Freitag, Juni 15, 2018

Götterdämmerung. In zeitgemäßer Bearbeitung für den oö. Kultursommer

 

Die Aufführung des Dramas ist der Tips-Arena zugedacht, alle anderen Theater vermöchten ihm nicht standzuhalten. Ein tropischer Sommerabend in Linz. Geschampertes Premierenvolk, viel Wichtelstuben-Tracht, aber auch Abendkleidung von Fussl.


LH Stelzer beugt sich hinüber zu Vizelandeshauptmann Haimbuchner: Des wird jetzt a Leistungsschau vom oberösterreichischen Kulturstandort!

Haimbuchner: I gangad nia ins Theata, owa des schaut supa aus!

Stelzer: Goi? Voi! Und waaßt wos: Kimmt da des Bühnenbüd bekaunt voa?

Haimbuchner: Scho a weng! Maanst du des große Porträtbüüd in da Mittn?

Stelzer: Naa, des kenn i goa ned.

Haimbuchner: Ned?! Des is da Anton Rheinthaller, unsa ersta Bundesparteiobmann.

Stelzer: Ah. Woa des ned der SS-Brigadeführer?

Haimbuchner: Jetzt faung du ned aa mid da Nazikeule au! Der hod in Glosnboch eh gelitten! Ein Ehrenmann! Der hod des Laund wieda aufbaut!

Stelzer: I hob eh nur gaunz wertfrei gfrogt. Owa jetzt sog, des Bühnenbüüd! Wos glaubst?

Haimbuchner, schaut, staunt: Naaaa!

Stelzer: Joooo!

Haimbuchner: Des is jo de Eirichtung vom Musikantnstodl!

Stelzer: Jawoi! Hamma von Willhaben. Gscheid büli.Des Beste is – de Kritika wern song, des is ironisch.

Haimbuchner: Klass! Is si des midm Büdsché ausdagaunga? Is da Gabalier a bissl owagaunga? I maan, bei 150.000 fia des Libretto hod's mi schau a weng grissn.

Stelzer: Jo, mia ham oafoch des Literaturbüdsché hergnumma.

Haimbuchner: Du Fuchs!

Die Musik hebt an, ein melodiöser Kompromiss aus „Peter und der Wolf“ und der Landeshymne.


Vorspiel

Ein Wohnzimmer in altdeutscher Eiche, drei alte Frauen vorm Röhrenfernseher.

Erste: Wos isn leicht heid im Programm?

Zweite: Bundesland heute. De Westring-Eröffnung.

Dritte: Ah schau, da Kaunzla!

Die drei schnattern erregt: Fesch! Fesch! Ma! So jung! Gschickt!

Die Bühne dreht sich, das Publikum quittiert den special effect mit einem ersten Zwischenapplaus. Wir sehen nun Brunis Schlafzimmer (gesponsort vom XXXLutz).


Erster Aufzug

Bruni: Ma, gehst scho wieda?

Sigi, sich die Lederhose wieder anziehend: Jo... woaßt eh. Mia miassn Maibaam stöhn in Sicking drüm.

Bruni: Schee woas!

Sigi: Jo. Voi klass!

Bruni: Mogst mi eh?

Sigi: Waaßt das eh!

Bruni: Geh weida, bleib nu.

Sigi: Naa, da Hacki und da Günni woatn scho.

Bruni: Maaa.

Sigi: He, kaunst du ma auf wos aufpassn? Is owa geheim!

Bruni: Jo! Jo! Wos isn des, a Schlissl?

Sigi: Des is ned nua a Schlissl, des is da Universalschlissl zum Westring! Do kaunst üwaroi eini damit! In gaunzn Tundl kinntast odrahn, vastehst?

Bruni: Wo hosdn den her?

Sigi: Vom Papa vom Hacki. Der sitzt do im Übawochungsbüro, des is da Sicherheitschef von dem Gaunzn. Mia ham erm den gfladert... des woa a Mutprobe.

Bruni: Spinnst?!

Sigi: Des woa im Hacki sei Idee! Passt ma auf drauf? Ned dass in valia jetzt.

Bruni: Dafia muassd ma sogn, dass d mi mogst.

Sigi: Jo.

Bruni: Sog's!

Sigi: I tua's eh. He, kau i dei Auto hom?

Bruni: Sog's!!!

Sigi: Du bist supa, danke!


Das Bühnenbild dreht sich wieder. Wir sehen Günni und Hacki vor dem Feuerwehrhaus. Spotlight auf das Zipfer Dosenbier.

Zweiter Aufzug

Hacki: Bist du eigentlich schwul, Hawara?

Günni: Wo is mid dia!

Hacki: I maan nua. Weil mid de Hosn is ned vü los bei dia.

Günni: Bisd augrennt? I hob scho voi oft mid aaana!

Hacki: Fesche madl brauchn flotte buam hollero

zum zuwadruckn liabm und zum gspiarn

wei ma euch bussl wenns es brauchts vom kopf bis zu di fiaß

jo mei gott seids es feschn madln siaß

Zwischenapplaus des Publikums, es hat das Gabalier-Zitat sofort erkannt. Hacki: I glaub, dir taugt die Bruni vom Sigi.

Günni: Oida! Na!

Hacki: I siach jo, wiasd as oiwei auschaust.

Günni: Loss mi in Ruah, Typ!

Hacki: I glaub, du bist wirklich schwul. De Bruni is voi schoaf.

Günni: Voi.

Hacki: Wüüst as? I wissat wia.

Günni: Naaa...

Hacki: Schwucht.

Günni: Hawara! Ok. Wos soid i tuan?

Hacki: Pass' auf...

Sigi: TSCHAAAAA!

Hacki und Günni: Oida! Ma host du uns gschreckt! Herst!

Hacki: Heil! Siegfried, teurer Held!

Günni: Derf ma des wieda sogn?

Hacki: Is ja nua a Zitat.

Sigi: Seid's deppert, es Nazi?

Günni und Hacki: He! He! Bisd wo augrennt? Wüsd Schläg'?

Sigi: Wisst's gaunz genau, dass i a Roda bin, weil ich wüü amoi an Postn!

Stelzer und Haimbuchner raunen, das Publikum auch.

Sigi: I respektier' eich eh, die FPÖ kau ma wirklich jetzt wöhn... Steigt's ei, i hob des Auto vo da Bruni!

Spotlight auf die finstere Bühne – ein polierter 3er-BMW erglänzt, „Ooooh“ staunt das Publikum. Die drei Burschen steigen in das getunte Auto, Stelzer flüstert „made in Steyr, de ham aa einzoid!“ Sigi dreht den Radio auf, kurz hört man Zitherklänge von „Gsunga und gspüht“, dann legt Sigi eine neue CD ein.


Günni: De echte Voiksmusik is owa irgendwie aa schee.


Als das Publikum „Kleine heile steile Welt“ von Gabalier hört, juchzt es:

"I glaub an mei Land und die ewige Liab

Nix is mehr Daham als ein Schnitzel aus der Pfann

Tradition leben, mit der Zeit gehen

So wie's früher in der Milka-Tender-Werbung war

I glaub an Leut, die sich geben wie sie sind

In einem christlichen Land hängt ein Kreuz an der Wand ...

I glaub an den Petrus an der Himmelstür

Der sagt, komm her zu mir, Bua i muss reden mit dir

Vaterunser beten, Holzscheitelknien

Nach einem Zeltfest im Rausch am Heuboden die Unschuld riskieren...“


Das Publikum poscht rhythmisch mit. Es wird dunkel auf der Bühne.


PAUSE.


Dritter Aufzug.

Szene: Einfamilienhaus, die Morgenvögel zwitschern, Hacki torkelt daher, bleibt stehen und öffnet den Lederhosenstall, brunzt in festem Strahl gegen die elterliche Thujenhecke. Lacherfolg beim Publikum. Als der junge Mann, vergeblich versucht, das Schlüsselloch zu treffen, reißt sein Vater Albert die Tür auf.

Vater: Gfrast!

Hacki: Hö!

Vater: Bsuff!

Hacki: Ma, Papa...

