Montag, Mai 02, 2005

Muttimobbing

Gott zum Gruße, liebe Gemeinschaft!

Trotz zahlreicher Klagen meiner Leserhorden, ich schriebe zuviel, das schädige die ohnehin darniederliegende Volkswirtschaft, da man ständig gezwungen sei, während der Arbeit den ganzen Schwulst meiner Textneuanschaffungen zu rezipieren (Ende der direkten Rede), finde ich, dass ich sehr nachlässig war in der letzten Woche! Und ich stehe ja erst am Anfang meines schriftstellerischen Schaffens, da macht sich eine Schreibblockade noch gar nicht gut. Ich möchte daher flugs die Gründe für meine Schreibkarenz an dieser Stelle vorstellen: Ich stand letzte Woche im Dienste der seienden und werdenden Mütter dieser Welt.


Mobbing am Arbeitsplatz: Neben älteren ArbeitnehmerInnen sind auch schwangere Menschen stark betroffen. Foto: MNK

Schwangere und/oder in Mutterfunktion stehende Menschen haben so manchen Nachteil in dieser unserer poststrukturalistischen Gesellschaft zu erleiden. Sicher, man kann über schwangere Leute schon mal den Kopf runzeln, wenn sie sich in die verrauchtesten Beisl drängen und dann zuerst augenrollend, später verbal, rauchende Mitbürger tadeln. Raucher kann man, so meine Überzeugung, aber nicht mit dem Hinweis auf eine aufkeimende Leibesfrucht von ihrem törichten Verhalten abbringen! Oft sagen die dann frech: "Ach, du bist schwanger, dich nehmen wir gar nicht ernst. Außerdem schau, dass du aus der verrauchten Bude kommst, es ist schon nach Mitternacht, das schädigt ebenfalls die Leibesfrucht!"

Seiende und werdende Mütter - Opfer des Volkszorns?
Foto: MNK

Auch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die Beaufsichtigung von sich im Sand wutzelnden und ums Spielzeug raufenden Säuglingen nicht gerade das ist, womit König Arthur seine Ritter beauftragt haben mag. Womit wir schon bei meinem persönlichen Wochenbericht sind: Anstatt mit braungebrannten Kletterern mit kraftgewölbten Brüsten und Schokoladeerdbeeren in der Tasche über deren sexuelle Neigung zu sprechen, musste ich zu den seienden und werdenden Mütter in den Sand. Dort rollte eine davon mit den Augen und greinte mit schwangerschaftswaidwunder Stimme: "I hätt soooooo gern a Apfiiiiii!" Als ich darauf erwiderte, dass ich keinen solchen bei mir habe, sagte die schwer von allerlei Hormonen, Gefühlen und Bedürfnissen Gezeichnete: "I hätt oba soooooooo gern a Apfi!!!!!!!!!!!!!" Wie hätte König Arthur darauf reagiert? Richtig, er wäre zurück zu den Kerlen und hätte dort Äpfel geschnorrt.
So verfuhr auch ich. Doch wie böse das Erwachen! Zwar gab man dort den Muttis, wonach sie sich sehnten, doch verwehrte man ihnen den Zutritt in das Klettergehege (im Esterhazy-Park, das muss man wissen, ertüchtigt man sich in einem Affenkäfig; kleine Kinder werfen manchmal Brot und Bananenstücke durch das Gitter) mit der Bemerkung: "Nee, wir wollen hier keine Leute, die nicht von allein aufs Klo gehen! Und eure Frauenprobleme könnt ihr woanders durchkauen!"
Da aber fuhr heiliger Zorn in mich und grub grimmige Züge in mein Gesicht:


Holy Anger. Foto: MNK


Der Zorn der Gerechten verlieh meinem sonst so schmächtigen, kleinen Körper ungeahnte Kräfte! Ich zwängte den Käfig auf, schob die kraftgewölbten Machos zur Seite, riss dem anwesenden Säugling die vollgekackte Windel vom Hintern und schwenkte sie programmatisch in der Luft, während ich folgende Brandrede hielt: "Männer dieser Welt! Es ist Zeit, der Wahrheit ins Auge zu blicken! Let's face it! Vollgekackte Windeln gehen uns alle an!" Daraufhin stürmten alle Muttis mit ihren Säuglingen jubelnd in den Affenkäfig, schraubten mitgebrachte Thermoskannen mit Fencheltee auf und verteilten buntes Sandspielzeug auf den Matten. Die Kletterer mussten überquellende Abfalleimer voller Kinderkackwindeln zum Müll runter tragen.
Die Mütter sitzen heute noch im Kletterkäfig, als Mahnmal der Menschlichkeit!




Muttis haben ein Recht darauf, in einen Affenkäfig eingesperrt zu werden.
Foto: MNK

3 Kommentare:

jules hat gesagt…

Ein Hoch auf Mintschi! die Rächerin der Besamten! Tod den speichelleckenden Windelwechslverschmähern!

Dominika Meindl hat gesagt…

Ja, meine lieben befruchteten Mitmenschen! Ich haue lieber zu, als dass ich von waidwunden Hormonopferaugen Äpfel- und Birnenwünsche ablese! Veilchen statt Rosen!

Anonym hat gesagt…

Hallo, hier ist Minkis Mutti. Ich muss euch sagen, ich geniere mich sehr für mein Kind! Das mit den Windeln mag eine Aktion gewesen sein, die beim Volk gut ankommt, aber das ist populistisches Kalkül, auf dass die
uttis zu ihr in die Lesung kommen! Dreimal pfui über meine Leibesfrucht!