Freitag, Dezember 12, 2025

Wunschliste ans Christkindi für 2026: Ich bitte um eine gute Sterbstunde

Liebes Weihnachtswesen, hier ist wieder deine Minki! Sorry, dass ich mich immer nur zu deinem Geburtstag bei dir melde, es ist allerweil so ein Wirbel, aber ich glaube das ganze Jahr über fest an dich. Da sind wir ja Kolleginnen, denn was wäre das Kind Gottes, und was wäre eine Bundespräsidentin, wenn niemand glaubt, dass es uns gibt?! Du darfst dir auch gern was von mir wünschen, sag' einfach Bescheid, wenn ich was tun kann für dich, zum Beispiel einen Pflegeplatz für den Papa.

Auch heuer formuliere ich meine Wünsche eingedenk der Frohbotschaft des Erzengels Michael: „You can't always get what you want. But if you try sometime you'll find you get what you need!“ In der berühmten Vulgata-Übersetzung von Joki Kirschner: „Geschenke sind nicht wichtig, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man sie hat, wenn man sie braucht.“ In diesem Sinne! Folgendes wünsche ich mir heuer sehnlich:

  • Eine Zeitreisemaschine, eh keine arge, sie kann aussehen wie eine Saunakabine im endlich trockenen Keller (Vergelt's Gott dafür!), und sie muss nur sechs Monate in die Vergangenheit zurückgehen, und auch nur im Winter – ich möchte einfach nur jederzeit oben im Hochsommer in meiner geliebten Wildnis des Toten Gebirges sein, und beim Hinüberschauen auf den Dachstein nasse Augerl kriegen. Ein Sommertag in meiner selbstgebauten Vergangenheit und ich wär' leistungswillig wie ein feuchter neoliberaler Traum.

  • Ich bitte innig um die Wiederschenkung meines Grundvertrauens in meine humane Mitschöpfung. Man muss ja nicht so einen Stiefel zusammenwählen. Bitte lass' die Leute wieder mehr Bücher lesen, müssen eh nicht nur die unseren hier sein. Gerne hätte ich weniger Satire in der Politik, es ist derzeit sauschwer, selbst eine zu schreiben.

  • Dann brauche ich neue Turnschuhe, ich bin zu blöd dafür, oder zu unentschlossen, vielleicht wär's gscheiter, wenn es eine leicht kommunistische Konsumwarenverknappung gäbe, also nur noch sagen wir zehn verschiedene Sorten, dann tu ich mir leichter.

  • Abschließend wünsche ich mir, dass die Wissenschaft endlich ihre Prioritäten geregelt kriegt, was soll diese oasch Rüstungsforschung, setzt euch auf eure Hosenböden und arbeitet emsigst an lebensverlängernden Maßnahmen, keinesfalls aber an der longevity durchgeknallter Nabobs wie Musk, Bezos und Zuckerberg, da vielleicht sogar bitte in die Gegenrichtung, mein Wunsch betrifft die Lebenserwartung von Hunden, die bitte exakt an jene ihrer Halterinnen angekoppelt werden möge, so schwer kann das ja nicht sein.

Das war's schon für mich! Weihnachten ist ein Fest der Liebe, da soll man nicht nur an sich selbst denken, sondern einmal an andere. Auf nationaler Ebene:

  • Unserem Bundeskanzler Stocker wünsche ich ein bissi mehr Eier, nicht im männlichen Sinne, das sind ja maximal zwei weiche, sondern Millionen taffe Fraueneier, damit er endlich in die Puschen kommt. Ich wünsch dem Buddha von Wiener Neustadt einen Neustart! Und dem Vizekanzler, dem Babler Andi, wünsch ich alles Gute, er hätt ja unlängst fast meinen Hund geküsst, drum samma Hawara, ich wünsch ihm Milliarden für ein ordentliches Kulturbudget.

  • Dem österreichischen Wahlvolk wünsche ich 2026 viele Momente der reflektierenden Einkehr, es sind nämlich keine Wahlen weit und breit, da müsst ihr euch nicht deppert aufganserln lassen.

  • Harald Mahrer wünsche ich einen guten Übergang in seinen nächsten Karriereabschnitt. Möge ihm Potpourri an neuen Aufgabenfeldern blühen, eine AMS-Abteilung nur für ihn. Er kann sich eine Stelle aussuchen oder gleich alle übernehmen, also: Liftwart in Kirchschlag, Behindertenbetreuer in Hartheim, Tierheimputzmann, Image-Restaurator der SOS-Kinderdörfer, Bardienst im Strandgut, der Bundespräsidentin den Keller ausweißigen, Koordinator des Science-Hubs für Zeitreisebüros und Dog Longevity – halt einfach einmal eine echte, ehrliche Arbeit, die Gutes bewirkt!

  • Den Verantwortlichen der Rodung des Bergschlössl- und der Ziegeleistraßenparks zugunsten des Westrings wünsche ich, dass sie postmortem in einem ewigen Kreislauf an Autobahnzubringerkreisverkehren sich verheddern und erst wieder herausfinden, wenn die Hölle sich mit Eis bedeckt.

  • Allen Herren, die im Gendern eine Verhunzung der Deutschen Sprache sehen, wünsche ich per sofort den Paygap ihrer eigenen Gattinnen an den Hals. Plus eine verpflichtende Nachschulung im Fach angewandte Diachrone Linguistik im Ausmaß von vier Semestern.

  • Allen Herren, die mir mit ihren blöden Premiumfahrzeugen den Vorrang nehmen, obwohl hinter mir kein anderes Auto ist und die mich dann ausbremsen, weil sie drei Meter weiter abbiegen, diesen Linksabbiegenazis wünsche ich einen erweiterten Sachkundenachweis, weil sie ein Listenauto fahren und insgesamt dass sie sich 2026 viele Papierschnitte und Fieberblasen holen.

Damit sind wir schon auf der globalen Ebene:

  • Allen Despoten, Tyrannen, Faschisten, Demokratiefeinden wünsche ich herzlich eine gute Sterbstunde. Davor viele Papierschnitte und Fieberblasen. Ich wünsche Trump, dass er viel in Hundekot steigt und erst draufkommt, wenn er schon quer über den sauteuren Seidenteppich im Ballroom gelatscht ist, und ich wünsche ihm 2026 die Rache der Journalistik, #epsteinfiles. Ich wünsche Putin, dass ihm kein Hund mehr zugeht, kein liebes Tier lässt sich jemals wieder von ihm streicheln, nie mehr wieder ein warmer Blick aus treuen Augen, und ich wünsche ihm einen nächtlichen Schlaganfall, seine Adlaten fragen sich in der Früh, nanu, wo bleibt der Chef denn, sonst ist er um 5 schon in der Höh, aber ich trau mich nicht nachschauen, sonst ist er ement grantig und schickt uns an die Front! 72 Tage später folgt Putin seinem großen Vorbild Stalin, Tod wegen unterlassener Hilfeleistung.