Vater: Mia zwaa ham wos zan redn!

Hacki: Papa ned!

Vater: Wo is mei Schlissl!

Hacki: Wöchana?

Vater: Na wöchana! Der vo da Hockn! Mei Westring-Schlissl! I hob nan gestan in Herrgottswünkö glegt! Du hosd as genau gseng! I hob dia und da Mama vazöht, dass ma den ned auglenga derft's!

Hacki: Ah... i woaß nix.

Der Vater reißt ihm ansatzlos eine. Haimbuchner pufft Stelzer in die Seite und grinst, „so geht des mid da Pädagogik!“

Vater: Amoi nu: Wo is mei Schlissl!

Hacki heult: Nimma haun!

Vater reißt ihm zur Sicherheit noch eine. Haimbuchner gluckst.

Hacki: Den hod da Sigi seina Oidn gebm! Er is schuid, i hob nan nua herzaagt!

Vater: Du Klachö! Waaßt, wos passiert, wenn der Schlissl in de foischn Händ kimmt? Der gaunze Wirtschoftsstaundort sandlt owe, waun da Vakehr steht!

Hacki: Da Sigi woas! Er hod mi zwunga! Er woit de Bruni beeindruckn! Der ghert ins Häfn! Er ist a gaunz a Linka! Er wü zum Islam üwatretn!

Der Vater zieht den Sohn am Genick ins Haus. Na woat, den Terroristen kauf i ma! Und du hüfst ma!




Letzter Aufzug

Das Licht geht an, die Bühne dreht sich. Das Publikum staunt über die lebensechten Kulissen des herrlichen Salzkammerguts. Es erklingt die Melodie des „Wildschütz“. Sigi stapft einher, er trägt eine abgesägte Schrotflinte und einen zünftigen Rucksack. Sein Handy klingelt.

Sigi: Günni! Wos is? I geh auf a Gams. Wos? Nu amoi. Ha? Wieso soid mi da Hacki vapfiffn hobn?! Des is mir doch wurscht, wos sei Oida sogt, der ozwickte Meterpriagl! Jetzt sei ned so a Pussy, i bring eam den Schlissl eh wieda zruck. Wiasd maanst, foahr zur Bruni, mir wurscht. Sie soi dan gebn, waun da leichta is.

Er legt auf und will weitergehen, da teilt sich das Latschenmeer und Hacki tritt vor ihn.

Sigi: Hötaus! Gibt's des?

Hacki: I hob gheat, du gehst auf a Gams.

Sigi: Wer hod da des gsogt? Wos schausdn so?

Hacki: Sitz her. Trinkma an Obstler.

Er hält Sigi den Flachmann hin, der macht eine ablehnende Geste.

Sigi: I mog ned. I soid nimma so vü tringa.

Hacki: Hä? Owa a Bral isst scho? Is vo da Mama, hausgschlocht.

Sigi: I reiß mi ned um a Saufleisch.

Aus dem Gebüsch bricht jetzt mit einem Schrei Vater Albert: Volksverräter!

Hacki reißt die Schrotflinte aus Sigis Rucksack, der versucht zu fliehen.

Vater: Tua's!

Hacki schießt ihn in den Rücken.

Vater: Es muass sei. Gib' her die Krochn, de hauma in d'Klamm. Mir song, es woa a Bandenkrieg. Da Sigi hod si radikalisiert.

Hacki: Schwul woa ra aa.

Vater: Es is bessa so.

Hacki: Jo, Voda.

Vater: Weil ois, wos is, muass endn.




Nachspiel

Ein letztes Mal dreht sich die Bühne, wir sehen Sigi vor der Himmelstür. Er klopft, es wird ihm aufgetan. Gleißendes Licht dringt aus der Pforte, dann erkennt das Publikum Petrus. Er hält ein Holzscheit in der Hand.

Petrus: Bua, i muass redn mid dia.

Sigi: Vater unser!


Petrus legt ihm das Scheit hin, Sigi kniet sich drauf, er schluchzt ein wenig. Da tritt eine Lichtgestalt neben Petrus hin. Das Publikum schreit auf, als die ersten erkennen, dass es Bundeskanzler Sebastian ist, der die Star-Rolle des Messias übernommen hat. Er breitet die Arme segnend aus. Stelzer und Haimbuchner stehen auf, das Volk folgt.


Da verfinstert sich der Himmel. Ein gewaltiger Hintern breitet sich über die Tips-Arena und bedeckt das ganze gottlose Treiben mit einem großen, großen Haufen Gotteskot.


Ein Hoch auf die Macht der Literatur!



Mittwoch, Mai 16, 2018

Nach Mathematik und Sex fehlt jetzt die Hose. Marcel Hirscher enttäuscht, der Hund ist ein Star.

Wenn das Unterbewusstsein ein mentaler Komposthaufen ist, sind Träume die Pflanzen, die darauf wachsen. Dem einen erblüht eine tragfähige Zucchini-Plantage, der anderen voluminöse Kürbisse (Kürbeen? Kürbi?). Je nachdem, was man früher alles weggeschmissen hat. Auf mir wachsen fossile Schlingpflanzen.
Mit der Mathematik-Matura dürfte ich nun abgeschlossen haben. Nach bloß 20 Jahren. Ebenfalls im Abklingen sind verzwickte, recht anstrengende, nie zielführende Schmus-Träume, offensichtlich bin ich der Aufarbeitung meiner spätpubertären Balzzeit nahe. 

 Symboldbild zum Themenkomplex "Verhältnis Realität vs. Traum" bzw. "der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer"

Aktuell trenden Träume, in denen ich fünf Minuten vor einem Auftritt mit der Recherche dafür anfangen soll, das ganze aber vor allem daran scheitern wird, dass ich keine Hose anhabe. Als ich einmal zu fett zu Abend gegessen hatte, träumte ich davon, dass der Buttinger Marcel Hirscher als Lesebühnengast gewinnen konnte. Live und literarisch erweist sich der siebenfache Weltcupgewinner aber als große Enttäuschung, das Publikum murrt. Ich schimpfe es, "verwöhnte Lumpen!", habe selbst aber gar nichts geschrieben.
Wenn ich Weißwein trinke, stiehlt man mir meinen Mafia-SUV vor dem Nobel-Franzosen, um mich damit totzufahren. Nach Kamillentee komme ich drauf, dass der Hund Star eines in Asien rasend beliebten Computerspiels ist. Sie wird auf Conventions geladen, wo sie still auf der Bühne steht, während Chinesen enthemmt "Aaaaaafra! Aaaaaaafra!" brüllen. 

Was arbeitet da grad in mir? Die diffusen 15 Semester Philosophie? Der Alkohol? Traumdeutungsansätze bitte in den Kommentarteil, ich zahle mit Karma-Bitcoins.

Donnerstag, April 26, 2018

Gender ist ein windschiefes Konstrukt


Lieber Leser, du feine Madame,

weißt du eigentlich, was für ein Gender ich verwalte? Na?! Bin ich (s.o.) die Linke oder der Rechte? Ich frage, weil es da zuletzt große Unsicherheiten gegeben hat. Lass' mich narrativ mit zwei ganz backfrischen Erlebnissen illustrieren: 

1. Zwei Schöneringer Reha-Patienten hinken am Nussbaum vorbei, auf dem ich gerade mein Baumhaus frühlingsfein mache (ich putze). "He schau, cool, der hod si sei Büro do ohm eigricht!" Ich räuspere mich. "Hö, des is jo goa ka Er, des is a Sie!" 

2. Der liebe Kollege Monet tritt bei der Versammlung der Radlobby Oö auf, die ich vor zwei Jahren (stundenlang!) moderiert habe. "Jo, 2016 woa eh scho ana vo eichana Lesebühne bei uns, der Dominik." Monet: "Einen Dominik haben wir nicht, aber eine Dominika." "Eijo, genau, so hod de g'haaßn." 

Antworten zum Geschlechtsrätselspaß bitte in den Kommentarteil, die spaßigste gewinnt (irgendwas).

Freitag, April 20, 2018

Zeitreisen unter besonderer Berücksichtigung von Tyrannenmord

Drehbuch für ein neues Genre – der Sci-Fi-Heimatfilm.

