Lebenskrimskrams
im März 2025
1.3.
Alle
Wesen im Raum durch ein einzelnes Wildschweinschnarchen aus dem
Schlaf reißen.
Kurz
überlegt, ob ich mit meiner Nickerchen-Bums-Frisur zur
Vollversammlung gehen soll, aber ich bin doch kein Mann.
Vertrauliches
Büffet-Gespräch über filzige Gebarungen, und ich Dummerchen
wundere mich immer noch, 1. wie man so wird, angesichts der hohen
Ideale, und 2. warum kein Lokaljournalismus ein Ohrwaschel rührt.

2.3.
Zum
Frühjahrsputzopfer geworden, an einem SONNTAG! Vorhänge waschen.
Bin ich deppert?!
***
Was
mich immer stärker nervt: Doppelpunkte: an Stellen, die: man nicht
braucht. Eine Marotte, die derzeit das bürgerliche Feuilleton
reitet.
3.3.
Das
Hoch „Ingeborg“ löst das Hoch „Hertlind“ ab. Der Klimawandel
kommt in schrulliger Form.
***
C.
ist so wie ich melancholisch am Geburtstag des Vaters, sie
erleichtert uns den Tag, in dem sie mir indiskret die „krokierten
Versen“ des Kollegen schickt (=eine korrigierte Version der
Spesenabrechnung). Selig wir leicht zu Unterhaltenden!
***
Rabbit
Eye Movement (wenn man im Traum rennenden Hasen nachschaut)
***
Meine
armen Apfelbäume! Hoffentlich verzeihen sie mir, was ich ihnen
gerade als „Veredelung“ angetan habe (Nachtrag Jänner 2026: eher
nicht, so wenige Äpfel hatte ich noch nie, recht ist mir geschehen).
***
Ein
Buch über das Bergsteigen, das mich nervt, weil ich es so liebe –
muss man denn dabei immer herabblicken auf die im Tal Bleibenden? Und
wann hört der depperte Bezwingzwang auf?! Es wird hier viel
mangesplained und der Herrgott bemüht.
4.3.
Menschen,
die ohnehin schon schwer vertrauen, sollten niemals einen Rohrbruch
o.Ä. erleiden. Es wird schon keine Klage wegen Geschäftsschädigung
geben, wenn ich hier versteckt im Bloggekröse sage, dass Rohrmax
eine depperte Firma ist.
***
Traum
von Bandwurmkolonien und sich in einer Donaustrandwohnung
versteckenden Terroristen mit Hackebeilen.
***
Beim
Bouldern heute besonders starke gravity
issues,
aber ich lasse mir nichts anmerken.
5.3.

Beim
Weg auf den Kleinen Priel fährt mir ein Jäger nach, zum Glück
entscheide ich mich doch noch dagegen, mich würdelos im Wald zu
verstecken. Als er mich erreicht hat, fragt er nur halbwegs
freundlich nach, ob ich Fini eh an der Leine behielte, „wengam
Wüd“. Ich schwindle und streichle seine Gebirgsschweißhündin,
die ihren Kopf zu mir heraus streckt. Keine hundert Höhenmeter
später liegt eine frisch abgeworfene 8-Ender-Geweihstange mitten auf
dem Wanderweg. Ich verstecke sie und beschließe auf dem Rückweg,
sie dem Jäger zu bringen, weil er freundlich war. Ich hatte aber
ganz unterschätzt, wie sehr ihn das freut. Er chauffiert mich zurück
den Berg hinauf zur Kammer, in der die Hinterstoderer Jägerschaft
ledige Geweihstangen sammelt, ich darf mir eine davon als Finderlohn
aussuchen. Es war weise und sogleich lohnend, sich für die
Ehrlichkeit entschieden zu haben, denn auch mit dem geschenkten
Geweih verursache ich einen beträchtlichen Aufruhr im Ort. Nie hätte
ich die selbst gefundene Stange unbemerkt zum Auto schmuggeln können.
Vier verschiedene Männer halten mich auf, einen fünften haben sie
schon angerufen. Überraschend auch, dass praktisch alle Männer im
Tal im Dienst der „hoheitlichen“ Jagd zu stehen scheinen.

