Dienstag, März 22, 2005

Mikado im Gatsch

Liebe Kinder!

Anlässlich des heutigen Weltwassertages erzähle ich euch eine Geschichte über einen Mann, mit dem ich einst zusammenwohnte. Also eigentlich ist die Geschichte ein Dialog, der sich entspann, als ich versuchte, diesen Mann über den ohnehin nicht besonders komplexen Handlungsverlauf einer Fernsehschnulze aufzuklären. Ich bürge für die Richtigkeit der folgenden Worte mit meinem guten Namen, denn ich habe mir alles realitätsgetreu aufgeschrieben (damals litt ich auch noch nicht unter den Folgen meiner übermäßigen Marillenverehrung).

I: „Oiso, dem sei Frau is gstoam, und jetzt kriagt a aundere ihr Herz und
valiabt si daun in eam.“ [Eine meines Erachtens nach wie vor schlüssige und
vollständige Zusammenfassung dieses Films]
A: „Wöchane is gstoam?“
I: “Dem sei Frau.” [man sieht den Witwer]
A: „Wöchane?“
I: „De siagt ma nimma, weil’s scho tot is.“
A: „De Schwoaze?“
I: „Naa!“
A: „Owa de hob i grod gseng!“
I: „Naaaa! Dem sei Frau! De wos’d gseng host, kriagt ihr Herz!“
A: „Von wem?“

An dieser Stelle brach ich die Erklärung zum Schutz meiner geistigen Integrität ab. Fünf Minuten später – und beim Barte des Propheten: folgende Aussage war ernst gemeint:
A: „He, den Füm kenn I! Des is der, wo er si in de valiabt, de des Herz von seina Frau kriagt hot!

Das war irgendwie wie Sprinten im Gatsch oder Mikadospielen mit Parkinson. Denkt da mal drüber nach!

Kommentare:

photomas hat gesagt…

Diese Geschichte, oder zumindest ihr Prinzip, kennt man ja auch schon aus Tagen, als des Fernsehkastl noch nicht Quell solch unlösbarer Aufgaben war. Bei den guten alten Griechen war's ein armer, halbnackter Mann, der sich an Deiner Stelle zwar nicht mit unverständigen Mitbewohnern, dafür aber mit nicht minder schwierig handlbaren Steinen und Bergen plagen musste.
Aber seine Verzweiflung ist im Vergleich zu Deiner garantiert verschwindend klein gewesen...

irongirl hat gesagt…

Aber wer die Marillenmarmelade von Minkasias Mama kennt, weiß genau, daß es sich um Entzug handelt, allerdings nicht Vitamin-Entzug sondern eher Rum ...

photomas hat gesagt…

Aaaaaber: das würde ja bedeuten, dass damals, als sich dieses aussichtslose Ereignis zugetragen hat, Minkasias Geist noch nicht von übermäßigem Marillenmaremladen-Verzehr getrübt war. Oder liege ich mit dieser Annahme völlig falsch, und sie schwelgte schon in jüngeren Jahren in den Tiefen der mütterlichen Marillenmarmelade, kramt jetzt nur wieder die alten Geschichten heraus, weil sie sie an ihren damaigen Zustand, reich an Marillen und Rum, erinnern?
Wie auch immer, sie hat damals wie heute ein erschreckend realistisches und beinahe schon verzerrungsfreies Auge für die Tücken und Macken der Gesellschaft und der Menschheit im Allgemeinen, egal ob mit Marillenmarmelade oder ohne.

Minkasia hat gesagt…

Ja, eine Syphilis-Arbeit ist das mit den Filmzusammenfassungen für Zu-Spät-Gekommene!
Zum Rum: Ja, damals hat mir der Rum sicher den Schmerz genommen, der mich jetzt antreibt! Deswegen entsteht hier ja so viel Kuuuuunst! Also: früher bürgerlich mit Narkotikum, jetzt revolutionäre Problemarbeiten! probiert's aus!

Mag. Cordinka Hendl hat gesagt…

Habe ja auch schon mit Minkasia darüber dischkutiat, dass man nur aus eigenem Mangel (an Marillenmarmelade) oder eigenem Leid heraus wirklich Kuuunst schaffen kann - meine seeehr küüüünstlerische Homepage verdanke ich somit eigentlich nur der Existenz Minkasias, unter der ich sehr zu leiden habe!