Österreich im Jahr 2024. Die Donau ist überplattet, drinnen fahren Schiffe, oben SUVs. Kurzens demagogisches „Talent“ ist mit ihm durchgegangen, Orbanisierung Hilfsausdruck. Szenen zeigen Behinderte und Bettlägrige, die Profite erwirtschaften müssen. Schnitt in die USA: Trump schmollt, weil Kurz den Grenzwall vorm Balkan schon fertig hat (aus Vöest-Stahl, bemalt mit Alpenpanoramen). Schnitt nach Russland: Itchy Stratchy ist in den Schoß Putins gewirtschaftsgeflüchtet, weil die Türkisen die FPÖ aufgesaugt haben wie der Monet sein erstes Wochenendbier. Die nächste Szene spielt auf der super renovierten Florentine: Künstler treten – wenn überhaupt – nur noch mit Headsponsoren auf. Aus der Lesebühne ist ein Mundart-Rossegger-Vortragsabend geworden. Weil eh alle Ausländer zurückgeschoben wurden, da braucht's keine neuen deutschen Texte mehr, sind eh die alten vom Ernst Jünger oder Weinheber pfenninggut. Was sich nicht am Markt behauptet, ist ausgemerzt wie der Schnee in der Märzsonne.

Aber! Das ist keine fade Geschichte, darum gibt es eine Widerstandsbewegung im Untergrund. Eine Szene in Alturfahr: Wir sehen Theaterwissenschaftler in den geerbten Gärten ihrer wohlhabenden Eltern garteln. Politikwissenschaftlerinnen kämpfen mit Ribiselmarmelade gegen die Lebensmittelkonzerne, ehemalige bildende Künstler setzen saisonale Dekorationsideen gegen neoliberale Uniformität, Biomodedesigner mahnen mit selbstgehäkelten Baumumpuschelungen gegen die soziale Kälte. Philosophiestudenten werfen urban Seed-Bombs gegen Porsches, um die Versiegelung der Landschaft anzuprangern. Frühere grüne Landtagsabgeordneten glänzen mit gepflegten Vollbärten und gepflegten Gesprächen über die Auwaldbesetzung 1986. Die Opposition beherrscht Selbstverteidigung, wehrt also depressive Verstimmungen durch Yoga und Bewegung an der frischen Luft ab.

Hier tritt unsere Heldin Monique Mendl erstmals auf. [Man könnte sie ganz gut mit Charlize Theron oder Birgit Minichmayr besetzen.] Wir sehen die gutaussehende brünette, ehemalige Schriftstellerin im Disput mit Rebellen in Naketano-Pullis. „Radikal vegan?!“ schimpft sie, „das ist doch kein Widerstand gegen den Tyrannen! Ihr Lulus seid doch schon fertig wegen eurer Lactoseintoleranz!“ „Das ist aber auch wirklich belastend“, erklärt ein Mann mit Man-Bun, „können wir denn die Milch nicht nehmen, wie sie ist, heul!“ „Und sag' bitte nicht Tyrann“, beschwichtigt eine Frau mit selbstgefilztem Schmuck, „die gewaltfreie Kommunikation lehrt uns, dass wir den Gegner in seinem So-Sein und seinen Bedürfnissen ernst...“ „Waaaaa!“ brüllt die Heldin, „der behinderte Kurz schenkt eure Elternhäuser der Bank, sobald ihr die Mindestpension beantragt!“ Beim Wort „behindert“ hat es die Runde heftig gerissen. „Der Sebastian hat besondere Bedürfnisse, Monique!“ flüstert die Tanztherapeutin in Vintage-Sneakern. Da reicht es der Heldin, sie wirft den selbstgezimmerten Palettentisch um, kohlehydratarme Smoothies ergießen sich auf den Erdboden, sie brüllt: „Der Kurz ghört weg!“ „Jössas“, wispern die Mitstreiter. „Haben wir schon eine Online-Petition angedacht?“ sagt der Man-Bun. Und die Filzgeschmückte: „Das Crowdfunding für Kurzens Sterbehilfe läuft nicht so gut an.“ „Er ghört weg!“ schreit Monique unbeirrt, „wir brauchen Waffen!“ Auch die anderen sprechen jetzt aufgebracht durcheinander. „Ist schießen nicht rechts?“ „Ist es nicht kolonial, wenn wir den Leuten in der Dritten Welt die Kalashnikoffs wegkaufen?“ „Macht so eine Bombe nicht Feinstaub?“ „Kriegen wir das Nitro fair getradet und verpackungsfrei?“ Mit einem Urschrei „Ihr Superfoodlecker, ihr!“ rennt die Heldin von dannen.

Weit kommt sie mit ihrem Zorn freilich nicht, das Morden ist auch ihr als Sandwichkind nicht in die Wiege gelegt. Sie nimmt das Handy und googelt „Was hat Kurz bloß so ruiniert“ Bald findet sie die Antwort: Seine Eltern haben ihm von Geburt an gesagt, er sei etwas ganz Besonderes. In einem ausländischen, also kritischen Artikel liest sie über den Schock, den der reality clash in Kurz auslöste: In der Krabbelstube zeigt sich, dass er gar nicht hochbegabt ist. Der Kevin kann schon seinen Namen schreiben, die Lena spielt Geige, seit sie zweieinhalb ist.

Das kann die Heldin schon verstehen, sie ist an der Wiener Schule für Dichtung nicht aufgenommen worden. [Rückblende!] Sieben Verlage verweigern ihren „bahnbrechenden“ Roman. Vor lauter Hass auf den Kunstbetrieb fährt die Heldin eines Septembertages nach Polen und annektiert einen Strandkorb an der Ostsee.

In der Gegenwart schreitet die Heldin zur Tat. Wir sehen sie tagelang im Altstoffzentrum schrauben – und schließlich ist die Zeitreisemaschine fertig! Flugs reist sie damit in das Wien der 1990er. Und steigt prompt in einen Hundsdreck vor dem Kindergarten. Aber bald erkennt sie Basti, die Ohren waren schon damals ein Witz. Sie hebt den Wicht daran hoch und brüllt ihm hinein: „Du bist überhaupt nicht hochbegabt, du bist nur präpotent!“, um sein Ego zu ermorden. Bast weint bitterlich. Die Heldin hat Mitleid. „Jetzt flenn' nicht, schau mich an, das ganz Normale reicht doch!“ Sie wischt ihm die Tränen von den Backen. „Ich komme aus der Zukunft, und da gibt’s bald das Internetz, das ist besser als Fernsehschaun!“ Bastis Augen glänzen. Sie warnt: „Pass' auf, wenn ich dich später irgendwo in der Nähe von einem ÖVP-Bezirksbüro erwische, derschlag' ich dich, und gele dir auch bloß niemals das Haar so dumm zurück, du hast eh so unvorteilhafte Ohren!“ Er nickt.

Damit wäre die Geschichte fertig für den amerikanischen Markt, die Europäer bräuchten was Kritisches: Die Heldin schnappt leider über und reist zurück in die 1930er Jahre. Sie gräbt dem Hitler das Herz mit einem Löffel aus der Brust [komisch, da hat sie gar keine Hemmung]. Sie übernimmt das Reich an seiner Statt, zuerst mir gutem Willen, dann leider mit dem bekannten Ausgang.

So kommt es, dass in der neuen Gegenwart im Fernsehen ein Dokumarathon läuft: Mendls willige Helfer, Mendls Panzerkrieg, Mendls Wien, Mendls blonde Hunde. Und alljährlich lungern die gschissenen Neonazis am 20. April vor einem Einfamilienhaus in Schönering herum.