Als
ich den ersten Jäger fragte, was denn mit den ganzen unreklamierten
Geweihen passiere, sagt er, die gingen an Möbel- und Schmuckfirmen,
oft als ganzes Konvolut aber an chinesische Händler, die
„Stangerlpulver“ daraus machten, „i hob's owa nu nia prowiad!“
***
Das
gute Hundekind hat es sich angewöhnt, mich nach etwas schwierigeren
Passagen zu loben. (Dass ich das Geweih liegen habe lassen, war ihr
hingegen unverständlich.)
***
Endlich
Maria Hofstätter getroffen, um ihr mitteilen zu können, dass wir
auf komplexe Weise nicht verwandt sind. Sie ist auf unkomplizierte
Weise so sympathisch wie erwartet.
6.3.
Ich
bin die Haushälterin meiner selbst. Beim Apfelbaumastzerkleinern
komme ich mit S. (45) ins Plaudern, etwa darüber, dass wir schöne
Unterwäsche nur noch anziehen, falls was passiert und wir ins
Krankenhaus kommen. Oder, dass wir beide schon super Pensionistinnen
wären. Später beim Spazieren die Sch. getroffen, die ungefragt
feststellt, eine super Pensionistin zu sein. Wir machen Small Talk,
während sich unsere Hündinnen zärtlich abschlecken, it's that time
of the year.

7.3.
C.
sagt zur Frühpensions-Konversation: „Wir brauchen eigentlich eh schon alle
Pflegestufe 1.“ Ich meine, dass die Richterskala da nach oben hin
offen sein müsse.
***
Berni
Wagner bringt uns durch das Vortäuschen eines verrissenen Genicks
noch vor dem ersten Wort zum Lachen. Er weiß einfach, dass das
Kabarett-Publikum 40+ ist. Besonders lustig: „MIA muass gfoin! I
spü des nu 200 moi!“ Den ersten Satz könnte man sich durchaus
aufs Hirn tätowieren lassen.
Aber
so erfolgreich kann ein Star gar nicht sein, dass seine Eltern beim
Heimspiel nicht ungeduldig auf ihn warten. „Er kinnt' scho auzahn.“

8.3.
Euphorie
bei der Frauentags-Demo, es wird sogar ein Twerkverbot auf der
LKW-Bühne über uns verhängt! Am schönsten ist der
„Matriarchat?“-Call mit einem „JETZT!!!!“-Response aus 4500
Kehlen. Eine weniger disziplinierte Despotin als ich hätte da schon
den Mob von der Leine gelassen. Ein Tag, der auf die Beschissenheit
der Dinge hinweist und paradox darüber hinweghilft. Danach Knödel
und Tschibumm-TV.

Foto: Zoe Goldstein <3
9.3.
waschaecht-Generalversammlung
draußen mit Sonnenbrillen. Dass dies der beste Verein ist, zeigt
sich an der Kürze des offiziellen Teils, das darauf folgende
gemeinsame Speisen dauert viermal so lange. Und wieder wird mir alles
eingepackt, als sei ich das lebensunfähige Studentenkind der Runde
(was auch stimmt, alle anderen kochen wie die Gött*innen).
10.3.
Regen.
Ein neues Konzept.
11.3.
Bodo
Hell im Radio. Viele Gefühle.
12.3.
Wilhering
ist in den Fokus der Birder
geraten, weil es eine Trauerente von der Ostsee an die Donau geweht
hat. Die einsamste Ente Mitteleuropas, nomen est omen. Es sei ein
junges Männchen mit unterentwickeltem Gefieder, erklärt mir Herr
Jirši
am Kraftwerksstrand.
H.
budelt sich am Abend über meinen Birder-Spott auf (ich bin halt eine
Spötterin!), immer zitierte ich ihn falsch mit dem
„Wintergoldhähnchen im Winterprachtkleid“, „a so a Bledsinn
oiwei, des mausert goa ned ins Wintergefieder eini!“
Experiment
Literatur mit Köhle und Emminger. Nach der Lesung erzählen wir
einander im Ringerl, wessen Erziehungsberechtigte am seltensten beim
Elternsprechtag waren (Gewinner Köhle: 1 x beim
Jazzmessen-Schulgottesdienst in Nassereith, bei dem „Stairway to
Heaven“ gegeben wurde).

