schönering der frühen 1980er noch nicht so weit war. Notiz: Ein Broke-Back Mountain für sehr Arme. Plausibel machen, was die beiden Action-Klamaukhelden im Bezirk Linz-Land zu suchen hatten.
Der kurze Brief zum langen Abschied. Nach Handke
Ein junger Österreicher befindet sich in NY und erhält dort einen Brief von seiner Frau: „Ich bin in New York. Bitte such mich nicht, es wäre nicht schön, mich zu finden“, doch er hält sich nicht dran, und während der Reise durch die USA hat er sehr viel Zeit zum Nachdenken, über sich, sein launenhaftes Weib, die Kindheit und wasnichtalles, weswegen er, nachdem er die Flüchtige am Ende gestellt hat, in die Trennung einwilligen kann, und der Autor dieser öden Geschichte sehr viel bekannter und berühmter wird als die beherzte Zusammenfasserin von Handkes Oeuvre.
Kleine Fabel. Nach Kafka
[Das Original geht mit Katz und Maus] „Ach“, sagte die Medien-FH-Absolventin, „der Arbeitsmarkt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war er so riesig, dass ich fast Angst hatte, ich machte Auslandssemester und war glücklich, als ich endlich Optionen sah, links und rechts Praktika, aber diese Jobs kleistern mir den CV so zu, dass mir gar keine Zeit zum Geldverdienen bleibt, und jetzt bin ich Alleinerzieherin und schon bald 40, und dort steht schon die Teilzeit-Pensionsfalle, in die ich laufe.“ „Du musst dir nur ein Eigenheim anschaffen“, sagte der Kanzler und lachte.
Darwin's Nightmare
Eines Morgens überkam die bislang nicht vom Erfolg verwöhnte Hobbyliteratin Dominika Meindl die Geschäftsidee einer Hundewerkstatt analog zu all den Auto-Schraubereien, quasi Evolution Fast Forward; ein Dog-Customizing, bei dem Dackelbesitzerinnen ihre Tiere noch mehr stretchen, Retrieverinhaber ihre Allerweltshunde tieferlegen oder Sharpei-Halter die Faltenwauzis neu auffüllen lassen könnten, aber aufgebrachte Tierschützer entführten Meindl in der Nacht vor der in allen Medien angekündigten Dog-Tuning-Eröffnung und ließen sie vom radikalisierten Amtstierarzt einschläfern.
