  • Ich wünsche allen Patriarchen dieser Welt ein Jahr als Frau, den Taliban zuhause, Trump in Somalia; alle haben Cellulite und Endometriose, dazu eine super-übergriffige Chefin und einen Mann, der viel fremdgeht und bei jeder Gelegenheit erklärt, dass Gendern die deutsche Sprache verhunze.

  • Der Hamas, den aggressiven Siedlern, den „Konfliktparteien im Sudan“ etc. wünsche ich, dass es sie beim Niesen in tausend Fetzerl zerreißt und sie keine Hände mehr haben, um sich aufzuheben.

  • Hier noch der Vorjahreswitz, der ist noch pfenninggut: Viktor Orban wünsche ich, dass er weiter so rasant verbladet, dass ihn sein sinnloser Populismus weiter so aufdunsen lässt wie ein totes Pferd am Ufer des Balatonsees (Bladatonsee, haha).

Jetzt aber Schluss und Liebe! Ich wünsche euch allen drei Kilo Gewichtstsunami, viel Liebe, auch körperlicher Art, und brave Christkindl! Ausschließlich hier bin ich Befürworterin der Kinderarbeit.

Ab 1. Jänner 2026 gilt dann die neue digitale Autobahnvignette, in Trafiken gibt’s noch die zum Picken, wer's nicht anders haben mag, sie ist feuerrot, und weiterhin gilt das Matriarchat, auch das lodert feuerrot und insgesamt ist es golden.

Montag, November 24, 2025

Die neue oberösterreichische Hausordnung

Das kleine 1x1 des Zusammenlebens

Vergangene Woche hat die oö. Landesregierung eine „Hausordnung“ präsentiert. Jetzt bin ich nicht die hellste Kerze auf der Torte der Arithmetik – aber ist 1x1 nicht trotzdem nur eins, und ist das nicht die niedrigste einstellige Zahl? Also irgendwie der klitzekleinste gemeinsame Nenner, sprich: sehr wenig? Egal. Wichtiger ist, dass sich das nur Männer ausgedacht haben, also gilt das für die auch. Für alle anderen gelten WEITERHIN die unsere gemeinsamen Regeln und Werte, die ich mit Liebe und Sorgfalt hier aufnotiert habe. 

1. Jeder Mensch hat Würde und verdient Respekt, auch wenn er oder sie beschließt, darauf keinen Wert zu legen und bei Kulturveranstaltungen z.B. „La Montanara“ zu singen, ohne es zu können und mit Schnupfen, oder wenn die Person schiache Ballkleider aus den 80ern anziehen mag. Oder selbstironische Witze macht, was trotzdem streng verbietet, der Person gegenüber auch frech zu werden.

2. Bitte schnäuzt euch! Das Geräusch ist einfach nicht auszuhalten!!!!

3. Wir sprechen hier Deutsch! (Bzw. „Deutsch“) Schnäuzen also bitte mit Ä schreiben, denn es leitet sich von der Schnauze ab. Wir in OÖ gendern, das ist gelebter Brauch, es heißt nicht umsonst Muttersprache. Männer sind zwecks besserer Verständlichkeit mitgemeint.

4. Hunde sind respektvoll zu behandeln und dürfen gerne vor deren Halter*innen begrüßt werden. Wir lieben die Hunde so wia a Kindal sei Muata.

5. Das arschlingse Buserieren im Straßenverkehr ist verboten, insbesondere für SUVs bzw. Audi-, BMW-Fahrer etc. Listenautolenker müssen generell eine erweiterte Alltagstauchlichkeitsprüfung zusätzlich zum Sachkundenachweis ablegen, wenn ihr Kraftfahrzeug die Schulterhöhe von 1m übersteigt.

6. Das Laufen auf den Gängen ist verboten, im Gebäude sind Hausschuhe zu tragen.

7. Männer sind nach Kräften den anderen Geschlechtern gleichzustellen, das Matriarchat ist für alle da!

8. OÖ hat Platz für alle Religionen, wenn sie still im Ausmaß eines privaten Hobbys betrieben werden und nicht nerven, also ca. wie Modelleisenbahnbau, Goldhaubenstickerei oder Hinterglasmalerei.

9. Beim Tarock werden nur Spatz und Uhu angesagt, alles andere ist gottloser Unfug. Kommt die Trui gemeinsam zum Liegen, sticht der Pagat, eh klar.

10. Fleischereifacherzeugnisse dürfen nicht mehr irreführend als Bradl oder Wiaschtl bezeichnet werden, sondern als „Der Sau aus dem toten Nacken gefletschtes Fleisch“ bzw. „in seine eigenen Eingeweide gestopfte Kadaverreste“.

11. Respektspersonen wie etwa die Bundespräsidentin sind in OÖ Schulen mit einem schmeichelhaften Bild in den Klassenzimmern zu repräsentieren und höflich zu grüßen, gerne auch Nackenmassagen anbieten und ihren Hund sowie ihren Regierungsstil loben, das ist nicht cheesy, gutes Bier kredenzen – hier ist Regionalsnobismus angezeigt, da unsere heimischen Brauereiprodukte wahrhaft die besseren sind; Zipfer aber höchstens frisch gezapft.

12. Es gibt in OÖ immer noch diese Probleme mit dem Stadtbild, also Menschen, die extrem gschissn aus der Wäsche schauen, etwa nur um ein Beispiel zu nennen Herrn G. aus Wels, Schillerstraße 1/3, der mich zu Fleiß immer so grämlich anschaut, dass seine Mundwinkel über den Unterkiefer herunterhängen, keine Ahnung, was der gegen mich hat!

13. Bitte passt's besser beim Mülltrennen auf, das ist doch echt nicht schwer, jetzt darf man sowieso fast alles in den Gelben Sack schmeißen, Gmundner Keramik im Großgebinde zum Bauschutt, Lederhosen zur Carla, VOEST-Stahl zum Altmetall, die Handflächen zueinander, noch einmal, schneller, ja, so wird ein Applaus draus! (Letzteres schriftlich bissi doof, aber man kann ja auch einmal privat alleine klatschen).