 

Dienstag, April 10, 2018

Vorauseilender Gehorsam, oberösterreichische Kulturpolitik und persönlicher Unmut. Warum ich nicht mehr für den Kulturbericht schreibe

Soeben ist nach zwölf Jahren mein letzter Beitrag für den Oberösterreichischen Kulturbericht erschienen. Man hat mir - um den Herrn Landeshauptmann nicht zu behelligen - ungefragt diesen Satz zensiert: "Die öffentliche Hand kann leider keine kulturellen Frauenberatungsstellen mehr fördern, auch kann sie junge Musiker bei der Produktion eines Tonträgers nicht mehr unterstützen." (Mehr dazu auf dem Blog der Kupf).
So mag ich nicht arbeiten, auch wenn ich das Geld gut gebrauchen könnte. Ich halte die Kulturpolitik von LH Stelzer für empörend und finde, dass ihm mein ohnehin streichelweicher Tadel zuzumuten sein muss. Zumal ich als Kulturjournalistin und -schaffende täglich mit den Folgen seines Zusammenkürzens konfrontiert bin.
Wenigstens ist mein letzter Artikel einer über Kreisky.

 
Skurriler Nachtrag - eine Miniatur-Fleißaufgabe: 
Der riesengroße Button fürs #kulturlandretten, den ich hier Anna Weidenholzer überreiche, wurde im Kulturbericht geschwärzt.
 


Montag, März 19, 2018

Das echte Leben ist wie Erdnussflips. (Bot. Post ohne Autorin)

Weil der Erstkontakt mit der Außenwelt ungünstig ausfiel, habe ich das Romanschreiben auf Eis gelegt [hier vielleicht banale Assoziation zum prokrastinierenden Frühling einbauen]. Und es fühlt sich sooooo gut an! Als habe ein Mensch mit 210/170 die Blutdrucksenker abgesetzt. Als schaufelte man sich gerade einen Familiensack Erdnussflips in den Leib, beidhändig. Als legte man sich besoffen in den Schnee. Außerdem - ist denn der Roman überhaupt noch die passende Antwort auf die Fragen der Zeit, ha?! Vielleicht sollte ich lieber das Drehbuch zur österreichischen Version von 30Rock schreiben. 

Abb. 1: Im echten Leben wartet überall die gute Unterhaltung. Und sie kostet nicht die Welt.

Außerdem ist die Realität schon wieder viel schöner als die Kunst. Am Samstag liefen lästige Kinder durch die Kletterhalle, die dicke Mutter schrie fortwährend "Alexa! Renn' ned do umadum!" Aber vergebens, die biologische Intelligenz ist noch nicht so weit, das Folgen muss sie noch lernen. Und orf.at berichtet von einem australischen Wissenschaftler namens Meow-Ludo Disco Gamma Meow-Meow. Drittens: Ein alter Mann sieht kurz bei der Lesebühnenprobe zu und fragt "Was spielt ihr denn für eine Musik?" Als ich ihm sage, dass die Musik nicht so wichtig sei, vielmehr läsen wir, erschrak er, "Na! Na, des is nix für mi! I kaun ned lesen!" Das übernähmen doch wir, genau das sei ja unser Service-Extra, sagte ich, aber er rief, schon weit davongelaufen: "I bin Analphabet!" 
Alexa, schreib' eine schönere Fiktion als sowas! "Ich kann deine Anfrage nicht bearbeiten, das echte Leben ist doch unterhaltsam genug. Aber ich schreibe dir darüber einen Post in dein Blog."

Mittwoch, März 07, 2018

Short Cuts. Ein Roman wie IPA – kaufen und zuhause verdünnen


Die Schriftstellerin Mendl hatte ihre Nahwelt so lange mit dem jämmerlichen Scheitern an einem Roman behelligt, dass die nächsten Angehörigen, zermürbt vom jahrelangen, inaktiven Barmen der Nicht-Autorin, beschlossen, sie zu besachwaltern. Die spätdekadenten Zeiten, in denen die Gesellschaft leistungsscheue Künstler wie Varoamilben durchfütterte, waren nämlich vorbei. [Not-Fun-Fact: Im Vergleich zur Biene ist so eine Milbe so groß wie ein Feldhase an Ihrer Brust!] So saß die Ex-Literatin bald in einer geschützten Werkstatt, einer Außenstelle des Ministeriums für Schrifttumsfragen, und kürzte werktags von 10 bis 16 Uhr Texte.

Denn ein Jahr zuvor hatte Kulturminister Blümel eine Expertenkommission der Firma Deloitte mit der Optimierung der Textkompetenz beauftragt, und die hatte nach einer Evaluierung des deutschsprachigen Literaturschaffens herausgefunden, dass die Leute heutzutage nicht mehr so viel Zeit zum Lesen haben, und dass sich die Autoren unnötig sperrig, volksfern und zeitraubend ausdrücken.

Mendls Portfolio in der Tagesstruktur war großzügig angelegt, sie durfte auch ausländisches Oeuvre digitalisieren. Grade hatte sie ein großes Werk der Weltliteratur für den deutschen Markt und die Jugend fertig adaptiert, sie druckte es aus und hoserlte ins Büro ihres – wir werden es gleich sehen – sehr performanceorientierten Vorgesetzten Marcel Thumfart. Der 24-Jährige BWL-Master winkte sie herbei und bedeutete ihr, vorzulesen: „Nennt mich Ismael...“ Thumfart unterbrach. „Ah, muss das sein, das ist so ein philosemitischer Name, und die Einleitung ist so langatmig, wobei gegen einen langen Atem nichts einzuwenden ist, schaun Sie, ich hab jetzt Triathlon angefangen! Das wär' auch was für Sie, Frau Mendl!“, sprach er, mit Blick auf die Schlägl-Bierwulst über ihrer Hose. „Ah... ok“, sagte sie, „das Buch geht dann so weiter: „Um meiner Melancholie zu entfliehen, beschloss ich, als Matrose auf der Pequod anzuheuern...“ „Ah, Stopp noch einmal, Frau Magister, Melancholie? Na, bitte kürzer. Cutten Sie to the chase!“ Mendl warf die erste Seite weg, dann las sie: „Captain Ahab war sauer, dass ihm der Wal das Bein abgerissen hatte, darum jagte er den Albino rund um die Welt, wir wären beinahe alle ersoffen, aber dann verhedderte sich der grantige Invalide mit der Harpune, der Wal schwamm davon und ich überlebte, um diese Geschichte zu erzählen.“ Thumfart klatschte, „Tschakka! Jetzt haben Sie's! In der Mitte noch ein bisschen was rausnehmen, dann fällt die storyline auch viel schöner, dann ab auf den Instagram-Account damit! Lassen Sie sich von der Bildstelle ein paar geile pics raussuchen, so Hipster-Seemanns-Vibe.“ Mendl nickte und trottete aus dem Büro.


Ihr Telefon brummte, oh! der Lebensgefährte, sie hob schnell ab. „Schatzi, pscht, lass' mich ausreden, Folgendes: Ich helfe dir mit einem Anreiz, deinen Output zu enhancen. Also: Wenn du heute nicht drei Romane eindampfst, häng' ich ein Schloss an den Kühlschrank, haha, tschau, wiegeht'sdir, bis heute Abend, 321Bussi.“ Mendl seufzte. Sie bewunderte ihren Freund, der war immer so flott, aber auch effizient! Und schon stellte sich der erhoffte incentive effect ein – sie juchzte, das war die Idee! Fusionsliteratur! Emsig trippelte sie in ihre Schreibkoje. Kurz darauf hatte sie ein Werk für Premiumleser geschaffen, Distinktionsfreunde, die gerne in Vernissagenkonversationen Duftzeichen setzen. Die zwei ungelesensten Bücher der Welt, jetzt neu, in einem einzigen Tweet zu konsumieren! Und zwar so: „Ulrich wird von einem Auto umgefahren und hat ein bisschen einen Autounfall, weil er unachtsam war – immerhin möchte er 24 Stunden in innerem Monolog verbringen. Dabei stören ihn eine Liebschaft, etliche Besuche im Irish Pub und die Vorbereitung eines Planes für die große Parallelaktion nicht, er findet sogar noch Zeit zum Philosophieren. Am Abend geht er zu seiner Freundin Molly und schläft mit ihr, aber der Leser merkt das nicht gleich, wegen dem Inneren Monolog. Ende!“ Mendl war glücklich! Die vierzehn Semester Germanistik, endlich zahlten sie sich aus! Doch scheiße – viel zu lang, 476 Zeichen, es dürfen aber bloß 280 sein, heul!