Foto: Sigrid Schiehauer
Markus
erzählt von seiner Reise in Länder ohne Postkartenkultur; in
Kirgisien großes Rätseln, was das überhaupt sein soll. Auf den
Philippinen schickte man ihn in eine Kunstbuchhandlung, wo seine
Schilderung großen Zuspruch fand, „that is a very nice idea!“
13.3.
Die
Birder kommen immer noch zum Kraftwerk. Zwei Freistädter
Lockdown-Einsteiger lachen herzlich über meinen „Tien-Shan-Spatzen“,
das sei doch ein Laubsänger!
***
Der
liebe Kollege Roiss erzählt, er habe schon mit 20 einen Roman
geschrieben, der zum Glück verschollen sei. Die ebenfalls liebe
Christine Mack fragt, warum uns das früher Geschriebene so peinlich
sei, Roiss und ich sehen einander erstaunt an, wie man sowas
überhaupt fragen kann. Mir ist schon peinlich, was ich letzte Woche
geschrieben habe.
14.3.
Ein
geschenkter Tag, wir reisen erst morgen ab. Schnell und leicht packen
ist unmöglich.
Wieder
homoerotische Szenen auf dem nassen Asphalt zwischen Fini und der
fülligen Stella.
15.3.
ÖTZTAL – AMBERGER HÜTTE
Große
Wiedersehensfreude mit den Kern-Hausfrauen&Müttern. Wir essen
die erste von sehr vielen folgenden nicht mehr ganz frischen
Mannerwafferl („sper“ ist der Mühlviertler Fachausdruck). Der
Zugbegleiter, der sich im Kaffeeabteil in unser Gespräch einbringt,
erweist sich als etwas zu Outing-freudig, und wir uns als klassische
Gutmenschen. Bei „Technisch bin i da oberste Schwule von Tirol!“
waren wir noch total empowering, „Wow!“ „So mutig!“
Dann berichtet er ganz unbekümmert von seiner langen Zeit bei der
FPÖ. Wir genieren uns ein wenig für unsere Vorurteile, auch Schwule
dürfen rechtsextrem sein! Nein, eher so: Niemand darf rechtsextrem
sein. Es ist alles sehr kompliziert.

Ungleich
weniger spricht dafür unser Bergführer, was auch am silbenarmen
Osttirolerisch liegen mag: Statt „Ich habe ihn gefragt“ sagt man
dort „Inen gfrock“. Ab 19:30 werden wir alle müde und gehen auch
wirklich ungeniert ins Bett because we can.
16.3.
Hinterer Daunkopf
Irre,
dieses Konzept von „Pulverschnee“, das ist ja eine tolle Sache!
Auf einmal kann ich wieder Skifahren. Ein Tipp des Bergführers
reicht weit über die schönen Verhältnisse hier hinaus: Ohne Angst
bleibt mehr Kraft.

Foto: Josef W
17.3.
Weil
ich die Batterien für das schwächelnde Lawinenpieps im Zimmer
gelassen habe, muss ich umkehren und die Männer allein aufsteigen
lassen. Beim Heimstapfen bleibt sehr viel Zeit für Reue und das
Gelöbnis, dass mir so etwas nie mehr passiere.
Im
Zimmer „Das Unbehagen“ von Arzt gefressen. So viel Muße fürs
Lesen werde ich wohl so bald nicht wieder bekommen. Darum geht auch
der Murakami sehr gut, den mir C. leihen musste, weil mir jetzt schon
der Lesestoff ausgegangen ist.
18.3.
Kuhscheibe
Ein
großer Tag in großer Landschaft mit sehr guten Menschen.
Die
Tschechen vor uns legen umständlich Steigeisen an, sie gehen mit
Pickel und wie auf rohen Eiern. Ich bin etwas in Sorge, dann gehen
auch wir los, es ist alles ganz leicht. Vielleicht sollte ich mir ab
jetzt alpin wirklich ein wenig mehr zutrauen.
19.3.
Sulzental – Wels
Noch
einmal große Schönheit, im Tal fast schon Hitze. Der anstrengendste
Teil der Unternehmung ist der Sprint vom Bus zum Bahnhof Ötztal mit
dem ganzen Zeug. In Wels stapfe ich vollgepackt heim wie die
Karikatur eines weekend warriors, schaut's, was ich alles in
meine Freizeit investiere!