Mittwoch, Oktober 29, 2025

Bird Watchlist 2026

 

On the wrong side of the 40ies wetteifern mehrere Torheiten um die Freizeit des Menschen bzw. Mannes. Gravelbikefahren, Vintagerennradrestauration, Craftbierbrauen, Baristakaffeesnobismus, Tenkara-Fliegenfischen. Sie eint der Drang, unfassbar viel Geld auszugeben und unfassbar viel darüber erzählen zu wollen. Noch am sympathischsten ist das Birdwatching, also das Vogel-Spechteln. „Schau, ein Wintergoldhähnchen im Prachtkleid!“ „Oh, die Birkhenne kirrt den Hahn in ihre Huderpfanne!“ Diese gefiederten Freunde möchte ich 2026 watchen:

1. Dodo, Greif, Roch oder Phönix (das wär' ein Hallo am Birder-Stammtisch!)

2. Den zahmen Spatzen, der täglich zur gleichen Zeit auf die Hand meines Wahl-Großvaters flog und sich füttern ließ

3. Die Rückkehr der Feldlerchenpopulation vor dem Beginn der industriellen Landwirtschaft

4. Den Sturzflug des PatriArchaeopterix

5. Die Gans Martin aus Nils Holgersson, skandinavischer Sympathieträger

6. Jürgen Vogel, ist vielleicht ein guter Typ

7. Dschungelzwergfischer (auf "Iratebirds" als weltschönster Vogel gerankt)

8. Haubenmeise (ein Vogel wie ich, mit Mittagsschlaffrisur)

9. Der Steinadler auf dem Gipfel des Bruderkogels am Grundlsee

4. Papageno und Papagena bzw. sämtliche Vogelfänger des Salzkammergutes, denen ich in einem amtlichen Normverdeutlichungsgespräch darlege, dass man die armen Vogerl bitte nicht mit einer Leimrute fesselt und sie dann den ganzen Winter in sein Stinkestübchen sperrt, während man selbst in Thailand überwintert, nur zur Gaudi, wenn die Vögel frei über die Wälder des Toten Gebirges fliegen könnten, wenn sie schon bei uns bleiben, weil das ist eine Standorttreue, die ihnen wir garstigen Menschen einmal nachmachen sollten, scheiß auf dein deppertes Brauchtum, aber echt.

Dienstag, Oktober 07, 2025

Der Pilznarr. Gerechtigkeit für Schönering

Als mich der Sprecher der Akademie an diesem Oktoberdonnerstag anrief, um mir den Nobelpreis für Literatur zuzusprechen, ließ ich den Hammer fallen. Nun sind sie völlig verrückt geworden, dachte ich, damit ist der Preis endgültig ruiniert. Ich brachte nur ein wortloses Gurgeln heraus, das man in Stockholm für ein Zeichen der Rührung hielt.

Ich stieg benommen vom Dach meines Baumhauses, das in seinem siebten Jahr wieder angefangen hatte, mein Bett zu nässen; ein schwerer Landregen hatte die größte Leistung meiner Dichtkunst zunichte gemacht. Alles ließ ich nun liegen und stehen, die Planen, die Dachpappe, die Dichtmasse. Vor dem Gartentor hatte sich bereits eine gewaltige Pressetraube gebildet, die Fotografen hielten eifrig auf meinen Hund, der schon wieder in den Vorgarten schiss, obwohl ich doch in der Früh mit ihm äußerln gewesen war. Ich hielt inne, dachte über das kostbare Wort „äußerln“ nach, ist nicht alles Sprechen ein Versuch, das Innere zu äußerln, da schrien mich die Journalisten gierig an, sie forderten Reaktionen und Reaktionen von mir, keiner von ihnen rief mir entgegen, dass er schon ein Buch von mir gelesen habe. Gut, beide sind vergriffen, aber dafür hatte das Dach drei Jahre lang dicht gehalten.

Ich bin nicht hier für des Hundes Scheißdreck!“ rief ich. Im Zustand äußerster Entfremdung lief ich ins Haus, sperrte die Tür zu und wählte mit zitternden Fingern die Nummer des einzigen Menschen, der wusste, wie es mir jetzt ging. Doch Peter Handke hob nicht ab, typisch für diesen Bewohner des Elfenbeinturms in der Niemandsbucht! Er genoss das Exil, das ich ihm damals empfohlen hatte, zwecks Reparatur seines Images. „Zieh auch nach Schönering!“, sagte ich ihm nach seinem Auftritt als Gast bei der Lesebühne, „zieh in mein Dorf, keine Sau interessiert sich dort für seine Dichter! Einmal im Jahr, Peter, lese ich im Pfarrheim für die Senioren, alle fünf Jahre zum Frauentag für die SPÖ-Damen, das war's! Eine heilige Ruhe!“ Tatsächlich konnte sich Handke der Öffentlichkeit hier, am Ostrand des Eferdinger Beckens, in unsere Oase der Poesielosigkeit retten. Ja, es war eine Rettung, seit zwei Jahren lebt er wunschlos glücklich in einem Vierkanter und sucht den lieben langen Tag Vogelfedern und Tintenröhrlinge im Kürnbergerwald. Will dem scheinbar verwirrten Großliteraten ein freundlicher Jogger den Weg zurück durch die Borkenkäferschneisen zeigen, sagt Handke „Ich komme Edramsberg her, von Schönering, von Wilhering“, und alles ist gut. 

 

Verlassen wie ein Kind im Grenzland lief ich durchs Haus, und leider, leider verfiel ich auf die Idee, ins Internet zu schauen. Keine Stunde war mein Nobelpreis alt, schon wurde meine gesamte Vita an die Öffentlichkeit gezerrt wie eine Picknickdecke, an der ein Rudel Paviane reißt. Mein Deutschlehrer erzählte lachend von meinem Faible für Guns N' Roses samt Fransenlederjacke, und dass meine Aufsätze damals eher lieb als gut gewesen seien; meine Schwester gab bei Barbara Stöckl preis, dass ich mir als Kind über Nacht ein Plastikdraculagebiss um 5 Schilling in den Mund gesteckt habe, um meinen Überbiss zu korrigieren. Auf ORF 3 machten sich Daniela Strigl und Klaus Nüchtern über die Rechtschreibfehler in der „Sau“ lustig, Nüchtern erzählte, dass ich zur Not auch Stiegl trinke. Und in der Mittags-ZiB plauderte Christian Wehrschütz über meine Freundschaft mit Kim Jong Un, Fotos von einem Begräbnis wurden eingeblendet. Ich geriet in Zorn, die Verwandtschaft kann man sich halt nicht aussuchen!

Da läutete es Sturm an der Tür, ich riss sie auf und sah Landeshauptmann Stelzer auf der Dacke, neben ihm strahlte Bürgermeister Mario Mühlböck. Sie klopften mir links und rechts auf die Schulter, der „Ortskaiser“ überreichte mir ein Bild vom Stift Wilhering, der „Landesvater“ eine Pfeffermühle aus Leondinger Fichtenholz. Da senkte sich mein Blutdruck, und ich richtete das Wort an die beiden. „Ich fühle mich losgebunden vom Pfahl des eigenen Ich!“ Wir umarmten einander.