Da läutete erneut das Telefon, der Lebensgefährte wieder: „Mendl! Du hast jetzt schon 4269 Zeichen gelebt, möchtest du dich nicht beeilen?!“ Oho, dachte sie, dabei gäbe es noch so viel zu erzählen, den ganzen Karl May etwa („Ein braver deutscher Mann wird Freund mit dem Apachen Winnetou, sie reiten durch den Westen und strafen zügellose Amerikaner“), oder die Essenz Thomas Bernhards („Alles ist lächerlich.“) Aber ihr Schatzi hatte recht, zwei Seiten sind bis in die Haut hinein genug.


ENDE!


Dienstag, März 06, 2018

Einsatzromane


Oft ist alles schnell gesagt – Textsirup to go

Der Undank. Geträumte Autobiographie

Prof. Buttinger ist es dank seiner Medien-Beziehungen gelungen, Marcel Hirscher als nächsten Gast für die Lesebühne zu gewinnen, aber niemand von uns hat sich die Mühe gemacht, ihm was Lustiges zu schreiben, und leider ist er zwar siebenfacher Gesamtweltcupgewinner, kann jedoch überhaupt nicht improvisieren, sodass sein Auftritt vom verwöhnten Publikum mit enttäuschtem Murren quittiert wird und ich mir vornehme, mit den Mitarbeitern ein strenges Gespräch über Gäste-Qualitätskriterien zu führen.


Frühwerk: „Zeugnisse der Zärtlichkeit“

Beim Renovieren des Badezimmers einen Packen Briefe finden, es sind Liebesbriefe einer bittersüßen amour fou, und zwar zwischen – Bud Spencer und Terrence Hill! Zeugnisse von Leidenschaft und Verzweiflung. Es musste schon alleine daran scheitern, dass das Schönering der frühen 1980er noch nicht so weit war. Notiz: Ein Broke-Back Mountain für sehr Arme. Plausibel machen, was die beiden Action-Klamaukhelden im Bezirk Linz-Land zu suchen hatten.


Der kurze Brief zum langen Abschied. Nach Handke

Ein junger Österreicher befindet sich in NY und erhält dort einen Brief von seiner Frau: „Ich bin in New York. Bitte such mich nicht, es wäre nicht schön, mich zu finden“, doch er hält sich nicht dran, und während der Reise durch die USA hat er sehr viel Zeit zum Nachdenken, über sich, sein launenhaftes Weib, die Kindheit und wasnichtalles, weswegen er, nachdem er die Flüchtige am Ende gestellt hat, in die Trennung einwilligen kann, und der Autor dieser öden Geschichte sehr viel bekannter und berühmter wird als die beherzte Zusammenfasserin von Handkes Oeuvre.


Kleine Fabel. Nach Kafka

[Das Original geht mit Katz und Maus] „Ach“, sagte die Medien-FH-Absolventin, „der Arbeitsmarkt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war er so riesig, dass ich fast Angst hatte, ich machte Auslandssemester und war glücklich, als ich endlich Optionen sah, links und rechts Praktika, aber diese Jobs kleistern mir den CV so zu, dass mir gar keine Zeit zum Geldverdienen bleibt, und jetzt bin ich Alleinerzieherin und schon bald 40, und dort steht schon die Teilzeit-Pensionsfalle, in die ich laufe.“ „Du musst dir nur ein Eigenheim anschaffen“, sagte der Kanzler und lachte.


Darwin's Nightmare

Eines Morgens überkam die bislang nicht vom Erfolg verwöhnte Hobbyliteratin Dominika Meindl die Geschäftsidee einer Hundewerkstatt analog zu all den Auto-Schraubereien, quasi Evolution Fast Forward; ein Dog-Customizing, bei dem Dackelbesitzerinnen ihre Tiere noch mehr stretchen, Retrieverinhaber ihre Allerweltshunde tieferlegen oder Sharpei-Halter die Faltenwauzis neu auffüllen lassen könnten, aber aufgebrachte Tierschützer entführten Meindl in der Nacht vor der in allen Medien angekündigten Dog-Tuning-Eröffnung und ließen sie vom radikalisierten Amtstierarzt einschläfern.

Dienstag, Februar 20, 2018

Satire am Arsch

Die akkurateste Bezeichnung meiner Berufsgemengelage ist wohl "Hofnärrin", die langweiligste "Satirikerin". Man soll sich selbst nicht so bezeichnen, da kann man die Sachen, mit denen man sein Erdendasein vertändelt, gleich "mein Werk/Oeuvre/Kunstwollen" nennen. 
Jedenfalls hat mir noch nie jemand meine Profession so leicht gemacht wie die aktuellen Regierungen von Land und Bund. Es war noch nie so schwer, KEINE Satire zu schreiben. Das ist mehr bequem als angenehm. Der kleine Innenminister auf einem riesigen, braunen Pferd, mit blauer Schabracke über dem Hintern? Ein Sportminister mit Nikotinproblem? Burschenbündler, die über Burschenbünde aufklären? Braucht man nicht mehr viel zu sagen. Aber Stolz erwächst daraus keiner. 
Als meine Kreuzbänder noch hielten, was die Jugend versprach, spielte ich Fußball. Gern, aber schlecht. Mangels Taktik stellte ich mich viel vors Tor. Einmal kam ein scharfer Schuss von eigener Seite, der mich fest am Arsch traf und von dort ins Tor prallte. 
Knowimsayin? Kennst di aus?
Gruß, Meindl

Montag, Januar 29, 2018

Aus der Schatzkammer des Nordens: Nur die Starken müssen raus

Lohnt es sich, die Filterblase zu verlassen? Es mag reichen, wenn wir die Robusten hinausschicken, auf dass sie uns berichten, wie es draußen aussieht. Wie die Tauben, die im Idealfall mit einem Ölzweig im Schnabel heimkommen. Oder zumindest mit einem gleißenden Diamanten der Dummheit, die da draußen wie ein Ozean die Welt bedeckt. Einen wie diesen, gefunden mitten im Mühlviertel: "Guad, dass da Hitla kemma is, sunst waradn uns de Nazis üwakemma!"

Donnerstag, Januar 11, 2018

Chanel im Bordell

Im Waldviertel habe ich eine Urstrumpftante, die ich primär aus Zuneigung einmal im Jahr besuche. Trotzdem schreibe ich Dienstkilometer ins Fahrtenbuch, denn kaum etwas hat höheren literarischen Bonus. Wer sonst erzählte mir vom Berufsleben in einer noblichen Wiener Damenboutique? 
Eine sehr beliebte und beleibte Kundin war die Puffbesitzerin aus der Leopoldstadt. Weil die Chanel-Schnösel höchstens Größe 44 anbieten wollten, bestand die Bordellbetreiberin darauf, in zwei Kostümchen eingenäht zu werden. 
Ob ich heuer noch eine schönere Geschichte zu hören kriege? Ich bitte um euer heißes Bemühen.

Montag, November 27, 2017

Geheilte Dingbeziehung

Geliebte Nahwelt!

Nach einem Umzug in ein Haus, das bis unter den Giebel mit den Früchten des Warenkapitalismus gefüllt ist, musste ich zuletzt feststellen, dass ich mit den Dingen nicht mehr dieselbe Freude habe wie damals, als mich die Vorfreude auf das nächste Playmobil durch die Existenz trieb.


Als ich aber unlängst zu einer kleinen Abendgeselligkeit lud, brachten die aufmerksamen Gäste nicht nur Brot, Wein und gute Laune mit, sondern auch eine Donald-Trump-Perücke! Dies sei nun meine Botschaft für den Advent: Kauft den Menschen nur Sachen, die ihre Verfügungsmöglichkeiten ausweiten. Mir zB gehört jetzt die ganze Welt. 
Vergelt's Gott!