20.3.
Leichter
Jetlag. Um 6 Uhr munter, aber keine Arbeitslust.
Beim
Stöbern im alten Tourenbuch erkenne ich, dass ich 1994 schon auf der
Amberger Hütte war, eine ganze Woche lang. Wenn man es nicht besser
wüsste, könnte man meinen, man unternimmt das alles für die
Würscht. Das Dahinaltern bietet immer mehr Chancen, alles zu
vergessen. Möge sich das künftig auf das Ungute konzentrieren.
***
Irre,
wie gut es sich anfühlt, Spinatsamen in die Erde zu drücken.
***
Ab
20 Uhr bin ich in Wahrheit reif fürs Bett. Soll ich die Chance
nutzen und ab jetzt ein anderer Mensch werden, eine sportliche
Pensionistin?
21.3.
Wenn
das neue Menschsein auf einmal wieder mit Menstruationsschmerzen
einhergeht, ist die Übung ab jetzt sofort beendet. Ich muss meine
Schmerzmitteldepots auffüllen, die schwindenden Vorräte stammen aus
dem vorhergehenden Jahrtausend.
***
Bei
L., D. und B. Wir zeigen einander die schlechtesten Zaubertricks und
Hütchenspiele, dann gewinne ich bei UNO und verlange von allen
Applaus für meine überragende taktische Leistung, stattdessen werde
ich ausgelacht.
***
Einpennen
bei der heute-Show <3
22.3.
Vertändelte
Strohwitwenschaft, während B. durch die Berge fährt (paradox).
Kleines Glück beim Tomatenhausreparieren, das nur durch meine
Vernachlässigung in diesen Zustand gekommen ist.
Fini
bumst einen schönen, schwarzen Labrador, seine Besitzerin sagt „Jo,
zoag eam's, wia's geht!“
Immer
wieder denke ich darüber nach, ob es Fluch oder Segen ist, dass ich
gut moderieren kann. Heute eher Ersteres
23.3.
Es
geht weiter in dieser Tonart, heute Bauernhortensienblütenentfernung
als erwähnenswerteste Tätigkeit.
Merlin,
die Vogelbelauschungs-App, dröselt das Tschilpen des Meisen- und
Spatzengschwerls in acht verschiedene Arten auf.
Keiner
beschreitet so sicher und elegant den Grat zwischen Selbstironie und
Eitelkeit wie Meyerhoff. Wieder sehr gut.
Das
erste Gewitter des Jahres.
Der
Tag versickert so schnell wie das Wasser des ersten Schauers in der
durstigen Wiese.
24.3.
Stare
knarren im Nussbaum <3
Derzeit
schreibe ich hauptsächlich Honorarnoten und richte alte Texte für
neue Einreichungen her. Keine Schöpfungslust.
25.3.
Bodo
Hell: „Die Weltherstellung ist überhaupt kein Problem!“
***
Früher
habe ich extreme Unbequemlichkeit auf mich genommen, um ein wenig
Geld zu sparen, heute zahle ich gar nicht so wenig Geld, um leichte
Unbequemlichkeiten zu vermeiden.
27.3.
LEIPZIG
Wir
sind aufgekratzt wie Kinder. Beim ersten Klostopp im Bayrischen Wald
verjuxen wir den ersten Speseneuro in der
Glitzer-Quietschenten-Greifarm-Betrugsbox. Die Tanke sieht aus wie
ein concept
store
für Trucker-Lifestyle.

Bei
nächster Gelegenheit müssen wir den Fernwehpark Oberkotzen
besuchen, die Reportage schreibt sich von ganz allein. Überhaupt
unterhalten uns die vielen braunen Hinweistafeln auf lokale
Sehenswürdigkeiten (Karpfenwelt, Kugelwelt, Thüringisches Meer...).
Wir
wohnen in Little Damaskus. Die Straßenbahn endet im Kohlrabi-Zirkus.
In
der Innenstadt renne ich in Franzobel, der einen schönen Turban
trägt und „oh, die Kaiserin!“ sagt, als er mich erkennt.
Wie
im Vorjahr gehen wir zu einem Inder, wieder warten wir eine Stunde,
weswegen C. und ich schon eine leichte Kråchn
haben, als das Essen endlich kommt.
28.3.
BUCHMESSE
Heuer
streiken die Leipziger Verkehrsbetriebe nicht, was aber egal ist,
weil man so auch nicht zur Buchmesse kommt. In der total überfüllten
S-Bahn stehen ganzkörperkostümierte ComeCon-Besucher*innen,
Riesenwölfe im Pelz etc. D. googelt die Verkleidungsregeln: keine
andere Hautfarbe als die eigene (außer Aliens), nicht breiter als
zwei Meter, Waffen müssen vorher gecheckt werden. Mit unseren
Mühlviertler Feiteln kommen wir unbehelligt rein – dank eines
argen Regelbruchs, denn die korrekte Reihe in der Warteschlange wäre
gleich nach dem Ausstieg aus der Straßenbahn gewesen. Wir schummeln
uns durch erratischen Strategiewechsel flott nach vorne. D. wehrt
zwei pampige deutsche Frauen ab: „Wir haben unsere Anstellleistung
an anderer Stelle geleistet.“
Weil
auch die geschätzten Kolleginnen Leidenfrost und Schletterer mir gut
zureden, erwerbe ich ein Holz-Samurai-Schwert um läppische 30 €.
Billiger kann man sich alte Kindheitswünsche nicht erfüllen. Heuer
verbringe ich fast mehr Zeit in den bunten Nerd-Hallen als dort, wo
ich beruflich hingehöre. Bei den Comics beachtet niemand das Schwert
auf meinem Rücken, je tiefer ich wieder zur Belletristik vordringe,
desto mehr Blicke ernte ich.
Wie
schön dann die Überraschung, als C. auch mit einem Schwert
auftaucht, „du brauchst jo wen zum kämpfn!“