So sah ich nicht, wie die Pressetraube heranwanzte. Jemand tippte mir auf die Schulter. Armin Wolf! „Frau Meindl, Peter Handke sagt über Sie, dass zwar ihre Literatur großartig sei, aber Ihre Dichtkunst nicht, denn es regne schon wieder in Ihr Baumhaus!“ Ich war wie vom Blitz getroffen. „Verschwinden Sie!“, schrie ich, „und stellen Sie mir nicht solche Fragen! Ich stamme von Handwerkern ab, von Wegmachern, von Schneidern her! Von keinem Menschen hör' ich, dass er sagt, der Rasen ist aber schön geschnitten, und wie der Zuckerhut in Ihrem Hochbeet gedeiht, alle fragen nur wie Sie!“

Ich schlug, das muss ich zugeben, dem frechen Wolf mit der Pfeffermühle ein bisschen auf den Kopf, dann zog ich Stelzer und Mühlböck in mein Haus und sperrte die Weltpresse aus. Um unsere Stimmung zu reparieren, bot ich den Gästen selbstgebackene Hanfkekse an. Bald lagen wir kichernd auf der Soff, der Hund eingerollt und furzend zu unseren Füßen, und am Ende wurde es doch noch ein gemütlicher Nachmittag. Dem Handke, diesem geschwätzigen Arschloch, habe ich seither nie mehr beim Winterreifenwechseln geholfen.

Dienstag, September 23, 2025

Jenseits von Aussee. Pfiat eng God schee, liabe Almen, pfiat di God schee, Redford Bert!

Um ein kathartisches Tränenerlebnis zu ermöglichen, empfiehlt es sich, dazu Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 abzuspielen, das Adagio

Der Schauplatz <3

Er hatte eine Alm am Fuße des Toten Gebirges. Ein paar hundert Meter vom Dreibrüdersee entfernt. Die Sommer sind kurz hier im Karst. Es war an einem prachtvollen Julitag, da ich vom Bruderkogel abstieg, reich an Beute, denn meine Augen hatten auf dem kaum bestiegenen Gipfel einen Adler gesammelt, der mich wiederum anblickte, bevor er sich über das Widderkar in die Lüfte sinken ließ, als sei es das Meer, das ihn trug. Und auf Meeresboden stand ich, Millionen Jahre alt, in diesem jungen Sommer. (Also der Meeresboden war so alt, ich nur seelisch.)

Ich kam also an der Gössler Alm vorbei, gelöst und gebadet, als ich einen Reflex im Augenwinkel sah. So einen Farbton hatten meine jagenden Augen hier noch nie gesehen, ich hieß den Hund über das hohe Gras fliegen, um das Wild zu stellen. Zu meinem höchsten Erstaunen erklang eine menschliche Stimme, im Grundton wohl tief, aber ich vernahm ein hohes Frohlocken: „Jo Puppi, jo wer bist denn du?!“ Im Näherkommen sah ich ihn zum ersten Mal.

Robert Redford.

Jo, wo bist denn du?“ „I bin do, Robert!“ „Ned du, du Lustige, da Hund, wos isn des fira Rass, des is owa a gaunz a gschickte!“ Niemand würde mir glauben, dass ich hier stand, und dem berühmtesten Schauspieler der Welt erklärte, dass ich den Hund aus dem Heim gerettet hatte, „ma!“, dass sie meine treue Begleiterin sei, „geh liab!“, und wir soeben einen Steinadler erspäht hatten für meine Birding-Liste, „wos d' ned sogst!“ Er hieß mich Platz auf der lärchenen Bank nehmen, dann langte er in den Grander hinter der kleinen, schiefen Hütte und öffnete uns zwei Flaschen Freistädter Ratsherrn. Es lag nicht an meiner einfühlsamen Zurückhaltung, dass ich ihn um kein Selfie bat, sondern daran, dass ich gerade mein Handy im Geröll verloren hatte.

Naja, was soll ich sagen, wie es weiterging. Ich stieg Stunden später im Licht der Sterne ab, mit schlechtem Gewissen, und natürlich hat mich der Buttinger unten in Gössl sehr geschimpft, dass ich so spät daherkräule, wieso ich nicht abgehoben habe, um ein Haar hätte er schon die Bergrettung geholt! Als ich ihm vom Handyverlust berichtete und vom Schmusen mit Robert Redford, der sich hier einen einsamen Almsommer lang vom Leben eines internationalen Superstars erhole, sagte er, ok, Meindl, besorg dir ein neues Handy, und wie schmust der Redford Bertl, ist er so nett, wie er ausschaut? Ja, sagte ich, und er mag Hunde. Da war der Buttinger ein bissl eifersüchtig, aber der Hund und ich, wir schmiegten uns innig an ihn und ich sagte, du bleibst mein Redford von Wels! Mein Herz ist groß genug für euch beide! 

 

So kam es, dass ich auch am nächsten auf die Gössler Alm aufstieg. Es war sehr schön. Am vierten Tag ging ich aber ins Widderkar, denn es ist kein Urlaub, wenn ich nicht im Widderkar war. Tags darauf war der Bertl bedrückt. Er ahnte, dass ich eine wilde, unzähmbare Strawanzerin hier im Toten Gebirge sei. „Schau“, sagte ich zu ihm, „ich habe hier noch lange nicht alles gesehen, und der Urlaub dauert nur noch zehn Tage.“ Ich trocknete seine Tränen mit dem Ärmel meines nicht mehr ganz frischen Merinoleiberls. Am nächsten Tag nahm ich ihn mit auf den Jägersteig ins Widderkar hinüber, wir sahen den Adler wieder. Der Hund sprang fröhlich der Gams nach. Der Eisenhut blühte. Der Wind wuschelte Roberts güldenes und mein ofarbenes Haar. Wir machten Rast in der Wiese, wieder tranken wir Freistädter. Dann sah er mir in die Augen:

Du hast es mir verdorben.“

Was?“

Das Alleinsein.“

Du hast gewusst, dass ich mit dem Buttinger fix zusammen bin.“

Ja“, sagte er.

Da stieß der Adler seinen scharfen Schrei aus, wie um uns vom Abschiedsschmerz abzulenken. Der Hund legte sich zu uns auf die Decke und knibberte an den Pfoten.

Bertl, wieso kannst du eigentlich so gut Deutsch, mit Dialekt sogar?“

Weil mei Muada a Dosige woa. Und mei Voda vo Gramastettn.“

Da gab es mir einen Stich ins zerwanderte Herz. Es brauchte nicht lange, um herauszufinden, dass er mein Großonkel war. Irgendwann würde ich darüber einen verwickelten Familienroman schreiben (sehr praktisch in Originalbesetzung zu verfilmen), aber heute waren wir melancholisch wegen dieses Inzests. „Naja, egal“, sagte ich, „des hod uns do no nia gschodt.“

Robert sah hinüber zum Bruderkogel, jetzt sprach er im Tonfall Meryl Streeps:

Ich weiß ein Lied vom Toten Gebirge, von den Gämsen und vom Abendrot, das die Felsen erglühen lässt, von den Almen und den Gräsern, die sich im Wind neigen. Weiß das Tote Gebirge auch ein Lied von mir? Zittert die Luft über den Gipfeln jemals in einer Farbe, die ich an mir hatte, spielen die jungen Murmeltiere ein Spiel, in dem mein Name vorkommt, wirft der Vollmond einen Schatten auf die Gössler Alm, der dem meinen gleicht? Hält der Adler vom Bruderkogel nach mir Ausschau?“

Wir strichen einander wieder die Tränen von den Backen.