Sonntag, Oktober 22, 2017

Der schwarzblaue Würgegriff

So schnell geht's und alle vermissen LH Pühringer, nicht nur ich, die ich mit seiner Pensionierung meinen Job als Body-Double verloren habe. Sein Nachfolger LH Stelzer legt der Freien Szene des Landes väterlich die starken Hände um den Hals und drückt zu. Bis zu 30 Prozent möchte er bei den Freien Kulturinitiativen sparen. 
Dabei boomt die Wirtschaft. Gespart wird auch nur dort, wo nicht viel Widerstand zu erwarten ist, also bei Sozialem und Kultur. 

Seid doch deswegen so knieweich und unterschreibt hier: 

Das alleine bringt vielleicht nicht viel. Am besten, ihr zeigt bei der nächsten Wahl klar, dass das eine gschissene Politik ist. Aber wahrscheinlich predige ich hier ohnehin zum Chor, dann warum sonst lest ihr dieses Blog, das ich mit meinen willigen, aber ungeschickten Händen für euch schreibe. 

Bussi, Meindl

Donnerstag, Oktober 12, 2017

Pecha Kucha: Bärengrüße und Creme Frau Scheide

Vorgestern ward ich zur Pecha Kucha Night nach Linz geladen. Es käme mir sehr gelegen, wiederholte sich dieses Ereignis! I was born for Bildergherzeigen und blöd Dazuplauschen! 
Damit ihr alle ein bisschen an meinen Kernkomptenzen teilhaben könnt, schauet hier jene beiden Bildnisse, die am rätselhaftesten funkeln:  

"Im postmodernen anything goes wird die öffentliche Mitteilung dann vollends beliebig, ein ideeller Ausverkauf:"



"Man kann nur mit Erstaunen die inhaltliche und syntaktische Komplexität früherer Mitteilungen bewundern:"



Freitag, September 01, 2017

Die Sexualität!

Bitte, es ist ja nicht so, dass ich zu Fleiß so unfraulich bin! Ab und zu reitet mich der Wille, auch so sexy sein wollen wie ihr alle. Ich will euch verstehen! Vielleicht bin ich autistisch, was die geöffneten Mündchen und das ausgefahrene Sitzfleisch betrifft. Aber es interessiert mich, weil es euch so viel zu bedeuten scheint! 
Deswegen stelle ich eure Formationen manchmal nach, wie in einem Cargo-Kult ("Die Gläubigen leben von der Erwartung der durch symbolische Ersatzhandlungen herbeigeführten Wiederkehr der Ahnen", you name it). 

Ich hab' wirklich mein Bestes gegeben, aber mit dem Ergebnis kann ich noch nicht ganz zufrieden sein. Meine wissenschaftlichen Assistenten meinten, ich sähe eher "so als ob du von untoten Seelen innerlich gepeinigt wirst", so zöge ich nur Zombiefilm-Nerds an.

Mittwoch, August 23, 2017

Die Jugend!

Jugend: "Wieso darf da einer mit 16 schon beim Motorradrennen mitfahren?"
Ich: "Da brauchst keinen Führerschein."
Jugend: "Ah. Ich könnte das bestimmt auch sehr gut."
Ich: "Bist du denn überhaupt schon einmal auf einem Moped gesessen?"
Jugend lacht: "Nein!"
Ich lache auch: "Naja, vielleicht kannst du als Quereinsteiger ja frischen Wind in die Rennszene bringen."

[Wir erkennen: Das war auch ein politischer Text!]

Montag, August 07, 2017

Die Natur!

Der Graupapagei (Psittacus erithacus) ist eine Vogelart aus der Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae). Mit ca. 160 cm Körperlänge und bis zu 60 kg Körpergewicht ist er einer der großen Papageien Afrikas. [1] Als Extremfall ist ein Alter von 73 Jahren belegt.[25]
Graupapageien werden auch in Europa häufig in Zoos und Privathaltung gehalten und gezüchtet. Aufgrund ihrer hohen Intelligenz und ihrer Sprachbegabung zählen sie in der Kognitionsforschung zu den bedeutenden Tierarten. Graupapageien gehen vermutlich eine lebenslange Paarbindung ein.

Mittwoch, Juli 05, 2017

Der Mozart des Selbstboykotts

Da ich per Staatsstipendium zur Arbeit am Roman verurteilt wurde, mache ich mich heute, zwei Wochen nach Urteilsverkündung, ans Werk. Doch fassungslos muss ich mir selbst dabei zusehen, wie mich Mikrobenkleines abklenkt. Die drei Fliegen müssen aus dem Zimmer, die Tischplatte entstaubt werden, der Papierkorb geleert, der Bleistift gespitzt, oh, schon so spät, da zahlt sich das Anfangen nicht mehr aus, Hunger! Enerviert betrachte ich meine emsig das Falsche vollbringenden Händen wie eine Mutter ihre passiv-aggressiv-trödelnden Zwillinge. 
Jetzt brummt auch noch eine feiste Hornisse herein, das Alliertengeschwader all dessen, was sich mit mir gegen mich verbündet hat. Ich versuche sie zu ignorieren, prompt verstummt sie auch. Aber die Stille des garstigen Insekts nervt mich noch intensiver. 

Da erlöst mich der Vater mit seiner Bitte, die Erdäpfel zu kochen. Nachmittags schreien die Nachbarskinder laut genug, dass ich gar nicht erst ins Schreibzimmer zurückmuss.

Freitag, Juni 16, 2017

Das Anfütterungsverbot

Ein Gasthof am Lande. Ein älterer Herr schaufelt der ihm gegenübersitzenden jungen Frau Knödel aus der gewaltigen Bratlrein. 

Kevin: Opa, moch' des ned!
Opa: Wos moch i denn?
Kevin: Du fuadast mei Freindin!
Opa: Jo waun's ia schmeckt!
Kevin: Opa, echt jetzt. Du mochst des imma.
Opa: Wos denn!
Kevin: Du fuadast olle meine Freindinnen au!
Opa: Geh.
Kevin: I suach ma extra Dünne und du fuadast das auffi!
Kevins Vater: De letzte hod se bis heid ned erhoit.
Kevin: De is jetzt fett, Opa! Hea auf!

Bei rituellen Handlungen wird am Lande fettreiche Ernährung verzehrt (Symbolbild).

Dienstag, Mai 23, 2017

Schweinsbärte, Frauenpein und Walrossmadonnen: die Slowakei, deine fremde Nachbarin

Es folgt hier keine Werbeeinschaltung des Slowakischen Tourismusbüros. Wenn es mir für den folgenden, von beträchtlichem Wohlwollen befeuerten Reisebericht aber was überweisen will, wehre ich mich nicht. 
Eine im dekadenten Westen ignorierte Attraktion sind die Meerschweinchen-Beauty-Contests von Bánska Bystrica. Wir sehen hier ein Nackt-Exemplar mit markanter Gesichtsbehaarung: 


Die schönsten Schweine der Tatra-Republik werden auf Herz und Nieren geprüft. 


Kontakt zur Lokalbevölkerung ermöglicht der Frauenzwinger von Levoča:



In der prachtvollen Artikularkirche von Kečmarok ist Bischof Melchisedek zu bewundern, der einst den Heiligen Stuhl nach Oberungarn trug.


In Poprad wird in einer alten Kirche Deodorant produziert. 


Die herrlichste Denkwürdigkeit der Republik wird selbstverständlich im alten Rathaus von Bratislava für künftige Generationen aufbewahrt: eine dicke Bernsteinmadonna auf einem Lüster aus Walrosszähnen.


Das stimmt jetzt echt: Fahrt in die Slowakei, gleich!

Mittwoch, Mai 10, 2017

Tränen, Hip Hop und alte Hunde


Die Eule der Minerva schaut immer rückwärts, deswegen braucht sich auch niemand aufbudeln, wenn ich thematisch mit der LH-Sache ein wenig vertrödelt wirke. Zudem verfüge ich über herrliche Infos darüber, was der Pühringer jetzt in der Pensi macht! 
1. Tränen trocknen lassen. 
2. Ein Revival der überlebenden Beastie Boys einfädeln: 


3. Seine Pensi mit mir teilen, immerhin haben wir uns beim Bespaßen unseres geliebten Volkes abgewechselt:



4. Endlich einen wirklich guten ÖVP-Parteiobmann suchen:

Mittwoch, April 26, 2017

Auch bei den Titeln hapert's

Eigenlob miachtelt, aber ich kann nicht anders! Zumal mich die Vielfalt meiner Talente überrascht - immer noch, nach 38 Jahren Selbstbeschau.
Hier ein Fund aus meiner Jugend. Sehet: Auch Skulpturen kann ich nicht!