Zu Mittag freuen wir
uns wie alte Leute über unsere mitgebrachten Klappstullen.
B.
resigniert am Verlagsstand angesichts der diebischen Menschen. „Ma,
sie san so frech, sie stehlen in einer Tour“, sogar die fingierte
Verlagsvorschau. Mir wär's fast eine Ehre, würde mein Buch
gestohlen, aber nur fast.
Beim
Heimfahren starke Erschöpfung in der Straßenbahn. Zwei extrem
schweißelnde junge Männer küssen sich bei jedem Halt so sacht in
die Gesichter, als röchen sie nach blühendem Jasmin.
Wir
bewegen uns bewaffnet durch die sichere Stadt. Im Hotel sauen wir D.s
Teppichboden ein. Dann gehen wir wie alte Damen bald ins Bett.
29.3.
Nürnberg
Unabsichtlich
sind wir dem Starkregen zuhause in den klimabegünstigten Norden
entkommen.
Die
nach 1945 wieder aufgebaute Innenstadt ist eine sehr gelungene Kopie
ihrer selbst. Dem internationalen Tourismus ist das nicht entgangen;
mit Mittelalter, Advent und Bratwurst lässt sich Deutschland
vermarkten.
Das
Klutentreter-Denkmal
Ein
alter weißer Mann agitiert in einer Buchhandlung die geduldigen
Damen so peinlich an, dass es sogar mir peinlich ist, links zu sein.
„Rosa Luxemburg, kennen Sie?!“
Ich
leide schon sehr unter Hundeentzug und verfolge die fremden Tiere mit
meiner Liebe.

Glückliche
Stunden vor dem Bieramt in der Nähe des Dürer-Hauses, neben dem
extrem absurden Kupferhasen. Wir erfinden Marketing-Empfehlungen, da
ja der Hase in Wien ist und das Nashorn in Washington: ein neues
Dürer-Tier von einer KI fingieren lassen und dreist als echt
verkaufen, z.B. einen schönen Fisch oder eines der Trendtiere
(Corgi, Einhorn, Faultier, Otter).
Burgerbestellen
bei Hipsters: „Supergern!“
Es
gibt sehr teure Mülltrenninseln für Modelleisenbahnfreunde im
Drogeriemarkt zu kaufen.

30.3.
Nürnberg – Wels
Bei
der Fahrt hören wir D.s „Vom Leben der Natur“-CD: Kraken
beweisen, sagt ein Biologe, dass es kein intelligent
design
gibt, weil sie durch ihr Gehirn verdauen müssen.
Missglückte
Hundebegrüßung bei der Heimkehr – Fini erlebt gerade ihren ersten
Drogenrausch, weil sich das arme, dumme Ding beim Stöckchenfangen
das Maul zerrissen hat. Man lebt immer in der Sorge.
Den
ganzen versäumten TV-Junk an einem Abend nachgeholt.
Am
Schluss frisst der Hund wieder. #happyend
31.3.
Sommerzeit,
und wieder der Jetlag des kleinen Mannes. Dazu ist es winterlich
kalt. Wetterbericht auf orf.at: „Dem Himmel ist heute nicht zu
trauen!“
***
Es
muss einen hohen Preis bekommen, als Mensch der Gesellschaft keinen
Dienst zu erweisen. Uneinsichtige Firmen-Erben, rechte Influencer oder
Investment Punks müssen 45356% Steuern zahlen, wenn sie deppert
sind.
***
Alles
hat ein Ende, auch die Wurst.