Im nächsten Sommer führte mich mein erster Weg auf die Gössler Alm. Die Hütte war vom Winter zerwirkt und verschlossen. Der Hund sah mich an und winselte. Mit schwerem Schritt zog ich hinüber ins Widderkar.

Von fern sah ich den Lagerplatz des vorigen Sommers. Darauf lagen (jetzt wird’s schön, aber unwahrscheinlich) im Licht des Sonnenuntergangs eine Löwin und ein Löwe, die eine längere Zeit auf unserem Almboden blieben. Es gehört und ziemte sich, dass die Löwen diesen Ort aufsuchten und ein Denkmal für uns waren.

Ich war guter Dinge und stieg ab, ohne die unwahrscheinlichen Gäste zu stören. Das wird dem Buttinger gut gefallen.

Dienstag, August 05, 2025

Do I am?

Das hier ist keine Homepage, das oberste Posting stammt quasi aus dem Mesozoikum. Neues erscheint nur im Verborgenen, irgendwo weiter unten. Aber lasst euch nicht stören, das hier ist nichts weiter als eine Text-Verschenkungs-Plattform. 



Montag, Mai 26, 2025

Botanische Besachwalterung: Die 11 schlechtesten Garten-Tipps der westlichen Welt

Hier zu sehen der Versuch, eine Wildschweinsuhle im naturnahen Garten anzulegen. 

Als unlängst die Autorin Barbara Frischmuth verstarb, sah man die „passionierte Gärtnerin“ in ihrem Altausseer Blütenmeer liebevoll an Blümchen zuppeln, mit reinweißen Fingerkuppen und sterilen Nägeln. Schon alleine deswegen möchte ich in den kommenden 40 Jahren noch nicht sterben, um derlei Peinlichkeit zu vermeiden. Wenn die Gemeinde Wilhering auf die Schnapsidee kommt, mein Grundstück als „Dichtergarten“ zu vermarkten, wird mich die Scham noch Jahrzehnte überleben. Ich muss in meinem „Garten“ aufpassen, nicht von Löwenzahnsamen befruchtet zu werden, vom Kirschlorbeer deprimiert, vom Giersch verhöhnt, vom Efeu umschlungen. Antiautoritäres Gärtnern. Die Pflanzen dürfen selbst entscheiden, wo sie sich hinentwickeln wollen, und deswegen wachsen sie mir über den Kopf. 

Trotzdem hier meine Gartentipps! Es lehrt ja auch das schlechte Beispiel. 

1. Sämtliche Ausgaben bei Bellaflora und Lagerhaus von der Steuer absetzen, als Sonderheilmittel „Ergotherapie“. Bei Kontrollen des Finanzamts angeben, dass man im Dreck wühlen müsse, um Totschläge zu vermeiden. #mentalhealth #meindlhealth

Apropos: 2. Wenn es doch passiert, dass man zufällig Donald Trump oder Vladimir Putin Radieschen naschen sieht, Augen zu und durch, und zwar in der Mitte, die spüren das eh nicht, wenn man es mit einer scharfen Gartenschere macht. Und es ist ja der eigene Grund und Boden, da kann man tun, was man will. Aber kein Schneckenkorn verwenden, das tötet Despoten nicht zuverlässig, wohl jedoch Nützlinge wie Tigerschnegel und Weinbergschnecken.

Tipp 3: Die Leichname von Erzfeinde gehören an sich in die Tierkörperverwertung, weil so ein menschlicher Leib voller toxischer Schadstoffe ist. Ich rate dennoch zur Entsorgung im eigenen Garten, z.B. als Füllmaterial im neuen Hochbeet (Wühlmausgitter drunter nicht vergessen), denn eine lebenslängliche Haftstrafe schadet dem Garten noch mehr, wer gießt dann 25 Jahre lang die Hortensien?

3a. Toten Trump eingraben, geschützte Pflanzenarten draufsetzen, dann können die Behörden wegen Naturschutz nicht mehr ermitteln. 3b. Garten als Friedhof anmelden, um Grundsteuer zu sparen.

4. Sich im eigenen Garten bestatten lassen, entweder im Mausoleum oder im Hügelgrab mit individuell abgestimmten Grabbeigaben, das ergibt ein Hallo bei den Archäolog*innen der Zukunft! „Whoa schau, des muass a mächtige Frau gwesn sei, des is a rot-weiß-rote Schärpn!“

5. Wenn man einen Putsch plant, zur Übung das Erdbeerland annektieren und eine Teilnahme am Songcontest verlangen, diplomatische Vertretungen in aller Welt, EU-Antrag stellen, Fußball-Großevents an Land ziehen. Über die Normalisierung der Verhältnisse Fakten schaffen.

6. Bohnen nur zwei Zentimeter tief in den Boden legen, dazu Kukuruz als Rankhilfe, Kürbis ist ein Starkzehrer.

6a. Wer keinen eigenen Garten hat, bitte das Matriarchat unter meiner Herrschaft unterstützen, um die reichsten 5% zu enteignen und deren Liegenschaften fürs Volk zu parzellieren.

7. Wenn der Garten scheiße aussieht, so tun, als wäre man Andre Heller und wolle der Region einen Zaubergarten der Magie schenken, damit die Menschen in sozial erkalteten Westen das Staunen wieder lernen können. Die erhaltenen 34 Millionen Kulturförderung zum Maschinenring tragen, da geht sich evtl. der Vorgarten aus

8. Freunde mit Rasenmäherroboter regelmäßig ächten bzw. Bilder von zerhäckselten Igeln schicken. Laubbläser NICHT kaufen. Einfach nicht.

9. Vorgarten unter Schotter und Kies ersticken, wenn man nicht mehr so viel Arbeit haben will und keine Angst davor hat, für deppert gehalten zu werden. Mit alten Bergschuhen dekorieren, aus denen lustige Sukkulenten wuchern. Damit hält man auch verlässlich genäschige Lebewesen vom Anwesen fern, mich z.B.

10. Bei der OÖN-Gartenwahl teilnehmen und nach verdienter Niederlage in einem weinerlichen Facebook-Post darüber klagen, dass dieses Scheiß Land seine Kunstschaffenden erst ehrt, wenn sie einmal tot sind!!!!

11. Apropos: Einfach aufgeben und eins mit dem Erdboden werden, sich von Rosenkäferengerlingen fressen lassen, so wird aus dem schlaff gewordenen Leib wieder was Schönes. #upcycling

Dienstag, April 01, 2025

Twerkverbot am Frauentag, verwehte Trauerenten und temporäre Hundelesben

Lebenskrimskrams im März 2025

1.3.

Alle Wesen im Raum durch ein einzelnes Wildschweinschnarchen aus dem Schlaf reißen.

Kurz überlegt, ob ich mit meiner Nickerchen-Bums-Frisur zur Vollversammlung gehen soll, aber ich bin doch kein Mann.