Und am allerschlechtesten kann ich Photoshop!


Mittwoch, April 05, 2017

Blockwarte des Guten

LR Manfred Haimbuchner hat mich dazu inspiriert, seine sehr wichtige überparteiliche Blockwartseite "Parteifreie Schule/FPÖ" durch ein Gegenmodell zu ergänzen. Hier bitteschön: die Denunziationsstelle für die gute Tat!

Gschissensein hat auf unserer lieben Welt nichts zu suchen! Das ist sogar teilweise gesetzlich verankert. Stattdessen sollen sich die Menschen zu aufgeklärten und kritischen Leuten entwickeln. Dennoch zeigt die Realität, dass sich einige nicht an das oberste Gebot halten: Ned deppert sein! Bisher blieben viele Verstöße nahezu folgenlos. 
Das soll sich jetzt ändern! Mit der neuen Meldestelle für die gute Tat wollen wir vorbildliches Verhalten dokumentieren und öffentlich machen. Das Ganze erfolgt natürlich streng vertraulich und die Fälle werden sorgfältig belobigt.
Wenn Mag. Meindl einmal an der Macht ist, wird sie die Liste der Guten genau anschauen.

Haben Sie heute etwas Liebes erlebt? Hat Ihnen jemand schon vor dem Aufstehen den Rücken gestreichelt? Hat ein Minderjähriger Sie angelächelt und nachher sein Geschirr freiwillig weggeräumt? Haben talentierte Künstlerinnen was Schönes in den öffentlichen Raum gestellt? Hat ein Dackelbesitzer den Kot seines Hunderls fröhlich pfeifend weggeräumt? Wurden Sie Zeuge einer herrlichen Beschimpfung eines Nazis?
Teilen Sie es der Welt mit!
Hinterlassen Sie bitte hier oder im Facebook einen Kommentar, in dem Sie Ihr liebes Erlebnis schildern. Heben Sie das Gute aufs Podest! Zur Motivation folgt eine niedliche Hunde-Blumen-Assemblage. 


Dienstag, März 28, 2017

Ausrasten vorm Vogelmord [Platzhalter]

Das ist ein Platzhalter für eine kommende Botschaft, mit der ich euch erklären werde, warum wie eine viel zu enge Schachtel ist, in die sich Katzen zwängen. Aktuell bin ich aber zu beschäftigt damit, in den Speckgürtel hinauszuziehen. 
Für die Zwischenzeit ein törichtes Katzenbild: 


UPDATE vom 4. April: Ich glaub', ich bin zu faul, um euch das mit meinem Heimatbegriff in der transzendentalen Obdachlosigkeit postmoderner Subjektivität noch aufzuschreiben. Bitte protestiert! Oder fragt mich, wenn ihr mich beim Frühlingskonzert der Blasmusik Schönering trefft.

Dienstag, Februar 21, 2017

Gmunden? Total disaster. So sad!

Riesenskandal! Was hat dieser Trump geraucht? Erstens täuscht er den internationalen Medien immer noch vor, Präsident der USA zu sein. Ich bin das aber! Zweitens: Mir doch egal, was letzten Freitag in Schweden passiert ist. Wisst ihr, was letzten Sonntag in Gmunden passiert ist? GMUNDEN?!! Wer hätte das geglaubt?

+++Dieser Hund wurde minutenlang nicht gestreichelt!!!111!!!+++


So sad! Was ist das nur für 1 Welt vong Zärtlichkeit her?! Und die Systempresse schweigt. Totales Desaster.

Dienstag, Januar 17, 2017

Literatur muss wieder schick werden!


Wie gut mein Haupt auf die Körper verrückter Despoten, Tyranne und Zare passt. I have some serious thinking to do.

Montag, Januar 02, 2017

Gott straft die lesbische Traumfrau

Einem lieben, mir aber weder amourös noch genetisch nahestehenden Menschen geträumte unlängst dergestalt: Er habe an einer Art Flusskreuzfahrt teilgenommen. An Bord entdeckte er, dass ich ein geheimes Zweitleben als literarischer Stargast führe. Noch vor meinem Auftritt aber sei das Boot in eine spektakuläre, "urfahranermarktwürdige" Havarie geraten. 
"Auf jeden Fall hat sich herausgestellt, dass du abgesoffen bist. Da verkündete jemand per Durchsage, das sei Gottes Strafe, weil du so ein schlechter Mensch gewesen wärst, und überhaupt bestimmt auch eine Lesbe - dann hab ich gesehen, dass das eine alte Bekannte von mir so am Gang in ein Mikro gesprochen hat, und der hab ich dann eine auf's Maul gehaut. Dann war der Traum aus."
Damen und Herren, ist das nicht süß? Wenn ihr schon ohne mein Zutun so bescheuertes Zeug träumt, ist das doch tausendmal besser, als mich im echten Leben mit Romanen abzurackern.

Freitag, Dezember 30, 2016

Methadon gegen Terror, Sprengmittel für den Frieden

In diesem weltweit bemängelten 2016 lässt sich eine Substanz als echter sozialer Sprengstoff an den Pranger stellen: die scheiß Sprengmittel. Glossengott Goldt schimpft zu Recht. "Kann man sich denn heutzutage nicht mehr ohne Bomben ärgern?" Hätte ich wirklich was zu sagen, ich würde Bomben ab 1.1.2017 ersatzlos streichen, verbieten und verdammen. Mittlerweile bin ich zudem eine crazy cat N' dog lady geworden, die bei der Scheiß Silvesterknallerei nicht nur Tinnitus kriegt, sondern auch recht aggro wird mit der marodierenden Knall-Jugend.


 Ein Terrorist auf Entzug

Aber! Ein großes Aber wächst nun auf dem Humus meiner Aufrichtigkeit: Schweizerkracher haben meine Kindheit um 23 Prozent lustiger gemacht. Damals, im vorhergehenden Jahrtausend, hat mein Vater alljährlich zu Silvester für die versammelte Siedlungsjugend allerlei törichte Sprengspiele zur Aufführung gebracht. Leuchtende Kinderaugen, als er Mutters Eisbergsalat in mundgerechte Teile zerfetzte. Fröhliches Lachen, als der gelbe OÖN-Postkasten explodierte. Glückliches Jauchzen, als die alten Farbeimer in die Luft döpperten. Begeisterter Applaus, als zwei Kracher in der Mülltonne den Hintern des darauf sitzenden Erziehungsberechtigten aushoben. 
Deswegen möchte ich einen Vorschlag zur Güte machen, eine Ausnahme vom Bombenverbot: Brave Kinder dürfen am Altjahrstag zwischen 23 und 24 Uhr unter der Aufsicht wohlbeleumundeter Erwachsener mit Unterhaltungs-Sprengmitteln hantieren. Ich glaube nämlich fest daran, dass wir den Kleinen damit das nötige Urvertrauen und Glück einflößen, das sie später zu guten Menschen werden lässt. Und nicht zu fickdepperten Scheißterroristen. 

Nun aber rutscht mir schön ins neue Jahr, meine lieben Spätzchen und Kätzchen!

Montag, Dezember 05, 2016

Im Namen der Republik!

Geliebte Völker!

Hiermit erkläre ich meinen Rücktritt als interimistische Bundespräsidentin der "Republik" Österreich. 
Ich nehme damit auch die Gänsefüßchen wieder hinfort. Zu meinem Nachfolger als Bundespräsidentin der Republik erkläre ich Alexander van der Bellen, den ihr mehrheitlich gewählt habt. Passt!