Vertrauliches Büffet-Gespräch über filzige Gebarungen, und ich Dummerchen wundere mich immer noch, 1. wie man so wird, angesichts der hohen Ideale, und 2. warum kein Lokaljournalismus ein Ohrwaschel rührt.


2.3.

Zum Frühjahrsputzopfer geworden, an einem SONNTAG! Vorhänge waschen. Bin ich deppert?!

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Was mich immer stärker nervt: Doppelpunkte: an Stellen, die: man nicht braucht. Eine Marotte, die derzeit das bürgerliche Feuilleton reitet.

3.3.

Das Hoch „Ingeborg“ löst das Hoch „Hertlind“ ab. Der Klimawandel kommt in schrulliger Form.

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C. ist so wie ich melancholisch am Geburtstag des Vaters, sie erleichtert uns den Tag, in dem sie mir indiskret die „krokierten Versen“ des Kollegen schickt (=eine korrigierte Version der Spesenabrechnung). Selig wir leicht zu Unterhaltenden!

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Rabbit Eye Movement (wenn man im Traum rennenden Hasen nachschaut)

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Meine armen Apfelbäume! Hoffentlich verzeihen sie mir, was ich ihnen gerade als „Veredelung“ angetan habe (Nachtrag Jänner 2026: eher nicht, so wenige Äpfel hatte ich noch nie, recht ist mir geschehen).

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Ein Buch über das Bergsteigen, das mich nervt, weil ich es so liebe – muss man denn dabei immer herabblicken auf die im Tal Bleibenden? Und wann hört der depperte Bezwingzwang auf?! Es wird hier viel mangesplained und der Herrgott bemüht.

4.3.

Menschen, die ohnehin schon schwer vertrauen, sollten niemals einen Rohrbruch o.Ä. erleiden. Es wird schon keine Klage wegen Geschäftsschädigung geben, wenn ich hier versteckt im Bloggekröse sage, dass Rohrmax eine depperte Firma ist.

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Traum von Bandwurmkolonien und sich in einer Donaustrandwohnung versteckenden Terroristen mit Hackebeilen.

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Beim Bouldern heute besonders starke gravity issues, aber ich lasse mir nichts anmerken.

5.3.

 

Beim Weg auf den Kleinen Priel fährt mir ein Jäger nach, zum Glück entscheide ich mich doch noch dagegen, mich würdelos im Wald zu verstecken. Als er mich erreicht hat, fragt er nur halbwegs freundlich nach, ob ich Fini eh an der Leine behielte, „wengam Wüd“. Ich schwindle und streichle seine Gebirgsschweißhündin, die ihren Kopf zu mir heraus streckt. Keine hundert Höhenmeter später liegt eine frisch abgeworfene 8-Ender-Geweihstange mitten auf dem Wanderweg. Ich verstecke sie und beschließe auf dem Rückweg, sie dem Jäger zu bringen, weil er freundlich war. Ich hatte aber ganz unterschätzt, wie sehr ihn das freut. Er chauffiert mich zurück den Berg hinauf zur Kammer, in der die Hinterstoderer Jägerschaft ledige Geweihstangen sammelt, ich darf mir eine davon als Finderlohn aussuchen. Es war weise und sogleich lohnend, sich für die Ehrlichkeit entschieden zu haben, denn auch mit dem geschenkten Geweih verursache ich einen beträchtlichen Aufruhr im Ort. Nie hätte ich die selbst gefundene Stange unbemerkt zum Auto schmuggeln können. Vier verschiedene Männer halten mich auf, einen fünften haben sie schon angerufen. Überraschend auch, dass praktisch alle Männer im Tal im Dienst der „hoheitlichen“ Jagd zu stehen scheinen. 

 

Als ich den ersten Jäger fragte, was denn mit den ganzen unreklamierten Geweihen passiere, sagt er, die gingen an Möbel- und Schmuckfirmen, oft als ganzes Konvolut aber an chinesische Händler, die „Stangerlpulver“ daraus machten, „i hob's owa nu nia prowiad!“

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Das gute Hundekind hat es sich angewöhnt, mich nach etwas schwierigeren Passagen zu loben. (Dass ich das Geweih liegen habe lassen, war ihr hingegen unverständlich.)

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Endlich Maria Hofstätter getroffen, um ihr mitteilen zu können, dass wir auf komplexe Weise nicht verwandt sind. Sie ist auf unkomplizierte Weise so sympathisch wie erwartet.



6.3.

Ich bin die Haushälterin meiner selbst. Beim Apfelbaumastzerkleinern komme ich mit S. (45) ins Plaudern, etwa darüber, dass wir schöne Unterwäsche nur noch anziehen, falls was passiert und wir ins Krankenhaus kommen. Oder, dass wir beide schon super Pensionistinnen wären. Später beim Spazieren die Sch. getroffen, die ungefragt feststellt, eine super Pensionistin zu sein. Wir machen Small Talk, während sich unsere Hündinnen zärtlich abschlecken, it's that time of the year.


7.3.

C. sagt zur Frühpensions-Konversation: „Wir brauchen eigentlich eh schon alle Pflegestufe 1.“ Ich meine, dass die Richterskala da nach oben hin offen sein müsse.

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Berni Wagner bringt uns durch das Vortäuschen eines verrissenen Genicks noch vor dem ersten Wort zum Lachen. Er weiß einfach, dass das Kabarett-Publikum 40+ ist. Besonders lustig: „MIA muass gfoin! I spü des nu 200 moi!“ Den ersten Satz könnte man sich durchaus aufs Hirn tätowieren lassen.

Aber so erfolgreich kann ein Star gar nicht sein, dass seine Eltern beim Heimspiel nicht ungeduldig auf ihn warten. „Er kinnt' scho auzahn.“


8.3.

Euphorie bei der Frauentags-Demo, es wird sogar ein Twerkverbot auf der LKW-Bühne über uns verhängt! Am schönsten ist der „Matriarchat?“-Call mit einem „JETZT!!!!“-Response aus 4500 Kehlen. Eine weniger disziplinierte Despotin als ich hätte da schon den Mob von der Leine gelassen. Ein Tag, der auf die Beschissenheit der Dinge hinweist und paradox darüber hinweghilft. Danach Knödel und Tschibumm-TV.


Foto: Zoe Goldstein <3

9.3.

waschaecht-Generalversammlung draußen mit Sonnenbrillen. Dass dies der beste Verein ist, zeigt sich an der Kürze des offiziellen Teils, das darauf folgende gemeinsame Speisen dauert viermal so lange. Und wieder wird mir alles eingepackt, als sei ich das lebensunfähige Studentenkind der Runde (was auch stimmt, alle anderen kochen wie die Gött*innen).

10.3.

Regen. Ein neues Konzept. 

 

11.3.

Bodo Hell im Radio. Viele Gefühle. 

 

12.3.

Wilhering ist in den Fokus der Birder geraten, weil es eine Trauerente von der Ostsee an die Donau geweht hat. Die einsamste Ente Mitteleuropas, nomen est omen. Es sei ein junges Männchen mit unterentwickeltem Gefieder, erklärt mir Herr Jirši am Kraftwerksstrand.

H. budelt sich am Abend über meinen Birder-Spott auf (ich bin halt eine Spötterin!), immer zitierte ich ihn falsch mit dem „Wintergoldhähnchen im Winterprachtkleid“, „a so a Bledsinn oiwei, des mausert goa ned ins Wintergefieder eini!“

Experiment Literatur mit Köhle und Emminger. Nach der Lesung erzählen wir einander im Ringerl, wessen Erziehungsberechtigte am seltensten beim Elternsprechtag waren (Gewinner Köhle: 1 x beim Jazzmessen-Schulgottesdienst in Nassereith, bei dem „Stairway to Heaven“ gegeben wurde). 

 Keine Fotobeschreibung verfügbar.

 Foto: Sigrid Schiehauer

Markus erzählt von seiner Reise in Länder ohne Postkartenkultur; in Kirgisien großes Rätseln, was das überhaupt sein soll. Auf den Philippinen schickte man ihn in eine Kunstbuchhandlung, wo seine Schilderung großen Zuspruch fand, „that is a very nice idea!“

13.3.

Die Birder kommen immer noch zum Kraftwerk. Zwei Freistädter Lockdown-Einsteiger lachen herzlich über meinen „Tien-Shan-Spatzen“, das sei doch ein Laubsänger!

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Der liebe Kollege Roiss erzählt, er habe schon mit 20 einen Roman geschrieben, der zum Glück verschollen sei. Die ebenfalls liebe Christine Mack fragt, warum uns das früher Geschriebene so peinlich sei, Roiss und ich sehen einander erstaunt an, wie man sowas überhaupt fragen kann. Mir ist schon peinlich, was ich letzte Woche geschrieben habe.

14.3.

Ein geschenkter Tag, wir reisen erst morgen ab. Schnell und leicht packen ist unmöglich.

Wieder homoerotische Szenen auf dem nassen Asphalt zwischen Fini und der fülligen Stella.

15.3. ÖTZTAL – AMBERGER HÜTTE

Große Wiedersehensfreude mit den Kern-Hausfrauen&Müttern. Wir essen die erste von sehr vielen folgenden nicht mehr ganz frischen Mannerwafferl („sper“ ist der Mühlviertler Fachausdruck). Der Zugbegleiter, der sich im Kaffeeabteil in unser Gespräch einbringt, erweist sich als etwas zu Outing-freudig, und wir uns als klassische Gutmenschen. Bei „Technisch bin i da oberste Schwule von Tirol!“ waren wir noch total empowering, „Wow!“ „So mutig!“ Dann berichtet er ganz unbekümmert von seiner langen Zeit bei der FPÖ. Wir genieren uns ein wenig für unsere Vorurteile, auch Schwule dürfen rechtsextrem sein! Nein, eher so: Niemand darf rechtsextrem sein. Es ist alles sehr kompliziert. 

 

Ungleich weniger spricht dafür unser Bergführer, was auch am silbenarmen Osttirolerisch liegen mag: Statt „Ich habe ihn gefragt“ sagt man dort „Inen gfrock“. Ab 19:30 werden wir alle müde und gehen auch wirklich ungeniert ins Bett because we can.

16.3. Hinterer Daunkopf

Irre, dieses Konzept von „Pulverschnee“, das ist ja eine tolle Sache! Auf einmal kann ich wieder Skifahren. Ein Tipp des Bergführers reicht weit über die schönen Verhältnisse hier hinaus: Ohne Angst bleibt mehr Kraft.


Foto: Josef W

17.3.

Weil ich die Batterien für das schwächelnde Lawinenpieps im Zimmer gelassen habe, muss ich umkehren und die Männer allein aufsteigen lassen. Beim Heimstapfen bleibt sehr viel Zeit für Reue und das Gelöbnis, dass mir so etwas nie mehr passiere.

Im Zimmer „Das Unbehagen“ von Arzt gefressen. So viel Muße fürs Lesen werde ich wohl so bald nicht wieder bekommen. Darum geht auch der Murakami sehr gut, den mir C. leihen musste, weil mir jetzt schon der Lesestoff ausgegangen ist.

18.3. Kuhscheibe

Ein großer Tag in großer Landschaft mit sehr guten Menschen. 

Die Tschechen vor uns legen umständlich Steigeisen an, sie gehen mit Pickel und wie auf rohen Eiern. Ich bin etwas in Sorge, dann gehen auch wir los, es ist alles ganz leicht. Vielleicht sollte ich mir ab jetzt alpin wirklich ein wenig mehr zutrauen.

  

19.3. Sulzental – Wels

Noch einmal große Schönheit, im Tal fast schon Hitze. Der anstrengendste Teil der Unternehmung ist der Sprint vom Bus zum Bahnhof Ötztal mit dem ganzen Zeug. In Wels stapfe ich vollgepackt heim wie die Karikatur eines weekend warriors, schaut's, was ich alles in meine Freizeit investiere!


20.3.

Leichter Jetlag. Um 6 Uhr munter, aber keine Arbeitslust.

Beim Stöbern im alten Tourenbuch erkenne ich, dass ich 1994 schon auf der Amberger Hütte war, eine ganze Woche lang. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, man unternimmt das alles für die Würscht. Das Dahinaltern bietet immer mehr Chancen, alles zu vergessen. Möge sich das künftig auf das Ungute konzentrieren.

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Irre, wie gut es sich anfühlt, Spinatsamen in die Erde zu drücken.

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Ab 20 Uhr bin ich in Wahrheit reif fürs Bett. Soll ich die Chance nutzen und ab jetzt ein anderer Mensch werden, eine sportliche Pensionistin?

21.3.

Wenn das neue Menschsein auf einmal wieder mit Menstruationsschmerzen einhergeht, ist die Übung ab jetzt sofort beendet. Ich muss meine Schmerzmitteldepots auffüllen, die schwindenden Vorräte stammen aus dem vorhergehenden Jahrtausend.

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Bei L., D. und B. Wir zeigen einander die schlechtesten Zaubertricks und Hütchenspiele, dann gewinne ich bei UNO und verlange von allen Applaus für meine überragende taktische Leistung, stattdessen werde ich ausgelacht.

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Einpennen bei der heute-Show <3

22.3.

Vertändelte Strohwitwenschaft, während B. durch die Berge fährt (paradox). Kleines Glück beim Tomatenhausreparieren, das nur durch meine Vernachlässigung in diesen Zustand gekommen ist.

Fini bumst einen schönen, schwarzen Labrador, seine Besitzerin sagt „Jo, zoag eam's, wia's geht!“

Immer wieder denke ich darüber nach, ob es Fluch oder Segen ist, dass ich gut moderieren kann. Heute eher Ersteres

23.3.

Es geht weiter in dieser Tonart, heute Bauernhortensienblütenentfernung als erwähnenswerteste Tätigkeit.