Es ist ja nicht so, dass ich gerne per Putsch und Selbstermächtigung regiert habe. Deswegen möchte ich meine Zufriedenheit nicht verbergen. Einen Ingenieur Norbert Hofer hätte ich als Präsidenten nicht anerkennt und als Hochstapler behandelt, da ich am 6. Juli 2016 das Urteil des Verfassungsgerichtshofes für null und nichtig deklariert habe. Die Wahl war an sich also nicht notwendig. Ihr Ausgang hat mir aber gezeigt, dass ich euch die Demokratie zurückgeben kann.

Es war außerdem durchaus anstrengend, auf dieses Land aufzupassen. So delegiere ich das Amt nun gerne an den VdB. Ich bleibe hingegen Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika und von Kuba. Ebenso bleibt meine Staatsdoktrin gültig: 

Der Salafismus der Liebe. Die Diktatur der Herzen. Die Despotie der Vernunft. 
Da werde ich sehr streng sein müssen. Wer sich nicht ordentlich aufführt und mir Kummer macht, muss fürderhin ohne Abendessen ins Bett. Wer Hasspostings schreibt, kriegt persönlich Schläg' mit dem Fliegenpracker. Wer andere in die Luft sprengt, wird fest eingesperrt und darf Zeit seines Restlebens nur noch "Jede Zelle meines Körpers ist glücklich" hören. In Dauerschleife. Audi-, BMW- und Kastenwagen-Fahrer, die mich per Lichthupe molestieren, nehme ich ihr dummes Fahrzeug weg und lasse es zugunsten der weltweit notleidenden Tiere versteigern. 
 
So, das war's! I love you all!
Meindl

Mittwoch, November 30, 2016

Reisespaß. Ich bin ein verzogenes und über alle Maßen privilegiertes Ding

Ein Brief trudelt ins Haus: Mein Reisepass müsse erneuert werden, schreibt der Bürgermeister. Einmal hat mich übrigens ein bengalischer Grenzbeamter mit "Miss Burgermester" begrüßt. Meine Schwestern hat einer mit "Oh, you guys are sisters, you have the same name: Linz!" ergötzt. Was waren das noch für Zeiten, in denen US-Grenzbeamten noch nach Smalltalk war. Ich bin heute eigentlich auch nicht zu Urlaubsplaudereien aufgelegt.


Mit Wehmut blättere ich durch den alten Pass. Erstens werde ich nie mehr so jung aussehen wie auf diesem alten Bild. Zweitens: China, Hong Kong, Eritrea, Bhutan, Belize, Guatemala, USA, Mexiko, Nepal, Indien und zuletzt Cuba. Deutschland, Frankreich, Tschechien, Italien, Kroatien und Polen haben großzügig auf Stempel verzichtet. 
Ich bin ein verzogenes, über alle Maßen privilegiertes Ding. Nicht nur habe ich in den vergangenen zehn Jahren Geld für alle diese Ausflüge aufgestellt. Aber auch wenn ich seit 2007 nur zuhause geblieben wäre, bliebe ich ein verzogenes, über alle Maßen privilegiertes Ding.
Weil mir mein österreichischer Reisepass Zugang zu Sicherheit und Reichtum verschafft (wenn ich nicht alles fürs Reisen ausgäbe). Ich komme damit in jedes einzelne Land der Welt, in die meisten sogar ohne Visum. Die Menschen, denen ich in Cuba, Guatemala oder Eritrea begegnet bin, können schauen, wo sie bleiben. 

Ihr anderen verzogenen, über alle Maßen privilegierten Dinger aus Österreich: Wählt bitte am Sonntag so, dass ich mich bei der Passkontrolle künftig nicht genieren muss.

Montag, November 21, 2016

Später sterben dank Herrenmeidung

Vor einigen Monaten ist mir eingefallen, dass ich einmal sterben werde. Mit der Lebenserwartung bin ich halb durch. Das ist einerseits gut, denn stürbe keiner mehr, müssten wir uns wegen der Überbevölkerung wirklich etwas überlegen (und nicht nur die "Dritte Welt" deswegen anmaulen). Andererseits werde ich jetzt natürlich unduldsamer mit Zeitbanditen. Es wird so viel gefladert heutzutage! Und man kriegt's nur auf die falsche Art zurück, etwa beim niemals endenden Zähneanbohren (qua subjektives Zeitparadoxon). 

Wie also Zeit herausschinden? Ich möchte der Welt sehr gerne meine neuen Tipps und Tricks zwecks Lebensverlängerung mitteilen: 

1. Niemals mehr gehe ich ab jetzt zu Veranstaltungen, die nur Menschen mit Penis auf die Bühne bringen. Braucht's mich gar nicht einladen, weder fürs Publikum noch als Quotenfrau. 


2. Ich lese fürderhin keine Texte mehr, die von grantigen weißen Männern handeln bzw. verfasst wurden. Aktuell auf dem Index: Trump, Hofer, Erdogan, Orban, Marine Le Pen, Strache. 

Von diesen Strategien erhoffe ich mir überaus Großes. Der Zeitgewinn winkt bittschön nicht nur Damen, auch Herren werden profitieren!

Gruß, Meindl

Montag, November 14, 2016

Österreich liegt jetzt wieder am Meer. Und die USA sind Bundesland Nr. 11

¡Cumpadres! Revolutzis! Imperialisten!
Da bin ich wieder. Stellt euch vor, was mir passiert ist: Da fahre ich in Begleitung vom Prof. Buttigner nach Cuba, um uns beraten zu lassen, was gegen die Faschisten und Imperialisten zu machen sei. Was soll ich sagen? Ich bin mir nicht sicher, ob die Leute, die auf der Insel jede Opposition verbieten, die allerrichtigste Antwort auf Lager haben.


Immerhin haben sie Cristal-Bier auf Lager, das uns als Methadon für unser geliebtes Schlägl Kristall diente.


Jetzt aber, was ist mir passiert? Weil sich mir so gar kein super Mittelweg zwischen Neoliberalismus und abgerocktem Revolutionssozialismus aufgedrängt hat, musste ich zu demokratisch fragwürdigen Mitteln greifen. Just an dem Ort, an dem einst Columbus sprach "Da bin ich, und wer nicht bei drei widerspricht, gehört Spanien", ließ ich mich inspirieren. Mit dem Resultat, dass Cuba jetzt zu Österreich gehört. Wir müssen mit dieser Aufgabe nun verantwortungsvoll umgehen! Das Gute daran ist, dass wir endlich wieder Zugang zum Meer haben. Und was für einen.

Und weil ich schon drüben war und grad in konquistatorischer Stimmung, bin ich nun auch Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika. Wer lieber den Trump möchte, darf sich gern beschweren und mich zum Armdrücken herausfordern.

Montag, Oktober 17, 2016

Zermerscherte Speisen führen zum Reichtum

Diese Blogsache ist keine Einbahnstraße, deswegen möchte ich euch heute was zurückschenken - als Dank für eure Aufmerksamkeit. Es handelt sich vielleicht um das Wertvollste, das je in meinem Kopf entstanden ist. Eine Businessidee, wo ihr sagt: Oida, das ist eine Business-Idee! Hier ist sie schon: 
DER REGIONALE SMOOTHIE
In unseren schnelllebigen Zeiten bleibt immer weniger Energie für das Kauen unserer Nahrung. Smoothies, also zermanschte Speisen, feiern fröhliche Urständ. Gleichzeitig ist der Verzehr von Breien eine Akzeptanz des Hinalterns zum Tod. Bald ist das Gebiss schadhaft und nicht mehr zum Aufbeißen von Kronkorken geeignet. 
Ernährungsesoteriker mahnen uns schon eine Weile zu veganem Biozeug aus regionalem Anbau. Das müssen wir aber ganz konsequent weiterdenken. Und mit diesem heimatlich-identitären Trachtenschas kombinieren. Hier bitte! Trommelwirbel! Drei super Smoothies!

1. "Bauer": Schweinsbraten, Stöckelkraut, Knödel, Weißbier
2. "Jaga": Hartwurst und Enzian
3. "Kardinal": Messwein, Oblate, Malibu

So! Jetzt macht mit meinem Geschenk, was ihr wollt. Wenn das zufällig jemand aus dem REWE-Milieu oder vom Nestlé-Kraken liest, schreibt mir was in den Kommentarteil und überweist 23414556905986€.