Merlin, die Vogelbelauschungs-App, dröselt das Tschilpen des Meisen- und Spatzengschwerls in acht verschiedene Arten auf.

Keiner beschreitet so sicher und elegant den Grat zwischen Selbstironie und Eitelkeit wie Meyerhoff. Wieder sehr gut.

Das erste Gewitter des Jahres.

Der Tag versickert so schnell wie das Wasser des ersten Schauers in der durstigen Wiese.

24.3.

Stare knarren im Nussbaum <3

Derzeit schreibe ich hauptsächlich Honorarnoten und richte alte Texte für neue Einreichungen her. Keine Schöpfungslust.

25.3.

Bodo Hell: „Die Weltherstellung ist überhaupt kein Problem!“

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Früher habe ich extreme Unbequemlichkeit auf mich genommen, um ein wenig Geld zu sparen, heute zahle ich gar nicht so wenig Geld, um leichte Unbequemlichkeiten zu vermeiden.


27.3. LEIPZIG

Wir sind aufgekratzt wie Kinder. Beim ersten Klostopp im Bayrischen Wald verjuxen wir den ersten Speseneuro in der Glitzer-Quietschenten-Greifarm-Betrugsbox. Die Tanke sieht aus wie ein concept store für Trucker-Lifestyle. 

 

Bei nächster Gelegenheit müssen wir den Fernwehpark Oberkotzen besuchen, die Reportage schreibt sich von ganz allein. Überhaupt unterhalten uns die vielen braunen Hinweistafeln auf lokale Sehenswürdigkeiten (Karpfenwelt, Kugelwelt, Thüringisches Meer...).

Wir wohnen in Little Damaskus. Die Straßenbahn endet im Kohlrabi-Zirkus.

In der Innenstadt renne ich in Franzobel, der einen schönen Turban trägt und „oh, die Kaiserin!“ sagt, als er mich erkennt.

Wie im Vorjahr gehen wir zu einem Inder, wieder warten wir eine Stunde, weswegen C. und ich schon eine leichte Kråchn haben, als das Essen endlich kommt.

28.3. BUCHMESSE

Heuer streiken die Leipziger Verkehrsbetriebe nicht, was aber egal ist, weil man so auch nicht zur Buchmesse kommt. In der total überfüllten S-Bahn stehen ganzkörperkostümierte ComeCon-Besucher*innen, Riesenwölfe im Pelz etc. D. googelt die Verkleidungsregeln: keine andere Hautfarbe als die eigene (außer Aliens), nicht breiter als zwei Meter, Waffen müssen vorher gecheckt werden. Mit unseren Mühlviertler Feiteln kommen wir unbehelligt rein – dank eines argen Regelbruchs, denn die korrekte Reihe in der Warteschlange wäre gleich nach dem Ausstieg aus der Straßenbahn gewesen. Wir schummeln uns durch erratischen Strategiewechsel flott nach vorne. D. wehrt zwei pampige deutsche Frauen ab: „Wir haben unsere Anstellleistung an anderer Stelle geleistet.“

Weil auch die geschätzten Kolleginnen Leidenfrost und Schletterer mir gut zureden, erwerbe ich ein Holz-Samurai-Schwert um läppische 30 €. Billiger kann man sich alte Kindheitswünsche nicht erfüllen. Heuer verbringe ich fast mehr Zeit in den bunten Nerd-Hallen als dort, wo ich beruflich hingehöre. Bei den Comics beachtet niemand das Schwert auf meinem Rücken, je tiefer ich wieder zur Belletristik vordringe, desto mehr Blicke ernte ich.

Wie schön dann die Überraschung, als C. auch mit einem Schwert auftaucht, „du brauchst jo wen zum kämpfn!“ 

 

Zu Mittag freuen wir uns wie alte Leute über unsere mitgebrachten Klappstullen.

B. resigniert am Verlagsstand angesichts der diebischen Menschen. „Ma, sie san so frech, sie stehlen in einer Tour“, sogar die fingierte Verlagsvorschau. Mir wär's fast eine Ehre, würde mein Buch gestohlen, aber nur fast.

Beim Heimfahren starke Erschöpfung in der Straßenbahn. Zwei extrem schweißelnde junge Männer küssen sich bei jedem Halt so sacht in die Gesichter, als röchen sie nach blühendem Jasmin.

Wir bewegen uns bewaffnet durch die sichere Stadt. Im Hotel sauen wir D.s Teppichboden ein. Dann gehen wir wie alte Damen bald ins Bett.

29.3. Nürnberg

Unabsichtlich sind wir dem Starkregen zuhause in den klimabegünstigten Norden entkommen.

Die nach 1945 wieder aufgebaute Innenstadt ist eine sehr gelungene Kopie ihrer selbst. Dem internationalen Tourismus ist das nicht entgangen; mit Mittelalter, Advent und Bratwurst lässt sich Deutschland vermarkten.

Das Klutentreter-Denkmal

Ein alter weißer Mann agitiert in einer Buchhandlung die geduldigen Damen so peinlich an, dass es sogar mir peinlich ist, links zu sein. „Rosa Luxemburg, kennen Sie?!“

Ich leide schon sehr unter Hundeentzug und verfolge die fremden Tiere mit meiner Liebe. 

 

Glückliche Stunden vor dem Bieramt in der Nähe des Dürer-Hauses, neben dem extrem absurden Kupferhasen. Wir erfinden Marketing-Empfehlungen, da ja der Hase in Wien ist und das Nashorn in Washington: ein neues Dürer-Tier von einer KI fingieren lassen und dreist als echt verkaufen, z.B. einen schönen Fisch oder eines der Trendtiere (Corgi, Einhorn, Faultier, Otter).

Burgerbestellen bei Hipsters: „Supergern!“

Es gibt sehr teure Mülltrenninseln für Modelleisenbahnfreunde im Drogeriemarkt zu kaufen.


30.3. Nürnberg – Wels

Bei der Fahrt hören wir D.s „Vom Leben der Natur“-CD: Kraken beweisen, sagt ein Biologe, dass es kein intelligent design gibt, weil sie durch ihr Gehirn verdauen müssen.

Missglückte Hundebegrüßung bei der Heimkehr – Fini erlebt gerade ihren ersten Drogenrausch, weil sich das arme, dumme Ding beim Stöckchenfangen das Maul zerrissen hat. Man lebt immer in der Sorge.

Den ganzen versäumten TV-Junk an einem Abend nachgeholt.

Am Schluss frisst der Hund wieder. #happyend

31.3.

Sommerzeit, und wieder der Jetlag des kleinen Mannes. Dazu ist es winterlich kalt. Wetterbericht auf orf.at: „Dem Himmel ist heute nicht zu trauen!“

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Es muss einen hohen Preis bekommen, als Mensch der Gesellschaft keinen Dienst zu erweisen. Uneinsichtige Firmen-Erben, rechte Influencer oder Investment Punks müssen 45356% Steuern zahlen, wenn sie deppert sind.

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Alles hat ein Ende, auch die Wurst.